Gottes treuer Diener - Arend Remmers - E-Book

Gottes treuer Diener E-Book

Arend Remmers

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Beschreibung

In dieser Auslegung wird jeder Vers des Markusevangeliums erklärt, im Zusammenhang mit dem Leben und Dienst unseres Herrn gedeutet und darüber hinaus im Rahmen des gesamten Wortes Gottes gesehen. Den Abschluss des Buches bildet ein Anhang mit verschiedenen nützlichen Tabelle. Sie sollen unter anderem den Vergleich mit den verschiedenen Berichten in den Evangelien erleichtern.

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Die Bibelstellen sind nach der im gleichen Verlag erschienenen„Elberfelder Übersetzung“ (Edition CSV Hückeswagen) angeführt.1. Auflage 2016© by Christliche Schriftenverbreitung, Hückeswagen, 2016Umschlaggestaltung: markom werbeagentur e.K.Satz und Layout: Christliche SchriftenverbreitungE-Book: Verbreitung christlichen Glaubens e.V., www.vvcg.deISBN E-Book: 978-3-89287-560-4ISBN Printversion: 978-3-89287-215-3www.csv-verlag.de

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

Markus und die historisch-kritische Theologie

Charakter dieses Evangeliums

Einteilung:

Kapitel 1

Der Herold: Johannes der Täufer (Mk 1,1–8)

Jesu Taufe und Versuchung (Mk 1,9–13)

Jesu Dienst in Galiläa und erste Jünger (Mk 1,14–20)

Der unreine Geist (Mk 1,21–28)

Die Schwiegermutter des Petrus und andere Heilungen (Mk 1,29–34)

Heilung eines Aussätzigen (Mk 1,40–45)

Kapitel 2

Heilung eines Gelähmten in Kapernaum (Mk 2,1–12)

Berufung des Matthäus-Levi (Mk 2,13–17)

Die Frage des Fastens (Mk 2,18–22)

Ährenessen am Sabbat (Mk 2,23–28)

Kapitel 3

In der Synagoge: Die verdorrte Hand (Mk 3,1–6)

Am See Genezareth: Wohltaten an der Volksmenge (Mk 3,7–12)

Auf dem Berg: Die Wahl der zwölf Apostel (Mk 3,13–19)

Draußen: Die Angehörigen des Herrn Jesus (Mk 3,31–35)

Kapitel 4

Das Gleichnis vom vierfachen Ackerboden (Mk 4,1–20)

Das Licht (Mk 4,21–25)

Das Gleichnis von Saat und Ernte (Mk 4,26–29)

Das Gleichnis vom Senfkorn (Mk 4,30–34)

Der Sturm auf dem See (Mk 4,35–41)

Kapitel 5

Der Besessene im Land der Gadarener (Mk 5,1–20)

Die Tochter des Jairus (Mk 5,21–24.35–43)

Einige weitere Gedanken zu den Berichten über die drei Auferweckungen des Herrn:

Die blutflüssige Frau (Mk 5,25–34)

Kapitel 6

Die zweite Verwerfung Jesu in Nazareth (Mk 6,1–6)

Die Aussendung der zwölf Apostel (Mk 6,7–13)

Herodes und Johannes der Täufer (Mk 6,14–29)

Die Rückkehr der Apostel (Mk 6,30–33)

Speisung der 5000 (Mk 6,34–44)

Die Jünger auf dem See (Mk 6,45–52)

Anerkennung Christi (Mk 6,53–56)

Kapitel 7

Jesus tadelt die Pharisäer (Mk 7,1–23)

Die Tochter der syrophönizischen Frau (Mk 7,24–30)

Heilung des Tauben, der schwer redete (Mk 7,31–37)

Kapitel 8

Speisung der 4000 (Mk 8,1–9)

Zeichenforderung der Pharisäer (Mk 8,10–13)

Warnung vor Sauerteig (Mk 8,14–21)

Heilung des Blinden in Bethsaida (Mk 8,22–26)

Das Bekenntnis des Petrus (Mk 8,27–30)

Erste Leidensankündigung (Mk 8,31–33)

Nachfolge Christi (Mk 8,34–38)

Kapitel 9

Die Verherrlichung Jesu (Mk 9,1–8)

Das Kommen Elias und die zweite Leidensankündigung des Herrn (Mk 9,9–13)

Heilung des besessenen Knaben (Mk 9,14–29)

Dritte Leidensankündigung (Mk 9,30–32)

Wahre Größe (Mk 9,33–37)

Wahre Jüngerschaft (Mk 9,38–41)

Anstoß geben (Mk 9,42–48)

Salz (Mk 9,49.50)

Kapitel 10

Ehe und Scheidung (Mk 10,1–12)

Der Herr Jesus und die Kinder (Mk 10,13–16)

Reichtum und das Reich Gottes (Mk 10,17–31)

Vierte Leidensankündigung (Mk 10,32–34)

Der Wunsch von Jakobus und Johannes (Mk 10,35–45)

Der blinde Bartimäus (Mk 10,46–52)

Kapitel 11

Einzug in Jerusalem (Mk 11,1–11)

Der unfruchtbare Feigenbaum (Mk 11,12–14)

Die zweite Reinigung des Tempels (Mk 11,15–19)

Der verdorrte Feigenbaum (Mk 11,20–26)

Die Vollmacht Christi (Mk 11,27–33)

Kapitel 12

Die bösen Weingärtner (Mk 12,1–12)

Die Pharisäer und die Steuer (Mk 12,13–17)

Die Sadduzäer und die Auferstehung (Mk 12,18–27)

Der Schriftgelehrte und die Gebote (Mk 12,28–34)

Die Frage über den Sohn Davids (Mk 12,35–37)

Warnung Jesu vor den Schriftgelehrten (Mk 12,38–40)

Die Scherflein[2] der Witwe (Mk 12,41–44)

Kapitel 13

Die Endzeitrede des Herrn

Von der Zerstörung des Tempels bis zur Endzeit (Mk 13,1–8)

Warnung vor Verfolgung (Mk 13,9–13)

Drangsal (Mk 13,14–20)

Falsche Christi (Mk 13,21–23)

Die Erscheinung Christi (Mk 13,24–27)

Der Feigenbaum (Mk 13,28–32)

Wacht und betet! (Mk 13,33–37)

Kapitel 14

Beratung über die Tötung des Herrn Jesus (Mk 14,1.2)

Die Salbung des Herrn Jesus in Bethanien (Mk 14,3–9)

Der Verräter Judas (Mk 14,10.11)

Die Zubereitung des Passahmahls (Mk 14,12–16)

Hinweis auf den Verräter (Mk 14,17–21)

Einsetzung des Gedächtnismahls (Mk 14,22–26)

Ankündigung der Verleugnung durch Petrus (Mk 14,27–31)

Gethsemane (Mk 14,32–42)

Die Gefangennahme des Herrn (Mk 14,43–52)

Vor dem Hohenpriester (Mk 14,53)

Petrus im Hof des Hohenpriesters (Mk 14,54)

Jesus vor dem Synedrium (Mk 14,55–65)

Petrus verleugnet den Herrn (Mk 14,66–72)

Kapitel 15

Jesus vor Pilatus (Mk 15,1–5)

Barabbas oder Jesus? (Mk 15,6–15)

Der Spott der Soldaten (Mk 15,16–20a)

Die Kreuzigung (Mk 15,20b-27)

Der Spott der Zuschauer (Mk 15,29–32)

Die drei Stunden der Finsternis (Mk 15,33–38)

Das Zeugnis des Hauptmanns (Mk 15,39)

Die Frauen beim Kreuz (Mk 15,40.41)

Joseph von Arimathia (Mk 15,42–47)

Kapitel 16

Das leere Grab (Mk 16,1–8)

Der Schluss: Markus 16,9–20

Die ersten Zeugen (Mk 16,9–13)

Der Auferstandene und die Jünger (Mk 16,14–18)

Himmelfahrt Christi und Gehorsam der Jünger (Mk 16,19.20)

Anhang

1. Die Gleichnisse des Herrn Jesus in den Evangelien

2. Die Wundertaten des Herrn Jesus in den Evangelien

3. Chronologie des letzten Passahs und des Gedächtnismahls

4. Die Aufschrift am Kreuz

5. Die Reihenfolge der Worte Christi am Kreuz

6. Zwischen Begräbnis und Auferstehung Christi

Vorwort

Diese Erklärung des Evangeliums nach Markus verdankt ihren Ursprung den Pfingst-Konferenzen seit dem Jahr 1997, zunächst in Leer-Bingum und später in Moormerland-Warsingsfehn. Ziel dieser Betrachtungen ist es, den Konferenzteilnehmern die Person, den Dienst und das Erlösungswerk unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus wertvoller zu machen. Markus stellt Ihn uns ja als den vollkommenen Diener Gottes vor.

Obwohl diese Wortbetrachtungen im Allgemeinen auf die Praxis des Glaubenslebens ausgerichtet sind, kommen doch wesentliche Aspekte der Lehre des Christus nicht zu kurz. Dass während der Betrachtungen auch immer wieder die Parallelstellen in den anderen Evangelien zum Vergleich herangezogen werden, soll den Blick für die verschiedenen Charaktere der einzelnen Evangelien öffnen.

In der vorliegenden Erklärung des Markusevangeliums sind die Ergebnisse der persönlichen Beschäftigung mit diesem kürzesten aller Evangelien enthalten, angeregt und ergänzt durch die erwähnten Konferenzen. Sie stellt also keine „Konferenzniederschrift“ dar, enthält jedoch die wesentlichen Gedanken und darüber hinaus manches andere, was dem Leser hilfreich sein kann zum Verständnis dieses Evangeliums und zum Wachstum „in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus“ (2. Pet 3,18).

