Glück und Liebe auf Umwegen - Melanie Redlich - E-Book

Glück und Liebe auf Umwegen E-Book

Melanie Redlich

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Beschreibung

Nachdem Lilli sich von ihrem Verlobten getrennt hat, zieht sie in das Haus ihrer Grams ein. Sie lernt den Milliardär Lex Barker kennen. Sie muss mit Lex auf eine Geschäftsreise und begeht dort, in ihren Augen, einen schwerwiegenden Fehler, an den, sich mehrere Katastrophen reihen. Als es zum großen Showdown kommt, gerät alles außer Kontrolle. Ist die liebe zwischen Lex und Lilli zu retten? und welche Katastrophen erwarten sie?

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Seitenzahl: 336

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Epilog

Kapitel 1

Der Wecker klingelte um sechs Uhr dreißig, es war Juni und die Sonne leuchtete schon, durch die Gardine, in mein Zimmer hinein. Ich stand auf und ging halb schlafend in die Küche, wo Luna vor ihrem Napf wartete, so wie sie es jeden Morgen tat. Sie wusste immer, dass es direkt, wenn ich aufstand, Futter für sie gab. Ich hatte Luna als Katzenbaby bekommen, das war jetzt fast Neun Jahre her und die kleine Babykatze war zu einem großen, sensiblen und scheuem Kätzchen geworden. Ich hatte sie damals in der letzten Ecke des Zimmers gesehen, wo sie mit ihrer Mutter, einer schwarz-weißen Katze, gehalten wurden. Der Vater war ein Freigänger, mit orange-braunem Fell, erklärten mir die Leute, die sie verkauften. Es war nur ein kleiner Wurf, außer ihr gab es in dem Raum noch drei weitere Katzenbabys, aber ich wollte unbedingt sie haben. Als sie mich damals verschlafen ansah, war es um mich geschehen. Sie ist eine Glückskatze, denn sie hat alle Farben ihrer Eltern im Fell, die Brust ist weiß und der Rest war gescheckt in Schwarz, orange und braun. Ich versorgte sie mit Futter und frischem Wasser, danach ging ich mich fertig machen. Ich ging ins Bad und schaute in den Spiegel, was ich da sah, war erschreckend. Meine blonden Locken hingen wild durcheinander, ich sah aus, als ob ein Vogel darin genistet hatte. Mir fiel dann ein, dass ich mir die Haare für die Nacht nicht geflochten hatte, was ich in der Regel immer tat, da sonst, dass, was ich an diesem Morgen sah, dass Ergebnis war. Ich hasste meine Locken, die meine Mum mir vererbt hatte. Da ich keine Zeit mehr hatte sie zu waschen, machte ich mir einen Dutt am Hinterkopf und befestigte diesen, mit ein paar Nadeln. Danach wusch ich mein Gesicht mit kaltem Wasser, um wach zu werden und mir den Schlaf aus meinen blau-grauen Augen zu waschen. Ich fand, ich sah jetzt schon etwas wacher aus. Auf Make-up verzichtete ich, da es sowieso nichts gebracht hätte, es hätte das Ganze, vor allen Dingen meine Augenringe, wohl nur noch schlimmer gemacht. Ich gehörte eher zu den Frauen, die auf Make-up wenig Wert legten, da ich es sowieso nicht wirklich brauchte, wie ich fand, bis auf Wimperntusche, die tat ich immer drauf, wie auch an diesem Morgen, so wirkten meine Wimpern voller und länger. Ich ging zum Schrank und holte mir ein dunkel-blaues Wickelkleid raus, zog es an und betrachtete mich im Spiegel. Was ich sah, war für mich in Ordnung. Ich war immer der Meinung, ich wäre zu dick, aber heute war ich zufrieden. Mein Bauch sah flach aus und es trug auch nicht an den Seiten auf. Ich holte mir ein Paar schwarze Pumps aus dem Schrank, mit einem nicht so dünnem Absatz, die meine Beine zwar etwas streckten, aber ich noch darauf laufen konnte. Ich zog sie an, dazu nahm ich meine schmale, dünne Uhr und eine silberne Kette, mit einem kleinen Stein dran, dazu hatte ich passende Ohrringe, die ich auch anzog. danach schaute ich noch mal in den Spiegel und war mit dem Gesamtergebnis zufrieden.

Anschließend ging ich in die Küche, um selbst etwas zu frühstücken. Ich machte mir etwas Obst mit Jogurt und Müsli, dazu einen Tee. Ich nahm mir mein Buch, welches, wie immer, ein Liebesroman war. Wenn mein Liebesleben schon eine Katastrophe war, wollte ich wenigstens in Büchern von der Liebe träumen dürfen.

Ich war so in das Buch versunken, dass ich fast die Zeit vergaß und zu spät zur Arbeit losgegangen wäre. Um acht Uhr machte ich mich langsam auf den Weg ins Büro, es war mein erster Tag nach dem Urlaub. Der Urlaub war sowieso eine Katastrophe. Ich wollte mit meinem Verlobten in den Urlaub fliegen. Als ich an meinem letzten Arbeitstag, voller Vorfreude früher nachhause kam, und die Wohnungstür öffnete, war für mich nicht nur der Urlaub gelaufen. Ich fand Tim mit Martha, seiner Assistentin, in unserem Bett vor. Das war zu viel, ich hatte schon länger ein komisches Gefühl im Magen, wenn er meinte, er müsste länger Arbeiten oder noch zu einem Geschäfts-essen am Abend. Es war das zweite Mal, dass er mich mit ihr betrog. Beim ersten Mal schwor er mir, dass er es sofort beenden würde. Jetzt sah ich live, wie er es beendet hatte. Ich sagte nichts zu ihm, knallte ihm nur den Ring an den Kopf und nahm mir den Koffer, der für den Urlaub schon halb gepackt war. Ich packte noch ein paar Sachen dort rein, er lief mir in der Wohnung hinterher und beteuerte, wie leid es ihm tat. Ich ignorierte ihn und sah im Augenwinkel, wie Martha ihre Sachen schnell anzog und aus der Wohnung lief.

