Goethes Freunde in Gotha und Weimar - Sigrid Damm - E-Book

Goethes Freunde in Gotha und Weimar E-Book

Sigrid Damm

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Beschreibung

»Oft und gern« sei er in Gotha gewesen, an seine Aufenthalte dort würden sich »die meisten Erinnerungen eines langen Lebens knüpfen «, erinnert sich der 78-jährige Goethe.
Als junger Mann hatte er von Italien aus dem Gothaer Herzog seine Dienste angeboten. Dennoch ist Weimar über fünfzig Jahre Goethes Lebensort geblieben; die Stadt, an die sich der Begriff der Weimarer Klassik bindet. Doch hätte es nicht auch Gotha sein können?
Dieses Buch enthüllt vor der wechselvollen Geschichte der benachbarten Fürstenhöfe Gotha und Weimar ein weitgehend unbekanntes Kapitel in Goethes Biographie und fügt ihr eine neue aufregende Farbe hinzu.

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»Oft und gern« sei er in Gotha gewesen, an seine Aufenthalte dort würden »sich die reichsten Erinnerungen eines langen Lebens knüpfen«, erinnert sich der 78jährige Goethe.

 Als junger Mann hatte er von Italien aus dem Gothaer Herzog sogar seine Dienste angeboten. Dennoch ist Weimar über fünfzig Jahre Goethes Lebensort geblieben; die Stadt, an die sich der Begriff der Weimarer Klassik bindet.

 Hätte es nicht auch Gotha sein können? Diese Frage ist der Ausgangspunkt von Sigrid Damms neuem Buch.

 Vom ersten Aufenthalt des 19jährigen Studenten auf Schloß Friedenstein über die intensive Zeit der Freundschaft Goethes zum Gothaer Regenten und dessen Bruder bis hin zum alten Dichter, dem Besuche und Nachrichten aus Gotha stets willkommen sind, wird erzählt. Wir erleben Goethe als gerngesehenen Gast und umworbenen Gesprächspartner in Gotha, als Dichter, privat und in diplomatischer Mission.

Dieses Buch – wie stets bei Sigrid Damm auf der Grundlage akribischer Recherchen erarbeitet – enthüllt vor dem Hintergrund von Kriegen und Wirrnissen, von Kongruenz und Widerstreit zwischen den benachbarten Fürstenhöfen Gotha und Weimar ein weitgehend unbekanntes Kapitel in Goethes Biographie und fügt ihr eine neue aufregende Farbe hinzu.

Sigrid Damm, in Gotha/Thüringen geboren, lebt als freie Schriftstellerin in Berlin und Mecklenburg. Die Autorin ist Mitglied des PEN und der Mainzer Akademie der Wissenschaften und Literatur. Sie erhielt für ihr Werk zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Feuchtwanger-, den Mörike- und den Thüringer Literaturpreis.

Von Sigrid Damm sind im Insel Verlag u.a. erschienen:

Christiane und Goethe. Eine Recherche

Goethes letzte Reise

»Geheimnißvoll offenbar«. Goethe im Berg. (Mit farbigen Abbildungen von Hamster Damm)

»Einmal nur blick ich zurück«. Auskünfte

Sigrid Damm

eBook Insel Verlag Berlin 2014

Der vorliegende Text folgt der Erstausgabe, 2014.

© Insel Verlag Berlin 2014

Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das der Übersetzung, des öffentlichen Vortrags sowie der Übertragung durch Rundfunk und Fernsehen, auch einzelner Teile.

Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotografie, Mikrofilm oder andere Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

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Satz: Satz-Offizin Hümmer GmbH, Waldbüttelbrunn

Nun sag' ich noch allen Freunden in Weimar und Gotha ein treues Lebewohl!, schreibt Goethe aus Italien, die benachbarten Fürstenhöfe in einem Atemzug nennend. Es ist der 29. März 1787, Goethe ist in Neapel, steht kurz vor seiner Einschiffung nach Sizilien. Eure Liebe begleite mich, denn ich möchte ihrer wohl immer bedürfen, heißt es nach Gotha und Weimar gewandt. Und rückbesinnend: Heute Nacht träumte ich mich wieder in meinen Geschäften.

Er spielt auf seine Amtstätigkeit am Weimarischen Hof an. Diese hat ihn in eine tiefe Lebenskrise geführt, den Poeten in ihm erstickt. Doch ist mirs wie einem Vogel der sich in Zwirn verwickelt hat, ich fühle, dass ich Flügel habe und sie sind nicht zu brauchen. Den lange schwelenden Konflikt zwischen Minister und Dichter löst Goethe, indem er alle Bande zerreißt und aus Weimar flieht. Wer sich mit der Administration abgibt, ohne regierender Herr zu seyn, der muß entweder ein Philister oder ein Schelm oder ein Narr seyn.