Zu diesem Zweck wird jedem Abschnitt der jeweilige Bibeltext nach der „Elberfelder Übersetzung Edition CSV Hückeswagen“ vorangestellt, und zwar mit allen Anmerkungen und den Erklärungen aus den „Worterklärungen“.

Außerdem sind jedem Abschnitt, so weit möglich, die Parallelstellenangaben für die anderen drei Evangelien beigefügt, um ein schnelles Auffinden der entsprechenden Passagen zum Vergleichen zu ermöglichen.

Jeder Vers wird in der anschließenden Betrachtung erklärt, im Zusammenhang mit dem Leben und Dienst unseres Herrn gedeutet und darüber hinaus im Rahmen des gesamten Wortes Gottes gesehen. Denn die Heilige Schrift, sowohl Altes wie Neues Testament, ist ein göttliches Ganzes, inspiriert vom Heiligen Geist.

Den Abschluss des Buches bildet ein Anhang mit verschiedenen Tabellen. Sie sollen einerseits die Zusammenschau („Synopsis“) der verschiedenen Evangelien erleichtern, andererseits Antworten auf Fragen bezüglich der Übereinstimmung der Evangelien geben (besonders im Blick auf die „Leidensgeschichte“ unseres Herrn).

Als Hilfe beim Vergleich der vier Evangelien sind in zwei Tabellen sämtliche Gleichnisse und Wundertaten des Herrn Jesus aufgeführt, außerdem gibt es Übersichten über die Chronologie des letzten Passahs und der Einsetzung des Gedächtnismahls, die Reihenfolge der Worte Christi am Kreuz, die Aufschrift am Kreuz und schließlich über die Ereignisse zwischen dem Begräbnis und der Auferstehung unseres Herrn.

Auf ausführlichere (historische und kulturelle) Informationen ist im Allgemeinen verzichtet worden, da diese vielfach keinerlei geistlichen Wert und Nutzen haben. „Quellen“ sind im Allgemeinen nicht angegeben, dafür aber häufig Bibelstellen, die auf jeden Fall nachgeschlagen werden sollten. Nicht die Meinung dieses oder jenes Auslegers ist letztendlich maßgebend, sondern die Haltung, die schon die „edlen“ Beröer uns vorgelebt haben, die „täglich die Schriften untersuchten, ob dies sich so verhielte“ (Apg 17,11). Was der Leser in dieser Bibelerklärung findet, basiert jedoch auf den Gedanken bewährter Ausleger wie J. N. Darby, W. Kelly, F. W. Grant und F. B. Hole, um nur die wichtigsten zu nennen.

Es sollte uns bei der Beschäftigung mit dem Wort Gottes nicht um Wissensanhäufung gehen, sondern um das geistliche Erkennen der Person Christi und Seines unermesslichen und unerforschlichen Reichtums (vgl. Eph 3,14–21). Dazu möchte dies Buch einen kleinen Beitrag leisten, den der Herr segnen möge.

Der Verfasser

Einleitung

Nur ein Mann im Neuen Testament trug – obwohl er Jude war – den lateinischen Beinamen Markus (er bedeutet wahrscheinlich „dem Mars zugehörig“). Ihm wird seit dem 2. Jahrhundert das gleichnamige Evangelium zugeschrieben. Dieser Markus, der eigentlich Johannes hieß, war der Sohn einer Frau mit Namen Maria, die ein Haus in Jerusalem besaß (Apg 12,12). Dorthin ging Petrus, als er von einem Engel aus dem Gefängnis befreit worden war.

Johannes-Markus war ein Neffe (oder Vetter) des Leviten Barnabas, des zeitweiligen Begleiters des Apostels Paulus (Kol 4,10). Von diesen beiden wurde er als Diener mit auf ihre erste Missionsreise genommen (um 46–49 n. Chr.; Apg 12,25; 13,5). Aber in Perge (einer Stadt in Kleinasien) verließ der wohl noch junge Mann die beiden Knechte des Herrn und kehrte nach Jerusalem zurück (Apg 13,13). Als Barnabas seinen Verwandten trotzdem ein zweites Mal mit auf die Reise nehmen wollte, verweigerte Paulus seine Zustimmung, was zur Trennung der beiden Diener des Herrn führte (um 51 n. Chr.; Apg 15,37–39).

Erst ungefähr zehn Jahre später taucht der Name des inzwischen geistlich gereiften und brauchbar gewordenen Markus in den Briefen des Paulus an die Kolosser und an Philemon wieder auf (Kol 4,10; Phlm 24; um 61/62 n. Chr.). Markus befindet sich jetzt in Rom bei dem gefangenen Apostel. Andererseits wird Markus auch noch einmal in Verbindung mit Petrus und dessen Aufenthalt in Babylon, also im Osten des Reiches, erwähnt. Petrus nennt ihn seinen „Sohn“, um das innige geistliche Verhältnis zu Markus anzudeuten (1. Pet 5,13; um 60–64 n. Chr.). Später muss Markus wieder in Kleinasien gewesen sein. Denn kurz vor seinem Tod (um 67 n. Chr.) bittet Paulus in seinem zweiten Brief an Timotheus, diesen jetzt nützlichen Diener mit nach Rom zu bringen (2. Tim 4,11). Ob es dazu noch gekommen ist, wissen wir nicht.

Sowohl Paulus als auch Petrus standen demnach in enger Beziehung zu Markus. Nach Überlieferungen seit dem 2. Jahrhundert soll Markus das nach ihm benannte Evangelium auf der Grundlage von Predigten und persönlichen Mitteilungen von Petrus in Rom für die dortigen Gläubigen geschrieben haben. Fast alle Ausleger folgen dieser Tradition. Besonders die angebliche Häufung lateinischer Ausdrücke wird als Indiz angeführt, was jedoch nicht zu überzeugen vermag. Die so genannten „Latinismen“ kommen bei Markus zwar etwas häufiger vor als in anderen Evangelien, aber nicht in dem Maß, dass man von einem Charakteristikum sprechen könnte.

Nachstehend eine Aufstellung der im Neuen Testament vorkommenden Fremdwörter, die aus dem Lateinischen stammen:

lat.

census

„Steuer“ (griech.

k

ēnsos

) in Mk 12,14, aber auch in Mt 17,25; 22,17.19

lat. c

enturio

„Hauptmann“ (griech.

kentyri

ōn

) in Mk 15,30.44.45

lat.

custodia

„Wache“ (griech.

koustōdia

) in Mt 27,65; 28,11, aber nicht bei Markus

lat.

denarius

„Denar“ (griech.

dēnarion

) in Mk 6,37; 12,15; 14,5, aber auch in Mt 18,28; 20,2.9.10.13; 22,19; Lk 7,41; 10,35; 20,24; Joh 6,7; 12,5; Apg 6,6

lat.

flagellare

„geißeln“ (griech.

phragelloun

) in Mk 15,15, aber auch in Mt 27,28

lat.

flagellum

„Geißel“ (griech.

phragellion

) in Joh 2,15, aber nicht bei Markus

lat.

grabatus

„Bett“ (griech.

krabattos

) in Mk 2,4.9.10.11; 6,55, aber auch in Joh 5,8–11; Apg 5,15; 9,33

lat.

legio

„Legion“ (griech.

legiōn

) in Mk 5,9.15, aber auch in Mt 26,53; Lk 8,30

lat.

linteum

„Tuch“ (griech.

lention

) in Joh 13,4.5, aber nicht bei Markus

lat.

libra

„Pfund“ (griech.

litra

) in Joh 12,3; 19,39, aber nicht bei Markus

lat.

milia (passuum

) „Meile“ (griech.

milion

) in Mt 5,41, aber nicht bei Markus

lat.

modius

„Scheffel“ (griech.

modios

) in Mk 4,21, aber auch in Mt 5,15; Lk 11,33

lat.

praetorium

„Prätorium“ (griech.

praitōrion

) in Mk 15,16, aber auch in Mt 27,27; Joh 18,28.33; 19,9; Apg 23,35; Phil 1,13

lat.

quadrans

„Cent“ (griech.

kodrantēs

) in Mk 12,42, aber auch in Mt 5,26

lat.

sextarius

(?) „Krug“ (griech.

xestēs

) in Mk 7,4

lat.

speculator

oder

spiculator

„Leibwächter, Scharfrichter“ (griech.

spekoulatōr

) in Mk 6,27

lat.

sudarium

„Schweißtuch“ (griech.

soudarion

) in Lk 19,20; Joh 11,44; 20,7; Apg 19,12, aber nicht bei Markus

lat.

titulus

„Aufschrift“ (griech.

titlos

) in Joh 19,19, aber nicht bei Markus.

[1]

Von diesen insgesamt 18 „Latinismen“ der Evangelien und der Apostelgeschichte kommen also nur elf bei Markus vor, davon drei (centurio, sextarius [fraglich] und speculator) ausschließlich bei ihm. Das Matthäusevangelium weist kaum weniger, nämlich neun lateinische Ausdrücke auf, von denen zwei (custodia, milia) nur bei ihm vorkommen. Johannes verwendet insgesamt acht dieser Wörter; vier davon (flagellum, linteum, libra, titulus) werden von den anderen Evangelisten nicht benutzt. Insgesamt acht dieser„Fremdwörter“ (census, denarius, flagellare, legio, modius, praetorium, quadrans, sudarium) sind mehreren Evangelien und der Apostelgeschichte gemeinsam. Als Argument für eine Abfassung des Markusevangeliums in Rom und für römische Christen sind die „Latinismen“ also nicht besonders geeignet.

