Hänge-Party - Andrea Eckstein - E-Book

Hänge-Party E-Book

Andrea Eckstein

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Beschreibung

Was soll schon kommen nach dem Studium? Ein Leben wie das der spießigen Nachbarn von obendrüber? Auf keinen Fall! Da sind sich die beiden Bewohnerinnen der gemischten Vierer-WG, Fritzi und Mara, einig. Und sie finden, dass ihr WG-Neuzugang ein Fehlgriff ist und dringend wieder ausziehen sollte, weil er nicht richtig mitwohnt. Ansonsten haben die beiden Frauen wenig konkrete Vorstellungen von ihrer Zukunft. Sie genießen einfach das Leben, sprechen stundenlang über Männer und die Liebe, lästern und feiern. Hauptsache, es ist immer genug Alkohol da und die Kippen gehen nicht aus. Nur irgendwann ist auch die längste Party mal vorbei... Der Roman Hänge-Party ist eine Reise zurück in die wilden 1990er Jahre, mitten ins Lebensgefühl einer ziemlich unbeschwerten Generation.

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Seitenzahl: 359

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Die Autorin:

Andrea Eckstein, geboren in den späten 1960er Jahren, ist im Badischen aufgewachsen und hat in Karlsruhe Literaturwissenschaften, Geschichte und Kunstgeschichte studiert. New Wave, Techno und die Ausläufer des Punk waren prägend für ihre Jugend und die jungen Erwachsenenjahre - eine Zeit, in der ihr alles möglich und nichts gefährlich schien. Heute ist sie Redakteurin bei den Hörfunknachrichten des hr. „Hänge-Party“ ist ihr erster Roman.

Danke den lieben Helferinnen:

Allen voran der Biedermännin & Frau Irle für ihre wertvolle Zeit, Nerven und Tipps

Gabi & Moni

Und an meine reale Familie.

Inhaltsverzeichnis

Carpe Diem

Abwarten und Ramazzotti trinken

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Ein Küsschen in Ehren kann keiner Verwehren

Unverhofft kommt oft

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Kommt der Appetit beim Essen?

Je später der Abend, desto schöner die Gäste

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt

Trau, schau wem

Des Pudels Kern

Auf den Zahn gefühlt

Bis in die Puppen

Schall und Rauch

Waterloo

Der Ball ist rund & das Spiel dauert 90 Minuten

Blut ist dicker als Wasser

Man muss die Feste feiern, wie sie fallen

Reisende soll man nicht aufhalten

Ende gut, alles gut?

1. Carpe Diem!

"Wir müssen ihn rauswerfen - es reicht langsam! Der weiß genau, wie wir drei uns das vorstellen hier in der WG, das Zusammenleben! Haben wir ihm klar und deutlich gesagt an dem Abend, als er sich hier vorgestellt hat. Und er hat genickt, gelächelt und eine mit uns geraucht. Der hat uns verarscht! Der wollte nur das Zimmer haben, der Rest, also wir, seine Mitbewohner und alles, waren dem wurscht, Hauptsache Zimmer zum drin Rumpupen, zu 'nem bezahlbaren Preis!"

Mara stieß eine kleine Rauchwolke aus dem Mundwinkel, schnippte die Asche von der Zigarette und drückte die Kippe energisch aus. Sie zog ärgerlich die Augenbrauen zusammen, als sie merkte, dass sie erst halb zu Ende geraucht hatte, zischte leise “Sch…” vor sich hin und zündete sich gleich die nächste Kippe an.

Dann sah sie mir mit einem stechenden Blick in die Augen: "Ja, isso!!!", schob sie hinterher und reckte angriffslustig den Kopf nach vorne, wie eine Schildkröte auf Koks. Mit ihrem Po berührte sie den Stuhl nur auf einer maximal fünfmarkstückgroßen Fläche.

Mara war wütend.

Sie senkte den Kopf, damit ihr der pfeilgerade Pony dramatisch vor die Augen fiel. Ich bemerkte einen dunklen Fleck etwas unterhalb von Maras Ohrläppchen. Aha, frisch blauschwarz gefärbt, die Haare, dachte ich und sagte erstmal nichts.

"Wo ist überhaupt der Aschenbecher mit dem Drehdeckel? Den hat bestimmt der Blödmann mit in sein Zimmer genommen und uns stattdessen das olle Glasding hier hingestellt!" Mara gab dem randvoll mit zerdrückten Kippen und Kronkorken gefüllten Aschenbecher einen Schubs. Er schepperte ein paar Mal hin und her und spuckte einen kleinen Ascheregen auf die Tischplatte, die sehr vage an Marmor erinnerte, stilisierten Marmor, wie bei Sockeln von goldfarbenen Plastikstatuen aus Souvenirläden.

Es war erstmal aus mit meiner Gemütlichkeit, soviel war klar!

Ich hatte mir den Morgen in unserer WG-Küche anders vorgestellt. Ruhig wollte ich in den Tag fließen, mit einem gemütlichen Frühstück. Ich liebte es, wenn ich die Küche mal ganz für mich alleine hatte. Wenn ich einfach so wortlos in ihr sitzen konnte und nichts tun.

Die Küche war der Raum mit der sonnigsten Atmosphäre in der ganzen Wohnung. An diesem Morgen warf die Februarsonne dicke Strahlen auf den Topf mit der vertrockneten Orchidee auf der Fensterbank. Und die wiederum warf einen langen dünnen Schatten auf die Fensterbank. Hinter der Balkontür lächelten die Stapel der leeren Bier- und Wasserkisten. Nach den kalten Tagen genossen sie jetzt ihren Logenplatz auf dem Balkon. Nicht einmal der dämliche Junge der Obendrübers fuhr mit seinem Elektro-Bobbycar zwischen den Garagen im Betonhof vor und zurück. SURrrrr vor, surRRR zurück. Oft machte er das stundenlang, als hätte er nicht alle Tassen im Schrank. Selbst als kleines Kind konnte man doch nicht so verblödet sein, dass man an so einem monotonen Schwachsinn ernsthaft Spaß hatte? Mal kurz vielleicht, aber dann? Andererseits – bei den Eltern war es auch kein Wunder!

An diesem Morgen war die Stimmung also friedlich und freundlich gewesen und da hatte ich mir spontan gedacht: „Carpe Diem!“ Meine Abschlussarbeit konnte warten. Auf einen Vormittag mehr oder weniger an meinem Schreibtisch kam es nun wirklich nicht an. Stattdessen würde ich frühstücken bis der Arzt kommt. Open End. Ich würde auf dem unbequemen Küchenstuhl sitzen bleiben, bis meine Gesäßknochen vor Schmerz brannten. Immer wieder würde ich meine Kaffeetasse bis knapp über die Hälfte füllen und langsam austrinken.

Man machte die Tassen nie voll, bei uns in der WG. Niemand machte das. Dann blieb zu wenig Rand von der Tasse übrig und man konnte den Kaffee nicht richtig genießen, weil er nicht langsam zum Mund floss, sondern aufdringlich heranschwappte, kaum dass die Lippen die Tasse berührten. Das störte die allmähliche Annäherung und brach die Vorfreude auf den Moment jäh ab, in dem der warme aromatische Sud begann, den Mundraum zu fluten. Ich hatte es den anderen erklärt und sie hatten es sofort verstanden. Und so gab es bei uns in der WG nur große Kaffeepötte, die grundsätzlich bis maximal knapp über die Hälfte gefüllt wurden.

