Glücksrad & Wettlauf ins Glück - Lilac Mills - E-Book
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Glücksrad & Wettlauf ins Glück E-Book

Lilac Mills

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Beschreibung

Zwei sportliche Liebesromane in einem Bundle!


Glücksrad -

Bonjour Amour.

Physiotherapeutin Molly Matthews steht vor einer wichtigen Entscheidung: Soll sie den angeblichen Traumjob annehmen und ein Profiradteam zur Tour de France begleiten? Nur zögernd willigt sie ein und die Realität erweist sich dann wirklich ganz anders als erwartet: Statt idyllischer Abende in französischen Restaurants und entspannter Freizeit am Hotelpool, ist Molly gezwungen, drei Wochen lang aus dem Koffer zu leben und ist als Physiotherapeutin im Dauereinsatz. Als ob das nicht schon genug wäre, lässt Radprofi Alexander Duvall ihre Gedanken einfach nicht mehr los ...


Wettlauf ins Glück - 

Manchmal ist das Überqueren der Ziellinie nur der erste Schritt …

Tess Barton steckt in ihrem Alltagstrott fest. Der Traum, Künstlerin zu werden, ist in weite Ferne gerückt, da sie gerade drei Jobs hat, um einigermaßen überleben zu können. Sie hat kaum Zeit zum Schlafen und dann meldet ihre Schwester Emma sie auch noch für einen Marathonlauf an. Und es ist nicht nur irgendein Marathon, es ist der Barcelona-Marathon, und sie laufen im Gedenken an ihre verstorbene Schwester.

Als Emma erkrankt, steht Tess ganz alleine in der fremden Stadt und vor einer gewaltigen Herausforderung. Bis sie in einer kleinen Tapas-Bar den charmanten Roberto kennenlernt. Bald stellt Tess fest, dass die schnelllebige Stadt und der anstehende Marathon gar nicht so einschüchternd sind - wenn jemand an ihrer Seite ist. 

Doch ist es nun zu spät, ihren Träumen nachzujagen, nachdem sie die ganze Zeit in die falsche Richtung gelaufen ist?

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Seitenzahl: 720

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Über das Buch

Glücksrad -

Bonjour Amour.

Physiotherapeutin Molly Matthews steht vor einer wichtigen Entscheidung: Soll sie den angeblichen Traumjob annehmen und ein Profiradteam zur Tour de France begleiten? Nur zögernd willigt sie ein und die Realität erweist sich dann wirklich ganz anders als erwartet: Statt idyllischer Abende in französischen Restaurants und entspannter Freizeit am Hotelpool, ist Molly gezwungen, drei Wochen lang aus dem Koffer zu leben und ist als Physiotherapeutin im Dauereinsatz. Als ob das nicht schon genug wäre, lässt Radprofi Alexander Duvall ihre Gedanken einfach nicht mehr los ...

Wettlauf ins Glück - 

Manchmal ist das Überqueren der Ziellinie nur der erste Schritt …

Tess Barton steckt in ihrem Alltagstrott fest. Der Traum, Künstlerin zu werden, ist in weite Ferne gerückt, da sie gerade drei Jobs hat, um einigermaßen überleben zu können. Sie hat kaum Zeit zum Schlafen und dann meldet ihre Schwester Emma sie auch noch für einen Marathonlauf an. Und es ist nicht nur irgendein Marathon, es ist der Barcelona-Marathon, und sie laufen im Gedenken an ihre verstorbene Schwester.

Als Emma erkrankt, steht Tess ganz alleine in der fremden Stadt und vor einer gewaltigen Herausforderung. Bis sie in einer kleinen Tapas-Bar den charmanten Roberto kennenlernt. Bald stellt Tess fest, dass die schnelllebige Stadt und der anstehende Marathon gar nicht so einschüchternd sind - wenn jemand an ihrer Seite ist. 

Doch ist es nun zu spät, ihren Träumen nachzujagen, nachdem sie die ganze Zeit in die falsche Richtung gelaufen ist?

Über Lilac Mills

Lilac Mills lebt mit ihrem sehr geduldigen Ehemann und ihrem unglaublich süßen Hund auf einem walisischen Berg, wo sie Gemüse anbaut (wenn die Schnecken es nicht erwischen), backt (schlecht) und es liebt, Dinge aus Glitzer und Kleber zu basteln (meistens eine Sauerei). Sie ist eine begeisterte Leserin, seit sie mit fünf Jahren ein Exemplar von »Noddy Goes to Toytown« in die Hände bekam. Einmal hat sie versucht, alles in ihrer örtlichen Bibliothek zu lesen, angefangen bei A, und sich durchs Alphabet gearbeitet. Sie liebt lange, heiße Sommer- und kalte Wintertage, an denen sie sich vor den Kamin kuschelt. Aber egal, wie das Wetter ist, sie schreibt oder denkt über das Schreiben nach, wobei sie immer von herzerwärmender Romantik und Happy Ends träumt.

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Lilac Mills

Glücksrad & Wettlauf ins Glück

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Cover

Inhaltsverzeichnis

Glücksrad

Wettlauf ins Glück

Impressum

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Glücksrad

Grußwort

Widmung

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Nachwort

Wettlauf ins Glück

Grußwort

Widmung

OKTOBER — Gewicht: Im Ernst? Ich glaube, meine Waage ist kaputt!

NOVEMBER — Gewicht: Auf die Waage steigen, draufschauen, ungläubig den Kopf schütteln, absteigen und noch mal von vorn. Keine Veränderung. Meine Waage geht garantiert falsch!

DEZEMBER — Gewicht: Nicht hinsehen. Auf keinen Fall. Nicht nach so vielen Pralinen und Mince-Pies.

JANUAR — Gewicht: Gar nicht übel, wenn man bedenkt, dass gerade Weihnachten war … Aber viel wichtiger ist: Ich fühle mich wundervoll!

FEBRUAR — Gewicht: Habe ich wirklich so viel abgenommen? Yay!

MÄRZ — Gewicht: Es ist zu spät, sich Sorgen darüber zu machen.

Zehn Tage vor dem Rennen

Acht Tage vor dem Rennen

Sechs Tage vor dem Rennen

Fünf Tage vor dem Rennen

Vier Tage vor dem Rennen

Drei Tage vor dem Rennen

Zwei Tage vor dem Rennen

Ein Tag vor dem Rennen

Der Tag des Rennens

Ein Tag nach dem Rennen

Zwei Tage nach dem Rennen

MAI — Gewicht: Wen interessiert’s? Ich hab die Waage weggeworfen.

Impressum

Liebe Leserin, lieber Leser,

Danke, dass Sie sich für einen Titel von »more – Immer mit Liebe« entschieden haben.

Unsere Bücher suchen wir mit sehr viel Liebe, Leidenschaft und Begeisterung aus und hoffen, dass sie Ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern und Freude im Herzen bringen.

Wir wünschen viel Vergnügen.

Ihr »more – Immer mit Liebe« –Team

Lilac Mills

Glücksrad

Aus dem Amerikanischen von Dorothea Kallfass

Für Catherine Mills, weil du es mit mir aushältst.

Danke für deinen unschätzbaren Rat. Und das von jemandem, der sich kein bisschen für Rennradsport interessiert!

XXX

1

Molly wusch sich sorgfältig die Hände, ehe sie den nächsten Patienten aufrief. Während sie sich die Hände mit einem Papiertuch abtrocknete, scannte sie rasch mit einem Blick den Behandlungsraum. Alles war sauber und ordentlich. Danach überprüfte sie ihre Arbeitskleidung. Auch tadellos. Ein professionelles Auftreten war ihr wichtig; sie konnte keine Flecken auf ihrer weißen Tunika gebrauchen.

Sie überflog die Patientendaten, die ihre Sprechstundenhilfe Sue bereits aufgenommen hatte – Unterarmbruch, sowohl Elle als auch Speiche –, dann war sie so weit.

»Herr Duvall?«, rief Molly und streckte den Kopf ins Wartezimmer.

Ein großer, schlanker Mann Ende zwanzig stand auf und lächelte sie unsicher an. »Das bin ich.«

Molly streckte die Hand nach dem Formular aus, das jeder neue Patient ausfüllen musste, nahm es an sich und stellte sich vor: »Hallo, ich bin Molly Matthews und heute ihre behandelnde Physiotherapeutin. Hier entlang.« Während sie ihn durchließ, las sie mit geübtem Blick das Formular. »Wie ich sehe, haben Sie sich das Handgelenk gebrochen. Wie ist das passiert?«, fragte sie, als sie ihn in den Behandlungsraum führte. Die Umstände waren nicht behandlungsrelevant, doch ihr war es wichtig, gut mit ihren Patienten auszukommen, und da wirkte ein wenig Smalltalk oft Wunder.

»Bin gestürzt«, antwortete er kurz angebunden.

»Vom Motorrad?«

»Vom Fahrrad.«

»Ist noch mehr passiert?«, fragte sie und bedeutete ihm, sich zu setzen.

»Das Rad ist komplett hinüber«, presste er hervor. »Dieser dämliche Kerl ist voll drübergefahren.«

Molly sah ihn scharf an. »Ich meinte damit, ob Sie weitere Verletzungen erlitten haben. Und, Herr Duvall, besser das Rad ist hinüber als Sie.«

»Nennen Sie mich Alex. Und das mit dem Rad regt mich furchtbar auf.«

»Bei Halfords gibt es gerade welche im Angebot«, sagte sie. »Vielleicht könnten Sie dort günstig –«

Sie unterbrach sich, weil er verächtlich schnaubte und sie ungläubig anstarrte.

