Happy End im Kettenhemd - Sina Blackwood - E-Book

Happy End im Kettenhemd E-Book

Sina Blackwood

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Beschreibung

Verrückt-frivol bis schräg-witzig - das Ritterleben in Kurzgeschichten und Reimen bis die Rüstung glüht.

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Seitenzahl: 87

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Vorwort       Lenard James Cropley

Da droben dräut der Drache         Sina Blackwood

Hugo, der Pisser         Matthias Albrecht

Ritter Gisbert lässt es krachen         Sina Blackwood

Kunibert, der Erfinder         Matthias Albrecht

Pech für Botho         Sina Blackwood

Die gepuderte Jungfrau         Matthias Albrecht

Otto gibt niemals auf         Sina Blackwood

Gernot, der Foltermeister         Matthias Albrecht

Konrad, der Findige         Sina Blackwood

Auf d. Suche nach d. Heiligen Gral          Matthias Albrecht

Knappe Hannibal         Sina Blackwood

Der Feinschmecker         Matthias Albrecht

Die weiße Katze         Sina Blackwood

Die weiße Frau         Matthias Albrecht

Bonusgeschichte als Hommage an Saalfeld:

Am Anfang war der Lehm         Sina Blackwood

Ein paar Worte vorab

Grausam, dunkel, dreckig und stinkend, das sind erste Adjektive, die mir zum Thema Mittelalter einfallen. Aber warum liegt dahinter solch eine Faszination? Ist es das einfache Leben ohne die uns geißelnde Technik? Ist es der vergleichsweise enge Horizont, der den Blick auf das Wesentliche im Leben lenkt? Nun, jedenfalls die Themen Ritterspiele, Mittelalterspektakel, Turniere und Burg-Feste sind im 21. Jahrhundert stark angesagt und finden bei Groß und Klein, Alt und Jung regen Beifall.

So sehe ich mich auch in Leinenhosen, geschnürtem Baumwollhemd, Ziegenledertasche und kurzem Dolch auf eben jene Veranstaltungen pilgern, um dazugehörig zu sein, zu dieser Zunft.

Das Mittelalter mit all seinen Tugenden und Sehnsüchten, der Ritterlichkeit, höfischen Feste mit Schalmeien und Dudelsackmusik, Fressgelage mit rauen Sitten, Kleidung aus Leder und Leinen, Samt und Seide, Waffen und (Schau)-Kämpfen, wer kann sich da entziehen?

Zum Reigen der Medien, die uns Heutige ins Mittelalter entführen, gehören Mittelalterromane, Geschichts- und Bilderbücher. Dazu gesellt sich nun ein kleines aber feines Bändchen, das mit einem Augenzwinkern zu verstehen ist. „Happy End im Kettenhemd“ entstand aus einem Jux unter zwei Schriftstellern auf einer großen deutschen Buchmesse.

Sina Blackwood (geb. 1962, Mittelalter sozusagen; nicht alt und nicht mehr jung) hatte soeben ihr Kettenhemd vollendet, das sie als Recherchematerial und Deko für einen Mittelalterroman benötigte. Die Fans und Autoren-Kollegen waren erstaunt und begeistert zugleich.

Der Plan, ein kleines Ritterbüchlein zu verfassen, nahm Gestalt an. Sina Blackwood, eine der schnellsten Schreiberinnen, die ich je kennen gelernt habe, setzte sich an ihren Laptop und ließ Buchstaben auf virtuelles Papier purzeln.

Sina, Matthias und ich treffen uns schon einige Jahre mit anderen Autoren in Sachsen oder Tschechien und lesen uns unsere Texte vor.

Matthias Albrecht stammt aus Leipzig (geb. 1961, auch Mittelalter also) und hat schon mehrere Bücher, sowie Kurzgeschichten erfolgreich veröffentlicht. Seine lockere und humorvolle Art machten ihn zu einem ebenbürtigen Co-Autor für Sina Blackwood.

Ich bin gebürtiger Karl-Marx-Städter (1979, noch im Knappenalter) und verfasse vornehmlich Lyrik und Kurzgeschichten. Das Schreiben begleitet mich seit dem elften Lebensjahr. Inzwischen leite ich einen Chemnitzer Schreibkurs und gebe eine Online-Literaturzeitung heraus.

