Glaub' ich, glaub' ich nicht - Christian Wossidlo - E-Book

Glaub' ich, glaub' ich nicht E-Book

Christian Wossidlo

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Beschreibung

Ein Hilfesuchender sagte einmal zu Jesus: Ich glaube, hilf meinem Unglauben! Unter dieser zweiespältigen Geisteshaltung leiden viele Menschen in den Gemeinden. Viele Glaubensaussagen wie die Jungfrauengeburt, die Dreieinigkeit, die Himmelfahrt fordern Widerspruch heraus. Es gibt so viele Fragen. In diesem Buch versucht ein Glaubender im Rückblick auf ein langes Gleaubensleben Antworten zu geben. Auch schierige Themen wie Leid, Tod, Auferstehung, Liebe und Sex. Erbsünde, Gewaltlosigkeit werden nicht ausgespart. 36 Berufsjahre als Pfarrer und 82 Jahre Lebenserfahrung als bewußter Genußmensch durchziehen die Texte.

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Seitenzahl: 375

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Ein Hilfe Suchender sagte einmal zu Jesus: Ich glaube, hilf meinem Unglauben!

Unter dieser zwiespältigen Geisteshaltung leiden viele Menschen in den Gemeinden. Glaubensaussagen wie Jungfrauengeburt, Himmelfahrt, Allmacht Gottes, Hölle und Paradies, Dreieinigkeit können nicht mehr widerspruchslos nachgesprochen werden. Sie halten sogar Menschen ab, das Christentum als Lebensweise in heutiger Zeit ernst zu nehmen. Es gibt so viele Fragen. In diesem Buch versucht ein Glaubender im Rückblick auf ein langes »Glaubensleben« Antworten zu geben. Auch schwierige Themen wie Leid – Tod-Auferstehung – Sex – Liebe – Erbsünde – Gewaltlosigkeit – Selbstliebe werden nicht ausgespart. 36 Berufsjahre als Pfarrer und 82 Jahre Lebenserfahrung als bewusster Genussmensch durchziehen die Texte.

Christian Wossidlo, 1937 geboren, lebte bis zum Abitur »auf dem Lande« am Rande des Harzes, studierte Theologie in Göttingen und Heidelberg, war fünf Jahre lang Dorfpfarrer im Landkreis Helmstedt, dann dreißig Jahre Pfarrer in Berlin in der Ev. Kirchengemeinde Neutempelhof

Er lebt seit seiner Pensionierung im Jahr 2000 am Schnittpunkt von Berlin Mitte-Kreuzberg-Friedrichshain. Er ist ehrenamtlich aktiv als freier Schriftsteller, als Mitglied des Guttemplerordens (IOGT) und in der Friedens- und Trauerarbeit.

Inhalt

Vorwort

Glauben und Bekennen

Fragen und Ziele

Brauchen wir eine neue Reformation?

Dies sollen wir glauben

Das glaube ich nicht

Meine Erklärungen zu meinen »Absagen«

Das Naturwissenschaftliche Denken

Eine kurze Geschichte des Christentums

Gibt es Gott?

Die Bibel

Die Gnade Gottes

Die Dogmen

Mein Glaubensbekenntnis

Streit, Spaltungen, Irrwege

Wegweiser durch das Jahr

Weihnachten – Wahrheit, Legende, Folklore

Fastenzeit und Karneval

Das Kreuz mit dem Kreuz

Leiden, sterben, leben – von Aschermittwoch bis Ostern

Auferstehung

Wieso legen Hasen Eier?

Pfingsten

Trinitatis

Der Gottesdienst

Segnungen, Trauungen, Trauerfeiern

Taufe – wann, warum und wozu?

Das Abendmahl

Wegweiser durch den Alltag –

Die zehn Gebote, alltagstauglich!

Die Bergpredigt, die Seligpreisungen und das Beten

Der Barmherzige Samariter.

»Ich kann nicht glauben«

Thomas, der Zweifler

Petrus und die Vergebung

Maria Magdalenas vergebliche Treue

Evas Verdienste

Wunder über Wunder

Engel – gibt es die?

Die »Erbsünde« und der »Sündenfall«

Sex ist Liebe. Gott auch.

Gott und die Welt verstehen

6.000 Jahre und ein Buch

Die »Evolution« des Christentums – ein Überblick

Die großen Sünden der Christenheit

Die »Evolution« Gottes

Fundamentalismus

Antisemitismus

»In Gottes Namen« – Religion und Gewalt

Seid untertan der Obrigkeit! So nicht, Paulus! Oder doch?

Die Bibel gegen Darwin

Judas Iskariot – zu Unrecht verfemt

Spiritus und Spiritualität – die Suche nach dem Glück

Die Hoffnung lebt

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein

Qo vadis ecclesia?

Ich singe Lieder und Psalmen

Vergewisserung

Nachwort

Dieses Buch widme ich allen Freundinnen und Freunden,

die mich angeregt haben, dieses Buch zu schreiben,

die mich begleitet haben, als ich es schrieb,

die mir geholfen haben, es in den Druck zu bringen.

Es ist ein großes Glück, all diese Menschen zu haben.

Ich freue mich und danke ihnen

im Februar 2020

Christian Wossidlo

Vorwort

Dieses Buch ist das Ergebnis von immer wieder geführten Gesprächen über Glauben und Zweifel, über Gott und die Welt und über die Bedeutung des Christentums für Menschen, die heute und jetzt leben Auf die vielen Fragen kann ich immer nur die Antworten geben, die mit meinem Glauben übereinstimmten.

Ich stelle in diesem Buch meinen Glauben dar. Wie weit meine Darstellungen, Behauptungen, Zweifel und Glaubensaussagen die Fragen der Leserinnen und Leser beantworten, kann ich nicht wissen, hoffe aber, dass es so sein wird.

Rückblickend auf etwas über 80 Jahre Lebenszeit, auf 36 Jahre Arbeit als Gemeindepfarrer und fast 20 Jahren Ruheständler mit etlichen theologischen Herausforderungen kann ich als Fazit drei Erkenntnisse formulieren.

Die erste ist: ich bin in den Glauben an einen lieben Gott hineingewachsen. Ein Stück Kinderglauben, wie er sich bildet durch Gute-Nacht-Gebete, Kinderbibel (bei uns zu Hause war die Bilderbibel von Schnorr zu Carolsfeld jederzeit zugänglich und sah, als mein Bruder und ich das Haus verließen, entsprechend gerupft aus) und Lieder wie »Weißt du wieviel Sternlein stehen«, wurde verfestigt in der Jungendarbeit der Kirchengemeinde in Bad Harzburg. Er ist mir bis heute erhalten geblieben. Das empfinde ich als Glück und als Hilfe. Dafür bin ich dankbar.

Die zweite Erfahrung ist: Glaube ist nicht gleich Glaube. Er ist nichts Statisches, er verändert sich, er passt sich an, er wird angegriffen von innen und von außen, er ist mal groß, mal klein. Allerdings, so sehr er sich auch jeweils ändern kann, er erzeugt ein schönes, Mut machendes Gefühl. Es tut gut, an Gott glauben zu können. Mir hat es jedenfalls immer gut getan.