Heute Nacht träumte ich mich wieder in meinen Geschäften. Kaum ein halbes Jahr ist er in Italien, zunächst in Rom, der Hauptstadt der Welt, nun, von Neapel aus, auf dem Weg nach Sizilien. Sein rückwärtsgewandter Traum von seinen Geschäften scheint keineswegs quälend oder belastend zu sein, im Gegenteil, seine Erinnerung ist positiv, denn erneut offeriert er – diesmal beiden Fürstenhöfen – seine Dienste. Es ist denn doch als wenn ich mein Fasanenschiff nirgends als bei Euch ausladen könnte. Mit dem Fasanenschiff bezieht er sich auf einen Traum, von dem er wohl am Gothaer Hof im Beisein des Weimarer Herzogs berichtet haben muß: Es träumte ihm, daß er einen Kahn voller Fasanen und Pfauen heimbringen will, aber keinen Landeplatz findet.

Nun die Formulierung nirgends als bei Euch … Der Plural. Und in metaphorischer Umschreibung das Angebot seiner Dienste. Am Schluß: Möge es (das Schiff) nur erst recht stattlich geladen sein. Damit meint er die existentielle Notwendigkeit, eine lange Zeit in der Ferne zu bleiben, neue Sinneseindrücke und Erfahrungen zu sammeln, an deren Ende er wiedergeboren sein und dann erneut zur Verfügung stehen wird.

In Thüringen, wo man alle Nachrichten des heimlich Geflohenen gierig aufnimmt und verbreitet, kursiert das Gerücht, Goethe werde nach seiner Zeit in Italien nicht den Weimarer Hof, sondern den in Gotha wählen. Ist der Brief aus Neapel Auslöser dafür? Gibt es andere Indizien? Zum Beispiel eine Äußerung von 1781, wo er über öffentliche Gleichgültigkeit der unsrigen gegen mich klagt und schreibt: Die Gunst die man mir in Gotha gönnt macht viel Aufsehn, es ist mir lieb um meinetwillen und um der guten Sache willen. Es ist auch billich daß ich durch einen Hof wieder erhalte, was ich durch einen Hof verlohren habe.

Ein Gegeneinanderausspielen? Ist Goethes Anbieten seiner Dienste an beide Fürstenhöfe im Brief aus Neapel möglicherweise eine diplomatische Geste? Noch weiß er nicht, wie sein Herzog seine wortlose Abreise aufnehmen wird. Zwei Monate ist man in Weimar ohne Nachricht, wo er sich befindet. In ganz Deutschland spricht man von seinem geheimnisvollen Verschwinden.

Ob sein Wort an Carl August, die Regierungsgeschäfte seien in guten Händen, alles gehe weiter ohne ihn, ich dürfte sterben und es würde keinen Ruck tuen, toleriert wird? Ob der Herzog für die konstatierte Lebenskrise, das Geständnis, die Verzweiflung habe ihn nach Italien getrieben, die Klage: daß ich in den ersten zehn Jahren meines weimarischen Dienst- und Hoflebens so gut wie nichts gemacht habe … empfänglich ist? Vor allem aber, ob Carl August ihm, der eigenmächtig und einseitig sein Dienstverhältnis aufgekündigt hat, sein Gehalt weiter zahlen wird?

Alles offene Fragen. Zugleich ist sich Goethe der Notwendigkeit bewußt – sein Lebensstil ist anspruchsvoll –, daß er aus finanziellen Erwägungen im Dienste eines Fürsten bleiben muß. Aber er wünscht, die Bedingungen dieser Abhängigkeit radikal zu seinen Gunsten zu verändern. Ein schwieriges Unterfangen.

Ist es da nicht gut, zwei Eisen im Feuer zu haben? Zumal für Carl August die vielfältigen Gunstbeweise des Nachbarhofes für seinen Favoriten auf der Hand liegen, die eine Abwerbung denkbar erscheinen lassen. Goethe ist ein Taktiker; unter dem strategischen Gesichtspunkt, die bestmöglichen Bedingungen seiner Rückkehr auszuhandeln, ist wohl seine Liebeserklärung an alle Freunde in Weimar und Gotha aus Neapel unmittelbar vor seiner Einschiffung nach Sizilien zu sehen.

Stellen wir uns vor, Goethe wäre nach seiner Rückkehr aus Italien tatsächlich an den Gothaer Fürstenhof gewechselt. Er hätte mit Ernst II. vom Herrscherhaus Sachsen-Gotha-Altenburg einen Fürsten vorgefunden, der sein Land im Sinne der Aufklärung regiert. 1772, im Alter von siebenundzwanzig Jahren an die Macht gekommen, sorgt Ernst II. nach dem Siebenjährigen Krieg für den Wiederaufbau in Stadt und Land, fördert Handwerk und Handel. Er ist kunstinteressiert, erweitert die im Schloß Friedenstein vorhandene Gemäldesammlung und die Schätze der Kunstkammer. Er ist dem Theater zugetan; in seiner Herrschaftszeit formiert sich 1775 in Gotha das erste ortsfeste Schauspielensemble Deutschlands unter Conrad Ekhof.

