Hängematte statt Handgemenge - Dietmar Böhm - E-Book

Hängematte statt Handgemenge E-Book

Dietmar Böhm

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Beschreibung

Camping ist kein Hobby, es ist eine Charakterprüfung mit Gaskartusche. Wer glaubt, Freiheit beginne mit dem Motorstart, war noch nie beim Abwasserschlauch. In diesem bissig-ironischen Kodex nimmt Dietmar Böhm die schönsten, schrägsten und ehrlichsten Momente des Camperlebens aufs Korn und alle, die dabei zuschauen (oder mitschimpfen). Ein Buch für alle, die schon mal dachten: „Das passiert nur mir!“ und dann merkten, dass es allen so geht.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
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Seitenzahl: 160

Veröffentlichungsjahr: 2025

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© 2025 Dietmar Böhm

ISBN Softcover

978-3-384-77080-6

ISBN E-Book

978-3-384-77081-3

Druck und Distribution im Auftrag des Autors:

tredition GmbH, Heinz-Beusen-Stieg 5, 22926 Ahrensburg, Deutschland

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist der Autor verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne seine Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag des Autors, zu erreichen unter: Dietmar Böhm, Werderstr. 13, 79379 Müllheim, Germany .

Kontaktadresse nach EU-Produktsicherheitsverordnung:

[email protected]

Hängematte statt Handgemenge

Überleben auf dem Campingplatz

Der Camping Kodex

von Dietmar Böhm

Inhalt

Cover

Urheberrechte

Titelblatt

Vorwort

1. Linke Spur, linkes Leben – Camper auf Abwegen

Der König von Kilometer 152

2. Die Polizei, dein Freund oder Anhaltepunkt?

Die Waage des Schreckens

3. Ankommen ohne Anzuecken

Das Ballett von Parzelle 43

4. Mein Revier, dein Revier

Die 10-Zentimeter-Schlacht von Stellplatz 74

5. Grillduft und Nebel des Grauens

Die Schlacht von Parzelle 52

6. Playlist des Grauens

Die Hölle von Helene

7. Freundschaft durch Winke-Winke

Olympisches Winken

8. Müll? Gibt’s doch gar nicht!

Das Mysterium der Müllvermehrung

9. Romantik unter Sternen

Der Poet im Plastikkrieg

10. Wenn der Förster dreimal klingelt

Der Mann, der sich im Wald versteckte

11. Duschen oder Taufe?

Der Kampf um die dritte Duschminute

12. Der stille König

Der stille König von Parzelle 23

13. Die stille Stunde

Die Nacht, in der Ruhe starb

14. Die große Abreise

„Abfahrt in 73 Handgriffen“

15. Stellplatz-Schönheit

Die Parzelle der tausend Augen

16. Der Platzwart - Gott in Warnweste

Der Herr der Parzellen

17. Camper & Technik

Der Mann, der das WLAN geradezog

18. Kinder, Hunde, Wasserschlachten

Der Tag, an dem der Frieden baden ging

19. Feuer, Funkenflug & andere Pyro-Katastrophen

Die Nacht, in der der Himmel beleidigt war

20. Abwasch, Aufbruch & andere Tragödien

Das Ende im Schaum

21. Wintercamping - Die stille Leidenschaft

Die Frosthelden von Stellplatz 7

22. Heizen mit Hirn

„Feuer und Flamme“

23. Schnee, Schlamm und Stolz

Der Schneekönig von Parzelle 13

24. Weihnachtsglanz & Nachbarsglühen

„Stille Nacht, laute Nachbarn“

25. Der Aufbruch im Eis

„Der Frost, das Dach und ich“

Epilog: Zwischen Lagerfeuer und Lebenskunst

Nachwort des Autors

Danksagung

Großer Camping-Psychotest

Auswertung – Zähle deine Buchstaben

Hängematte statt Handgemenge

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Titelblatt

Vorwort

Auswertung – Zähle deine Buchstaben

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Vorwort

Wie alles begann – und warum manches erfunden sein muss, um wahr zu sein.

