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Das Buch ist ein leichtfüßiger Aufruf zum gemächlichen Reisen. Kleine Erzählungen über eine Autofahrt durch Irland mit Zeit. Ein bisschen philosophisch und sehr norddeutsch.
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Seitenzahl: 116
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Für Holger
1963 -2013
Er fuhr zur See,
lebte auf St. Pauli,
genoss die Freiheit auf seinem Rennrad,
gründete eine wundervolle Familie
und
behielt Dithmarschen
in seinem Herzen
immer!
Danke, mein Freund.
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englisch: slow
plattdeutsch: suutje
Ik mok mi nie driven loten. Aber sik driven loten…grandios
Ich mag mich nicht treiben lassen. Aber sich treiben lassen…wunderbar.
Als ich im Frühsommer durch Irland tingelte, erkannte ich in vielen Begebenheiten Stoff für Geschichten. Zurück in der Heimat erwartete mich das Ende meiner wortreichen, belebenden und vertrauten E-Mail-Brieffreundschaft mit einem Landmaschinenmechaniker. Diese Lücke galt es zu füllen und so entschied ich mich diese Geschichten zu schreiben.
Während ich in meinem kleinen wackeren Auto durch die Landschaften Irlands fuhr, las ich nahezu täglich auf Verkehrsschildern das irische „Go Mall“, darunter das englische Wort: „Slow“.
„Langsam“ also, mein Motto fürs unterwegs sein. Sei langsam. Guck‘ Dich um. Sitze auf einer Parkbank und sinniere über die Liebe. Genieße Umwege und das falsche Abbiegen.
Zeit vergehen lassen und abwarten was passiert.
Ohne Navi. Nur eine Landkarte auf dem Beifahrersitz. Die Bereitschaft sich auf Straßen zu verlieren, wohlwissend: „All roads leads to Tipperary“, schiefen Wegweisern folgen und Sicherheit besteht aus Vertrauen, Zuversicht und die Mitgliedschaft beim ADAC. Das ist „Go Mall“ – irisches Reisen.
Go mall ... auf Plattdeutsch bedeutet: werde albern und verrückt, was irgendwie genau das Gegenteil von „Slow“ ist. Das Wortspiel machte mich lächeln, doch blieb ich in diesem Punkt auf der irischen Seite der Sprache: sei gemächlich und stets königlich.
…um wieder zurück zu kommen…mit null Prozent Fernweh im Herzen, durchtränkt von Landschaften
Seinen geschützten, vertrauten Lebensraum für einige Zeit zu verlassen, kann ein fantastisches Belebungselixier sein.
Unterwegs sein, ist gut, selbst wenn es eine aufreibende Reise ist, denn dann verwandelt sich das heimische Bett in den schönsten Ort der Welt. Man freut sich wie wahnsinnig, wieder zu Hause zu sein – geborgen. Ich weiß noch, als ich aus Island zurückkam, Tränen traten mir in die Augen als das Flugzeug in Hamburg landete…endlich wieder Supermärkte.
Mein Opa hatte Fernweh. Ein altes zerfleddertes Geographielexikon lag während meiner Kindheit ständig auf seinem Schreibtisch und als Sechsjährige konnte ich die Hauptstädte aller Länder nennen. Unser gemeinsames Ziel hieß Alaska. Sein Lebensurlaubsort war dennoch die Hollywoodschaukel im Garten. Als Meister des Müßiggangs genoss er dort seine Zigarre, sinnierte, summte vor sich hin und hielt sein Mittagsschläfchen - war zufrieden mit der Welt. Ein einziges Mal in seinem Leben verreiste mein Opa, da war er schon über siebzig. Sein Schwager nahm ihn mit nach Portugal. Aufgeregt in „Schapptüch“ und mit Armbanduhr saß er an seinem Schreibtisch und wartete auf Onkel Helmut. Zehn Tage später kam er zurück, die Augen so blau und strahlend, den Himmel Portugals leergeguckt, im Atlantik gebadet und die Taschen voller Muscheln - für mich.
