Hans Moser – Seelenwanderung - Ernest E. Kraxner - E-Book

Hans Moser – Seelenwanderung E-Book

Ernest E. Kraxner

0,0
20,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Wie wäre es, wenn man eine zweite Chance bekäme und man lange nach dem Tod auf die Erde zurückkehren dürfte, um zu erledigen, was man zu Lebzeiten versäumt hat, oder um noch Dinge zu regeln? Der legendäre österreichische Volksschauspieler Hans Moser erfährt durch das Universum eine sogenannte Reinkarnation und darf für genau ein Jahr als Johann Julier auf die Erde zurückkehren. Moser wundert sich und ist durch die veränderte Welt im höchsten Maße verunsichert. Aber er darf auch viel Gutes tun, lernt viele liebe Menschen kennen und bekommt reichlich Liebe und Anerkennung zurück. Kann er nach einem Jahr friedlich und mit gutem Gewissen ins Universum zurückkehren? Eine Seelenwanderung der besonderen Art!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 213

Veröffentlichungsjahr: 2025

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie­.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fern­sehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und ­auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

© 2025 Vindobona Verlag

in der novum publishing gmbh

Rathausgasse 73, A-7311 Neckenmarkt

[email protected]

ISBN Printausgabe: 978-3-903579-13-2

ISBN e-book: 978-3-903579-14-9

Lektorat: Katja Szimmat

Umschlagfoto: Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek

Umschlaggestaltung, Layout & Satz: Vindobona Verlag

Innenabbildungen:

Bild 1 © Dodo Kresse

Bild 2, 3, 4, 7, 9, 10, 12, 15, 19, 23, 24, 25, 29, 30, 34, 35 © Alamy

Bild 5, 6 © Uschi Frank

Bild 8, 18 © A|K Film Production

Bild 13 © Filmarchiv Austria

Bild 21 © Deutsches Theater München Betriebs GmbH

Bild 22 © Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek

Bild 11, 16, 17, 26, 27 © Ernest E. Kraxner

Bild 14, 20, 28, 31, 32, 33 © Pexel

Bild 36 © Pexel – Ernest E. Kraxner

www.vindobonaverlag.com

Rechtlicher Hinweis

Im Roman sind die Handlung und alle handelnden Personen frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeiten oder Zusammenhänge mit lebenden oder realen Personen wären rein zufällig. Erwähnte, lebende oder bereits verstorbene, Schauspieler und/oder Künstler stehen ebenfalls in keinem Zusammenhang mit der Handlung. Bei Lokalitäten sowie Institutionen handelt es sich um Originalschauplätze, die im direkten oder indirekten Zusammenhang mit der Person Hans Moser standen.

Wie kam dieser Roman zustande?

Mein Sohn Alexander ist Inhaber einer Filmproduktion in Wien.

Seine großartige Idee für die Handlung eines neuen Films war die Reinkarnation des legendären Hans Mosers in der Gegenwart.

Alexander erzählte mir begeistert von Szenen zu diesem Film, die er sich lebhaft vorstellte.

In einem weiteren Gespräch fragte er mich, ob ich als erfolgreicher Geschichtenschreiber mit ihm gemeinsam die Einleitung zu diesem Film verfassen könnte – was wir schlussendlich auch taten.

Dieses Thema interessierte mich insgeheim sehr. Doch zur Realisierung eines solchen Filmprojektes bedarf es in erster Linie eines dementsprechenden Drehbuches.

Dafür muss man jedoch einen geeigneten Drehbuchautor finden, der sich in die Thematik hineinversetzen und diese zu Papier bringen kann.

„Ich bin kein Drehbuchautor!“, gab ich zu bedenken.

Der Gedanke, einen Roman über dieses Thema zu schreiben, ließ mich dennoch nicht los, beschäftigte mich Tag und Nacht.

Ich recherchierte über den beliebten Schauspieler, sah mir veröffentlichte Bilder von ihm an, auch Fernsehfilme mit ihm, wovon ich einige natürlich kannte.

Auf einmal, wie vom Blitz getroffen hatte ich zündende Ideen für einen durchgehenden Handlungsablauf, also den sogenannten „roten Faden“.

Ich begann, den Roman zu schreiben und mich in das inkarnierte Leben des Hans Mosers hineinzuversetzen. Zwei Monate später war diese „Seelenwanderung“ fertig geschrieben.

Viel Freude beim Lesen!