Leicht verunsichert entschied sie, sich besser nur auf die Verletzung zu konzentrieren. »Na schön.« Sie atmete einmal tief durch und nahm das Formular zur Hand. Keine Allergien, keine gesundheitlichen Probleme, er nahm keine Medikamente, hatte sich in der Vergangenheit jedoch bereits Schlüsselbein und Becken gebrochen sowie die Schulter ausgerenkt. Molly hätte gerne gefragt, wie es zu so vielen Verletzungen gekommen war, doch das ging sie nichts an, schließlich war er nicht deswegen hier. Er brauchte Physiotherapie wegen seiner Handgelenksfraktur.

Also überprüfte sie die nächsten Minuten den Bewegungsradius vom Gelenk sowie Finger- und Armstärke.

»Wann wurde der Gips entfernt?«

»Gestern«, antwortete er.

Wow, da hatte er mit der Nachbehandlung nicht lange gefackelt, dachte Molly.

»Sie werden wahrscheinlich den leichten Muskelschwund im Bereich des Oberarms bemerkt haben, das wird ein paar Wochen dauern. Eventuell ist auch die Schultermuskulatur beeinträchtigt«, sagte sie. »Wenn Sie bitte den Oberkörper freimachen würden.«

Alex knöpfte sich das Hemd auf und streifte es sich über den Kopf.

Molly hielt kurz inne. Der Mann hatte nicht ein Gramm Fett am Körper. Er bestand nur aus definierten Muskeln. Die Bauchmuskulatur zeichnete sich deutlich ab, auch die Rippenbögen waren klar erkennbar, die Brust glatt rasiert. Doch was ihren Blick fesselte, waren die drei leichten Erhebungen am Schlüsselbein. Drei separate Brüche.

Molly trat hinter ihn und bemerkte einen etwas dunkleren Hautfleck an der Schulter. Eine weitere verheilte Wunde. Ihr Interesse war geweckt. Wie hatte er sich bloß so viele Verletzungen zugezogen?

»Tut mir leid, falls meine Hände etwas kalt sind«, sagte sie, legte beide Hände auf seine Haut und ignorierte, dass er dabei leicht zusammenzuckte. Sie betastete den Trapezmuskel und den Deltoideus. Beide waren steinhart. Hart und voller Blockaden. »Bevor wir mit den Übungen beginnen, würde ich gerne versuchen, die Schultermuskulatur ein wenig zu lockern. Ist das für Sie in Ordnung?«

Er nickte, schlüpfte aus den Turnschuhen und ging zur Behandlungsliege, auf die er sich ohne weitere Anweisungen von ihr mit dem Gesicht nach unten hinlegte. Er machte das offensichtlich nicht zum ersten Mal.

Molly legte ihm ein Handtuch über die Hüfte, um die Jeans zu schützen, verrieb ein wenig Massageöl zwischen den Händen und machte sich an die Arbeit. Obwohl sie mit ihren knapp einssechzig Metern recht klein und zierlich war, besaß sie viel Kraft in den Händen. Als sie die Finger in den Muskeln vergrub, stöhnte Alex vor Schmerz auf. Sie nahm sich zuerst den Bereich rund ums Schulterblatt vor, ertastete die vielen Knoten und bearbeitete sie beharrlich. Alex zuckte bei jedem Knacken zusammen, doch darauf konnte sie keine Rücksicht nehmen. Ehe sie sich dem Handgelenk widmete, musste sie hier so viel muskuläre Verspannung wie möglich lösen. Und nach den teilweise ebenfalls ziemlich schmerzhaften Handgelenksübungen würde sie die Schulter erneut massieren.

Manche Physiotherapeutinnen und -therapeuten behandelten nur die direkt betroffene Stelle und vernachlässigten die der Verletzung anhängende Muskulatur. Aber Molly hatte wieder und wieder die positiven Auswirkungen gesehen, die ihr Vorgehen hatte. Das war auch einer der Gründe dafür, dass sie stets ausgebucht war. Und dass sich Finley, der Besitzer der Praxisräume, ständig beschwerte, sie würde die Behandlungszeit überziehen.

Finley war weder ein schlechter Physiotherapeut noch ein schlechter Chef, aber ihm war wichtig, dass sie profitabel arbeiteten. Was Molly natürlich nachvollziehen konnte. Gleichzeitig wollte sie jedoch auch ihren Patientinnen und Patienten die bestmögliche Behandlung bieten, und manchmal dauerte das eben zwanzig Minuten länger.

Die Massage war vorerst beendet. Sie tupfte das überschüssige Öl vom Rücken und bat ihren Patienten, sich aufzusetzen.

Er rollte die Schultern und dehnte den Nacken. »Sehr gut«, murmelte er. »Viel besser.« Er sah lächelnd zu ihr auf: »Kann ich Sie mit nach Hause nehmen?«

Molly schenkte ihm ein professionelles Lächeln. Wenn er wüsste, wie oft sie exakt den Satz zu hören bekam …

Die restliche Behandlungszeit widmete sie sich Handgelenk und Fingern, was sehr schmerzhaft sein musste. Alex ließ allerdings nicht einmal ein leises Seufzen hören, erduldete nur stoisch, wie sie Arm, Finger und Handgelenk hin und her bog und drehte. Dann ließ sie ihn allein ein paar Übungen ausführen. Nachdem sie die abschließende Massage beendet hatte, spulte sie die altbewährte Ansprache darüber ab, dass Physiotherapie nur dann effektiv war, wenn der Patient zu Hause mitarbeitete, weil sie hier begrenzt Zeit zur Verfügung hatten. »Ich möchte, dass Sie diese Übungen täglich dreimal wiederholen«, fügte sie hinzu. »Nicht mehr als fünf Wiederholungen in den ersten drei Tagen, dann können Sie langsam steigern bis hin zu maximal zehn Wiederholungen.«

Er legte die Stirn in Falten.

»Keine Sorge, ich werde alles für Sie ausdrucken, Sie müssen sich das nicht alles merken.«

Er sah sie weiterhin grimmig an.

»Stimmt etwas nicht?«, fragte sie.

»Wann kann ich wieder Rennen fahren?«

»Rennen?«

»Wann kann ich wieder antreten?«

»Es tut mir leid, bei was genau antreten?«

»Bei einem Radrennen.« Er sagte das so, als sei Molly leicht begriffsstutzig.

»Ah ja, verstehe. Nun, es könnte mehrere Wochen dauern, bis Sie wieder auf dem Rad sitzen …«, fing sie an.

»Ich sitze wieder auf dem Rad«, unterbrach Alex sie. »Na ja, mehr oder weniger. Es ist nicht mein eigenes und ich trainiere auch nur auf dem Turbo«, fügte er hinzu.

»Auf dem Turbo?« Molly hatte keine Ahnung, wovon er redete. Und was meinte er damit, er säße wieder auf dem Rad? Mit einem kaum ausgeheilten Handgelenk konnte er unmöglich den Lenker halten.

»Der Turbo ist ein Trainingsgerät«, erklärte er. »Damit kann man drinnen Radfahren. Er wird hinten am Fahrrad befestigt und klemmt den Rahmen ein. Ich schaue mir dabei Echtzeitaufnahmen der Tour in meinem Wohnzimmer an. Es ist das Einzige, was mich nicht durchdrehen lässt. Dieser verdammte Autofahrer.«

»Oh.« Molly verstand immer noch nur Bahnhof.

Er sah ihr wohl an, wie verwirrt sie war, denn nachdem er sich sein Hemd von der Stuhllehne gegriffen hatte, sagte er: »Ich bin Profirennsportler. Eine Trainingspause kann ich mir nicht leisten, also war ich, sobald ich den Gips hatte, auf dem Turbo, um wieder fit zu werden. Das entspricht natürlich nicht annähernd dem echten Training draußen, es ist mehr eine Notlösung. Aber jetzt, wo der Gips ab ist, kann ich ja endlich wieder aufs Rad.«

Molly beäugte ihn misstrauisch. »Sie meinen jetzt dieses Turbo-Ding, richtig? Darauf wollen Sie weiter trainieren?«

Alex schüttelte den Kopf. Er knöpfte den letzten Hemdknopf zu und schlüpfte in die Turnschuhe. »Nein. Draußen, auf der Straße.«

»Aber Sie können den Lenker gar nicht richtig halten«, wandte sie ein.

»Ich werde es langsam angehen lassen, versprochen. Am schlimmsten wird es sein, von einem Gang in den anderen zu schalten.«

»Aber … aber … so kann das Handgelenk weiteren Schaden nehmen, außerdem ist es extrem schmerzhaft und –« Sie wollte gefährlich hinzufügen, aber da unterbrach Alex sie erneut.

»Dafür gibt es schließlich Schmerzmittel«, sagte er. »Also, wann kann ich wieder Rennen fahren?«

»Äh …« Molly fehlten die Worte. Sie hatte natürlich schon Sportler behandelt, aber dieser Alexander Duvall war offenbar ein Fall für sich. »Sagen Sie es mir«, erwiderte sie scharf. »Sie werden meiner Empfehlung ohnehin nicht nachkommen.«

»Ich muss in drei Wochen unbedingt renntauglich sein«, sagte er.

»Warum gerade in drei Wochen?«

»Wegen der Tour.«

Er hatte eben schon irgendeine Tour erwähnt, aber sie wusste nicht, was er damit meinte.

»Was für eine Tour?«, fragte sie also.

»Le Tour de France – die größte, wichtigste und prestigeträchtigste Tour im Radsport.« Er hielt kurz inne, dann hellten sich seine Gesichtszüge auf und er sah sie mit breitem Lächeln an. »Und ich bin dabei! Ich! Der seltsame Junge aus Spetchley, der sich die Beine rasiert und jede freie Sekunde auf dem Rad hängt. Wer hätte das gedacht?«

Molly betrachtete ihn verblüfft. Das Lächeln hatte ihn von einem sehr ernsthaften, eher strengen in einen ziemlich gut aussehenden Mann verwandelt, leidenschaftlich und voller Begeisterung.

