Hanna - Jutta Böhrer - E-Book

Hanna E-Book

Jutta Böhrer

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Beschreibung

Hanna, eine junge Buchhändlerin aus Nürnberg, sie lernt zufällig Lorenz kennen. Doch ein für Hanna schweres Ereignis macht den Weg nicht einfach mit Lorenz.

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Seitenzahl: 369

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Für meine Tochter Virginia

sie ist der

Sonnenschein in meinem Leben!

und

An

meine liebe

Mama!

Danke,

dass du immer

hinter mir

stehst!

Inhaltsverzeichnis:

Kapitel 1 – Träume

Kapitel 2 – Irrungen

Kapitel 3 – Wirrungen

Kapitel 4 – Veränderungen

Kapitel 5 – Familie

Kapitel 6 – Versuchte Klärungen

Kapitel 7 – Wahrheiten

Kapitel 8 – Turbulenzen

Kapitel 9 - Heimat

Kapitel 1

Träume

Es war, als könnte sie die Sonne auf der Haut spüren, die Wärme der roten Erde fühlen, die durch ihre Finger rieselt.

Dabei war sie noch nie in diesem Land gewesen, aber es kam ihr so vertraut vor.

„Hanna, was ist los mit dir?“

Hanna schreckte auf und bemerkte jetzt erst, dass Tränen über ihr Gesicht liefen.

Sie blickte in das besorgte Gesicht ihrer besten Freundin Sabrina.

„Hanna, sag mir doch warum du weinst, ist etwas passiert? Hanna, so rede doch. Was ist los?“

Sabrina kniete vor Hanna, die in ihrem Lieblingssessel saß, und versuchte sie zu beruhigen.

„Hanna, bitte.......“

„Es ist wieder vorbei.“

„Was ist vorbei?“

„Schon wieder ist es vorbei ..........“

Sabrina sah ihre Freundin beunruhigt an, denn sie konnte sie nicht verstehen.

„Hanna, sag mir doch was los ist.“

„Ich hatte es schon fast zusammen, aber jetzt ist es wieder weg. Oh Sabrina, werde ich es mir jemals leisten können?“

„Also, nun der Reihe nach. Von was redest du?“ fragte Sabrina geduldig.

„Also, ich......“

Hanna sah Sabrina verzweifelt an und brach in Tränen aus.

„Ich habe mich schon so darauf gefreut, immer kommt etwas dazwischen, und immer ist mein Geld weg, das ich gespart habe.“

Sabrina wusste, so kam sie nicht weiter, sie stand auf, gab Hanna einen sanften Klaps auf die Schulter.

„Ich glaube, ich mach` uns erst einmal einen starken Kaffee.“

Hanna sah Sabrina dankbar an und erhob sich.

„Ich geh schnell ins Bad und mache mich etwas frisch.

Ich muss ja furchtbar aussehen.“

Sabrina lächelte.

„Na, du hast schon besser ausgesehen. Ich habe einen Apfelkuchen mitgebracht, magst du ein Stück?“

„Oh ja, gerne.“

Hanna drehte sich um, ging aus dem Zimmer Richtung Bad. Sabrina sah ihr nachdenklich nach. Wie dünn sie geworden ist, dachte sie.

Das ist mir in letzter Zeit gar nicht so aufgefallen. Hanna war ja schon immer schlank, aber in dieser schwarzen schmalen Hose und dem kurzen grauen Wollpullover, der gerade bis zur Taille reichte, fiel erst richtig auf, wie schmal sie geworden war.

Sabrina machte sich große Sorgen um Hanna. Sie war in letzter Zeit so traurig und still, dass passte so gar nicht zu ihr, wo sie doch immer so fröhlich und spontan war.

Ob es wohl etwas mit dem Angriff auf Hanna in der Straßenbahn zu tun hatte?

Sabrina erinnerte sich noch gut, es war ungefähr vor einem guten halben Jahr, mitten im Sommer.

Hanna wollte von einem Einkaufsbummel, in der Stadt, nach Hause fahren. In der Straßenbahn wurde sie dann von zwei Frauen angegriffen, eine fasste sie an den Haaren und schlug nach ihr. Hanna war danach so aufgelöst und ängstlich, dass Sabrina sie kaum beruhigen konnte.

Das Schlimmste für Hanna war, dass niemand ihr in der Straßenbahn geholfen hat. Alle Fahrgäste sahen entweder aus dem Fenster oder lasen in ihrer Zeitung.

Es hatte lange gedauert, bis Hanna wieder alleine mit der Straßenbahn fahren konnte. Sabrina dachte, Hanna habe es überwunden, aber das braucht wahrscheinlich auch seine Zeit.

Aber fest steht, dass dieses Ereignis Hanna doch verändert hatte, wenn auch nicht offensichtlich.

Sabrina seufzte, ging in die Küche um Kaffee zu kochen.

In der Küche blieb sie vor dem Fenster stehen, sah hinaus, stellte fest, dass es zu regnen aufgehört hatte und die Sonne sich langsam ihren Weg durch die Wolken bahnte. Es schien als wolle der Winter endlich zu Ende gehen.

Sabrina freute sich so sehr auf den Frühling, dass ihr jeder Sonnenstrahl wie ein Geschenk vorkam.

So, jetzt mache ich endlich Kaffee, dachte sie, nahm die Kaffeekanne, und goss Wasser hinein.

Hanna fühlte sich elend und irgendwie kindisch, so aus der Fassung zu geraten, aber zurzeit wurde ihr alles zu viel.

Sie betrachtete sich im Spiegel, die dunklen Augenringe und die blasse Hautfarbe passten so gar nicht zu ihr, wo sie doch eigentlich ein dunkler Typ war, mit den nussbraunen, langen Locken und den dunkelbraunen Augen.

„Na, altes Mädchen, wir haben aber auch schon besser ausgesehen.“ sagte sie zu ihrem eigenen Spiegelbild.

Sie drehte den Kaltwasserhahn auf, und wusch sich ihr Gesicht mit eiskaltem Wasser. Danach fühlte sie sich schon besser, nahm die Bürste in die Hand und bürstete ihre Haare energisch, flocht sie zu einem dicken Zopf zusammen, und sah sich im Spiegel noch einmal an. Sie dachte, na, schon besser, hoffentlich behalte ich die Nerven, wenn ich Sabrina alles erzähle. Wir werden sehen. Hanna roch den frisch aufgebrühten Kaffee aus der Küche. Sie freute sich darauf.

Hanna legte die Haarbürste wieder an ihren Platz und verließ das Bad. Sie ging den schmalen Gang entlang, in dem nur eine kleine Garderobe, für Jacken und Mäntel und ein Schuhschrank mit Spiegel stand.

Hanna blieb am Türstock zum Wohnzimmer stehen und betrachtete es, wie nett sie es doch eingerichtet hatte, mit den vielen Pflanzen und ihrem Lieblingsplatz, der aus einem alten Ohrensessel, den sie auf dem Flohmarkt gekauft hatte, und der großen Palme bestand, die hinter dem Sessel stand. Die Palme gab dem Wohnzimmer so ein südliches Flair. Neben dem Sessel stand ein kleines Tischchen mit Zeitungen und dem Buch, in dem sie gerade las. An der langen Wand, neben ihrem Lieblingsplatz, stand ein Bücherregal, das immer aussah als würde kein Buch mehr hineinpassen.

