Götterdämmern - ULLLA RAMERA - E-Book

Götterdämmern E-Book

ULLLA RAMERA

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Beschreibung

Für alle Leser von Romanen, die eine ironische Sprache verbunden mit Kritik an der Religion lieben. Sie werden das Buch sicher nicht mehr aus der Hand legen und garantiert weiter empfehlen. Viele Literaturkritiker sprechen von diesem Buch wie auch von dem anderen Literotik-Roman "MARIAMARIA", der bei Neobooks erschienen ist, vom ganz großen Wurf.

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Seitenzahl: 79

Veröffentlichungsjahr: 2016

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ULLLA RAMERA

Götterdämmern

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

GÖTTERDÄMMERN

Impressum

Widmung

1 Der Verdacht

2 Die Ankunft

3 Die Konferenz

4 Der Prozessbeginn

5 Die Aussagen

6 Der Ausschluss

7 Die alte Geschichte

8 Die Denkpause

9 Es wird geboten

10 Der letzte Schritt

11 Die Entscheidung

12 Das Urteil

Glossar

Liste der Eigennamen:

Impressum neobooks

GÖTTERDÄMMERN

ULLLA RAMERA

Roman

Impressum

Texte: © Copyright by Ullla RameraUmschlag: © Copyright by Ullla RameraVerlag: ramera e-ditions, Birkenallee 6,

96191 Trunstadt by neobooks

[email protected]

Druck: epubli ein Service der neopubli GmbH, Berlin 2016

ISBN 978-3-7380-7739-1

Printed in Germany

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Widmung

Für Fanny

1 Der Verdacht

Bedecke deinen Himmel, Zeus, mit Wolkendunst

Hermes, der Götterbote kommt mit seinen Flügelschuhen und seinen geflügelten Schul­tern zum Olymp geeilt. Er stellt seinen Stab in die Ecke und stürmt schnurstracks, und ohne anzuklopfen, ins Arbeitszimmer des Götter­vaters. Der sieht erstaunt von seinen Akten auf:

Na, Hermes, wo kommst du her? Was gibt es Neues? Du siehst so aufgeregt aus!

Ja, werter Zeus, das stimmt. Ich habe mich so beeilt, weil ich dir ganz schlimme Nachrichten mitteilen muss.

Was bringst du mir? fragte Zeus.

Hermes’ Stimme überschlug sich fast: Ganz offensichtlich wollen die nordischen Götter wie Wotan, Thor usw. aus purer Boshaftigkeit, wie mir scheint, eine Generalversammlung aller Götter einberufen. Sie wollen ein Urteil fällen über einen gewissen Jehova, einen unbe­deutenden Mini-Gott aus der Wüste im mittle­ren Orient.

Ich denke, ich verstehe nicht so richtig, sagte Zeus.

Dieser Jehova, sagte Hermes und zog seine Augenbrauen zusammen, wurde von den Sterblichen wegen Betrugs angeklagt! Und wenn das Mode machen würde... es gäbe keinen Gott, der uns helfen könnte!

Da hast du recht, mein lieber Hermes, mur­melte Zeus nachdenklich, es wäre das erste Mal, dass eine so schwerwiegende Tatsache geschehen würde: Der Prozess gegen einen Gott!

Hermes breitete die Arme aus und fügte noch hinzu: Die indischen Götter, die politisch kor­rekt sind, würden garantiert auch mit ein­schwenken und diese Aktion unterstützen, und da sie beinahe fünftausend sind, kann man bestimmt eine turbulente Versammlung erwarten.

Zeus legte seine Stirn in Falten, zog die Au­genbrauen hoch und grübelte. Seine Gedan­ken ließen ihn nicht los: Er war tatsächlich ganz schön besorgt, denn es war noch nie passiert, dass einem Gott der Prozess ge­macht wurde.

Das wäre ein ganz schlechter und fataler Prä­zedenzfall, sinnierte er vor sich hin, wenn ausgerechnet die Sterblichen beginnen wür­den, gegen ihre Götter zu prozessieren. Die Sache könnte verdammt schlecht ausgehen. Sie wären im Stande, mich wegen Perversität und Vergewaltigung zur Rechenschaft zu zie­hen, dachte er.