Andererseits verwendet Markus mehr aramäisch-hebräische Ausdrücke als alle übrigen Evangelisten. Dazu zählen mindestens fünf (also mehr als bei den „Latinismen“), die in den anderen Evangelien nicht zu finden sind: Boanerges („das ist Söhne des Donners“, Mk 3,17), Talitha kumi („das ist übersetzt: Mädchen, ich sage dir, steh auf!“, Mk 5,41), Ephata („das ist: Werde aufgetan!“, Mk 7,34), Abba („Vater“, Mk 14,36), Eloi, Eloi, lama sabachtani („was übersetzt ist: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“, Mk 15,34). Sie werden jeweils wie andere jüdische Begriffe übersetzt oder erklärt (Mk 7,2.11; 15,42). Weitere aramäisch-hebräische Ausdrücke kommen auch an anderen Stellen des Neuen Testaments vor: Bar, Golgatha, Hosanna, Kananäer (?),Korban, Passah, Rabbi, Rabbuni, Raka, Sabbat, Satan.

Die Argumentation mit den so genannten „Latinismen“ soll nur dazu dienen, die Entstehung des Evangeliums in Rom zu untermauern bzw. eine Leserschaft in Rom zu suggerieren. Dazu ist sie aber nicht geeignet. An geistlicher Belehrung ist aus diesen Aufstellungen und Gegenüberstellungen wenig oder nichts zu entnehmen. Eine Gefahr bei intensiver Beschäftigung mit derartigen äußerlichen Besonderheiten ist, dadurch die Inspiration des Wortes Gottes und seine Botschaft aus dem Auge zu verlieren. Die obigen Ausführungen sollen deshalb auch nur dazu dienen, zu zeigen, auf welch schwachen Füßen die verbreitete Argumentation ruht, das Markusevangelium sei in Rom und für römische Leser geschrieben worden.

Aus der Heiligen Schrift ist nicht zu entnehmen, dass Petrus und Markus je gemeinsam in Rom waren. Markus war zwar in Rom, aber beim Gefangenen Paulus (Kol 4,10; Phlm 24). Petrus befand sich zur Zeit der Abfassung seines ersten Briefes in Babylon, also am südöstlichen Ende des römischen Reiches (1. Pet 5,13). Babylon war seit der Zeit der Gefangenschaft der zwei Stämme (im 6. Jahrhundert v. Chr.) ein religiöses Zentrum des Judentums, das noch im 7. Jahrhundert n. Chr. den „Babylonischen Talmud“ hervorbrachte. Dass Petrus unter den dortigen Juden predigte, war also in voller Übereinstimmung mit seinem apostolischen Auftrag als „Apostel der Beschneidung“ (Gal 2,7–9). Wenn Petrus und Markus wirklich gemeinsam in Rom gewesen wären, ist es unverständlich, warum Paulus in seinen Briefen zwar mehrfach Markus, den bekannteren Petrus jedoch überhaupt nicht erwähnt.

Markus, der in seiner Jugend einmal ein untreuer Diener war, als er Paulus und Barnabas im Stich ließ, wurde später vom Heiligen Geist inspiriert, das Leben Christi, des vollkommenen und treuen Dieners, aufzuzeichnen. Da nur Markus in Kapitel 14,51.52 die Episode von einem jungen Mann berichtet, der dem Herrn Jesus bei dessen Gefangennahme folgte und, als man ihn auch ergreifen wollte, nackt entkam, will eine uralte christliche Überlieferung in diesem Jüngling Markus selbst sehen. Gewissheit besteht darüber jedoch nicht.

Über die Zeit der Abfassung des Markusevangeliums gehen die Auffassungen auseinander. Sie schwanken zwischen den Jahren 55 und 70 n. Chr. – Sollten sich unter den Schriftfunden von Qumran am Toten Meer auch Fragmente des Markusevangeliums befinden – was immer wieder heftig diskutiert wird, bisher jedoch ohne endgültiges Ergebnis –, dann wäre das nur eine Bestätigung der angegebenen Datierung.

Markus und die historisch-kritische Theologie

Die heute in der Theologie vorherrschende historisch-kritische Methode der Bibelauslegung erhebt den Anspruch, die Bibel wissenschaftlich zuverlässig zu interpretieren. Die Bibel wird zu diesem Zweck mit den gleichen Mitteln erforscht wie jedes andere Buch der Antike. Das geschieht unter anderem durch Vergleiche mit den Religionen der Welt und ihrer Geschichte, durch die Berücksichtigung der menschlichen Erfahrung und die Anwendung der Ergebnisse der naturwissenschaftlichen Forschung. Wunder und Weissagungen über zukünftige Ereignisse sind mit diesen Mitteln nicht zu beweisen und demzufolge auch unmöglich. Zwar wird diese Methode nicht von allen Anhängern mit gleicher Radikalität und Kompromisslosigkeit verfolgt und akzeptiert. Doch das Prinzip dieser Methode läuft auf die Leugnung der Autorität Gottes in Seinem Wort hinaus. Denn wenn es keine Wunder und keine Prophetie gibt, ist es nur ein winziger Schritt zur Leugnung der Existenz des allmächtigen, allwissenden und allgegenwärtigen Gottes, der die Welt erschaffen hat und vor Dem einmal jeder Mensch Rechenschaft ablegen muss, der nicht an die Offenbarung Seiner Liebe und Gnade in Seinem Sohn Jesus Christus glaubt.

Für jeden, der die Bibel als einzige schriftliche Offenbarung Gottes betrachtet, kann dies wohl kaum etwas anderes bedeuten, als dass die historisch-kritische Methode das von Gottes Geist inspirierte Wort zu einem Produkt des menschlichen Geistes herabwürdigt.

Nach Ansicht historisch-kritischer Theologen soll das Markusevangelium das älteste der drei so genannten synoptischen Evangelien und um 70 n. Chr. entstanden sein. Auf diesem wie auf einer hypothetischen, angeblich verloren gegangenen „Logienquelle“ („Q“) sollen die Evangelien von Matthäus und Lukas[2] basieren, jeweils ergänzt durch „Sondergut“, das heißt Begebenheiten und Worte, die in den anderen Evangelien nicht vorhanden sind. Von der „Logienquelle“ ist außer einem mehrdeutigen Hinweis bei Papias (2. Jh. n. Chr.) jedoch nichts bekannt. Die sich bei der Beschreibung des Lebens und Wirkens einer Person durch drei Verfasser natürlicherweise ergebenden Parallelen werden als „Abhängigkeiten“ voneinander erklärt, die großenteils mit dem Vokabular gestützt werden. Davon, dass die Unterschiede durch den Heiligen Geist beabsichtigt sind, ist dabei keine Rede.

Gottes Wort sagt über sich selbst und seine einsichtigen Leser:

Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott ist, um die Dinge zu kennen, die uns von Gott geschenkt sind; die wir auch verkündigen, nicht in Worten, gelehrt durch menschliche Weisheit, sondern in Worten, gelehrt durch den Geist, mitteilend geistliche Dinge durch geistliche Mittel. Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird; der geistliche aber beurteilt alles, er selbst aber wird von niemand beurteilt; denn „wer hat den Sinn des Herrn erkannt, der ihn unterweise?“ Wir aber haben Christi Sinn.“ (1. Kor 2,12–16)

Charakter dieses Evangeliums

Von allen vier Evangelien ist das nach Markus benannte das kürzeste. Markus gibt weniger die Lehren als die Taten des Herrn Jesus wieder. Hauptthema dieses Evangeliums ist die Darstellung Christi als Diener Gottes. Er war nicht nur der verheißene König Israels, wie im Evangelium nach Matthäus, der Sohn des Menschen (Lukas) und der ewige Sohn Gottes (Johannes), sondern auch der wahre Diener des Herrn (vgl. Jes 42,1–9; 49,1–6; 52,13–15; Sach 3,8). Nach Seinen eigenen Worten ist Er nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und Sein Leben zu geben als Lösegeld für viele (Mk 10,45).

Dieser Leitgedanke des Markusevangeliums wird durch verschiedene Besonderheiten bestätigt:

Weder die Geburt noch der Stammbaum Jesu Christi werden erwähnt.

Markus hält die Reihenfolge der Ereignisse genauer ein als Matthäus und Lukas.

Bereits im ersten Kapitel beginnt der Bericht über den Dienst des Herrn Jesus.

Oft gebraucht Markus in seinen Berichten das Präsens statt einer Vergangenheitsform, um das Aktuelle, Drängende der dargestellten Ereignisse zu unterstreichen.

Besonders auffällig ist das 44-mal vorkommende griechische Wort eutheos/euthys („sogleich“), das ebenfalls auf den fast pausenlosen Dienst des Herrn Jesus hinweist (Mk 1,10.12.18.20.21.23.28.29. 30.31.42.43; 2,2.8.12; 3,6; 4,5.15.16.17.29; 5,2.29.30. 42; 6,25.27.45.50.54; 7,25.35; 8,10.15; 9,15.20.24; 10,52; 11,2.3; 14,43.45.72; 15,1 und einmal in der Fußnote zu Kap. 5,42).

Kein einziges Mal nennen die Jünger Jesus „Herr“.

Häufiger als in den anderen Evangelien zieht der Herr Jesus sich in die Stille zurück (Mk 1,12.35; 3,7; 6,31.46; 7,17.24; 9,2; 11,19).

Oft erwähnt Markus, dass Jesus nicht wollte, dass Seine Taten bekannt wurden (Mk 1,34.44; 3,12; 5,43; 7,36; 8,26. 30; 9,9. 30).