Doch der begeisterte Gesichtsausdruck verflog ebenso schnell, wie er gekommen war, und Alex sah sie düster an. »Aber nur, wenn ich fit bin«, fügte er hinzu. »Greg nimmt mich nur ins Team, wenn ich hundertprozentig wieder auf dem Damm bin. Es ist erst meine dritte große Tour, ich bin der zweite Mann für Tim Anderson. Das darf ich einfach nicht verpassen.«

Molly wusste nicht, was zweiter Mann bedeutete, aber offensichtlich war es ihrem Patienten sehr wichtig.

»Meinen Sie das ernst?«, fragte sie.

Er schaute sie ungläubig an.

»Schon gut, ich sehe, das tun Sie«, fügte sie rasch hinzu, »aber wenn Sie in so kurzer Zeit wieder renntauglich sein wollen, wird es mehr als die paar Übungen brauchen.«

»Die Beine sind fit«, sagte er, »jedenfalls so gut wie, aber ich muss mehr Zeit auf der Straße verbringen. Und in gut zwei Wochen muss ich drüben sein.«

»Mit drüben meinen Sie Frankreich, nehme ich an?«

Er nickte.

»Also habe ich etwa vierzehn Tage?«

Wieder ein Nicken.

Sie nagte nachdenklich an der Unterlippe und wägte alle Möglichkeiten ab. Ach, zum Teufel, warum nicht? Sie hatte ihre Entscheidung getroffen. »Ich will Sie hier morgen früh um Punkt sieben Uhr wiedersehen. Schaffen Sie das?«

Er starrte sie mit großen Augen an. Ein hübsches helles Braun, lange Wimpern. Sehr schöne Augen. Die ihr gerade nicht verrieten, was dem Besitzer durch den Kopf ging.

Als er nicht antwortete, traf sie eine folgenschwere Entscheidung, die sie den Job kosten könnte, sollte Finley davon erfahren.

»Sie müssen nichts bezahlen«, sagte sie, weil sie davon ausging, dass er wegen der höheren Behandlungskosten zögerte. Private Physiotherapiestunden waren nicht gerade billig.

Er sagte immer noch nichts. Wahrscheinlich, weil er so geschockt war, mutmaßte Molly, da er die Augen noch ein Stückchen weiter aufriss.

»Außerdem möchte ich Sie zusätzlich jeden Abend um halb sieben sehen«, sagte sie. Ihr letzter Behandlungstermin war um fünf. Wenn sie etwas länger dablieb und Papierkram erledigte, dann … Das könnte gehen. Außer Finley arbeiteten noch zwei weitere Kollegen in der Praxis, ein Chiropraktiker und ein Sporttherapeut, aber die verabschiedeten sich immer pünktlich in den Feierabend, genau wie Sue, die Sprechstundenhilfe. Morgen und übermorgen hatte Finley frei, also musste sie sich um ihn vorerst keine Gedanken machen.

»Sind Sie sicher?«, fragte Alex nach einer mittlerweile recht unangenehm langen Gesprächspause.

»Ja. Es bedeutet Ihnen offensichtlich sehr viel.«

»Sie werden keine Schwierigkeiten bekommen, weil Sie mich umsonst behandeln?«

»Nicht, solange ich mich nicht erwischen lasse.« Sie lächelte ihn an.

»Vielen Dank.« Er schien tief bewegt. »Das ist das Netteste, das je jemand für mich getan hat.«

»Ach …« Molly wurde rot.

»Dann sehe ich Sie morgen früh. Punkt sieben.«

»Kommen Sie nicht zu spät«, warnte sie.

»Das werde ich nicht. Und danke noch mal.«

Ohne Vorwarnung beugte er sich vor, packte sie an den Oberarmen und küsste sie auf beide Wangen.

Molly erstarrte.

»Herrje, tut mir leid«, sagte er, doch es klang nicht wirklich überzeugend. »Das kommt davon, wenn man zu viel Zeit mit Italienern verbringt.«

Und mit diesem kryptischen Kommentar war Alexander Duvall auch schon aus der Tür.

Molly legte unwillkürlich den Finger an ihre Wange und sah ihm mit einem verträumten Lächeln hinterher.

2

Für gewöhnlich saß Molly um sieben Uhr morgens an ihrem Küchentisch, hörte Nachrichten und starrte in eine Tasse Kaffee, während sie versuchte, sich zu einer Dusche aufzuraffen.

Doch an diesem Morgen schloss sie die Tür der Praxis auf und huschte mit ihrem Milchkaffee und einer Tüte Croissants hinein. Seltsamerweise freute sie sich auf ihren ersten Termin, obwohl sie nichts daran verdiente und es sehr, sehr früh war.

Nur wenige Augenblicke, nachdem sie den Mantel ausgezogen und den Kaffee zur Hälfte hinuntergestürzt hatte, hörte sie die Tür erneut ins Schloss fallen. Schnell warf sie einen Blick zur Tür und stellte erleichtert fest, dass es nur Alex in voller Radlermontur war. Gerade manövrierte er ein grellbuntes Rennrad durch den Empfangsbereich. Sie konnte nur heilfroh sein, dass keiner ihrer Kollegen heute zufällig früher zur Arbeit gekommen war.

»Ist es hier sicher oder soll ich es mit reinnehmen?« Alex deutete auf den Behandlungsraum mit Mollys Namen an der Tür. »Ich will nicht, dass es geklaut wird. Ich habe es gerade erst bekommen.«

»Guten Morgen«, sagte Molly trocken. »Schickes Fahrrad. Ich werde die Tür abschließen, ja? Dann sollte es im Wartezimmer sicher sein.«

»Das wäre großartig«, sagte er und hielt inne. »Und, genau, guten Morgen. Ja, BeSpoke, also mein Team, hat mir ein neues Rad gestellt. Mussten sie ja, wenn ich am Rennen teilnehmen soll. Das andere werden sie für Ersatzteile ausschlachten. Bin gleich wieder da.«

Sie sah verdutzt zu, wie Alex mit vorsichtigen Schritten über den gefliesten Boden klackerte. Es klang wie die Krallen eines riesigen Hundes. Sie starrte ihm auf die Füße, während er sich hinsetzte und die Schuhe abnahm. »Cleats«, erklärte er. Er hielt eines der seltsamen, turnschuhartigen Dinger hoch und zeigte ihr die Sohle, an der ein kleines Metallrechteck befestigt war. »Die rasten in die Pedale ein.«

»Ach ja?«

»Effizientere Kraftübertragung, wissen Sie. Wenn Sie keine Klickpedale verwenden, gibt nur die halbe Drehbewegung wirklich Schwung. Mit den Klickies wird auch die Aufwärtsbewegung genutzt. Verstanden?«

Sie nickte. »Schön, aber wie schaffen Sie es, nicht umzukippen, wenn Sie an einer Ampel stehenbleiben oder ganz langsam fahren müssen?«

Mit einem Schuh am Fuß ging Alex zu seinem Rad zurück und stieg in den Sattel. Er hakte den Fuß mit einer kaum wahrnehmbaren kurzen Drehbewegung ein. Ein weiterer Dreh aus dem Fußgelenk nach außen und der Schuh war wieder frei. »Da hat man sich schnell dran gewöhnt. So wie man beim Autofahren auch nicht mehr darüber nachdenkt, den Gang einzulegen. Man tut es einfach.«

Wieder etwas gelernt, dachte Molly. Sie sah auf die Uhr. Es blieb nicht mehr viel Zeit, bevor ihre Kollegen kommen würden. »Sollen wir anfangen?«, schlug sie vor und führte Alex in den Behandlungsraum.

Eine Dreiviertelstunde später war ihr Patient nicht mehr annähernd so fröhlich wie bei seinem Eintreffen. Tatsächlich war er ein bisschen blass um die Nase. Wahrscheinlich hatte er ziemliche Schmerzen. Obwohl sie ihn ziemlich malträtiert hatte, hatte er sich nichts anmerken lassen, nur manchmal etwas schwer geatmet.

Nach der abschließenden Massage zog sich Alex sein Sportoberteil an. Molly fiel auf, dass er mit dem rechten Arm dabei eine Schonhaltung einnahm. »Ich nehme an, Sie wollen jetzt noch auf dem Rad trainieren?«, fragte sie. Vielleicht hatte er das Rad ja heute nur mitgenommen, weil es sein einziges Transportmittel war.

Pustekuchen. »Selbstverständlich«, sagte er leichthin, als sei es völlig normal, mit einem eben erst vom Gips befreiten Arm und starken Schmerzen aufs Rad zu steigen. Was stimmte bloß mit diesem Kerl nicht?

»Ich muss heute noch hundert Kilometer schaffen«, sagte er.

Molly verlor die Fassung. »Das sind über sechzig Meilen!«, rief sie.

»Jawoll.«

»Mit einem gebrochenen Handgelenk?«

»Es ist ja nicht mehr gebrochen.«

»Wird es aber bald wieder sein, wenn sie eine derartig absurd dämliche Distanz zurücklegen, bevor Muskeln und Bänder dafür bereit sind. Und der Knochen hat sich auch gerade erst wieder zusammengefügt, das Gelenk ist noch sehr schwach.«

Alex zuckte die Schultern. »Wird schon gut gehen.« Er klang kein bisschen besorgt und fügte sogar hinzu: »Ich kann es ehrlich gesagt kaum erwarten, wieder da rauszukommen.«

»Sie sind ja wahnsinnig.«

»Nein, nur professioneller Rennradfahrer. Wir sind alle so.«

»Dann müssen Sie alle eine ziemlich hohe Schmerztoleranz haben«, stellte Molly fest, während sie sich die Hände wusch. Dabei fiel ihr Blick auf die Tüte mit den Croissants, die sie vorhin auf ihrem Tisch abgestellt hatte. Sie konnte es kaum erwarten, eines davon zu essen und einen Kaffee dazu zu trinken. Der frühe Start in den Tag hatte sie hungrig gemacht.