Ich wusste, der viele Kaffee heute würde mich nach und nach ganz kribbelig werden lassen, vielleicht flatterte mir später sogar das Herz oder meine Hände zitterten ein bisschen, während gleichzeitig mein Mund trocken und mein Hirn müde würde. Aber das war mir egal. Kaffee-Overload. Es schmeckte halt so gut. Das konnte man nicht auf zwei, drei Tassen am Tag beschränken, schon gar nicht, wenn „Feine Milde“ im Spiel war.

Ich schüttete die Sesambrötchen aus der Bäckertüte auf meinen Teller. Am Glas mit der selbstgemachten Erdbeermarmelade meiner Mutter perlte das Kondenswasser in kleinen Tropfen ab und die Kanne der Kaffeemaschine füllte sich.

Die "Feine Milde" von Tchibo in der hellblauen Verpackung war unser absoluter WG-Lieblingskaffee. Svenni hatte ihn eines Tages mitgebracht. Er hatte sich an den Küchentisch gesetzt, eine Ecke der Alufolie abgeschnitten und den unvergleichlichen Duft entweichen lassen. Er hielt das Päckchen Mara und mir unter die Nasen.

"Perfekter Kaffee!", sagte Svenni, schloss die Augen, drückte leicht auf die Packung und nahm dann selbst eine Nase voll. Auch Mara und ich waren verzückt. Svenni setzte feierlich eine Kanne auf und verstaute das angebrochene Päckchen dann in einer Dose mit Deckel, damit das Aroma nicht entweichen konnte. Wir saßen andächtig am Küchentisch vor unseren Tassen, tranken schlückchenweise und machten "Oh" und "Ah". Immer leisteten wir uns den guten Kaffee nicht, häufig gab es "Ja", "Tipp" oder "Onko" bei uns. Umso größer war die Freude, wenn jemand mal wieder ein Päckchen von dem guten Kaffee spendierte.

Ich betrachtete die tanzenden Staubkörnchen in dem Sonnenstrahl, der neben mir zu Boden fiel und freute mich, einfach so...

Da ratschte ein Schlüssel im Schloss, die Haustüre flog auf, dass die Scheiben in ihren Rahmen schepperten, ein Trampeln war zu hören, als käme gleich Knecht Ruprecht ums Eck und schon saß Mara wutschnaubend bei mir am Frühstückstisch. Mein schöner Morgen war dahin. Das war mir sofort klar.

Statt Stille und Gemütlichkeit gab es Krawall, weil Mara ausgerechnet heute merkte, dass sie die Nase voll hatte von unserem neuen Mitbewohner Atze.

Dabei hatte sie ausdrücklich für Atzes Einzug in unsere Vierer-WG gestimmt, aus völlig freien Stücken. Das war gerade mal ein paar Wochen her. Wir hatten einen ganzen Bewerberpool gehabt, aus dem man bequem einen passenden Fisch auswählen konnte. Mara hatte als Erste von uns dreien gesagt: "Also ich bin dafür, dass der Atze bei uns einzieht!"

Dabei hatte Atze rein gar nichts gemacht, um das begehrte Zimmer zu bekommen. Andere hatten versucht witzig zu sein, manche hatten Sprüche geklopft, auf cool gemacht oder auf hilfsbereit, wieder andere hatten den Heimwerker herausgekehrt oder Müllrunterbringservice auf Lebenszeit angeboten. Atze hatte einfach nur auf dem Boden in unserer Küche gesessen, sich eine Kippe nach der anderen gedreht und die Witzchen seiner buhlenden Mitbewerber mit einem kurzen, brummelnden Lachen quittiert und einem belustigten Kopfschütteln. Dann hatte er sich wieder in seinen schwarzen Locken herumgefummelt. Mehr nicht.

Ich muss sagen, dass ich auch fand, dass das was hatte. Es war schon irgendwie cool, dass er sich so gar nicht bemühte, für sich zu werben. Mara hatte sein Verhalten extrem beeindruckt. Sie fand Atze sei genau der Richtige. Obwohl er keine vernünftige Waschmaschine oder andere nützliche Dinge besaß, die er in die WG hätte einbringen können.

Dabei hätten Mara und ich eine neue Waschmaschine schon super gefunden. Unsere konnte nur noch 30 und 60 Grad und ließ manchmal ein wenig unter sich. Außerdem war das Flusensieb extrem schwer zu öffnen. Selbst mit einer Rohrzange brauchte man Bärenkräfte. Unten warf der Lack Blasen und dort, wo er abblätterte, war Rost.

Mara meinte, Atze sei unkompliziert, unaufdringlich und dennoch gesellig. Er kochte nach eigenen Angaben gerne, trank gerne mal ein Bierchen und er war - wie Mara, Svenni und ich - auch Raucher. Atze studierte Informatik, war aber im Moment am Überlegen, ob er nicht vielleicht doch "irgendwie was anderes" machen wollte.

Maras Begeisterung hatte schnell nachgelassen. Sie hatte recht kurz nach seinem Einzug schon deutlich gemacht, dass er nicht hielt, was sie sich vorgestellt hatte. Und jetzt war ihre Geduldsschnur urplötzlich am Ende. Sie forderte den sofortigen Rauswurf. Fehlende Entschlussfreude konnte man ihr nicht vorwerfen!

Ich fand Atze auch nicht so toll. Aber an Rauswurf hatte ich noch überhaupt nicht gedacht. Und an diesem Morgen kam mir ihr Vorstoß wirklich ungelegen! Also sagte ich:

"Wieso denn gleich rauswerfen? Ist was passiert oder hat er was Schlimmes gemacht?", und biss in mein Marmeladen-Sesambrötchen. Die Marmelade rann mir zwischen Zeige- und Mittelfinger hinunter, in dünnen Schlieren. Es klebte.

"Hä - wie was Schlimmes gemacht, was ist das denn für eine Frage?" Mara riss ein Blatt von der Küchenrolle und reichte es mir. Sie pustete in ihren blauschwarzen Pony.

"Naja, wenn Du ihn rauswerfen willst - muss es ja schon einen triftigen Grund geben! Irgendwie muss er ja was gemacht haben, dass Du ihn loshaben willst. Man wirft ja nicht einen aus der WG, weil es einem gerade so eingefallen ist und weil heute zufällig Dienstag ist!" Ich wischte mir mit dem Zewa die Marmelade von den "Schwimmhäuten" zwischen den Fingern. Es klebte trotzdem noch.

"Hab ich doch gesagt, wieso der wieder ausziehen soll: Der macht hier nicht mit, der tut sich komplett raus! Das passt einfach nicht. Der will gar nicht mit uns hier wohnen, der will nur in unserer Bude hausen, weil das Zimmer nicht viel kostet." Mara rückte mit ihrem Stuhl näher an den Tisch, griff sich das Erdbeermarmeladenglas und wischte mit den Daumen das Kondenswasser ab.

