Goatling goes to catwalk - Anne Wockenfuß - E-Book

Goatling goes to catwalk E-Book

Anne Wockenfuß

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Beschreibung

Enrique Gonzales ist ein Topmodel, verträgt nur veganes Essen, das vegan zubereitet wurde, und reagiert allergisch auf alle tierischen Produkte – inklusive lebender Tiere. Chantalle ist eine kleine Zwergziege, die Hähnchenbruststreifen für ihr Leben gerne frisst und stylische Sonnenbrillen liebt. Als beide in einem Tierheim aufeinandertreffen, ist es Liebe auf den ersten Blick. Gemeinsam fangen sie auf ihre eigene und liebenswerte Art an, die Modewelt zu erobern

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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Kapitel I

Ihm lief der Schweiß. Es war so unendlich heiß und er musste noch mindestens dreimal auf den Laufsteg. Enrique fragte sich gerade zum tausendsten Mal, warum er bei diesem Job überhaupt zugesagt hatte – davon mal abgesehen, dass er für sein Lebend gerne auf dem Catwalk lief! Und dann ausgerechnet auch noch bei diesen Temperaturen! Enrique griff nach seiner eisgekühlten Cola – natürlich nur original von Coke – und exte sie.

Wie gut, dass er jetzt Pause hatte und in Ruhe essen konnte. Man brachte ihm seinen Salat. Seinen Lieblingssalat. Mit ganz frischer Tomate und Mais und geriebene Möhren. Natürlich der frische, saftige Eisbergsalat mit einem Hauch von Ruccola. Garniert alles mit so leckeren Kürbis– und Sonnenblumenkernen! Ja, doch. Alleine für diesen Salat konnte man den Job bei den Temperaturen auf sich nehmen! So setzte er sich auf seinen Platz und griff nach der Schüssel und die ihm gereichte Gabel. Ihm lief das Wasser im Mund zusammen und seine Augen sprühten lauter Sterne! Beinahe zelebrierend stach er mit der Gabel in den Salat und vermischte den Inhalt gründlich. Dann stockte er verdutzt und blinzelte einmal... zweimal...

„WAS ist das?!“, rief er laut und bei jedem der Angestellten schrillten sämtliche Alarmglocken. „WAS soll der Scheiß?! Wollt ihr mich vergiften? Das ist Joghurtdressing! Verdammt! Mir reichts!Ich bin weg!“, echauffierte sich Enrique lautstark, sprang von seinem Stuhl auf und stapfte in seine Garderobe.

Er würde JETZT nach Hause fahren! Er würde sich von den klebrigen Schweiß befreien und sich dann einen VEGANEN Salat zubereiten.

Oh, Enrique schiss regelrecht auf die Modenschau! Er hatte ja eh keine Lust darauf gehabt! Eigentlich läge er ja auch bereits auf den Malediven, aber sein Agent hatte ihn quasi auf Knien angefleht, seinen Urlaub zu verschieben und diesen Auftrag anzunehmen. Nur sah er jetzt nicht ein, warum er sich vergiften lassen sollte! Verdammt, er gab doch seine Essgewohnheiten nicht zum Spaß an! So verließ er schlussendlich das Gebäude, stieg in seinen Xiaomi und fuhr nach Hause!

Zumindest war das der Plan gewesen: Sein Agent hatte ihn angerufen gehabt, da war er gerade drei Kilometer unterwegs gewesen und hatte ihn richtig zur Sau gemacht, weil er einfach gegangen war. Da Enrique aber stur blieb, hatten sich beide darauf geeinigt, dass er zu einer Eröffnung einer Örtlichkeit gehen würde und als Fotomodel agieren sollte. Dann würde er auch seine angedachte Gage bekommen und könne dann in den Urlaub fliegen.