Der Wissenschaft ist Ernst II. ebenso zugetan, vor allem der Sternenkunde. In den Jahren von 1787 bis 1791 läßt er auf dem Seeberg ein Observatorium errichten, 1798 wird es zum Tagungsort des ersten internationalen Astronomenkongresses. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bekommt die Stadt den Ruf eines Wissenschaftsstandortes von europäischem Rang. Das verdankt Gotha auch seinen bedeutenden Verlagen. So erscheint bereits seit 1763 der »Almanach de Gotha«, der »Gotha«, ein genealogisches Adelsverzeichnis, das den Namen der thüringischen Stadt in die ganze Welt trägt. Der Buchhändler und Verleger Carl Ettinger ist sein Herausgeber. Ein weiterer Verleger, Justus Perthes, wird die Stadt zu einem Zentrum der Kartographie machen.

Ende des 18. Jahrhunderts verändert sich Gotha auch äußerlich zu seinem Vorteil. Die militärisch nutzlos gewordene gewaltige Befestigungsanlage um das Schloß wird zugeschüttet; es entsteht neben der schon 1747 geschaffenen barocken Orangerie – zeitgleich etwa mit dem Wörlitzer Park in Dessau – ein ausgedehnter schöner Park im englischen Stil.

Das hoch über der Stadt gelegene, weithin sichtbare barocke Schloß Friedenstein bekommt mit dem Pagenhaus an der Ost- und dem Wachhaus an der Westseite klassizistische Anbauten. 1789 werden die vier Rampenauffahrten zum Schloß geschaffen. Auf den bereits von Friedrich III., dem Vater von Ernst II., niedergerissenen Wällen sind Alleen mit schattenspendenden Bäumen entstanden, die die Besucher von einer Gartenstadt sprechen lassen. Gotha mit seinen 10 ‌000 Einwohnern ist die zweitgrößte Stadt Thüringens, und vielfach wird sie von Gästen als schönste Stadt der thüringischen Lande bezeichnet.

Goethe also in Gotha. Herzog Ernst II. hätte ihm ein repräsentatives Haus am Unteren oder Oberen Markt, vielleicht neben dem Cranach-Haus oder eines am Schloßberg geschenkt. Die fast fünfzig Lebensjahre, die noch vor Goethe liegen, hätte er nicht in Weimar, sondern in Gotha verbracht. Hätte andere große Geister, Johann Gottfried Herder oder Friedrich Schiller möglicherweise in die Stadt gezogen, hätte das barocke Theater auf Schloß Friedenstein zur Blüte geführt, hätte sich in alles, was Architektur und Kultur der Stadt betrifft, eingemischt, wie es seine Art war.

Aber nicht der Phantasie wollen wir Raum geben, sondern den Tatsachen. Daß Goethe nach Weimar zurückkehrt, sein Fasanenschiff … recht stattlich geladen … dort, und nicht in Gotha, anlandet, liegt am Weitblick und an der Großzügigkeit Herzog Carl Augusts. Er befreit seinen Favoriten von allen Dienstgeschäften, gewährt ihm Urlaub in Italien bei laufenden Bezügen, zunächst bis Frühjahr 1787, verlängert ihn dann bis Sommer 1788. Er erhöht sogar Goethes Gehalt von 1600 auf 1800 Taler. Zahlt ihm überdies noch einen namhaften Reisekostenzuschuß aus der herzoglichen Schatulle. Und – erstaunlich – er erfüllt alle Bedingungen, die Goethe für seine Rückkehr gestellt hat. Mein Verhältniß zu den Geschäften, beschwört dieser seinen Fürsten, ist aus meinem persönlichen zu Ihnen entstanden, laßen Sie nun ein neu Verhältniß zu Ihnen nach so manchen Jahren, aus dem bisherigen Geschäfts-Verhältniß entstehn. Ich bin zu allem und jedem bereit, wo und wie Sie mich brauchen wollen. Als Künstler und Gast sieht er sich künftig in Weimar, das teilt er seinem Mäzen unmißverständlich mit.

Ob der Gothaer Hof jemals mit dem Gedanken gespielt hat, Goethe ganz für sich zu gewinnen, bleibt dahingestellt. Daß er aber ein gern gesehener und umworbener Gast und Gesprächspartner war, ist durch Goethes vielfache Aufenthalte in Gotha belegt. Davon will ich im folgenden erzählen.