“Außerdem spült er noch nicht einmal seine Schamhaare aus dem Abfluss, wenn er geduscht hat. Und er macht die Klobrille nicht wieder runter, wenn er gepinkelt hat.”

Ich zog skeptisch eine Augenbraue in die Höhe und sagte: “Das mit der Klobrille macht Svenni auch manchmal.”

“Ja klar! Vielleicht sollen wir Atze Danke sagen, dass er seine Bremsspuren wegmacht, wenn er kacken war?”, antwortete Mara giftig, schüttelte den Kopf und überlegte kurz. Dann beugte sie sich über den Tisch zu mir und flüsterte:

"Man weiß doch nie, ob der da ist, oder nicht. Der ist doch auch nie in der Küche, höchstens ganz früh morgens, wenn wir alle noch pennen. Das ist doch irgendwie unheimlich! Gruselig. Oder halt einfach blöd. Mich nervt´s auf jeden Fall total. Ich kann das nicht mehr ertragen, echt jetzt!“

Maras Flüsterton hatte sich wieder auf normale Zimmerlautstärke gesteigert und in der schimpfte sie weiter: „Und dann pfeift der immer leise keine Melodie vor sich hin, so dumm verlegen: füfüfü füfü füfü füfü füfüfüfü füfü...”

Ich musste zugeben, das klang täuschend echt nach Atze!

"Du bist wirklich sehr nah am Original", sagte ich anerkennend, "Mir ist das bisher nie bewusst aufgefallen, dass er manchmal so blöd rumpfeift aber stimmt, ja, macht er wirklich!"

"Außerdem sieht er immer so ungewaschen aus. Und seine Klamotten riechen auch, als würde er kein Waschmittel benutzen", setzte Mara nach.

"Kein Waschmittel, du bist gut: der hat doch hier noch nie die Waschmaschine angefasst. Wahrscheinlich wäscht der gar nicht, sondern reinigt chemisch - durch Einquarzen mit Kippenrauch in seiner Stinkebude!"

Wir mussten beide lachen. Mara griff sich die große grüne Tasse mit dem abgebrochenen Henkel aus dem Schrank und goss sich "Feine Milde" ein. Das wirkte. Der dickste Dampf war erstmal abgelassen.

Ich sah hinüber zu unserer bunt zusammengewürfelten Küchenzeile. Mittendrin stand die olle Waschmaschine, unter ihr eine winzig kleine Pfütze. Ihr Bullauge war fast blind, aber man konnte trotzdem gut erkennen, dass sich von innen Wäschestücke an die Scheibe drückten. Meine. Ich hatte mal wieder vergessen, die Sachen rechtzeitig rauszuholen. Nachher würde ich versuchen, sie von Hand ein wenig glatt zu ziehen und dann über den Wäscheständer im Flur zu werfen. Bügeln kam nicht in Frage. So etwas machte niemand von uns.

Ich stand auf, um meine klebrigen Marmeladenfinger über der Spüle abzuwaschen. Dabei war allerdings der Stapel dreckiger Töpfe und Teller im Weg, der sich bis dicht unter den Wasserhahn türmte.

"Ich bin mal gespannt, ob das wieder so ein Topfturm wird wie letztes Wochenende!", sagte ich und schüttelte das Wasser von meinen Händen, weil wieder nirgends ein Handtuch hing.

Am vergangenen Samstag war Svenni ohne zu spülen in sein Heimatkaff abgerauscht, um Mutti die dreckige Wäsche zu bringen und, um mit der Landjugend und den der Jugend bereits entwachsenen Landmännern, schlechten Fußball gegen andere schlechte ländliche Fußballmannschaften zu spielen. Die WG-Spüluhr hatte schon seit Tagen auf SVEN gezeigt. Mara und ich hatten ihn mehrmals darauf hingewiesen, dass er mit dem Spülen dran war. Svenni sagte jedes Mal “Jaja, nachher”, und machte dann nichts.

Ich hatte einen Topf oder eine Pfanne für meinen Bulgur mit Tomatensoße gebraucht. Wie beim Mikado hatte ich geschaut, ob sich etwas herausziehen lässt, ohne den ganzen Berg zum Einsturz zu bringen, aber aussichtslos! Schließlich hatte ich aufgegeben und begonnen, in brackiger Brühe eingeweichte Schüsseln und Töpfe mit aufgequollenen Nudeln und Auberginenstückchen vom Stapel abzutragen. Ich fischte Tassen mit angegorener Milch aus Zwischenräumen. Hielt Teller mit Senf- und Soßenresten unter den Wasserhahn. Klaubte Gabeln, Messer und Löffel vom Spülbeckenboden. Dann nahm ich ein Zewa und popelte Kartoffelstückchen, Wurstpelle und Käserinde aus dem Sieb, damit die Stinkebrühe abfließen konnte. Das kostete mich wahnsinnig Überwindung! Verdrecktes Geschirr, Essensreste, überhaupt jegliche Art organischen Abfalls (Komposthaufen!!!) fand ich unglaublich ekelig. Obwohl ich sonst nicht ordentlich war, das ging gar nicht! Der Gammelgeruch löste bei mir Würgereiz aus. Schon als Kind hatte ich mich immer vor dem Spülen gedrückt. Lieber trocknete ich ab.

Ich fand es so assig von Svenni, den Dreckberg stehenzulassen und einfach abzuhauen! Je länger ich spülte, desto mehr steigerte ich mich hinein - Svenni konnte sich auf was gefasst machen, wenn er mir unter die Augen kam!

Das war dann allerdings erst am Sonntagabend. Bis dahin war mein Zorn verraucht. Svenni entschuldigte sich tausendmal. “Tut mir leid, echt!” Dackelblick. Also ließ ich kein Donnerwetter los, sondern hielt nur einen kurzen Vortrag über Sinn und Zweck einer Spüluhr.

"Setz Dich doch wieder!", holte mich Mara aus meinem Tagalptraum und fragte dann: "Haben wir eigentlich noch Sekt? So ein kleines Sektfrühstück wäre doch jetzt nett!"

Wir hatten tatsächlich noch einen guten "Fürst Metternich" im Kühlschrank.

Maras Blick fiel auf die Getränkekisten auf unserem Mini-Balkon.

"Ich finde, wir sollten wirklich endlich mal das Leergut wegbringen und den Balkon freiräumen. Dann könnten wir dieses Jahr draußen sitzen, wenn der Sommer kommt! Das wäre doch richtig geil!"

Mara war ständig am Räumen, Umdekorieren, Verändern. Sie brauchte permanent Beschäftigung. Selbst wenn sie am Küchentisch saß, musste sie an etwas herumfummeln: Kondenswasser vom Marmeladenglas wischen, den Aschenbecher auf der Tischplatte hin und her drehen oder sie rupfte kleine Stückchen vom Rand der Zewarolle, bis sie einen Schnipselberg vor sich hatte. Den schichtete sie dann hin und her, legte ihn zu Mustern, blies rein, bis sie ihn schließlich in die hohle Hand fegte und in den Müll warf. Diese Unruhe nervte mich eher. Aber, was die Idee mit dem Balkon betraf, war ich ganz bei ihr. So ein freigeräumter Balkon, das wäre schon ein Gewinn!