Die dritte Erkenntnis ist vielleicht die wichtigste. Der Glaube hat einen Bruder oder eine Schwester, wie man es nennen will. Es ist da eine zweite Seite, untrennbar von der ersten, wie bei einer Medaille. Martin Luther nennt diese andere Seite Anfechtung, ich nenne sie Zweifel. Kritische Geister sagen uns: »glaube nicht alles, was du hörst oder liest!« Ich füge hinzu: »Du musst auch nicht alles glauben«. Für uns Menschen gilt immer: Zweifel sind erlaubt. Wo stünden die Naturwissenschaften, wenn nicht immer wieder Menschen die geltenden Regeln, Gesetze und Erkenntnisse angezweifelt hätten und Neues entdeckten? Zweifel machen kreativ, auch in Glaubensdingen. Sie haben mir geholfen, eigene Wege zu finden und auch leer gewordenen Formeln, von denen einige in der Kirche als Dogmen gelten, nicht als Sperrung des Weges zu Gott zu sehen, sondern nur als Hindernis, das überwunden werden kann.

Die entscheidende Frage bei allem erlaubten und manchmal auch gebotenen Zweifel ist: was ist das Ziel? Zweifle ich, weil ich Gründe suche, um nicht mehr glauben zu müssen, oder zweifele ich, weil ich glauben will. Zu Letzterem will ich mit diesem Buch einladen.

Darüber hinaus will ich deutlich machen, dass das Wesen aller Theologie, aller Lehre von Gott, aller Gebote, also auch allen Glaubens ist zu begreifen: Gott ist die Liebe. Paulus schrieb: »Es bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei. Aber die Liebe ist die größte unter ihnen.«

Zum Buch:

Dies ist keine wissenschaftliche Abhandlung. Es gibt keine Fußnoten oder Querverweise. Es ist eine Beschreibung wie ich meinen Glauben an Gott und Jesus lebe. Die Texte bilden keine fortlaufende Geschichte, sie sind zu verschiedenen Zeiten, zu verschiedenen Gelegenheiten und Zielgruppen geschrieben worden, für dieses Buch gesammelt und möglichst schlüssig eingearbeitet worden. Formal reichen sie von der Glosse über Erzählung, Predigt, Brief, Aufsatz, Essay bis zum Glaubensbekenntnis. Das bedingt Brüche in dem Buch, die ich zu Pausen und zum nachdenklichen Innehalten zu nutzen empfehle. Niemand muss mit allem einverstanden sei. Niemand kann auf alle Fragen eine schlüssige Antwort geben, schon gar nicht auf die Fragen, die er nicht kennt. Das kann ich also auch nicht. Das Buch soll eine Hilfe sein, christliche Lehre besser zu verstehen und glauben zu können, wenn man glauben will.

Zu meiner Person:

Meine Taufe und meine Konfirmation liegen schon lange zurück. Vom Konfirmandenunterricht ist die Erinnerung an das Auswendiglernen von Gesangbuchliedern geblieben. Allerdings auch erstaunlich viele Lieder im Kopf. Mit dem Wechsel zur Oberschule in Bad Harzburg kam ich zur Jungschar in der Kirchengemeinde. Da fühlte ich mich so wohl, dass ich, als ich 14 war und konfirmiert, dort als Teamer (ehrenamtlicher Helfer) weitermachte bis zum Abitur. In dieser Zeit keimte und reifte der Entschluss, Pfarrer zu werden. Genauer muss ich schreiben: Pfarrer zu werden, um Jugendarbeit zu machen.

Das Studium der Theologie absolvierte ich in Göttingen (drei Semester) und in Heidelberg (neun Semester). Dazwischen war ich für und mit der Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste ein Jahr lang unterwegs in den Niederlanden, in Israel und in Norwegen. Meinen Vikarsdienst leistete ich in Königslutter und Braunschweig und wurde im Juni 1966 im Braunschweiger Dom ordiniert. In der ersten Pfarrstelle in Glentorf mit den Filialen Boimstorf, Scheppau und Rotenkamp im Landkreis Helmstedt lief die Arbeit mit Jugendlichen so nebenher. In Neutempelhof in Berlin wurde ich dann »hauptberuflich« und offiziell 1971 als Jugendpfarrer eingestellt. Mit meinem fünfzigsten Geburtstag habe ich mich dann zurückgezogen, um mich um andere Schwerpunkte zu kümmern. Nur den Kindergarten habe ich bis zur Pensionierung betreut. Das kann man noch gut als »Opa« machen. Zeltlager, Fußball und Disco werden jenseits der 50 beschwerlich oder peinlich. Ein komischer Alter wollte ich nicht werden.

Ich war gerne Gemeindepfarrer und habe die dreißig Jahre in Neutempelhof genossen, und zwar die Arbeit und das übrige Leben auch. Ich war seit 1964 mit der Ärztin Dr. Marianne Ruhbach verheiratet, wir haben zwei Söhne, Joachim und Henning. Ein Jahr nach der Goldenen Hochzeit starb meine Frau.

Als ein Pfarrer, der in Braunschweig ordiniert worden ist, war ich Lutheraner. Ich habe aber auf die konfessionellen Unterschiede in den Protestantischen Kirchen nie großen Wert gelegt. Dogmatische Enge empfand ich als hinderlich für den Glauben, die Gemeinschaft und das Leben.

Inzwischen habe ich den 80. Geburtstag hinter mir und versuche hier zusammenzufassen, was mir christlicher Glaube und christliches Leben bedeutet haben. Ich hoffe noch auf ein paar gute Jahre und danke schon einmal im Voraus Gott, wenn er sie mir denn gewährt.

Martin Luther stimme ich aus vollem Herzen zu, wenn er behauptet:

»Wenn Gott keinen Spaß verstünde, möchte ich nicht im Himmel sein!«

Ich füge hinzu: es gilt, was wir immer wieder mit einem der Neuen Lieder gesungen haben: »… Lachen oder Weinen wird gesegnet sein«. So hat mir mein Beruf dauerhaft viel Freude bereitet.

Christian Wossidlo im März 2020

I Glauben und Bekennen

»Die Katholische Kirche droht zu einem folkloristischen Museum ortsgebundener Eremiten zu werden, die gebetsmühlenartig wiederholen, was seit Jahrhunderten überholt ist.«

Zitat aus einem Schriftstück, das angeblich von Papst Franziskus stammt.

»Im Mittelalter war der Mensch dazu angehalten, sich in ein fest gefügtes, gottgegebenes System gehorsam einzufügen. Die Reformatoren vertraten die Auffassung, dass Glaube und Gewissen grundsätzlich frei sind und ein mündiger Mensch nicht blind dogmatischen Vorgaben folgen, sondern eine eigene Ethik entwickeln solle. Luthers Berufung auf das moralische Gewissen gegen staatliche und kirchliche Autoritäten auf dem Wormser Reichstag 1521 ist eine Kernszene der Reformation mit großer Wirkung. Indem sie die Eigenverantwortlichkeit und die Gewissensentscheidung des Einzelnen in den Mittelpunkt rückt, läutet die Reformation das Ende der uneingeschränkten Macht der Autoritäten ein.«

(aus dem offiziellen Programmheft der Evangelischen Kirche Deutschlands zur Eröffnung des Reformationsjubiläums am 31.10. 2016 im Konzerthaus in Berlin).

