Beschreibung

Ein Dialog der besonderen Art, der in diesem Band vor allem um Probleme und Fragen des individuellen Schicksals kreist. Eine behutsame, einfühlsame Erörterung und dabei eine große, warme Umarmung des Göttlichen. Den von den Religionen vereinnahmten Gottesvorstellungen setzt Walsch sein überkonfessionelles, liebevolles Gottesbild entgegen. Gerade im deutschsprachigen Raum hat sich Walsch damit eine riesige, engagierte Anhänger- und Leserschaft erworben.



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Seitenzahl: 337

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Buch

Stellen Sie sich vor, Sie könnten Gott die schwierigsten Fragen über die Existenz hier auf Erden stellen – Fragen über die Liebe, das Leben, den Tod, über Gut und Böse. Und stellen Sie sich vor, dass Gott Ihnen auf jede Ihrer Fragen ganz unmittelbar und verständlich antwortet. Neale Donald Walsch machte diese Erfahrung. Sein außergewöhnliches Buch besteht aus neugierigen, allzu menschlichen Fragen und liebevollen, weisen göttlichen Antworten. Ein Dialog der anderen Art entspinnt sich, der in diesem Band vor allem um Probleme und Fragen des individuellen Schicksals kreist. Eine behutsame, einfühlende Erörterung und dabei eine große, warme Umarmung Gottes. Den von den Religionen propagierten Gottesvorstellungen setzt Walsch sein zeitgemäßes, psychologisch aufgeklärtes Gottesbild entgegen. Gerade im deutschsprachigen Raum hat sich Walsch damit eine riesige, engagierte Anhänger- und Leserschaft erworben.

Autor

Neale Donald Walsch arbeitete als Journalist und Verleger, war Programmdirektor eines Rundfunksenders, Pressesprecher und gründete eine erfolgreiche Werbe- und Marketing-Firma. In einer schweren Krise richtete er seine Stimme an Gott. Zeugnis dieser Öffnung sind die »Gespräche mit Gott«, die den Beginn einer außergewöhnlichen Beziehung markieren. Heute widmet sich Walsch ganz der Aufgabe, die Botschaften seiner Bücher durch Publikationen, Vorträge und Retreats für spirituelle Erneuerung zu verbreiten. Er lebt in Ashland, Oregon.

Inhaltsverzeichnis

BuchAutorWidmungDanksagungEinleitungKapitel 1 Kapitel 2 Kapitel 3 Kapitel 4 Kapitel 5 Kapitel 6 Kapitel 7 Kapitel 8 Kapitel 9 Kapitel 10 Kapitel 11 Kapitel 12 Kapitel 13 Kapitel 14 Schlußbemerkung Liebe Freundin, lieber Freund,Copyright

Für

ANNE W. WALSCH,

die mich nicht nur lehrte, daß Gott existiert, sondern meinen Geist auch für die wundersame Wahrheit öffnete, daß Gott mein bester Freund ist, und die mir weit mehr war als eine Mutter. Sie gebar in mir auch eine Sehnsucht nach und eine Liebe zu Gott und zu allem, was gut ist. Mom war meine erste Begegnung mit einem Engel.

Und für

ALEX M. WALSCH,

der mir immer wieder in meinem Leben sagte: »Mach dir nichts draus.« – »Du brauchst ein Nein nicht hinzunehmen.« – »Du bist deines eigenen Glückes Schmied.« und »Wo das herkommt, gibt’s noch mehr.« Dad war meine erste Erfahrung von Furchtlosigkeit.

Danksagung

Erstens, letztens und allezeit möchte ich der großen Quelle von allem, was in diesem Buch enthalten ist, von allem, was Leben ist und Leben gibt, Dank sagen.

Zweitens möchte ich meinen spirituellen Lehrern und Lehrerinnen danken einschließlich der Heiligen und Weisen aller Religionen.

Drittens ist mir klar, daß wir alle eine ganze Reihe von Menschen nennen könnten, die unser Leben auf so bedeutsame und tiefgehende Weise berührt haben, daß sie sich einer Kategorisierung oder Beschreibung entziehen: Menschen, die ihre Weisheit mit uns teilten, uns ihre Wahrheit erzählten, mit unendlicher Geduld unsere Fehler und Schwächen ertrugen und uns in allen Höhen und Tiefen zur Seite standen; die das Beste in uns sahen, das zu sehen war. Menschen, die in ihrer Akzeptanz unserer Person wie auch in ihrer Weigerung, jene Teile von uns zu akzeptieren, die wir, wie sie wußten, nicht wirklich wählten, uns zu unserem Wachstum veranlaßten; dazu brachten, irgendwie größer zu werden.