"Vielleicht kaufen wir noch ein kleines Planschbecken?", sagte ich, "Dann können wir sogar baden, ein bisschen Wasser rein, dass es bis zum Bauchnabel reicht oder wenigstens für die Füße. Das wäre cool! Wenn wir die Handtücher übers Balkongeländer hängen, sieht uns keiner, dann könnten wir sogar FKK machen!"

2. Abwarten und Ramazzotti trinken

Im hinteren Balkoneck standen zwei verwitterte Plastiktüten mit verblasstem "Netto"-Aufdruck, die noch in den Müll mussten. Aus ihnen ragten ein paar Flaschenhälse. Man sah die rostigen Ränder, die Kronkorken auf dem Boden hinterlassen hatten und die Abdrücke der Kästen. Wahrscheinlich war der Beton einmal lindgrün gestrichen worden. Jetzt war er gräulich und obendrein rissig.

"Cool, wir haben's wirklich gemacht! Wir sind echt geile Säue! Jetzt haben wir einen Balkon zum draußen sitzen im Sommer. Yuhuuuu!", jubelte Mara laut, sprang auf und beugte sich über das Geländer, von dem sich ein kleiner Schauer Farbplättchen löste und nach unten rieselte, auf den Balkon von Oma Koll. Mara nahm ihr Sektglas vom Boden, prostete mir zu und drückte mir einen dicken Schmatz auf die Wange.

"Ich weiß, wer sich bestimmt nicht mit uns freut: Oma Koll!", kicherte sie. "Wenn wir jetzt nicht nur ständig vergessen, samstags die Treppe zu putzen, sondern auch noch ihren Balkon vollrieseln und die Kippen in ihre Geranien schnippen..." Mara kniff ein Auge zu, als ob sie zielen wollte.

"Oma Koll hat glaub ich gar keine Geranien – und sowieso ist sie total okay", nahm ich sie in Schutz.

Im Prinzip war ich für jedwede Lästerei zu haben. Aber sich über okaye Leute lustig machen, nur weil man gerade überschwänglich war, das konnte ich nicht leiden.

Unsere Untendrunter-Nachbarin war supertolerant uns gegenüber und wahrscheinlich auch schwerhörig. Nie kam sie hoch und sagte was, wenn wir laut waren. Sie "erinnerte" uns nur manchmal vorsichtig ans Treppeputzen, wenn wir ihr zufällig über den Weg liefen. Ansonsten lebte sie unauffällig und freundlich vor sich hin. Ganz anders als die Obendrübers! Die waren ein verkniffener Haufen Spießer. Wegen jeder Kleinigkeit klingelten sie und beschwerten sich. Da kannten die gar nichts!

"Echt jetzt? Oma Koll hat keine Geranien?", tat Mara verwundert und beugte sich nochmal übers Geländer. Es rieselte wieder. "Ö, stimmt! gar keine Blumenkästen! Das wundert mich jetzt...aber Familie Obendrüber, die hat hundertpro welche!" Mara drehte sich jetzt mit dem Rücken zum Geländer und beugte sich maximal nach hinten, um zu erspähen, welche Blumen die Obendrübers an ihrem Balkon hatten.

"Ich seh's einfach nicht!", meldete sie, haarscharf am Kipppunkt.

"Ich tippe mal, die haben gar keine Blumen vorm Balkon, im Februar? Höchstens Plastikgeranien. Das würde mich bei denen jetzt auch nicht wundern!”, sagte ich, schnappte mir Maras Handgelenk und zog sie vom Geländer weg, “Setz dein Leben nicht aufs Spiel wegen der Obendrübers – das lohnt sich wirklich nicht!"

Wenn ich jemandem zutraute, durch einen blöden Zufall mal eben so einen Abflug übers Balkongeländer zu machen, dann Mara.

Dass Geranien nur was für Spießer sind, hatte ich schon in früher Kindheit gelernt, von meinem Vater. Ich fühlte mich von ihm eingeweiht in ein Geheimnis des Lebens. Bevor ich wenig später merkte, dass das mit den Geranien mehr ein Gemeinplatz war als Insiderwissen für Auserwählte.

Mein Vater hatte getobt und geschimpft wegen des saftigen Knöllchens, als wir mit unseren Eltern im Schwarzwald zum Wanderurlaub waren. Eigentlich war mein Vater ein ruhiger Typ, fast sanftmütig. Wut oder Zorn waren im fremd. Deshalb war ich damals sehr beeindruckt.

„Und merk dir eins: Trau keinem, der Holzimitat-Blumenkästen vor dem Balkon hat!“, warnte er meinen Bruder und mich, als sein Ärger gerade dabei war zu verrauchen,“die Geranien haben die nur, um sich dahinter zu verstecken und dann andere Leute zu verpetzen.“ Dabei schaute er provokant hinauf zu seinem imaginären Feind.

Mein Vater hatte in einer kaum befahrenen Straße am Rand geparkt, entgegen der Fahrtrichtung. In seinen Augen ein Verstoß, der nicht der Rede wert war und der keinen interessierte. Als er den Strafzettel unter dem Scheibenwischer herauszog, war er sich sicher, dass nur ein Anwohner ihn angeschwärzt haben konnte, der hinter seinen Geranien gelauert hatte.

Die Verkehrssünde kam ihn so teuer, weil der Strafzettelschreiberin nicht entgangen war, dass seine Vorderreifen kaum mehr Profil hatten und sein TÜV gerade abgelaufen war. Wegen der Geschichte gab es obendrein noch eine ziemliche Szene von meiner Mutter.

"Ich denke, wir sollten einfach eine Balkoneinweihungsparty feiern, wenn es warm wird. Damit machen wir den Obendrübers eine große Freude. Wenn sie dann runterkommen zum Motzen, können wir sie persönlich fragen, ob sie eigentlich Geranien haben", schlug ich vor.

Mara spuckte den Schluck Sekt, den sie gerade im Mund hatte, wieder aus und lachte laut los:

"Super Idee! Oh Gott, sind wir albern oder vertragen wir keinen Alk vor Sonnenuntergang? Lass uns losfahren und die Kästen wegbringen, bevor es zu spät ist. Auf zu Kolossa!"

Wir liebten Kolossa, Mara und ich, weil es dort alles gab. In einem einzigen Laden einfach alles und von allem auch noch eine riesige Auswahl! Sonst gingen wir meist zu Penny oder Netto, weil es da viel billiger war. Kolossa gönnten wir uns nur ab und zu mal. Ob man frisches Obst oder Gemüse brauchte, Wurst oder Käse, ein Bügelbrett (was wir natürlich nicht brauchten), eine Pfanne, ein Fahrrad, Hausschuhe, Deo oder Duschgel, einen Spiralblock, einen Radiowecker, Caramba Kontaktspray, Blumen oder eine Isomatte, bei Kolossa konnte man es kaufen. Man musste nicht nochmal in ein extra Geschäft. Das fanden wir sehr praktisch.