Ernest E. Kraxner

Vorwort

Dodo Kresse

Großnichte von Hans Moser

Liebe Leserinnen und Leser,

als Großnichte des berühmten Volksschauspielers Hans Moser fühle ich mich geehrt, Sie auf eine ganz besondere Reise mitnehmen zu dürfen – eine Reise, die meinen Großonkel in die moderne Zeit zurückbringt. Die geniale Idee der „Seelenwanderung“ stammt vom talentierten Regisseur Alex Kraxner. In einem kreativen Moment stellte sich Alex die Frage: „Was würde geschehen, wenn Hans Moser in der heutigen Welt wiedergeboren würde? Mit Smartphones, Social Media und all den anderen modernen Errungenschaften konfrontiert – wie würde er wohl reagieren? Welche seiner alten Weisheiten und liebenswerten Schrullen würden ihm helfen – oder ihn gar in Schwierigkeiten bringen?“

Alex’ Vater, Ernest E. Kraxner, hat sich nun ebenfalls auf die Spuren von Hans Moser begeben und die Basis für das Drehbuch des Filmprojektes seines Sohnes geschaffen. Sein Versuch, das Wesen und den Humor dieses außergewöhnlichen Mannes einzufangen, ist geglückt. Mit viel Liebe zum Detail und einem feinen Gespür für Hans Mosers Charakterzüge hat Ernest E. Kraxner den eindrucksstarken Schauspieler ins Jetzt versetzt. Wird der „moderne Moser“ hier seine Probleme der Vergangenheit lösen können? Was für Schwierigkeiten waren das, und warum möchte er sie unbedingt auflösen? Wird es ihm gelingen?

Die charmante Art, mit den Tücken und Widrigkeiten des Alltags umzugehen, machte Moser zum Volkshelden. Dieses Buch lässt diesen Wiener Charme erneut aufleben und macht dadurch die Zeitlosigkeit von Hans Mosers Humor spürbar.

Alex Kraxner und sein Vater Ernest haben es geschafft, Hans Mosers Essenz zu bewahren und gleichzeitig eine neue, aufregende Geschichte zu erzählen, die sowohl nostalgische Gefühle als auch Neugier weckt. Der geplante Film wird zweifellos ein Highlight für alle Fans des klassischen österreichischen Films und für alle, die sich nach guter, humorvoller Unterhaltung sehnen, sein.

Dieses Buch ist nicht nur eine heitere Erzählung voll unerwarteter Wendungen, sondern auch eine Verbeugung vor einem Mann, der mit seinem Schauspieltalent und seiner Persönlichkeit Generationen zum Schmunzeln brachte und immer noch bringt. Wahre Größe ist eben zeitlos. Hans Moser darf auf eine Art und Weise wiederauferstehen, die sowohl altvertraute als auch neue Fans begeistern wird.

Während ich dieses Vorwort in den Laptop tippe, erinnere ich mich an einige der köstlichsten Filme meines Großonkels. Ich liebte die gemütlichen Sonntagnachmittage mit einem echten „Moser-Film“ in Schwarzweiß. Wir denken an „Hallo Dienstmann“, in dem er als verschmitzter, liebenswerter Dienstmann unschlagbar komisch wirkte. „Auf gebaut kummt’s ned an!“, mahnte er oft – und recht sollte er behalten. Oder wir erinnern uns an „Der Herr Kanzleirat“, wo er die Bürokratie und ihre Verrücktheiten gekonnt parodierte. Und nicht zu vergessen „Anton der Letzte“, in dem er als sturer, manchmal komischer und patscherter, aber immer eindrucksvoller Charakter brillierte. Meine Lieblingsrolle verkörperte mein Großonkel in „Herrn Josefs letzte Liebe“, eine Art Love-Story zwischen Hund und Herrl – einzigartig! Wenn seine Bewegungen auch zumeist an Grazie zu wünschen übrigließen, war sein Herz aber von solcher Güte, dass er Millionen von Menschen damit zu berühren wusste.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre und freue mich, dass wir gemeinsam ein höchst erfreuliches Stück Wiener Geschichte in die Gegenwart holen dürfen. Dem Autor Ernest E. Kraxner und dem Filmemacher Alex Kraxner aber wünsche ich einen erfolgreichen Film und weiterhin eine freudvolle Zusammenarbeit. Möge Hans Moser uns auch in dieser modernen, manchmal zu kühlen Welt ein Lächeln ins Gesicht zaubern und uns zeigen, dass manche Dinge, wie Menschlichkeit und Humor, niemals aus der Mode kommen.

