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Krimi-Kurzgeschichten: Tod in Noordwijk aan Zee - Tod auf dem Neanderlandsteig - Tod im Olympiastadion Sozialkritische Erzählungen: "Mein anders Ich", erzählt die Geschichte über einen Jungen, der in queere Gefühlswelten lebt. "Die Laster meiner Familie" ist eingebettet in eine Alpenüberquerung und erzählt von Zerwürfnissen innerhalb einer Unternehmerfamilie.
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Seitenzahl: 114
Veröffentlichungsjahr: 2024
Krimi-KurzgeschichtenSozialkritischeErzählungen
KrimisMein anderes IchDie Laster meiner Familie
Von Karl-Heinz Hader liegen im Buchhandel folgende Bücher vor:
Fragende Augen der Kinder und der Jugend
ISBN 978 3 8334 7306 7
Utopia, bitte nicht ankommen!
ISBN 978 3 8370 5991 5
Mehr im Anhang
Alle Rechte/Copyright © liegen beim Autor
Karl-Heinz Hadder
Rheinallee 11
41460 Neuss
*** Quelle Internet ***
Tredition Verlag GmbH
Heinz-Beusen-Stieg 5
22926 Ahrensberg
Cover
Titelblatt
Urheberrechte
Tod in Noordwijk aan Zee
Tod auf dem Neanderland-Steig
Tod im Olympiastadion
Geburt Krankenhaus Familie Zirkuswelt
Tanja – Outing – Rückfall – Familie
Die Laster meiner Familie
Anhang
Cover
Titelblatt
Urheberrechte
Tod in Noordwijk aan Zee
Die Laster meiner Familie
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Tod in Noordwijk aan Zee Tod auf dem Neanderlandsteig Tod im Olympiastadion
Leuchtturm Noordwijk aan Zee
Tod in Noordwijk aan Zee
Was ist geschehen? Die Zeitung schreibt „Toter Rentner am Strand von Noordwijk aan Zee.“ Nach ersten Angaben der Rijkspolitie handelt es sich um einen 66-jährigen deutschen Rentner, der mit seiner Frau Urlaub gemacht hat.
Aber was ist passiert? Paul, Honorarprofessor an der Uni Düsseldorf, verabschiedet sich nach dem Abendessen von seiner Frau. „Ich gehe noch am Strand spazieren. Ich bin in einer Stunde zurück.“ Doch nach drei Stunden, es ist bereits 21 Uhr, ist er immer noch nicht ins Ferienhaus zurückgekehrt. Seine Frau wird unruhig und informiert die Polizei. „Leider können wir noch nichts machen. Für eine Suchaktion ist es noch zu früh“, versucht der Polizeibeamte Ehefrau Berta zu beruhigen. „Kommen Sie morgen wieder.“
Weit draußen in der Dünenlandschaft von Noordwijkerhout findet eine Strandläuferin Paul leblos im Sand liegen und versucht ihm, durch Mund- zu-Mund-Beatmung, Leben einzuhauchen. Dann ruft sie die Rettungswache an, die sehr schnell am Fundort ist. Aber zu spät. Paul ist tot.
Die Leiche wird in das rechtsmedizinische Institut nach Amsterdam überführt. Berta soll dort die Leiche identifizieren.
Behutsam wird sie vom Institutsleiter in den Leichenschauraum geführt. Er zeigt ihr die Schuhe, die Strümpfe, die Hose, die Windjacke, das Cape und das Handy. Und Berta bestätigt: „Das sind eindeutig die Sachen meines Mannes.“
Sie gehen dann in den Kühlraum, wo alle Leichen aufbereitet liegen. Doch dann die Überraschung, als das Leichentuch gelüftet wird. Voller Schreck ruft sie: „Das ist nicht mein Mann, nein, nein, das ist er nicht, das ist sein Zwillingsbruder Peter!“, schreit Berta. „Mein Mann hat keinen Leberfleck im Intimbereich!“
Fest steht: Die Leiche am Strand wurde mit Pauls Sachen ausgestattet und am Strand, an der Wasserkante abgelegt. Stunden später wird Berta von einer sehr erfahrenen älteren Kriminalbeamtin behutsam verhört.