1

Zweimal hat Goethe die Stadt auf der Vorbeifahrt tangiert: im Herbst 1765, als Sechzehnjähriger, auf seinem Weg zur Universität Leipzig. Zehn Jahre später wieder, im November 1775, als er, eingeladen vom jungen Weimarer Regenten Carl August, einer für ihn verführerischen Zukunft entgegenfährt.

Dazwischen, am 29. August 1768, auf der Rückreise von Leipzig, macht er erstmals halt in Gotha. Einen Tag zuvor hat er seinen neunzehnten Geburtstag gefeiert. Ins Stammbuch eines Kommilitonen schreibt er am Vorabend: Was untern Monde liegt ist eitel / Sprach Salomo und Phanias. Und Goethe spricht heut' Abend eben das. – Leipzig am Abende vor dem 28. August dem Tage seiner Reise. Er ist geschwächt, hatte einen Blutsturz, der der Auftakt zu einer langen schweren Krankheit ist. Der Student, der die Universität verläßt, fühlt sich als Schiffbrüchiger.

Die erste Übernachtung in Naumburg, am Morgen des 29. der Aufbruch. Er reist mit dem bequemen Wagen eines Hauderers, eines Mietkutschers, begleitet von Johann Christian Jung, einem Modelltischler aus der Leipziger Zeichenschule von Oeser. Über Buttelstedt, Neumark, Erfurt nach Gotha; in Gotha, wo wir uns das Schloß zeigen ließen.

Es kann nur ein Aufenthalt von Stunden gewesen sein; immerhin, er steht in dem großen mit Stukkaturbildern verzierten Saale. Und sich erinnernd heißt es in »Dichtung und Wahrheit«, daß er zu diesem Zeitpunkt noch keine Vorstellung davon hatte, daß mir an eben der Stelle so viel Gnädiges und Liebes widerfahren sollte … Mit dem verzierten Saale ist das ab 1683 durch Giovanni Caroveri und die Brüder Rust ausgestattete und noch heute vorhandene barock überladene Tafelgemach des Schlosses Friedenstein gemeint.

Noch am selben Abend reist Goethe in Richtung Frankfurt am Main weiter.

Im Juni 1773 kommt es zu einem Briefkontakt mit Gotha. Der Adressat ist Friedrich Wilhelm Gotter, den Goethe aus seiner Wetzlarer Zeit kennt; war es mir höchst lieb, Gottern gefunden zu haben, der sich mit aufrichtiger Neigung an mich schloss und dem ich ein herzliches Wohlwollen erwiderte, erinnert er sich. Gotter, Mitbegründer des »Göttinger Musenalmanachs«, brilliert als Opernlibrettist, Stückeschreiber, Lyriker und Übersetzer. Er schafft mit dem Gothaer Hofkomponisten Georg Benda Singspiele und Melodramen, die die Kassen füllen: »Medea« wird ihrer grausamen Züge beraubt, »Romeo und Julia« erhält einen versöhnlichen Schluß. Kaum ein originärer Kopf, bedient Gotter, ausgestattet mit Formgefühl und handwerklichem Geschick, den Zeitgeschmack, er wird zum Modeschriftsteller, zum meistvertonten Textautor des Musiktheaters seiner Zeit.

Goethe weiß ihn seit 1773 wieder in seiner Heimatstadt Gotha. Dort betreibt er mit Bürgerlichen eine kleine Liebhaberbühne, zuweilen öffnet ihm der Herzog auch die Hofbühne im Schloß. Goethe hat gerade auf eigene Kosten anonym und ohne Angabe des Druckortes sein Schauspiel »Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand« publiziert. Er sendet es, zusammen mit einem Briefgedicht, verfaßt in Knittelversen, nach Gotha: An Friedrich Wilhelm Gotter, mit einem Exemplar des Götz von Berlichingen.

Schicke Dir hier den alten Götzen,

Magst ihn zu deinen Heil'gen setzen

Oder magst ihn in die Zahl

Der Ungeblätterten stellen zumal.

Hab's geschrieben in guter Zeit,

Er spielt auf Gotters Theatererfahrungen an:

Magst, wie ich höre, dann allda

Agieren, tragieren Komödia

Vor Stadt und Land und Hof und Herrn,

Die säh'n das Schattenspiel wohl gern.

So such dir denn in deinem Haus

Einen rechten tüchtigen Bengel aus

Und gib ihm die Roll' von meinem Götz,

In Panzer, Blechhaub' und Geschwätz.

 …

Zum Schluß empfiehlt er dem Freund:

Mußt alle garst'gen Worte lindern,

Aus Scheißkerl Schurken, aus Arsch mach Hintern,

Und gleich' das Alles so fortan,

Wie du's wohl ehmals schon getan.

Mit dem Hinweis auf das vom französischen Geschmack geprägte Gothaer Publikum, bei dem das wilde Sturm-und-Drang-Stück kaum eine Chance habe, lehnt Gotter ab. Er antwortet ebenfalls in Form einer Versepistel:

Das Weibsvolk hier ganz störrisch ist,

Weil's Tag und Nacht französisch liest.