Schließlich musste man wissen, Zeus konnte keinen sterblichen Rockzipfel sehen, der sich nicht sofort in eine Kreatur verwandeln würde, mit der man umgehend ins Bett steigen musste, aber abgesehen davon, der olympi­sche Himmel war ja das reinste Freudenhaus in einem riesigen Bordell! Götter und Göttin­nen in einem verdammten Bäumchen-wech­sel-dich-Spiel!

Hermes stand immer noch da. Er schien rat­los, schwieg sich aber aus, schließlich wollte er seinem Chef nicht vorgreifen. Als er jedoch sah, dass Zeus sinnierend aus dem Fenster schaute, zog er sich lautlos rückwärts zurück und schloss leise die Türe von Zeus’ Büro.

Diese nordischen Götter sind ganz schön dickköpfig, murmelte der Göttervater vor sich hin, aber sie sind gefährliche Leute. Es ist wohl besser, ich tue, was die Germanen wol­len. Die indischen Götter sind nur groß an der Zahl, aber da sie diese Manie der Gewaltlo­sigkeit haben, werden sie nicht stören.

Verflixt! Da kämen ja auch die Afrikanischen! Die sind ja ein echtes Ärgernis! dachte Zeus, das wird ein heilloses Durcheinander geben!

Gott sei Dank sind die Außerirdischen der Scientology noch nicht zugelassen in der all­gemeinen Göttervereinigung, sie sind noch ganz neu, und außerdem sind sie unerträglich und snobistisch!

Zeus schickte noch einmal nach seinem Chefdiplomaten Hermes, und der kam auch gleich atemlos herbei gerannt, denn es ging ja um ein heikles Thema, da war Eile geboten:

Kannst du mir Auskunft über jenen Jehova geben? Ich brauche dringend noch mehr In­formationen. Hermes drehte sich auf der Hacke um, kam aber schon binnen kürzester Zeit wieder zurück gelaufen. Der Götterbote hatte nur eine ganz kleine Akte unter den Arm geklemmt.

Es gibt aber nur furchtbar wenige Informatio­nen über diesen Jehova, sagte er ein biss­chen erstaunt, wenn auch recht seltsame...

Na gib mal her, sagte Zeus unwirsch, ich möchte, das Dossier auch selbst noch einmal durchschauen.

Der Göttervater blätterte umständlich in der Akte, vor und zurück, und er überflog die Sei­ten mehrfach.

Der Kerl musste ganz schön ausgeflippt sein, brummte er vor sich hin, während er die Sei­ten immer wieder umdrehte und ab und zu mit dem Bleistift ein Ausrufezeichen an den Rand malte. Er gab an, dass er der einzige Gott sei! Das muss man sich mal vorstellen! Dieser Größenwahnsinnige. Er machte allerhand Sa­chen, um die Sterblichen zu beeindrucken, ei­gentlich nichts Neues, das habe ich ja auch immer gemacht. Er zog einige Typen aus Ägypten ab, und hin und da verwöhnte er die Leute gern mit einem Wunderchen. Bis dahin ist das ja alles ok, aber das, der einzige Gott zu sein, das ist doch echt lächerlich! Das ge­fällt mir gar nicht!

Hermes, hörst du mich noch? Da geht es um unser aller Existenz!

Ja, lieber Zeus, seufzte er, das kann man nicht anders sehen!

2 Die Ankunft

Sie halten die Herrschaft in ewigen Händen und können sie brauchen, wie's ihnen gefällt

Zeus sandte Hermes nach Walhalla und jede Menge weiterer Boten zu den anderen göttli­chen Residenzen, um den Prozess gegen je­nen Jehova zu terminieren.

Außerdem wollte er das Tribunal hier im Olymp selbst abhalten und nirgends anders, schließlich war er doch der Präsident der Göttlichen Konföderation, und natürlich konnte ein Heimspiel nur von Vorteil sein.

Die Einladung seiner Boten hatte klare Wir­kung gezeigt. Am festgesetzten Tag erschei­nen alle göttlichen Delegationen, und es war wirklich hübsch anzusehen.

Die Ägypter mit ihren Tierköpfen waren alle da: Horus mit dem Falkenhaupt, Bastet mit dem Katzenkopf, und jedes Mal sah sie noch reizender und anschmiegsamer aus. Auch Hathor mit ihrem sinnlichen Körper war ge­kommen, schade nur, dass sie einen Kuhkopf hat... Sobek, das Krokodil, Anubis, der Scha­kal und die wunderschöne Isis, sie mit dem Frauenkopf war natürlich die Erotischste von allen.