Gesagt, getan! Und so rollte langsam rollte der Xiaomi vor den Garden Club und stoppte. Enrique schaute sich um und blickte dann prüfend auf die Adresse. Es schien richtig zu sein. Leise seufzte er auf. Er sollte hier für eine Eröffnung modeln – nur konnte er nichts erkennen, was hier eröffnet werden solte. Vom Namen und Aussehen her könnte es ein sehr rustikaler Kindergarten sein, oder? Enrique stieg also aus dem Wagen, setzte sich die Sonnenbrille auf und griff nach seiner Gucchi-Tasche. Tief atmete er durch und bat innerlich um Kraft. Dann wollte er das Drama mal hinter sich bringen. Schließlich würde er ja danach direkt auf die Malediven fliegen! Und so lief das Supermodel auf High Heels los und trat in das Haus ein, um abrupt stehen zu bleiben. Ungläubig schaute Enrique über den Rand der Sonnenbrille und starrte beinahe fassungslos auf diesen riesigen Grill in Mitten des Hauses – Was zur Hölle war das denn?

„Guten Tag, kann ich Ihnen helfen?“, wurde er da plötzlich angesprochen und sein Blick wanderte zu einem großen, breiten Schrank, der so eben das Lokal betreten hatte und den mitgebrachten Salat auf die Arbeitsfläche neben den Grill ablegte. Konnte man den Typen schon als Hinterwäldler bezeichnen? Fragte sich Enrique ernsthaft, während er das Holzfällerhemd des Kerls betrachtete.

„Hi, ich bin Enrique Gonzalez. Ich soll hier irgendetwas eröffnen oder einweihen oder so?“, antwortete er beinahe misstrauisch.

„Ah ja, ich habe aber Jeans und ein schlichtes Hemd verlangt und keinen Papageienaufzug. Schließlich sollst du mein Steakhouse eröffnen und keinen Zirkus“, kam es trocken zurück, während der Typ mit nun einen sehr eindeutigen Blick Enriques Aufzug musterte und den Blick auf den High Heel einen Moment länger ruhen ließ.

„Mit Verlaub: ich glaube, ich habe Sie nicht richtig verstanden. Ich soll bitte schön WAS?!“, entfuhr es dem Model total verdutzt. Glaubte er doch gerade an „Versteckte Kamera“!

„Mein Steakhouse eröffnen und dann natürlich auch eins der Steaks für die Kamera essen. Hat man dir das etwa nicht gesagt oder gehörst du zu den Models, die ihre Nachrichten mit den Jobinfos nicht lesen. Ich tippe auf letzteres, da ich die Agentur kenne, für die du arbeitest und die sind da sehr gewissenhaft“, erwiderte Kilian, der Hinterwäldler, und wandte sich ab, um sich um die weiteren Vorbereitungen zu kümmern.

„Erstens: Ich habe Ihnen nicht das Du angeboten! Zweitens: Ich lese sehr gewissenhaft meine Aufträge! Schließlich kann ich mir keine Fehler erlauben. Und drittens: Ich soll was?! essen? Ich hoffe, Sie haben ein veganes Steak für mich!“

„Ich serviere doch nicht diesen veganen Unsinn. Veganes oder vegetarisches „Möchtegernfleisch“ kommt mir nicht in mein Restaurant. Also gehen SIE sich mal den Auftrag durchlesen und kommen dann wieder!“

„Sie glauben doch nicht allen ernstes, dass ich Tierquälerei und Massenmord unterstütze, nur weil Sie als Hinterwäldler noch nichts davon gehört haben, was sich schickt – und HIER ist der Auftrag!“, knallte Enrique nun sehr erbost seine Arbeitsanweisung direkt vor dem Typen auf den Grill, aus der tatsächlich nicht ersichtlich war, was genau das Model eröffnen und sogar essen sollte.

„Mein Fleisch kommt aus hundert Prozentiger biologischer Tierhaltung. Das hat nichts mit Massenmord zu tun und wenn da nicht drinsteht, was SIE zu machen haben, dann hat das offensichtlich seine Gründe. Also wenn SIE jetzt bitte so freundlich wären und gehen würden. Mit Menschen wie IHNEN kann ich nicht zusammenarbeiten“, erwiderte Kilian kalt und würdigte der Arbeitsanweisung keinen einzigen Blick.

Enrique starrte den Hinterwäldler wie vor den Kopf gestoßen an.