Das Mannsvolk in Paris gewest,

Nur das Theatrum hält für best,

Wo alles züchtiglich geschieht

Und alles in Sentenzen spricht.

Drum lass Dir nur die Lust vergehn,

Bei ihnen in der Gnad' zu stehn.

Dann schließt er mit den Zeilen:

Schick' mir dafür den Doctor Faust

Sobald Dein Kopf ihn ausgebraust.

In Gesprächen der beiden in der Wetzlarer Zeit muß Goethe ihm von seinen Plänen oder Entwürfen zu einem »Faust« erzählt haben. (Gotters Bemerkung ist der früheste eindeutige Hinweis auf die Arbeit des Dichters an diesem Stoff.)

Keine Uraufführung des »Götz« also in Gotha.

Jahre später, als Conrad Ekhof unter Ernst II. das Schauspielensemble leitet und die Augen der Theaterwelt sich auf Gotha richten, wird Gotter seine persönlichen Bekanntschaften zu Stürmern und Drängern nutzen. Stücke von Johann Anton Leisewitz und Johann Karl Wezel kommen in Gotha auf die Bühne, beide Autoren halten sich, beherbergt von Gotter, längere Zeit in der Stadt auf. Auch Jakob Michael Reinhold Lenz schickt sein Drama »Die Algierer«. Von meine<r> Reise nach Gotha ist die Rede; wären doch alle Oerter in der Welt so nah beyeinander als in Shakespeares Stücken! Lion, Strasburg, Gotha – ich denk', ich erwarte sie alle … Gotter lobt »Die Algierer«, sieht Ekhof schon in der Hauptrolle: Mich dünkt ich höre schon Ekhof Alonso.

Aber Lenz hat kein Glück, eine Aufführung kommt nicht zustande. Goethes »Götz« hingegen bringt die Koch'sche Truppe am 12. April 1774 in Berlin auf die Bühne. Und in Gotha wird sein »Clavigo« gespielt; die erste Vorstellung am 16. März 1776 hat 115 Zuschauer, die zweite am 19. März zählt 48 Besucher.

Zu diesem Zeitpunkt ist Goethe schon weithin bekannt. Zur Herbstmesse 1774 erscheint, ebenfalls anonym, bei Weygand in Leipzig sein Roman »Die Leiden des jungen Werthers«; das Buch wird ein beispielloser Erfolg. Am 11. und 12. Dezember besuchen die Weimarer Prinzen Carl August und Constantin auf ihrer Reise nach Paris den berühmten Autor in Frankfurt am Main. Dann die Einladung des Dichters. Im Herbst 1775, zu seinem 18. Geburtstag, übernimmt Prinz Carl August aus den Händen seiner Mutter Herzogin Anna Amalia die Herrschaft über das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach.

2

Zu Weihnachten reisen Herzog und Herzogin mit ihrem Gefolge ins nachbarliche Gotha. Goethe reitet am 23. Dezember mit den Hofleuten Einsiedel, Kalb und Bertuch zum Forsthaus Waldeck bei Bürgel. Am Heiligen Abend schreibt er von dort an seinen fürstlichen Freund: Der herrliche Morgenstern den ich mir von nun an zum Wapen nehme, steht hoch am Himmel … Die Kirche geht an, in die wir nicht gehen werden, aber den Pfarrer lass ich fragen ob er die Odyssee nicht hat … denn unmöglich ist die zu entbehren hier in der homerisch einfachen Welt.

Ein Bote muß diesen Brief nach Gotha gebracht haben, denn bereits am ersten Weihnachtstag antwortet Carl August: Ich habe deinen Brief erhalten, er freut mich unendlich. Dann wünscht er sich nach Waldeck, um die liebe Sonne … auf- und untergehen zu sehen und das zwar mit Dir. Ich sehe sie hier alle Tage, aber das Schloß ist so hoch und in einer so unangenehmen Ebene, von so vielen dienstbaren Geistern erfüllt … daß mir ganz schwindlig wird … Mache doch, daß du hier her kommst, die Leute sind gar neugierig auf Dich.

Goethe bricht umgehend auf. 27. Dezember: Über Weimar und Erfurt nach Gotha. Friedrich Wilhelm Gotter berichtet Lenz nach Straßburg: Er kam nach Mitternacht auf der Redoute an. Im Gasthof »Zum Mohren« findet diese statt, der Gothaische Hof und die Weimarer Gäste wohnen ihr bei. Der späte Ankömmling, der im »Mohren« auch sein Nachtquartier findet, wird kaum mehr Gelegenheit haben, den Herrschaften vorgestellt zu werden.