Am Esstisch, der in der anderen Ecke des Raumes, direkt am Fenster stand, saß Sabrina und wartete auf sie.

„Der Kaffee riecht ja herrlich.“ sagte Hanna Sabrina sah von ihrer Zeitung auf, in der sie gerade las.

„Na endlich, ich dachte schon du hast mich vergessen, setz dich, dann können wir anfangen.“

Hanna setzte sich an den runden Tisch und ließ sich von Sabrina eine Tasse Kaffee eingießen.

Sie goss reichlich Milch dazu und nahm sich ein Stück Apfelkuchen.

„Schmeckt prima.“

„Freut mich, ich habe ihn heute früh frisch gebacken.“

Nachdem beide reichlich Kuchen gegessen und Kaffee dazu getrunken hatten, fand Sabrina, es war an der Zeit, dass Hanna ihr nun erzählte was passiert war.

„Hanna!“

„Ja....“

Hanna wurde ganz mulmig, denn sie kam sich wegen des Ausbruchs so albern vor.

„Hanna, sag mir doch was passiert ist.“

„Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Außerdem habe ich Angst, du könntest mich auslachen, weil ich wegen so etwas in Tränen ausbreche.“

„Ich lache dich nicht aus.“

Hanna schluckte und sagte „Mein Traum..........“

Jetzt begriff Sabrina.

„AUSTRALIEN!“

„Ja........“

„Was ist passiert.“

„Ach, ich hatte mir doch extra ein Sparbuch angelegt, dass weißt du doch. Oder?“

„Ja.“

„Jetzt ist das ganze Geld wieder weg, was ich schon gespart hatte.“

„Wie viel?“

„2500 €“

Sabrina war überrascht.

„Aber wie?“

Hanna seufzte.

„Als ich gestern früh auf den Weg zur Arbeit war ist mein Auto plötzlich stehen geblieben. Ich habe es immer wieder probiert, aber es hat keinen Mucks mehr getan.“

„Und weiter?“ fragte Sabrina „Na ja, ich wurde abgeschleppt, und der Meister der Autowerkstatt hat gesagt, er würde mich heute anrufen, ob man noch was machen kann. Das hat er dann auch getan. Ist noch Kaffee da?“

Sabrina nahm die Kaffeekanne und sah hinein ob noch etwas in ihr war.

„Ja, noch gut zwei Tassen. Magst du noch eine Tasse?“

„Ja, gerne.“

Sabrina goss in beide Tassen Kaffee und Milch.

Hanna nahm dankbar die Tasse und trank sie mit großem Durst leer.

Sabrina sah ihre Freundin fragend an.

„Was hat der Werkstattmeister nun gesagt?“

„Er sagte, dass mein Auto einen Motorschaden hat und die Reparatur gut 3000 bis 3500 € kosten würde. Er hat mir geraten, es sei besser, mir gleich ein neues Auto zu kaufen. Er hätte da einen gebrauchten Kleinwagen in gutem Zustand für ca. 2500 €. Ich brauche ja ein Auto und wenn er in Ordnung ist, werde ich ihn kaufen.“

„Das Geld musst du von deinem Sparbuch nehmen?“

„Ja, meine anderen Ersparnisse sind ja für die neue Wohnung und das neue Fahrrad draufgegangen.“

Sabrina lächelte ihre Freundin an.

„Da ist ja wirklich alles zusammengekommen.“

„Ich hatte mich schon so darauf gefreut, jetzt muss ich es wieder verschieben. Manchmal denke ich, dass ich nie nach Australien komme.“

„Ach, das glaube ich nicht, du wirst es schon noch schaffen. Aber, deswegen so aus der Fassung zu geraten.“

„Ich weiß“, sagte Hanna „ich komme mir jetzt auch ganz albern vor. Sabrina, ich glaube, manchmal spielen mir meine Nerven einen Streich.“

„Das wäre auch kein Wunder, nachdem was du in letzter Zeit alles durchgemacht hast. Geht’s jetzt wieder?“

Hanna sah ihre Freundin an.

„Ja, mir geht es schon viel besser. Das Reden hat mir gut getan. Wollen wir ein Glas Wein trinken Sabrina? Ich habe dir noch was Erfreuliches zu erzählen.“

Hanna lächelte, stand auf, ging in die Küche um eine Flasche Rotwein zu öffnen. Mit der offenen Flasche Wein und zwei Gläsern kam sie wieder ins Wohnzimmer zurück.

„Na, schon gespannt?“

„Ja, sehr.“

Sabrina nahm ihrer Freundin die Gläser ab und stellte diese auf den Tisch. Hanna goss Wein in die Gläser und beide tranken einen Schluck.

„Was ist das für eine gute Nachricht?“ Sabrina konnte es vor Spannung fast nicht mehr aushalten. Hanna genoss es ein wenig, ihre Freundin so zu sehen. Wollte sie aber nicht länger auf die Folter spannen.

„Die Mansarde oben ist frei geworden. Frau Kampfer sucht einen Nachmieter. Uuuund ..........“

„Und was, nun sag schon Hanna.“

„Ich habe dich als Nachmieterin vorgeschlagen.“

Sabrina konnte es nicht fassen.

„Was hat Frau Kampfer dazu gesagt?“

„Das du vorbei kommen sollst, um sie dir anzusehen.

Wenn sie dir gefällt, brauchst du nur noch den Mietvertrag zu unterschreiben.“

„Wie hast du das gemacht?“

„Ich habe Frau Kampfer nur von dir vorgeschwärmt.“

„Oh Gott, was hast du ihr denn gesagt?“

„Nichts besonderes, ich habe Frau Kampfer nur gesagt, was du so machst und was du für ein Mensch bist. Keine Angst, ich habe ihr nichts vorgelogen, ich habe ihr nur die Wahrheit gesagt. Natürlich habe ich ihr gesagt, dass du meine beste Freundin bist. Das hat sie dann überzeugt.“

Sabrina stiegen Tränen in die Augen, und sie fiel ihrer Freundin um den Hals.

Hanna lächelte.

„Na, jetzt übertreibst du es aber mit den Tränen.“

Sabrina musste herzhaft lachen.

„Darauf müssen wird anstoßen.“

Sie nahmen beide ihre Weingläser in die Hand und stießen sie klirrend aneinander.

Hanna freute sich so sehr mit ihrer Freundin, dass Australien im Moment vergessen war.

„Hau Ruck.“ sagte der Möbelpacker, der den oberen Teil des massiven Regals gerade noch halten konnte. Er schrie.

„Karl, fass doch endlich mit an, ich kann das schwere Teil kaum noch halten. Musst du jetzt auch noch eine Zigarette rauchen. Wir sollten das Monstrum erst hinauf tragen.“

Karl, der zweite Möbelpacker, stöhnte.

„Ja, ja, ist ja schon gut. Hätte ich geahnt dass dieses Regal so schwer ist, hätte ich Josef noch angerufen. Zu zweit ist das ja kaum zu schaffen. Kannst du es noch kurz halten, ich mach’ nur schnell die Zigarette aus.“

Karl drückte seine Zigarette am Treppenabsatz aus und fasste das Regal am unteren Ende.