Es gibt Menschen, die innerlich mit den Hufen scharren, heimlich den Koffer packen, große Packlisten anfertigen und sich doch nicht trauen, allein zu reisen. Sie glauben, es sei unabdingbar für das Erleben und für die Sicherheit jemanden an der Seite haben zu müssen. Oft ist eine Reisegesellschaft oder eine Kreuzfahrt, in der alles vorgegeben ist und kaum Raum für die eigene Wahrnehmung der Landschaft bleibt, der Kompromiss.
Allein reisen bedeutet, anderen Menschen zu vertrauen, sei es nun, um nach dem Weg zu fragen oder den Trick für das Öffnen des Tanks am Mietauto zu finden. Man lernt wieder auf Menschen zu zugehen, besonders, wenn man auch noch ohne Smartphone und Navi unterwegs ist. Menschen helfen gerne, solange sie keine Läufer auf dem Weg zu ihrer eigenen Selbstoptimierung sind. Nur widerwillig, selbst in Irland, unterbrechen diese Menschen ihr Gerenne, egal ob man gerade hingefallen ist oder hilflos mit einem Rad im Graben hängt. Halbherzig stellen sie die Frage: „Do you need any help?“ und denken dabei nur an ihre Pulsfrequenz, die durch diese unwillkommene Situation verkehrte Werte anzeigen wird. Da will man diesen Menschen auch nicht weiter belästigen und sagt: „I’m fine. Everything is perfectly alright.“ Läufer sind eine Spezies für sich – international, grenzübergreifend gleich – da muss man sich nichts vormachen – und so ohne Funktionskleidung gehöre ich noch nicht einmal zum selben Stamm.
Es soll Reisende geben, die grundsätzlich mit den schäbigsten Klamotten, praktisch kurz vor Altkleidersammlung, eine Reise antreten. Entweder gehören sie zu denen, die Angst vor einem Kofferklau haben und ihre gute Kleidung dadurch schützen, dass sie sicher zu Hause bleibt oder es sind die, die planen sich in ihrem Urlaubsort neu einzukleiden.
Ein großer Teil deutscher Urlauber schwören auf Funktionskleidung. Es gibt nichts, was so weit weg von sexy ist wie Funktionskleidung. Gekleidet für alle Eventualitäten, ausgerüstet für die Besichtigung von Schäfereien, der Guinness-Brauerei, des Ross Castles und spontan eben auch für die Besteigung des Mount Everest. Letztendlich schlurfen und rascheln diese Leute dann doch nur durch die majestätische Schönheit des Muckross Gardens und dessen anbetungswürdig blühenden Rhododendren. Sie wirken wie schreiendes Signalgelb zwischen sanften Pastelltönen von flieder und himmelblau.
Wohin ist der Tweed entschwunden, die Wachsjacke…wohin?
Man trifft Prominente auf Flughäfen.
Man stelle sich stets die Frage: „Wie will ich der großen, weiten Welt gegenübertreten?“ Meine Lebenserkenntnis, als „Fünf Freunde“- und „Jane-Austen“-Leserin lautet: „Constant Readiness in elegance and comfort“ also frei übersetzt: Vorbereitung ist alles und immer mit angenehmen Stil.
Auf Flughäfen gibt es immer Möglichkeiten Bücher zu kaufen. Man stelle sich vor, man stünde am Regal und hielte gerade einen Roman von Helen Simonson in der Hand und plötzlich eine Stimme: „I really can recommand that book“ und während man antwortete: „Oh I hope so I read „ Major Pettigrews last stand“, blickte man in die zwinkernden blauen Augen von Hugh Grant. So etwas kann passieren
Hätte Hugh Grant jemanden in Altkleidertrash angesprochen? Wir wissen es nicht, aber mit ein bisschen hipper Eleganz sind die Chancen größer. Ergibt das irgendeinen Sinn? Tja, nichts ist erhebender, als eine richtig gute Story aus seinem Leben zu erzählen und in ungläubige Gesichter zu gucken.