Am 28. Dezember aber geschieht es; das Gothaer Fourierbuch vermerkt, daß an diesem Tag der Dr. Goethe Serenissimo durch den Kammerjunker v. Wedel präsentirt worden sei. Nicht durch Carl August? Goethe erhält auch keine Einladung zur Fürstlichen Tafel, lediglich eine zur Marschalltafel. Um fünf Uhr am Nachmittag besucht er im Schloßtheater eine Vorstellung. Auf dem Programm stehen Georg Bendas »Ariadne auf Naxos« und Louis-Sébastian Merciers »Essigkrämer«. Goethe erlebt den großen Ekhof als Dominique in der Hauptrolle von Merciers Stück.

Laut Fourierbuch beurlaubte er sich im Laufe des Abends. Am 29. Dezember reist er mit der Weimarischen Herrschaft und deren Gefolge zurück.

Goethe, so Gotter an Lenz, habe den ihm eignen vertraulichen, nachläßigen hingeworfnen Ton überall eingeführt, er spiele den Günstling in bester Form und Ordnung, und, enttäuscht von dem einstigen Freund aus der Wetzlarer Zeit: ich habe ihn in allem kaum eine Viertelstunde gesprochen. Seinen Unmut darüber, vielleicht gepaart mit ein wenig Neid, vertraut er dem Bruder des Herzogs, dem Prinzen August, an. Dieser erwidert mit einem Vers: Die Kräfte sind in dir, wie kannst Du sie verkennen? Zuviel Bescheidenheit schreckt Deinen sanften Geist … Dann fällt er ein Urteil über den Besucher vom Nachbarhof: Und Stolz und Mißgeschick macht Goethe wild und dreist.

Daß diese Äußerung des Prinzen August für den Eindruck steht, den Goethe bei seinem ersten Hofbesuch in Gotha hinterlassen hat, ist kaum vorstellbar. Aber die Neugier – die Leute sind gar neugierig auf Dich –, mit der ihn Carl August im Dezember 1775 nach Gotha gelockt hat, scheint schnell befriedigt und das Interesse an seiner Person nicht allzugroß gewesen zu sein, denn viel Zeit, annähernd vier Jahre, vergehen, bis der Fürst ihn erneut einlädt.

Später sieht Goethe seinen ersten Auftritt am Gothaer Hof kritisch. Von Effeckten, die seine Existenz machen müsse, die er nicht richtig eingeschätzt habe, von anmasliche<m>, von beleidigten Schicklichkeiten ist die Rede. Spielt er auf seine Berühmtheit an, die ihn vorwitzig werden läßt, auf seinen – wie Gotter formuliert – nachläßigen hingeworfnen Ton? Auf die Hofetikette, die ungewohnten Anforderungen, denen ein Bürgerlicher in Adelskreisen ausgesetzt ist?

Immerhin ist er kaum zwei Monate in Weimar, seit seiner Ankunft seien niedere pöbelhafte Ausdrücke zu hören, mokiert sich die Hofdame Charlotte von Stein, die ihr Erziehungswerk an dem jungen Dichter noch nicht begonnen hat.

Selbst für den achtzehnjährigen Carl August, seit einem Vierteljahr Regent – vermutlich ist die Gotha-Reise sein Antrittsbesuch bei Ernst II. –, scheint einiges in Gotha gewöhnungsbedürftig. Während er nach Brand und Zerstörung seines Schlosses notdürftig und ohne großen Komfort im Landschaftshaus residiert, zudem kaum Wert auf höfisches Zeremoniell legt, im Gegenteil es verachtet, sieht er sich in Gotha einer großzügigen und reibungslos funktionierenden Hofhaltung gegenüber; von so vielen dienstbaren Geistern wird ihm ganz schwindlig. Sogar die Lage des Schlosses mißfällt ihm. Es liege so hoch und in einer so unangenehmen Ebene …

Erbaut hat das Schloß, noch heute Wahrzeichen der Stadt, Herzog Ernst der Fromme. Er gilt als wirkungsmächtigste Persönlichkeit Thüringens im 17. Jahrhundert. Die ungewöhnlich weiträumige dreiflüglige barocke Anlage mit dem der Stadt zugewandten Corps de logis und den beiden massiven Türmen ist der erste Schloßbau nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges in Thüringen und wird Vorbild für weitere Schlösser, unter anderem in Weimar, Zeitz und Weißenfels.