Zu den Menschen, die – neben meinen Eltern – in diesem Sinn für mich da waren, gehören Samantha Gorski, Tara-Jenelle Walsch, Wayne Davis, Bryan Walsch, Martha Wright, der verstorbene Ben Wills jr., Roland Chambers, Dan Higgs, C. Berry Carter II., Ellen Moyer, Anne Blackwell, Dawn Dancing Free, Ed Keller, Lyman W. (Bill) Griswold, Elisabeth Kübler-Ross und der liebe, liebe Terry Cole Witthaker.

Zu den genannten Personen möchte ich auch meine ehemaligen Lebensgefährtinnen rechnen, deren Privatsphäre ich respektiere und sie deshalb nicht mit Namen nenne, deren Beitrag zu meinem Leben ich jedoch zutiefst verinnerliche und zu würdigen weiß.

Ich bin aus ganzem Herzen dankbar für die Geschenke, die ich von ihnen allen erhalten habe. Und mir wird besonders warm ums Herz beim Gedanken an meine Helferin, Gattin und Partnerin, Nancy Fleming Walsch, eine Frau von außerordentlicher Weisheit, Liebe und enormem Mitgefühl, die mir zeigte, daß meine höchsten Gedanken über Beziehungen nicht Phantasie zu bleiben brauchen, sondern zu wahrgewordenen Träumen werden können.

Viertens schließlich möchte ich einigen Menschen meine Anerkennung aussprechen, denen ich niemals begegnet bin, aber deren Leben und Arbeit mich so stark beeinflußt haben, daß ihnen an dieser Stelle mein tiefster Dank gilt für die Momente des außerordentlichen Vergnügens, der Einsichten in die menschlichen Bedingungen und der reinen, einfachen Lebensgefühligkeit (eine Wortschöpfung von mir!), die sie mir geschenkt haben.

Wissen Sie, wie es ist, wenn Ihnen jemand einen Geschmack, einen herrlichen Moment von dem vermittelt hat, was wirklich wahr im Leben ist? In meinem Fall waren dies meist Künstler der einen oder anderen Art. Ich werde durch die Kunst inspiriert, in ihre Bereiche ziehe ich mich in Momenten der Besinnung zurück, und in ihr finde ich das am schönsten ausgedrückt, was wir Gott nennen.

Und daher möchte ich mich bedanken bei John Denver, dessen Songs meine Seele berühren und mich mit einer neuen Hoffnung auf das, was das Leben sein könnte, erfüllen; Richard Bach, dessen Bücher in mein Leben hineinreichen, als wären sie meine eigenen, da sie soviel von meiner persönlichen Erfahrung beschreiben; Barbra Streisand, deren regieführende, schauspielerische und musikalische hohe Kunst mich immer wieder ergreift und mein Herz fühlen und nicht nur wissen läßt, was wahr ist; und dem verstorbenen Robert Heinlein, dessen visionäre Romane in einer Weise Fragen aufwarfen und Antworten umrissen, wie sich ihnen kein anderer auch nur anzunähern wagte.

Einleitung

Sie sind dabei, eine außergewöhnliche Erfahrung zu machen: Sie werden eine Unterhaltung mit Gott führen. Ja, ja, ich weiß – das ist unmöglich. Sie denken wahrscheinlich (oder es wurde Ihnen so beigebracht), daß dies nicht möglich ist. Sicher kann man zu Gott sprechen, aber nicht mit ihm. Ich meine, Gott wird sich seinerseits nicht auf ein Gespräch mit Ihnen einlassen – zumindest nicht in Form einer ganz gewöhnlichen und alltäglichen Unterhaltung, richtig?

Das dachte ich auch. Dann wurde mir dieses Buch zuteil. Ich meine das wortwörtlich: Es wurde nicht von mir verfaßt, es ist mir widerfahren. Und das wird auch Ihnen geschehen, wenn Sie es lesen, denn wir alle werden zu der Wahrheit geführt, für die wir bereit sind.