Als Diener Gottes muss Christus auch leiden. Im Verhältnis zur Länge des Evangeliums nimmt der Bericht über das Leiden und Sterben des Herrn bei Markus einen größeren Raum ein als bei den anderen Evangelisten. Viermal kündigt Er den Jüngern Sein bevorstehendes Leiden an (Mk 8,31; 9,12. 31; 10,32–34).

Der Herr Jesus wird im Evangelium nach Markus jedoch auch als der wahre Prophet Gottes dargestellt (vgl. 5. Mo 18,15). Als solcher verkündigte Er die gute Botschaft Gottes, das Evangelium. Dieses Wort kommt bei Markus acht Mal vor (Mk 1,1.14.15; 8,35; 10,29; 13,10; 14,9; 16,15), bei Matthäus dagegen nur viermal, bei Lukas (außer in dem griechischen Verb euangelizein „evangelisieren, verkündigen“) und Johannes gar nicht. Seinen eigenen Dienst als Prophet, der das Wort Gottes mit Autorität verkündigt, umschreibt der Herr Jesus in Markus 1,38 treffend mit den Worten: „Lasst uns woandershin gehen in die nächsten Ortschaften, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich ausgegangen“.

Obwohl das Markusevangelium das kürzeste der vier Evangelien ist, enthält es verschiedene Stücke, die in den anderen nicht vorkommen, insbesondere die Berichte über die Heilung des Taubstummen in Kapitel 7,31–37 und des Blinden in Kapitel 8,22–26 sowie die Gleichnisse von der von selbst wachsenden Saat (Kap. 4,26–29) und vom Aufruf zur Wachsamkeit (Kap. 13,34–37). Dazu kommen noch mehrere besondere Einzelheiten, die nur Markus erwähnt: z. B. der Name Boanerges („Söhne des Donners“) für Johannes und Jakobus (Kap. 3,17), die Erwähnung der Namen von Petrus, Jakobus, Johannes und Andreas in Kapitel 13,3 usw. Hierher gehört auch die Episode von einem Jüngling, der dem Herrn Jesus bei dessen Gefangennahme folgte und nackt vor den Männern floh, die ihn ergreifen wollten, angeblich und möglicherweise tatsächlich Markus selbst (Kap. 14,51–52).

Einteilung:

Markus 1–5: Beginn des Dienstes Christi

Markus 6–10: Verwerfung Christi und Vorbereitung der Jünger auf die neue Ordnung

Markus 11–13: Vorstellung Christi als König in Jerusalem

Markus 14–16: Endgültige Verwerfung, Tod und Auferstehung Christi.

Fußnoten

[1] Außerdem sind noch weitere „Latinismen“ in Wortwahl und Satzbau entdeckt worden.

[2] Da Paulus in 1. Tim 5,18 einen Vers aus Lk 10,7 zitiert, muss das Lukasevangelium jedoch bereits um 63 n. Chr. existiert haben.

Kapitel 1

Der Herold: Johannes der Täufer (Mk 1,1–8)

(vgl. Mt 3,1–12; Lk 3,1–18; Joh 1,19–28) 

„Anfang des Evangeliums Jesu Christi, des Sohnes Gottes; wie geschrieben steht in Jesaja, dem Propheten: „Siehe, ich sende meinen Boten vor deinem Angesicht her, der deinen Weg bereiten wird.“ „Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht gerade seine Pfade!“

Johannes der Täufer trat in der Wüste auf und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden. Und das ganze jüdische Land ging zu ihm hinaus und alle Bewohner von Jerusalem; und sie wurden im Jordanfluss von ihm getauft, indem sie ihre Sünden bekannten. Und Johannes war bekleidet mit Kamelhaar und einem ledernen Gürtel um seine Lenden; und er aß Heuschrecken und wilden Honig. Und er predigte und sagte: Nach mir kommt einer, der stärker ist als ich, dem den Riemen seiner Sandalen gebückt zu lösen ich nicht wert bin. Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit Heiligem Geist taufen“ (Markus 1,1–8).

Im Unterschied zu den beiden anderen synoptischen Evangelien berichtet Markus nichts von der Geburt und Kindheit des Herrn Jesus. Man könnte sagen, dass diese Einzelheiten für die Kennzeichnung eines Dieners nicht wesentlich sind. Unvermittelt und ohne lange Einleitung beginnt der Evangelist Markus daher seinen Bericht über das Leben und das Sterben Jesu, des Dieners Gottes. Es ist die gute Botschaft, das Evangelium von Jesus Christus, dem von Gott verheißenen Messias, der zwar gekommen ist, um zu dienen, aber doch kein Geringerer ist als der ewige Sohn des ewigen Gottes[1]! Das einleitende Wort „Anfang“ bezieht sich auf den gesamten Inhalt der Schrift von Markus, der seine Fortsetzung in der Apostelgeschichte und den Briefen findet (siehe Heb 2,3b); andererseits bezeichnet „Evangelium“ hier nicht das „Evangelium nach Markus“, sondern den ganzen Umfang der guten Botschaft, die den verlorenen Menschen durch Jesus Christus gebracht worden ist.

Nicht nur Sein Kommen, sondern auch das Seines Wegbereiters oder Herolds war im Alten Testament bereits angekündigt worden, wie die beiden zitierten Stellen aus den Propheten Maleachi und Jesaja bekunden (V. 2 und 3). Johannes (= hebr. Jochanan „Der Herr ist gnädig“) der Täufer, dessen Geburt in Lukas 1 ausführlich beschrieben wird, sollte das irdische Volk Gottes auf das nahe Kommen des Herrn Jesus vorbereiten. Da die Juden sich durch den Messias in erster Linie Befreiung vom römischen Besatzerjoch und irdischen Segen erhofften, musste Johannes ihnen verkündigen, dass sie Buße tun und getauft werden mussten, um von Gott Vergebung ihrer Sünden zu empfangen. Nur so konnten sie ihren Messias in rechter Weise empfangen. In seinem natürlichen Zustand kann der in Sünde gefallene Mensch dem heiligen Gott nicht begegnen und vor Ihm bestehen. Das müssen auch die Juden erkennen, selbst wenn sie Sein auserwähltes Volk sind.

Die Juden zogen in großen Scharen aus Jerusalem („Gründung des Friedens“) und der Umgebung zu Johannes in die Wüste hinaus und wurden von ihm im Jordan („Der Hinabstürzende“) getauft, indem sie ihre Sünden bekannten. Doch konnte die Taufe der Buße allein ihnen keine Sündenvergebung schenken. Dazu war wahre Buße über die begangenen Sünden notwendig. Nur so konnten die Gläubigen, die vor dem Werk Christi am Kreuz lebten, Vergebung von Gott empfangen (V. 5; siehe Ps 32,5).

Die Taufe des Johannes war nicht identisch mit der christlichen Taufe im Namen Jesu Christi und auf Seinen Tod (Apg 2,38; Röm 6,3–6; vgl. Apg 19,3–5). Die Juden, die von Johannes getauft wurden, bekannten dadurch, dass sie Buße getan hatten im Blick auf den kommenden Messias Israels, während in der christlichen Taufe das Begraben des alten Menschen durch die gläubige Einsmachung mit dem für uns gestorbenen Christus zum Ausdruck kommt.

Johannes wirkte in der Wüste, worin ohne Zweifel ein Hinweis auf den moralischen Zustand des Volkes Gottes zu sehen ist (V. 4). Zugleich zeigte er dadurch seine Absonderung von dem geistlich verhärteten Volk der Juden. In der Kleidung eines alttestamentlichen Propheten und sich mit einfachster Nahrung begnügend, tat er den aufopferungsvollen und schwierigen Dienst des Bußpredigers und Vorläufers des Messias Israels (V. 6). In Demut wies er dabei auf den Mächtigen hin, der nach ihm kommen würde, im Vergleich zu dem er nur ein niedriger Sklave war, unwürdig, Ihm den Riemen Seiner Sandale zu lösen (V. 7)! Nur Markus fügt hier das Wort „gebückt“ ein – wahrlich ein Zeugnis für die wirkliche Größe und Erhabenheit des Knechtes Gottes!

Johannes taufte mit Wasser, aber der nach ihm Kommende würde mit Heiligem Geist taufen. Die Taufe der Buße mit Wasser war der erste, vorbereitende Schritt für alle, die in Aufrichtigkeit auf das Kommen des Messias Israels warteten. Die Taufe mit Heiligem Geist für alle, die durch den Glauben an das vollbrachte Sühnungs- und Versöhnungswerk Christi erlöst waren, bildete den krönenden Abschluss der Erscheinung der Gnade Gottes zur Errettung von Sündern (V. 8). Auch der Herr Jesus bereitete Seine Jünger darauf vor, dass Er nach Seiner Rückkehr zum Vater den Heiligen Geist zu ihnen senden würde. Dieser „andere Sachwalter“ ist nicht nur in Ewigkeit bei uns und leitet uns in die ganze Wahrheit, sondern Er hat auch bei Seinem Herabkommen am Pfingsttag die Gründung der einen Versammlung Gottes, die Entstehung des einen Leibes Christi, bewirkt (Joh 14,16; 16,13; Apg 2,1–4; 1. Kor 12,13). Das Wohnen des Heiligen Geistes in den einzelnen Gläubigen und in der Versammlung ist eines der herrlichsten Vorrechte und eine der größten Segnungen der gegenwärtigen Zeit!