Vor allem im Sommer schlenderte ich gerne an den kilometerlangen Kühltheken entlang, weil es einen da so schön schaurig fröstelte, wenn man ein paar Minuten davorstand und so tat, als suche man die Buttermilch.

Am liebsten aber mochte ich das Süßigkeitenregal mit der Schokolade und den Keksen. Es gab so viele Sorten! Schon als ich klein war, hatte ich davon geträumt, mich nachts in die Konditorei in der Bahnhofstraße einschließen zu lassen und mich dort durch die Pralinenauslage zu mampfen.

Die Konditorei hatte eine lange, tiefe Theke, in der die Pralinen auf silbernen Tabletts zu Pyramiden aufgeschichtet waren. Es gab kugelige mit und ohne Schokostreusel, eckige mit einer Pistazie obendrauf und sogar welche mit lila Schlieren. Ich hätte mir ein wenig Platz in der Theke gemacht, die Tabletts auseinandergerückt und mich dann mitten reingesetzt. In aller Ruhe hätte ich Praline für Praline probiert, die harte Schokohülle mit einem Knack aufgebissen und zuerst einmal geschaut, wie es drinnen aussieht. Die mit dem harten Kern, hätte ich im Mund schmelzen lassen, mit geschlossenen Augen. Die mit einer weichen, cremigen Füllung hätte ich mit der Zunge leergepopelt und dann den Rest der Schokohülle gegessen. Und die mit Alkohol drin hätte ich einfach wieder ausgespuckt. Pralinen mit Alkohol, schlimm!

Wenn ich vor dem endlosen Süßigkeiten-Regal bei Kolossa stand, dann hatte ich wieder diesen Wunsch, eingeschlossen zu werden mit den ganzen Köstlichkeiten. Ich flanierte auf und ab, sah mir an, was es so gab. Sollte ich die Mürbetaler nehmen mit dem Puddingklecks in der Mitte oder das makronenförmige Kakaogebäck mit dem flüssigen Kern? Zuckerwatte im pinkfarbenen Tütchen oder Erbeerschnüre? Die Schokolade mit der weißen Nougatfüllung oder die mit dem Karamellcrisp?

Was die Süßigkeitenmeile für mich war, das war die Käsetheke für Mara. Sie aß für ihr Leben gern Käse in allen Varianten, selbst die super stinkigen Sorten und auch blaugrünen Schimmelkäse oder gar Ziegenkäse. Mara aß sie alle, ohne mit der Wimper zu zucken. Außerdem hatte sie eine Schwäche für Dosenwürstchen oder welche im Glas, wegen der weichen Pelle, wie sie sagte und überhaupt, weil sie so eine perfekte Konsistenz hätten. Man könne sie mit der Zunge am Gaumen zerdrücken und müsse nicht kauen.

Fast 90 DM Pfandgeld brachten uns die Kisten. Wir setzten alles sofort wieder um, außer Fingers von Cadbury, Galettes Bretonnes und Russisch Brot aus dem Keksregal, holten wir Roquefort, Chaumes und Esrom aus der Käsetheke. Wir kauften wieder neuen Sekt, außerdem Warsteiner, Rioja, Chio Chips, Ültje Erdnüsschen, Balsen Salzstangen, Milky-Way, Haribo-Colorado, mehrere Dosen Ravioli von Maggi und Serbische Bohnensuppe sowie Wienerle im Glas und außerdem alles, was man braucht für eine Ratatouille.

Es war, als hätten wir bei einem dieser Gewinnspiele gewonnen, die gerade im Privat-Radio rauf und runter liefen: "einmal kolossal shoppen bei Kolossa - rufen Sie jetzt anananan und geeeeeeewinnen Sie das totale Einkaufserlebniss... niss... niss... niss! 0190 - 338338 - jetzt anrufen 0190 - 338338!" Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, man höre nicht Radio, sondern sei vielmehr auf dem Jahrmarkt gelandet, beim Himalaya-Express: "Und jetzt aufgepasst, äääs geht rückwärtstststst und TimboTimboTimbo! Da bläst einem der Wind ins Gääsischt, das macht LLLLaune, das macht Spaßßßßß!"

"Ich koch uns eine richtig geile Ratatouille, mit sauviel Knoblauch!", verkündete Mara voller Vorfreude.

Svenni stand ein wenig verloren mitten in der Küche. Mein Vater würde sagen "wie bestellt und nicht abgeholt". Er grinste verlegen und fuhr sich mit den Fingern durch sein langes, rötliches Haar.

"Wo kommet ihr jetzt her?", fragte er.

Es war erstaunlich, dass Svenni uns gegenüber manchmal so eine peinliche Verlegenheit an den Tag legte, obwohl wir schon lange zusammenwohnten, dachte ich. Mara sagte immer,

Svenni sei halt verklemmt, das ändere sich auch nicht mehr.

"Guck mal auf den Balkon - merkste was?", antwortete sie.

Svenni schaute auf den Balkon, überlegte kurz, ob er was merkte und sagte dann:

"Oh, des isch ja de Hammo!"

Svenni konnte kein richtiges Hochdeutsch, nur so ein glattgebügeltes Softschwäbisch, das ihm die Kommunikation auch mit nicht Süddeutschen ermöglichte und das er selbst für Hochdeutsch hielt. Für jemanden aus dem Stuttgarter Umland war es zugegebenermaßen nicht schlecht. In Maras und meinen Ohren verriet sich Svenni damit aber als Landei, sobald er den Mund aufmachte.

Svenni half uns die Einkäufe hochtragen. Er war eben ein wohlerzogener junger Mann.

In Nullkommanichts hüllte Maras Ratatouille die Küche, den Flur und sogar das Klo in eine knofi-tomatige Duftwolke. Auf dem Tisch stand eine entkorkte Flasche Rioja und neben meinem Teller ein kleines Römergläschen mit geriffeltem grünen Stiel. Svenni hatte einen Cognacschwenker und die Köchin als Einzige ein richtiges Rotweinglas, mit schlankem Stil.

"Sollet wir net beim Atze klopfe und frage, ob er sich zu uns setze möcht?", schlug Svenni vor.

Falsches Thema!

Mara legte sofort los: "Wieso? Damit er uns die Ratatouille wegfrisst und dann wieder in seinem Zimmer verschwindet? Ich brauch den gar nicht mehr. Der soll lieber ganz abhauen, der Rumpuper, wir sollten den rausschmeißen und uns jemand Netten suchen, der hier einzieht!"

"Des isch doch jetzt net dein Ernscht?", lachte Svenni, "Der isch doch grad erscht eizoge!"

"Eben nicht! Das ist es ja, der ist doch nicht wirklich eingezogen, der ist doch nie da und wenn, dann tut er so, als wäre er nicht da! Der wohnt doch überhaupt nicht richtig und schon gar nicht MIT uns!"

Mara wiederholte schließlich, was sie mir schon zu dem Thema gesagt hatte, zum Teil sogar wortwörtlich und erntete von Svenni eine ähnliche Reaktion und einen sehr "konkreten" Vorschlag zur Güte:

“Ah komm, Mara, erschtmal abwarte und Tee trinke!”