Mein Leben wäre wahrscheinlich sehr viel leichter, wenn ich das Ganze für mich behalten hätte. Doch das war nicht der Grund, warum dies alles geschah. Und welche Unannehmlichkeiten auch immer mir dieses Buch bescheren mag (daß man mich zum Beispiel der Blasphemie bezichtigen, mich einen Betrüger, einen Heuchler nennen wird, weil ich in der Vergangenheit nicht nach diesen Wahrheiten gelebt habe, oder daß man mich – vielleicht noch schlimmer – für einen Heiligen hält), ich kann diesen Prozeß nun keinesfalls mehr aufhalten. Und ich will es auch nicht. Ich hatte die Chance, die ganze Sache fallenzulassen, und nahm sie nicht wahr. Ich habe mich entschlossen, mich an das zu halten, was mir mein Instinkt sagt, statt mich auf das Urteil des Großteils der Allgemeinheit über dieses Material zu verlassen.

Mein Instinkt sagt mir, daß dieses Buch kein Unsinn ist, nicht die Ausgeburt einer frustrierten spirituellen Phantasie oder einfach die Selbstrechtfertigung eines Mannes angesichts seines mißgeleiteten Lebens. Natürlich habe ich alle diese Aspekte ins Kalkül gezogen – jede einzelne dieser Möglichkeiten. Deshalb gab ich dieses Material noch in Manuskriptform einigen Leuten zu lesen. Sie waren bewegt. Und sie weinten. Und sie lachten über die Freude und den Humor, die sich darin finden. Sie fühlten sich bestärkt, ermächtigt.

Viele sagten, es habe sie verwandelt.

Da wußte ich, daß dies ein für alle bestimmtes Buch war und veröffentlicht werden mußte; denn es ist ein wunderbares Geschenk für all jene, die wirklich Antworten haben wollen und denen wirklich an den Fragen liegt; für alle die, die sich ehrlichen Herzens, mit sehnsüchtiger Seele und aufgeschlossenem Geist auf die Suche nach der Wahrheit begeben haben. Und das sind ja wohl weitgehend alle von uns.

Dieses Buch geht auf die meisten – wenn nicht alle – Fragen ein, die wir uns über das Leben und die Liebe, den Sinn und Zweck, die Menschen und Beziehungen, Gut und Böse, Schuld und Sünde, Vergebung und Erlösung, den Weg zu Gott und die Straße zur Hölle gestellt haben. Es spricht direkt die Themen Sex, Macht, Kinder, Ehe, Scheidung, Lebensaufgabe, Gesundheit, das Danach und das Davor des Jetzt an. Es befaßt sich mit Krieg und Frieden, Wissen und Nichtwissen, Geben und Nehmen, Freude und Leid. Es wirft einen Blick auf das Konkrete und Abstrakte, das Sichtbare und das Unsichtbare, die Wahrheit und die Unwahrheit.

Man könnte sagen, dieses Buch enthält das »neueste Wort Gottes zu den Dingen«, obschon manche Leute gewisse Schwierigkeiten damit haben dürften, vor allem wenn sie glauben, daß Gott vor zweitausend Jahren zu sprechen aufgehört hat oder daß er, falls er doch weiterhin kommunizierte, dies nur mit heiligen Männern, Medizinfrauen oder Menschen tat, die dreißig oder immerhin zwanzig oder wenigstens halbwegs anstandshalber zehn Jahre meditiert haben (und keine dieser Voraussetzungen trifft auf mich zu). In Wahrheit spricht Gott zu jedermann: zu den Guten und den Schlechten, zu den Heiligen und den Schurken. Und sicherlich zu allen, die sich zwischen solchen Extremen bewegen. Nehmen Sie zum Beispiel sich selbst. Gott trat auf vielen Wegen in Ihr Leben, und dies ist nur noch ein weiterer davon. Wie oft haben Sie diesen alten Grundsatz gehört: Wenn der Schüler bereit ist, tritt der Lehrer in Erscheinung? Dieses Buch ist unser Lehrer.

Kurz nachdem mir dieses Material zuteil wurde, wußte ich, daß ich mit Gott sprach – direkt, persönlich, unwiderlegbar. Und daß Gott auf meine Fragen genau in dem Maße antwortete, wie es meiner Verständnisfähigkeit entsprach. Das heißt, mir wurde auf eine Weise und in einer Sprache geantwortet, die ich, wie Gott wußte, verstand. Das erklärt den weitgehend umgangssprachlichen Stil des Textes und die gelegentlichen Hinweise auf Material, das ich aus anderen Quellen und aufgrund früherer Erfahrungen meines Lebens gesammelt hatte. Ich weiß jetzt, daß ich alles, was mir je in meinem Leben widerfuhr, Gott zu verdanken habe, und daß dies nun samt und sonders zu einer großartigen, vollständigen Antwort auf alle Fragen, die mich je beschäftigten, zusammengezogen, zusammengeführt wurde. Und irgendwann im Verlauf dieses Prozesses fing ich an zu begreifen, daß hier ein Buch zustande kam – ein Buch, das zur Veröffentlichung gedacht war. Das heißt, es wurde mir im letzten Teil des Dialogs (Februar 1993) ausdrücklich gesagt, daß tatsächlich drei Bücher entstehen würden – in drei aufeinanderfolgenden Jahren jeweils von Ostersonntag bis Ostersonntag – und daß