1 Fragen und Ziele

Mit dem Nachdenken über die zwei Zitate auf der vorigen Seite und einigen spontan zusammengestellten Fragen möchte ich alle Leserinnen und Leser auf dieses Buch einstimmen:

Glauben wir, was wir glauben sollen?

Sagen wir in der Kirche, was wir meinen?

Singen wir, was wir gerne singen?

Hören wir tatsächlich, was gesagt wird oder nur das, was wir hören wollen?

Warum gehen so wenige Christen in den Gottesdienst?

Wie oft gehe ich?

Welche Lieder aus dem Gesangbuch kann ich auswendig mitsingen?

Wie wichtig ist mir die Gemeinschaft der Gemeinde?

Die Bibel ist das meist gedruckte Buch bis heute. Ist es auch das meist gelesene?

Wer kann die Zehn Gebote auswendig aufsagen?

Wer hat schon einmal eines der vier Evangelien im Neuen Testament ganz durch – gelesen, oder einen Brief des Paulus?

Kann ich unbefangen vom Glauben reden und auch von meinen Zweifeln?

Glauben wir wirklich an Gott oder tun wir nur so?

Ist Gott tot oder ist es der Glaube, der tot ist?

Die Fragen sind eine spontane Sammlung. Mit den ehrlichen Antworten kann man in etwa seinen Ort bestimmen, wo man in dem weiten Feld der Frömmigkeit und des Glaubens steht. Man bekommt, bei ehrlichen Antworten, auch eine Antwort auf die Frage: kümmere ich mich eigentlich um die Grundlagen meines Glaubens und des Christentums?

Genau darum geht es mir: Hindernisse wegzuräumen, die den Zugang zum Glauben versperren, Mut zu machen, sich auf Glauben einzulassen, Mut zu machen, Zweifel zuzulassen und ihnen nachzugehen und das Wissen über Grundlagen, Entstehung, Werdegang, Verirrungen und Entgleisungen des Christentums zu vergrößern. Mit anderen Worten: ich möchte einen Ausgangspunkt fixieren, von dem aus man ehrlich und frei entscheiden kann: will ich glauben oder will ich nicht glauben. Dabei muss die dann getroffene Entscheidung nicht für alle Zeit bindend sein. Neuanfänge sind immer möglich, allerdings leider in beide Richtungen.

Zu den Fragen am Anfang gesellt sich die Frage des nächsten Kapitels.

2 Brauchen wir eine neue Reformation?

Die umwälzenden theologischen Erkenntnisse Luthers wie das »dreifache solus«, das Luther festschrieb, gelten unangefochten weiter: Allein das Wort der Bibel gilt und nicht die Tradition, allein die Gnade Gottes befreit uns von den Sünden und nicht die auch noch so guten Werke, allein der Glaube macht selig und nicht die frommen Übungen und schon gar nicht das Geld, das die Ablasshändler im Namen des Papstes und Gottes eintrieben. Luther hat nachhaltig klargemacht: Theologie und Aussagen über den Glauben müssen sich an der Bibel messen lassen. Genauer muss ich sagen: am Neuen Testament, also an Jesus Christus. Er hat die Kirche neu begründet und auf den Anfang gesetzt.

In diesen Anfängen, nämlich in den ersten drei Jahrhunderten des sich schnell entwickelnden Christentums, sind so gut wie alle wichtigen Glaubensaussagen formuliert und aufgeschrieben worden. Ebenso, wie im Laufe der Geschichte die Bibeltexte nicht verändert wurden, außer, dass durch Forschungen gerade in den letzten hundert Jahren, viele Fehler ausgebügelt und Lücken geschlossen wurden, – blieben auch die Bekenntnisse, gottesdienstliche Formeln und wichtige Texte der Kirche unverändert.

Aber sonst hat sich viel verändert. Aus der Antike wurde das Mittelalter, aus dem Mittelalter die Neuzeit. Welche Veränderungen verbergen sich hinter diesen nüchternen den Bezeichnungen! Am Anfang war die Erde noch eine Scheibe, der Himmel ein Ort, in dem Gott wohnte. Es gab unter der Erde ein Totenreich, es gab Gott und Götter und Göttinnen und Göttersöhne. Die Sonne kreiste um die Erde, der Mond auch, viele Sterne hatten göttliche Eigenschaften. Der Buchdruck war noch nicht erfunden, das Schießpulver auch nicht. Wir sind inzwischen an einem Punkt der Weiterentwicklung angekommen, dass Eisenbahnen uns schon alt vorkommen und Autos mit Verbrennungsmotor bald auch. Aus der digitalen Welt sieht die Gegenwart fast schon wie ein Altertum aus.

Das alles ist an der Kirche, am Christentum, an der Art zu glauben nicht spurlos vorübergegangen. Oder doch?

Was Luther nicht getan hat, taten spätere Reformer auch nicht: an den Grundlagen des Christentums zu rütteln. Die alten Texte blieben nicht nur bewahrt, sondern in Kraft. Wir sprechen in unseren Gottesdiensten meistens immer noch das Glaubensbekenntnis, das aus dem dritten Jahrhundert stammt. Es heißt Apostolicum oder Apostolisches Glaubensbekenntnis und erweckt so den Anschein, es sei von den Aposteln gleich nach dem Tode Jesu aufgeschrieben worden.

In einer Notiz im Tagesspiegel konnten wir im Jahr 2018 dazu lesen: »65 bis 90 Prozent aller amtierenden Pfarrerinnen und Pfarrer in der Evangelischen Kirche glauben nicht das, bzw. nicht alles, was sie predigen und im Glaubensbekenntnis aussprechen.«.

Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber ich weiß von dem Unbehagen vieler Gemeindemitglieder bei diesem Bekenntnis und auch anderen Aussagen, Sprachbildern und Texten. Mir geht es auch. so. Und es ist nicht nur das Glaubensbekenntnis, es sind auch die Einsetzungsworte beim Abendmahl, die unterstellen, dass wir mit dem Brot und mit dem Kelch den Leib und das Blut Jesu zu uns nehmen. Ist das nicht symbolischer Kannibalismus?

Auch das Kreuz als das Symbol der Christenheit gerät in die Kritik. Einmal wegen der Grausamkeit, die sich vor allem in den Kreuzdarstellungen mit dem Corpus Jesu zeigt, und weil sich immer mehr Glaubende innerlich gegen die Vorstellung wehren, Gott habe Jesus für uns geopfert, er habe für unsere Sünden sterben müssen. Gott lässt ein Menschenopfer zu? Das kann doch nicht sein.

Wir beachten nicht die unterschiedlichen Denkweisen von den Christen der Antike zu uns, den Menschen der Neuzeit. Für die Christen damals war die Welt geprägt durch das Alte Testament, durch die hellenistischen Mysterienreligionen, durch einen blühenden, aus Ägypten kommenden Isiskult, durch die Philosophen der Griechen wie Platon und Aristoteles und der Römer wie Cicero und Marc Aurel. Dazu kamen der römische Kaiserkult und viele lokale Göttinnen und Götter. Eine Welt ohne sie war einfach nicht vorstellbar. Begriffe wie »Jungfrauengeburt« und »Göttersöhne« und sogar »Auferstehung« waren geläufig und wiesen auf die Nähe einer Gottheit hin. Die Kirchenväter, also die Theologen aus der Zeit bis etwa 1000 n. Chr., entwickelten keine eigene Welt des Denkens, sondern entwickelten die Antike weiter mit den Gedanken des Christentums. Niemand, auch später in der Reformation Luther nicht, dachte daran, die alten Texte einer neuen Zeit anzupassen. Die Tradition wurde zu einer konstanten Macht in der Überlieferung.