Ich nahm meinen Koffer, schaute ihn nochmal an, öffnete die Tür und legte den Wohnungsschlüssel auf die Kommode, die an der Tür stand und schloss sie.

Dann machte ich mich auf den Weg zu meiner Grams, wo ich einfach nur noch heulte, bis keine Träne mehr kam. Seitdem ignorierte ich alle Anrufe und Nachrichten von ihm. Ich besorgte mir sogar eine neue Handynummer, das brachte aber leider nichts. Er fand sie raus, ich wusste nur nicht, wie es ihm gelungen war. Aber bei seinen Beziehungen wunderte mich das nicht, schließlich hatte der Name Brown, in der oberen Liga, Gewicht. Sein Vater war ein sehr angesehener Mann und er ließ Tim immer den reichen Sohn spielen.

Als ich meine Wohnung verließ und die Treppe runterkam, ging unten die Wohnungstür auf und Grams kam raus.

„Na Kind, geht der Alltag wieder los?“

Ich schaute sie lächelnd an und bestätigte ihre Aussage mit einem nicken. Grams war eine achtzig jährige Frau, mit schwarzem Haar, wo ein paar graue Strähnen drin waren. Sie trug sie immer zu einem strengen Dutt im Nacken. Sie war ein Kopf kleiner als ich. Wir Frauen waren nie sehr groß in unserer Familie. Wenn man Grams alter nicht gewusst hätte, hätte man nie gedacht, dass sie achtzig Jahre alt wäre. Sie sah jünger aus und hatte im Gesicht und an den Armen, so gut wie, keine Falten. Ihre grünen Augen sahen immer Jugendhaft aus. Ich gab ihr einen Kuss auf die Wange und ging aus dem Haus. Als ich zu Grams geflüchtet bin, nach dem Fiasko mit Tim, war grade die Wohnung über ihr frei geworden. Also zog ich dort ein. Sie freute sich sehr, denn das Haus war nur für zwei Parteien gebaut. Das hieß, wir hatten dieses Haus für uns allein, aber jeder hatte seine eigene Wohnung, mit einem gemeinsamen, kleinen Garten hinten dran. Meine Mutter fand das Ganze, befremdend. Sie würde nie in das gleiche Haus, wie ihre Mutter ziehen, aber sie war sowieso nur mit sich selbst beschäftigt. Schon als Kind hatte Grams mehr Zeit für mich als sie und das änderte sich auch nicht, nachdem ich bei Mum ausgezogen war. Wir hatten so gut wie keinen Kontakt mehr.

Deswegen sahen wir uns nur an Geburtstagen und Weihnachten, das reichte aber auch, denn wir zankten uns meistens ohnehin nur. Ich konnte mir oft anhören, ich wäre wie mein Vater. Leider kannte ich ihn nicht, da er, als ich zwei war, bei einem Autounfall umkam.

Seitdem hatte meine Mum auch kein Glück mehr in der Liebe. Entweder waren sie verheiratet oder sie fuhren zweigleisig. Dass einzige, was ich immer traurig fand, war, dass ich keine Geschwister hatte. Einen Bruder oder eine Schwester wäre schön gewesen, aber es sollte leider nicht sein. Als ich im Büro ankam und meinen Schreibtisch sah, wäre ich am liebsten wieder gegangen. Ich schrieb, unter anderem, die Memos unseres Chefs für Briefe und Vorträge unserer Kunden ins Saubere. Es lagen jede Menge Memos bei mir auf dem Tisch. Ich setzte mich auf meinen Stuhl und wollte es nach Wichtigkeit sortieren, als ich eine Stimme hinter mir hörte. „Gutem morgen Lilli, wie geht es dir?“ Es war Amy, meine beste Freundin. Ihre blonden, dünnen Haare, die sie sich zu einem Bob geschnitten hatte, waren mal wieder perfekt gestylt und ihre blauen Augen hatten ein wenig Make-up drauf. Sie war sehr dünn, nur an ihren Seiten, war sie immer am Motzen, sie wäre da zu dick. Ich verstand das nie, denn ich hätte mich über ihre Figur gefreut, zumal sie schon ein Kind bekommen hatte, was von ihr und ihrem Mann Jaime nicht geplant war. Aber neun Monate später war die kleine Juli da. Juli veränderte das Leben der beiden komplett, aber sie waren glückliche Eltern und ich war die Patentante der kleine Juli, worauf ich stolz war. Amy hatte ihr Lieblingskleid an. Wir hatten es bei einer unserer Shopping Touren gefunden und sie konnte es nicht hängen lassen. Dies war auch das Kleid, indem sie ihren Mann Jamie kennengelernt hatte. Ein grünes Stiftkleid, mit einem etwas tieferen Dekolleté, was ihrer Figur sehr schmeichelte. Dazu hatte sie schwarze High Heels an, ich bewunderte sie, wie sie auf denen, den ganzen Tag laufen konnte. Zu unserer Clique gehörten auch noch Lis und Brad. Sie waren auch beide Paten von der kleinen Juli. Lis hat Urlaub und Brad ist auf einer Geschäftsreise, soweit ich wusste. Brad ist ein Workaholic, was man an seinem Erfolg sehen konnte, er hatte Milliarden mit seinen Firmen gemacht. Wir hatten uns bei einer Party kennengelernt, bei der, Lis, Amy und ich waren. Er war sehr nett und hat uns geholfen, nervige Anhängsel, wie Männer, loszuwerden. Danach haben wir uns öfters, zu viert, getroffen und so waren wir dann einer mehr. Lis arbeitet bei uns im Büro, sie ist die Assistentin von Mr.