– das erste sich hauptsächlich mit persönlichen Themen befassen, sich auf die Herausforderungen und Möglichkeiten des persönlichen Lebens konzentrieren würde;– das zweite Buch sich mit globaleren Themen des geopolitischen und metaphysischen Lebens auf dem Planeten und mit den Herausforderungen, welche die Welt nun zu bewältigen hat, befassen würde;– das dritte Buch sich den universellen Wahrheiten der höchsten Ordnung und den Herausforderungen und Möglichkeiten der Seele widmen würde.

Dies ist das erste dieser Bücher, das im Februar 1993 abgeschlossen wurde. Um der Klarheit willen sollte ich erläutern, daß ich diesen Dialog mit der Hand schrieb und Worte und Sätze, die mir mit besonderer Nachdrücklichkeit kamen  – so als verkündete sie Gott mit erhobener Stimme –, unterstrich oder einkringelte, die dann später kursiv gesetzt wurden.

Nun muß ich noch sagen, daß, nachdem ich diesen Text mit seiner darin enthaltenen Weisheit immer wieder durchgelesen habe, ich mich für mein Leben fürchterlich schäme, das sich durch ständige Fehler und Vergehen auszeichnet, durch ein paar sehr schändliche Verhaltensweisen und einige Entscheidungen und Entschlüsse, die andere mit Sicherheit verletzend und unverzeihlich finden. Es reut mich zutiefst, daß es durch das Leid anderer geschah, doch ich bin auch unaussprechlich dankbar für alles, was ich gelernt habe und immer noch, um der Menschen in meinem Leben willen, zu lernen habe. Ich entschuldige mich bei allen für mein langsames Lernen. Doch Gott hat mich ermuntert, mir auch Vergebung für meine Fehler und mein Versagen zuzugestehen und nicht in Furcht und mit Schuldgefühlen zu leben, sondern immer weiter und unentwegt danach zu streben, eine erhabenere Vision zu erlangen. Und ich weiß, daß Gott dies für uns alle will.

Neale Donald WalschCentral Point, Oregon

1

Im Frühjahr 1992 – so um Ostern herum, wie ich mich entsinne  – ereignete sich in meinem Leben ein außergewöhnliches Phänomen. Gott begann mit Ihnen zu sprechen – und zwar durch meine Person.

Lassen Sie mich das erklären.

Ich war zu dieser Zeit in persönlicher, beruflicher und emotionaler Hinsicht sehr unglücklich, und mein Leben nahm sich wie ein Fehlschlag auf allen Ebenen aus. Seit Jahren hatte ich die Angewohnheit, meine Gedanken in Form von Briefen zu Papier zu bringen (die ich dann gewöhnlich nicht abschickte), und so griff ich wieder einmal zu meinem altvertrauten Notizblock und fing an, mein Herz auszuschütten.

Diesmal gedachte ich jedoch nicht einen Brief an irgendeine Person zu schreiben, die mich, wie ich mir einbildete, drangsalierte, sondern mich geradewegs an die Quelle, unmittelbar an den größten aller Schikanierer zu wenden. Ich beschloß, einen Brief an Gott zu schreiben.

Es war ein gehässiger, leidenschaftlicher Brief – voll von Ungereimtheiten, Verzerrungen und Verdammungen. Und mit einer Menge zorniger Fragen.

Warum funktionierte mein Leben nicht? Was war nötig, damit es endlich funktionierte? Warum konnte ich in meinen Beziehungen nicht glücklich werden? Sollte ich mein Leben lang niemals die Erfahrung machen, über ausreichend Geld zu verfügen? Und schließlich – und sehr nachdrücklich: Was hatte ich getan, daß ich in meinem Leben ständig derart zu kämpfen hatte?