Die »Revolution des Denkens« kam von anderer Seite. Mit der Reformation und der damit einhergehenden Befreiung von den einengenden Fesseln des Katholizismus dieser Zeit gab es einen mächtigen Schub für die Naturwissenschaften, unterstützt noch von der Erfindung des Buchdrucks.

Die Erde stand plötzlich nicht mehr im Mittelpunkt der Welt, sondern die Sonne. Es gab kein »Ende der Welt« mehr, weil man nun erkannte, dass die Erde eine Kugel ist. Immer wichtiger wurde, dass es neben religiösen Gesetzen auch Gesetze der Natur gab, wie die Schwerkraft zum Beispiel. Die Schöpfungsgeschichte war nicht mehr die einzige Erklärung für die Entstehung der Erde. Nach Galilei und Kopernikus und Newton kam Darwin und entthronte den Menschen mit seiner Theorie der Evolution. Freud zeigte auf, dass der Mensch gar nicht so frei ist, wie er es gerne möchte, sondern gefangen ist in seinen Trieben und Träumen.

Das Denken der Menschen heute ist geprägt von der Naturwissenschaft.. Das Hinterfragen von allen Dingen und Geschehnissen, eben auch in der Religion, ist uns von klein auf anerzogen und in Fleisch und Blut übergegangen. Da stolpern wir eben über Begriffe wie Himmelfahrt oder Auferstehung. Wir wissen, dass es das so nicht geben kann, und auf Wunder wollen wir uns nur sehr selten einlassen.

Kirchlich liegt unser Problem in der Einführung des Begriffes Dogma. Zum Dogma erklärte Aussagen stehen nicht mehr zur Diskussion. Sie dürfen nicht in Zweifel gezogen werden. Sie sind, so die Lehre, wörtlich zu glauben. Das apostolische Glaubensbekenntnis ist ein Dogma seit alters her. Alles, was da aufgezählt wird wörtlich zu glauben, fällt immer mehr Menschen schwer. Die Naturwissenschaftler sagen von einer neuen Erkenntnis: »Nach dem Stand unseres heutigen Wissens ist das so«! Die Kirche sagt mit einem Dogma: Das ist und bleibt so!

Der radikale Schnitt wäre: abschaffen und neu formulieren, was mit jeder einzelnen Aussage gemeint ist. Das scheint mir in der kirchlichen Landschaft unmöglich zu sein. Es hat ja schon rund 500 Jahre gedauert, ehe evangelische und katholische Christen nach der Reformation, in der sie sich trennten, nun wieder das Glaubensbekenntnis in der gleichen Form gemeinsam sprechen. Mir scheint es nötig zu sein, in den Kirchen eine Offensive der Ehrlichkeit zu starten und konsequent auszuweiten. Mit Ehrlichkeit meine ich, dass wir den Gemeinden deutlich sagen, was wie zu glauben ist und was wie gemeint ist. Die Rede von der Jungfrauengeburt und der Himmelfahrt Jesu sind nichts anderes als Aussagen darüber, dass Jesus im Auftrag Gottes redete und handelte.

Ich kann auch sagen: es wird Zeit, dass die Erkenntnisse und die daraus folgenden Denkweisen der Theologie der letzten 100 Jahre endlich wirklich in den Gemeinden ankommen. Mir ist deutlich, es darf nicht so weitergehen wie bisher, wenn wir als Kirche überleben wollen. Ich halte eine Rückkehr zu den alten Strukturen, wie es die Konservativen in der Kirche fordern, für nicht möglich.

Mit diesem Buch will ich meinen Beitrag leisten für ein »ehrliches Christentum«. Ich werde benennen, was für mich nicht mehr geht, ich werde bekennen, was ich wie glaube, und will klar machen, dass das durchaus und ganz und gar im Sinne christlichen Glaubens ist. Denn Jesus ist für mich für alles, was mit Glauben zu tun hat, der Prüfstein.

3 Dies sollen wir glauben

Glaube ist eine lebendige, verwegene Zuversicht auf Gottes Gnade. Solche Zuversicht macht fröhlich, mutig, und ist voll Lust zu Gott und allen Geschöpfen.

Martin Luther

Es geht in seiner Entstehung auf Taufbekenntnisse («Jesus ist der Herr«) und Formeln der ersten Jahrhunderte zurück. Es ist aber nicht, wie die Legende und der Name sagen wollen, schon von den zwölf Aposteln formuliert worden. Seit etwa 300 n.Chr. ist es in der kirchlichen Praxis bekannt. Im 9. Jahrhundert hat Karl der Große dieses Bekenntnis in der abendländischen Kirche verbindlich einführen lassen.

Das Apostolische Bekenntnis lautet in der 1971 beschlossenen ökumenischen Fassung:

Ich glaube an Gott,

den Vater, den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,

seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn,

empfangen durch den Heiligen Geist,

geboren von der Jungfrau Maria,

gelitten unter Pontius Pilatus,

gekreuzigt, gestorben und begraben,

hinabgestiegen in das Reich des Todes,

am dritten Tage auferstanden von den Toten,

aufgefahren in den Himmel.

Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;

von dort wird er kommen,

zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,

die heilige christliche Kirche,

Gemeinschaft der Heiligen,

Vergebung der Sünden,

Auferstehung der Toten und das ewige Leben.

Amen

4 Das glaube ich nicht

Martin Luther sagte: »Glaube nicht alles, was du hörst. Sage nicht alles, was du magst, Tue nicht alles, was du willst«.

Ich gehe in Gedanken das Apostolische Glaubensbekenntnis durch und notiere, was ich nicht glaube. Es mag für manche eine erschreckende Aufzählung werden, für andere eher eine befreiende. In anschließenden Kapiteln werde ich erklären, was ich stattdessen glaube. Ich betone vorweg: ich glaube nicht das, was wir da aufsagen. Aber das heißt nicht, dass ich nicht das glaube, was die Christen der ersten Zeit mit ihren Worten und Bildern gemeint haben.

Ich glaube nicht, dass Gott allmächtig ist. Wäre er es, könnte die Welt nicht so sein, wie sie es ist. Es sei denn, Gott wäre ein Zyniker. Dazu kommt: Vor allem junge Menschen verbinden mit Allmacht Willkür, Unterdrückung, Diktatur. Sie denken an Hitler und Stalin. Das sind Assoziationen, die zu unserem Gott nicht passen.

Ich glaube nicht, dass Jesus Gottes Sohn ist. Ich weiß, dass in alter Zeit viel von Göttersöhnen die Rede ist, aber das alles passt nicht zu Jesus.