Keller, unserem Chef. Wir vier sind eine komische Mischung aber es funktioniert. Der Milliardär und die drei aus dem Büro. Wir lachen oft darüber.

„Mir geht es wieder besser“

war meine Antwort, mit einem nicht so ganz überzeugten Lächeln. Amy schaute auf meinem Schreibtisch und meinte

„Dich haben sie kommen sehen“

Ich nickte nur. Wir verabredeten uns zum Mittagessen und so ging dieser Tag endlich auch zu Ende. Es war ein anstrengender Tag, aber die ganze Woche verlief so.

Ich hatte viel aufzuarbeiten, was während meines Urlaubes liegen geblieben war. So konnte ich aber auch nicht über Tim nachdenken, was gut war, denn ich wollte auch nicht darüber nachdenken.

Kapitel 2

Samstagmittag gingen Amy und Ich einen Kaffee trinken. Wir sprachen in unserer Freizeit nur über privates, nie über die Arbeit, und die erste Frage von Amy, als wir unseren Kaffee bekamen, war natürlich, ob Tim sich gemeldet hatte, oder ob er endlich aufgegeben hatte. Ich schaute Amy mit schmalen Augen an, denn ich hasste dieses Thema. In dem Moment klingelte mein Handy, ich rollte mit den Augen, als ich auf das Display schaute und hielt es ihr hin. Damit hatte sie ihre Antwort. Es war mal wie-der Tim, ich drückte ihn einfach weg, damit konnte ich mich später beschäftigen.

„Das ist keine Dauerlösung, Lilli“ Sagte Amy direkt.

„Ich weiß das, aber ich habe keine Lust, mich jetzt damit zu befassen“ sagte ich etwas genervt zu Amy.

„Wie du meinst. Aber du weißt, wenn du Hilfe brauchst, bin ich da“ sagte sie zu mir. Ich nickte nur und damit war das Thema fürs Erste erledigt, denn ich konnte mich immer auf Amy verlassen und sie auf mich. Als Amy‘s Handy etwas später klingelte, wussten wir, dass sie gehen musste, denn es war eine Nachricht von Jamie.

Hallo Schatz,

kannst du bitte nachhause kommen,

ich muss zu einem wichtigen Klienten

Jamie war Anwalt, aber in der Angelegenheit mit Tim, konnte er mir nicht helfen. Tim tat nichts, was gegen das Gesetzt war und so lange, konnten wir nichts gegen ihn unternehmen. Jamie mochte Tim nie, er hätte ihn gerne rechtlich in die Mangel genommen.

Wir verabschiedeten uns und ich schlenderte noch etwas über die Einkaufsstraße der Stadt. An einem kleinen Laden fiel mir ein Kleid ins Auge. Ich musste es anprobieren, den Preis wollte ich erst mal nicht wissen, also ging ich in den Laden. Die Verkäuferin gab mir das Kleid in meiner Größe und ich verschwand in einer Kabine. Ich zog es an und ging neben der Kabine an einen Spiegel. Es passte perfekt. Meine Kurven setzte es perfekt in Szene und es ließ meinen Bauch noch flacher wirken, als er war. Dass dunkel-blau passte zu meiner, durch den Urlaub im Garten, gebräunten Haut und meinen blonden, lockigen und schulterlangen Haaren. Es war mit Spitze überzogen, wodrauf Blumenstickereien im Ton des Kleides waren.

Die Träger waren aus kleinen Swarovski Steinen. Dazu hatte ich silberne High Heels an, die, die Verkäuferin mir, gebracht hatte. Auf einmal hörte ich eine Männerstimme hinter mir sagen

„Es steht ihnen ausgezeichnet“ Ich drehte mich um und da stand ein muskulöser Mann, in einem grauen, maßgeschneiderten Anzug. Er hatte schwarze Haare und meerblaue Augen, in denen ich versinken zu drohen schien. Ich merkte, wie mir die Röte ins Gesicht stieg. Als ich wieder ein Wort herausbekam, sagte ich nur

„Danke für das Kompliment“

und lief wieder in die Kabine. In der Kabine sah ich dann doch auf das Preisschild und wusste, dass der Traum zu Ende war. Dass, konnte ich mir nicht leisten.

Es sollte siebenhundert Dollar kosten, mit den Schuhen wäre ich bei tausend Dollar gewesen. Dass, ging weit über öffnete die Tür. Als die Glocke an der Tür ging, schaute er zu mir und fragte, ob ich meine Möglichkeiten. Ich zog es traurig aus und ging in Richtung Ausgang, gab der Verkäuferin das Kleid und die Schuhe zurück und sagte, dass es das leider nicht sei, was gelogen war, aber ich konnte ja wohl kaum sagen, dass es für mich zu teuer war und ging weiter.

Da stand er, mit einer brünetten Frau, die die Figur eines Models hatte. Sie war perfekt gestylt, mit ihren braunen Locken und trug ein perfekt, auf ihre braunen Augen, abgestimmtes Make-up. Sie lächelte ihn an und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Ich merkte, wie sich in meinem Magen alles zusammen-zog, verstand aber nicht wieso und das Kleid geholt hätte. Ich sagte „Nein, es hat nicht gepasst“

und ging. Die Dame neben ihm schaute mich wie ein Fragezeichen, aus schmalen Augen, an.

Kapitel 3

Montagmorgen hatte ich fast verschlafen, kam aber noch grade pünktlich zur Arbeit. Es war wieder das gleiche Chaos, was ich letzte Woche schon vorfand.