Als ich die letzte meiner bitteren, unbeantwortbaren Fragen hingekritzelt hatte und den Stift schon beiseite legen wollte, verharrte die Hand zu meiner Überraschung weiterhin in schwebender Haltung über dem Papier – so, als würde sie von einer unsichtbaren Kraft festgehalten. Plötzlich bewegte sich der Stift ganz von selbst. Ich hatte keine Ahnung, was ich schreiben würde, doch schien ein Gedanke in mir aufzukommen, und ich beschloß, der Sache ihren Lauf zu lassen. Heraus kam …

WILLST DU WIRKLICH eine Antwort auf all diese Fragen oder nur Dampf ablassen?

Ich blinzelte – und dann stieg eine Antwort in mir auf. Ich schrieb auch sie nieder.

Beides. Klar, ich lasse Dampf ab, aber wenn es Antworten auf diese Fragen gibt, dann will ich sie, so gewiß wie es eine Hölle gibt, hören!

DU BIST DIR einer Menge Dinge – »so gewiß wie der Hölle«. Aber wäre es nicht nett, »so gewiß wie des Himmels« zu sein?

Und ich schrieb:

Was soll denn das heißen?

Und noch bevor ich begriff, wie mir geschah, hatte ich eine Unterhaltung begonnen, wobei ich eigentlich nicht von mir aus schrieb, sondern ein Diktat aufnahm.

Dieses Diktat dauerte drei Jahre, und zu jenem Zeitpunkt hatte ich keine Ahnung, worauf das Ganze hinauslief. Ich bekam erst dann Antworten auf meine Fragen, wenn ich sie vollständig zu Papier gebracht und meine eigenen Gedanken ad acta gelegt hatte. Oft erhielt ich die Antworten schneller, als ich schreiben konnte, und schmierte sie hin, um mitzuhalten. Wenn ich durcheinandergeriet oder nicht mehr das Gefühl hatte, daß die Antworten aus einer anderen Quelle kamen, legte ich den Stift beiseite und nahm Abstand von diesem Dialog, bis ich mich wieder inspiriert fühlte (tut mir leid, aber das ist hier das einzig wirklich passende Wort), zu meinem Notizblock zurückzukehren und das Diktat wiederaufzunehmen.

Die Gespräche finden übrigens weiterhin statt – auch während ich dies hier schreibe. Und vieles davon finden Sie auf den folgenden Seiten – Seiten, die einen erstaunlichen Dialog enthalten, an den ich zunächst nicht glauben konnte. Zunächst nahm ich an, er sei nur von persönlichem Wert, doch jetzt begreife ich, daß er nicht nur für mich gemeint war. Er war für Sie und alle anderen gedacht, denen diese Thematik am Herzen liegt. Denn meine Fragen sind Ihre Fragen.

Ich möchte, daß Sie sich so bald wie möglich in diesen Dialog vertiefen können, denn nicht meine Geschichte ist hier wirklich wichtig, sondern die Ihre. Ihre Lebensgeschichte hat Sie veranlaßt, sich damit zu befassen. Für Ihre persönliche Erfahrung sind meine Notizen von Bedeutung. Sonst würden Sie sie nicht in diesem Moment lesen.

Beginnen wir also diesen Dialog mit einer Frage, die mich schon seit längerer Zeit beschäftigte: Wie redet Gott, und mit wem? Als ich diese Frage stellte, bekam ich folgende Antwort:

ICH REDE MIT jedermann. Immer. Die Frage ist nicht, mit wem ich rede, sondern wer zuhört.

Fasziniert bat ich Gott, sich ausführlicher zu diesem Thema zu äußern. Er sagte folgendes dazu:

LASS UNS ZUNÄCHST das Wort reden durch das Wort kommunizieren ersetzen. Es ist ein sehr viel besseres, umfassenderes, präziseres Wort. Wenn wir versuchen, miteinander zu reden – ich mit dir, du mit mir –, werden wir sofort durch die unglaubliche Beschränktheit des Wortes eingeengt. Aus diesem Grund kommuniziere ich nicht nur mit Worten. Tatsächlich tue ich das ziemlich selten. Meine üblichste Kommunikationsform ist das Gefühl.

Das Gefühl ist die Sprache der Seele.

Wenn du wissen willst, was in bezug auf irgend etwas für dich wahr ist, dann achte darauf, was du fühlst.

Gefühle sind manchmal schwer auszumachen – und sie anzuerkennen ist oft noch schwieriger. Doch in deinen tiefsten Gefühlen verborgen findet sich deine höchste Wahrheit.

