2,99 €
Im Erdorbit befindet sich ein Objekt unbekannter Herkunft. Eine Shuttle-Mission soll den mysteriösen Satelliten erkunden. Doch bald schon verblasst diese Entdeckung im Vergleich zu den dramatischen Ereignissen, die sich bald abspielen werden.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 49
Veröffentlichungsjahr: 2014
„Kommt schon, versucht es doch mal!“, Sophie war in ihrem Element. In ihrem roten Mantel sah sie entzückend aus, wie Jan fand. Sie drehte sich auf dem Eis, als ob sie dafür geboren wäre. Ab und zu fiel sie hin. Doch sie rappelte sich jedes Mal lachend auf und versuchte, das gerade passierte Missgeschick mit noch mehr Anstrengung in einen Erfolg umzuwandeln.
Jan umarmte Elise und flüsterte ihr zu „Ich glaube so könnte ich alt werden.“. Sie blickte ihn aus unergründlich schwarzen Augen an, verzog die Mundwinkel zu einem Lächeln und erwiderte: „Warte nur bis sie alt genug ist um dich um Geld anzubetteln. Dann werden dir schon von selbst die Haare ergrauen.“ Mit leicht verträumten Blick sah Jan immer noch den Pirouetten nach, die Sophie drehte. Beide wussten in diesem Moment, dass es nie dazu kommen würde.
„Glaubst du sie schafft es?“
Jan erwiderte nichts und beobachtete, wie sich feine Schneeflocken, die der Wind herbeitrug, an ihrem schwarzen Haar sammelten. Kaum gelandet begannen sie auch schon zu schmelzen.
„Earl Grey, zwei Einheiten Zucker. Und diesmal nicht kalt oder lauwarm, sondern verdammt nochmal heiß!“ Der automatische Getränkeaufbereiter, auf dessen schwarz-glänzender Oberfläche sich Jans Gesicht spiegelte gab einen Summton von sich und füllte das Glas mit einer olivgrünen Flüssigkeit. Ein Live Feed übertrug die neuesten Nachrichten. Während Jan zum Badezimmer ging erschien die Nachrichtensprecherin in Lebensgröße vor ihm. Die holografische Projektion folgte ihm auf Schritt und Tritt und berichtete von den letzten Vorkommnissen in den Außenbezirken.
„In der vergangenen Nacht kam es wiederholt zu Auseinandersetzungen zwischen den Ordnungskräften und den Outlaws. Obwohl sich der Schaden in Grenzen hielt gab es Verletzte auf beiden Seiten. Der Generalbevollmächtigte Sunko erklärte noch in der Nacht, dass Zuwiderhandlungen gegen die erst kürzlich verschärften Grenzgesetze entsprechend geahndet werden würden. Ein Sprecher der Outlaws gab zu verstehen, dass man nicht tatenlos zusehen werde, wie sich die Menschheit dem Willen der…“ Jan schaltete die Übertragung ab und dachte ans Meer und an den feinen, salzigen Sand den die Wellen herbei trugen, um die Füße sanft zu umspülen.
Nachdem er sich kurz der allmorgendlichen Reinigung ergeben hatte begab er sich wieder in die Küche, nahm seinen Tee und nippte ein, zwei Mal daran, bevor er sich seinem Frühstück widmete.
Verdammte Outlaws, dachte er. Als ob die irgendetwas daran ändern könnten! Ein leises, zischendes Geräusch vertrieb seine Gedanken und holte ihn in die Gegenwart zurück. Die Tür von Sophies Zimmer. Etwa fünf Sekunden später stand sie auch schon in der Küche, rieb sich die Augen und machte sich wortlos daran, ein Käse-Sandwich zu schmieren.
Auf dem Weg zur Arbeit ließ Jan sich die aktuellsten Prognosen auf dem Virt anzeigen. Hinter transparenten, in markanten Farben gehaltenen Verlaufsdiagrammen blitzte der Verkehr auf. Hin und wieder veränderte sich ihr Erscheinungsbild, wenn ein anderer Wagen vorbeirauschte und mehr Licht in den Innenraum fiel. Jan blickte auf den Prioritätsmesser und stellte mit Zufriedenheit fest, dass er trotz der Wichtigtuer noch im Zeitplan lag. Er war erst vor zwei Jahren zu der Firma gewechselt, bei der er jetzt angestellt war.
Es war ein relativ großer Konzern, der sich auf die Entwicklung und Vermarktung zugeschnittener Software spezialisiert hatte. Jan hatte einen Dienstwagen bekommen und die Firma zahlte sogar die Lizenzen für hohe Prioritätslevels. Er vermutete, dass dahinter auch ein Grund steckte. Als Software-Ingenieur hatte er eine gutbezahlte Stelle aber die Kehrseite war, dass er jederzeit auf Abruf stand. Zumindest der automatisch gesteuerte Verkehr konnte dann hier nicht mehr als Ausrede für zu spätes Erscheinen herhalten. Das Virt verschwand und machte Platz für Elises verschlafenes Gesicht.
„Hey Schatz! Vergiss bitte nicht, dass wir heute Abend ins Institut müssen. Wir treffen uns dann dort. Ok?“
„Hab’s nicht vergessen Liebling.“, erwiderte er. Elise sah ihn ernst an, öffnete den Mund als wollte sie noch etwas erwidern, schloss ihn dann jedoch wieder als Sophie im Hintergrund erschien.
„Hi, Papa! Mum sagt, wir gehen heute noch weg. Sind da wieder diese komischen Männer? Ich mag die nicht. Könn’ wir nicht einfach ins Kino gehen?“
Jan riss sich zusammen. „Tut mir leid Kleines aber das ist wirklich wichtig, verstehst du? Wenn wir dort fertig sind gehen wir alle gemeinsam in die Pizzeria und du kannst dir dein Lieblings-Eis bestellen, ok?“
Sophie druckste herum und sah zu ihrer Mutter auf, die den Tränen nahe war und ihr Gesicht leicht abwand. „Ohh-kay.“, seufzte sie und senkte den Kopf etwas.
„Alles klar. Gib deiner Mutter einen Kuss von mir und schieb die Unterlippe wieder zurück! Du alte Schmollmaus.“, er versuchte sich immer noch nichts anmerken zu lassen. Es funktionierte. Sophie musste lachen und die beiden verabschiedeten sich von ihm. Zurück blieb eine virtuelle blaue Fläche, die sich gleich wieder mit Kurven und Zahlen füllte.
Im Büro herrschte Hektik. Die Leute aus der Finanzabteilung waren in heller Aufregung und ein Kollege teilte Jan mit, dass irgendetwas mit den asiatischen Märkten passiert war, konnte ihm aber nichts genaues sagen und verschwand gleich darauf als ihm irgendjemand einen Stapel Tabletts in die Hände drückte.
„Was’n los?“ Jan versuchte, sich ein Bild von der Lage zu machen und probierte es bei einem der Buchhalter, der zufällig an ihm vorbei gehetzt kam.
„Scheiße, hast du’s noch nicht gehört? Die Chinesen machen dicht! Haben alle Grenzen geschlossen. Da kommt keiner mehr raus oder rein. Der ganze verdammte Markt bricht zusammen und anscheinend wollen die alles an ausländischem Vermögen einfrieren. Verdammte…“ Die letzten Worte verstand er nicht mehr, da der Buchhalter weiter den Gang entlang stürzte, wahrscheinlich um irgendeinem der Abteilungsleiter Bericht zu erstatten. Es geht also langsam los, dachte er. Die ganze verdammte Welt dreht durch.