Am 26. Oktober 1643, als in Münster und Osnabrück die Friedensverhandlungen beginnen, wird auf den Resten der zerstörten Festung Grimmenstein der Grundstein gelegt. 1650 läßt Ernst der Fromme auf einer Kartusche über dem Hauptportal die Figuren von Frieden und Gerechtigkeit anbringen. Friede Ernehret, Unfriede Verzehret, dem 85. Psalm entnommen, ist als Umschrift zu lesen. Auch der Name des Schlosses: Friedenstein, ist Programm. Die Göße des Gebäudes hängt mit der Idee des Regenten zusammen, nach dem Vorbild von Johann Valentin Andreaes Utopie »Reipublicae Christianopolitanae descriptio« etwas zu schaffen, das das Staatsganze in geschlossener Form repräsentiert. Auf dem Friedenstein vereinigt Ernst alles für sein patrimoniales Regime Benötigte: herzogliche Wohn- und Repräsentationsräume, Kirche, Verwaltung der Landeskollegien. Das im Schloß befindliche Archiv weist es als juristischen Mittelpunkt aus, durch Bibliothek und Kunstkammer im Westturm wird es zum geistig-kulturellen Ort, als wirtschaftliches Zentrum ist die Münze zu sehen; Marstall sowie Schmiede und Zeughaus stehen für die Landesverteidigung.

Das alles ist über Generationen dem nunmehrigen jungen Regenten überkommen. Wem sieht Goethe sich, als er im Dezember 1775 durch den Kammerjunker v. Wedel präsentirt wird, gegenüber? Ernst II. ist zu diesem Zeitpunkt dreißig Jahre alt, hat bereits über drei Jahre Regierungserfahrung.

Von 1771 ist ein Porträtmedaillon überliefert, in Form, Farbe und Stil nach dem Vorbild antiker Münzen gearbeitet. Es zeigt den Prinzen wie auf einem antiken Herrscherporträt in Profilansicht, seine natürlichen kurzen Haare werden von einem nur großen Persönlichkeiten oder Gottheiten zustehenden Band der Unsterblichkeit eingefaßt.

Geschaffen hat dieses Medaillon der französische Bildhauer Jean-Antoine Houdon, der 1771 und 1773 jeweils mehrere Wochen in Gotha weilt. Grund seiner Aufenthalte: ein Grabmonument für die 1767 verstorbene Herzogin Luise Dorothee, die Mutter Ernsts II., soll geschaffen werden. Als 1772 auch Friedrich III., der Vater und Gatte, stirbt, erweitert sich der Auftrag, ein Monument für beide ist im Gespräch. Es wird, obgleich verschiedene Entwürfe existieren, nie realisiert werden.

Die Gotha-Aufenthalte Houdons aber führen zu freundschaftlichen Verbindungen zu dem Bildhauer, lebenslang steht man in Briefwechsel, man erwirbt Arbeiten von ihm. Gotha besitzt nach Paris die umfassendste Sammlung von Houdons Frühwerk. Im Gegensatz zu Carl August fühlt er sich wohl in der Stadt, ist entzückt vom Friedenstein: Ich werde nie das Schloss in Gotha vergessen, von wo ich einen großen Teil des Himmels und der Erde entdeckte …, schreibt er. Das Medaillon und weitere von ihm geschaffene Arbeiten stellt der Bildhauer 1773 im Pariser Salon aus.

Ein Ölgemälde, dem Gothaer Hofmaler Johann Jonas Michael zugeschrieben, zeigt Ernst II. im Jahr der Begegnung mit Goethe. Der Herzog trägt einen blauen Offiziersrock mit reicher Goldstickerei, ein rostroter, hermelingefütterter Mantel umfängt ihn. Herrschaftlicher Mantel, Perücke und Zopf machen es zu einem offiziösen, repräsentativen Bild.

Weder dieses Gemälde noch das Reliefmedaillon bringen uns Ernst II. nah. Aus späterer Zeit ist ein eher intimes Porträt von einem unbekannten Meister überliefert; ohne alle Herrschaftsinsignien, bekleidet mit der gothaischen Uniform, die auch seine Staatsdiener tragen, läßt sich Ernst II. darstellen. Diese Unauffälligkeit und Bescheidenheit wird dem Fürsten von vielen Zeitzeugen zugesprochen. Seine Gesichtszüge auf dem späten Porträt sind keineswegs markant, eher durchschnittlich, aber vertrauenerweckend und sympathisch. Wie Goethe ihn in den wenigen Minuten, in denen er ihm im Dezember 1775 vorgestellt wird, erlebt hat, wissen wir nicht.

Im Januar 1778 hat er das große Glück, nochmals Conrad Ekhof zu begegnen, mit ihm zusammen sogar auf den Brettern von Anna Amalias Liebhaberbühne in Tiefurt zu stehen. 7. Januar, Goethes Tagebuch: Zu Anna Amalia wo Conzert war. Ekhof war angekommen. 10. Januar: zu Wieland. Zu Ekhof. Am 11. lädt er den Schauspieler zu sich ein. Er notiert: Ekhof as mit mir. Erzählte die Geschichte seines Lebens. Mit Wein aus dem elterlichen Keller in Frankfurt bewirtet Goethe ihn. Wir wissen es von seinem Diener Philipp Seidel; am 11. Januar schreibt dieser an Goethes Mutter: Er hat den alten Ekhof zu Gaste gehabt und mit dem alten Wein regaliert, und da hat sich gefunden, daß er bis auf einige Schoppen zu Ende ist.