Der Trick dabei ist, daß du an diese Gefühle herankommst. Ich werde dir zeigen, wie. Und wieder, wenn du das wünscht.

Ich erklärte Gott, daß ich zwar durchaus diesen Wunsch hätte, doch im Moment begierig darauf sei, meine erste Frage voll und ganz beantwortet zu bekommen. Folgendes sagte er dazu:

ICH KOMMUNIZIERE AUCH über den Gedanken. Gedanken und Gefühle sind nicht das gleiche, obwohl beide zur selben Zeit auftreten können. Bei der Kommunikation über den Gedanken, die geistige Vorstellung, die Idee, gebrauche ich oft Metaphern und Bilder. Aus diesem Grund sind Gedanken als Kommunikationsmittel häufig effektiver als bloße Worte. Ergänzend zu den Gefühlen und Gedanken verwende ich auch als großartiges Kommunikationsmittel das Vehikel der Erfahrung.

Und wenn Gefühle, Gedanken und Erfahrungen sämtlich nichts fruchten, benutze ich schließlich Worte. Worte sind wirklich das am wenigsten effektive Kommunikationsmittel. Sie lassen sich leicht mißdeuten, werden oft falsch verstanden.

Und warum ist das so? Das liegt am Wesen der Worte. Sie sind nichts weiter als Äußerungen: Geräusche, die für Gefühle, Gedanken und Erfahrungen stehen. Sie sind Symbole, Zeichen, Erkennungszeichen. Sie sind nicht die Wahrheit. Sie sind nicht wirklich, nicht wahrhaftig.

Worte helfen euch vielleicht, etwas zu verstehen. Erfahrung läßt euch wissen. Aber es gibt einige Dinge, die ihr nicht erfahren könnt. Deshalb habe ich euch auch andere Mittel der Erkenntnis an die Hand gegeben, so etwa jenes, das man Gefühle nennt, und auch die Gedanken.

Nun, die große Ironie dabei ist, daß ihr alle dem Wort Gottes so viel und der Erfahrung so wenig Bedeutung zugemessen habt.

Tatsächlich erachtet ihr den Wert der Erfahrung als dermaßen gering, daß ihr, wenn sich eure Erfahrung von Gott von dem unterscheidet, was ihr über Gott gehört habt, automatisch die Erfahrung abtut und euch an das Wort haltet – wo es doch genau umgekehrt sein sollte.

Eure Erfahrungen und Gefühle bezüglich einer Sache repräsentieren das, was ihr faktisch und intuitiv darüber wißt. Worte können nur bestrebt sein, dem, was ihr wißt, symbolhaft Ausdruck zu verleihen, und bringen oft Verworrenheit in euer Wissen.

Das sind also die Instrumente, die Mittel, derer ich mich zur Kommunikation bediene. Doch sind sie nicht planmäßige Methode, denn nicht alle Gefühle, Gedanken, Erfahrungen und nicht alle Worte kommen von mir.

Viele Worte sind in meinem Namen von anderen geäußert worden. Für viele Gedanken und Gefühle und daraus resultierende Erfahrungen sind Ursachen verantwortlich, die nicht direkt meiner Schöpfung entstammen.

Hier ist Urteilskraft gefordert. Die Schwierigkeit besteht im Erkennen des Unterschieds zwischen den Botschaften Gottes und den Informationen aus anderen Quellen. Diese Unterscheidung bereitet keine Schwierigkeit, sofern eine Grundregel beherzigt wird:

Von mir kommt dein erhabenster Gedanke, dein klarstes Wort, dein edelstes Gefühl. Alles, was weniger ist, entstammt einer anderen Quelle.

Diese Differenzierung ist leicht, denn selbst einem Schüler im Anfangsstadium sollte es nicht schwerfallen, das Erhabenste, das Klarste und das Edelste zu erkennen.

Doch will ich folgende Richtlinien geben:

Der erhabenste Gedanke ist immer jener, der Freude in sich trägt. Die klarsten Worte sind jene, die Wahrheit enthalten. Das nobelste Gefühl ist jenes, das ihr Liebe nennt. Freude, Wahrheit, Liebe.

Diese drei sind austauschbar, und eines führt immer zum anderen. Die Reihenfolge spielt dabei keine Rolle.

Nachdem ich anhand dieser Richtlinien bestimmt habe, welche Botschaften von mir und welche aus einer anderen Quelle kommen, bleibt nur noch die Frage, ob meine Botschaften beachtet werden.