„Wie jetzt? Soll ich das Ding hier nun doch nicht einweihen?“, fragte er perplex.

„Und was ist mit meiner Bezahlung? Schließlich musste ich mir ja Zeit nehmen und hier herkommen.“

Kilian sah Enrique nun äußerst kühl an.

„Keine erbrachte Leistung, keine Bezahlung. So einfach ist das. Das hier ist ein Steakhouse. Hier wird ECHTES Fleisch serviert. Mit Kartoffeln und einem Salat als BEILAGE.“

Tief atmete das Model durch. Mühsam versuchte Enrique sich zu beruhigen und zu fokussieren. Doch vergeblich.

„Fein! Sie hören von meinem Anwalt!“, sagte er schließlich und machte auf den Absatz kehrt. DAS musste er sich nun wirklich nicht bieten lassen. Von wegen, er und schlampig! Typisch Hinterwäldler. Kein Sinn für Nachhaltigkeit, Kunst und vor allem Geschmack! Gefrustet über diese Zeitverschwendung, stieg Enrique in seinen Wagen und knallte die Tür zu!

Doch das Model hat sich noch nicht wirklich beruhigt, da rief sein Agent an: Der Hinterwäldler hatte sich zünftig beschwert. Enrique knirschte still mit den Zähnen, als ihn eröffnet wurde, dass er direkt zurück gehen solle oder die Malediven wären gestrichen!

Enrique kämpfte mit den Tränen. Seit über einem Jahr rannte er täglich von einem Termin zum nächsten, da er so gefragt war. Er merkte selber, wie sein Agent ihn regelrecht verheizte. Fühlte er sich doch mittlerweile so ausgebrannt. Aber nur noch ein bisschen! Dann hatte er genügend Geldreserven zusammen, um sich selbstständig zu machen!

Tief atmete er durch und sprach sich Mut zu, als er wieder aus den Wagen stieg und zum Kofferraum ging.

Zehn Minuten später betrat Enrique in Jeans und einem edlem Holzfällerhemd wieder das Restaurant.

„Also, was soll ich machen!“, knirschte er mit den Zähnen.

Kilian sah auf und musterte Enrique erstaunt.

„Geht doch“, murmelte er und musste sich ein selbstgefälliges Schmunzeln verbeißen. Man musste diese aufgeblasenen Models nur ordentlich in die Schranken weisen!

„Zuerst machen wir das Shooting, in dem du ein Steak isst und danach bist du für den Empfang der geladenen Gäste zuständig und das ohne zu murren“, erwiderte er neutral und schnitt ein wunderbares Stück Steak zurecht. „Ich muss das Zeugs aber nicht wirklich essen, oder?“, fragte Enrique ahnungsvoll, während er skeptisch das Steak beobachtete.

„Wie soll ich Fotos davon machen, wie du isst, wenn du nicht mindestens ein Stück isst?“, erwiderte Kilian ungerührt und rieb das Steak mit einer Honigmarinade ein.

Enrique starrte auf das Steak und atmete tief durch.

„Okay. Ich verzichte auf die Malediven. Suchen SIE sich jemand anderes!“, zischte er und verließ das Restaurant.

„Wie du willst“, murmelte Kilian nur ungerührt und zückte in aller Ruhe sein Handy. Er informierte die Agentur, dass Enrique den Job nicht machen würde.

Enrique hatte gerade mal die Hälfte des Heimweges geschafft, als sein Telefon klingelte. Als er die Nummer der Agentur im Display sah, fuhr er an den Rand und nahm das Gespräch an. Fassungslos starrte er auf das Telefon, als ihm eröffnet wurde, dass er mit sofortiger Wirkung gekündigt war und seine Modelakte direkt aus der Datenbank gelöscht werden würde.

Tief atmete das Model durch und seine Augen glühten voller Wut, als er den Wagen wendete und wieder zurück fuhr.

Enrique riss die Tür zum Lokal auf und stürmte direkt auf Kilian zu.

„WAS hast du ihnen erzählt?!“, wollte er völlig außer sich von diesen Bastard wissen.