Alex lachte. »Was das angeht, bin ich mir nicht so sicher. Es ist eher ein hohes Maß an Entschlossenheit und Wahnsinn. Ich kenne einen Kerl, der hat eine Tour mit gebrochenem Becken zurückgelegt.«

Molly verzog das Gesicht.

»Dürfte ich ein Glas Wasser bekommen?«, fragte Alex. »Ich habe zwar zwei Wasserflaschen dabei, die würde ich aber gerne für später aufheben, und bevor ich loslege, muss ich gut hydriert sein.«

»Selbstverständlich.« Molly hielt ein Glas unter den Wasserhahn. »Ich hätte auch Kaffee da, falls Sie möchten.«

»Frisch aufgebrüht oder Instant?«

»Natürlich frisch.«

Er zögerte. »Das würde ich gerne, aber ich nehme gerade kein Koffein zu mir.«

»Ich könnte Ihnen einen entkoffeinierten machen.«

Alex schüttelte den Kopf. »Danke, nein. Ich nehme das Wasser.« Er hockte sich auf den Patientenstuhl, und Molly sah noch, wie er ein paar Tabletten einwarf, ehe sie sich ihren Kaffee holte. Sollte er ruhig auf Koffein verzichten, sie würde das ganz sicher nicht tun. Die Schmerzmittel, die er gerade genommen hatte, würden nicht lange wirken. Resigniert schüttelte sie den Kopf. Es war nun mal sein Körper und er wusste offensichtlich, was er da tat. Sie würde ihn nicht weiter behandeln, wenn er sich absichtlich ernsthaften körperlichen Schaden zufügte oder weitere Verletzungen in Kauf nahm.

Vielleicht sollte sie ihm ein Croissant anbieten. Er sah aus, als könnte er ein paar Kalorien gebrauchen. Zu dünn war er nicht, aber doch sehr schlank und dabei extrem muskulös und durchtrainiert.

»Nein danke«, lehnte er ab und beäugte das Croissant wie eine Maus die Schlange. »Ich muss auf mein Gewicht achten.«

»Ach, kommen Sie«, spöttelte Molly. »Schauen Sie sich an. Da kann eins hiervon wirklich nicht schaden.«

»Kann es doch«, beteuerte er. »Denn ich kann vielleicht nach einem nicht aufhören, und ich habe mein morgendliches Kalorienlimit bereits erreicht.«

Molly senkte die Hand, die gerade noch das Gebäck an die Lippen führen wollte, und legte das Croissant zurück in die Tüte. Auch wenn sie hungrig war, auf keinen Fall würde sie vor ihm etwas essen!

»Nur zu«, forderte er sie auf. »Das macht mir nichts aus.«

Aber sie hatte genau gesehen, wie er das Croissant argwöhnisch beäugt hatte, also verschloss sie die Papiertüte und verstaute sie in ihrer Schreibtischschublade. Mochte sie erbarmungslos sein, wenn es um seine Handgelenksübungen ging – sadistisch genug, um ihn auch noch Tantalusqualen wegen eines Croissants leiden zu lassen, war sie nicht.

Er trank das Wasser aus und griff hinter sich. Dann hielt er ihr eine Kreditkarte hin. »Ich kann gerne bezahlen.«

Molly schüttelte den Kopf. »Ich habe Ihnen doch gesagt, ich behandele Sie kostenfrei.«

»Nein, wirklich, ich kann das übernehmen. Oder vielmehr, BeSpoke übernimmt es. Das hier ist die Firmenkreditkarte. Allerdings wäre es denen lieber, wenn Sie das nächste Mal eine Rechnung stellen könnten«, sagte er verlegen.

»Eine Rechnung stellen?«, wiederholte Molly. »Oh, na schön. Einverstanden. Mache ich. Wobei … würde es Ihnen etwas ausmachen, wenn wir an unserer ursprünglichen Abmachung festhalten? Denn ich möchte Sie wirklich gerne zweimal täglich behandeln, bis sie nach Frankreich reisen, und ich möchte nicht, dass Sie oder Ihr Sponsor denken, das tue ich nur, um mehr Geld an Ihnen zu verdienen.«

Alex hielt ihr weiterhin die Karte hin. »Das denkt bestimmt niemand, ich schon gar nicht, also bestehe ich darauf zu bezahlen. Sie können nicht umsonst arbeiten. Aber vielen Dank trotzdem. Ihre Großzügigkeit …« Er sprach nicht weiter, sah ihr aber tief in die Augen, und sein Blick verriet, wie dankbar er ihr war. Ihr Angebot hatte ihm offensichtlich viel bedeutet.

»Ein Abendessen«, sagte er dann unvermittelt. »Ich würde Sie gerne zum Abendessen einladen.«

Molly war sprachlos. Das kam völlig unerwartet. Und auch wenn sie die Einladung gerne angenommen hätte, würde sie ganz sicher nicht mit einem Patienten ausgehen. Das wäre nicht nur unprofessionell, sondern auch unmoralisch.

Alex deutete ihren Gesichtsausdruck jedoch ganz anders. »Oh, äh, vergessen Sie es«, stotterte er. »Sie haben bestimmt einen Ehemann oder einen Freund, und ich möchte nicht, dass Sie denken, ich würde Sie anmachen oder etwas in der Art.« Er schob ihr die Kreditkarte hin. »Bitte, nehmen Sie die hier.«

Molly zögerte, dann nahm sie die Karte. So gab es wenigstens keine Heimlichtuerei mehr, und Finley war bestimmt hellauf begeistert (oder verwundert?) über ihren Arbeitseifer.

»Fahren Sie vorsichtig«, sagte sie, als Alex sein Fahrrad zur Tür schob.

»Mache ich«, gab er über die Schulter zurück, während er sich den Helm aufsetzte.

»Oh, und es gibt übrigens weder Ehemann noch Freund«, platzte Molly heraus. Sie hatte keine Ahnung, wieso sie das unbedingt klarstellen wollte. Doch, das weißt du ganz genau, flüsterte eine Stimme in ihrem Kopf.

Als sie das Lächeln sah, dass sich auf dem Gesicht von Alex ausbreitete, war sie dennoch froh, es gesagt zu haben. Er hatte wirklich ein schönes Lächeln. Ihre Knie wurden für einen Moment weich …

Dann riss sie sich zusammen.

Trotzdem sah sie ihm durchs Fenster nach, wie er die Hauptstraße entlangradelte – und das nicht aus rein therapeutischem Interesse.

3

Nur noch drei Behandlungstage, dann war ihre Zeit als behandelnde Physiotherapeutin von Alexander Duvall vorbei. Molly war beeindruckt, welch große Fortschritte er in der kurzen Zeit gemacht hatte, und das Meiste davon war allein seiner Entschlossenheit und Ausdauer zu verdanken.

Sie war nicht restlos überzeugt, dass sein Handgelenk wieder voll belastbar war. Aber er hatte ja noch eine Woche, bis die Tour de France losging, jedenfalls hatte er das gesagt. Er reiste nur schon früh für das gemeinsame Tapering mit den anderen Fahrern an und um sich zu akklimatisieren.

Molly hatte vor, das Radsportevent aufzunehmen. Bisher hatte sie sich nicht einmal ansatzweise für diesen Sport interessiert, aber jetzt hatte sie ein persönliches Interesse entwickelt. Sie wollte unbedingt, dass Alex gewann, und das sagte sie ihm auch, als er zu seiner abendlichen Behandlung erschien.

Er machte den Oberkörper frei und richtete sich auf der Behandlungsliege ein. »Dazu wird es nicht kommen«, sagte er mit gedämpfter Stimme.

»Ich wüsste nicht, was dagegen spricht!« Molly war entrüstet. »Es gibt keinen Grund, Ihre Leistung herunterzuspielen. Wenn Sie zum Rennen zugelassen wurden, sind Sie auch gut genug, um es gewinnen zu können.«

»So funktioniert das nicht. Es ist eine Teamleistung.« Er gab ein leises Ächzen von sich, als sie mit der Massage begann.

Molly bearbeitete die Muskulatur und glitt mit den Händen über seine weiche, glatte Haut. Er trug heute ein anderes Aftershave, dessen verführerischer Duft ihr immer wieder in die Nase stieg. Sie widerstand dem Drang, das Gesicht an seinem Hals zu vergraben, um den Geruch noch tiefer einzuatmen, und sagte: »Aber das bedeutet nicht, dass Sie nicht gewinnen können, oder?«

»Doch, das tut es.«

»Wieso?«

»Weil der Sportdirektor des jeweiligen Teams immer einen Fahrer bestimmt, dem er die besten Siegeschancen ausrechnet. Die restlichen Fahrer, Domestiken so wie ich, werden dafür bezahlt, ihm zum Sieg zu verhelfen.«

Molly ließ diese seltsame Erklärung einen Moment lang sacken. »Dann hat der Teamchef sich also nicht für Sie entschieden«, sagte sie schließlich.

»Nein. Ich bin allerdings der zweite Mann des Kapitäns. Das ist Tim Anderson, er hat die besten Chancen auf einen Sieg, danach komme ich. Es ist meine Aufgabe, ihm zu helfen, so gut ich kann – das kann so aussehen, dass ich ihm mein Rad abtrete, wenn seins beschädigt ist, oder dass ich ihn den Berg hochziehe.«

»Hochziehen? Wie meinen Sie das, wortwörtlich hochziehen?« Molly tippte Alex auf die Schulter, um ihm anzuzeigen, dass der erste Abschnitt der Behandlung vorüber war und er sich aufsetzen konnte.