Dodo Kresse

Einleitung

In unterschiedlichen Kulturen und Religionen, beispielsweise in Strömungen des Christentums, gibt es publizierte Hinweise auf Wiedergeburt, also Reinkarnation.

Der Wunschgedanke eines wiederholten Lebens auf der Erde ist sehr alt. Schon seit ewigen Zeiten halten Menschen auf unserem Planeten an ihrem Glauben an eine Wiedergeburt des menschlichen Geistes und der Seele nach dem Tod fest.

Eine Rückkehr auf die Erde oder andere Existenzbereiche in einem neuen Körper als empfindendes Wesen ist in ihnen allgegenwärtig. Sie sehen die Wiedergeburt als Mittel, um spirituelles Wachstum und Erleuchtung zu erlangen.

Die Reinkarnation bezieht sich auf den Vorgang, dass eine Seele nach dem Tod in einen neuen Körper zurückkehrt. Die These, sich dabei an ein früheres Leben erinnern zu können, impliziert Reinkarnation. Wenn es an der Zeit ist, wird das Karma, das noch für künftige Leben da ist, in ein neues Erdenleben einbezogen.

Diesen Wunsch, in ein irdisches Leben als Wiedergeborener zurückzukehren, zu reinkarnieren, hegten auch der Geist und die Seele von Hans Moser. Wie bei vielen, sich bereits im Jenseits befindlichen Seelen, hat auch seine Seele den innigen Wunsch, auf der Erde zu reinkarnieren, um die Möglichkeit zu bekommen, im irdischen Leben ungelöste, immer noch belastende Probleme aufzuarbeiten und sie letztendlich ganz auflösen zu können.

Auf höherer Ebene im Universum wurde der innige Wunsch von Hans Moser erhört und ihm eine Wiedergeburt auf Erden befristet gewährt, jedoch war dies mit Auflagen versehen.

Die Zeitspanne der Inkarnation wurde ab dem Zeitpunkt des Erscheinens auf Erden für zwölf Monate befristet. Ist diese Zeit abgelaufen, kehren die den Körper verlassende Seele und der Geist wieder in das Universum zurück.Für die Zeit auf Erden wird Hans Moser vom Universum geführt und gelenkt.Hans Moser wird intuitiv die Herberge finden, die das Universum für ihn ausgewählt hat.Es werden ihm auch die finanziellen Mittel, die er benötigt, in einem überschaubaren Rahmen zur Verfügung gestellt.Für diese zwölf Monate wird er seinen bürgerlichen Namen „Johann Julier“ wieder annehmen.

In diesem Roman werden Originalschauplätze, die Hans Moser in seinem irdischen Leben besucht hat, namentlich erwähnt.

Mein besonderer Dank gilt Frau Dodo Kresse, Journalistin, Texterin, Schriftstellerin und Großnichte von Hans Moser, für das Verfassen des Vorwortes.

Historie

Am 6.8.1880 erblickte ich, mit bürgerlichen Namen Johann Julier, in Wien, rechte Wienzeile 93, das Licht der Welt. Nach Absolvierung der Pflichtschule und einer Handelsschulearbeitete ich für kurze Zeit als Buchhalter bei einem Wiener Lederwarenhändler.

Als ich, Johann Julier, noch vor der Jahrhundertwende mit einer Schauspielkarriere begann, entschied ich mich, hierfür den Künstlernamen Hans Moser anzunehmen.

Diesen für meine Eltern höchst außergewöhnlichen Wunsch, dass ihr Sohn die Laufbahn als Schauspieler einschlagen möchte, lehnten sie entschieden ab. Trotzdem besuchte ich kurzzeitig eine Theaterschule und nahm gleichzeitig auch Sprechunterricht bei einem Wiener Hofschauspieler.

Mein erstes Engagement erhielt ich als Hans Moser mit 17 Jahren an einer Schmierenbühne in Friedek-Mistek an der Ostrawitza, dem heutigen Tschechien. Erste Sprechrollen bekam ich im Jahr 1897 am böhmischen Stadttheater Reichenberg.