Dieser blickte nun wirklich amüsiert auf.

„Ich habe nur gesagt, dass du den Job nicht machst, weil du offensichtlich nicht professionell genug bist, um private Einstellungen von beruflichen Pflichten zu trennen. Das ist alles“, erwiderte er gelassen.

„Wie jetzt? Was meinst du mit privaten Einstellungen?“, wollte Enrique komplett verwirrt wissen.

„Und wie du in der Anweisung nachlesen kannst, stand nirgendwo etwas darüber, dass ich was essen muss! Also ist es mein gutes Recht, mich zu weigern etwas zu mir zu nehmen!“

Kilian wandte sich nun voll dem Model zu und sah es ernst an. In dem Moment wirkte er wie eine andere Person.

„Deine privaten Einstellungen haben nichts im Beruf zu suchen. Es sei denn, ich verlange etwas von dir, dass deine Gesundheit gefährdet. Ich würde mich an deiner Stelle fragen, warum sie es dir nicht gesagt haben, denn ich habe ihnen genau gesagt, was es zu tun gibt.“

Enrique verstand immer noch nicht, worauf sein Gegenüber hinaus wollte.

„Was meinst du mit privater Einstellung?“, wollte er erneut wissen.

„Private Einstellung ist zum Beispiel, wie du dich kleidest, was du isst und was du trinkst. Deine Meinung über sexuelle Orientierungen und Religionen“, zählte Kilian ruhig auf und da machte es klick!

„Habe ich das jetzt richtig verstanden? Du unterstellst mir, dass es nur ein Getue von mir ist, dass ich kein Fleisch esse?!“, fragte er fassungslos nach.

„Ja, genauso wie es nur Getue von den anderen extremistischen Veganern und Weltverbesserern ist“, erwiderte Kilian kalt.

„Gut zu wissen", meinte Enrique da leise und wie ausgewechselt. Er war komplett geschockt von Kilians Worten.

„Vielen Dank dafür, dass du mit deinen Vorurteilen mein Leben versaut hast“, sagte er noch und wandte sich ab zum gehen.

„Viel Erfolg bei der Eröffnung“, wünschte er wie abwesend und verließ das Steakhaus. Langsam ging er zu seinem Wagen und stieg ein. Müde legte er seinen Kopf auf das Lenkrad ab.

Ja, er hatte oft mit solchen Vorurteilen zu kämpfen, weil er nun mal sehr speziell war. Und eigentlich hätte er sich doch daran gewöhnen müssen, oder?

Da klopfte es an die Fensterscheibe des Wagens und Enrique blickte auf. Lange musterte er Kilian, der an die Scheibe geklopft hatte. Er überlegte hin und her, ob er die Scheibe herunterlassen sollte oder nicht. Schließlich gab er sich einen Ruck. Er hatte ja jetzt eh nichts mehr zu verlieren und so ließ er die Scheibe runter.

„Was noch?“, wollte er beinahe schnippisch wissen.

„Kompromiss. Du tust so, als würdest du essen und empfängst nachher die Gäste, ohne ein schnippisches Wort zum Fleischverzehr zu sagen“, schlug Kilian neutral vor.

Enrique zögerte. Irgendwie traute er diesem Friedensangebot nicht. Aber wer wäre er, nicht auch entgegenzugehen, wenn man ihm ein Stück entgegenkommt. Schließlich funktionierte das Geschäft nur so.

„Ok.“, nickte er und stieg aus den Wagen. Erwartungsvoll fragend blickte er den Hinterwäldler nun an.

Diese nickte zufrieden und deutete in Richtung Eingangstür.

„Also, gehen wir rein. Dann baue ich das Setting so um, dass du mit dem Teller perfekt zur Geltung kommst. Und dann schauen wir, wie wir das am besten machen, damit es auch authentisch wirkt.“

Enrique nickte schweigend und folgte Kilian ins Restaurant, konnte es jedoch nicht verhindern, dass er kurzzeitig die Nase verzog. Womit hatte er das nur verdient?

Kilian sah zu dem Model.

---ENDE DER LESEPROBE---