„Ich habe es, es kann losgehen.“

„Also, wenn ich ‘Hepp’ sage, heben wir es gleichzeitig an und dann geht’s rum um die Kurve.“

Karl dachte, dieser fränkische Dialekt, da werde ich wohl immer ein Problem haben. Na ja, wenn man aus dem „hohen“ Norden kommt hat man so seine liebe Müh. In der Hoffnung, dass er Fritz richtig verstanden hatte sagte er.

„Okay, so machen wir es.“

Fritz vergewisserte sich noch mal, dass er das Regal auch sicher in der Hand hatte.

„Hepp!“

Mit vereinten Kräften zogen sie das Regal um die Kurve der Treppe.

Fritz dachte, noch einmal, dann haben wir es geschafft.

„Also, Karl, noch ein Stockwerk, dann ist das Regal oben.“

„Das auch immer die schwersten Möbelstücke in das oberste Stockwerk müssen.“

„Also, noch mal. Hepp!“

Sie hatten es geschafft. Sie waren im vierten Stock angelangt.

„Das war ja eine Glanzleistung. Jetzt haben sie sich aber eine Brotzeit verdient. Wenn sie das Regal nur noch schnell in das Wohnzimmer tragen könnten.“ sagte Sabrina.

„Aber gerne.“ sagte Fritz, der sich auf eine gute Brotzeit freute. Als beide das Regal verstaut hatten, setzten sie sich auf zwei Hocker und ruhten sich erst einmal aus.

„Meine Freundin müsste gleich wieder da sein. Sie ist schnell zum Metzger gefahren um was Herzhaftes zum Essen zu holen. Wollen sie derweil Kaffee, Bier oder etwas anderes zu trinken?“

„Oh, ein Bier wäre nicht schlecht, nicht wahr Karl?“

„Gerne.“ stöhnte Karl der noch ganz außer Atem war.

„Gut, ich hole welches.“ sagte Sabrina und ging in die kleine Küche, die noch nicht ganz eingeräumt war, holte zwei Gläser aus einem Karton, hielt sie gegen das Licht, um zu sehen ob sie sauber waren. Dann nahm sie zwei Flaschen Bier aus dem Kasten und ging ins Wohnzimmer um es den Möbelpackern zu bringen.

Sabrina reichte ihnen das Bier und wartete auf Hanna.

Sie dachte, wie schnell das gegangen war mit der Wohnung. Nach dem Gespräch mit Hanna in ihrer Wohnung, wo sie ganz schön beschwipst waren, hatte sie sich sofort mit Frau Kampfer verabredet. Diese hatte ihr dann die Wohnung gezeigt. Sabrina war sofort begeistert, die Wohnung war hell und geräumig, zwei Zimmer, ein Wohnzimmer und ein Schlafzimmer, eine kleine Küche mit Essplatz.

Natürlich das Badezimmer nicht zu vergessen mit der großen Badewanne. Was Sabrina toll fand war, dass die Toilette separat lag. Vom Wohnzimmer aus ging ein Balkon zur Südseite hinaus. Im Sommer wollte sie Geranien und Lobelien und Minirosen anpflanzen.

Wo Hanna nur bleibt, dachte Sabrina.

Da klingelte es schon an der Tür. Sabrina öffnete, vor der Tür stand eine leicht genervte Hanna.

„Also, der Verkehr, zum Verzweifeln. Ist das Regal schon oben?“

„Ja, Karl und Fritz haben jetzt aber einen riesigen Hunger. Gott sei Dank, bist du jetzt da.“

„Ich habe uns auch was mitgebracht, Nudelsalat von der guten Metzgerei am Hauptmarkt.“

„Super, komm jetzt, sonst verhungern uns die beiden noch.“

Nachdem sie gegessen hatten verabschiedeten sich die zwei Möbelpacker. Sabrina gab ihnen noch ein Trinkgeld und bedankte sich. Dann waren beide alleine.

„Wenn das alles schon eingeräumt wäre.“ sagte Sabrina und blickte dabei auf die vielen Kartons die noch zum auspacken waren.

„Ich kann dir ja helfen.“ bot sich Hanna an.

„Das brauchst du nicht, ich habe Semesterferien, also genügend Zeit. Es stehen auch keine Klausuren an, muss demnach auch nicht lernen.“

„Meinst du, dass schaffst du alles?“

„Aber ja, außerdem sollst du dich richtig auskurieren.

Nach deiner schweren Bronchitis hast du Erholung bitter nötig. Schlaf dich richtig aus.“ sagte Sabrina besorgt.

„So toll fühle ich mich noch nicht, ich habe ja auch noch eine Woche frei. Vielleicht sollte ich mich richtig ausschlafen.“

„Ja, das solltest du tun, schalte dein Telefon ab und lege dich in dein Bett ohne den Wecker zu stellen. Schlafe so lange, bis du von selber aufwachst.“

„Glaubst du?“ fragte Hanna.

„Aber ja, und wenn ich mir Sorgen mache, ich habe doch einen Schlüssel für deine Wohnung, kann also nachsehen, ob es dir gut geht.“

Hanna gähnte.

„Ich glaube, dass ist eine sehr gute Idee.“

„Aber sicher, die ist ja auch von mir.“ lachte Sabrina und schob ihrer Freundin sanft aus der Wohnung.

„Leg dich aber gleich in dein Bett.“

„Mach ich, bin auch sehr müde, gute Nacht.“

Hanna musste lachen, weil es ja noch mitten am Tag war.

„Schlaf gut.“ sagte Sabrina und schloss die Tür.

Hanna drehte sich um, ging die Stufen zum zweiten Stock hinunter und schloss die Wohnungstür auf und ging hinein.

Als erstes ging Hanna in die Küche, um den Wasserkocher einzuschalten, denn sie wollte sich einen Tee kochen. Nachdem sie Tasse und Teebeutel bereitgestellt hatte, ging Hanna in ihr Schlafzimmer und zog ihren Baumwollschlafanzug an.

Das Telefon klingelte. Hätte ich es doch nur gleich ausgesteckt, dachte Hanna.

Sie ging ins Wohnzimmer zurück und nahm den Hörer ab.

„Timmler.“

„Wie bitte?“ sagte die Stimme am anderen Ende der Leitung.

„Timmler, Hanna Timmler.“ sagte Hanna ungeduldig.

„Hallo Hanna, ich bin es, Herr Baumgartner.“

„Oh, Herr Baumgartner, ist etwas nicht in Ordnung?“

Hanna war ganz aufgeregt, es bedeutete nicht immer etwas Gutes, wenn ihr Chef anrief.

„Aber nein, Hanna, es ist alles in Ordnung, ich wollte doch nur wissen, wie es dir geht.“

„Mir geht es schon viel besser, nur noch etwas schlapp.“

sagte Hanna erleichtert.