Ich musste innerlich grinsen, sparte mir aber einen Kommentar.

Svenni schenkte schnell Rioja nach und hob sein Glas. Mara runzelte die Stirn, gab dann aber überraschenderweise erstmal Ruhe. Vielleicht war sie irritiert, weil Svenni ihr einen so selten dämlichen Spruch reingedrückt hatte? Er hatte auf jeden Fall ein Händchen dafür, sie runterzudimmen. Seine Taktik war, Mara einfach nicht so ernst zu nehmen. Das wirkte meistens ganz gut. Nur wenn Mara und ich uns verbündeten, dann hatte Svenni keine Chance und gab lieber gleich klein bei.

"Cheerio" sagte er, und wir knallten unsere Gläser gegeneinander, "so jung kommer nimmehr zsamme!"

Draußen vor den Fenstern ließ sich der Abend in die Hinterhöfe fallen und drin in der Küche machte sich eine dunstige Wärme breit. Das und der Rioja trieben mir die Röte auf die Wangen und Schweißperlen auf die Stirn. Mara hatte blaue Lippen und blaue Zähne. Svenni ein Dauergrinsen im Gesicht. Wir quatschten durcheinander, belangloses Zeug, giggelten, entkorkten eine weitere Flasche, aßen Chips und Milky-Way, rauchten und ließen dann wieder eine Portion kühle Abendluft herein.

Schließlich war Svenni so überschwänglich, dass er noch einmal forderte, Atze zu uns zu bitten:

"Komm, wir gebet ihm noch e' Schos, wir henn bschtimmt noch e' Glas im Schrank!"

Die Tür löste sich mit einem dumpfen "Plopp" vom Magneten. Svenni verschwand mit Kopf und Schultern zwischen den Regalböden und hielt schließlich ein Schnapsglas mit einem bunten Wappenaufdruck in die Höhe:

"Sag ich's doch!", grinste er.

Mara johlte: "Genau die richtige Größe, mehr hat er auch nicht verdient! Prost Ätzi!", rief sie und hob ihr Weinglas.

Svenni füllte das Schnapsglas mit dem Rest Rioja aus der Flasche. Das war gar nicht so einfach. Man brauchte eine ruhige Hand und ziemliches Geschick, um überhaupt zu treffen. Für mich ein Ding der Unmöglichkeit! Aber Svenni bekam das hin. Kein Tropfen ging daneben.

"Komm, wir gehe klopfe!", sagte er zu mir.

"Atze? Wir sitzet grad gmütlich in der Küch, magsch net e Gläsle mit uns trinke?", Wir giggelten albern vor der Tür herum. Keine Reaktion auf der anderen Seite.

"Aaaatze, huhu, wir sind's, Deine Mitbewohner!", ergänzte ich, aber weiter keine Regung.

"Sollet wir einfach reingehe?", fragte Svenni.

Ich wunderte mich, dass ausgerechnet der sonst so korrekte Svenni auf so eine Idee kam und bremste:

"Nee, lieber nicht."

Inzwischen hatte sich Mara von hinten angeschlichen:

"Ich mach die Tür auf und geh da jetzt rein! Wer weiß, was der da drin treibt?"

"Nein, das kannst Du nicht bringen!", beschwor ich sie und positionierte mich vor der Türklinke. Mara griff blitzschnell hinter meinem Rücken durch. Mit einem "Klack" schwang die Tür ins dunkle Zimmer.

Wir stierten, auf der Schwelle verharrend, in den Raum. Durch das Fenster fiel ein bisschen Laternenlicht herein, es roch muffig. Vor der Wand lag eine Matratze mit einem zerknüllten Schlafsack. Daneben stand eine Nachttischlampe auf dem Boden. An die andere Wand lehnte sich ein mickriger Schrank aus Plastikplane mit Reißverschlusstüren. Ein paar Klamotten lagen verstreut auf dem Boden herum. Das war alles. Unspektakulär, einfach nur ein liebloses Jungs-WG-Zimmer ohne besondere Merkmale.

"Koiner da", stellte Svenni als Erster fest.

"Gottseidank!", sagte ich erleichtert.

"Mich interessiert aber, ob der den Aschenbecher mit dem Drehdeckel aus der Küche eingesackt hat. Bestimmt steht der irgendwo in seinem Zimmer! Lasst mich mal gucken", sagte Mara, drängte sich zwischen uns und stellte sich auf die Zehenspitzen. Dabei blieb sie aber wie festgetackert im Türrahmen stehen. Ins Zimmer hineinzugehen, wagte sie nicht. Heimlich in WG-Zimmern von Mitbewohnern herumschnüffeln, das ging selbst ihr offenbar eine Spur zu weit. So wankte sie also, auf unsere Schultern gestützt, auf den Zehenspitzen hin und her und versuchte, ihren geliebten Drehaschenbecher aus der Ferne zu erspähen – vergeblich.

Wir schlossen die Tür und gingen zurück in die Küche. Mara war verärgert, wohl weil sich ihre Hoffnung auf den Aschenbecher nicht erfüllt hat. Sie holte zu einer neuen Tirade gegen Atze aus:

"Das ist doch nicht normal! Nie weiß man, ob der da ist oder nicht. Der hat sich klammheimlich rausgeschlichen. Und habt ihr das gerochen, wie muffig es da stinkt, in seiner Bude? Wegen dem kriegen wir nachher noch Schimmel an die Wände. Die Sau, der wäscht sich sicher auch nicht richtig!"

"Die", sagte ich. Mara sah mich fragend an. "Die Sau, DIE wäscht sich nicht, nicht die Sau, der wäscht sich nicht..."

"Klugscheißer!", zischte sie und feuerte Blitze aus ihren Augen.

Svenni schaute uns belustigt an. "Ramazotti?", fragte er und spülte flüchtig drei Wassergläser aus. Er zog eine verbogene Eiswürfelform aus dem dick verschneiten Gefrierfach, ließ die Würfel in die Gläser gleiten und goss das hustensaftartige Zeugs drüber. Mara und ich verzogen angewidert das Gesicht.

Er schob jedem ein Glas hin: „Koine Widerrede!“

3. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Wir waren ein gutes Team, Svenni, Mara und ich und bevor Atze dazukam, auch Berni. Wir trafen uns in der Küche und leisteten uns Gesellschaft. Wir gingen zusammen weg und liehen uns ein Ohr. Wir gingen getrennt voneinander weg und hatten Spaß mit unseren anderen Freunden. Wir saßen im Hörsaal und in unseren Zimmern an den Schreibtischen. Manchmal brachte jemand freiwillig den Müll runter. Ernsthaft Streit gab es nie, nur mal Verstimmungen wegen dem Spülen, dem Putzen oder wenn jemand so lange das gemeinsame Telefon blockierte oder das Bad.