„Als was hat Ihr Mann gearbeitet? Woran arbeitet er zurzeit? Hatte er eine Affäre?“ Weiterhin versucht sie ihr soziales und wirtschaftliches Umfeld noch tiefer zu erkunden.
„Und wie war das Verhältnis des Zwillingsbruders zu Ihnen?“ „Gut, sehr gut“, antwortete Berta.
„Aber warum trifft sich Ihr Mann am Strand und nicht in dem Ferienhaus?“
Die Umstände, die zum Tod geführt haben, können zunächst nicht eindeutig geklärt werden. Berta geht davon aus, dass es sich um eine Erbangelegenheit handelte.
„Mein Mann hat als Privatmann einige Patente angemeldet und arbeitet zurzeit an der Uni Düsseldorf, im Umweltschutz, an einer Klima-Weltformel.“ „Dann kann es sich nur um eine Entführung handeln“, meinte die Beamtin. Die Leiche am Strand wurde mit Pauls Sachen ausgestattet und bei der Obduktion hat man festgestellt, es handelte sich nicht um Paul, sondern um Peter, seinen Zwillingsbruder.
Die Entführer haben ihn über Amsterdam-Schiphol nach London entführt und versuchen über diplomatische Kanäle Verbindungen zum Deutschen Wirtschafts- und Forschungsministerium herzustellen mit einer Lösegeldforderung von einer Million Euro. Der Außenminister schaltet sich ein. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf nimmt ihre Arbeit auf und steuert die einzelnen Fachabteilungen. Der Geheimdienst wird informiert. Der entführte Paul befindet sich in einem privaten Labor außerhalb von London.
„Wo bin ich?“ Er hat keine Ahnung, wo er sich befindet. Das kleine trübe Licht von oben leuchtet nur einen kleinen Kreis aus. Vergeblich sucht er nach Fixpunkten im Raum. Er erhebt sich von seiner Matratze. Der Boden und die Wände fühlen sich feucht und muffig an. Jetzt ist er hellwach. Die Augen gewöhnen sich an das Halbdunkel. In der Ferne hört er Motorengeräusche und Straßenbahnen bimmeln. Und im Hintergrund Stimmengewirr mit osteuropäischem Slang, aber auch deutsche Laute sind zu hören. Schwere Stiefelschritte nähern sich.
„Gott sei Dank, ich lebe noch. Aber wo bin ich?“
Er schließt wieder seine Augen und wartet ab, was passiert. Seine Brust und sein Hals schnüren sich zusammen.
„Ist er immer noch nicht aufgewacht?“, ertönt im Hintergrund eine dunkle Stimme. „Holt den Wassereimer!“ Rasch öffnet Paul die Augen. Vor ihm steht ein Mann mit schwarzen hohen Bikerstiefeln, Lederjacke und einer Gesichtsmaske.
„Bitte nicht“, fleht er ihn an. Fragen auf Fragen prasseln auf ihn ein. Der Mann zielt mit der Waffe auf seinen Kopf. Er schließt wieder die Augen. Sinnlose Gedanken rasen durch seinen Kopf.
„Bitte nicht, nicht jetzt“, wimmert er. Nach etlichen Drohungen, seine Familie zu töten, gibt er einiges über die Klima-Weltformel preis. Das Formelwerk mit Aufbau und Anwendung ist linear in 28 Module aufgeteilt. Nur lückenlos ist es anwendbar. Paul stellt Modul 1 bis 3 und das Schlussmodul 28 verkürzt vor. Die Forscher versuchen das zu verstehen. Aber sie scheitern. Und fragen nach Sinn und Zweck der Klima Weltformel.
„Das Prinzip ist einfach“, antwortet er.