Jesu Taufe und Versuchung (Mk 1,9–13)

(vgl. Mt 3,13–4,11; Lk 3,21–22; 4,1–13; Joh 1,29–34)

„Und es geschah in jenen Tagen: Jesus von Nazareth in Galiläa kam und wurde von Johannes im Jordan getauft. Und sogleich, als er aus dem Wasser heraufstieg, sah er die Himmel sich teilen und den Geist wie eine Taube auf ihn herniederfahren. Und eine Stimme erging aus den Himmeln: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.

Und sogleich treibt der Geist ihn hinaus in die Wüste. Und er war vierzig Tage in der Wüste und wurde von dem Satan versucht; und er war unter den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm“ (Markus 1,9–13).

Alle drei synoptischen Evangelien berichten von der Taufe des Herrn Jesus im Jordan, während im Johannesevangelium nur das Herabkommen des Heiligen Geistes auf den Sohn Gottes als Mensch erwähnt wird. „Jesus von Nazareth in Galiläa“ ist eine Bezeichnung für unseren geliebten Herrn, in der Seine freiwillige Erniedrigung als Mensch und Seine Verachtung und Verwerfung zum Ausdruck kommt. „Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen?“, so fragte Nathanael einmal zweifelnd (Joh 1,46). Später gebraucht Markus den Zusatz „Nazarener“ (Kap 1,24; 10,47; 14,67; 16,6; vgl. Apg 24,5).[2]

Am Jordan nimmt der vollkommene Diener des Herrn zu Beginn Seines öffentlichen Dienstes einen Platz ein, der Seinem Kommen in Niedrigkeit völlig entspricht. Er erscheint nicht auf dem Ölberg (Sach 14,4) oder kommt plötzlich zu Seinem Tempel (Mal 3,1), sondern steht sozusagen vor dem Tor des Hofes Seiner Schafe, und der Türhüter[3] tut Ihm auf (Joh 10,3). Obwohl sündlos, macht Er sich am Jordan eins mit denen, die sich bei Johannes dem Täufer der „Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden“ unterzogen (V. 4).

„Sogleich“ nach der Taufe sieht der Herr (aber nicht nur Er, wie Joh 1,33 beweist), wie sich Ihm der Himmel zu einem zweifachen Zeugnis teilt. Der Heilige Geist kommt in sichtbarer Gestalt wie eine Taube auf Ihn herab, und die Stimme des Vaters ertönt aus dem Himmel, um Ihn als Seinen Sohn anzuerkennen. Durch das Herabkommen des Geistes wurde Jesus als Christus („Gesalbter“) und durch die Worte des Vaters als Sohn Gottes bestätigt, also genau entsprechend den Einleitungsworten: „Anfang des Evangeliums Jesu Christi, des Sohnes Gottes“ (V. 1). Der Herr Jesus empfing Siegel und Salbung des Geistes als Beweis und Anerkennung der Vollkommenheit Seiner Person und seines Wesens (Joh 6,27; Apg 10,38), für die Gläubigen sind sie das Ergebnis des Erlösungswerkes, wozu als Drittes noch das Unterpfand hinzukommt, das der Herr Jesus, der aus der Herrlichkeit herabgekommen war, nicht benötigte (2. Kor 1,21.22). Dies ist die erste Begebenheit, wo wir die Dreieinheit Gottes offenbart sehen: Der Vater spricht aus dem Himmel, und der Heilige Geist kommt sichtbar auf den Mensch gewordenen Sohn Gottes herab.

Wie bedeutungsvoll das Zeugnis des Vaters über Seinen geliebten Sohn ist, sehen wir daran, dass Er es zweimal gab – einmal am Anfang und einmal gegen Ende Seines Dienstes – und dass nicht nur Matthäus, Markus und Lukas davon berichten, sondern auch Petrus die Worte wiederholt. Damit besitzen wir ein siebenfaches, göttlich vollkommenes Zeugnis über die Beziehung des Vaters zu Seinem Sohn, dem Herrn Jesus (siehe Mt 3,17; 17,5; Mk 1,11; 9,7; Lk 3,22; 9,35; 2. Pet 1,17).[4]

Ohne Zwischenpause wechselt nun der Schauplatz. „Sogleich“ treibt der Heilige Geist den wahren Diener Gottes in die Wüste hinaus, wo Er vierzig Tage bleibt. Matthäus und Lukas sprechen von „hinaufführen“ und „umherführen“, Markus aber von „treiben“. Zeigt uns das nicht einerseits die vollkommene Abhängigkeit des Dieners, andererseits aber auch Seinen Abscheu vor dem „Fürsten dieser Welt“, dem Er in der Wüste begegnen sollte? Vierzig ist in der Heiligen Schrift die Zahl der vollkommenen Prüfung und Bewährung, wie der vierzigtägige Aufenthalt Moses auf dem Berg Gottes und die vierzigjährige Wüstenwanderung Israels zeigen (2. Mo 24,18; 4. Mo 14,33ff.). Als einziger Evangelist erwähnt Markus nur die Tatsache der Versuchungen vonseiten Satans, nicht jedoch ihren Charakter und die Reaktion des Herrn.

Kann es ein eindringlicheres Bild von der Welt geben als die Umstände, denen der Herr Jesus in diesen Tagen begegnete? Er war in der Wüste, unter den wilden Tieren und wurde von Satan versucht.

Die drei besonderen Versuchungen des Teufels, von denen Matthäus und Lukas berichten, waren Angriffe auf den Menschen Jesus Christus, um Ihn zum Ungehorsam gegenüber Gott zu verführen und Ihn dadurch als Diener Gottes unschädlich zu machen. Hier kam Satan mit der Vorspiegelung der angenehmen Seiten des Lebens, später in Gethsemane jedoch mit den Schrecken der Leiden und des Todes. Matthäus schildert die Versuchungen in chronologischer, Lukas in moralischer Reihenfolge. Die erste Versuchung, Steine zu Brot zu machen, nahm die leiblichen Bedürfnisse des Menschen, das heißt die Schwachheit des Fleisches, zum Anlass, die zweite, sich von der Zinne des Tempels zu stürzen, richtete sich an den menschlichen Hochmut im Blick auf die Welt, und die dritte, den Teufel anzubeten, war der Aufruf zum Abfall von Gott. Lukas ändert die Reihenfolge der letzten beiden Versuchungen. Alle drei Versuchungen besteht der Herr Jesus als gehorsamer Mensch mit Hinweisen auf das Wort Gottes, das „Schwert des Geistes“, mit dem auch wir den geistlichen Kampf bestehen können (Eph 6,17).

Bemerkenswert ist jedoch der Schlusssatz des knappen Berichts bei Markus: „Und die Engel dienten ihm.“ Nicht nur bei Seinem zweiten Erscheinen in Herrlichkeit werden alle heiligen Engel Ihn begleiten und Ihn anbeten (Mt 25,31; Heb 1,6), sondern auch bei Seiner ersten Erscheinung in Niedrigkeit sahen die Hirten bei Bethlehem nicht nur einen Engel, sondern „eine Menge des himmlischen Heeres“ (Lk 2,9.13–15). Als Er seinen entsagungsvollen Dienst begann, bekundeten Engel, dass der Diener in Wirklichkeit der Sohn Gottes war!

Jesu Dienst in Galiläa und erste Jünger (Mk 1,14–20)

(vgl. Mt 4,12–22; Lk 4,14f.; 5,1–11)

„Nachdem aber Johannes überliefert worden war, kam Jesus nach Galiläa, predigte das Evangelium des Reiches Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe gekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium.

Und als er am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, den Bruder Simons, die in dem See Netze auswarfen, denn sie waren Fischer. Und Jesus sprach zu ihnen: Kommt, folgt mir nach, und ich werde euch zu Menschenfischern machen; und sogleich verließen sie die Netze und folgten ihm nach. Und als er ein wenig weitergegangen war, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder, auch sie in dem Schiff, wie sie die Netze ausbesserten; und sogleich rief er sie. Und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit den Tagelöhnern in dem Schiff und gingen weg, ihm nach“ (Markus 1,14–20).

Das anfängliche Wirken des Herrn Jesus in Judäa und Samaria wird hier übergangen (vgl. Joh 3,24). Erst nachdem der vorbereitende Dienst Johannes' des Täufers, Seines Herolds, durch die Gefangennahme beendet war, wird der Weg für das Werk des wahren Dieners Gottes frei (V. 14). Seine Predigt beginnt Er in Galiläa, der von den Juden verachteten Gegend im Norden des damaligen Palästinas (vgl. Jes 8,23; Mt 4,15f.). Der Gegenstand Seiner Verkündigung ist noch nicht das Evangelium der Gnade, sondern das „Evangelium des Reiches Gottes[5]“. Die in den Propheten, besonders im Buch Daniel (siehe Dan 2,44; 7,23; 9,25), angekündigte Zeit für dieses Reich war gekommen. Aber der König kam nicht in Herrlichkeit, sondern in Niedrigkeit, und bevor Er herrschen konnte, musste Sein Volk innerlich zubereitet werden und zu Ihm umkehren. Nun war es an den Juden, Buße zu tun und an das Evangelium zu glauben (V. 15).

Es ist nicht das „Evangelium der Gnade“, das erst seit dem Erlösungswerk am Kreuz verkündigt werden kann, sondern eine Botschaft, die das irdische Volk Gottes zur Umkehr und Annahme seines Messias bewegen soll. Aber der Messias wird von Seinem Volk verworfen, und deshalb wird nach dem Ende der Gnadenzeit erneut das „Evangelium des Reiches“ verkündigt werden, nun aber nicht nur für Israel, sondern „auf dem ganzen Erdkreis“ (Mt 24,14).