Am 13. Januar dann die Aufführung von Cumberlands »Der Westindier«. Goethe spielt den Titelhelden Belcour, Ekhof dessen Vater. Das Tagebuch vermerkt: früh in Tiefurt gewesen … Westindier gespielt. Seidel berichtet nach Frankfurt: Goethe in einem weißen Frack, blauseiden West und Beinkleider … mit falschen silbernen Tressen und hübsch rot geschminkt … Der alte Ekhof war eben der Vater des schönen Belcour.

Ein letztes Zusammensein: Abends as Ekhof mit uns bey Carl August. Goethes Bewunderung für Ekhof ist groß, er wird ihn den einzigen Tragöden Deutschlands nennen, in »Dichtung und Wahrheit« davon sprechen, daß er durch seine edle Persönlichkeit dem Schauspielerstand eine gewisse Würde mitteilte. 1791, als er die neue Weimarer Spielstätte eröffnet, bezieht er sich auf den großen Mimen: Dieser habe mit seinem Ensemblespiel für die moderne Schauspielkunst eine wichtige Grundlage geschaffen.

Man stelle sich vor, der in Theatersachen noch unerfahrene junge Goethe und der lebenskluge, reife Ekhof, der Vater der deutschen Schauspielkunst, hätten des längeren miteinander arbeiten können …

Eine reale Chance dazu gab es. Vor Gotha ist die Seylersche Truppe mit Ekhof in Weimar engagiert. Als dort am 6. Mai 1774 das Schloß brennt, das Feuer die Spielstätte vernichtet, bietet der Gothaer Herzog den Komödianten Asyl.

Ekhof, der beide Höfe schätzt, spricht in einem Brief vom 31. Juli 1774 an die Weimarer Regentin Anna Amalia von eine<r> Idee wegen des Künftigen. Wenig später, am 7. August, skizziert er sie. Mein Gedanke war, schreibt er, wenn bey dem guten Einvernehmen, worin beyde Höfe stehen, es thunlich und annehmlich wäre, daß beyde vereinbaret sich eine Gesellschaft zu errichten; sie gemeinschaftlich salarirten … Die Vorteile wären, daß jedem Hofe in der Ausgabe jährlich nur die Hälfte der Unterhaltung zufiele …

Eine Antwort von Anna Amalia ist nicht überliefert. Ihre Herrschaft neigt sich dem Ende zu, möglicherweise will sie eine so weitreichende Entscheidung dem künftigen Regenten, ihrem Sohn, überlassen. Am 18. September 1775 übernimmt Carl August die Regierung. Er greift Ekhofs Vorschlag nicht auf. Dieser erneuert ihn vielleicht auch nicht. Sein sich verschlechternder Gesundheitszustand lähmt ihn. Nach seinem Auftritt in Weimar steht er im Februar in Gotha in Shakespeares »Hamlet« ein letztes Mal auf der Bühne. Am 10. April bittet er Ernst II. um einen Genesungsurlaub von drei Monaten. Am 16. Juni 1778 stirbt er im Alter von siebenundfünfzig Jahren.

Nach seinem Tod sinkt das künstlerische Niveau der Truppe. Der Herzog ist unzufrieden, kündigt die Schließung der Bühne an. Jährlich stellt er eine Summe von 9500 Talern für das Theater zur Verfügung. Ekhof hat für jeden Schauspieler Verträge verhandelt, auch – ein Novum in Deutschland – eine Sterbekasse geschaffen.

Eine Bittschrift der Komödianten: Wir würden die gerechten Vorwürfe unserer Sämptlichen Mitbrüder auf uns laden, heißt es da, wenn wir nicht alles aufböten … um den Untergang eines Werks zu verhindern auf das jeder Patriot die Augen hat. Und weiter schmeichelnd: In den Jahrbüchern der Deutschen, Durchlauchtigster Herzog, steht Ihr Name unter der kleinen Zahl der Fürsten eingezeichnet, die sich deutscher Schauspiel-Kunst, deutsches Talents annahmen; steht Ihr Vorsaz uns zu schüzzen, aufrecht zu erhalten, und eine ruhige Zukunft zu gewähren, auch den abgelebten, den Unvermögenden unter uns nicht zu verstoßen; und Sie könnten ihn widerrufen, diesen edlen, wohlthätigen, Ihres Herzens so würdigen Vorsaz?

Ernst II. bleibt bei seiner Entscheidung. Mit dem Ende der vierten Spielzeit, im Oktober 1779, wird das Theater geschlossen. Schwerlich bekommen es Schauspieler je wieder so gut, wie sie es in Gotha gehabt, schreibt eine der Actricen.