„Das freut mich, dass es dir besser geht. Aber erhole dich noch. Im Laden ist im Moment nicht so viel los. Du kannst dich also richtig auskurieren.“

„Das ist sehr nett, Herr Baumgartner, etwas Ruhe kann ich noch gut gebrauchen.“

Es klickte in der Leitung und Hanna hatte das Gefühl, als wenn die Verbindung zusammenbrechen würde. Da hörte sie Herrn Baumgartner sagen:

„Ach Hanna, bevor ich es vergesse, könntest du Frau Bogmann ausrichten, dass ihre bestellten Bücher eingetroffen sind? Frau Bogmann ist scheinbar umgezogen, denn unter ihrer Telefonnummer kann ich sie nicht mehr erreichen.“

„Ja, sie ist umgezogen. Sabrina, ich meine Frau Bogmann, wohnt jetzt im gleichen Haus wie ich.“

„So ein Zufall.“ sagte Herr Baumgartner.

„Nicht wahr, die Mansarde wurde frei, ich habe meiner Hausherrin gleich meine Freundin vorgeschlagen. Es ist schön, einen Menschen in der Nähe zu haben, den man gerne mag.“

„Ich freue mich für dich, Hanna.“

„Danke.“ Hanna musste gähnen.

„Oh, Entschuldigung.“ sagte sie.

„Nun will ich dich nicht länger aufhalten, sicher willst du dich hinlegen. Nochmals, gute Besserung. Bis bald Hanna.“

„Danke für ihren Anruf. Ja, bis bald.“

Hanna hörte es klicken. Herr Baumgartner hatte aufgelegt. Sie legte den Hörer auf die Gabel und zog den Stecker vom Telefon aus der Dose. Sie schrieb auf einen Zettel ‘Bücher-Sabrina’, ging in die Küche, nahm den Wasserkocher, nachdem er aufgekocht hatte, und brühte ihren Tee auf.

Hanna sah aus dem Fenster und dachte, wie schön, dass langsam der Frühling kommt, in der Sonne war es schon richtig warm. Der Tee hatte schon lange genug gezogen.

Sie nahm den Teebeutel heraus und süßte ihren Tee mit einem Löffel Honig.

Während Hanna schluckweise ihren Tee trank, der ihr gut tat, beobachtete sie, wie sich zwei Spatzen spielerisch auf ihrem Balkon um einen Sonnenblumenkern stritten.

Hanna liebte Vögel, besonders Spatzen, und konnte ihnen stundenlang zusehen. Nachdem sie ihren Tee ausgetrunken hatte, stellte sie ihre Tasse auf die Spüle.

Hanna ging in ihr Schlafzimmer, dass nur mit einem großen Bett, einem Nachtkästchen und einem Schrank für ihre Kleidung eingerichtet war.

Hanna legte sich in ihr Bett, zog die Bettdecke bis zu ihrer Nase hoch und schlief sofort ein.

Hanna hatte fast zwei Tage durchgeschlafen.

Erfrischt und richtig erholt stand sie nun am Hauptmarkt in Nürnberg. Nürnbergs zentraler Platz in der Altstadt, wo im Sommer Obst und Gemüsestände waren und im Winter der berühmte Christkindlesmarkt stattfand, um Obst und Gemüse für Sabrinas Einweihungsfeier zu kaufen.

Sabrina hatte viele Freunde eingeladen, einige kannte Hanna, die meisten aber nicht.

Nachdem Hanna alles eingekauft hatte, ging sie zu ihrem Auto, um nach Hause zu fahren. Als sie alles verladen hatte, lehnte sie sich an ihr Auto und schloss die Augen, um die Sonne zu genießen. Sie dachte, was für ein wunderschöner Tag. Die Sonne war schon richtig warm und streichelte ihre Haut. Wenn es so bleiben würde, könnten sie sogar auf der Feier auf den Balkon gehen.

Hanna fühlte sich seit langem wieder richtig gut. Sie spürte, wie langsam ihre Kräfte zurückkamen. Es war der 10. April und es sah aus, als wenn es ein toller Frühling werden würde.

„Vorsicht, auch in der Frühlingssonne ist es möglich schon einen Sonnenbrand zu bekommen.“

Hanna öffnete die Augen, musste blinzeln, weil die Sonne sie blendete.

„Bitte?“ sagte sie überrascht.

„Ich wollte sie nicht erschrecken, aber ich sah sie hier in der Sonne stehen und dachte mir, ich warne sie vor einem frühen Sonnenbrand.“

Hanna sah den Mann vor ihr an, der sehr attraktiv war mit seinen widerspenstigen, hellbraunen Haaren und den blauen Augen. Er war sehr groß, gut eineinhalb Köpfe größer als sie. Hanna schätzte ihn auf Mitte Dreißig.

Hanna war verärgert, sie mochte es nicht, wenn man sie so unvermutet ansprach. Deshalb sagte sie etwas barsch.

„Ich glaube nicht, das sie das was angeht.“

Der Mann lächelte und sagte amüsiert.

„Oh, gereizt.“

„Was wollen sie von mir? Kann man sich hier nicht ohne einen Kommentar an sein Auto lehnen und die Sonne genießen?“

Hanna war richtig wütend auf diesen Mann, der ihre gute Laune verdorben hatte.

„Sie sehen schön aus, wenn sie wütend sind.“

Hanna hatte das Gefühl, dass er sich über sie lustig machte. Sie stieß sich von ihrem Auto ab und sah dem Mann in die Augen.

„Ich glaube nicht, dass ich mir ihr Gerede gefallen lassen muss.“

Ohne ein weiteres Wort drehte sich Hanna um, schloss ihr Auto auf und stieg ein.

Noch beim einsteigen hörte sie den Mann sagen.

„Bis bald, wir sehen und wieder.“

Im Rückspiegel sah sie ihn weggehen. Er hatte eine sehr gute Figur, genau so wie Hanna sie bei Männern mochte, breite Schultern und schmale Hüften.

Zu Hannas großen Ärger bemerkte sie, dass dieser Mann sie faszinierte.

Sabrina war gerade beim Kuchen backen als es an der Wohnungstür klingelte. Sie fluchte leise und dachte, muss es denn immer zum ungünstigen Zeitpunkt an der Tür klingeln.

Sie stellte das Handrührgerät beiseite und ging zur Wohnungstür um zu öffnen.

Vor der Tür stand Hanna, ganz außer Atem, mit zwei schweren Körben, Obst und Gemüse in den einem, und verschiedene italienische Weine in dem anderen Korb.

„Der Schlüssel ist im Korb ganz unten sonst hätte ich nicht geklingelt.“ sagte Hanna entschuldigend.

„Schon gut, jetzt muss ich aber zu meinen Kuchenteig.“

Hanna trug die Körbe in die Küche und machte sich sogleich ans ausräumen.

Nachdem Sabrina den Teig in die Kuchenform gefüllt hatte, schob sie ihn in die Backröhre.

„So, das war der letzte Kuchen, jetzt müssen wir nur noch die Salate machen, dann sind wir fertig.“ sagte Sabrina zufrieden.

„Eigentlich würde ich jetzt gerne eine Tasse Kaffee trinken und eine Kleinigkeit essen. Ich bin vom Einkaufen und Körbe schleppen noch ganz erschöpft.

Mit knurrenden Magen bin ich sowieso zu nichts zu gebrauchen.“ Hanna lächelte ihre Freundin an und hoffte, dass sie genauso dachte.