Wenn man mich heute fragt, wie ich zum Camping gekommen bin, antworte ich meist:

„Aus Versehen, denn ich brauchte ein neues gebrauchtes Auto und fand einen Mercedes mit Anhängerkupplung. Diese hatte es mir angetan, denn ein alter Wunsch kam mal wieder auf: ich wollte schon immer einen Wohnwagen haben.“

Ich dachte: ein bisschen Freiheit, frische Luft, Horizont – was man eben so sucht, wenn man glaubt, dass das Leben ein Navigationsgerät hat.

Was dann kam, war weniger ein Urlaub als eine Studie über den Menschen in freier Wildbahn – mich eingeschlossen.

Ich lernte: Wasser sucht sich immer seinen Weg, aber nie den richtigen.

Ich lernte: Kabelsalat ist kein Küchenproblem.

Und ich lernte: Wenn etwas wackelt, ist es entweder der Tisch oder mein Selbstvertrauen.

Mit anderen Worten: Ich wurde Camper.

Nicht aus Berufung, sondern aus Beharrlichkeit – und weil ich irgendwann aufgehört habe, auf bessere Wetterbedingungen zu warten.

Dieses Buch entstand aus diesen ersten Erfahrungen, Beobachtungen und Gesprächen – und aus unzähligen Momenten, in denen ich mir dachte: „Das glaubt mir keiner – also schreib ich’s auf.“

Viele Geschichten darin sind tatsächlich passiert.

Einige wurden mir erzählt, andere habe ich so oft erlebt, dass sie sich automatisch zu Geschichten formten.

Und ja – manche sind schlicht erfunden, weil das Leben manchmal eine Pointe verdient, die es selbst vergessen hat.

Ich habe mir erlaubt, aus echten Begebenheiten humorvolle Episoden zu machen, aus Missverständnissen kleine Dramen und aus Katastrophen Charaktertests.

Und falls du dich beim Lesen irgendwo wiedererkennst: Keine Sorge – ich auch.

Übrigens: Die „Frau“ in manchen Geschichten – die, die klüger, witziger und geduldiger ist als ich, die ist eine literarische Figur. Eine freundliche Erfindung, zusammengesetzt aus echten Menschen, Erzählungen und gelegentlichen Wunschvorstellungen.

Ich bin tatsächlich Single.

Aber man schreibt einfach besser, wenn jemand neben einem sitzt, der den Kopf schüttelt, während man das Zelt falsch herum aufbaut.

Der Stil dieses Buches ist kein Zufall. Viele mögen meine Geschichten mit Spitzen und Ironie, diesen Blick auf den Alltag, der nicht urteilt, sondern lacht.

Camping ist dafür das perfekte Versuchsfeld:

Alles, was wir Menschen so großartig und so schrecklich gleichzeitig macht, spielt sich hier auf 10 x 10 Metern ab, mit Steckdose, Abwasserschlauch und moralischer Selbstprüfung inklusive.

Wenn du dieses Buch liest, wünsche ich dir dreierlei:

dass du lachst, dass du nickst und dass du dich ertappt fühlst.

Denn Camping ist wie das Leben: Unplanbar, unvernünftig, unvergesslich.

Und wenn du am Ende denkst: „Das hätte mir auch passieren können!“

dann hattest du vermutlich recht oder du standest auf der Parzelle neben mir.

Mit einem Augenzwinkern, kalten Füßen und warmem Herzen,

Euer Dietmar

Jetzt geht es los

25 Regeln mit:

Faktencheck, Ergänzungen & Tipps und zu jeder Regel

eine Geschichte.

Ich wünsche Euch viel Spaß

1. Linke Spur, linkes Leben – Camper auf Abwegen

Die Regel: Über das große Missverständnis mit der Überholspur

Es gibt Momente im Leben, in denen man sich wie ein König fühlt. Zum Beispiel auf der Autobahn, wenn das Wohnmobil glänzt, der Wohnwagen majestätisch hinterherrollt, und man sich denkt: Jetzt gehöre ich zu den Großen der Straße!