Alex lachte. »Nein, nicht wortwörtlich. Es hat mit dem Windschatten zu tun, und damit, jemanden vor sich zu haben, an den man sich halten kann.«

»Ich bin raus.«

»Das Hochziehen ist reine Physik. Sagen wir mal, vor Ihnen fährt ein Wagen mit knapp fünfzig Stundenkilometern. Dann müssten sie in dem Wagen dahinter mit weniger Luftwiderstand rechnen, also auf lange Sicht weniger Benzin verbrauchen. Können Sie mir folgen?«

Molly nickte.

»Genauso verhält es sich beim Rennradfahren. Der Fahrer an der Spitze ist quasi der Windbrecher, der Fahrer hinter ihm spart Energie. Diejenigen, die vorn im Peloton mitfahren, haben also einen härteren Job und werden schneller müde als die Fahrer direkt hinter ihnen.«

»Moment mal, was ist ein Peloton?«

»So wird das Hauptfeld genannt, in dem sich die meisten Fahrer befinden.«

Molly ließ ihn ein paar Übungen ausführen, wobei sie ihn immer wieder unterbrach, um etwas zu korrigieren oder die Dehnung zu verstärken.

»Rennradfahren ist viel komplexer, als ich dachte«, gab sie zu. »Sie sagten, Sie fahren als Domes–?« Sie sprach das Wort nur zögerlich aus.

»Domestik. Meine Aufgabe ist es, den GC-Fahrer des Teams zu unterstützen.«

»GC?«

»Das steht für General Classification. Hören Sie, warum gehen Sie nicht mal mit mir essen? Ich beiße auch nicht, versprochen, und dann kann ich Ihnen alles in Ruhe erklären. Außerdem gibt es da etwas, das ich Sie gerne fragen würde.«

»Ach? Können Sie mich nicht einfach jetzt fragen?«

»Ich hatte gehofft, Sie erst mit etwas Wein gütlich zu stimmen.«

»Oh nein, das werden Sie nicht. Fragen Sie mich jetzt in nüchternem Zustand.«

Alex zögerte.

»So schlimm?«, fragte sie und überlegte, um was es sich da wohl handeln mochte, wenn er einen derartig ernsthaften Gesichtsausdruck aufsetzte.

Er holte tief Luft. »Erinnern Sie sich noch an meine erste Behandlung und wie ich gesagt habe, dass ich Sie am liebsten mit nach Hause nehmen würde?«

Sie nickte.

»Das möchte ich immer noch«, sagte er.

»Ist das alles?«, lachte sie. »Das höre ich öfter.«

»Ich meine es aber ernst.«

»Wie bitte?«

»Ich möchte, dass Sie mitkommen.«

»Wohin?«

»Nach Frankreich.«

Sie öffnete den Mund und schloss ihn wieder, wie ein Fisch am Haken.

»Ich kenne Sie kaum und Sie fragen mich, ob ich mit Ihnen Urlaub machen möchte?«

»Nein, tut mir leid, natürlich nicht, um dort Urlaub zu machen. Ich meine, für die Tour.« Alex fühlte sich sichtlich unwohl – ganz zu Recht, fand Molly. Sie hatten sich gerade erst kennengelernt, und er bat sie, mit ihm zu verreisen. Himmel, sie hatten ja nicht einmal ein erstes Date gehabt!

Moment mal, hatte er gerade »für die Tour« gesagt? Wenn sie sich ein paar Tage freinehmen würde, dann bestimmt nicht, um sich eine Horde verschwitzter Rennradfahrer anzusehen, die in Frankreich die Berge hinauf und wieder hinunter rasten. Außerdem war das ganz schön kurzfristig, und sie war nicht sicher, ob sie überhaupt Urlaub bekommen würde. Nicht, dass sie überhaupt vorhatte mitzufahren …

»Äh, nein danke, mir sind … Strandurlaube lieber«, sagte sie.

Dieser Tag, der so normal begonnen hatte, fing an, ins Surreale abzugleiten. Es war ja durchaus nett, dass er ihr das anbot, aber auf gar keinen Fall würde sie alles stehen und liegen lassen, um mit einem Kerl, den sie vor gerade einmal zwei Wochen kennengelernt hatte, eine Spritztour nach Frankreich zu unternehmen. Sie wusste nicht einmal, wo er wohnte – doch, wusste sie. Vom Patientenformular. Nein, sie hatte nicht extra in den Unterlagen nachgeschaut. Es war ihr einfach ins Auge gestochen, als sie das Formular zum Empfang zurückgebracht hatte.

Spetchley. Foxglove Road. Nummer sechs.

Sie war erstaunt, dass sie sich so genau erinnerte.

Alex war das alles offensichtlich hochpeinlich. »Ich spreche nicht von einem Urlaub«, murmelte er. »Es ist ein Jobangebot.«

»Ein was?«

»Ein Jobangebot.«

»Das habe ich gehört. Aber was für ein Job? In Frankreich?«

»Frankreich, Spanien, Belgien. Wo auch immer wir Rennen fahren.«

»In Ordnung, jetzt mal ganz langsam, das müssen Sie mir genauer erklären.«

»Dass Sie mitreisen sollen, war ernst gemeint.«

Er hob die Hand, als Molly erneut den Mund öffnete. Sie schloss ihn wieder. Sie konnte ihn ja zumindest ausreden lassen, ehe sie ablehnte.

»Unser Physiotherapeut hat vor einem Monat seine Kündigung eingereicht. Er wird jetzt für Control Data arbeiten. Das ist ein Konkurrenzteam«, fügte Alex hinzu, als er Mollys Gesichtsausdruck sah. »Wir haben noch keinen Ersatz für ihn, obwohl die Tour in zehn Tagen startet. Wir sind also ziemlich verzweifelt.«

»Na, vielen Dank auch.« Ihre Stimme triefte vor Sarkasmus.

Alex seufzte. »So habe ich das nicht gemeint«, erklärte er sich. »Was ich meinte, war –« Er glitt von der Liege und fasste sie an den Oberarm. »Hören Sie, Sie sind gut. Mehr als gut – Sie sind richtig toll. Und mit dem Herzen dabei. Was wahrscheinlich genauso wichtig ist. Sie hätten mir nicht all diese Extrastunden einräumen müssen, und dass Sie das alles auch noch umsonst tun wollten, einfach aus Gutherzigkeit, bedeutet mir wirklich viel. Uns allen.«

Molly starrte ihn unverwandt an. »Nun, Sie haben ja bezahlt – und wer sind bitte ›wir alle‹?«

»Das gesamte BeSpoke-Team. Die anderen Fahrer und ich. Chuck.«

»Chuck?«

»Unser Sportdirektor. Wir wären alle überglücklich, wenn Sie zu uns ins Team kämen, ganz besonders die Swannies.«

»Oh.« Das war alles ein bisschen zu viel. Sie wusste nicht, wie sie reagieren sollte. Eben hatte sie noch Handgelenksübungen mit ihrem Patienten durchgeführt, und in der nächsten Sekunde wurde ihr ein leicht bizarres Jobangebot gemacht, bei dem sie mit Menschen zusammenarbeiten sollte, die die merkwürdigsten Berufsbezeichnungen hatte. Sie hatte keinen blassen Schimmer, was ein Swannie sein sollte, und war auch nicht sicher, ob sie es überhaupt wissen wollte.

»Brauchen Sie ein wenig Bedenkzeit?«, fragte Alex und ließ sie los. Er sah sie besorgt an.

»Ja, bitte.« Vielleicht einen Monat, oder zwei.

»Ich werde es heute Abend erklären, ja?«

»Ja … äh … vielmehr, nein.«

»Ich dachte wir gehen zusammen essen?«

»Ich habe nie zugestimmt.«

»Oh.«

Alex wirkte am Boden zerstört, und Molly bekam sofort ein schlechtes Gewissen. »Es ist nicht üblich, mit Patienten auszugehen«, fügte sie hinzu, um die Abfuhr abzumildern.

»Dann ist es doch in Ordnung, denn es handelt sich ja nicht um ein Date«, verkündete er fröhlich.

Molly wurde feuerrot. Großartig. Jetzt hatte sie sich zur Idiotin gemacht, indem sie falsche Schlüsse gezogen hatte. »Ich halte das trotzdem für keine gute Idee.«

»Die Bezahlung ist gut, und Sie würden eine Menge toller Orte zu sehen bekommen. Würden Sie wenigstens darüber nachdenken? Beim Abendessen?« Er war wieder in sein Hemd geschlüpft und angelte jetzt nach seinem Autoschlüssel. Sie wusste inzwischen, dass er meistens morgens mit dem Rad kam, abends aber lieber das Auto nahm, um zur Praxis zu kommen.

»Aber was ist mit meinem Job hier?«, fragte sie.

»Das können wir doch beim Essen besprechen.« Er lächelte hoffnungsvoll und sah sie mit leicht schräg gelegtem Kopf an, während er auf ihre Antwort wartete.

Molly überlegte. Ach, warum nicht. Er war eh in ein paar Tagen weg, und es war unwahrscheinlich, dass sie ihn je wiedersehen würde. Außerdem waren sie beide erwachsen und würden beim Abendessen das Jobangebot besprechen. Also hatte Alex recht, es war nicht wirklich ein Date.

»Na schön«, willigte sie ein, ging zu ihrem Schreibtisch, schrieb Adresse und Telefonnummer auf und reichte ihm den Zettel. »Holen Sie mich um acht ab. Und ich erwarte ein gutes Restaurant.«

»Geht klar«, versprach er und schoss aus der Tür.

Molly sah ihm amüsiert nach. Er war wirklich niedlich. Und auch wenn sie davon ausging, dass sie sich nach Behandlungsende nicht wiedersehen würden, freute sie sich doch weit mehr auf den Abend, als sie es sich eingestehen wollte.

4

Molly hatte schon von Brown’s Brasserie gehört, aber noch nie selbst dort gegessen. Das Restaurant befand sich in einem kleinen Dorf am Ufer des Severn, mit einem hübschen Garten, der fast bis ans Wasser reichte. Die Tische auf der Terrasse waren mit weißen Tischtüchern und blitzendem Besteck eingedeckt, die Gläser schimmerten im schwindenden Licht des Tages. Die Sonne war noch nicht ganz untergegangen, und die um die Pergola gewickelten Lichterketten verliehen der Location etwas Magisches.