„Das ist eine wunderbare Idee. Du machst Kaffee und ich mache uns eine paar belegte Brote.“

„Super.“ Hanna machte sich daran, die Kaffeemaschine zu befüllen.

Sabrina bestrich derweil Brote mit Butter und belegte sie mit Schinken, Ei und Käse.

Hanna deckte für sie beide auf dem Balkon, da es schon richtig warm war. Sie saßen beide in der Sonne und genossen ihren kleinen Imbiss.

„Was für ein herrlicher Tag.“ entfuhr es Sabrina.

„Ja, da hast du recht. Jetzt ist es endlich Frühling geworden, wo der Winter so lange gedauert hat.“ Hanna beugte sich vor, um sich noch ein Käsebrot zu nehmen.

Sabrina trank einen Schluck Kaffee und sagte.

„Ich dachte auch, dass der Winter nie vorüber geht.“

„Mhmm, also du machst immer noch die besten Brote.“

„Danke, für das Kompliment.“

„Sag mal, was soll ich denn heute Abend anziehen? Ist das Fest leger oder elegant?“ fragte Hanna.

„Also, ich dachte mir nicht zu leger, vielleicht etwas zwischen leger und festlich. Ich ziehe auf alle Fälle ein Kleid an.“ Sabrina nahm sich noch ein Brot, biss hinein und sagte:

„Ich mag es nicht so gerne, wenn man sich auf Festen kleidet, als wenn man ins Kino geht.“

„Dann weiß ich ja Bescheid. Ich werde schon das Richtige finden.“

Hanna trank ihre Tasse aus und stand auf.

„Ich glaube, wir sollten mit den Salaten anfangen, sonst werden wir nie fertig. Hübsch machen will ich mich ja auch noch.“

„Also, fangen wir an.“ lachte Sabrina und stand ebenfalls auf.

Nach zwei Stunden waren alle Salate fertig und das Wohnzimmer mit Luftballons und Girlanden geschmückt.

Im Wohnzimmer gegenüber der Fensterfront und dem Balkon, an der langen Wand, stand der große Tisch, auf den das Büfett gestellt werden sollte. Der Tisch war mit einer weißen Baumwolltischdecke abgedeckt, in der Mitte stand ein großes Blumengesteck, aus kleinen, gelben Rosen und weißen Freesien, das mit viel Gräsern und Asparagus ausgefüllt war.

„So, fertig.“ sagte Hanna.

„Ja, war ein ganzes Stück Arbeit, aber es sieht toll aus.“

sagte Sabrina stolz.

„Ja, es sieht wirklich schön aus. Also, ich gehe jetzt, denn ich will mich noch baden und die Haare waschen. Ich will doch heute Abend hübsch aussehen.“ sagte Hanna und ging zur Tür.

Sabrina lächelte.

„Ich muss mich auch noch verschönern. Bis später.

Danke für deine Hilfe.“

„Keine Ursache, bis später.“

Hanna schloss die Tür hinter sich und ging die zwei Stockwerke hinunter, in ihre Wohnung.

Den Mann vom Hauptmarkt hatte sie vergessen.

Mit frisch gewaschenen Haaren, die sie kunstvoll mit einem Frottiertuch zu einem Turban auf ihrem Kopf gebunden hatte, saß sie in der großen Badewanne. Sie genoss das warme Wasser und den weichen Schaum.

Hanna hatte die Augen geschlossen und entspannte sich.

Sie dachte an gar nichts.

Plötzlich öffnete sie die Augen, denn ihr war die Einweihungsfeier wieder eingefallen. Sie sah auf die Uhr, die neben der Badewanne auf einem kleinen Tischchen stand. Oh je, schon halb sechs, dachte sie. Jetzt muss ich mich aber ranhalten, wenn ich um acht Uhr fertig sein will.

Sie wusch sich, stieg aus der Badewanne und trocknete sich ab. Cremte sich mit einer parfümierten Creme ein und hüllte sich in ihren Baumwollbademantel.

Sie löste das Frottierhandtuch von ihren Haaren und begann diese zu bürsten, was nicht so einfach war mit ihren naturgewellten Haaren. Es kostete sie immer gut zwanzig Minuten bis ihre Haare entwirrt war. Als sie das geschafft hatte, wusch sie sich ihr Gesicht und cremte es ein.

Vom Bad aus ging sie in ihr Schlafzimmer um sich ein Kleid für den Abend herauszusuchen. Sie entschied sich für ein weinrotes, schmales kurzes Kleid mit kurzen Ärmeln, das einen runden Halsausschnitt hatte.

Dazu legte sie sich noch eine warme Wollweste bereit, die gleiche Farbe wie das Kleid hatte. Denn im April konnte es nachts noch sehr kühl werden.

Hanna, mit ihrer Wahl zufrieden, ging ins Bad zurück um sich die Haare zu Föhnen und ein dezentes Make-up aufzulegen.

Es war viertel vor acht Uhr. Hanna stand fertig angekleidet vor dem Spiegel im Bad. Zu dem schmalen Kleid trug sie noch schimmernde Seidenstrümpfe und Pumps in dem gleichen weinrot wie das Kleid.

Als Schmuck trug sie eine silberfarbene Kette mit einem Medaillon als Anhänger. Das Medaillon hatte sie von ihrer Großmutter Lina zu ihrem achtzehnten Geburtstag geschenkt bekommen.

Hanna dachte an ihre Großmutter, die sie sehr liebte, an den alten Bauernhof in der Lüneburger Heide, den vielen Tieren und natürlich an die vielen Katzen, die Lina so liebte und umsorgte.

Lina hatte Hanna mit zehn Jahren zu sich genommen, nachdem Hannas Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen waren.

Hanna dachte, hätte ich Großmutter nicht gehabt, hätte ich mit dem Tod meiner Eltern viel länger zu kämpfen gehabt, wobei es Hanna immer noch schwer fällt, an ihre Eltern zu denken, hatte sie doch Vater und Mutter so sehr geliebt. Es war nicht leicht gewesen, mit zehn Jahren seine Eltern zu verlieren. Das Medaillon, das sie an diesem Abend trug, hatte ihrer Mutter gehört, und wenn sie es öffnete zeigte es ein Bild ihrer Eltern. Hanna bewunderte ihre Großmutter, wo sie nur die Kraft hergenommen hat, hatte sie doch bei dem Unfall ihr einziges Kind, Angelika, Hannas Mutter, verloren.

„Ich muss Großmutter bald wieder besuchen.“ sagte Hanna laut zu sich selbst.

Entschlossen verdrängte sie alle trüben Gedanken aus ihrem Kopf, sie wollte sich heute Abend amüsieren.

Sie warf noch einen Blick in den Spiegel. Sie gefiel sich sehr gut, nur die Haare hatten sich nicht bändigen lassen.

Sie überlegte, was sie mit den Haaren machen könne, nahm dann ein weinrotes Samtband aus dem Korb mit verschieden farbigen Bändern, und band ihre Haare mit dem Samtband locker im Nacken zusammen.