Ich glaube nicht, dass Maria Jungfrau war und blieb. Auch dieses Bild gehört zu den Sagen über die Göttersöhne nach griechisch-hellenistischer Vorstellung. Hier ist aus der jungen Frau aus einer Prophezeiung des Propheten Jesaja über den Messias eine hellenistische Legende mit der Jungfrau geworden. Doppelt misslich ist, dass durch dieses Bild der übersteigerte Jungfrauenkult in die Sexualmoral der Kirche ihren Einzug gehalten hat. Das trug wesentlich bei zur Unfreiheit der Frauen und Mädchen und befeuerte den männlichen Unterdrückungsdrang.

Ich glaube nicht, dass Jesus von den Toten auferstanden ist, jedenfalls nicht so, dass er Dinge tat, die er vorher auch schon getan hatte, und dass er einzelnen Menschen erschien und dann immer wieder verschwand. Wohin?

Ich glaube nicht an die Himmelfahrt Jesu. Wo soll der Himmel sein? Außerhalb der Erde ist kaltes, unbewohnbares Weltall. Was sollten Gott und Jesus dort? Dort ist auch kein Platz für einen Thron Gottes mit Beisitzern rechts und links, Heerscharen und Engelchören. Außerdem: die Bilder menschlicher Machtentfaltung passen nicht zu dem Gott, von dem Jesus redet.

Ich glaube nicht, dass er zu den Toten herabgestiegen ist. Ein Totenreich unter der Erde gehört nicht zu unserem Weltbild.

Ich glaube nicht an das »große Gericht am Jüngsten Tage«. Das klingt mir zu sehr nach einer Drohkulisse, mit der Menschen kleingemacht und unterdrückt werden sollen.

Ich glaube nicht an die heilige christliche Kirche, jedenfalls nicht in den Zuständen, in denen die Kirchen dieser Welt sich immer wieder befanden und befinden. Von den zum Teil gewalttätigen Auseinandersetzungen in der Antike über die Kreuzzüge und die Inquisition des Mittelalters bis zu den Unfähigkeiten der Vereinigung auch in unserer Zeit.

Ich glaube nicht an die Auferstehung der Toten und ein ewiges Leben. Das mag ein alter Menschheitstraum sein, hat aber doch nichts mit Erlösung zu tun. Immer weiter leben, immer wieder leben – eher ein Albtraum. Zu den Aussagen des Apostolicums benenne ich noch vier weitere Glaubenssätze, die ich auch nicht wörtlich übernehme:

Ich glaube nicht, dass die Kreuzigung das zentrale Erlösungsgeschehen für die Menschheit ist und war. Es war das Scheitern Jesu und eine Niederlage Gottes. Ich glaube nicht, dass dies alles nach einem Plan Gottes ablief, den Menschen später den Heilsplan Gottes nannten. Ein Gott, der ein Menschenopfer verlangt, passt nicht in mein Gottesbild. Die Rede vom Opfertod Jesu ist Ausdruck der Hilflosigkeit gegenüber dem Geschehen.

Ich glaube nicht, dass die Bibel Gottes Wort ist, so, als habe Gott das alles selbst geschrieben oder den vielen Schreibern der biblischen Bücher die Hand geführt. Die Texte spiegeln menschliches Denken wider und müssen deshalb immer wieder neu gedeutet werden, um richtig verstanden zu werden.

Ich glaube nicht, dass sich beim Abendmahl Brot und Wein oder Saft in Fleisch und Blut Jesu verwandeln. Wir brauchen keine Anklänge an Kannibalismus in unseren Gottesdiensten!

Ich glaube auch nicht, dass die Taufe »heilsnotwendig« ist. Sollte Gott so kleinlich und engstirnig sein, dass er seine Liebe und Zuwendung abhängig macht von dem, was Menschen tun?

Bevor ich jetzt auf die scheinbar berechtigte Frage eingehe, was ich denn überhaupt glaube, will ich versuchen, deutlich zu machen, warum ich einzelne Sätze aus dem Bekenntnis nicht glauben kann, jedenfalls nicht so, wie wir es sagen. Und ich will auch aufschreiben, was ich glaube. Ich kann jetzt schon versprechen, es ist alles, was man braucht, um Christ zu sein, auch nach dem Maßstab des Apostolischen Bekenntnisses.

5 Meine Erklärungen zu meinen »Absagen«

Zu 1. Gott ist allmächtig.

Es mag tatsächlich sein, dass Gott allmächtig ist. Für viele Gläubige aller Zeiten und Religionen gehört das zum Bild Gottes. Wenn er es ist, übt er diese Allmacht aber nicht aus. Nach der Schöpfungsgeschichte hat Gott die Erde den Menschen übergeben. Leider ist diese Übergabe mit den fatalen Worten »machet euch die Erde untertan und herrschet über sie« in der Bibel nach der Übersetzung Luthers so dokumentiert. Das hebräische Wort im Urtext bezieht sich auf das Bild vom Hirten. Seine »Herrschaft« besteht darin, dass er für die Herde sorgt und sich dafür einsetzt, dass es ihr so gut wie möglich geht. Jesus hat das deutlich gemacht mit der Rede vom guten Hirten. Mit Jesus hat Gott uns auch die Richtlinien aufgezeigt, nach denen die Herrschaft zu ordnen und zu vollziehen ist. Das ist nachzulesen in der Bergpredigt, in der Rede vom guten Hirten, in dem Gleichnis vom Guten Vater und dem verlorenen Sohn, im Gleichnis vom Barmherzigen Samariter und vielen anderen Texten. Kurz gesagt: die Liebe ist das einzige Herrschaftsinstrument, das von Gott sanktioniert worden ist. In der Schöpfungsgeschichte sagt Gott, in unsere Zeit und Sprache übersetzt: »Kümmert euch um die Erde und um alles, was darauf lebt und geschieht, dass es gut ist.«

Genau das haben die Menschen immer wieder versäumt und versäumen es weiter. Viel Zeit haben wir offenbar aber nicht mehr, den Auftrag Gottes auszuführen. Die Freiheit und die Fähigkeit dazu hat er uns mitgegeben. Es braucht nicht die Allmacht Gottes. Wir können es, wenn wir es nur wirklich wollten.

Zu 2. und 3.Ist Jesus Gottes Sohn und Maria Jung frau?

Viele Helden der griechischen Sagen waren Göttersöhne, wie Prometheus, Theseus und Herakles. In der Vorstellungswelt dieser Sagenzeit paarten sich Götter mit menschlichen Frauen. Um ihnen dann die Schwierigkeiten der unehelichen Geburt zu ersparen, versetzten sie die Mütter der Söhne nach der Geburt wieder in den Stand der Jungfräulichkeit, gewissermaßen als »gentlemen‘s agreement«.

Das sind Vorstellungen, die wir nicht mehr nachvollziehen können. Die Christen der ersten Jahrhunderte konnten das noch. So kam Jesus zu dem »Attribut« Sohn Gottes. Um das als Besonderheit noch zu unterstreichen, fügte man das »eingeborener« Sohn hinzu. Das meint: es gibt nur diesen einen, Jesus ist einzigartig. Das glaube ich auch, aber das kann er auch als Mensch sein. In den Evangelien bezeichnet sich Jesus mehrfach als den »Menschensohn«. Mehrfach wird von ihm auch geredet als dem Sohn des Zimmermanns oder auch als dem Zimmermann aus Nazareth. Dabei steht da im griechischen Text das Wort »tekton«, das man auch mit Handwerker oder Bauarbeiter übersetzen könnte.