Anfang 1903 berief man mich ins Ensemble des Wiener Theaters in der Josefstadt. Ein Handicap jedoch war meine Körpergröße von nur 1,57 Meter, so sagte man mir. Auf Grund dessen wurde ich oft nur in Kinderrollen besetzt, die jedoch unter meiner Würde waren. Man hat schließlich einen Stolz, deshalb verließ ich bereits nach vier Jahren dieses Ensemble.

Als ich meine spätere Gattin Blanca Hirschler kennenlernte, war ich bereits 30 Jahre alt, sie war die Schwester zweier Schauspielkollegen von mir. Es war in der Wiener Wohnung, wo ich bei Mutter Hirschler vorstellig wurde. Dort gab es erstmals ein Zusammentreffen mit der zwanzigjährigen Blanca. Es war, so erinnere ich mich, Liebe auf den ersten Blick.

Einen Tag vor meinem 31. Geburtstag, am 5.8.1911, heiratete ich Blanca Hirschler, sie war gebürtige Jüdin. Bereits zwei Jahre später kam unsere gemeinsame Tochter Margarete auf die Welt.

Als Schauspieler gelang mir erst im Alter von 42 Jahren auf der Bühne eines Leopoldstädter Kabaretts der Durchbruch. Von meinem späteren Freund, dem berühmten Theatermacher Max Reinhardt, wurde ich daraufhin sofort für das Theater in der Josefstadt engagiert, später auch für eine USA-Tournee. Nachdem ich in den Folgejahren als Schauspieler sehr gut verdiente, da ich großartige Rollen angeboten bekam, kauften wir uns im Jahr 1932 eine Villa im Wiener Bezirk Hietzing, Auhofstraße 76–78, Eingang Hügelgasse 2.

Heutige Aserbeidschanische Botschaft, ehemalige Moser-Villa

Als Moser-Villa bekannt, ist die Villa heute Sitz der Aserbaidschanischen Botschaft. Wir wohnten in ihr gemeinsam bis ins Jahr 1938. Im März 1938 befahl Adolf Hitler den Einmarsch in Österreich und im April desselben Jahres wurde Österreich an das sogenannte „Dritte Reich“ angegliedert.

Noch in diesem Jahr nahm die Tragödie für die Menschen in Österreich und der Welt, aber auch für Blanca und mich ihren Lauf. Von diesem Zeitpunkt an befahl Adolf Hitler sofort die Judenverfolgung und später die Deportationen der Juden in das Konzentrationslager Auschwitz.

Ergo war auch das Leben meiner Gattin Blanca als Jüdin nun bedrohlich in Gefahr.

Trotz mehrerer Bittgesuche, die ich an die höchsten Stellen im Deutschen Reich gerichtet hatte, entschieden wir, dass Blanca aus Sicherheitsgründen kurzfristig Österreich verlassen musste. Da wir anfänglich die Gefahr nicht allzu ernst nahmen, schickte ich meine Frau mit unserer Tochter zunächst für einige Wochen nach Italien, in den noblen italienischen Badeort Rimini, um abzuwarten, wie die prekäre Situation ihren weiteren Verlauf nehmen würde.

Ich kann mich gut erinnern, dass sich Blanca auf eigenen Wunsch noch im selben Sommer in der Pfarre von Unter St. Veit katholisch taufen ließ. Es war leider eine völlige Fehleinschätzung, wie sich später herausstellte, denn die eingeführten Sondergesetze der Nazis, betrafen Jüdischstämmige, also auch Blanca. Ab Oktober 1938 musste der Vermerk „J“ in ihrem Pass eingetragen sein.

Ich persönlich erhielt, wie auch einige andere für die Nazis „brauchbare“ Künstler, eine Sondergenehmigung des Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda in Berlin. Der Öffentlichkeit musste diese geheime Liste streng verborgen bleiben, denn in ihr war die rassische Zugehörigkeit der Ehepartner dieser Künstler vermerkt. Der Eintrag in dieser Liste gestattete es den Künstlern, trotz dieses Makels weiterzuarbeiten.

Von der Naziführung wurde mir immer wieder nahegelegt, dass ich mich von Blanca scheiden lassen sollte. Eine Scheidung, so wurde mir mitgeteilt, wäre nach der damaligen Rechtsauffassung ohne weitere Angabe von Gründen jederzeit möglich gewesen. Aber ich lehnte eine Scheidung kategorisch ab. Daraufhin folgte eine sehr dramatische Zeit für mich, da ich ständig Angst hatte, meine geliebte Frau zu verlieren.