„So, jetzt geht es. Sieht schön aus.“ sagte sie zufrieden, verließ das Bad, nahm die Wollweste, und den Wohnungsschlüssel in die Hand und verließ die Wohnung.

Sie stieg die Treppe hinauf zu Sabrinas Mansarde im vierten Stock.

Es war eine gelungene Feier. Alle waren gut gelaunt und äußerst amüsiert. Das Büfett kam sehr gut an und wurde von allen lauthals gelobt.

Hanna stand im Moment etwas abseits mit einem Glas Rotwein in der Hand sie wollte sich etwas ausruhen.

Sie beobachtete Sabrina, die sich angeregt mit einem Studien-Kollegen unterhielt.

Wie hinreißend sie aussieht, dachte Hanna. Sabrina trug ein dunkelgrünes, enges Samtkleid, ohne Ärmel mit einem tiefen Rückenausschnitt, dass ihre schöne Figur noch betonte.

Ihre halblangen schwarzen Haare, hatte sie so lange gebürstet, bis sie seidig glänzten. Das dunkle ihrer Haare betonte noch mehr das Blau ihrer Augen, die heute aussahen, als würden sie leuchten. Sabrina sah einfach wunderschön aus.

Hanna trank den letzten Schluck Wein aus ihrem Glas und machte sich auf den Weg zum Büfett sie hatte etwas Hunger.

Sie nahm sich einen Teller und füllte diesen mit vielen Leckereien, Nudelsalat, Ei mit Kaviar, von dem Lachs und ein Stück Weißbrot, dazu gönnte sie sich noch ein Glas Rotwein. Hanna ging mit ihrem Teller auf den Balkon, setzte sich auf einen kleinen Klappstuhl und aß.

Die Luft ist herrlich, dachte Hanna, und genoss ihren kleinen Imbiss.

Es war fast zwei Uhr nachts, als es an Sabrinas Wohnungstür klingelte. Hanna hörte es, dachte, es wird schon jemand aufmachen. Sie stand bei einer alten Schulfreundin und sie schwelgten in alten Zeiten.

Hanna hatte das späte Klingeln an der Wohnungstür schon wieder vergessen, als ihr jemand auf die Schulter tippte.

Hanna drehte sich um und sah, dass es Sabrina war.

„Hanna, ich muss dir unbedingt jemanden vorstellen.“

„Aber ja, wen denn?“ entgegnete Hanna.

Hinter Sabrina trat ein Mann hervor. Hanna traute ihren Augen nicht. Aus ihrem Gesicht wich jede Farbe.

„Hanna, darf ich vorstellen, das ist Lorenz Halver, ein alter Freund von mir. Und Lorenz das ist Hanna Timmler, meine beste Freundin.“

Lorenz trat vor, um Hanna die Hand zu geben. Hanna dachte entsetzt, der Mann vom Hauptmarkt. Sie gab Lorenz Halver anstandshalber die Hand und sah ihm in die Augen. In seinen Augen sah sie ein spitzbübisches Blitzen. Er drückte ihre Hand und lächelte sie an.

„Hallo Hanna, ich habe ihnen doch gesagt, dass wir uns wieder sehen.“

Sie löste ihre Hand aus der Seinen und konnte vor Schreck kein Wort herausbringen.

Sabrina rettete die Situation.

„Ihr kennt euch?“

„Kennen ist zu viel gesagt, wir haben uns kurz mal unterhalten.“

„Sabrina, kommst du mal.“ eine Stimme rief vom anderen Ende des Raumes.

„Kann ich euch alleine lassen?“

Er lächelte.

„Aber natürlich, ich passe auf Hanna schon auf.“

Sabrina blinzelte Lorenz zu, drehte sich um und ging in die Richtung aus der die Stimme gekommen war.

Hanna erwachte aus ihrer Erstarrung und funkelte Lorenz böse an.

„Sie wussten genau, wer ich bin, heute am Hauptmarkt.“

„Ja! Sabrina hatte sie so gut beschrieben, dass ich sie sofort erkannt hatte.“

„Warum haben sie sich nicht gleich vorgestellt?“ Hanna war wütend.

„Nun, ich wollte ihr überraschtes Gesicht sehen, wenn ich zur Party komme. Außerdem habe ich es genossen, sie zu beobachten wie sie heute Nachmittag immer zorniger wurden.“

Hanna konnte es nicht fassen.

„Was, sie haben mich bewusst geärgert?“

„Ein bisschen.“ sagte er mit amüsierter Miene.

„Warum?“

„Es hat mich gereizt, bitte seien sie mir nicht mehr böse.“

„Was glauben sie, wer sie sind? Erst bringen sie mich absichtlich zur Weißglut und dann soll ich ihnen nicht böse sein?“

„Ich bin ein Mann, der sie hinreißend schön findet. Sie sehen in diesem Kleid phantastisch aus.“ Lorenz sah Hanna mit ernster Miene, aber blitzenden Augen an.

„Ihre Komplimente können sie sich sparen!“

Hanna wollte sich umdrehen und gehen, aber Lorenz hielt sie am Arm fest.

„Sie können jetzt nicht gehen.“ sagte er bestimmt.

„Lassen sie mich los!“

„Erst wenn sie mir versprechen, dass sie nicht gehen.“

„Einen Teufel werde ich tun!“

Hanna versuchte, sich loszureißen aber er hielt sie so fest, dass er ihr wehtat. Hanna bekam Panik, die Angst stieg wieder in ihr hoch. Sie dachte, sie hatte sie überwunden, die Angst, die sie seit dem Nachmittag in der Straßenbahn kannte. Tränen schossen ihr in die Augen.

Sie sagte gequält.

„Nicht, bitte lassen sie mich los, bitte tun sie mir das nicht an!“

Er reagierte nicht, sondern fasste nur noch fester zu.

Hanna spürte den Schmerz und schrie ihn an.

„Nein, nicht!“

Tränen liefen ihr über das Gesicht.

Sabrina sah, was sich ereignete, stellte hastig ihr Glas ab und rannte zu Hanna und Lorenz.

„Lorenz, bist du verrückt, lass Hanna los!“

Lorenz sah Sabrina böse an.

„Sie wollte einfach gehen, ich mag das nicht.“

„Lorenz, lass sie los, du weißt ja nicht was du ihr antust.“

„Wieso?“ Lorenz war überrascht.

„Ich erkläre es dir später, aber bitte, lass sie jetzt los.“

Lorenz löste seine Hand von Hannas Arm, jetzt erst merkte er, wie fest er sie gehalten hatte. Seine Hand hatte einen bösen Abdruck auf Hannas Arm hinterlassen.

Hanna spürte wie der Druck nachließ, sie rannte tränenüberströmt auf den Balkon und verkroch sie in die letzte Ecke.

Sabrina lief ihr hinterher.

„Hanna, es tut mir leid.“ sagte sie.

„Diese Angst, sie war wieder da. Nein! Sie ist wieder da.“

Hanna blickte ihre Freundin verzweifelt an.

„Sabrina, das hätte er nicht tun dürfen.“

„Ich weiß. Ich werde mit ihm reden. Soll ich dir einen Kaffee und einen Cognac bringen?“

„Ja gerne.“ Hanna hatte sich schon etwas beruhigt.