Doch spätestens, wenn der Blinker links gesetzt wird und man die Überholspur betritt, verwandelt sich diese Königskutsche in ein rollendes Verkehrshindernis. Denn:

In Deutschland gilt das Rechtsfahrgebot (§ 2 Abs. 2 StVO).

Die linke Spur ist nur für Fahrzeuge gedacht, die tatsächlich überholen – und zwar zügig.

Ein Camper, der mit 87 km/h an einem Lkw mit 84 km/h vorbeizieht, mag denken, er bewege sich in Lichtgeschwindigkeit – für den Rest der Autobahn ist das eine Zeitdehnung, die Einstein posthum bestätigen würde.

Faktencheck

• Rechtsfahrgebot: Pflicht, so weit rechts zu fahren, wie es die Verkehrslage erlaubt.

• Überholen: Nur erlaubt, wenn der Überholvorgang zügig abgeschlossen werden kann (§ 5 Abs. 2 StVO).

• Geschwindigkeitslimit: Wohnwagengespanne dürfen in Deutschland 80 km/h fahren – mit „100 km/h-Zulassung“ auch etwas schneller.

• Gefährdung: Wer die linke Spur dauerhaft blockiert, begeht eine Ordnungswidrigkeit und riskiert Bußgelder (ab 80 € plus Punkt in Flensburg).

Ergänzungen & Tipps

• Vor jedem Überholvorgang prüfen: Lohnt sich das wirklich?

• Eine Differenz von 2–3 km/h bedeutet: mehrere Minuten Fahrzeitgewinn bei maximalem Hasspegel der Hintermänner.

• Wer sich unsicher fühlt, lieber einmal auf den Rastplatz und einen Kaffee trinken.

• Der Campingplatz läuft nicht weg, höchstens die gute Laune.

• Für Anfänger mit Anhänger: Eine kleine Notiz am Armaturenbrett – „Rechts ist auch schön!“, kann Wunder wirken.

Der König von Kilometer 152

Es war ein Sonntagmorgen, an dem selbst der Himmel blau vor Ordnungsliebe war. Ich thronte hinter dem Lenkrad meines Zugfahrzeugs, die Polster dufteten nach frischem Leder, der Wohnwagen glänzte im Rückspiegel wie ein frisch poliertes Denkmal deutscher Ingenieurskunst. Meine Frau hatte Thermoskanne und belegte Brötchen parat, die Stimmung: königlich.

„Heute wird’s entspannt“, sagte ich, und damit war das Schicksal besiegelt.

Mit gemessenen 87 km/h rollten wir auf der rechten Spur, die Sonne spiegelte sich auf dem Chrom, und ich dachte: Wie majestätisch das alles läuft.

Dann tauchte er auf – ein Lkw, orange, träge, 84 km/h. Ich spürte den Drang, Geschichte zu schreiben.

„Ich überhole jetzt“, verkündete ich mit der Gravitas eines Mannes, der glaubt, Moses habe ihm persönlich den Fahrbefehl erteilt.

Meine Frau sah kurz von ihrem Kreuzworträtsel auf. „Muss das sein?“

„Natürlich. Wir sind im Urlaub – da darf man sich auch mal was gönnen.“

Ich setzte den Blinker links. Der Wohnwagen schwang hinterher, majestätisch wie ein träger Wal. Die Überholspur lag vor mir wie ein Laufsteg. Ich drückte sanft aufs Gas – die Tachonadel kletterte auf heldenhafte 88 km/h.

Nach hundert Metern erschien im Rückspiegel der erste Golf-Fahrer. Er blinkte. Höflich. Noch.

Nach zweihundert Metern folgte ein Lieferwagen. Unruhig.

Nach vierhundert Metern ein SUV, dessen Fahrer den Abstand so genau berechnete, dass ich seine Zahnfüllungen zählen konnte.

„Mach doch schneller“, mahnte meine Frau.