Berni, auch Maschinenbau FH wie Svenni, war eher ein ruhiger Zeitgenosse gewesen, aber trotzdem regelmäßiger Gast in der Küche. In der Zeit, bevor er auszog, war er allerdings kaum mehr da gewesen. Er schrieb seine Diplomarbeit bei irgendeiner Pumpenfirma, von der ich den Namen vergessen habe und fing danach auch dort an zu arbeiten. Deshalb hatten wir übrigen drei uns am Ende auch auf einen neuen vierten Mitbewohner gefreut, damit wir wieder komplett wären - aber bis jetzt war die Rechnung nicht aufgegangen. Womöglich brauchte Atze einfach noch ein bisschen Zeit, um aufzutauen?

Ich war mit meinen Gedanken abgeschweift, während ich mal wieder lustlos an meinem Schreibtisch saß. Schattiges Licht hing schwer in meinem Zimmer, der große Baum draußen dehnte sich üppig in die Breite und streckte seine Äste vor meine beiden Fenster, als wolle er ihnen die Augen zuhalten. Seine Blätter wedelten hämisch hin und her, und suchten die ideale Position, um möglichst viel Tageslicht abzublocken, damit es erst gar nicht bis zu den Fenstern kam, geschweige denn durch sie hindurch zu mir, an meinen Schreibtisch. Der Baum war eine Platane. Aber anders als seine freundlichen Kollegen in Frankreich, die dort auf Plätzen rumstehen, in romantischen, südlichen Städten, und Schatten spenden, damit man seinen Café Crème genießen kann, ohne dass einem die Sonne das Hirn wegbruzzelt, hatte die Platane hier keine sinnvolle Aufgabe. Sie machte nur ein ohnehin schon dunkles, kühles Nordzimmer noch dunkler und noch kühler! Überhaupt war dieses Exemplar viel zu groß und zu ausladend. Man hätte ihm mal rechtzeitig die Äste stutzen sollen, damit es eine vernünftige und für einen Stadtbaum angemessene Form einnimmt. Ich konnte den Baum nicht leiden, er lenkte mich ab, mit seiner Präsenz, dem Blättergewedele und seiner aufdringlichen Photosynthese!

Vor mir stand mein PC. Sein dunkelgrün oszillierender Bildschirm flackerte und wartete drauf, dass hellgrüne Schriftzeichen ihn füllten.

Ich saß seitlich am Tisch. Meine Füße hatte ich auf dem Rand meines Metallmülleimers abgestellt. Um mich herum lungerten, über fast die ganze Tischplatte verteilt, aufgeschlagene Bücher mit eingeklebten Zetteln. Die gelben Postit-Blöckchen ließ ich immer mal in der Rechtsanwaltskanzlei mitgehen, wenn ich dort jobbte. Unter meinem rechten Unterarm lag der Spiralblock, in den ich meine Kugelschreibernotizen kritzelte.

So voll wie der Schreibtisch war, so leer war mein Kopf!

Ich löste meinen Blick von der Platane und ließ ihn im Zimmer herumwandern, vielleicht kauerte ja irgendeine Art von Inspiration oder Geistesblitz in einem Eck? Ich glaubte fest an die besondere Macht und Kraft von Ecken. Sie waren sehr spezielle Orte. Schließlich trafen in ihnen alle drei Dimensionen aufeinander. Die Länge, die Breite, die Höhe begegneten sich hier und verschmolzen in einem Punkt, dem Eck an sich. Wer weiß, was die da so trieben, was da so entstand? Weitere Dimensionen oder zumindest Inspiration? Ich stellte das Eck scharf und ließ es dann wieder vor meinen Augen verschwimmen. Gedankenzoom. Funktionierte manchmal. Heute aber nicht. Es passierte nichts, außer, dass die Zeit verschwand, verschluckt vom Konzentrationspunkt der drei Dimensionen.

Mein Blick fiel herunter und plumpste sehnsuchtsvoll auf den Toshiba-Fernseher, der leider im Moment aus bleiben musste, weil ich mich ja mit etwas "Sinnvollem" beschäftigen musste. Konzentration statt Zerstreuung! Ich dachte wehmütig an "Arabella", "Hans Meiser" oder "Bärbel Schäfer," die ich verpasste. Deren Talkshows hatten immer hemmungslosere Gäste zu bieten, mittlerweile ausschließlich zu Beziehungs- oder Sexthemen, wie etwa: "Du hast mich betrogen, jetzt reicht's aber!" oder "Du hast mit meiner besten Freundin geschlafen, jetzt reicht's aber wirklich!" oder "Mir reicht's, gib endlich zu, dass Du mit meiner besten Freundin geschlafen hast!" Man konnte sich stundenlang von einer Talkshow zur anderen durchzappen und "Gäste wiederentdecken" spielen. Die spektakulärsten machten Talkshow-Hopping und tauchten nach und nach überall auf!

Eine für meine Arbeit nützliche Eingebung war in diesem Teil des Zimmers ziemlich sicher nicht zu finden.

Auf einem selbstgezimmerten Lattenrost an der Wand ruhte meine Matratze, mein Bett. Sie sah irgendwie müde aus, wie sie so dalag, bezogen mit einem hellblauen Spannbetttuch, das schmale Falten schlug. Ach, die unselige Matratze, sie hatte mir bisher kein Glück in Liebesdingen beschert! Sicher hatte sie den ein oder anderen Kandidaten auf ihren Federn balanciert, aber das Gewohnheitsrecht, sich eine Kuhle einliegen zu dürfen, hatte sie noch keinem gestattet. Die Matratze würde mich jetzt auch nicht retten! Im Gegenteil, sie erinnerte mich vielmehr daran, dass es in meinem Leben auch noch an anderer Stelle hakte, nicht nur mit meiner Magisterarbeit.

Hinter meiner Zimmertür lag die große weite Welt der unendlichen Möglichkeiten, der Freude, der Zerstreuung, der Freiheit! Hier drin im Düsteren fühlte ich mich wie weggesperrt von der Welt, verschüttet unter Massen von Büchern, aus denen einmal diese unsinnige Magisterarbeit entstehen sollte, zu der ich so gar nicht finden wollte. Mir kam es absurd und lächerlich vor, worüber ich da schreiben sollte: "Die literarische Figur des Flaneurs". So etwas interessierte doch kein Schwein, außer meine Professorin vielleicht, die Elfenbeinturmkönigin!

Ich war dermaßen unmotiviert, heute. Ach, was sage ich, heute! gestern, vergangene Woche, egal wann. Ich hatte einfach nie Lust an dieser Arbeit zu schreiben. Vielleicht konnte ich es auch einfach nicht? Kriegte es nicht hin, so einen umfangreichen, wissenschaftlichen Text zu schreiben? Was mir definitiv fehlte, war das Handwerkszeug. Das Tutorium zum Thema "Magisterarbeit – Grundlagen – Aufbau - Umsetzung" hatte ich mir geschenkt. Zeitverschwendung! In den Tutorien wurde viel zu viel herumgelabert. Es fanden sich immer Leute, die überflüssige Fragen stellten, die von den Tutoren dann mit freundlicher Ausführlichkeit beantwortet wurden. Dadurch zog sich die ganze Veranstaltung wie Kaugummi in die Länge. Der praktische Nutzen für mich hätte in keinem Verhältnis zum zeitlichen Aufwand gestanden. Da war ich mir sicher. So hatte ich mir lediglich den "Leitfaden" des Instituts besorgt, aber darin stand nur stichwortartig das Allernotwendigste.

