Gott fickt gut - Michael Soze - E-Book

Gott fickt gut E-Book

Michael Soze

3,8

Beschreibung

Eines ist sicher: Gott fickt gut. Manchmal hart, doch manchmal vielleicht auch zärtlich? Ein Mann Mitte dreißig flieht aus Venedig und lässt Feuer, Tod und sein früheres Leben hinter sich. Als Fotograf reist er von Ort zu Ort, um Aufträge des mysteriösen Daddy zu erfüllen. Er verliert sich in einem Rausch aus fremden Körpern, Sex und intimen Augenblicken, die sein Leben verändern. Im Sog von Lust und Rastlosigkeit fühlt sich sein Leben absolut und echt an - doch wird er auch zu sich selbst zurückfinden? Ein rasanter Roman wie eine durchzechte Nacht. "Gott fickt gut" vereint Sinnsuche, Sex und die Stimmung eines Thrillers zu einer nachdenklichen, aber auch unterhaltsamen und explosiv-erotischen Mischung.

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Seitenzahl: 172

Veröffentlichungsjahr: 2016

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GOTT FICKT GUT

Michael Soze ist freier Fotograf und Schriftsteller. Er lebt zusammen mit einer feuerroten Kaffeemaschine und einem Ehemann abwechselnd in Deutschland und Kanada. Für seine vielfältigen Arbeiten für internationale Magazine und Medien wurde er mit mehreren Preisen ausgezeichnet.

MICHAEL SOZE

ROMAN

1. Auflage© 2016 Bruno Gmünder GmbH Kleiststraße 23 - 26, D -10787 Berlin [email protected]

© 2016 Michael SozeUmschlaggestaltung: Matthias Panitz Satz: Robert Schulze

ISBN 978-3-95985-235-7eISBN 978-3-95985-259-3

Mehr über unsere Bücher und Autoren: www.brunogmuender.com

Für Daniel

»Ich schreibe mein Herz in den Staub der Straße. Ich lege die Hand in die Spur meiner Füße.«

George Forestier

Sein Schwanz zuckt erschöpft, als hätte er eine Schlacht gewonnen, und schmiegt sich halb steif und klebrig an seinen linken Oberschenkel, während das noch warme Sperma von seinem Bein zu Boden tropft. Der Regen trommelt mit langen Fingernägeln an die matte Glasscheibe, die von innen durch Schweiß und Poppers beschlagen ist. Ein kalter, nasser Novemberwind fegt durch die engen Gassen der Stadt, die sich der schwarzen Unendlichkeit der Nacht ergeben haben. Nur vereinzelt flackern Laternen dem fernen Morgen entgegen. Wie schimmernde Särge treiben die Gondeln in den pechschwarzen Kanälen.

Eine Minute lang genießt er noch den Augenblick, er weiß, er wird nie wieder hier sein. Nie wieder auf den knarzenden Holzdielen stehen und versuchen, leise aufzutreten. Nie wieder die schwerfälligen Fenster öffnen, die schimmelbefallen auf ihr Ende warten und bis dahin mit jeder Bewegung jammern wie griechische Klageweiber. Und er wird nie wieder auf dem Bett liegen und den Geruch von frisch gemahlenem Kaffee riechen, der sich in die spärlichen Möbel eingefressen hat. Er streicht am Schaft seines Schwanzes entlang, führt die Hand zum Mund und schmeckt seinen eigenen Saft, der heute ein süßes und im Abgang ein etwas herbes Aroma hat. Dann steht er auf, blickt auf den Ledersessel, in dessen Polster sich noch der Abdruck seines Körpers, der Abdruck seines runden Arsches zeigt, als würde er dort noch sitzen. Als wäre er noch dort. Als würde er für immer dort bleiben. Und vielleicht stimmt das sogar. Ein Teil von ihm bleibt sicherlich hier. Er greift zu seiner Jeans, schlüpft anschließend in seine schwarz-gelben Sneakers und streift sich im Gehen sein verwaschenes, feuerrotes T-Shirt und seine abgewetzte, pechschwarze Lederjacke über. Er riecht an seinen Fingerspitzen, die noch immer nach seinem Sperma duften, reibt sie an dem alten Leder ab, das bereits spröde geworden ist. Lange vor seiner Geburt hat irgendein Schneidermeister diese Jacke angefertigt, zu Zeiten, als James Dean noch am Leben und doch bereits eine coole und heimlich schwule Sau war. In der kleinen Küche trinkt er die Tasse Kaffee leer, den sie sich vorher mit der blubbernden alten Maschine gekocht hatten. Er ist inzwischen kalt geworden. Die kahle, von der Decke baumelnde Glühbirne spiegelt sich im Schwarz der Flüssigkeit wieder, bevor er schluckt. Auf dem Tisch liegt ein kleines Buch mit vergilbtem, fast modrigem Einband. Er greift danach. Lange hat ihn der Lyrikband von George Forestier begleitet. Er steckt ihn in seine Tragetasche mit der Nikon. Mehr wird er nicht mitnehmen. Der Rest eines Lebens bleibt hier.