Auf Seinem Weg längs des Sees Genezareth sieht Er die beiden Fischer Petrus (griech. für „Stein“), der damals noch Simon hieß, (hebr. für „Erhörung“) und dessen Bruder Andreas („Mannhaft“), die gerade ihre Netze ins Wasser warfen. Er kannte sie bereits seit den Tagen Johannes' des Täufers, als dieser am Jordan taufte (V. 16; vgl. Joh 1,40–42). Als Er sie jetzt in Seine Nachfolge beruft, um sie zu Menschenfischern zu machen, verlassen sie „sogleich“ ihren Arbeitsplatz und folgen Ihm nach (V. 17 und 18). Ähnlich ist es kurz danach bei Jakobus und Johannes, den Söhnen des Zebedäus (V. 19 und 20). Diese ließen ihren Vater nicht ganz allein zurück, sondern mit den Tagelöhnern, die dieser beschäftigte.

In unübertrefflicher Schlichtheit wird in diesen Versen die bedeutsame Tatsache der Berufung der ersten Apostel berichtet, deren Namen mit denen der übrigen acht in Ewigkeit die Grundlagen des neuen Jerusalems schmücken werden (Off 21,14). Er geht am See entlang, sieht die Fischer bei ihrer täglichen Arbeit und beruft sie ohne irgendwelche Versprechungen bezüglich Lohn oder Ehre. Und die Männer folgen Ihm „sogleich“! Alle vier waren fleißig bei ihrer Arbeit, als der Herr sie zu Seinen Jüngern machte – ein wichtiger praktischer Hinweis auch für uns! Was für eine Selbstverleugnung, aber auch was für ein Glaube! Mit Recht konnte Petrus später sagen: „Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt“, aber ebenso: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt, dass du der Heilige Gottes bist“ (Mk 10,28; Joh 6,68.69). Hat der Herr Jesus, der demütige Diener Gottes diese Anziehungskraft auch für uns?

Der unreine Geist (Mk 1,21–28)

(vgl. Lk 4,31–37)

„Und sie gehen nach Kapernaum hinein. Und sogleich am Sabbat ging er in die Synagoge und lehrte. Und sie erstaunten sehr über seine Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie die Schriftgelehrten.

Und sogleich war in ihrer Synagoge ein Mensch mit einem unreinen Geist; und er schrie auf und sprach: Was haben wir mit dir zu schaffen, Jesus, Nazarener? Bist du gekommen, um uns zu verderben? Ich kenne dich, wer du bist: der Heilige Gottes. Und Jesus gebot ihm ernstlich und sprach: Verstumme und fahre von ihm aus! Und der unreine Geist zerrte ihn hin und her und rief mit lauter Stimme und fuhr von ihm aus. Und sie entsetzten sich alle, so dass sie sich untereinander befragten und sprachen: Was ist dies? Was ist dies für eine neue Lehre? Denn mit Vollmacht gebietet er sogar den unreinen Geistern, und sie gehorchen ihm. Und die Kunde von ihm ging sogleich aus in das ganze Gebiet von Galiläa“ (Markus 1,21–28).

Der Diener ist jetzt nicht mehr allein in Seinem Dienst, sondern wird von Seinen Jüngern begleitet. Sein erster Aufenthaltsort ist die Stadt Kapernaum („Dorf Nahums“) am nordwestlichen Ufer des Sees von Genezareth (siehe Mt 4,13; 9,1). Kapernaum lag in der Nähe der Grenze von Galiläa (V. 13). Hier stießen die Herrschaftsgebiete von Herodes Antipas und Philippus aneinander. Die Stadt besaß durch ihre Zollstelle und eine römische Garnison eine gewisse Zentralstellung in diesem Gebiet (Mk 2,14; Lk 7,1.2). Außerdem tat der Herr Jesus dort viele Wunder. Trotzdem musste Er diese Stadt, die „bis zum Himmel erhöht“ war, wegen ihres Unglaubens verurteilen (Mt 11,23). Vielleicht wählte Er Kapernaum deshalb als Aufenthaltsort, um deutlich zu machen, dass weder die gesellschaftlichen Verhältnisse noch die Erfahrung der Gnade Gottes den geringsten Vorteil bieten, wenn der einzelne Mensch nicht in Buße und Glauben zu Gott umkehrt.

In dieser Stadt geht der Herr „sogleich“ am Sabbat in die Synagoge und lehrt[6] (V. 21). Seit der babylonischen Gefangenschaft ist die Synagoge bis zum heutigen Tag eins der charakteristischen Kennzeichen des Judentums. Hier wird an jedem Sabbat das Gesetz verlesen und gelehrt. Am Anfang Seines öffentlichen Dienstes trifft der wahre Diener hier auf zwei Besonderheiten: die kraftlosen Lehren der Schriftgelehrten, und den Einfluss Satans in Form unreiner Geister.

Die Schriftgelehrten waren seit der babylonischen Gefangenschaft diejenigen, die das Volk über das Gesetz unterrichteten. Sie stammten wie Esra, der erste Schriftgelehrte, wohl zumeist aus der Priesterklasse (vgl. Esra 7,1–6). Sie beschäftigten sich mit dem Studium des Alten Testaments und der „Überlieferung der Ältesten“. Wegen ihrer großen Kenntnis waren sie sehr geachtet und geehrt. Aber da sie diese Erkenntnisse selbst oft nicht beachteten (vgl. Kap. 7,3.5), besaßen sie keine Vollmacht. Im Gegensatz zu ihnen spricht der Herr Jesus in Seiner Lehre „wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie die Schriftgelehrten“. Das Wort Vollmacht bezeichnet nicht nur die Fähigkeit, sondern auch das Recht zu handeln oder zu reden. Obwohl Er sich als Diener so tief erniedrigte, war Er doch mit Vollmacht bekleidet. Dieser scheinbare Gegensatz erklärt sich nur dadurch, dass Er Gottes Sohn war und blieb. Seinen Zuhörern wurde deutlich, dass Er den Auftrag hatte, als der Diener Gottes die gute Botschaft zu verkündigen. Später stellen die Schriftgelehrten und Ältesten des Volkes dieses Recht zwar infrage (Kap. 11,27–33), aber hier erkennen heilsbegierige Menschen Seine Autorität gern an (V. 22).

Doch die von Gott gegebene Vollmacht des Dieners beschränkt sich nicht auf Seine Worte. Die zweite von Markus berichtete Tatsache ist die Austreibung eines unreinen Geistes. Dieser wirkte mitten unter dem versammelten Volk Gottes in einem Menschen, und Markus drückt durch die Präposition „mit“ (griech. en) aus, dass er sich völlig in der Macht des unreinen Geistes befand. Dann wird anschaulich beschrieben, wie dieser auf die Anwesenheit des Herrn reagierte. Mochten viele Juden auch unwissend sein über das wahre Wesen des Herrn Jesus, dieser Dämon wusste, dass Er nicht nur der verachtete Nazarener war, sondern kein Geringerer als der „Heilige Gottes“ (V. 24). Als Dieser ihm gebot, zu verstummen und von dem Menschen auszufahren, zerrte er ihn zwar noch einmal hin und her und schrie voller Wut, aber angesichts der Gegenwart des vollkommenen Dieners Gottes wurde die ganze Machtlosigkeit Satans offenbar (V. 25 und 26). Ein Stärkerer war jetzt in das Haus des Starken eingedrungen, um ihn zu binden (siehe Kap. 3,27)!

Es ist auffallend, dass der Herr Jesus im Markusevangelium des Öfteren „Nazarener“ genannt wird (vgl. Kap. 10,47; 14,67; 16,6). Nur einmal (in V. 9) heißt Er „Jesus von Nazareth“, danach immer „Nazarener“. Beide Namen hängen ohne Zweifel zusammen. „Nazarener“ (oder „Nazaräer“) war jedoch schon während des Lebens unseres Herrn kein Ehrentitel, wie wir an der Aufschrift an Seinem Kreuz sehen können. Später wurden auch die Christen von den Juden als „Sekte der Nazaräer“ bezeichnet (Apg 24,5).

Wir wissen nicht sehr viel über die Welt der Engel und bösen Geister. Ein Teil von ihnen hat sich selbst verdorben und ist bereits jetzt mit ewigen Ketten gebunden (vgl. 1. Mo 6,1–4; 2. Pet 2,4; Jud 6). Ein anderer Teil dagegen ist Satan in seinem Fall gefolgt, befindet sich aber noch in einer gewissen „Freiheit“ (Off 12,7–9). Diese Geister sind seine Vasallen, die das über ihnen schwebende gerechte Urteil Gottes kennen (Mt 25,41; Off 20,10). Sie glauben, dass Gott existiert, und sie zittern vor Ihm (Jak 2,19). So wissen sie auch um die Göttlichkeit des Sohnes des Menschen und fürchten sich vor Ihm. Aber niemals erkennen sie Ihn als „Herrn“ an.

Die gewaltigen Auswirkungen Seines Dienstes erfüllen die Menschen mit Entsetzen. Ihre Frage: „Was ist dies für eine neue Lehre?“ (V. 27) bezieht sich auf Vers 22, wo die Vollmacht Seiner Worte beschrieben wird. Diese Vollmacht offenbart sich gleich zu Anfang Seines Dienstes in dreierlei Weise: in der Berufung Seiner Jünger, in Seinem öffentlichen Lehrdienst und in der Austreibung von Dämonen. So verbreitet sich in Windeseile die Kunde von diesem außergewöhnlichen Diener. Die Menschen sind zwar erstaunt über alles, was Er sagt und tut, fragen sich jedoch nicht, wer Er ist (V. 28).