Mein Schreibtisch war zugeknallt mit Arbeit. Mir wurde wieder bewusst, wieso ich meinen Job nicht liebte. In der Mittagspause war ich wieder mit Amy verabredet, die mir von einem Streit und einer Versöhnung mit Jamie erzählte. Sie wussten am Ende nicht mal, wieso sie sich gestritten hatten, was bei den beiden normal war. Manchmal dachte ich, es wäre bei den beiden normal, dass sie sich nur wegen der Versöhnung stritten. Sie brauchten das wohl auf diese Art und Weise. Nach der Pause wollte ich wieder zu meinem Schreibtisch zurück, als jemand

„Miss. Stuart“

rief. Ich drehte mich um und sah meinen Chef, Mr. Keller. Mr. Keller war ein älterer Herr, mit grauen, kurzen Haaren. Er trug immer einen Anzug. Heute war er grau und er trug ein weißes Hemd dazu. Krawatten trug er eher selten. Er winkte mich in sein Büro.

<Das war, was ich heute unbedingt noch brauchte. Ein Gespräch der Zentrale geschickt wurde, um die Zweigstelle zu kontrollieren und wir mit meinem Chef> Als ich sein Büro betrat, stand dort ein Mann. Als ich sah, wer es war, wurde ich blass. Es war der Mann, den ich am Wochenende, in dem kleinen Laden, gesehen hatte. Mr. Keller stellte ihn mir als Mr. Barker vor. Ich fand meine Stimme nach einem Moment wieder und sagte

„Guten Tag, Mr. Barker“

Ich dachte, er muss mich für sehr Wortkarg halten.

Mehr war nicht aus mir heraus zu kriegen. Als Mr. Keller das Gespräch wieder aufnahm, war ich dankbar.

Er erklärte mir, dass Mr. Barker von ihm auf alles, Zugriff Gewehren mussten und ich bitte die anderen davon in Kenntnis setzten, möchte. Ich nickte und sagte, dass ich es sofort erledigen wolle und drehte mich zur Tür zum Gehen um.

„Moment Miss. Stuart“

sagte Mr. Keller

„Sie helfen Mr. Barker bitte, wenn er etwas benötigt.“

Ich nickte nur wieder und ging aus seinem Büro. Als ich raus war und die Tür hinter mir geschlossen hatte, atmete ich erst mal durch. Ich dachte, er hat mich wohl nicht erkannt und das war auch besser so, das hätte mir noch gefehlt. Das wäre peinlicher für mich geworden, so war es definitiv besser. Den Rest des Tages war ich mit meiner Arbeit und Mr. Barker‘s Wünschen beschäftigt. Dies führte dazu, dass ich länger blieb, um meine Arbeit fertig zu kriegen, die für diesen Tag anstand. Es waren alle schon nachhause gegangen, so dachte ich zumindest. Als ich um einundzwanzig Uhr dann endlich Feierabend machte, nahm ich meine Tasche und ging zum Aufzug. Dort kam mir Mr. Barker entgegen. Ich dachte, das fehlt mir noch. Der, der mich denn halben Tag durch das Büro gehetzt hat, um ihm alles Mögliche zu besorgen, musste jetzt in den gleichen Aufzug steigen wie ich.

Das war, zum Abschluss des Tages, noch das I-Tüpfelchen für mich. Ich überlegte sofort, die Treppe zu nehmen, aber da er mich schon gesehen hatte, wäre es kindisch gewesen. Also hielt ich mich an dem Gedanken fest, nachhause zu gehen, etwas zu essen und dann ins Bett zu gehen. Mit diesen Gedanken ging ich weiter auf den Aufzug zu. Als ich am Aufzug ankam, hielt er ihn schon auf und sagte mit einem Lächeln „Guten Abend Miss. Stuart. So spät noch hier, ich dachte, ich wäre der letzte im Büro.“

<Nein du Arschloch, deinetwegen musste ich länger bleiben> Aber das dachte ich mir lieber nur und lächelte ihn an.

„Nein, so kann man sich irren, ich musste noch etwas fertig machen, Mr. Barker.“

„Und jetzt geht es nach Hause?“, fragte er.

„Ja genau“

sagte ich nur und stieg in den Aufzug ein. Während der Fahrt im Aufzug sprachen wir kein Wort miteinander.

Ich spürte, nur Blicke, , so lange zu warten ist doch nicht nötig. die mich beobachteten, ich schaute aber nicht zu ihm rüber. Der Aufzug kam unten an und wir stiegen aus. Als er sah, dass ich zur Bahn ging, meinte er, ich solle mit ihm kommen, er würde mich nachhause fahren. Ich lehnte dankend ab und ging zur Bahn Station. Da sah ich dann, dass die nächste Bahn, erst in einer Stunde kommen sollte. Ich war begeistert. Mr. Barker fuhr an mir vorbei, ich dachte, hätte ich nur ja gesagt, als er mich mitnehmen wollte. Auf einmal bremste er, setzte den Wagen zurück und machte das Fenster runter

„Kommen sie, ich habe gesehen ihre Bahn kommt erst in einer Stunde Ich fahre sie schnell nach Hause“

Also entschloss ich mich, mit ihm zu fahren. Ich sagte ihm meine Adresse und er fuhr los. In Gedanken versunken schaute ich aus dem Fenster, sodass ich gar nicht merkte, dass wir nicht direkt zu mir Nachhause fuhren. Erst, als er an einem kleinen Restaurant hielt, wurde es mir bewusst. Ich schaute ihn fragend an und er sagte

„Ich dachte, wir sollten noch eine Kleinigkeit essen, bevor ich sie nachhause bringe. Da sie den ganzen Tag für mich herumgerannt sind und deswegen länger bleiben mussten, ist das, dass mindeste, was ich für sie tun kann.“

Ich war erstaunt, dass er das wahrgenommen hatte.

Ich hatte wirklich Hunger. Zum Mittag hatte ich nur einen kleinen Salat gegessen, den Amy mir mitgebracht hatte. Also stieg ich mit ihm aus. Es war ein kleines, italienisches Restaurant in einer Seitenstraße. Ich hatte es noch nie wahrgenommen.