Ohne Blancas Wissen verfasste ich am 4. Oktober 1938 ein an Adolf Hitler persönlich gerichtetes Schreiben, in dem ich „meinen Führer“ innig anflehte, Sondergesetze für meine Frau zu erlassen. Adolf Hitler war ich als Schauspieler gut gesonnen, deshalb hat dieser Brief auch seinen Zweck erfüllt. Für Blanca, in einem Dekret als Ehrenarierin angeführt, wurden sogar Sonderbestimmungen erlassen.

In Erinnerung blieb mir noch genau der erste Wienbesuch des Propagandaministers Joseph Goebbels. Voller Hoffnung und Erwartung bestürmte ich ihn mit der Bitte, meiner Frau Blanca doch Schutz zu gewähren. Goebbels war mir gegenüber sehr höflich und beschwichtigte mich mit den Worten: „Machen Sie sich keine Sorgen, hochgeschätzter Mime, alles wird seinen richtigen Verlauf nehmen!“

Obwohl ich wusste, dass Goebbels für mich nicht viel übrighatte, erkannte er aber dennoch den Nutzen meiner Popularität als Schauspieler, natürlich nur für seine eigenen Interessen.

Goebbels wusste, dass der Unterhaltungsfilm neben der Kriegspropaganda eine wichtige Rolle spielte und mit Fortschreiten der Kriegsjahre nach 1939 sogar eine immer wichtigere. Kino und Theater sind doch das Einzige geblieben, was den Menschen zur Ablenkung aus dem tristen Alltagsgeschehen zur Verfügung stand.

Wie mir später zugetragen wurde, hat Goebbels am 13. Juni 1938 sogar ein Zusammentreffen mit mir in seinem Tagebuch vermerkt. Original-Zitat: „Mittags herauf zum Cobenzl. Unten liegt dieses herrliche Wien. Wir verbringen Mittag und Nachmittag in lustiger Künstlergesellschaft. Ich beruhige Hans Moser. Er weint vor Freude. Und dann sitzen wir im Künstlerkreis in einem Garten in Grinzing, der Mond steht über mir, laue Sommerluft, die Geigen schluchzen. Hans Moser singt Heurigenlieder. Es ist eine unbeschreibliche Romantik. Heller Tag, als ich ins Hotel zurückkehre!“

Antworten von Adolf Hitler auf meine an ihn gerichteten Briefe erhoffte ich insgeheim immer noch, sie blieben jedoch aus.

In einem weiteren Reichsansuchen erwirkte ich, dass Blanca in ein benachbartes Land außerhalb der Grenzen des „Dritten Reiches“ übersiedeln durfte. Gleichzeitig wurde mir ein Besuchsrecht eingeräumt. Folglich entschied ich, Blanca, wie vorgegeben, außerhalb der Reichweite des NS-Regimes – aber nahe genug zu Wien –, nach Ungarn, in dessen Hauptstadt Budapest in Sicherheit zu bringen.

Mit einem Raddampfer brachen wir von Wien nach Budapest auf und ich mietete für meine geliebte Blanca eine Suite im Hotel Carlton, direkt an der Donau gelegen. Wenn sie schon fliehen musste, und wenn wir schon voneinander getrennt leben mussten, wollte ich ihr wenigstens ein luxuriöses Leben in Sicherheit bieten.

Die Angst, Blanca zu verlieren, beschäftigte mich nach wie vor Tag und Nacht. Wiederholt schrieb ich Bittgesuche an den Führer und auch an Goebbels. Antwort kam jedoch von beiden keine, was mich zunehmend traurig und depressiv machte. Immer wieder habe ich von Blanca gesprochen, ja sogar zeitweise Selbstgespräche geführt. Furchtbare Zweifel und Angst haben mein Leben fortan bestimmt.

Immer wieder reiste ich nach Budapest, um sie zu treffen. Und so vergingen die Jahre.

Endlich, im Oktober 1944 nach fünfjähriger Trennung, konnte ich Blanca an der ungarischen Grenze wieder in die Arme nehmen und sie in unsere gemeinsame Villa nach Hietzing zurückbringen.

Unsere gemeinsame Tochter Margarete, die in Wien lebte, emigrierte, nachdem sie 1935 den rumänischen Kaufmann Martin Hasdeu geheiratet hatte, nach Argentinien.