Go faiseanta! Sei stylish!
In den 8oern meinten wir mit, „ist mal wieder Zeit für „Stories aus dem Leben erzählen“, sich mit möglichst unterschiedlichen Leuten zu treffen. Das waren oft beschwingende Abende – bis zum frühen Morgen – konnten einfach nicht genug bekommen. Sich etwas aus dem Leben erzählen, fern vom Smalltalk oder Politikgequassel. Es sind auch keine Heldenberichte über sich selbst. Vielmehr berichtet man von Begebenheiten und Erinnerungen.
In Irland mag man gut erzählte Geschichten. Meine Erfahrung ist, sobald ich über eine kleine Begebenheit berichte, beginnen die Menschen auch zu erzählen. Während einer Fahrt im Flughafenshuttlebus begann ich ein Gespräch mit dem Fahrer. Wir erzählten uns wie sich alles um den Flughafen herum verändert hat, woran wir uns noch erinnerten und so ganz nebenbei fuhr er mich direkt vor die Tür des Abflugterminals – einfach so. Das fand ich wunderbar, vor allem weil mein Handgepäck ja ein ganz klein bisschen mehr wog als zulässig.
Geschichten erzählen verbindet – schon immer. Am Lagerfeuer, am Küchentisch oder im Zug.
Eines ist unabdingbar für das Erzählen von Geschichten: das Sprechen der Sprache.
Zur Vorbereitung meiner Südwesttour warf ich eine komplette Staffel „Downton Abbey“ in meinen DVD-Spieler und hörte die Originalversion beim Aufräumen, Kochen und Abwaschen. Rudimentäres Englisch bringt uns zwar durch, aber es lässt uns außen vor. Nahezu hilflos traf ich in Bantry ein italienisches Pärchen auf Hochzeitsreise. Jung, süß und völlig überfordert. Sie wirkten wie gestrandet ohne ihre italienische Zunge. In Italien sind die Italiener ja hemmungslos italienisch, schwimmen unbändig in ihrer Sprache, sobald sie das heimische Gewässer verlassen, sind sie weit, weit weg von ihrer charismatischen Persönlichkeit Mein Herz lief vor Mitgefühl über. Wieso zieht es Italiener nach Irland? Gibt es eine heimliche Faszination? Bei jeder Unsicherheit kamen die beiden zu mir. Zum Abschied gaben sie mir tausendmal die Hand.
Mir wurde durch diese kleine Begegnung nochmals klar: sobald wir Geschichten erzählen, wird der Mensch sichtbar. In Ländern, wo wir die Sprache nicht sprechen, sind wir vorübergehende Wanderer, was auch okay ist. Nur mit unserer Wohlfühl-Sprache können wir die sein, die wir sind.
Wie intensiv sich „Downton Abbey“ in meine DNA verwoben hatte, zeigte sich im Flugzeug von Hamburg nach Dublin. Das mit den öffentlichen Toiletten ist so eine Sache. Ich reise grundsätzlich mit Teatree-Öl im Gepäck um Toiletten zu desinfizieren – allerdings sind die Flugzeug-Toiletten oft mit einem schwankenden Boden verbunden und einige Menschen haben einfach Probleme. Die Aussicht für die Schuhe ist nicht so prickelnd, wenn man auf den Boden blickt. Meine Einschätzung von meinem Blasenvolumen war so, dass ich plante erst wieder in Dublin die „Restrooms“ aufzusuchen. Unterschätzt hatte ich den langen Sinkflug und das Sinken an sich, was sich irgendwie auf die Kapazität meiner Blase auswirkte. Auf den Punkt gebracht: ich war kurz davor mir in die Büx zu machen und es war absolut verboten im Landeanflug auf die Toiletten zu gehen. Atmen. Atmen. Atmen. Ich signalisierte meinen dänischen Sitznachbarn, dass ich sofort aufstehe müsse, sobald das Flugzeug aufsetzte. Gesagt. Getan. Gurt lösen, die Damen standen auf, ich eilte zur Stewardess und sagte: „I am so sorry to bother you, but I need the toilet immediatley, if you don’t mind. “ Kein Ordninäres: “Toilet! I must pee!“, sondern formvollendetes Upper-Class-Englisch.