Als der Kellner uns einen Tisch zugewiesen hatte, fragte, er was wir Trinken möchten. Bevor ich was sagen konnte, bestelle Mr. Barker eine Flasche Rotwein für uns. Als der Kellner uns die Karte gegeben hatte und den Wein holen ging, schauten wir in die Karte. Ich entschloss mich für Nudeln in Tomatensoße.

Als der Kellner wiederkam, nahm er unsere Bestellung auf und ließ uns mit dem Wein allein. Ich probierte den Wein. Er war gut, nicht zu süß und nicht zu trocken. Ich musste gestehen, er hatte, diesbezüglich, guten Geschmack. Er schaute mich fragend an, als ich den Wein trank und ich sagte ihm, was ich über den Wein gedacht hatte. Er lächelte zufrieden. Beim Essen stellte er mir viele fragen, wie lange ich in der Firma schon arbeite und was ich meine, was man verbessern könnte. Danach sprachen wir über Reiseziele und er erzählte mir, wo er schon überall war. Auch wegen der Arbeit musste er wohl viel reisen und so vergaßen wir die Zeit. Als mein Handy klingelte, sah ich Tims Nummer. Ich ignorierte den Anruf und nachdem es, das dritte Mal klingelte, fragte er mich, ob ich nicht dran gehen möchte. Ich verneinte und meinte, dass ich nachhause gehen sollte, es wäre spät. Er zog seine Augenbraue hoch als er sah wie ich meine Geldbörse herausholte und sagte

„Ich habe sie eingeladen. Dann bezahle ich auch und bringe sie nachhause.“

Ich schaute ihn sprachlos an, als er bezahlen ging. Wir gingen zum Auto und er brachte mich nachhause.

Während der Fahrt redeten wir wieder kein Wort miteinander. Ich hatte in der Zeit noch drei Anrufe und vier Nachrichten von Tim bekommen. So langsam riss mir der Geduldsfaden, ich musste mir etwas mit ihm einfallen lassen. Als wir bei mir ankamen, schaute er mich an und lächelte.

„Es war ein sehr schöner Abend Miss. Stuart“ Ich sagte

„Nennen sie mich Lilli“ Ich sagte es so schnell, dass ich nicht drüber nachdenken konnte. Ich dachte nur, dass ich eine blöde Nuss bin, aber er lachte nur und sagte

„Sehr gerne, ich bin Lex“

wir lachten uns an und ich stieg aus dem Auto und wir wünschten uns eine gute Nacht. Als ich ausstieg, spürte ich im Bauch ein komisches Gefühl, das ich nicht kannte. Ob es etwas mit ihm, oder den Nachrichten von Tim zu tun hatte, konnte ich nicht herausfinden.

Die nächsten Tage verliefen alle gleich. Ich arbeitete bis einundzwanzig Uhr und traf Lex jedes Mal im Aufzug, wenn ich nachhause wollte. Ich hatte, dass Gefühl, er wartete in seinem Büro, was Mr. Keller ihm für seine Arbeit gegeben hatte, auf mich. Er brachte mich immer nachhause und unterwegs gingen wir essen. Ich genoss es mit ihm zu reden und Zeit mit ihm zu verbringen. Er war nicht das Arschloch, was ich am Anfang in ihm gesehen habe, musste ich mir eingestehen.

Kapitel 4

Am Wochenende ging ich mit Amy tanzen. Einmal im Monat, passte Jamie, an einem Samstag, allein auf Juli auf, damit Amy und ich tanzen gehen konnten. Auf den Tag freuten wir uns immer. Er erinnerte uns an unsere Schul- und Studienzeit. Denn wir kannten uns schon als kleine Kinder. Ihre Eltern waren mit meiner Grams befreundet, was es uns nur leichter machte, ewig zusammen zuhängen und Schabernack zu treiben, wovon wir viel im Kopf hatten. Da ich ohnehin viel bei meiner Grams gehangen hatte, waren wir unzertrennlich. Wir hatten beschlossen, in einen neuen Tanzclub zu gehen. Dieser hatte heute Ersteröffnung. Der einzige Nachteil war, dass man in Abendgarderobe kommen musste. Ich zog mir ein schwarzes Kleid, mit silbernen High Heels an. Der Absatz war nicht ganz so halsbrecherisch, wie der von Amy‘s Schuhen. Meine Locken trug ich offen über die Schultern. Ich schminkte mir ein bisschen die Augen und trug Lipgloss auf, damit sie voller wirkten. Dann nahm ich meine Clutch und ging die Treppe runter.

Grams machte die Tür auf, steckte mir fünfzig Dollar zu und wünschte uns einen schönen Abend. Das tat sie oft, seitdem wir feiern gingen. Es war immer, dass gleiche mit ihr. Ich bedankte mich mit einem Kuss auf ihre Wange und ging dann.

Vor der Tür stand schon ein Taxi in dem Amy saß. Sie schaute mich lachend an.

„Los geht’s meine Dame“,

sagte sie als ich Einstieg.

Sie freute sich immer besonders auf diesen Abend.

Mehr als ich. Hatte ich manchmal das Gefühl? Denn in dieser Zeit war sie keine Mutter und Ehefrau, sondern nur sie selbst. Wir nannten dem Fahrer die Adresse und er fuhr los.