„Was an schädlichen CO2-Emissionen weltweit in die Atmosphäre geblasen wird – *** der weltweite Ausstoß von Kohlenstoffdioxid nimmt seit 1960 kontinuierlich zu und erreichte im Jahr 2019 seinen bisherigen Höchstwert von rund 36,4 Milliarden Tonnen Kohlenstoffdioxid*** –, soll aufgesaugt und in gleicher Menge als reiner Sauerstoff zurückgegeben werden, so wie es die Bäume machen.“ *** Wälder reinigen unsere Luft und filtern für uns schädliche Partikel heraus. ***
Und erklärt weiter: „Flugzeuge, Autos, Schiffe, Kohle- und Gaskraftwerke und sonstige Dreckschleudern müssen umgerüstet werden.“ Es gibt zwei Interessengruppen, die die Klima-Weltformel verhindern oder besitzen wollen. Die Industrie, die gewaltig investieren müsste, aber nicht mit neuen Belastungen konfrontiert werden möchte. Und Russland, dessen Wirtschaftskraft abgeschlagen weit hinter der westlichen Welt rangiert, möchte die Klima Weltformel politisch und wirtschaftlich besitzen.
Am Strand von Noordwijk versucht die Spurensicherung den Fall zu rekonstruieren. Man entdeckt zwei eng verlaufende Spuren im Sand, Größe 45, die in die Dünen von Noordwijkerhout in eine Sandmulde führen. Vom Dünenkamm wurden die Brüder von vier Männern beobachtet und als sie in der Mulde sitzen, überfallen. Zwillingsbruder Peter wird mit einer Spritze betäubt. Paul gefesselt und geknebelt. Handy, die komplette Kleidung und Schuhe wurden entwendet und dem Zwillingsbruder angezogen. Am Strand, an der Wasserkante, wurde er abgelegt.
Der gefesselte Paul wurde zum nahen Campingplatz entführt und am späten Abend mit einem Privatjet nach London geflogen.
Die Spurensicherung hat am Tatort einige Haare und Hautschuppen sichern können. Sie stellt fest, dass es sich um dieselben Täter handelt, die 2018 ein Attentat mit Nervengift auf den russischen Doppelagenten und seine Tochter im englischen Salesbury durchgeführt haben. Moskau bestreitet wie immer, etwas mit der Tötung und Entführung zu tun zu haben.
Mittlerweile sind die Akten bei der Staatsanwaltschaft in Düsseldorf angekommen. Bei der Vernehmung stellte sich heraus, dass Berta eine Affäre mit dem Zwillingsbruder Peter über mehrere Jahre führte. Sie hat Informationen ihres Mannes weitergeleitet. Ihr Mann ist ein gesetzestreuer Steuerzahler.
Anders als sein Zwillingsbruder, ebenfalls ein Wissenschaftler, der bereits wegen Steuerhinterziehung und Untreue strafrechtlich belangt wurde. Finanziell angeschlagen, wurde er vom russischen Inlandsgeheimdienst, FSB, angeworben. Als Mitwisser musste er getötet werden. Der Frau konnten keine Mitwisser- oder Täterschaft nachgewiesen werden.
Nach drei Wochen zähen Verhandlungen mit den Entführern wurde das Labor lokalisiert und mit Hilfe der englischen Polizei gestürmt. Und Rentner Paul wohlbehalten gerettet. Es wurde kein Lösegeld gezahlt.
Auf dem Neanderlandsteig
Tod auf dem Neanderland-Steig
Diesen Gedanken kann ich nicht loswerden. Schon vor vierzig Jahren hat mir dieser abscheuliche Gestank, die von Verwesung durchsättigte Luft, bei meiner ersten Mordermittlung sehr zugesetzt. Ich bin vom Tatort kotzend auf die Straße geflüchtet.
„Da musst du durch“, meinte mein Kollege Wolfgang. „Leichen sind keine Kindergeburtstage“, versuchte er mich zu beruhigen.
Den größten Teil meines Berufslebens, ich bin mittlerweile Pensionär, 68 Jahre alt, war ich bei der Kriminalpolizei in Köln und in Mettmann tätig. Ein großartiges Team! Wir ermittelten gegen Mörder, Serienkiller. Viele, viele Taten, über die man nicht gerne spricht. Und heute bin ich Wanderführer von der SGV-Abteilung Erkrath-Haan. Ich habe noch guten Kontakt zu meiner alten Dienststelle und unterstütze bei Bedarf die jüngeren Kollegen.