Die Inder hörte man, bevor man sie sah. Sie schritten wie in einer Prozession, spielten Mu­sik und tanzten dazu. Brahma und Vishnu wurden mit ihren reich geschmückten Häup­tern auf Baldachinen getragen. Dahinter ka­men Shiva und Parvati. Sie tanzten unnach­ahmlich mit ihren vier Armen, und dann jede Menge von Göttern mit seltsamen Namen, die niemand kannte, nicht einmal ihre sterblichen Verehrer, denn sie waren peinlich genau spe­zialisiert: Es gab den Beschützer der Leber, den des Bieres, den der Fischerzunft, den des Daches, den der Schwiegermütter und viele viele mehr, jede Menge.

Die nordischen Gottheiten kamen herbei und machten spektakuläre Sachen, Wotan lieferte ein Blitzfestival ab, und Thor bot eine Klang­plastik mit Donnersalven. Es war herrlich an­zuschauen, eine Augenweide! Die schöne Freya erstrahlte wie immer mit allen ihren Waffen, eskortiert von den Walküren, ein gan­zes Heer gutaussehender, reizender Blondi­nen.

Zeus wurde glatt verrückt, ihm fielen fast die Augen aus dem Kopf, und beinahe hätte er bei deren Anblick die Fassung verloren, und er war gerade dabei, sich gleich in einen Stier zu verwandeln, als ihm Athene gerade noch mit einem kräftigen Rippenstoß davon abhal­ten konnte.

Da trommelten sich auch schon die Afrikaner herbei, man sah Oxalá, Ogum, Yemanjá, Shangô, begleitet von den farbenfrohen Exús und jede Menge alter Neger.

Aller Augen richteten sich auf die nächste Gruppe: Die lasziven Frauengeister, in flie­genden durchsichtigen schwarz-roten Ge­wändern waren bereits stark angetrunken, sie tanzten ausgelassen, hoben ständig ihre flat­ternden Röcke in die Höhe und gewährten tiefe Einblicke. Denn sie wollten die Nordi­schen Modellathleten, die mit ihren großen Schwertern, anmachen, aber Wotan war heu­te nicht zum Scherzen aufgelegt. Er legte ab­sichtlich seine ernsteste Miene auf und mach­te Drohgebärden, mit denen er unterstreichen wollte, er würde ihnen mit seinem Blitz zu Lei­be rücken, wenn sie nicht sofort aufhörten mit ihren geilen Spielchen.

Diese asketische und beinahe züchtige Atti­tüde waren Zeus, Hermes, Apollon, Athene und die anderen olympischen Götter gar nicht so von dem Schwerenöter gewohnt, aber wahrscheinlich wollte er sich an diesem Tag, beim offiziellen Einmarsch der Götter zusam­menreißen. Schließlich war er die Respekts­person des Nordens und der göttliche Vater einer spitzenmäßigen Kulturnation! Aber seine Abstinenz sollte sich später noch grundlegend ändern...

Da schlurften auch die bereits pensionierten Götter hinzu, die Inkas, die Mayas und die Azteken. Sie sahen alle fürchterlich alt aus, gingen gebeugt an handgeschnitzten Stöcken, manche stützten sich gegenseitig, ihr rampo­nierter Federschmuck nickte schläfrig bei je­dem ihrer schweren Schritte, und diese ärmli­chen Amerikaner sahen am traurigsten aus von allen.

Im Anschluss daran kamen auch die römi­schen Götter hereingetänzelt, sie wirkten weit weniger alt als die Pensionisten, obwohl sie fast im gleichen Alter waren. Sie waren be­kannt dafür, dass sie bei den großen Konfe­renzen ab und zu mal einschliefen und dann kurz vor den Abstimmungen geweckt werden mussten. Aber nicht nur darüber wurde hinter vorgehaltenen Händen vereinzelt getuschelt und gekichert, denn nicht nur die Olympioni­ken, sondern auch nicht wenige andere Gott­heiten machten sich über sie lustig, wegen ih­res Mangels an Originalität, wie man hörte. Allgemein wurden sie in Götterkreisen immer gerne als billige Kopie der Griechen einge­stuft. Aber die Kopierfreude wurde ja mittler­weile ins gottlose Reich der Mitte exportiert!