Wie auch immer, Jesus ist der Besondere, der Mensch, der nach unserer christlichen Überzeugung den Willen Gottes so genau verkörperte, als täte Gott das alles selbst. Man hätte es beim Propheten belassen sollen, beim endgültig letzten und alles sagenden Propheten. Es wäre für uns heute einfacher und träfe den Kern auch besser. Ich kann gut damit leben, dass Jesus der Sohn von Joseph und Maria ist, dass er in einer Familie mit Geschwistern aufgewachsen ist, dass er einen Beruf erlernt hat, ehe er dann, vom Geist Gottes erfüllt, versucht hat, seinen Landsleuten und uns heutigen Christen beizubringen, wie sie die Erde, die Welt und das Leben, alles, was Gott ihnen geschenkt hat, gut, nachhaltig, liebevoll und friedlich gestalten könnten.

Zu 4. und 5. und 6. Auferstehung, Himmelfahrt, Abstieg in das Totenreich.

Himmelfahrt und Besuch im Reich der Toten gehört in das Weltbild der griechischen und römischen Antike. Da Jesus zu Gott gehört, muss er dahin zurückkehren, wo er hingehört als Sohn, an die rechte Seite des Herrschers. Das war der Platz des Thronfolgers, der in Abwesenheit des Herrschers schon von diesem Platz aus volle Herrschergewalt hatte. In diesem Weltbild versammeln sich die Toten im Totenreich. Die Christen entwickelten den Wunsch, dass ihre verstorbenen Angehörigen auch der Erlösung durch Jesus Christus teilhaftig werden sollten. Sie »schickten« Jesus also nach der Auferstehung und vor der Himmelfahrt zu den Toten, damit auch sie die Gnade Gottes erkennen konnten. Wir könnten auch einfach sagen: die Nähe Gottes, die in Jesus sichtbar wurde, gilt auch rückwirkend für alle Generationen vorher. So würde es in einem Tarifvertrag stehen. Die Liebe Gottes gilt allen Menschen, unabhängig davon, wann und wo sie leben und lebten. Jesus verkörpert die Liebe Gottes.

Damit sind Himmelfahrt und Abstieg ins Totenreich erklärt. Aber was ist nun mit der Auferstehung? War das Grab nun leer? Gab es die Begegnungen mit dem Auferstandenen wirklich?

Die ungezählten Erklärungsversuche reichen von der Unterstellung, die Jünger hätten den Leichnam gestohlen und die Begegnungen erfunden, bis zu der These, Jesus sei nicht tot gewesen, als man ihn vom Kreuz abnahm. Er sei dann heimlich gesund gepflegt worden und nach Indien ausgewandert. Dort gibt es auch ein Grab, in dem er bestattet wurde, angeblich. Von Halluzinationen der Jünger ist die Rede, auch von Täuschungsmanövern. Wir wissen nicht, was wie wirklich geschah. Die Berichte der vier Evangelisten sind, wie man heute sagen würde, nicht »gerichtsfest«.

Die Aussage ist klar: Gott ist Herr über Leben und Tod. Dabei liegt hier das Schwergewicht auf dem »Herr über den Tod«. Das ist ja wohl auch folgerichtig. Wäre es nicht so, dann müsste der Tod an erster Stelle stehen, an der Stelle Gottes also. Da alles Geschehen jenseits der Grenze, die der Tod zieht, nicht unseren Erkenntnissen und unserem Wissen unterliegt, sind wir auf Glauben oder Nichtglauben angewiesen. Es ist gewissermaßen die Nagelprobe christlichen Glaubens. Sicher ist: aus dem Auferstehungsglauben hat sich das Christentum entwickelt. Die Botschaft «Christus ist auferstanden« ließ die Jünger zurückkehren und führte zur Gründung der ersten Gemeinde in Jerusalem. Dem Osterfest gebührt der erste Rang unter den christlichen Festen.

Ich glaube an die Macht Gottes über den Tod und verbuche das gesamte Ostergeschehen unter der Überschrift »Wunder Gottes«. Es ist für mich ein Geschehen, das ich nicht mehr hinterfragen kann, dem ich einfach glaube. Es mag sein, dass das naiv ist oder kindlich, aber das gehört zu meiner »Gotteserfahrung«, dass nicht alles nach unseren rationalen Maßstäben erklärbar ist. Gott selbst ist ja auch nicht »begreifbar«. Ich verstehe, wenn Skeptiker jetzt sagen: das genügt mir nicht. Was ist er denn nun, auferstanden oder nicht? So in die Enge getrieben, sage ich heute. Nicht auferstanden, aber so weiter auf seine Anhänger wirkend, als wäre er auferstanden.

Zu 7. Das jüngste Gericht

Die ersten Christen erwarteten die Wiederkunft Jesu noch zu ihren Lebzeiten. Die Wiederkunft war verbunden mit der Hoffnung auf den Anbruch des Reiches Gottes, um den im Vater-unser gebeten wird. Im Reich Gottes gäbe es dann keine Ungerechtigkeiten mehr, keine Machtkämpfe, es herrschten Frieden und die Leichtigkeit des Lebens. »Gott selber wird die Tränen abwischen« schreibt der Prophet Johannes in der Offenbarung. Dem Frieden, so die Erwartung, geht das Gericht voraus, das Gericht Gottes über alle, die Lebenden und die Toten.

An diesem Gericht scheiden sich die Geister, auch in der Geschichte der christlichen Kirchen. Es stehen sich gegenüber die Vorstellung von einem schonungslosen, harten Strafgericht, dem letztlich niemand entgehen kann, und der Glaube, das Gericht sei »lauter Gnade«, also bildlich gesprochen paradiesisch. Dazwischen gibt es alle Abstufungen, die denkbar sind, wie Fegefeuer zur Läuterung oder auch Hölle als ewige Verdammnis, abgestufte Gnade mit Anrechnung der guten Taten, Bewertung des Glaubens, des Standes, der Verdienste. Es besteht nicht einmal Einigkeit, wer der Richter ist. Ist es Gott selbst oder Jesus?

Gericht oder Gnade, darauf läuft es hinaus. Ich gebe zu, es fällt schwer, sich vorzustellen, dass die Gnade auch für die großen und die gemeinen Verbrecher der Menschheit gelten sollte. Wenigstens da wäre das Gericht doch zu fordern, vor allem bei denen, die sich der irdischen Gerichtsbarkeit entzogen haben. Alles andere wäre doch ungerecht und eine Verhöhnung der Opfer. Aber wo ist die Grenze der Vergebung und der Gnade? Sieben mal siebzig mal sollst du vergeben, also unendlich oft, sagte Jesus. Ist das gerecht? Wie schnell ist man bei all diesen Überlegungen bei Rache und Vergeltung. Was ist gerecht? Wessen Maßstäbe sollten gelten? Wenn es um Strafe und Gnade geht, um Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, sind die menschlichen Haltungen sehr verschieden,

Ich kann und will auch nicht verschweigen, dass die Kirche immer wieder die Rede vom Jüngsten Tag und dem Gericht benutzt hat, um Menschen zu unterdrücken, zu knebeln, sie abhängig zu halten von der Gnade der Kirche. Es ist ein dunkles Kapitel, das sicher in der Inquisition des Mittelalters einen unrühmlichen Höhepunkt hatte. Menschen im Namen Gottes zu ängstigen, ist in meinen Augen ein kirchliches Verbrechen.