Ich beschloss kurz eine rauchen zu gehen, in der Küche, einen Kaffee zu trinken und ein wenig auf den Betonhof zu starren, anstatt in die blöde Platane. Die Ödnis der Steinwüste würde meine Augen entspannen und meine kreisenden Gedanken ausbremsen.

Dummerweise waren mir aber die Zigaretten ausgegangen und so musste ich zuerst runter zum Automaten. Der spielte nicht mit. Immer wieder rieb ich mein 5-Mark-Stück auf dem Metallfeld am Einwurfschlitz, aber es fiel permanent mit einem hellen Klingeln durch und landete hinter der Metallklappe.

"Das ist doch jetzt nicht wahr, oh Mann, idiotischer Kack-Automat!", fluchte ich halblaut vor mich hin und dachte kurz darüber nach, wütend mit dem Fuß aufzustampfen, als eine total freundliche Stimme hinter mir erklang:

"Kann ich dir irgendwie helfen?"

Aus den Augenwinkeln sah ich das quer gestellte Vorderrad eines Rennrades, ein Stück Lenker, das mit schwarzem Klebeband umwickelt war und ein Cargohosen-Hosenbein, gerafft von einer Fahrradklammer - eindeutig: der Gimpel!

Ich drehte mich langsam um und schaute so, als wären die Beschimpfungen für den Automaten niemals aus meinem Mund gekommen, stattdessen fragte ich mit einem zugewandten Lächeln:

"Hast du vielleicht noch einen Fünfer, den der Automat hier nehmen würde?" Ich hielt dem Gimpel mein verschwitztes, verschürftes 5-Markstück hin.

Er griff in seine Hosentasche und zog ein paar zugekrümmelte Münzen, ein Gummiband und einen winzigen an zwei Enden angespitzten Bleistift heraus.

"Hmm, das reicht nicht ganz, aber magst du dir von mir eine drehen?" Der Gimpel strahlte unheimlich hilfsbereit, während er mir ein Päckchen "Schwarzer Krauser" hinhielt.

„Igitt, selbstgedrehte Kippen! Filterlos! Schwarzer Krauser! Dann lieber gar nicht rauchen“, dachte ich mir und antwortete:

"Ne, danke, echt nett von dir, aber ich mag lieber Filterkippen!"

Der Gimpel bot an, hochzugehen, in seine Wohnung und dort nach Kleingeld zu schauen, was ich gerne annahm. Er schloss die Haustür auf und ich folgte ihm die Treppen hinauf.

Der Gimpel war der "Chef" der anderen WG in unserem Haus, über den Obendrübers, der Familie mit den zwei Kindern, die so gerne motzte. Wenn man ehrlich war, hatten sie auch ein schweres Los, so als Schinken zwischen den zwei WG-Sandwitch-Toastscheiben. Aber, nicht unser Problem! Auf jeden Fall wohnte der Gimpel schon ewig in unserem Haus. Er studierte auch schon ewig.

Wir hatten eigentlich nichts miteinander zu tun, seine WG und unsere. Die da oben waren ein Haufen Ökos, nicht so cool wie wir. Man war nachbarschaftlich nett zueinander, lieh sich mal ein Ei, Milch oder sowas und hielt dann kurz höflich Smalltalk.

"Und, wie läuft's Bau-Igel-Studium?", fragte ich also in guter Smalltalkmanier, während ich hinter ihm her die Treppen hinaufstieg.

"Gar nicht“, grinste der Gimpel. Er blieb stehen und drehte sich zu mir um, „Bauingenieur hab ich jetzt aufgehört. Das war mir irgendwie zu mathematisch..."

Reden und Gehen funktionierte bei ihm offensichtlich nicht gleichzeitig.

"Wirtschaftswissenschaften...", fuhr er fort und bewegte sich nach wie vor keinen Millimeter.

Ich bereute meine Frage. Seine Antwort interessierte mich sowieso nicht. Ich hatte nur höflich sein wollen, weil er ja so nett war, mich aus meiner Zigarettennotlage zu befreien und jetzt ging es nicht voran. Der Gimpel stand grinsend auf seiner Treppenstufe und erzählte fröhlich,

„Ja, für Wirtschaftswissenschaften will ich mich jetzt einschreiben. Ich glaube das ist das, was ich wirklich machen will. Vielleicht krieg ich da sogar Scheine angerechnet vom Bauigel-Studium." Er sah mich erwartungsvoll an. Nun gut, es war ja vieles möglich, was man so nicht dachte auf den ersten Blick. Aber ich sagte erstmal nichts, sondern schaute nur freundlich. Erst als wir an seiner Wohnungstür ankamen, fragte ich:

"Und das ist dir nicht zu mathematisch, Wirtschaftswissenschaften?"

"Nein, das ist anders mathematisch. Und damit kann man viel mehr anfangen, auch so im Alltag."

"Aha, und was ist mit Architektur? Das hat zumindest auch was mit Bauen zu tun, ist ja weniger mathematisch und du kriegst bestimmt Scheine angerechnet!"

"Um Gotteswillen, Architektur! Hier an der Uni! Das ist zu künstlerisch, das Studium, gerade hier an der Uni. Das hab ich ja auch schon ausprobiert, war nix für mich…Die Profs hier sind......."

„Verstrahlt!“, dachte ich und schaltete meine Ohren auf Durchzug, „Er ist einfach verstrahlt, unser lieber Gimpel.“

Was mich aber immer wieder wunderte, war, dass er seine WG extrem gut im Griff hatte! Das passte irgendwie nicht. Die Küche war immer ordentlich gewesen, wenn er mich hereinbat, um mir ein Leih-Ei zu geben. An der Wand hing ein Putzplan, an den sich alle hielten, und es gab eine Gemeinschaftskasse für Lebensmittelkäufe. Auch das Treppeputzen vergaßen seine Leute nicht ständig. Ansonsten waren die Jungs so ein Haufen Softie-Grinslinge, tolerant bis zur Schmerzgrenze. Womöglich war das aber nur eine Nebenwirkung vom vielen Kiffen.

Gimpels ausführliche Begründung, weshalb man zumindest in dieser Stadt nicht Architektur studieren sollte, hatte ich verpasst. Dank meiner gut funktionierenden Ausblendautomatik. Aber an der richtigen Stelle war ich wieder auf Empfang. Seine WG plante eine große Fete, irgendwann demnächst mal. Wir bekämen rechtzeitig Bescheid, alle seien herzlich eingeladen!

"Cool!", sagte ich.

Inzwischen hatte ich auch, dank eines frischen 5-Mark-Stücks aus des Gimpels Sparschwein, doch noch meine Zigaretten aus dem Automaten bekommen und wir rauchten draußen noch eine zusammen. Ich fühlte mich ein bisschen verpflichtet dazu. Gottseidank dauerte eine Zigarettenlänge nur eine Zigarettenlänge und so verabschiedete ich mich mit einem sehr einfallsreichen:

"Also, ich muss jetzt mal wieder hoch."