Die Schwiegermutter des Petrus und andere Heilungen (Mk 1,29–34)

(vgl. Mt 8,14–17; Lk 4,38–41)

„Und sogleich gingen sie aus der Synagoge hinaus und kamen in das Haus von Simon und Andreas, mit Jakobus und Johannes. Die Schwiegermutter Simons aber lag fieberkrank danieder; und sogleich sagen sie ihm von ihr. Und er trat hinzu und richtete sie auf, indem er sie bei der Hand ergriff; und das Fieber verließ sie sogleich, und sie diente ihnen.

Als es aber Abend geworden und die Sonne untergegangen war, brachten sie alle Leidenden und Besessenen zu ihm; und die ganze Stadt war an der Tür versammelt. Und er heilte viele, die an mancherlei Krankheiten litten; und er trieb viele Dämonen aus und erlaubte den Dämonen nicht zu reden, weil sie ihn kannten“ (Markus 1,29–34).

Nach dem Verlassen der Synagoge kommt der Herr Jesus mit Seinen Jüngern in das Haus von Simon und Andreas (V. 29). Noch hatte Er nicht alle Seine Jünger berufen. Hier werden daher nur Jakobus („Fersenhalter, Überlister“) und Johannes („Der Herr ist gnädig“) als weitere Begleiter erwähnt. „Sogleich“ erfährt Er von der Fieberkrankheit der Schwiegermutter des Simon (V. 30). Das Fieber ist ein Bild der Unruhe und Erregung, ja der „Überhitzung“ des Fleisches. Dadurch wird der Mensch unfähig zum Dienst für den Herrn. Doch Dieser ergreift die kranke, daniederliegende Frau bei der Hand und richtet sie auf. „Sogleich“ verlässt das Fieber sie, so dass sie den in das Haus gekommenen Gästen dienen kann (V. 31). Hier steht der Herr nicht „über ihr“ wie bei Lukas, Er rührt sie auch nicht nur an wie bei Matthäus, sondern hilft ihr als Diener gleichsam dabei, aufzustehen, um ihren eigenen Dienst wieder aufzunehmen.

Der Sabbat, der Tag der Ruhe, endet bei Sonnenuntergang. In diesem Augenblick kommen die Menschen der Stadt und bringen alle Leidenden und Besessenen zu dem Herrn (V. 32). Wir haben bereits gesehen, dass die Dämonen Ihn kannten (siehe V. 24). Er heilt viele Kranke und treibt viele Dämonen aus, wobei Er nicht duldet, dass sie reden. Er wünscht kein Zeugnis, das seinen Ursprung nicht in Gott selbst hat (V. 34). In anderen Fällen ist es die Demut des wahren Dieners, der nicht wünscht, dass von Ihm gesprochen wird (siehe Kap. 5,43; 8,30; 9,9).

Erste Reise durch Galiläa (Mk 1,35–39)

(vgl. Mt 4,23–25; Lk 4,42–44)

„Und frühmorgens, als es noch sehr dunkel war, stand er auf und ging hinaus; und er ging hin an einen öden Ort und betete dort. Und Simon eilte ihm nach, mit denen, die bei ihm waren; und sie fanden ihn und sagen zu ihm: Alle suchen dich. Und er spricht zu ihnen: Lasst uns woandershin gehen in die nächsten Ortschaften, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich ausgegangen. Und er predigte in ihren Synagogen in ganz Galiläa und trieb die Dämonen aus.“ (Markus 1,35–39)

„Frühmorgens“, noch bevor der Morgen hell wird, steht der rastlos tätige Diener Gottes auf und begibt sich an einen öden Ort, um dort zu beten (V. 35). In einer Umgebung, wo das Fleisch nichts zu seiner Befriedigung findet, sucht der wahre Diener Seine Kraft im Gebet. Hier, in der Abgeschiedenheit und Stille, sucht Er das Angesicht Seines Vaters, um als vollkommener Mensch Augenblicke der Gemeinschaft mit Ihm zu genießen und sich als vollkommener Diener das Ohr wecken und öffnen zu lassen (Jes 50,4.5). Was für ein wunderbares Vorbild für uns! Es zeigt uns in zu Herzen gehender Weise, wie die Stille und das Gebet jedem noch so kleinen Dienst bei uns vorausgehen muss, wenn dieser in Übereinstimmung mit Gottes Willen und zu Seiner Verherrlichung geschehen soll.

Erst später suchen und finden die Jünger ihren Herrn an dem abgeschiedenen einsamen Ort (V. 36). Offenbar war auch die Volksmenge bereits auf den Beinen, denn die Jünger sagen Ihm: „Alle suchen dich“ (V. 37). Aber Er will nicht die Neugier der Menge stillen, die Seine Wunder begehrt, sondern antwortet: „Lasst uns woandershin gehen in die nächsten Ortschaften, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich ausgegangen“ (V. 38). Seine Aufgabe in Kapernaum war jetzt erfüllt, und Er begibt sich auf Seine erste Reise durch Galiläa. Er erkennt die wirklichen Bedürfnisse der Menschen, die die Botschaft des Evangeliums brauchten. Dennoch predigt Er nicht nur, sondern treibt auch weiterhin die Dämonen aus (V. 39). Die erstaunliche Vielzahl von Dämonen unter dem Volk der Juden zeigt, wie stark auch dieses unter den Einfluss Satans geraten war. In der Zukunft wird es sich jedoch einmal in noch stärkerem Maß dem Fürsten dieser Welt unterwerfen, wenn es den Antichristen, den Sohn des Verderbens, als seinen König und Gott annehmen wird.

Heilung eines Aussätzigen (Mk 1,40–45)

(vgl. Mt 8,2–4; Lk 5,12–16)

„Und ein Aussätziger kommt zu ihm, bittet ihn und kniet vor ihm nieder und spricht zu ihm: Wenn du willst, kannst du mich reinigen. Und innerlich bewegt streckte er seine Hand aus, rührte ihn an und spricht zu ihm: Ich will; werde gereinigt! Und sogleich wich der Aussatz von ihm, und er wurde gereinigt. Und er gebot ihm ernstlich und schickte ihn sogleich fort und spricht zu ihm: Gib Acht, dass du niemand etwas sagst; sondern geh hin, zeige dich dem Priester und opfere für deine Reinigung, was Mose geboten hat, ihnen zum Zeugnis. Er aber ging weg und fing an, es vielfach kundzumachen und die Sache zu verbreiten, so dass er nicht mehr öffentlich in die Stadt gehen konnte; sondern er war draußen in öden Gegenden, und sie kamen von allen Seiten zu ihm.“ (Markus 1,40–45)

Aussatz[7] ist in der Bibel ein Bild eines sündigen Zustandes, der offenbar geworden ist. Es ist eine der wenigen Krankheiten, die im Gesetz vom Sinai erwähnt werden (3. Mo 13 und 14). Dort ist auch nicht von Heilung, sondern von Reinigung die Rede, die zudem immer von einem Priester festgestellt werden musste. Durch menschliches Bemühen konnte man damals nicht vom Aussatz befreit werden. Alles das weist deutlich auf den vorbildlichen Charakter dieser Krankheit hin. Niemand außer Gott konnte vom Aussatz befreien, und nur ein Priester, der gewohnt war, in der heiligen Gegenwart Gottes zu stehen, konnte den Aussatz und die Reinigung davon feststellen. Ein Aussätziger war von der Gemeinschaft des irdischen Volkes Gottes ausgeschlossen: Er musste außerhalb des Lagers oder der Siedlungen leben. Der Aussätzige, der hier zu Jesus kommt, erkennt Seine Autorität an und besitzt auch schon einen gewissen Glauben an Ihn, denn er kniet vor Ihm nieder und sagt: „Wenn du willst, kannst du mich reinigen“ (vgl. im Unterschied dazu Kap. 9,23.24). Aber ihm fehlt der Glaube an die Gnade und Liebe des Heilands.

Als wahrer Diener Gottes handelt Jesus jedoch nicht nur in äußerlichem Gehorsam und äußerlicher Machtausübung, sondern Er ist „innerlich bewegt“[8]. Sein Herz, ja Sein ganzes Inneres, war angesichts des Elends, das durch die Sünde hervorgerufen wurde, zutiefst ergriffen und bewegt. Seine Heilungswunder und sonstigen Wohltaten waren nie bloße Erweisungen der Macht Gottes, sondern offenbarten zugleich immer das herzliche Mitleid und Erbarmen eines vollkommenen Dieners.

Er kommt dem Aussätzigen entgegen, indem Er Seine Hand ausstreckt und ihn anrührt. Das war unter dem Gesetz undenkbar, denn ein Aussätziger war unrein (3. Mo 13,45.46). Im Gegensatz zu uns Menschen, die durch die Berührung mit Unreinem selbst verunreinigt werden, kann der absolut Reine und Heilige nicht vom Aussatz angetastet werden (vgl. 3. Mo 11,26; 4. Mo 19,22; 2. Kor 6,17–7,1; 1. Tim 5,22; Off 18,4).

Nach dem Beweis Seiner Barmherzigkeit und Reinheit folgt nun der Seiner göttlichen Macht (V. 41). Er spricht: „Ich will; werde gereinigt!“ Obwohl Er Knechtsgestalt angenommen hatte und im Gehorsam Seinen Weg bis zum Kreuz ging (Phil 2,7.8), blieb Er doch immer Gott, offenbart im Fleisch! Nur zweimal lesen wir jedoch davon, dass Er etwas „will“: an dieser Stelle und in Johannes 17,24, wo Er sagt: „Vater, ich will, dass die, die du mir gegeben hast, auch bei mir seien, wo ich bin, damit sie meine Herrlichkeit schauen.“ Er allein besaß trotz Seiner Erniedrigung als Mensch die göttliche Macht, Menschen vom Aussatz zu reinigen, und mehr noch: von der Sünde und ihrer Macht zu befreien. Der Mann war daher auch „sogleich“ von seinem Aussatz gereinigt.