Ich antwortete würdevoll: „Ich überhole.“

„Ja, aber wie lange?“

„So lange, wie es dauert, bis der Lkw klein aussieht.“

„Er war schon klein, als du angefangen hast.“

Ich ignorierte sie. Ein König hört nicht auf seine Untertanen, wenn er mitten in einer Krönungszeremonie steckt.

Hinter mir wuchs die Kolonne. Ich konnte sie im Rückspiegel sehen – eine Prozession aus Ungeduld, Hupen und Handzeichen, die vermutlich nicht im offiziellen Verkehrszeichenkatalog vorkamen. Einer machte den klassischen Doppelzeigefingerkreis, der soviel bedeutet wie: Bist du noch ganz dicht?

Nach zwei Kilometern begann ich, leichte Ermüdungserscheinungen zu spüren.

„Vielleicht sollten wir…“, begann meine Frau.

„Nein!“, unterbrach ich, „jetzt nicht aufgeben. Wir sind gleich vorbei.“

„Er zieht gerade an.“

„Was?!“

Tatsächlich hatte der Lkw, offenbar ebenfalls von Stolz getrieben, ein wenig beschleunigt. Ich schwöre, er grinste.

„Das ist Machtspielchen“, murmelte ich. „Rein psychologisch.“

In diesem Moment schoss rechts ein anderes Wohnmobil vorbei. Mit 100er-Plakette. Der Fahrer winkte. Nicht freundlich.

„Schau mal“, sagte meine Frau trocken, „der hat’s verstanden.“

Ich tat so, als hätte ich nichts gehört, und konzentrierte mich auf das Ziel. Nach drei endlosen Kilometern war der Lkw endlich besiegt. Ich zog nach rechts, mit der Erhabenheit eines Feldherrn, der den Krieg gewonnen hat und sah im Rückspiegel, wie die hintere Kolonne sich befreit nach vorn stürzte.

Sie rasten an mir vorbei, einer nach dem anderen, wie befreite Rennpferde aus der Startbox. Innerhalb von Sekunden waren sie nur noch bunte Punkte am Horizont – wahrscheinlich auf dem Weg zu einer Selbsthilfegruppe namens „Traumatisierte Überholer“.

Ich lehnte mich zurück.

„Na also“, sagte ich stolz.

„Wir sind jetzt wieder bei 84“, bemerkte meine Frau.

„Das ist Entschleunigung. Das verstehen nur Camper.“

Kurze Stille. Dann, zögernd:

„Ich glaube, die hupen immer noch.“

„Das ist Anerkennung“, sagte ich. „Ein König wird bejubelt.“

Eine Viertelstunde später erreichten wir den Rastplatz. Ich parkte, stieg aus und merkte, dass meine Knie zitterten. Nicht vor Angst, sondern vor Triumph.

Am Nebentisch saß der Lkw-Fahrer. Er sah mich an, hob seinen Kaffee und nickte.

Ich nickte zurück. Zwei Krieger, geeint im Wissen, dass Heldenmut manchmal bei 87 km/h beginnt.

Camper-Weisheit zum Mitnehmen

Auf der rechten Spur rollt nicht nur der Wohnwagen – sondern auch die Freundschaft.

2. Die Polizei, dein Freund oder Anhaltepunkt?

Überladene Träume und piepende Albträume

Die Regel: Wenn Freiheit schwerer wiegt, als erlaubt ist

Es gibt viele Arten, auf Reisen zu scheitern. Man kann die Heringe vergessen, den Schlüssel fürs Chemie-WC oder die Schwiegermutter.

Aber nichts beendet die Urlaubseuphorie so zuverlässig wie das freundliche Winken einer Polizeikelle.

Denn während Camper gerne vom „mobilen Zuhause“ sprechen, sehen Polizisten darin vor allem eines: ein Fahrzeug mit Zuladungsgrenze.

Und die wird schneller überschritten, als man „Ersatzgasflasche“ sagen kann.

Faktencheck

• Gesamtgewicht: In der Zulassungsbescheinigung steht, was erlaubt ist. Schon 5-10 % Überladung bedeuten Bußgelder (ab 30 € bis über 235 € + Punkte in Flensburg).