„Eigentlich bin ich Pensionär und im Ruhestand. Aber warum tue ich mir das alles noch an?“, frage ich mich. „Weil es mir immer noch Spaß macht und weil ich es noch kann!“
Wir sind auf dem Neanderlandsteig, Etappe 10 von 17, von Ratingen-Homberg nach Haan-Gruiten, eine schöne, abwechslungsreiche Etappe, durch romantische Bachtäler und Wälder. Ein nahendes Gewitter zwingt uns, einen Unterstand zu finden. In der Ferne ein verlassenes Gehöft. Ich treibe meine Wandergruppe an. Wir nähern uns dem Anwesen. Mein Hund Tasso, ein Cocker Spaniel, treuer Begleiter unserer Wandergruppe, wirkt unruhig, zieht an der Leine. Blitz und Donner lassen uns schneller gehen. Wir erreichen das baufällige Gehöft. Glück gehabt, gerade noch geschafft. Schon prasseln die ersten dicken Regentropfen auf das Dach und wenig später peitschen Böen den Regen gegen die Holzhütte. Wir öffnen das alte knarrende Scheunentor und treten in die große Tenne ein. Links und rechts verlassene Kuhställe und Pferdeboxen. Alte Fuhrwerke und ausgediente Maschinen behindern die Sicht. In der Ecke die Sattelkammer mit Geräteraum, Werkstatt und kleiner Pausenraum für Knechte und Mägde. Und da sind sie wieder, diese bedrückenden Gedanken und scheußlichen Verwesungsgerüche, die bei feuchtwarmer Luft intensiver sind als bei Kälte. Ich stoppe sofort die Wandergruppe.
„Keiner geht mir nach!“
Tasso, mein Hund, wird immer unruhiger, nimmt Witterung auf und zieht mich durch die ganze Tenne bis zu einer kleinen, klobigen verschlossenen Tür. Mein Unterbewusstsein sagt mir:
„Stopp, nicht weiter.“
Ich wähle die 110 und lasse mich mit der Kripo Mettmann verbinden.
„Wir sind im Stinderbachtal, nahe dem Koxberg.“
Polizeioberrat Rosenbaum ist geschockt über die Nachricht und stellt sofort ein Team zusammen aus KTU, Hundeführer und einem medizinischen Forensiker. Nach circa 30 Minuten trifft das Team ein. Die klobige Tür wird aufgebrochen. Gänsehaut und ein Frösteln durchströmen meinen Körper. Es ist mir anzusehen, denn Rosenbaum beobachtet mich.
„Stinkt fürchterlich!“, sagt er. „Lass uns das mal machen!“
Verkrampft antworte ich: „Halb so schlimm!“ „Wenn wir deinen Rat brauchen, rufe ich dich.“ Ich verharre und schaue in die Mitte der Bauernstube. Und aus dem Augenwinkel heraus sehe ich die Leichen. Bewege mich nicht vom Fleck. Mein Puls und Herz rasen wie auf einer Achterbahn. Mein Adrenalinspiegel steigt. Überall Blut. Mein Verstand sagt mir: „Schau weg!“ Doch die Gesichter der Toten starren mich an. In ihren Gesichtern liegen Panik, Angst und endloses Entsetzen.
„Solche Anblicke kann man nicht vergessen.“
Eine Wandergruppe ist brutal getötet worden. Nachdem ich mich gesammelt habe, betrachte ich die Szenerie, die ein Mörder, nein, ein Killer hergerichtet hat. Die KTU arbeitet akribisch und untersucht jedes Detail im Raum. Der Forensiker beugt sich über die Leichen und versucht den Tatverlauf zu rekonstruieren. Doch den genauen Zeitpunkt der Tat kann er erst im Labor feststellen.
Auf dem riesigen Esstisch liegen neben alten Essensresten und leeren Flaschen eine Liste mit Datum, Wanderetappe und fünf Namen. Es ist die gleiche Etappe, die wir heute gehen. Allerdings, das Datum ist vom Vortag. Aus weiteren Etappenaufzeichnungen geht hervor, dass die Gruppe auf dem gesamten Neanderlandsteig, mit seinen siebzehn Etappen, seit zehn Etappen unterwegs ist.
„Das sind verdammt viele Tote“, meint Rosenbaum und fügt hinzu: „Bestimmt nicht seine ersten Morde.“
„Das ist ein Serienkiller“, ergänze ich. Ich wäge alles ab: „Er muss sehr überzeugend als Gast von der Gruppe aufgenommen worden sein.“