„Kann ich dich alleine lassen?“ fragte Sabrina besorgt.

„Ja, es geht schon wieder.“

Kurz darauf kam Sabrina mit einer Tasse Kaffee und einem großen Glas Cognac zurück. Über ihrem Arm hing Hannas Wollweste. Sie stellte Kaffee und Cognac auf das kleine Tischchen, das neben dem alten Klappstuhl stand und reichte Hanna die Wollweste.

„Es ist etwas kühl.“

„Danke.“ Hanna nahm die Weste und zog sie dankbar an.

Sie fröstelte etwas.

„Soll ich hier bleiben?“

„Nein, ich möchte etwas alleine sein.“

„Gut, ich bin innen, wenn du mich brauchst.“ Sabrina ging in das Wohnzimmer zurück.

Hanna setzte sich auf den Klappstuhl nahm das Cognacglas und trank es auf Ex.

Es waren nach dem Zwischenfall alle Gäste gegangen.

Sabrina war froh darüber, denn es war fast halb fünf Uhr, und außerdem konnte sie in Ruhe mit Lorenz sprechen.

Lorenz saß unglücklich in Sabrinas einzigen Sessel mit einem Glas Whisky in der Hand.

Sabrina goss sich auch ein Glas Whisky ein, ging zu Lorenz, nahm sich einen Stuhl und setzte sich ihm gegenüber.

Sie tranken beide einen Schluck Whisky und sahen sich an.

„Ich wollte nicht..........“ stammelte Lorenz.

„Was sollte das, wieso hast du Hanna festgehalten?“

fragte Sabrina verärgert.

„Ich wollte nicht, dass sie weggeht.“

„Warum? Hatte sie einen Grund?“

„Ja.“

„Welchen?“ wollte Sabrina wissen.

„Ich habe sie verärgert.“

„Ja, aber wie?“

Lorenz trank noch einen großen Schluck aus seinem Glas, dann erzählte er Sabrina alles. Vom Nachmittag am Hauptmarkt und von dem Gespräch an diesem Abend.

„Warum musstest du sie reizen?“ Sabrina konnte es nicht fassen.

„Ich weiß es nicht genau. Wahrscheinlich wollte ich einen Spaß machen.“ Lorenz stand auf um sich nachzuschenken.

„Aber doch nicht mit Hanna. Nicht mit Hanna.“

Lorenz setzte sich wieder und sah Sabrina fragend an.

„Warum?“

„Weil Hanna so etwas noch nicht verkraftet, nicht nach diesem Nachmittag im August.“

„Was ist denn passiert?“ wollte Lorenz wissen.

Sabrina trank einen Schluck Whisky und begann zu erzählen. Die ganze tragische Geschichte von dem Nachmittag im letzten Sommer. Als sie fertig war, atmete sie tief durch und sah Lorenz an, der ganz bleich geworden war.

„Mein Gott, das ist ja schrecklich.“

„Ja, sie hatte die Angst ganz gut überwunden. Aber dadurch, dass du sie am Arm festgehalten hast ist die alte Panik wieder hochgekommen. Wieso hast du sie nicht einfach gehen lassen? Sie hatte allen Grund dazu.“

Lorenz sah Sabrina unglücklich an.

„Ich wollte nicht, dass sie geht. Weißt du, Hanna ist eine faszinierende Frau, ich glaube ich bin drauf und dran mich in sie zu verlieben. „Aber warum musstest du sie dann ärgern und festhalten?“

„Ich weiß es nicht genau, sie machte einen so resoluten Eindruck. Hätte ich geahnt..........“

„Ach, ärgerst du alle Leute, die einen selbstbewussten Eindruck machen?“ Sabrina war so wütend, dass sie Lorenz fast eine Ohrfeige gegeben hätte.

„Hör jetzt endlich auf, ich weiß, dass ich einen Fehler gemacht habe. Es reicht, wenn du es mir einmal sagst.

Ich bin nicht begriffsstutzig.“

Lorenz war aufgestanden und ging nervös im Zimmer auf und ab.

„Schon gut, ich glaube es nützt nichts, wenn wir uns auch noch streiten. Es ist an der Zeit, dass du dich bei Hanna entschuldigst.“

„Ja.“

Lorenz war sichtbar nervös.

„Ich glaube, das war kein guter Anfang. Hannas Vertrauen zu gewinnen.“

„Da hast du Recht. Nun geh schon.“

Sabrina sah Lorenz anspornend an. Lorenz stellte sein Glas ab und ging zum Balkon.

Hanna saß immer noch auf dem Klappstuhl, mit der leeren Tasse in der Hand und sah in die Nacht hinaus.

Sie schien Lorenz nicht zu hören.

„Hanna.“ sagte Lorenz leise.

Hanna sah auf, stellte die leere Tasse ab und setzte sich aufrecht hin.

„Ja.“ Lorenz holte tief Luft und versuchte, Hanna in die Augen zu sehen.

„Es tut mir leid. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll.

Ich kann mir nicht erklären wie es so weit kommen konnte. Bitte glauben sie mir, ich wollte ihnen nicht wehtun.“

„Aber wieso haben sie mich so fest gehalten?“

„Ich wollte nicht, dass sie gehen.“

„Warum nicht?“

„Sie gefallen mir.“

„Das ist aber eine seltsame Art und Weise, es mir zu zeigen.“

„Ich weiß...“ er stockte „glauben sie, sie könnten mir verzeihen?“

Hanna sah Lorenz erstaunt an.

„Ich weiß nicht, das braucht Zeit. Sabrina hat ihnen alles erzählt?“

„Ja.“

„Also verstehen sie, dass ich Zeit brauche. Das war kein guter Anfang. Vielleicht, wenn wir uns nach geraumer Zeit einmal wieder sehen.“

Hanna stand auf und reichte Lorenz die Hand.

„Vielleicht sehen wir uns ja zufällig mal wieder. Dann werden wir sehen.“

„Verstehe.“ sagte Lorenz niedergeschlagen, drückte sanft ihre Hand und sah ihr hinterher, wie sie sich von Sabrina verabschiedete und die Wohnung verließ.

Er ging zur Bar schenkte sich noch einen großen Whisky ein und sagte laut zu sich.

„Verdammter Idiot!“

Er trank seinen Whisky und sah Sabrina an, die vor ihm stand.

Sie sagte.

„Hanna braucht jetzt viel Zeit.“

„Ich weiß...!“

Kapitel 2

Irrungen

„Hanna! Hanna wo bist du?“ Hanna hörte ihre Großmutter Lina rufen.

Hanna saß unter einem alten Apfelbaum, der in voller Blüte stand. Auf ihrem Schoß saß Felix, Linas ältester Kater, der unheimlich verschmust war. Hanna dachte gerade an die Einweihungsfeier von Sabrina, die mittlerweile über ein Jahr zurücklag. Sie hatte noch lange damit zu kämpfen gehabt, hatte es jetzt aber überwunden und konnte ohne Angst zurückdenken.

Es war Ende Mai und Hanna verbrachte den Sommer bei ihrer Großmutter Lina.

„Ach, hier bist du. Hast du mich nicht rufen gehört?“

„Doch, ich habe nur vergessen zu antworten.“ Hanna lächelte Lina an.