Ich enthalte mich aller Spekulationen und verlasse mich auf das, was im Lied Nr.97 im Gesangbuch (Holz auf Jesu Schulter) so formuliert ist:

Wollen wir Gott loben, leben aus dem Licht.

Streng ist seine Güte, gnädig sein Gericht.

Gottes Gnade unterliegt nicht menschlichen Empfindungen. Sie hat keine Grenzen, weil Gott nicht an Grenzen gebunden ist. Es gibt kein «Jüngstes Gericht«, es gilt die ewige Gnade Gottes für alle!

Zu 8. Die heilige christliche Kirche

Natürlich ist das, was wir als Kirche sehen und in den vielen Jahrhunderten sahen, alles andere als »heilig«- Es sei denn, wir nehmen das Wort «heilig« in seinem ursprünglichen Sinn. Da bedeutet es: zu Gott gehörig. So gesehen sind alle Menschen heilig, weil sie alle zu Gott gehören, auch wenn sie das selber nicht glauben. So ist die Kirche getrost heilig zu nennen.

Es bleibt dabei. Die Kirche als Institution ist eine menschliche Einrichtung mit allem, was das inhaltlich bedeutet. Aber sie ist ausgerichtet auf Gott, versucht das mit menschlichen Mitteln umzusetzen und hofft, dass sie dabei Gott auf ihrer Seite hat. Hier gibt es im Selbstverständnis zwischen den verschiedenen Konfessionen deutliche Unterschiede. Die Katholiken und die Orthodoxen sind da selbstsicherer als die Evangelische Kirche in Deutschland. Aber Demut im Selbstverständnis ist ja wohl eine angemessene christliche Haltung.

Zu 9. Die Auferstehung der Toten und das ewige Leben

Im Buddhismus und Hinduismus gibt es den Glauben an die Wiedergeburt. Das wird durchaus nicht nur als Belohnung gesehen, es kann auch Strafe sein. Die erhoffte Erlösung ist das Nicht-wieder-geboren-werden, um dafür eingehen zu können in das Nirwana, also aus diesem Kreislauf auszuscheiden. Ich wage zu behaupten, dass auch bei uns etliche Menschen gar nicht so begeistert sind von der Aussicht auf die Auferstehung. Ganz oft äußern Menschen bei diesem Thema auch bestimmte Bedingungen: »Ich möchte nur auferstehen, wenn...«

Ist dieser uralte Wunsch nach ewigem Leben eigentlich wirklich sinnvoll? Ist es nicht auch schön, wenn es dann nach einem erfüllten Leben zu Ende ist und »wir in Ruhe ruhen können«? Und nach einem verkorksten Leben – ist es da nicht menschlich zu sagen: «Nicht noch einmal«? Wie soll ich mir die Auferstehung vorstellen? Treffe ich dann alle wieder? Sind sie so, wie ich sie gekannt habe, oder doch verändert? Und wenn ja, wie? Wie soll das gehen mit all den vielen Menschen?

Ich fülle den Glauben an die Auferstehung mit diesem Inhalt: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Im Leben war ich ein Kind Gottes und bei ihm gut aufgehoben, ich werde es im Tode und danach auch sein. Sterben ist wie nach Hause kommen, da sein, wo man hingehört, nie mehr weg müssen, keine Unruhe mehr, keine Sorgen, keinen Schmerz, ruhen in Gott. Über das Wie und das Wo mache ich mir keine Gedanken, das überlasse ich Gott. Er wird es wissen und machen. Auch das ist wieder eine Frage des Vertrauens, des Glaubens. Ohne das kommen wir bei Gott nicht weiter.

Zu10. Für unsere Sünden gekreuzigt

Die Kreuzigung war im Römischen Reich eine übliche Strafe für Aufständische. Sie wurde im ganzen Imperium praktiziert und galt als entehrende Todesart. In Judäa waren die Römer als Besatzungsmacht sehr rabiat, weil es oft und viele kleine Aufstände gab. Die Provinz war berüchtigt als Unruheherd. Das erklärt auch, dass der Gouverneur Pontius Pilatus so hart durchgriff, obwohl Jesus sich ja keines Verbrechens schuldig gemacht hatte, und auch nicht wirklich ein Aufständischer war, geschweige denn ein Revolutionär. Er wollte eine mögliche Unruhe gleich im Keim ersticken. Für die Jünger war die Verhaftung und die Aburteilung nicht nur ein persönlicher Schock, sondern auch eine echte Bedrohung. Denn die Römer schreckten vor Sippenhaft nicht zurück. Es hätte jeden der Zwölf auch noch treffen können. Es war völlig verständlich, dass sie flohen und sich versteckten. Die große Frage kam danach: wie sollen sie dieses Ereignis einordnen in ihre Erfahrungen mit Jesus, ihren Hoffnungen, ihren religiösen Traditionen?

Offenkundig und brutal deutlich war: sie waren auf der ganzen Linie gescheitert. Die Sache Jesu war aus und vorbei. Der erhoffte Retter war tot, Gott hatte sich nicht gezeigt, er hatte nichts verhindert, nicht eingegriffen, nicht die himmlischen Heerscharen geschickt, um die Römer, die Heiden, die es gewagt hatten, ihren religiösen Hoffnungsträger zu vernichten, hinwegzufegen und die Möglichkeit eines neuen, starken, freien Staates Israel zu eröffnen.

Für mich ist dies die entscheidende Botschaft des Karfreitags: Gott hat nicht eingegriffen! Gott hat auf seine Allmacht, seine Macht, auf Gewalt verzichtet. Selbst als sein Prophet, sein Gesandter, den viele «Sohn« nennen, in tödliche Gefahr geriet, hat er nichts verhindert, hat Gewalt nicht mit Gewalt vergolten. Gott ist ein Gott der Gewaltlosigkeit, ein Gott des gewaltlosen Friedens, ein Gott, der sich auch durch eine Niederlage nicht verleiten lässt, Macht auszuüben, Gewalt anzuwenden. Folgerichtig hat sich Jesus ja auch nicht gewehrt und seinen Jüngern die Gewalt verboten.

Diese Botschaft ist in der christlichen Kirche nicht angekommen. Jesus ist, so gesehen, umsonst gestorben. Menschen wie Franz von Assisi und Martin Luther King haben es verstanden und umgesetzt und Mahatma Gandhi auch. Aber der war kein Christ sondern Hindu, hat allerdings zu ihm pilgernde Christen des Öfteren darauf hingewiesen, dass sie sich die Reise nach Indien hätten sparen können, in der Bergpredigt stünde doch alles drin.

(Weiteres in dem Artikel: Das Kreuz mit dem Kreuz)

zu 11. Die Bibel als Gottes Wort

Die Bibel ist Gottes Wort. Die Bibel ist von Menschen geschrieben.