Alex hatte ihre Bemerkung wörtlich genommen: Es war wirklich ein wunderschönes Restaurant, und Molly hatte von Freunden von dem hervorragenden Essen gehört. Sie freute sich drauf, denn sie war halb verhungert.

Nachdem sie Platz genommen hatten und die Karten in den Händen hielten, kam Molly gleich zur Sache. Sie hatte nicht nur auf dem Heimweg, sondern auch, während sie geduscht und sich fertig gemacht hatte, an nichts anderes als Alex und sein Jobangebot denken können. Eigentlich nur an Alex, wenn sie ehrlich war, obwohl sie sein Angebot verlockend fand. Außerdem konnte es ja nicht schaden, ein wenig mehr über ihn zu erfahren. Mehr über den Job zu erfahren, hatte sie sich selbst rasch verbessert, während sie sich die Haare abgetrocknet hatte.

»Erzählen Sie mir mehr über dieses Jobangebot«, forderte sie ihn auf, während ihr hungriger Blick über die Liste der Vorspeisen glitt. Sie alle klangen köstlich. Wie sollte sie sich da bloß entscheiden?

»Sie würden mitreisen und ins BeSpoke-Team kommen«, sagte Alex leichthin, als sei es völlig normal, ihr Zuhause und ihren bisherigen Job zurückzulassen, um für eine Firma zu arbeiten, von der sie noch nie gehört hatte. »Haben Sie gewählt?«

»Ich denke schon. Nehmen wir eine Vorspeise?«

Alex runzelte leicht die Stirn. »Nicht für mich, tut mir leid. Ich muss auf mein Gewicht achten.«

Molly zog die Augenbrauen hoch. Dennoch verkniff sie sich einen Kommentar und entschied sich, dann eben statt einer Vorspeise eine extra Beilage zu bestellen. Er konnte ja gerne auf sein Gewicht achten – sie hatte da keinerlei Bedenken. »Also, ich hätte gerne das Steak vom australischen Weiderind mit Pommes und Salat, und dazu eine Portion Zwiebelringe im Bierteig, bitte«, bestellte sie bei der Kellnerin, die an ihren Tisch getreten war. »Oh, und könnte ich ein kleines Glas von dem roten Hauswein bekommen?«

»Selbstverständlich. Und für Sie?«, wandte sich die Bedienung an Alex.

»Ich hätte gerne den Schwertfisch und einen grünen Salat. Ohne Dressing. Den Fisch ohne Soße. Und ein Mineralwasser, bitte.«

»Na los, erzählen Sie mir alles«, sagte Molly erneut, als die Kellnerin den Tisch verlassen hatte, und versuchte, nicht darüber nachzudenken, wie sein bestimmt mickriger Salat sich neben ihrem Riesenberg Zwiebelringe und Pommes machen würde.

»Wie ich schon sagte, hat unser Physiotherapeut gekündigt. Deshalb bin ich zu Ihnen in die Praxis gekommen. Normalerweise wäre ich jetzt schon im Trainingscamp bei meinen Teamkollegen, aber da wir keinen Physiotherapeuten hatten, habe ich mich entschieden, nach Hause zu fahren, um mich behandeln zu lassen.«

»Nach Hause bedeutet nach Spetchley?«

»Das haben Sie sich gemerkt!« Er strahlte übers ganze Gesicht.

»Es steht in Ihrer Patientenakte.«

»Oh.« Er wirkte geknickt, fing sich jedoch gleich wieder und schenkte ihr ein Lächeln. »Sie haben also nachgeschaut?«

Molly verdrehte die Augen. »Das Jobangebot?«, wechselte sie das Thema.

»Wissen Sie, ich verstehe ja, dass Sie skeptisch sind. Ich wäre das auch an Ihrer Stelle. Aber wie ich schon sagte, es ist wirklich gut bezahlt und Sie könnten gleichzeitig etwas von der Welt sehen.«

»Frankreich«, erwiderte Molly ausdruckslos. Das war wohl kaum die große, weite Welt.

Er grinste. »Da wäre auch noch die Flandern- sowie die Spanienrundfahrt, der Giro d’Italia, die Tour Down Under in Australien, die Kalifornienrundfahrt, eine Tour in den Alpen, eine in Saudi-Arabien, dann noch in der Türkei und in Südafrika. Ich könnte ewig weiter aufzählen, und falls Sie zwischendrin Heimweh bekommen – es gibt auch die Tour of Yorkshire oder die Tour of Britain.« Er sah sie hoffnungsvoll an.

»Sie haben gewonnen, das sind wirklich beeindruckend viele Orte.« Molly dachte kurz nach. »Würde das bedeuten, dass ich die meiste Zeit des Jahres unterwegs wäre?«

»Ja, aber –«

»Ich bin mir nicht sicher, ob ich das möchte.«

Die Bedienung brachte ihre Getränke, und Molly nahm dankbar einen Schluck Wein, da sie plötzlich eine ganz trockene Kehle hatte. Alex leerte sein Wasser in einem Zug und bestellte direkt nach, noch ehe die Kellnerin sich wieder abgewandt hatte.

»Was denn?«, fragte er Molly, die ihn aus weit aufgerissenen Augen anstarrte. »Ich trinke eben sehr viel Wasser.«

»Trinken Sie auch noch etwas anderes?«

Er zuckte mit den Achseln. »Energiedrinks, Fruchtsäfte, und wenn ich mich nicht gerade auf ein Rennen vorbereite auch Kaffee, außerhalb der Saison Wodka.«

Molly wurde hellhörig. »Es gibt eine Zeit ohne Rennen? Dann sind Sie also nicht das ganze Jahr über unterwegs?«

»Im Oktober ist rennfreie Zeit.«

»Das ist alles? Nur ein freier Monat?«

»Mehr oder weniger.«

»Hm.« Molly war hin- und hergerissen. Was Alex ihr da anbot, war eine einmalige Gelegenheit. Die meisten Physiotherapeutinnen und -therapeuten würden den rechten Arm hergeben, um an einen Job zu kommen, bei dem sie dafür bezahlt wurden, um die Welt zu reisen. Dennoch war Molly nicht sicher, ob sie dafür gemacht war. Sie genoss die Vertrautheit ihres Zuhauses. Es war klein, aber fein, und es gehörte ihr ganz allein. Sie fragte sich, wie schnell der Reiz des Neuen wohl verflog, wenn sie sich alle paar Wochen an einem anderen Ort wiederfinden würde. Außerdem wusste sie überhaupt nichts über den Radrennsport und wusste auch nicht, ob sie das überhaupt ändern wollte.

Das alles erklärte sie nun Alex.

»Mit Knochen, Muskeln und Sehnen kennen Sie sich doch aus, nicht wahr? Das ist Ihr Aufgabenbereich, Ihr Job. Über gewichtsbezogene Leistung oder Reifendruck müssen Sie gar nichts wissen, auch nicht über Bergkategorien – denn das ist mein Aufgabenfeld, mein Job. Jeder bei uns im Team, vom Sportdirektor bis zum Busfahrer, hat seinen eigenen Aufgabenbereich. Gut, eigentlich weiß jeder, wie man Rad fährt. Obwohl ich mir da bei Tim manchmal nicht ganz sicher bin.« Er lachte, um zu zeigen, dass er nur scherzte.

»Tim?«

»Unser Teamkapitän – der Kerl, in den wir große Hoffnung setzen.«

»Ah ja, ich erinnere mich. Sie sind sein zweiter Mann.«

Alex schaute sie überrascht an. »Sie haben wirklich zugehört.«

»Was nicht bedeutet, dass ich den Job annehme«, erwiderte Molly.

Alex seufzte. »Ich kann gar nicht glauben, dass ich Sie überreden muss. Ich dachte, Sie würden sich freuen.«

»Sie haben doch mich gefragt und nicht umgekehrt. Ich bewerbe mich nicht um einen Job. Sie versuchen, mich zu überreden.«

Er lehnte sich im Stuhl zurück, da das Essen serviert wurde, und sagte nichts mehr, bis sie wieder allein waren. Molly beäugte den schlichten Salat neben dem großen Stück Schwertfisch ohne Beilagen auf seinem Teller und verglich die Portion mit ihrem Steak und den Pommes. Ihr Essen gefiel ihr definitiv besser.

»Da gewöhnt man sich dran«, sagte Alex, dem ihr Blick nicht entgangen war.

»Essen Sie jemals Pommes, Schokolade, Kuchen oder etwas auch nur annähernd Ungesundes?«, fragte sie, denn er tat ihr aufrichtig leid.

Seine Augen blitzten. »Kuchen«, sagte er verträumt. »Ich habe eine Schwäche für Kuchen. Das scheint tatsächlich bei vielen Profiradfahrern so zu sein. Es gibt nichts Besseres, als in Italien auf dem Rad unterwegs zu sein und auf halbem Weg für Kaffee und ein Stück Kuchen anzuhalten.«

Molly musste lächeln. »Kommt das häufiger vor?«

»Ja, und nicht nur in Italien. Es könnte auch in Frankreich sein«, er wackelte vielsagend mit den Augenbrauen, »Spanien oder Belgien – obwohl der belgische Kaffee nicht der beste ist –, oder in welchem Land wir zufällig gerade trainieren. Rennradfahrer freuen sich immer riesig, wenn sie ein neues Café entdecken. Wir sind bekannt dafür, unsere Trainingsrouten extra so zu legen, dass wir die besten Cafés in der jeweiligen Gegend besuchen können.«

Sie sah ihn skeptisch an.

»Sie finden, ich genieße das Leben zu wenig, stimmt’s?«, seufzte er.