Die Aufforderung des Herrn an den Gereinigten lautete: „Gib acht, dass du niemand etwas sagst; sondern geh hin, zeige dich dem Priester und opfere für deine Reinigung, was Mose geboten hat, ihnen zum Zeugnis“ (V. 44). Das Gesetz konnte niemand vom Aussatz befreien. Nur die Barmherzigkeit und Macht Gottes vermochte das, und der Priester konnte die erfolgte Reinigung nur bezeugen. Das durfte der Aussätzige jetzt erfahren. Doch der Herr Jesus trägt ihm auf, die Bestimmungen des Gesetzes Moses zu beachten. Er sollte sich dem Priester zeigen und das bei der Reinigung vom Aussatz vorgeschriebene Opfer darbringen. Der ehemals Aussätzige sollte jedoch nicht nur ein Zeugnis von der heilenden und rettenden Gnade Gottes sein, sondern auch von Dem, der sie jetzt offenbarte und den die geistlichen Führer des Volkes nicht anerkennen wollten.

Aber der Mann beachtete die Aufforderung seines Retters nicht. Statt zu schweigen und so schnell wie möglich den Priester aufsuchen, ging er weg „und fing an, es vielfach kundzumachen und die Sache zu verbreiten“ (V. 45). Anscheinend hielt er sich auch nicht an die Vorschriften des Gesetzes. Aber vergessen wir nie: Die Gnade Gottes, die wir erfahren, enthebt uns nicht von der Verantwortung zu gehorchen. „Gehorchen ist besser als Schlachtopfer“ (1. Sam 15,22).

Die Verbreitung der Nachricht über die wunderbare Reinigung und Heilung des Aussätzigen hatte zur Folge, dass der treue Diener Gottes sich vor dem Menschenandrang zurückzog und sich in „öden Gegenden aufhielt“. Ob auch der Ungehorsam des Gereinigten dabei eine Rolle gespielt hat? Gemeinschaft mit dem Herrn können wir nur haben, wenn wir Ihm und Seinem Wort gehorchen. „Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen“ (Joh 14,23).

Fußnoten

[1] In diesem Evangelium wird siebenmal bezeugt, dass der Herr Jesus Gottes Sohn ist – ein vollkommenes Zeugnis (Kap. 1,1.11; 3,11; 5,7; 9,7; 14,61; 15,39).

[2] Wahrscheinlich bedeutet der Name Nazareth „Spross, grüner Zweig“, denn er scheint von der gleichen Wurzel zu stammen wie das hebr. Wort für „Schössling“ (nezer) in Jes 11,1. Auch die Bezeichnungen „Nazarener“ und „Nazaräer“ (griech. nazoraios) sind wohl davon abgeleitet. Darauf und auf Sach 6,12 nimmt wohl auch Matthäus in Kap. 2,23 Bezug: „... und [er] kam und wohnte in einer Stadt, genannt Nazareth, damit erfüllt würde, was durch die Propheten geredet ist: Er wird Nazaräer genannt werden.“ Höchstwahrscheinlich geht auch der heutige hebr. Name für Christen (Nozerim) auf „Nazaräer“ zurück.

[3] Der Türhüter ist nicht Johannes der Täufer, sondern die durch den Heiligen Geist offenbarte Autorität Gottes.

[4] Die Unterschiede im Wortlaut (Mt 3,17: „eine Stimme [ergeht] aus den Himmeln, die spricht: Dieser ist mein geliebter Sohn“, 2. Pet 1,17: „eine solche Stimme an ihn erging: Dieser ist mein geliebter Sohn“) weisen darauf hin, dass Mt und 2. Pet den genauen Wortlaut enthalten, während Mk und Lk eine Umschreibung wiedergeben.

[5] Das Reich Gottes nimmt in den Evangelien – wie auch im ganzen Neuen Testament – neben der Versammlung (Kirche, Gemeinde) einen wichtigen Platz ein. Es ist die von Gott verordnete Herrschaft Seines Sohnes als König der Könige über Sein irdisches Volk Israel, aber darüber hinaus über das gesamte Weltall. Das Reich begann, als Christus, der König, auf der Erde, in der Mitte Seines Volkes Israel, erschien (vgl. Mt 12,28). Durch Seine Ablehnung und Verwerfung wurde das Reich nicht beendet, sondern nur in seiner Form verändert. Es besteht auch in der jetzigen Zeit Seiner Abwesenheit weiter, aber unter anderen Vorzeichen (die „Geheimnisse des Reiches der Himmel“; s. Mt 13). Seine wahren Jünger sind diejenigen, die von neuem geboren sind (Joh 3,3.5) und bei Seinem bevorstehenden Kommen entrückt werden. Die Zielsetzung des Reiches wird jedoch auch danach fortgeführt, wenn in der Drangsalszeit das Evangelium des Reiches verkündet werden wird (Mt 24,14). Seine Vollendung wird das Reich Gottes mit der Erscheinung Christi in Herrlichkeit zur Errichtung des Tausendjährigen Reiches finden. – „Nestle-Aland“ (die wissenschaftliche Ausgabe des Grundtextes des NT) hält die Worte „des Reiches“ im griech. Grundtext nicht für ursprünglich, daher stehen sie hier in Klammern. Doch der Inhalt der Predigt des Herrn Jesus bestätigt, dass es sich hier um die Botschaft vom Reich, noch nicht um das „Evangelium Gottes“ (Röm 1,1; 1. Thes 2,2) oder der Gnade handelt, das erst nach dem Kreuz verkündigt werden konnte.

[6] Fünfzehnmal und damit häufiger als in jedem anderen Evangelium schreibt Markus, dass der Herr lehrt: Kap. 1,21.22; 2,13; 4,1.2.; 6,2.6.34; 8,31; 9,31; 10,1; 11,17; 12,14.35; 14,49.

[7] Mit Aussatz ist in der Bibel nicht nur die Lepra gemeint. Der Begriff umfasst auch andere (Haut-)Krankheiten.

[8] Dreimal in diesem Evangelium sehen wir den Herrn Jesus „innerlich bewegt“: in Kap. 1,41 bei der Reinigung des Aussätzigen, in Kap. 6,34 angesichts der Volksmenge ohne geistliche Führung und in Kap. 8,2 vor der Speisung der viertausend Menschen. Insgesamt kommt dieser Ausdruck im NT achtmal mit Bezug auf Ihn vor (s. Mt 9,36; 14,14; 15,32; 20,34; Lk 7,13). Weitere dreimal verwendet der Herr Jesus ihn in Gleichnissen für Personen der Gottheit (Mt 18,27; Lk 10,33; 15,20).

Kapitel 2

Heilung eines Gelähmten in Kapernaum (Mk 2,1–12)

(vgl. Mt 9,1–8; Lk 5,17–26)

„Und nach einigen Tagen ging er wieder nach Kapernaum hinein, und es wurde bekannt, dass er im Haus war. Und sogleich versammelten sich viele, so dass selbst an der Tür kein Raum mehr war; und er redete zu ihnen das Wort. Und sie kommen zu ihm und bringen einen Gelähmten, von vieren getragen. Und da sie wegen der Volksmenge nicht an ihn herankommen konnten, deckten sie das Dach ab, wo er war; und als sie es aufgebrochen hatten, ließen sie das Bett hinab, auf dem der Gelähmte lag. Und als Jesus ihren Glauben sah, spricht er zu dem Gelähmten: Kind, deine Sünden sind vergeben. Einige aber von den Schriftgelehrten saßen dort und überlegten in ihren Herzen: Was redet dieser so? Er lästert. Wer kann Sünden vergeben als nur einer, Gott? Und sogleich erkannte Jesus in seinem Geist, dass sie so bei sich überlegten, und spricht zu ihnen: Was überlegt ihr dies in euren Herzen? Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett auf und geh umher? Damit ihr aber wisst, dass der Sohn des Menschen Gewalt hat, auf der Erde Sünden zu vergeben – spricht er zu dem Gelähmten: Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett auf und geh in dein Haus. Und er stand auf, nahm sogleich das Bett auf und ging hinaus vor allen, so dass alle außer sich gerieten und Gott verherrlichten und sagten: Niemals haben wir so etwas gesehen!“ (Markus 2,1–12).

Nach Verlauf einiger Tage kommt der Herr Jesus, der unermüdliche Diener, „wieder“ nach Kapernaum (vgl. V. 13; Kap. 1,21; 3,1). Schon bald wird in der kleinen Stadt bekannt, dass Er in einem Haus sei (V. 1), und viele kommen in das Haus, das bald bis an die Tür von Menschen gefüllt ist.

Was zog diese Menschen so an? „Er redete zu ihnen das Wort“ (V. 2). Er lehrte sie nicht wie ihre Schriftgelehrten, deren Unterweisungen über alle möglichen Nebensächlichkeiten des Gesetzes keine geistliche Kraft besaßen. Die Worte, die Jesus den Menschen sagte, waren „Worte der Gnade“ und „Geist und Leben“ (Lk 4,22; Joh 6,63)! Sie offenbarten die Heiligkeit und Gnade Gottes und brachten Sünder in Sein Licht, so dass sie gerettet werden konnten. „Das Wort“ ist die kürzeste Bezeichnung für die ganze Botschaft Gottes, sei es das Evangelium oder die Belehrung der Gläubigen (vgl. Kap. 4,33; 2. Tim 4,2).