Als wir dort ankamen, war dort eine lange Schlange vor dem Eingang. Wir schauten uns an und grinsten. Es würde etwas länger dauern bis wir hereinkommen, dachten wir. Doch es kam anders. Einer der Türsteher hielt uns an und winkte uns direkt durch. Wir freuten uns. Ich nahm an, dass es an Amy lag, mit ihrem roten Kleid, was grade mal bis zu ihrem Oberschenkel ging und sehr tief blicken ließ und wie immer waren ihre Haare und ihr Make-up perfekt aufeinander abgestimmt. Wir gingen rein, bestellten uns etwas zu trinken und setzten uns an der Tanzfläche hin. Amy hielt nicht lange still und so ging es schnell auf die Tanzfläche. Wir hatten beide viel Spaß, lachten und ich vergaß die ganzen Sorgen, die ich wegen Tim hatte. Endlich mal. Auf einmal kam ein Mann, tanzte uns an und fragte, ob er uns etwas ausgeben dürfte.

Wir nickten und gingen zur Bar, da Vibrierte Amy´s Handy. Es war Jamie. Er schrieb ihr, sie möchte bitte nachhause kommen, Juli wäre krank. Ich wollte mit gehen, doch sie bestand darauf, dass ich blieb.

„Es reicht, wenn einer von uns nachhause muss und du hast da jemanden an der Angel. Amüsiere dich, wir Telefonieren morgen. Ich will alles wissen“ sagte Amy zu mir, dann verschwand sie. Ich nickte und setzte mich wieder hin und wartete auf den Typ, der uns mit den Getränken versorgte. Wir unterhielten uns eine ganze Zeit, bis ich merkte, dass mir schwindelig wurde. Ich meinte, ich müsse mal kurz auf die Toilette und verschwand. Ich ging aber nicht zur Toilette, sondern verließ den Club, so schnell ich konnte, was bei dem Karussell in meinem Kopf nicht so leicht war.

Als ich an der Luft war, wurde es nicht besser, wie erhofft, sondern schlimmer. Ich hatte, das Gefühl ich müsste mich übergeben.

Neben dem Club war direkt eine Seitenstraße. Ich ging dorthin und wollte mich übergeben, aber es kam nichts. Ich stützte meinen Kopf gegen die kalte Fassade. Die Kälte am Kopf tat gut, auf einmal drückte mich jemand mit seinem ganzen Gewicht gegen die Fassade. Ich erschrak, konnte mich aber nicht bewegen oder brüllen. Als er zu mir sagte

„Das ist aber nicht nett, dass du einfach so

verschwindest“

da wusste ich sofort, dass es der Kerl aus dem Club war, mit dem ich mich unterhalten hatte. Ich wollte mich losreißen, aber er drückte mich weiter gegen die Wand und sagte, ich solle mich nicht so anstellen, ich wollte es doch auch. Bei diesen Worten fing er an, mir das Kleid hochzuschieben. Ich wollte wieder brüllen, doch es ging wieder nicht, also nahm ich alle Kraft zusammen und trat ihm mit meinen High Heels auf den Fuß. Ich war zum ersten Mal dankbar, dass ich sie anhatte. Er schrie auf und ließ mich los. Ich drehte mich um und rannte los, doch er packte mich an den Haaren und riss mich zurück. Ich fiel auf den Boden und merkte, wie mein Kleid an der Seite riss und es am Oberschenkel warm wurde.

Er fauchte

„du dumme Schlampe, zier dich nicht so“ mit diesen Worten riss er mir mein Kleid oben auf und legte seine Hand auf meine Brust. Ich war wie betäubt und konnte mich nicht bewegen. Ich hoffte nur, dass es bald vorbei sei und ich noch leben würde. Ich hörte, wie ein Reißverschluss aufging und mir kamen die Tränen. Ich versuchte noch mal zu schreien doch es ging nicht. Ich schloss die Augen und betete, dass es endlich vorbei sei. Plötzlich hörte ich einen Schrei von dem Typen und spürte, dass es auf mir leichter wurde.

Danach hörte ich einen Knall und jemanden wegrennen. Ich blieb reglos liegen. Als mich jemand aufrichtete und ich vor lauter Angst die Arme vor mein Gesicht legte, sagte eine Männerstimme

„Es ist vorbei“

und nahm mich in den Arm. Ich erkannte diese Stimme erst, nachdem er, mir noch mal sagte, ich wäre in Sicherheit. Es war die Stimme von Lex. Ich öffnete die Augen und da war er wirklich. In seinen Augen las ich Schmerz und Besorgnis. Er zog sein Sakko aus und legte es um mich, danach nahm er mich auf den Arm und trug mich zu seinem Wagen. Als der Fahrer, die Tür zu seinem Wagen öffnete, setzte er mich rein, sagte etwas zum Fahrer, was ich nicht verstand, weil ich noch zu sehr unter Schock stand. Danach setzte er sich neben mich.

Ich schaute ihn, mit Tränen in den Augen an und brachte nur ein gebrochenes

„DANKE!!“

über die Lippen. Er nahm mich in den Arm und sagte nichts. Ich weiß nicht wie lange wir so saßen, aber ich fühlte mich geborgen. Nach einiger Zeit fragte er mich, ob ich ins Krankenhaus oder nachhause möchte. Ich wollte nachhause, er nahm meinen Kopf hoch und fragte, ob ich mir sicher sei, oder ob nicht doch jemand nach meinen Verletzungen schauen sollte. Ich schüttelte den Kopf und er meinte dann, dass er mich nachhause bringt. So brachte er mich bis vor die Haustür.

„Schaffst du es allein oder soll ich dich hochbringen?“, fragte er mit besorgtem Blick.

Ich verneinte und bedankte mich, mit einem Kuss auf die Wange, für alles was er für mich getan hatte. Ohne ihn wäre die Sache wohl anders ausgegangen. Ich wollte ihm sein Sakko wiedergeben, doch er meinte, das kann ich ihm ein andermal wiedergeben, so wichtig wäre das jetzt nicht. Er lächelte und meinte, ich möchte mich bitte morgen bei ihm melden, wie es mir ginge und gab mir seine Handynummer.

