Gummistiefelyoga - Felix Tanner - E-Book
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Gummistiefelyoga E-Book

Felix Tanner

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Beschreibung

»Finden Sie durch Melken, Mähen und Holzfällen zu Ihrer inneren Mitte!« Die patente Landwirtin Auguste, 63, weiß zwar nicht, was genau dieses "Yoga" ist, aber sie hat da so eine Idee: Gummistiefelyoga für gestresste Städter! Menschen, die ihr bei der Arbeit helfen und dafür auch noch bezahlen? Das ist die perfekte Lösung für ihre Probleme, denn ihr Hof kann eine Renovierung, ihr Konto eine Auffrischung und sie selbst ein bisschen Unterstützung gut brauchen. Doch kaum treffen die ersten zahlungskräftigen Gäste ein, bricht sich Auguste ein Bein. Plötzlich müssen die Städter den Hof alleine schmeißen. Dabei weiß keiner, wie man Kälbern auf die Welt hilft, Wildschweine fernhält oder Kampfhähne bändigt. Gummistiefelyoga eben.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhalt

Cover & Impressum

Erster Teil

1 – Katzengeschrei

2 – Indien

3 – Detox

4 – Prinz

5 – Jungbulle

6 – Bauernfrühstück

7 – Milchtank

8 – Barbour

9 – I Will Survive

10 – Kuschelcoaching

11 – Hefezopf

12 – Traktor

13 – Weltwunder

14 – Mähwerk

15 – Fremde Frau

16 – Blumenkind

17 – Melkmaschine

18 – Teamspirit

19 – Wildsau

20 – Katastrophe

21 – Killerkommando

22 – Corleone

23 – Verschwörung

24 – Jagdglück

25 – Handarbeit

26 – Mörder

27 – Badehose

Zweiter Teil

28 – Tausendachthundert

29 – Hammerfrau

30 – Kindsköpfe

31 – Hühnerfüttern

32 – Hahnenkampf

33 – Misthaufen

34 – Gruppendynamik

35 – Glücksmilch

36 – Liebestöne

37 – Helden

38 – Glaube

39 – Geschenk

40 – Kirchgang

41 – Milchbeichte

42 – Sonnenblumen

43 – Rote Rosen

10 Glückstipps von der Bäuerin

Dank

4 – Prinz

Bei einem Heubad wird man in feuchtes, auf etwa vierzig Grad erhitztes Heu eingewickelt. Man schwitzt. Das wirkt entschlackend und entgiftend und hilft auch bei Rheuma oder Hexenschuss.Wenn man Heu von Hand mäht, schwitzt man auch, holt sich aber eventuell einen Hexenschuss.

Wenn du zweifelst, musst du handeln. Also macht sich die Auguste an die Arbeit. Der Reihe nach schaut sie in die sieben Zimmer, die für die Gäste infrage kommen. Manche hat sie schon seit Monaten nicht mehr betreten. Wer allein auf einem großen alten Hof lebt, benutzt die Schlafkammer, die Stube, die Küche und das Bad. Mehr braucht es nicht. Die Auguste rümpft die Nase. Es riecht ein bisschen muffig und modrig in den Zimmern. Sie eilt von einem zum nächsten und reißt die Fenster auf. Sie trägt den ganzen Krempel, den sie hier und dort abgestellt hat, weil diese oder jene Kammer ohnehin schon lange nicht mehr benutzt wurde, auf den Dachboden: einen staubigen Lederkoffer, eine Kiste mit Büchern, eine Kinderwiege aus Holz, Kleidersäcke mit Trachtenanzügen, die sind vom Magnus, Hutschachteln mit Trachtenhüten, auch von ihm, die alte Knopfharmonika vom Opa, einen Karton mit Mäusefallen, Rattengift und Mottenkugeln, eine Holzkiste mit alten Pfeifen, die nach Tabak duftet, alte Hüte, vier Plastiksäcke mit Laken, Vorhängen und anderen Stoffen, Alben mit vergilbten Fotos und so weiter. Das alles trägt die Auguste auf den Dachboden hinauf. Dort ist es trocken, weil der Wind durch die Ritzen der Fichtenbretter pfeift. An sich ist der Dachboden ein schöner Platz, wäre nicht überall der Marderschiss. Schmale, trockene dunkelbraune bis schwarze Würste. Die Auguste hört das Raubtier nachts oft rumpeln. Es ist ein Sauviech, aber was willst du machen? Klar könnte sie ihn mit einem rohen Hühnerei in eine Lebendfalle locken. Aber sie erinnert sich noch gut, wie der Magnus das versucht hat. Von fünf Versuchen verirrten sich mindestens dreimal Katzen in die Kiste. Sogar einmal die Mimi. Und alle Katzen waren am nächsten Morgen schwer traumatisiert, die wussten gar nicht, wie, was, wohin … Außerdem musst du, hat der Magnus immer gesagt, wenn du tatsächlich mal einen Marder gefangen hast, diesen über den nächsten Fluss fahren. Denn Marder sind standortfest und kommen auch, wenn man sie sechzig Kilometer weit fährt, immer wieder zu ihrem Hof zurück. Nur wenn ein Fluss dazwischen ist, vielleicht nicht. Aber wenn das jeder macht, dann fährt man die Marder nur durch die Gegend und hat statt des eigenen einen fremden im Haus. Das bringt doch nichts! Bei diesen Gedanken schnauft die Auguste ungehalten. Letztlich will der Marder doch auch nur sein. Außerdem scheißt er ja nicht bloß. Hin und wieder fängt er schließlich auch eine Maus, womit er einen Nutzen hat. Damit ist er in jedem Fall sinnvoller als eine Bank, die Bäuerinnen vom Hof vertreiben will, oder ein geldgieriger Leichenbacher, der den Hals nicht vollkriegt.