Schon im Alten Testament, der Hebräischen Bibel, schreiben Menschen von ihren Erfahrungen mit Gott. Sie versuchen nicht, im wissenschaftlichen Sinn die Welt zu erklären. Sie schreiben auch kein Geschichtsbuch. Sie schreiben, was sie über Gott denken und beschreiben wie Gott in ihrem Leben wirkt.

Gleiches gilt für das Neue Testament. Es gilt hier immer zu bedenken, dass die ältesten Texte erst etwa 20 Jahre nach dem Tod Jesu geschrieben wurden (einige Briefe des Paulus). Andere wurden sogar erst 50 Jahre danach oder sogar noch später geschrieben. Es schreiben Menschen, die Jesus begegnet sind. Sie schreiben über Jesus und sie schreiben über das Werden der ersten christlichen Gemeinden. Mit den Schriften des Neuen Testaments wird aus der jüdischen Sekte eine eigenständige »Kirche«, genannt Christentum.

Zu 12.. und 13. Die Taufe und das Abendmahl

Da es in der Evangelischen Kirche nur zwei Sakramente gibt, beschränke ich mich hier auf diese beiden: das Abendmahl und die Taufe. Die fünf weiteren Sakramente der Katholischen Kirche (Beichte, Kommunion, Trauung, Letzte Ölung und Priesterweihe) gibt es bei den Protestanten auch, aber eben nicht als Sakramente, sondern als kirchliche Segenshandlung.

Die Taufe war bei den ersten Christen an die Entscheidung des Taufbewerbers gebunden und fand nur als Erwachsenentaufe statt. Das ist bei den Baptisten immer noch so. Nach und nach wurde die Kindertaufe eingeführt, weil eben Frauen und Männer, die Christen geworden waren, auch ihre Kinder mit in der Gemeinschaft wissen wollten. Denn schon früh setzte sich die Überzeugung durch, dass erst mit der Taufe Menschen des Heils Gottes teilhaftig wurden. Man glaubte tatsächlich, dass ungetaufte Menschen, auch Kinder, nicht von Gott angenommen würden. Ich glaube, dass das ein Irrtum ist. Die Taufe ist für mich ein wichtiges Ritual, mit dem wir uns der Liebe und Zuneigung Gottes vergewissern. Sie ist ein wichtiges stützendes Element für unseren Glauben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Im Abendmahl erinnern wir an den Tod Jesu und glauben, dass er im Vollzug des Mahles gegenwärtig ist. Im Hintergrund steht die menschliche Erfahrung, dass eine Tischgemeinschaft ein starkes, die Menschen verbindendes Element ist. Das christliche Abendmahl geht zurück auf das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern und ist der Form nach eine Weiterentwicklung des Passahmahls der Juden. Es wird traditionell mit Brot und Wein gefeiert, in vielen evangelischen Gemeinden inzwischen fast immer mit Oblaten und oft auch mit Traubensaft. Die noch von Luther vertretene Deutung des Abendmahls als tatsächlicher Leib und tatsächliches Blut Christi teilten Zwingli und Calvin nicht. Sie sahen nur eine symbolische Erinnerung in der Handlung und keine Verwandlung der Elemente. Im Glauben der meisten Teilnehmer hat sich stillschweigend die reformierte symbolische Deutung durchgesetzt. Ich finde das gut. Es macht das Abendmahl menschlicher und freier. Es wäre gut, wenn das auch bei der Vorbereitung und «Einsetzung« des Abendmahls im Gottesdienst so deutlich gesagt würde, etwa in der Art: »Wir erinnern uns des Todes Jesu. Wir glauben, dass Jesus zu uns steht und unsere Gemeinschaft teilt und segnet. Brot und Wein/Saft sind Zeichen dafür.«

6 Das Naturwissenschaftliche Denken

Wir heutigen Menschen sind geschult am naturwissenschaftlichen Denken. Wir haben die Grundsätze der Mechanik, der Physik und Chemie, der Biologie und viele auch die der Philosophie verinnerlicht. Wir wissen, was Evolution bedeutet und können mit Astronomie etwas anfangen. Während den Menschen nach der Sintflut tatsächlich von ihrem Weltverständnis her nichts anderes übrig blieb, als im Regenbogen ein göttliches, wunderbares Zeichen zu sehen, wissen wir, dass die Brechung der Sonnenstrahlen in den Regentropfen den Farbbogen erzeugt. Die Menschen bis zum Ende des Mittelalters gingen davon aus, dass die Erde eine Scheibe ist und darüber, wie in einem Theater, der Himmel aufgebaut ist und unter der Erde das Totenreich und die Hölle ihren Platz haben. Bei uns wissen schon die Kinder, dass die Erde eine Kugel ist, astronomisch ein Planet neben anderen Planeten, in einem Sonnensystem neben anderen Sonnensystemen, in einer Galaxie neben anderen Galaxien und nirgends Platz ist für Himmel und Hölle. Wenn uns dann auch noch die Astronomen sagen, dass es allein in unserer Galaxie vermutlich bis neun planetenartige Sterne gibt, die der Erde sehr ähnlich sind, und auf denen es durchaus Leben geben kann, dann glauben wir das und rücken ab von dem Gefühl der Einzigartigkeit und fragen vielleicht auch, ob für die dort eventuell lebenden Geschöpfe auch unser Gott zuständig ist oder nicht.

Mit jedem Geheimnis, das Wissenschaftler der Natur entreißen, mit jeder Lücke, die sich in unserem Wissen schließt, wird der Spielraum für Bilder aus der Vergangenheit zur Erklärung der Welt kleiner. Das gilt auch für die Bilder, die wir im religiösen Bereich benutzen.

Die Schöpfungsgeschichte, mit der unsere Bibel beginnt, schildert, dass der Geist Gottes über dem Chaos schwebte. Als Gott dann sprach, »es werde...« mag man das noch gleichsetzen können mit der naturwissenschaftlichen Rede vom Urknall. Dann aber müssen alle Versuche aufhören, die Entwicklung der Erde, des Lebens, der Menschen mit Gott erklären zu wollen. Gott hat seinen Ort in unserem Glauben, nicht in der Naturwissenschaft.

7 Eine kurze Geschichte des Christentums

Das Christentum entstand in den ersten hundert Jahren nach dem Tode Jesu. Seinen Tod setzen die Historiker einhellig um das Jahr 30 nach dem Beginn unserer Zeitrechnung an. Den Kern der neuen Glaubensrichtung, die sich auf Jesus berief, bildeten die Jünger und andere Frauen und Männer, die Jesus erlebt und gehört hatten. Der am Anfang allein wichtige Glaubensinhalt war der Glaube an die Auferstehung Jesu nach drei Tagen und die Gewissheit, er werde als der erwartete Messias sehr bald wiederkommen, damit das Reich Gottes auf Erden Wirklichkeit werden kann. Das erste blieb als feste Gewissheit, das zweite wurde zur bisher unerfüllten Hoffnung.

Die wichtigsten Tätigkeiten der ersten in Jerusalem sich bildenden Gemeinschaft waren:

gemeinsames tägliches Gebet

Erinnerungen an Jesus zu festigen und zu verbreiten

die Feier des Abendmahls