Als ich endlich in meiner Wohnung war, duschte ich eine Stunde lang, saß auf dem Boden der Dusche, weinte und wusch mich mehrmals, weil ich mich immer noch dreckig fühlte. Es half nicht wirklich. Ich zog mein Nachthemd an und legte mich ins Bett. Ich wollte nur noch die Augen zu machen und schlafen da kam eine Nachricht von Amy:

Und wie war es noch?

Ich wollte ihr nicht die Wahrheit sagen, sie hätte sich nur Vorwürfe gemacht also schrieb ich:

Bin kurz nach dir gegangen, der Typ war nichts.

Ich versuchte zu schlafen, aber ich konnte nicht, ich sah immer wieder vor mir, was passiert war.

Den Sonntag verbrachte ich mit Grams, in unserem Garten. Wir hatten uns ein kleines Paradies geschaffen. Wir liebten beide Rosen und die standen dort in allen Farben und Gerüchen. Sie waren Balsam für meine Seele, ich fühlte mich weit weg von dem, was passiert war.

„Wie war es gestern, Kind?“

Ich konnte Grams nicht anlügen, also sagte ich ihr, was passiert war. Sie war sprachlos und hatte Tränen in den Augen. Ich versicherte ihr, dass es mir gut ginge und ich nicht mehr darüber reden wolle. Dass es mir gut ginge, glaubte sie mir nicht, das sah ich an ihren Augen, aber sie sprach das Thema nicht mehr an. Auf einmal vibrierte mein Handy.

Eine neue Nachricht von einer unbekannten Nummer.

Ich lasse sie und war verwundert.

Hallo schöne Frau hast du mich vergessen?

Ich hoffe, es geht dir besser, nachdem was gestern passiert ist.

Bitte antworte mir, ich mache mir Sorgen Liebe Grüße L.B.

Nummer kam, als mir einfiel, dass sie ja im Büro hinterlegt war. Damit war mir klar, woher Ich überlegte, wie er an meine er sie hatte, aber ich fand es nicht schlimm. Ich schrieb ihm, dass es mir besser ginge und wir uns ja morgen im Büro bestimmt sehen würden. Es war natürlich gelogen, mir ging es gar nicht gut, ich hatte die halbe Nacht kein Auge zu gemacht und wenn, dann hatte ich Alpträume. Heute war ich mich schon drei Mal duschen, weil ich mich so dreckig fühlte, aber das wollte ich ihm nicht sagen.

Als wir hereingingen, fragte Grams, ob ich nicht noch zu ihr mit hereinkommen wollte. Ich verneinte, zwang mir ein Lächeln ab und sagte ihr, es ginge mir gut. Sie meinte, sie glaube mir nicht, aber ich wäre alt genug und wüsste, was das Beste für mich ist. Wenn ich was brauche, wüsste ich ja, wo sie ist.

Als ich oben ankam, öffnete ich den Kühlschrank und schloss ihn dann wieder.

Mir fiel ein, dass ich nicht einkaufen war, also war dieser leer. Da ich aber sowieso keinen großen Hunger hatte, war es egal. Ich legte mich aufs Sofa und schaute irgendein Dokumentar-Film, in der Hoffnung, ich würde einschlafen. Plötzlich klingelte es an der Tür.

Ich ging runter, um zu-Schauen wer dort ist und da stand Lex vor der Tür. Ich öffnete und er sah mich mit einem schiefen Lächeln an. Er hatte eine Jeans und ein weißes Hemd an, unter dem sich seine Muskeln abbildeten. Seine Hemdärmel waren etwas hochgekrempelt, er trug eine teure Uhr. Es sah halt nach Freizeitlook aus.

„Ich dachte, du hättest gerne etwas Gesellschaft. Ich habe auch eine Pizza und eine Liebesschnulze im Gepäck. Darauf steht ihr Frauen doch.“

Er schaute mich mit seinen meerblauen Augen erwartungsvoll an. Ich wusste erst nicht, ob ich das möchte. Ich wollte mich am liebsten verstecken und meine Ruhe haben.

„Komm schon, willst du mich hier versauern lassen?

Ich tu dir nichts, ich möchte nur für dich da sein. Mehr nicht. Ich erwarte nichts von dir“ sagte Lex, als er merkte, dass ich zögerte.

Ich ließ ihn rein und wir gingen hoch. Ich holte zwei Gläser und je eine Flasche Cola und Wasser. Er hatte in der Zeit schon den Film eingelegt und sich aufs Sofa gesetzt.

„Was ist das für einen Film, den du mitgebracht hast?“ fragte ich.

Er grinste und meinte:

„Pretty Woman“

Ich schaute ihn lachend an. Es war das erste Mal an diesem Tag, dass es mir nicht schwerfiel zu lachen. Er sah mich fragend an und fragte

„Magst du den Film?“

Ich nickte, denn es ist meine Lieblingsschnulze. Das moderne Aschenputtel, davon träumt fast jedes Mädchen.

Er fing an zu lachen

„Na dann habe ich ja alles richtig gemacht. Komm, setzt dich neben mich dann mach ich denn Film an“

Ich setzte mich neben ihn, er legte die Beine hoch und stellte die Pizza auf seine Beine und legte einen Arm um mich. Da war es wieder. Dieses Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit, aber es war noch ein anderes Gefühl, was ich nicht deuten konnte.

„Ist das in Ordnung oder soll ich den Arm wegnehmen?“

Ich schüttelte den Kopf und legte ihn an seine Brust.