Warum sie nach Argentinien ausgewandert ist und was der tatsächliche Grund dafür war, hat mir, als ich es erfuhr, die Füße unter dem Boden weggezogen – ja, mein Herz gebrochen. Gleichzeitig erfuhr ich auch, was der ausschlaggebende Grund für den tiefgehenden Streit zwischen Blanca und unserer Tochter war.

Ich konnte es kaum fassen, noch weniger glauben: Blanca hatte während unserer glücklichen Ehe, so hatte es zumindest für mich den Anschein, einen Liebhaber. Und dieser Liebhaber war kein anderer als Martin Hasdeu, jener Martin Hasdeu, den unsere Tochter Margarete meiner Frau Blanca ausspannte. Später heiratete Margarete den Hasdeu sogar und wanderte mit ihm als sogenannte Halbjüdin nach Argentinien aus, wo sie auch später ein Kind gebar.

Dieser Zustand war unerträglich für mich. Ich gab mir selbst die alleinige Schuld, mein Leben gänzlich der Schauspielerei gewidmet zu haben und dabei augenscheinlich komplett versäumt zu haben, mich primär meiner Familie zu widmen.

Sehr wohl habe ich die Sorgen und Ängste mit Blanca ernst genommen, aber anscheinend war das viel zu wenig. Hat sich mein Nebenbuhler und späterer Schwiegersohn gar mehr um Blanca gekümmert, ihre Ängste, Gefühle und Leidenschaften mit ihr geteilt?

Was war mit unserer gemeinsamen Tochter Margarete, die ich über alles liebte? Habe ich sie ungewollt, unbewusst, gänzlich im Stich gelassen?

Es ist mir klar, mit Blanca hatte ich fünf Jahre lang eine Fernbeziehung, doch die wurde ja von mir nur zu Ihrem Schutz vor den Nazis und zu ihrem Wohlergehen eingeleitet. Natürlich gehört, meinem Verständnis nach, die Tochter immer zur Mutter.

All dies ließ mir keine Ruhe, die Schuldgefühle übermannten mich ständig und ich fand nach wie vor dafür keine Lösung.

Es kam sogar noch schlimmer, das Problem ging ja weiter!

Im Juli 1948 reiste ich nach Südamerika, um unsere Tochter zu besuchen. Ich hatte auch gleichzeitig ein Gastspiel an der Freien Deutschen Bühne in Buenos Aires.

In einem langen Gespräch bat mich Margarete um einen Vorschuss auf ihr Erbe, um sich eine Existenz in Buenos Aires aufzubauen. Zu ihrer Mutter war jeglicher Kontakt abgebrochen.

Blanca verzieh i unserer Tochter das Verhältnis, das sie mit Martin Hasdeu gehabt hatte, niemals, sie fühlte sich zutiefst gedemütigt.

Nach dem Tod ihres Kindes im Jahr 1963 adoptierte Margarete einen argentinischen Jungen. Von dort an eskalierte und vertiefte sich der Konflikt zwischen Mutter und Tochter erst recht. Schlussendlich zog Blanca einen Schlussstrich und enterbte Margarete im Jahr 1971. Die Folge war eine jahrelange Gerichtsverfahren zwischen den beiden.

Margarete zog nach dem Ableben ihrer Mutter 1974 abermals gegen die Enterbung vor Gericht. Erst nach 15 Jahren Rechtsstreit erhielt sie den Pflichtanteil des väterlichen Erbes zugesprochen.

Dennoch, das Schicksal hatte es mit unserer Tochter nicht gut gemeint, sie starb bereits ein halbes Jahr später.

Blanca wiederum vermachte testamentarisch den größten Teil des Vermögens der Hans & Blanca Moser-Stiftung.

Für mich stellte sich jedoch nach wie vor die ungelöste Frage: „Wie kann ich das, was ich in meinem Leben, in meiner Beziehung alles falsch gemacht habe, wieder gut machen? Warum habe ich diese gravierenden Fehler, die ich beging, nicht rechtzeitig, früh genug, erkannt, damit ich Maßnahmen hätte treffen können?“

Nun stand ich vor einem Scherbenhaufen und fragte mich fortwährend: „Wie kann ich dies alles wieder gut machen, um endlich den ersehnten Seelenfrieden zu erhalten?

Wahrscheinlich würde es mir erst in einem nächsten Leben gegönnt sein.“

Reinkarnation

Morgens, es war kurz nach sieben Uhr und der 1. März 2024. Ich wachte auf, die Sonne durchflutete das Schlafzimmer. Die Umgebung war mir vollkommen vertraut, sonderbar.

