GOTTSCHALKENBERG - Benno Camenzind - E-Book

GOTTSCHALKENBERG E-Book

Benno Camenzind

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Beschreibung

Manchmal kann ein Berg- und Augenwanderer ... eine Atempause träumen, sich im Strudel einer betörenden Gedankenwanderung wiederfinden.

Das E-Book GOTTSCHALKENBERG wird angeboten von tredition und wurde mit folgenden Begriffen kategorisiert:
Augenwanderung, Augenwanderer, Gratwanderung, innere Einkehr, Besinnlichkeit

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 32

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Benno Camenzind

GOTTSCHALKENBERG

… eine Atempause träumen

Erzählung

Imprint: beCam

Copyright: © 2015 Benno Camenzind

Lektorat & Satz: Erik Kinting / www.buchlektorat.net

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

Das Werk, einschliesslich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de

Für Ingrid

Unversehens öffnete sich dem Wanderer der von ihm ersehnte Weitblick. Die abwechselnd mal dichteren, mal lichteren Waldpartien hatte er nun hinter sich. Jetzt wieder in die Helle zu treten war ihm angenehm und er blieb vorerst einmal stehen. Der Ausblick in die Ferne, von diesem Aussichtspunkt aus, wirkte zu seiner Überraschung wie noch nie gesehen. Die Gegend kannte er jedoch, andere Wege war er da schon gegangen; es zog ihn immer wieder dahin und jedes Mal war die Genugtuung gross. – Der Gottschalkenberg war zunehmend zu seinem lieb gewonnenen Wanderberg herangereift.

Verborgen, als ob sie sich duckte, erblickte er eine verwitterte Holzbank, von einem beachtlichen, eher ausgedünnten und überaus knorrigen Holunderstrauch überragt, dessen Trugdolden sich unreif zeigten und der sich im Schutze eines ausladenden Bergahorns ausbreitete. Am rechten Ort zur richtigen Zeit, dachte er und liess sich auf die Bank nieder.

Dieser Ruheplatz überragte ein weites Blickfeld. Gleich unter ihm zeigte sich ein grasiger, für eine Viehweide viel zu steiler Abhang und ein paar Hundert Schritte entfernter standen einige wenige Behausungen, deren flechtenbedeckte Ziegeldächer, Rechtecke und Quadrate er wahrnahm. Sein unangestrengtes Spähen erkannte etwas weiter entfernt eine Ansammlung von Gebäuden am Waldrand, kaum auszumachen im Gegenlicht und im Schatten der Tannen; davor aber, gut erkennbar, waren in stockwerkhohen Anhäufungen gelagerte Baumstämme zu sehen; Rundhölzer und vorderseitig des von der Sonne beschienenen Hauptgebäudes gesägte Bretter und Balken, gestapelt in mehreren Lagen. Schrilles Sägen ertönte – oder war es ein Fräsen? Weiter ab, viel weiter, bot sich ihm der anregende, wolkenlose Panoramablick auf die Innerschweizer Berglandschaft. Die schneebedeckten Firne – sie zu zählen wäre wohl aussichtslos, zu verschachtelt, voreinander gestellt, hintereinander aufgetürmt zeigten sie sich. Doch vermochte er dem einen oder andern Gipfel den Namen zuzuordnen, hatte er doch einige von ihnen schon bestiegen.

Er hatte Erinnerungen.

Näher zum Betrachter hin waren, laienbühnenartigen Kulissen nicht unähnlich, violett dunkle Waldpartien und grüne, teilweise schon ins Bräunliche sich zeigende Alpweiden über der Waldgrenze zu erspähen; Voralpenberge, Hügelzüge und Hügelkuppen eigentlich nur, und da und dort wie Wunden in die Hänge gerissene Lawinenzüge, Wildbachläufe, Gesteinsrinnen oft nur und unweit im Talboden lag der See.

Seiner Augen Freude, seiner Sinne Lust, wollte er jauchzen! Aber dazu wäre seine Stimme dann doch zu dünn angelegt und könnte seinem momentanen Empfinden kaum genügend Ausdruck verleihen. Er war dabei eine anregende Augen-Wanderung zu unternehmen, im heimatlichen Bilderbuch zu blättern und dabei sinnvollerweise den Beinen eine Ruhepause zu gönnen.

So mochte er es!

Unten in der Siedlung bemerkte er Bewegung. Ein Mann trat hinter einem der Häuser hervor, Gartenwerkzeuge unter die Arme geklemmt, der ein Gartentor aufstiess, in den Hausgarten stapfte, einen Behälter niederlegte, zu harken begann und sich ab und zu bückte, offensichtlich Gartenarbeit verrichtete.

Die Blicke des auf der Bank Niedergelassenen blieben am anstelligen Gärtner haften. Dem Wanderer war das sich vor ihm Abspielende, das er zunehmend leicht besorgt betrachtete, ein Erinnern an den eigenen, vernachlässigten Garten. Wanderungen der Gartenarbeit vorzuziehen sei wohl Ausrede, Ersatzhandlung, musste er sich eingestehen. Aber wenn meine Unterlassung nicht mir, so wird sie wohl den Insekten und ihren Larven und somit auch den gartenbesuchenden Vögeln als zukünftigen Winterfutterplatz zugutekommen, sagte er sich, was wieder Wohlbehagen in ihm aufkommen liess.

Ein Auto kurvte in mässiger Geschwindigkeit eine eher steile Strasse aufwärts, nicht asphaltiert, dem Staub nach zu schliessen, den der Wagen hinter sich herzog. Er verschwand im Schattenwald des gegenüberliegenden Hügelzuges.