Da saßen wir und schauten Pretty Woman. Am Ende musste ich, wie immer weinen, er hatte sogar Taschentücher dabei. Nach dem Film blieben wir noch eine Weile so sitzen, bis ich den Kopf hob und meinte, dass ich ins Bett gehen will, da ich morgen, früh rausmüsse. Er nickte mit einem Lächeln und stand auf. Ich war mir nicht sicher, aber ich meinte, ich würde in seinen Augen sehen, dass er nicht glücklich darüber war. Ich brachte ihn runter an die Tür, da wir diese über Nacht abschließen und wünschte ihm eine gute Nacht, so wie er mir auch. Er drehte sich um und wollte gehen, doch als er sich wieder zu mir umdrehte mir, eine Hand in den Nacken legte und mich küsste, explodierte es in mir. Seine Lippen waren weich, er spielte mit seiner Zunge an meinem Mund und mein Mund öffnete sich wie von selbst für ihn. Er schob seine Zunge behutsam in meinen Mund und fing an mit meiner Zunge zu spielen. Ich konnte ein Stöhnen grade noch unterdrücken. Ich hatte, dass Gefühl, dass dieser Kuss ewig dauerte. Als er mich losließ, schaute er mich an. In seinen meerblauen Augen blitzte eine kleine rote Flamme auf. Ich war wie benebelt und schaute ihn nur an. Ich lehnte mich an den Türrahmen, weil ich Angst hatte, dass meine Beine nachgaben. Er lächelte mich verschmitzt an

„Ich wollte das schon länger tun. Es tut mir leid, ich konnte nicht anders“

sagte er zu mir. Ich hatte mich etwas gesammelt und fand meine Sprache wieder. Ich sah ihn an und was ich dann sagte, kam mir vor, als wenn es jemand anders sagt

„Wir dürfen das nie wieder tun, es geht nicht!“

„Wieso geht das nicht?“

fragte er mich mit hochgezogener Augenbraue

„Hast du einen Freund?“

Ich brachte nur die Worte

„Weil es nicht geht“ heraus. Ich schloss die Tür, ging nach oben und ließ ihn einfach da unten stehen.

Wie so oft an diesem Tag ging ich unter die Dusche. Ich weiß nicht, wie oft ich mich eingeseift hatte, bis ich im Bett lag und versuchte zu schlafen.

Mir ging dieser Kuss und das Gefühl, was ich dabeihatte, nicht aus dem Kopf. Bei Tim war dieses Gefühl nie da gewesen. Was sollte ich ihm morgen im Büro sagen, wenn ich ihn sah? Wieso ging es nicht?

Vielleicht weil, grad meine Verlobung denn Bach heruntergegangen war und ich nicht wieder enttäuscht werden wollte oder als Bettwärmer benutzt werden wollte. Aber das konnte ich ihm nicht sagen, also werde ich ihm etwas anderes sagen müssen. Ich überlegte und beschloss zu sagen, dass ich mit Kollegen nichts anfange. Es war zwar nicht die Wahrheit, aber die Wahrheit konnte ich ihm nicht sagen.

Kapitel 5

Auch in dieser Nacht fand ich keinen richtigen Schlaf, also stand ich noch vor dem Wecker auf, ging ins Bad und versuchte mich so gut es ging zurecht zu machen, Meine Haare band ich zu einem Dutt zusammen, meine Augenringe versuchte ich mit Make-up zu kaschieren, was mir nur halbwegs gelang. Ich tat noch was Lipgloss drauf, mehr konnte ich nicht tun Als ich vor meinen Kleiderschrank trat, kam das nächste Problem. Ich hatte den Oberschenkel von dem Überfall noch verletzt. Es waren überall offene Stellen, also machte ich mir einen leichten Verband drum und nahm dann mein weiß-blaues Kleid im Marine Look.

Das Oberteil saß etwas enger, dafür war der Rock weiter. Ich liebte wie er sich im Wind bewegte. Es war nicht ganz das richtige für die Arbeit, aber eins der Kleidungsstücke, was nicht auf meinem Oberschenkel drückte oder dran scheuerte. Um es etwas mehr Büro tauglich zu machen, zog ich einen Blazer und meine blauen Schuhe mit Absatz dazu an.

Es war nicht perfekt, aber es ging für die Arbeit.

Ich ging, wie immer, um acht Uhr aus dem Haus und machte mich mit Magenschmerzen und Übelkeit auf den Weg ins Büro, denn ich wusste nicht, was mich erwarten würde. Vor dem Büro wartete Amy mit Lis auf mich.

Ich staunte, dass Lis bei ihr stand. Sie hatte doch noch eine Woche Urlaub oder irrte ich mich. Ich hatte irgendwie das Zeitgefühl verloren. Lis gehört auch zu unserer kleinen Gruppe, sie war Single, wie ich. Sie war die größte von uns, hatte kurze braune Haare und große grüne Augen. Sie war die schlankeste von uns dreien. Sie hatte mal wieder ein gelbes Kleid an, das im Nacken gebunden wurde und somit vorne bis zum Hals ging, dazu hatte sie passend grüne High-Heels, die einen nicht so hohen Absatz hatten, an. Sie konnte wie ich, nicht so gut auf hohen Absätzen laufen.

Auf einmal sah ich auch Brad, er schien von seiner Geschäftsreise zurück zu sein, in seinem grauen Anzug mit lila Hemd und passender Krawatte sah er mal wieder perfekt aus. Seine dunkel-blonden Haare hatte er wieder etwas hoch Gegellt. Brad war eingefleischter Junggeselle und Playboy. Die Frauen flogen nur so auf ihn. Er konnte jede haben, wenn er wollte.

Wieso verdammt nochmal stand unsere ganze Clique vor dem Büro, dass konnte nichts Gutes heißen.

„Morgen, was steht ihr denn hier?“

Ich sah in drei ausdruckslose Mienen.

Dann sagte Lis

„So geht es nicht weiter, mit dir!“

Ich schaute sie erschrocken an

„Was meinst du?“

Brad antwortete für sie

„Dass du dich so verschließt, Lilli.

Dass meinen wir. Dass geht nicht mehr. Tim ist ein