Dies ist bei der Mehrzahl nicht der Fall. Manche werden nicht beachtet, weil sie sich zu gut anhören, um wahr zu sein. Andere nicht, weil sie zu schwer zu befolgen sind. Viele nicht, weil sie ganz einfach mißverstanden werden. Und die meisten nicht, weil sie gar nicht empfangen werden.

Meine mächtigste Botin ist die Erfahrung, und selbst sie wird von euch ignoriert. Insbesondere sie wird von euch nicht zur Kenntnis genommen.

Eure Welt befände sich nicht in ihrem gegenwärtigen Zustand, wenn ihr ganz einfach auf eure Erfahrung gehört hättet. Die Folge eures Nicht-Hörens auf eure Erfahrung ist, daß ihr sie stets von neuem durchlebt. Denn meine Absicht wird nicht vereitelt, mein Wille nicht ignoriert werden. Ihr werdet die Botschaft bekommen – früher oder später.

Ich werde euch nicht drängen. Ich werde euch niemals zu etwas zwingen. Denn ich habe euch einen freien Willen gegeben, die Macht, eurer Wahl entsprechend zu handeln – und die werde ich euch niemals nehmen.

Also werde ich euch weiterhin immer und immer wieder die gleichen Botschaften senden, über die Jahrtausende hinweg und zu jedweder Ecke des Universums, die ihr bewohnen mögt. Endlos werde ich euch meine Botschaften schikken, bis ihr sie empfangen habt und beherzigt, sie euch zu eigen macht.

Meine Botschaften kommen in hunderterlei Formen, in Tausenden von Momenten, über eine Million Jahre hinweg. Ihr könnt sie nicht überhören, wenn ihr euch konzentriert. Ihr könnt sie nicht ignorieren, wenn ihr sie einmal wirklich vernommen habt. Und damit wird unsere Kommunikation ernstlich beginnen. Denn in der Vergangenheit habt ihr nur zu mir gesprochen, zu mir gebetet, seid ihr bei mir vorstellig geworden, habt ihr mich belagert. Doch nun werde ich den Dialog aufnehmen, so wie hier in diesem Fall.

Wie kann ich wissen, daß diese Mitteilung eine göttliche ist? Wie weiß ich, daß sie nicht lediglich auf meiner Einbildung beruht?

WO WÄRE DER Unterschied? Siehst du denn nicht, daß ich ebenso leicht deine Einbildungskraft wie alles andere manipulieren kann? Ich lasse dir die genau richtigen Gedanken, Worte oder Gefühle zukommen, in jedem beliebigen Moment, für den jeweils genau richtigen Zweck, und bediene mich dabei eines oder mehrerer Mittel.

Du wirst einfach wissen, daß diese Worte von mir kommen, weil du aus eigenem Antrieb noch nie so klar gesprochen hast. Wenn du zu diesen Fragen bereits so klare Worte gefunden hättest, würdest du sie gar nicht erst stellen.

Mit wem kommuniziert Gott? Sind das besondere Menschen? Gibt es spezielle Zeiten?

ALLE MENSCHEN SIND etwas Besonderes, und alle Momente sind goldene Momente. Es gibt keine Person und keine Zeit, die anderen gegenüber hervorzuheben wäre. Viele Menschen haben sich entschieden zu glauben, daß Gott auf besondere Weise und nur mit auserwählten Menschen kommuniziert. Das enthebt die Masse der Verantwortung, meine Botschaft zu hören, von empfangen gar nicht zu reden (was noch mal eine andere Sache ist), und gestattet den Leuten, die Worte eines anderen für die ganze Wahrheit zu halten. Dann müßt ihr nicht auf mich hören, da für euch ja bereits feststeht, daß andere zu allen Themen schon etwas von mir vernommen haben, und ihr ja sie habt, denen ihr zuhören könnt.

Indem ihr auf das hört, was andere Leute vermeinen, mich sagen gehört zu haben, müßt ihr überhaupt nicht mehr denken.

Das ist der Hauptgrund, warum die meisten Menschen sich von meinen auf persönlicher Ebene übermittelten Botschaften abwenden. Wenn du anerkennst, daß du meine Botschaften direkt empfängst, dann bist du für ihre Interpretation verantwortlich. Es ist sehr viel sicherer und leichter, die Deutungen anderer zu akzeptieren (auch wenn sie bereits vor zweitausend Jahren lebten), als die Botschaft zu interpretieren, die du vielleicht gerade in diesem Moment erhältst.