Da lag ein Kuvert mit einem Brief auf dem Nachttisch, darauf stand:

Bittelies das, lieber Johann Julier!

Ich öffnete das Kuvert, nahm den Brief heraus und begann zu lesen.

Lieber Johann, wir haben deinem innigen Wunsch, auf die Erde zurückzukehren, um deine Altlasten, die dich so beschäftigen, auflösen zu können, Folge geleistet. In deinem früheren, irdischen Leben warst du ein angesehener, gutsituierter Mann, ja sogar wohlhabend und noch dazu gefeierter Schauspieler.

In dieses Milieu wollten wir dich für die Zeit deiner Inkarnation auf Erden, die du selbst auf zwölf Monate beschränkt hast, wieder hineinversetzen.

Deshalb wählten wir für dich diese schöne, unbewohnte Villa in Döbling, einem ähnlich noblen Wiener Bezirk wie Hietzing, in dem du damals gewohnt hast, aus. Sie wurde von uns so ausgestattet, dass dir alles vertraut vorkommt, von der Einrichtung bis hin zu deiner Kleidung.

Auf dem Schreibtisch liegt eine Schatulle. In dieser wirst du täglich, für dieses ganze Jahr lang, ausreichend Geld finden, damit du deinen damals gewohnten Lebensstil weiterführen kannst.

Natürlich liegt in der Schatulle auch ein Reisepass, ausgestellt auf „Johann Julier“ mit Geburtsdatum und der neuen Wohnadresse. Damit kannst du dich wieder frei auch in den Nachbarländern bewegen und bei jeder Behörde ausweisen.

Neben der Schatulle findest du ein Mobiltelefon, ein sogenanntes Handy.

Sogar an das Türschild am Gartentor „Familie Johann Julier“ haben wir gedacht.

Nun, lieber Johann, mach dich auf den Weg, suche gewohnte Plätze von früher auf, versuche, dein vertrautes Milieu wiederzufinden, knüpfe Kontakte mit Menschen, sie alle werden dir wohlgesinnt entgegenkommen.

Auch deine Nachbarn werden dich sehr freundlich aufnehmen, zumal sie ja nicht wissen, wer du bist, jedoch besonders neugierig darauf sind, in Bälde Näheres von dir zu erfahren.

Mach dir bitte keine Sorgen, du wirst deine Altlasten aus deinem früheren Leben auflösen können, und denke immer daran, dass du vom Universum geführt bist.

Eines solltest du noch wissen: Deine inkarnierte Seele und dein Geist sind selbstverständlich im Wissen über die neuen Begegnungen, die du erfährst, die neuen Schauplätze, die du aufsuchst, die neue Technik, die die Gegenwart bestimmt. Vieles wird dir in Erinnerung sein, ebenso wird dir einiges neu vorkommen und nicht vertraut sein. Deine Seele sowie dein Geist jedoch lenken dich, sodass du jeder Situation gewachsen bist.

Diese außergewöhnliche Nachricht berührte mich zutiefst. Mein Herz klopfte vor Aufregung bis zum Halse. Nachdem ich mit Bedacht den Brief zu Ende gelesen hatte, fühlte ich mich plötzlich wieder in die mir vertraute Welt hineinversetzt. Trotzdem plagten mich Zweifel, ob ich alles tatsächlich real wahrnahm, und ich wollte so schnell wie möglich der Sache auf den Grund gehen.

Aufgeregt machte ich mich auf den Weg in die Stadt.

Es war ein angenehmer, für diese Jahreszeit sogar warmer, sonniger Märztag. Ich ging Richtung Straßenbahn, um mit ihr in den ersten Bezirk zu gelangen. Dort würde ich wohl ein Kaffeehaus finden. Ich wollte einfach nur einen heißen Kaffee trinken. Essen konnte ich nichts, dafür war ich innerlich zu aufgewühlt.

In der Straßenbahn stand ein junges Mädechen sofort auf und bot mir mit den Worten „Ich steh leichter als du, Opa, komm, setz dich hin!“, ihren Sitzplatz an.

„Danke, Fräulein“, entgegnete ich, „schau ich denn schon so klapprig aus?“

„Na ja, 20 bist du aber auch net mehr“, erwiderte die junge Dame.

„Hübsch ist sie obendrein“, dachte ich.