»Möglich, aber so, wie Sie davon reden, klingt es faszinierend.«

»Wirklich?«

»Nein.«

»Oh.« Er legte die Gabel beiseite, denn er hatte schon fast aufgegessen. Molly hatte bisher ihr Essen kaum angerührt.

»Gibt es denn nicht irgendetwas, womit ich Sie überzeugen kann, den Job ihres Lebens anzunehmen? Einen Job, für den andere sich ein Bein ausreißen würden, bei dem sie dafür bezahlt werden, die Welt zu bereisen?«, fragte er.

»Wenn Sie das so formulieren …« Sie spießte mit unfassbar schlechtem Gewissen eine Pommes auf und biss hinein.

»Heißt das, Sie sind dabei?«

Sie schüttelte den Kopf. »Ich glaube nicht. Ich habe bereits einen Job und den möchte ich nicht unbedingt eintauschen.«

»Na schön. Ich schlage Ihnen Folgendes vor.« Er stützte sich mit den Ellbogen auf den Tisch und beugte sich zu ihr vor. »Ich möchte Ihnen eine E-Mail von Greg zeigen. Er ist der Manager von unserem Team.«

»Einverstanden.«

Alex zog sein Handy hervor, suchte die Nachricht und reichte ihr das Telefon.

Molly las die Mail durch. Dann las sie sie ein zweites Mal. »Wollen Sie mich veräppeln?«, fragte sie.

»Nein. Er meint jedes Wort so, wie es da steht.«

»Das ist das Doppelte von dem, was ich jetzt verdiene.«

»Ja?« Alex sah erleichtert aus. »Ich hatte gehofft, dass es deutlich mehr wäre. Und das ist noch nicht alles. Es werden außerdem sämtliche Reisekosten übernommen, die Hotels, alle Mahlzeiten.« Alex zögerte, dann verzog er das Gesicht. »Vergessen Sie das mit den Mahlzeiten lieber wieder, denn wenn Sie nicht wie ein Profiradsportler essen möchten, organisieren Sie sich ihr Essen besser selbst.« Er lächelte sie hoffnungsvoll an. »Es ist tatsächlich ein ziemlich gutes Angebot.«

Das war es eindeutig.

Molly starrte auf ihr halb aufgegessenes Steak. Versuche, es mal ganz rational zu bewerten, sagte sie sich und überlegte, was dagegen sprach. Doch welchen Grund könnte es geben, ein solches Angebot auszuschlagen, abgesehen davon, dass sie Familie und Freunde monatelang nicht sehen würde? Wenn sie ganz ehrlich war, fiel ihr sonst nichts ein. Sie war jung, ungebunden und völlig frei in ihren Entscheidungen. Da sie noch nicht verheiratet war und keine Kinder hatte, war es sogar der perfekte Zeitpunkt, um etwas Derartiges zu wagen.

Was hielt sie also zurück?

Sie wurde sich bewusst, dass Alex sie aufmerksam beobachtete, und hob den Blick vom Teller. Mit einem Mal war sie überhaupt nicht mehr hungrig.

»Alles in Ordnung?«, fragte er.

Sie nickte. »Ich überlege.«

»Dann halte ich jetzt mal den Mund.«

Und das tat er. Er lehnte sich zurück, nippte nur an seinem Wasser, als hätte ihn jemand ausgeknipst. Molly betrachtete ihn einen Moment lang und fragte sich, was wohl in seinem Kopf vorging. Dann widmete sie sich wieder ihren eigenen Überlegungen.

Wenn sie diese Chance nicht ergriff, würde sie dann jemals wieder die Gelegenheit haben, die Welt zu sehen und dabei das zu tun, was sie liebte und worin sie gut war? Und auch noch dafür bezahlt werden? Sicher nicht. Wenn sie sich dieses Angebot durch die Lappen gehen ließ, würde sie also höchstwahrscheinlich den Rest ihres Lebens in Worcester verbringen. Nicht, dass das etwas Schlimmes wäre – sie liebte die kleine Stadt mit der historischen Kathedrale, dem gemächlich dahinfließenden Fluss und der wundervollen Landschaft.

Aber dieser Mann ihr gegenüber bot ihr die Welt auf dem Silbertablett an. Die Frage war nur: Hatte sie den Mut, sich darauf einzulassen?

5

»Du hast was vor?« Mollys Mutter war offensichtlich entsetzt. »Mit einer Horde Männer?« Das letzte Wort spie sie förmlich aus, als handele es sich um etwas Ekelhaftes, das unter ihrer Schuhsohle klebte.

»Ja, Mum. Das ist eine einmalige Gelegenheit. Wie viele Physiotherapeuten bekommen schon das Angebot, mit einem Profiradsportteam die Welt zu bereisen?«

Molly hatte gestern noch stundenlang wachgelegen, nachdem Alex sie zu Hause abgesetzt hatte (er hatte sich wieder mit diesen seltsamen Wangenküsschen verabschiedet), und überlegt, was sie ihren Eltern sagen würde. Es ihnen schonend beizubringen, kam schließlich nicht infrage, da sie schon in wenigen Tagen das Land verlassen würde.

»Und wie viele würden das überhaupt wollen?«, entgegnete ihre Mutter. »Was wird aus deinem Job?«

Das war die zweite Sache gewesen, die sie wachgehalten hatte – Finleys Reaktion. Er würde ganz sicher nicht erfreut sein, und sie kam sich schäbig dabei vor, so kurzfristig zu kündigen. Aber wenn sie das Angebot von Alex und BeSpoke jetzt nicht annahm … und so weiter und so fort. Ihre Gedanken hatten sich im Kreis gedreht, bis ihr ganz schwindelig geworden war.

»Ich werde kündigen«, sagte Molly.

»Nur über meine Leiche«, schnaubte ihre Mutter entrüstet.

Molly legte den Kopf zur Seite. »Wenn du glaubst, dass das nötig ist, Mum …«, sagte sie grinsend.

»Werde bloß nicht frech. Du hast hart gearbeitet, um dahin zu kommen, wo du jetzt bist. Das kannst du nicht alles für so ein paar Radfahr-Heinis wegwerfen.«

»Es ist die Tour, Ines«, sagte ihr Vater über den Rand seiner Brille hinweg, die ihm beim Zeitunglesen auf die Nasenspitze gerutscht war.

Bis dahin hatte er sich wohlweislich rausgehalten. Umso erleichterter war Molly jetzt, dass er sich doch noch zu Wort meldete. Wenn irgendjemand ihre Mutter davon überzeugen konnte, dass es eine gute Idee war, nur aufgrund einer E-Mail und einer mündlichen Vereinbarung den Job hinzuschmeißen und nach Frankreich zu fliegen, dann war es ihr Dad.

Hmm, das mit der mündlichen Vereinbarung sollte sie wohl besser nicht erwähnen. Ihre Mutter würde ausflippen.

»Das ist mir herzlich egal. Ich bin nicht glücklich über die Entscheidung unserer Tochter«, ihre Mutter betonte die letzten beiden Worte, als habe er seine verwandtschaftliche Beziehung zu Molly vergessen, »mit einer Horde haariger Wesen durch Europa zu tingeln.«

Molly verkniff sich die Bemerkung, dass Profiradsportler eher wenig Körperbehaarung aufwiesen. Alex hatte ihr erklärt, es sei schlimm genug, mit vierzig Stundenkilometer auf den Asphalt zu stürzen und sich dabei die oberste Hautschicht abzuschürfen, ohne dass Pflaster und Verbände anschließend noch an Körperhaaren festklebten. Daher kam die leicht selbstverliebt wirkende Obsession mit der glatten Haut. Es hatte nichts mit Eitelkeit zu tun, sondern sollte lediglich Schmerzen vermeiden.

»Und wenn sich herausstellt, dass es nicht das Richtige ist, was dann?«, fuhr ihre Mum fort. »Dann kommt sie zurück und hat weder Arbeit noch ein Haus.«

»Ich werde mein Haus nicht verkaufen«, wandte Molly ein. »Ich werde es wahrscheinlich irgendwann vermieten.«

»Irgendwann? Warum nicht jetzt gleich, wenn du so wild entschlossen bist, diesen wahnwitzigen Plan in die Tat umzusetzen? Vielleicht, weil du selbst nicht daran glaubst, dass es funktionieren wird. Könnte das sein?«

»Nein, es wird nur etwas Zeit in Anspruch nehmen, Mum, und die habe ich jetzt gerade nicht.«

Ines sah sie aus schmalen Augen an. »Was meinst du damit, die hast du jetzt gerade nicht?«

Molly verzog das Gesicht. »Ich werde … äh … in zwei Tagen abreisen.«

»In zwei Tagen? Zwei Tage? Wozu die Eile? Wenn sie dich unbedingt haben wollen, können sie dann nicht warten, bis du hier alles geregelt hast? Das klingt unseriös. Sag es ihr, Colin.«

»Die Tour beginnt am Samstag«, sagte er sanft. »Das erklärt den engen Zeitrahmen.«

Als Ines sich zu ihm umwandte, zuckte Molly zusammen. Wenn ihre Mutter in Fahrt kam, war sie richtig furchteinflößend. »Komm mir ja nicht so, Colin Matthews«, wetterte sie mit in die Hüfte gestemmten Armen und vor Wut blitzenden Augen.

»Ich sage doch lediglich, Liebes, dass der Grund dafür, dass Molly so wenig Zeit hat, der ist, dass die Tour schon in wenigen Tagen beginnt.« Er legte die Zeitung zur Seite und deutete auf den Teller mit Toastbrot, der vor ihm auf dem Tisch stand. »Möchtest du eine Scheibe?«, fragte er seine Tochter.