Und doch lade ich euch zu einer neuen Form der Kommunikation mit Gott ein: einer zweigleisigen Kommunikation. In Wahrheit seid ihr es, die mich dazu eingeladen haben. Denn ich bin jetzt in dieser Form einer Antwort auf euren Ruf zu euch gekommen.

Warum scheinen manche Leute, zum Beispiel Christus, mehr Botschaften von dir zu vernehmen als andere?

WEIL DIESE LEUTE willens sind, wirklich zuzuhören. Sie sind willens zu hören, und sie sind willens, für die Kommunikation offen zu bleiben – sogar dann, wenn die Botschaften beängstigend oder verrückt oder geradezu falsch klingen.

Wir sollten auf Gott hören, selbst wenn das, was da gesagt wird, falsch ist?

VOR ALLEM, WENN es falsch zu sein scheint. Warum solltest du mit Gott reden, wenn du glaubst, in allem recht zu haben?

Macht weiter so und handelt nach eurem Wissen. Aber nehmt zur Kenntnis, daß ihr das schon seit Anbeginn der Zeit macht. Und schaut euch an, in welchem Zustand die Welt ist. Euch ist da ganz eindeutig etwas entgangen. Offensichtlich versteht ihr etwas nicht. Das, was ihr tatsächlich versteht, muß euch richtig erscheinen, denn ihr verwendet den Begriff »richtig« für etwas, mit dem ihr einverstanden seid. Und daher wird euch das, was euch entgangen ist, zunächst als »falsch« erscheinen.

Wenn ihr weiterkommen wollt, müßt ihr euch fragen: »Was würde passieren, wenn alles ›richtig‹ wäre, was ich bislang für ›falsch‹ gehalten habe?« Alle großen Wissenschaftler wissen darum. Wenn das, was ein Wissenschaftler tut, nicht funktioniert, läßt er alle seine Grundannahmen beiseite und fängt von vorne an. Sämtliche großen Entdeckungen entstammen der Bereitschaft und der Fähigkeit zur Einsicht, nicht recht zu haben. Und das ist hier vonnöten.

Du kannst Gott nicht kennen, solange du nicht aufhörst, dir einzureden, daß du ihn bereits kennst. Du kannst Gott nicht hören, solange du nicht aufhörst zu meinen, daß du ihn bereits gehört hast.

Ich kann dir meine Wahrheit nicht verkünden, solange du nicht aufhörst, mir die deine zu verkünden.

Aber meine Wahrheit über Gott kommt von dir.

WER HAT DAS gesagt?

Andere.

WELCHE ANDEREN?

Führer, Geistliche, Rabbis, Priester, Bücher. Die Bibel, Himmel noch mal!

DAS SIND KEINE maßgeblichen Quellen.

Das sind sie nicht?

NEIN.

Und was sind maßgebliche Quellen?

HÖRE AUF DEINE Gefühle, deine erhabensten Gedanken, deine Erfahrung. Wenn sich irgend etwas davon von dem unterscheidet, was dir deine Lehrer erzählt haben oder du in Büchern gelesen hast, dann vergiß die Worte. Worte sind die am wenigsten zuverlässigen Wahrheitslieferanten.

Ich möchte dir so vieles sagen, dich so vieles fragen. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.

Zum Beispiel, warum offenbarst du dich nicht? Warum offenbarst du dich nicht, wenn es wirklich einen Gott gibt und du Gott bist, in einer Form, die uns allen begreifbar ist?

DAS HABE ICH getan, immer und immer wieder. Und ich tue es jetzt gerade wieder.

Nein. Ich meine eine Offenbarung in unwiderlegbarer Form; eine, die nicht bestritten werden kann.

WIE ZUM BEISPIEL?

Zum Beispiel, daß du jetzt vor meinen Augen erscheinst.

DAS TUE ICH.

Wo?

WO IMMER DU auch hinschaust.

ENDE DER LESEPROBE

Die amerikanische Originalausgabe erschien 1996 unter dem Titel »Conversations with God« bei Putnam, New York. Die deutsche Erstausgabe erschien 1997 im Goldmann Verlag, München.

9. Auflage Vollständige Taschenbuchausgabe November 2006 © 1997 der deutschsprachigen Ausgabe Arkana, München in der Verlagsgruppe Random House GmbH © 1996 Neale Donald Walsch Umschlaggestaltung: UNO Werbeagentur MünchenUmschlagmotiv: FinePic©, MünchenSatz: Barbara Rabus WL · Herstellung: CZ

eISBN 978-3-641-13289-7

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