Ein letztes Mal blickt er in das Zimmer zurück, da, wo er eben noch gesessen hat. Da, wo er seinen Saft auf den Boden, an die Wand und in ein Gesicht gespritzt hat, welches nicht das seine war. Die Blutlache hat endlich aufgehört, sich weiter auszubreiten. Der Männerkörper vor ihm wird langsam auf eine nicht erotische Art steif. Das Blut sickert noch in die knarzenden Holzdielen, die aufweichen wie hart gewordenes Brot in einer Schüssel mit kaltem Wasser. Er lächelt, spürt das scharfe Klappmesser in seiner Hosentasche. Sein Begleiter, ein Wanderer im dunklen Tal. Das Gas strömt jetzt vom Ofen in der Küche unaufhaltsam in das Nebenzimmer, verdrängt die Gerüche einer Nacht. Er stellt die Mikrowelle an, und der Metalltopf darin beginnt sich zu drehen. Novemberregen peitscht in sein Gesicht, als er auf die uralten Backsteine tritt. Sekunden später schießt tosend eine Feuerwalze aus den alten Fensterbögen im ersten Stock, Glas splittert und regnet klirrend wie verzauberte Glasperlen zu Boden. Der Knall der Explosion wallt wie eine drohende Vorahnung durch die Gasse, weckt dickbäuchige Ehepaare aus ihrem Talkshow-Fernsehschlaf und bringt vielleicht sogar die fünf Bronzeglocken des weit entfernten Campanile leicht zum Schwingen. Die Flammen fressen maßlos schmatzend und schnell das abrissreife Haus, brennende Holzbalken fallen zischend in das dreckige Kanalwasser und versinken dann für immer im Meer der verrottenden Eichenpfähle. Im Dunkel einer Gruppe alter Kiefern verschwindet er in die kühle Finsternis der Nacht. Ein letztes Mal funkelt der Feuerschein in seinen Pupillen auf, mit dem Benetzen der Hornhaut verschließt er zuletzt ein Feuer auch in sich. Dann wird es endlich ruhig um ihn und in ihm.

Er liebt Europa. Das alte Europa, wie die Amerikaner es einmal nannten. Im Land der Mutigen und Freien, die weder mutig und schon gar nicht mehr frei oder unbeobachtet sind, kannst du ein Leben lang reisen, ohne wirklich vom Fleck zu kommen. Wie gemacht für die meisten Menschen. Er erinnert sich an Autofahrten durch karge Wüstenlandschaften und euphorische Freudenschreie, wenn nach Stunden die Fahrbahn endlich eine Kurve machte. In Europa gehst du ein paar Schritte und bist schon in einem neuen Land, in einer anderen Kultur, und manchmal scheint es ihm so, als sei er auch unter einem anderen Mond. Das Licht ist anders, ein dunkleres Gelb bescheint die Gesichter, macht sie kantiger und interessanter. Er atmet tief ein, die schwedische Luft ist kalt, der blaue Himmel klirrend klar. Stockholm wartet auf den Schnee, der die engen Gassen der Altstadt endgültig in eine Zauberwelt verwandeln wird, in eine Mischung aus Harry Potters Winkelgasse und einer Szene aus Charles Dickens’ Weihnachtsgeschichte um Ebenezer Scrooge. Die hohen Giebel der farbenfrohen Häuserfassaden aus dem achtzehnten Jahrhundert hier im Viertel Gamla Stan strecken sich spitz dem in der Abenddämmerung rot-orange glühenden Firmament entgegen. Die geschmückten Portale funkeln im letzten Licht des Tages, Prunk und Vergänglichkeit werden eins.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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