In aller Höflichkeit erwiderte sie, dass es nicht ginge, ich solle für einen Moment Platz nehmen – in der 1. Klasse. Yeah! Dreißig Sekunden und dann aber ab zum Klo. Als ich wieder rauskam, verließen die ersten Passagiere das Flugzeug und mir blieb nichts anderes übrig, als mich neben die Stewardess zu stellen und die Passagiere mit zu verabschieden. Eine aufmerksame elegante hanseatisch wirkende Geschäftsfrau brachte mein Handgepäck mit nach vorn. Das fand ich umwerfend klasse - mitdenkende Aufmerksamkeit, die einem anderen das Leben leichter macht. Wunderbar!
Im Englischen gibt es diesen wunderbaren Begriff „Daylight robbery“ Ins Deutsche übersetzt, heißt es „Wegelagerei“. Heutzutage findet man an jeder Ecke die „moderne Wegelagerei“.
Bei meinem ersten Flughafen-Hotel empfand ich es schon als Daylight-Robbery, weil sie einen Euro für das Wiegen des Gepäcks nahmen. Nach zwei anderen Flughafen-Hotels kann ich sagen, dieses Hotel waren herzensgut – sogar mit Frühstück.
Mein zweites Flughafenhotel gab nichts umsonst ab. Selbst die obligatorische Seife sollte aus einem Automaten gezogen werden. Als ich vor 14.00 Uhr im Hotel anlandete, wollten die Dame vom Empfang 20 Euro extra kassieren, falls ich das Zimmer vor 14.00 Uhr zu belegen wünschte. Mit royaler Kühle erwiderte ich:
“There is no need. I don’t mind to wait. Is there any tea avaible?” Und was soll ich sagen, keine zehn Minuten später kam die Frau von der Rezeption an meinen Tisch und ich durfte auf mein Zimmer ohne Zuzahlung.
Das dritte Flughafenhotel …egal, weil…für das eigene Gemüt ist es wohl am besten, die Wegelagerei zu umarmen. Einfach „ja“ sagen, vielleicht ein „Wegelagerei-Budget“ einplanen. Wer weiß, ob solche Pfennigfuchser-Hotels sich nicht früher oder später von selbst auflösen.
Als ich mein schweres Handgepäck im Flugzeug ins Gepäckfach hochstemmen musste, fiel ich beinahe nach hinten rüber, doch ich durfte mir nichts anmerken lassen. In diesem Moment wünschte ich mir tatsächlich keinen einzigen hilfsbereiten Gentleman in meiner Nähe.
Für die Zukunft baue ich folgende Übung in meine Reisevorbereitungen in: „Die Kunst 13 kg Handgepäck so zu tragen, als seien es 5 kg“
…oder wie Michael Fassbender mich auf die richtige Spur brachte. Tänx, mate.
Als ich 1984 das erste Mal nach Irland reiste, mietete sich kein Mensch ein Auto. Es gab Autoreisende, die fuhren allerdings ihr eigenes Auto. Ansonsten nahm man öffentliche Verkehrsmittel oder trampte. Es dauerte gute zwei Tage, bis man die Insel erreichte. Damals nahmen wir von Heide einen Zug nach Köln, dort stiegen wir um in einen Zug nach London. In London galt es eine Übernachtung zu finden um dann am nächsten Morgen weiter mit dem Zug quer durch Wales nach Holyhead zu reisen. Dort wartete die legendäre Irische Fähre, die uns über die Irische See nach Dun Laoghaire brachte. Klassisches Reisen, klassisches unterwegs sein.
Im Jahr 2000 mietete ich mir zusammen mit meinem Freund Jan erstmalig ein Auto. Ohne im Besitz eines Führerscheins zu sein, genoss Jan die Schönheit der Landschaft. Mein Blick galt währenddessen der Straße.