Sowie sie das fertig gedacht hat, betrachtet die Auguste den Marderschiss etwas gütiger. Obwohl der stinkt. Dann kehrt sie zurück und schrubbt die Dielen in den sieben Kammern. In der hinteren, deren Fenster zum Stall hinausschaut, tropft es von der Decke. Kurzerhand stellt die Auguste eine Wanne darunter. Das muss sie beobachten.

Sie wischt den Staub von den Schränken, sie schüttelt die Vorhänge aus, sie stopft die Vorhänge in die Waschmaschine. Sie hängt die Federbetten übers Fensterbrett, sie klopft die Kissen aus, sie tupft Lavendelduft hierhin und dorthin – den hat sie vor Wochen selbst angesetzt. Das geht ganz einfach: Distelöl in ein luftdicht abschließbares Gefäß, Lavendel zwischen den Fingern drüberreiben, Deckel drauf. Und dann musst du nur noch einen Monat warten. Geduld ist die Mutter vieler guter Gerüche und anderer Errungenschaften.

Doch nun klingelt das Telefon. Es wird doch nicht … jetzt schon … ein Gast? In Augustes Kopf rattert die Hoffnung wie die vier Zylinder ihres Traktors. Sie nimmt den Hörer vom Telefon, es ist ein altes noch mit Kabel, Ringelschnur und eckigen schwarzen Knöpfen.

»Bernreiter.« Auguste klopft das Herz. Wenn das funktionieren würde mit dem Bauernyoga! Wie würden die anderen im Dorf da schauen! Bauernyoga, würden die sagen, die Auguste hat sie nicht mehr alle. Aber das war ja klar! Eine alleinstehende Frau, die kann bloß auf verrückte Ideen kommen. So denkt das Dorf. Aber das Dorf denkt falsch. Eine alleinstehende Frau kann sehr wohl etwas bewegen, nicht nur in Sachen Bauernyoga oder Gummistiefelyoga, sondern insgesamt. Also ran ans Telefon.

Aber es ist leider nur die Gitti. Die Gitti ist die Cousine von der Auguste. »Grüß dich«, sagt die Gitti. »Warum bist du so außer Atem?«

»Ich bin am Putzen.«

Die Gitti wohnt leider dreißig Kilometer weg in der Kreisstadt, also ganz woanders. Sie ist erst dreiundvierzig und arbeitet in der Schönheitsbranche, wie sie es formuliert. Die Auguste glaubt, dass die Gitti Friseurin ist und wahrscheinlich auch Kosmetikerin. Aber eher nicht so mit Ausbildung, sondern hauptsächlich Learning by Doing. Was komisch ist: Zur Gitti, das erzählt sie immer wieder, kommen auch Männer in Schönheitsbehandlung. Für was muss ein Mann schön sein? Für was soll das gut sein? Das wird schon so eine Schönheitsbehandlung sein, denkt sich die Auguste. Also Schönheitsbehandlung mit Anführungszeichen. Aber weiter denkt sie darüber lieber nicht nach. Die Gitti ist nicht verheiratet, also nicht mehr – was vielleicht ja an der Gitti ihrer Tätigkeit in der Schönheitsbranche liegt, Stichwort männliche Kunden.

»Am Sonntag putzt du?« Die Gitti hat so eine freche, hohe Stimme, die Auguste findet das in Ordnung.

»Ja, ausnahmsweise.«

Wenn man es genau betrachtet, ist die Gitti keine richtige Cousine. Sondern die Tochter von der Cousine von Augustes Mutter. Aber eigentlich ist sie mehr noch eine Freundin, mit der man über vieles reden kann. Im Dorf geht das ja nicht mit vielen. Weil die meisten Leute vom Dorf nicht so über den Dorfrand hinausblicken. Die Gitti aber schon. Wobei die ja auch in der Kreisstadt … also hinausgezogen ist in die Welt und von daher schon gleich globaler denkt.

»Und was bringt die Putzausnahme mit sich?«

Die Gitti ist eine absolute Erscheinung, welche auf Männer wie auf Frauen magisch wirkt. Vor allem aber auf Männer.

Die Auguste weiß nicht, ob sie der Gitti die sonntägliche Putzausnahme erklären soll. Sie zögert.

»Was ist denn heute mit dir? Was bist du denn so wortkarg?«

»Es ist … ich … ich … ich arbeite an etwas Neuem.«

Ende der Leseprobe