Gleich darauf wurde neben mir ein weiterer Sitzplatz frei und sie setzte sich zu mir. „Sagen Sie, Fräulein“, fragte ich sie, „wo gibt es denn in der Innenstadt ein schönes, traditionelles Kaffeehaus?“

„Bist du net von hier?“, so ihre Gegenfrage ein wenig erstaunt. „Nein, ich bin erst gestern nach Wien gekommen“, erklärte ich.

„Ach so, von wo kommst du denn her?“

„Vom Universum“ Ja, genau, und ich komme von Himmel!“, erwiderte sie.

„Hey Opa, du suchst also ein gemütliches traditionelles Kaffeehaus? Ich kenne eines, das ist mindestens genauso alt und traditionell wie du. In der Stallburggasse im Ersten, das Café Bräunerhof. Wenn du willst, begleite ich dich hin. Spendierst du mir einen Kaffee für diesen guten Tipp?“

„Ja, gerne!“, antwortete ich.

„Na ja, der Tag fängt schon gut an“, dachte ich mir still und heimlich. Sie ist zwar eine liebe, hübsche und junge Dame, aber ein bisschen goschert ist sie schon. Die Leute werden sich denken, dass ich tatsächlich ihr Opa bin. Warum denn nicht, wäre ja möglich, es gibt Schlimmeres!“

„Sagen Sie, Fräulein, wie heißen Sie denn?“

„Fini, das kommt von Josefine. Josefine Bruckmüller und wohnen tu ich noch bei meinen Eltern in der Spittelau.“

„Also, ich heiße Johann Julier, du kannst aber auch „Hansi-Opa“ zu mir sagen, bist ja sowieso schon per Du mit mir.“

„Prima, lieber Hansi-Opa, du gefällst mir. Ich bin ab jetzt die Fini und du mein Hansi-Opa, abgemacht?“

„Handschlag darauf!“ Somit war der Deal besiegelt.

Von der Straßenbahnhaltestelle aus war es ein gemütlicher Spaziergang durch die Innenstadt. Für mich sah alles neu aus, die Gebäude, die Fahrzeuge, die teilweise extravagant und gut gekleideten Menschen.

Beim Café Bräunerhof angekommen, fragte Fini mich: „Na, wie sieht das Café aus, so etwas Traditionelles hast du ja gesucht?“

„Du sagst es, großartig!“, erwiderte ich. „Lass uns hineingehen!“

Tatsächlich, es entsprach ganz meinen Erwartungen und Vorstellungen. Einfach urig, so wie früher halt, wahrscheinlich ein bisschen modernisiert.

Der Ober begrüßte uns freundlich mit den Worten: „Willkommen im Café Bräunerhof, hier hätte ich ein schönes Platzerl für dieHerrschaften! Führt der adrette Herr Opa heute sein Enkerl zum Kaffee aus?“

Fini entgegnete: „Ja, wieso wissen Sie denn das, Herr Ober?“

„Weil ihr beide auf mich so einen glücklichen Eindruck macht“, so der Ober.

„Wissen S’, ich habe auch eine Enkeltochter, so in Ihrem Alter, liebes Fräulein, und bin jedes Mal stolz, wenn sie mit mir ins Kaffeehaus geht. Aber, was darf ich den Herrschaften bringen?“

„Mir bitte eine heiße Schokolade und, Hansi-Opa, was magst du?“

„Eine gute Wiener Melange bitte und bringen S’ uns noch zwei Butterkipferln dazu!“ Nun verspürte ich doch ein wenig Appetit darauf, eine Kleinigkeit zu essen.

Ich wunderte mich, es war bereits späterer Vormittag und das Café war nahezu randvoll mit Gästen, schau, schau!

„Fini, jetzt erzähl mir von dir. Was machst du denn, und was machen deine lieben Eltern?“

„Also, mein Papa Ingo Bruckmüller ist ein ranghoher, leitender Zollbeamter in Wien. Meine Mama Christine arbeitet als Lektorin von zu Hause aus. Michi, mein kleiner Bruder, ist zehn Jahre alt, ein Nachzügler, quasi. Er geht ins Gymnasium.

Ich bin 24 Jahre alt, habe das Gymnasium besucht, die Matura bestanden und die Ausbildung zur Maskenbildnerin erfolgreich abgeschlossen. Diesen Beruf finde ich cool, denn Maskenbildner werden immer gebraucht, solange es Theater, Opernhäuser, Filmproduktionen und so fort gibt. Ich muss jetzt halt einen Job finden.“