• Beladung: Achslasten dürfen nicht überschritten werden. Schwere Gegenstände gehören nach unten, nahe an die Achse.

• Pflichtausrüstung: Warndreieck, Warnweste (für jeden Insassen), Erste-Hilfe-Kasten (DIN 13164), aktuelle Gasprüfung für Wohnwagen.

• Ausland: Unterschiede beachten! In Frankreich z. B. war früher ein Alkoholtestset Pflicht, in Italien müssen auch Beifahrer Warnwesten tragen.

Ergänzungen & Tipps

• Vor Reiseantritt auf die Waage, viele Autohöfe oder TÜV-Stationen bieten das an.

• Das gefühlte Gewicht („das passt schon“) ist kein Messwert.

• Bei Kontrolle: ruhig, freundlich, ehrlich bleiben. Witze über „Schwerkraft“ funktionieren nicht.

• Lieber weniger mitnehmen. Niemand braucht drei Sorten Grillkohle oder den Ersatzgrill fürs Ersatzgrillbesteck.

Die Waage des Schreckens

Es war einer dieser Tage, an denen das Leben glänzt wie frisch gewienertes Chrom. Die Sonne stand so perfekt, dass selbst die Solarzelle meines Wohnwagens leise vor Freude schnurrte. Ich hatte das Gefühl, alles richtig gemacht zu haben.

Voller Stolz lenkte ich das Gespann über die Landstraße. Die Thermoskanne dampfte, die Playlist dudelte dezent, ein fahrender Wohlfühlspot.

„Läuft“, sagte ich.

„Waage“, antwortete meine Frau.

„Wie bitte?“

„Ich sagte: Wie schön.“

Ich war misstrauisch. Bei meiner Frau bedeutet „wie schön“ meistens, dass gleich etwas passiert, das alles andere als schön ist.

Und tatsächlich: Am Straßenrand tauchte es auf.

Dieses unscheinbare, schneeweiße Fahrzeug mit den freundlichen blauen Streifen und einem lässig ausgestreckten Arm, der so freundlich wie endgültig winkte.

Polizei.

Zwei Beamte.

Ein Laserblick.

Ich bremste, das Gespann schaukelte beleidigt nach.

„Die wollen bestimmt nur wissen, wo’s zum See geht“, versuchte ich.

Meine Frau schnaubte. „Natürlich. Mit tragbarer Waage und Bußgeldblock.“

Der Beamte näherte sich mit dem Gesichtsausdruck eines Mannes, der schon zu viele Camper gesehen hat.

„Fahrzeugpapiere, bitte. Und dann fahren Sie da vorne auf die Waage.“

Die Waage. Dieses Wort.

Ich fühlte mich plötzlich leichter, innerlich. Äußerlich war das Gegenteil der Fall.

Der Wiegevorgang oder: Gewicht hat Charakter

Die Waage lag auf einem Rastplatz, diskret zwischen Leitplanke und Selbstzweifel.

Ich fuhr vorsichtig drauf, in der Hoffnung, das Gerät würde milde gestimmt sein, wenn ich langsam fahre.

Es piepte. Ein böses, sachliches Piepen.

„Motor aus“, sagte der Beamte.

Ich tat, wie geheißen. Der Wohnwagen ächzte, als hätte er Angst, gleich gestanden zu werden.

„Was glauben Sie, wie viel das Ganze wiegt?“ fragte der Beamte freundlich.

„Äh … so wie erlaubt ist?“

Er lächelte, das Lächeln eines Mannes, der diese Antwort schon in drei Sprachen gehört hat. „Dann schauen wir mal.“

Die Digitalanzeige begann zu blinken.

Ich beobachtete die Ziffern wie einen IQ-Test. Sie stiegen. Und stiegen. Und … stiegen.

Bei der dritten Stelle hörte ich meine Frau leise „Oha“ sagen, was in unserer Ehe das Äquivalent zu einem Feueralarm ist.

„Da haben Sie ordentlich gepackt“, bemerkte der Polizist.