Molly hatte ihre Eltern beim Frühstück überrascht, weil sie die unvermeidliche Auseinandersetzung so schnell wie möglich hatte hinter sich bringen wollen. Außerdem konnte sie so irgendwann zur Arbeit flüchten. Wobei ihre Mutter zweifellos später bei ihr zu Hause aufkreuzen würde, um die Diskussion fortzusetzen.

Molly schüttelte den Kopf. Ihr war ein klein wenig übel. Ob nun vor lauter Stress mit ihrer Mum (ihr Dad nahm die Sache bemerkenswert gut auf), aus lauter Angst vor Finleys Reaktion oder der Aufregung darüber, bald nach Frankreich zu reisen, konnte sie nicht sagen.

»Ich hätte da einen Vorschlag«, sagte ihr Vater, woraufhin sich beide Frauen zu ihm drehten und ihn anstarrten, ihre Mutter immer noch mit den Händen in den Hüften und skeptischem Blick.

Oh-oh, das kann ja heiter werden, dachte Molly. Ihre Mum hatte erwartet, dass Colin voll und ganz hinter ihr stehen würde, stattdessen war er im Begriff, etwas vorzuschlagen, das ihr wohl gar nicht gefallen würde. Molly hingegen war mehr als gespannt, was er zu sagen hatte.

»Wie wäre es, wenn du Finley um eine kleine Auszeit bittest?«, schlug Colin vor. »Nur für ein paar Wochen, so lange, wie die Tour dauert. Dann hättest du deinen Job noch, sollte sich herausstellen, dass es dir dort nicht gefällt.«

Eine Weile war es mucksmäuschenstill. Dann ließ Ines langsam die Hände sinken. Der Vorschlag gefiel ihr also.

Molly wollte spontan widersprechen, denn sie hatte sich ihre Entscheidung wirklich nicht leicht gemacht. Doch dann hielt sie inne. Was ihr Dad da vorschlug, war perfekt. Molly standen tatsächlich noch ein paar Wochen Urlaub zu, und so hätte sie genug Zeit sich zu überlegen, ob sie wirklich aus dem Koffer leben und mit einer reinen Männertruppe zusammenarbeiten wollte. Sollte sie sich dagegen entscheiden, könnte sie zu ihrem Job und ihrem Zuhause zurückkehren und weitermachen wie bisher. Dann barg die aufregende Erfahrung keinerlei Risiko für sie. Sie ärgerte sich ein wenig, dass ihr diese Möglichkeit nicht selbst eingefallen war. Ihr Dad war eben der Beste!

***

»Finley«, säuselte Molly, sobald sie durch die Praxistür kam. »Wie viele Urlaubstage habe ich noch?«

»Weiß nicht. Müsste ich nachsehen.« Finley saß am Schreibtisch, jede Menge Akten und Unterlagen vor sich, und sah wenig begeistert aus.

Sie wusste, wie sehr ihr Chef den administrativen Teil des Jobs verabscheute. Deswegen war jetzt gerade bestimmt nicht der günstigste Zeitpunkt, ihn um einen Gefallen zu bitten. Aber da sie rasch handeln musste, blieb ihr nichts anderes übrig.

»Könntest du bitte jetzt nachschauen?«, fragte sie. »Ich mache uns Kaffee …« Vielleicht würde ihn das ja gütlich stimmen – mehr hatte sie nicht anzubieten.

»Wann wolltest du denn fahren?«, fragte er, sah vom Monitor auf und schob ein paar Rechnungen von einer Schreibtischecke in die andere.

»Ähm … am Mittwoch.«

»Welcher Mittwoch? Da musst du schon ein wenig genauer werden.«

»Diesen Mittwoch.«

Ihr Chef runzelte die Stirn. »Du meinst übermorgen?«

»Ja?«

»Das ist ein wenig kurzfristig. Ist alles in Ordnung?«

»Ja, alles gut.« Molly war klar, dass sie schuldbewusst wirkte. »Mir wurde ein Angebot gemacht, das ich nicht ausschlagen kann.«

»Du willst kündigen«, sagte Finley ausdruckslos. Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück und verschränkte die Arme. »Wer ist es? McFee?« McFee war Finleys größter Konkurrent, und die Praxis versuchte, wo es ging, Patienten oder auch Personal von ihm abzuwerben.

»Du lieber Himmel, nein!«, rief Molly aus. »Ich würde nicht im Traum daran denken, für McFee zu arbeiten.«

»Wer ist es dann?«

Molly holte tief Luft. »Mir wurde angeboten, ein Radsportteam während der Tour de France zu begleiten«, verkündete sie. »Das ist eine einmalige Gelegenheit.«

Es klang abgedroschen. Dennoch bekam sie die Formulierung nicht aus dem Kopf. Weil es eben tatsächlich so war.

»Aber die beginnt schon Samstag«, erwiderte Finley.

»Genau. Ich bitte dich wirklich nur äußerst ungern darum, aber –«

»Es ist die Chance deines Lebens«, beendete Finley den Satz für sie und verdrehte dabei die Augen.

»Genau. Kann ich fahren?«

»Und wenn ich Nein sage?« Mollys Gesicht war wohl Antwort genug, denn ihr Chef seufzte ergeben. »Na schön, fahr, wenn du unbedingt willst. Nimm dir so viel Urlaub, wie du brauchst. In einem angemessenen Rahmen«, fügte er noch rasch hinzu. »Und alles, was über die jährlichen Urlaubstage hinausgeht, ist unbezahlt.«

»Selbstverständlich.«

»Ich werde alles mit Sue regeln«, sagte er.

»Vielen Dank.« Molly lächelte glücklich. Nicht nur war ihre Frankreichreise damit im Endeffekt ein bezahlter Urlaub, sie würde auch noch doppelt Gehalt bekommen – einmal von BeSpoke und dann noch von Finley. Außerdem hatte sie ihren Job noch, sollte das alles schiefgehen. Besser hätte es nicht laufen können.

6

Molly stieg erleichtert aus dem kleinen Flugzeug. Eigentlich machte Fliegen ihr nichts aus. Aber die Maschine von Birmingham nach Dinard war winzig. In einem derartig kleinen Flieger hatte sie noch nie zuvor gesessen. Immerhin hatte es Kaffee und Croissants gegeben, womit sie gar nicht gerechnet hatte, und sie hatte das von Alex gleich mit verdrückt. Denn wenn sie jetzt so viel Zeit unter Radrennfahrern verbringen würde, musste sie jegliche vermeintlich vornehme Zurückhaltung, was das Essen anging, ohnehin aufgeben.

Glücklich sog sie die Luft des fremden Landes ein und spürte, wie ihre Brust vor Aufregung vibrierte. Sie war hier! Sie war tatsächlich in Frankreich. Die letzten Tage hatte sich alles ein wenig unwirklich angefühlt, fast wie ein Traum oder als würde sie eine andere Person dabei beobachten, wie sie alles für einen Monat Abwesenheit vorbereitete. Die ganze Zeit über hatte Molly befürchtet, irgendjemand würde »Reingefallen!« rufen und dann lachend wegrennen.

Erst als sie Alex in der Abflughalle des Flughafens von Birmingham getroffen hatte, war ihr klar geworden, dass das alles tatsächlich passierte. Sie hatte ihn vor einem glänzend schwarzen Auto entdeckt (der Flughafen übertrieb es wirklich im Duty-Free-Bereich), wo er anerkennend vor sich hinmurmelte.

Vor lauter Aufregung und weil sie froh darüber war, nicht allein reisen zu müssen, hatte sie sowohl vor als auch während des Fluges ein wenig zu viel geplappert. Alex war jedoch bereitwillig auf alles eingegangen, und so hatte sie herausgefunden, dass er einen älteren Bruder hatte und seine Eltern geschieden waren, ihn aber beide in allem unterstützten und sehr stolz waren auf das, was er erreicht hatte. Dass er gerne einen Hund hätte, aber die vielen Reisen das nicht erlaubten; dass er ein Haus besaß, aber dort nicht so viel Zeit verbrachte, wie er eigentlich wollte. Und dass eine Rede auf der Hochzeit eines Freundes zu halten ihm mehr Angst eingejagt hatte als alles andere im Leben.

Der Flughafen von Dinard war winzig klein, also hatten sie schon kurz nach der Landung ihr Gepäck und die Sicherheitskontrolle hinter sich. Vor dem Gebäude hob Alex eine Hand, um die Augen vor der Sonne abzuschirmen, und ließ den Blick suchend über den Parkplatz schweifen. »Da drüben«, sagte er und streckte den Finger aus.

Molly sah in die angegebene Richtung und bemerkte ein grell pink und grün bedrucktes Auto, aus dessen Fahrertür sich ein Mann beugte und wie wild winkte.

»Mick! Gut, dich zu sehen, Kumpel!« Alex ließ seine Tasche neben dem Wagen fallen, ging auf den Mann zu, klopfte ihm auf den Rücken und umarmte ihn herzlich. Molly hielt sich schüchtern im Hintergrund.

Nach ein paar Sekunden löste sich der andere Mann aus der Umarmung und betrachtete Alex prüfend. »Und, bist du wieder fit?«, fragte er mit leicht australischem Akzent, hielt Alex’ Arm hoch und besah ihn sich gründlich.

»Ja, endlich. Und das nur dank dieser reizenden Dame hier.« Alex wandte sich zu ihr um, und Molly spürte, dass sie errötete. »Das ist Molly Matthews, unsere neue Physiotherapeutin.«

Mit zwei großen Schritten war Mick bei ihr und schüttelte ihr schwungvoll die Hand. Sein Händedruck war so fest, als könne er Steine mit bloßen Händen zerquetschen, sodass sie leicht vor Schmerz zusammenzuckte, während sie sich um ein Lächeln bemühte.

»Tut mir leid, Liebes«, sagte Mick und gab ihre Hand frei. »Ich vergesse manchmal, wie man sich Damen gegenüber verhält.« Mick hatte ein offenes, freundliches Gesicht und Molly mochte ihn sofort.