„Wieder in Gedanken, was?“ Lina setzte sich zu Hanna, begann Felix zu streicheln, der sofort zu schnurren begann.

„Ja, ich habe an die Feier letztes Jahr gedacht. Ich habe dir doch davon erzählt.“

„Wie ging es dir dabei?“ fragte Lina.

„Gut, ich habe ohne Beklemmung daran gedacht.“

„Das freut mich.“

„Weshalb hast du mich gerufen?“

„Sabrina hat angerufen.“

„Was wollte sie?“

„Dich sprechen. Sie hat jetzt Semesterferien.“

„Oh, fährt sie weg?“ Hanna war etwas enttäuscht, ihre Freundin nicht gesprochen zu haben.

„Ja.“ Lina lächelte verschmitzt.

„Wohin?“

„Zu uns hierher.“

„Was?“

„Ich habe sie eingeladen, dass sie hier ein paar Tage verbringt. Ich hoffe, es stört dich nicht.“

„Aber nein, ich freue mich riesig.“ Hanna sprang auf, vergaß Felix auf ihren Schoß der hinunterfiel und beleidigt davon lief.

„Ich habe ihn ganz vergessen.“

„Das macht nichts. Felix beruhigt sich schon wieder. Er vergisst schnell.“

Hanna fiel ihrer Großmutter um den Hals.

„Oh, Großmutter danke, danke!“

„Schon gut, aber sag nicht immer Großmutter zu mir, da komme ich mir so alt vor.“ Lina lachte.

„Sorry, ist mir so rausgerutscht. Wann kommt sie denn?“

Hanna war ganz aufgeregt.

„Am Freitag, also in drei Tagen, gegen Abend.“

„Ich freue mich so, Lina, glaubst du, das Wetter bleibt so?“

„Heute Nacht soll es ein Gewitter geben, aber danach wieder genauso schön und sogar noch wärmer. Sagt jedenfalls der Wetterbericht.“

„Schön, dann können wir baden gehen und ein Picknick veranstalten.“

Hanna hatte noch viele Ideen, was sie alles unternehmen konnten, aber Lina warf ein.

„Lass Sabrina doch erst ankommen, dann könnt ihr euch immer noch überlegen was ihr unternehmen wollt. So, jetzt mache ich aber das Essen fertig. In einer halben Stunde ist es soweit. Vergiss es nicht.“

„Nein bestimmt nicht. Was gibt es denn zu Mittag?“

„Kartoffelauflauf mit Kopfsalat.“

„Lecker. Ich werde jetzt mal Felix suchen und mich mit ihm versöhnen. Ich habe sogar noch ein paar Leckereien für ihn.“

Hanna hielt eine Schüssel Katzentrockenfutter hoch.

„Mach’ das, er ist zur Scheune gelaufen, vergiss das Mittagessen aber nicht.“

Lina lächelte ihre Enkeltochter liebevoll an. Sie dachte, Hanna ist Angelika wie aus dem Gesicht geschnitten.

Wehmut erfasste Lina, hatte sie ihre Tochter doch so früh verloren. Hanna riss Lina aus ihren Gedanken.

„Träumst du?“

„Nein, ich war nur in Gedanken. Jetzt mache ich mich aber auf den Weg, sonst wird das heute nichts mehr mit dem Mittagessen.“

Hanna sah ihrer Großmutter nachdenklich nach. An was sie wohl gedacht hatte?

Sie zuckte mit den Schultern, drehte sich um und ging Richtung Scheune, um Felix zu suchen.

Der Wind bauschte die blumengemusterten Vorhänge auf und Hanna spürte die kühle, frische Brise der Morgenluft auf ihrer Haut. Es war noch sehr früh am Morgen die Sonne war gerade erst aufgegangen. Es schien ein schöner Tag zu werden. Hanna freute sich auf diesen Tag, war doch Sabrina gestern Abend angekommen. Es hatte ein großes Hallo gegeben. Sie hatten zu Abend gegessen und danach noch ein Glas Rotwein im Garten getrunken.

Zum Reden war nicht viel Zeit gewesen, weil Sabrina erst sehr spät angekommen war.

Hanna schreckte aus ihren Gedanken auf, da hatte sich doch etwas an der Tür getan.

Es rumpelte noch mal und die Tür sprang auf. Hanna setzte sich auf um besser sehen zu können, wer die Tür geöffnet hat. Als sie sah, wer es war, musste sie lachen.

Es war Felix, der frisch gestärkt, bereits von Lina gefüttert, ein warmes Plätzchen suchte, wo er sich ausruhen konnte.

„Hallo Felix. Na, komm hier ist es schön weich.“ Hanna klopfte auf ihre Bettdecke. Sie stutzte. Jetzt erst sah sie, dass Felix nicht alleine war. Hinter Felix liefen artig Miez und Mauz, die jüngsten aus Linas Katzenstall, beide circa fünfzehn Wochen alt und noch sehr verspielt.

Felix hatte scheinbar die Verantwortung für die beiden übernommen, denn er verteidigte sie sofort, wenn sie in Gefahr gerieten.

Felix und seine zwei Schützlinge nahmen Anlauf auf Hannas Bettdecke. Felix schaffte die Höhe spielend, Miez und Mauz brauchten etwas Zeit, schafften es dann doch, sich hochzuziehen. Alle drei legten sich genüsslich auf Hannas Bauch. Hanna streichelte alle drei und schlief darüber ein.

Etwas Feuchtes strich Hanna über die Wange. Sie öffnete die Augen und sah, dass es Mauz war.

„Nein nicht, “ rief sie „lass das.“

Sie schob Mauz sanft weg, sah auf den Wecker, der auf dem Nachtkästchen neben ihrem Bett stand. Es war viertel vor acht Uhr.

Jetzt erst roch Hanna den intensiven Kaffeeduft, der aus der Küche herauf strömte. Sie bekam sofort Lust auf eine große Tasse Kaffee und wollte sich gerade aufraffen, um zum Frühstück noch rechtzeitig zu kommen als sich die Tür einen Spalt öffnete und Lina ihren Kopf hereinstreckte.

„Aufstehen, in zwanzig Minuten ist das Frühstück fertig!“

„Ja, ich beeile mich. Mhm, der Kaffee riecht ja herrlich.

Ist Sabrina schon wach?“

„Ich habe sie gerade geweckt. Bei dem schönen Wetter könntet ihr doch ein Picknick am See machen. Das Wasser ist sicher schon warm genug, dass ihr baden könnt.“

„Willst du nicht mit?“

„Aber nein, erstens habt ihr euch sicher viel zu erzählen und zweitens bin ich heute Nachmittag zum Kaffeeklatsch bei meiner Freundin Martha eingeladen.“

„Und der Picknickkorb?“ fragte Hanna vorsichtig.

„Der steht fertig gefüllt mit allerlei Leckereien in der Waschküche, es fehlen nur noch der Kaffee und der Kuchen. Der ist gerade fertig geworden. Auf jetzt, sonst frühstücke ich alleine.“

„Ich komme sofort.“

Miez, Mauz und Felix streckten sich, sprangen vom Bett und folgten Lina nach unten.