„Ja, wir sind gut vorbereitet.“

„Auf was? Den Weltuntergang?“

Ich schwieg. In Gedanken rechnete ich durch, was alles im Wohnwagen war:

Zwei Gasflaschen. Drei Kisten Bier („nur für den Notfall“). Das aufblasbare Kajak, weil man ja nie weiß. Der Dutch-Oven, das Raclette-Set, eine Reserve-Markise („die wiegt doch nichts!“, 12 Kilo).

Die Anzeige blieb stehen.

„Sie sind … 73 Kilo drüber“, sagte der Beamte.

„Das ist doch fast nichts“, sagte ich.

„Das sind Sie selbst. Plus Ihre Frau.“

Ich beschloss, nichts mehr zu sagen.

Er begann, Formulare auszufüllen. Ich sah ihm zu wie einem Chirurgen, der einem geliebten Menschen das Portemonnaie entfernt.

„Wissen Sie“, sagte ich schließlich, „wir haben alles gleichmäßig verteilt. Vorne die schweren Sachen, hinten das Leichte.“

Er nickte. „Dann haben Sie ein hervorragend ausbalanciertes Problem.“

Die kreative Ausrede

Ich suchte fieberhaft nach einer Entschuldigung.

„Wir wollten nur ganz kurz über die Grenze, in Österreich ist alles leichter!“

Er notierte etwas.

„Physikalisch nicht relevant.“

„Vielleicht hat die Sonne das Material gedehnt?“

Er sah mich an.

„Auch nicht relevant.“

„Aber wir fahren ganz vorsichtig.“

„Das machen alle, bevor es kracht.“

Sein Kollege öffnete die Klappe meines Wohnwagens. Das Licht fiel auf das Innenleben meiner Packkunst, ein Tetris aus Kühlboxen, Werkzeug, Stühlen und einer verdächtig umfangreichen Weinabteilung.

Er schüttelte den Kopf. „Da drin könnte man ein kleines Pfadfinderlager ausstatten.“

„Tun wir ja“, sagte ich kleinlaut.

Das Wiegeurteil

Nach zehn Minuten war alles erledigt. Der Zettel lag auf dem Armaturenbrett, meine Stimmung irgendwo bei Achslast minus 100.

„Bußgeld … und reduzieren Sie das Gewicht, bevor Sie weiterfahren.“

Reduzieren.

Das klang so einfach, als wäre es ein Diätplan.

Ich starrte auf den Wohnwagen.

„Was soll ich denn rauswerfen?“ fragte ich meine Frau.

„Das Bier nicht“, sagte sie sofort.

„Den Grill?“

„Auf keinen Fall.“

„Dann vielleicht … die Schuhe?“

Sie hob eine Augenbraue. „Oder dich.“

Wir entschieden uns für den diplomatischen Mittelweg: Wir tranken zwei Flaschen Bier. Gewicht reduziert, Stimmung gerettet.

Nachspiel auf dem Rastplatz

Während wir das Bußgeldformular falteten, parkte ein anderer Camper neben uns.

Ein bunter Bus, Dachbox, Fahrräder, zwei Kajaks, drei Hunde.

Ich nickte ihm zu, in stillem Mitgefühl.

Die Polizei kam, sah und winkte ihn durch.

„Warum ihn nicht?“ fragte ich empört.

Der Beamte lächelte. „Weil wir schon wussten, dass Sie interessanter sind.“

Später, als wir wieder auf der Straße waren, hörte ich in der Ferne noch das Piepen der Waage. Ich schwöre, es klang wie Schadenfreude in C-Dur.

Camper-Weisheit zum Mitnehmen

Wer leicht reist, kommt weiter – und wird seltener gewogen.

3. Ankommen ohne Anzuecken

Erste Begegnungen auf dem Platz und wie man sie nicht vermasselt

Die Regel: Die hohe Kunst des zivilisierten Auftritts

Ankommen auf dem Campingplatz ist wie die erste Szene in einem Theaterstück:

Alle sehen zu, niemand applaudiert, und jeder hat eine Meinung.