Nun möchte ich Sie nicht weiter mit meiner Biografie langweilen, sondern einladen, die Welt der Drachen, Ritter, Jungfrauen, Streitrosse und Mägde zu betreten. Holen Sie sich einen Met oder ein Bier, vielleicht in einem alten Tonkrug, dann sind Sie hier schon gut eingestimmt. Kramen Sie die CD mit den Gregorianischen Chören raus (ja ich weiß, dass Sie eine solche besitzen) und blättern Sie gleich ehrfürchtig um.

Viel Lesevergnügen wünsche ich Ihnen nun und kann schon mal verraten, dass diese Lektüre die Einstimmung für eine Reihe weiterer fantastischer Bücher ist.

Mit edlen Grüßen

Ritter Lenard James von Cropley

im September 2014

Da droben dräut der Drache

- Sina Blackwood -

In finst’rer Höhle dräut der Drache.Sein Gold ist weg. Er sinnt auf Rache.

Es riecht nach Ritter und nach Pferd.Das ist ihm die Verfolgung wert.

Er schwingt sich eilig in die Lüfte,da wittert er ganz andre Düfte.

Es stinkt nach Knoblauch und nach Zwiebel.Schon wird dem armen Drachen übel.

An einem Feuer tief im Wald,sitzt Ritter Kunz und ihm ist kalt.

Sein Schaschlik müffelt vor sich hin,er hat zu viele Zwiebeln drin.

Dem Drachen knurrt schon sehr der Magen,das lässt ihn einen Angriff wagen.

Egal, ob’s stinkt, er stößt herab,Kunz’ Gaul enteilt in schnellem Trab.

Die Echse denkt: Verdammter Mist!Mal sehen, wie sich der Ritter frisst!

Der steckt in seiner WeißblechdoseUnd riecht schon jetzt nach voller Hose.

Der Drache zieht die Nase kraus.Wie kriegt man den denn bloß da raus?

Und hat man ihn, was macht man dann?Da klebt noch so viel Braunes dran!

Kunz begreift schnell, was hier passiert,warum der Drache sitzt und stiert.

„Untier sollst dich an mir nicht laben,kannst meine Schwiegermutter haben!“

Der Drache hebt entsetzt die Klauen.„Die ist zu zäh! Kann sie nicht kauen!

Behalt das Gold und auch das Weib,ich such mir anderen Zeitvertreib.“

Er steigt sofort hoch in die Lüfte.Nur weg aus diesem Mix der Düfte!

Hugo, der Pisser

- Matthias Albrecht -

Hört, was sich vor fünfhundert Jahren Auf einer Burg hat zugetragen:

Des Ritter Graubarts TöchterleinSchlief immerdar für sich allein.Die Kammer wurde Tag und NachtVon starken Knappen scharf bewacht.

Doch Hugo, einer von den Knappen,Der wollte sich die Schöne schnappenUnd schlich sich eines Nachts hineinIns jungfräuliche Kämmerlein.

Beim Frühstück dann am nächsten TageDer Ritter seine Tochter fragte:„Was ist denn los, mein liebes Kind?Du bist ja völlig durch den Wind…“

„Das lag wohl an dem Gerstenbrei,Da war ein faules Ei mit bei.Ach Vater, mir ging’s ja so schlecht,Da kam der Doktor grade recht,Den Ihr auf ’s Zimmer mir gesandt.Er hielt plötzlich in seiner Hand

Ein Ding wie einen LanzenschaftUnd rammte es mit aller Kraft –Ich trau mich kaum, es laut zu sagen –Von unten mir bis vor den Magen.Zog’s wieder raus, schob’s neu hineinUnd meinte nur, das müsse sein!“

Der Vater, der’s mit Schaudern hörte,Wollte, bevor er sich empörte,Nun auch den Rest der Schmach vernehmen:„Mein Kind, du brauchst dich nicht zu schämen;Du konntest schließlich gar nichts tun.Doch sag, was tat der Doktor nun?“

„Er pfropfte nun gar fürchterlich,Nahm keine Rücksicht mehr auf mich.Und kam doch nicht so recht voran;Hat auch bald aufgegeben dann.“

„Dies ist ein starkes Stück, fürwahr.Der Kerl wird’s büßen, das ist klar!Nicht ungesühnt bleibt diese Tat…“In diesem Augenblicke trat –Welch Zufall – Hugo aus dem Tor.

„Da ist er ja, der Herr Doktor!“„Was? Der? Bist du dir sicher auch?“„Der stocherte mir rum im Bauch!“Der Ritter winkte Hugo zu.„So komm einmal herbei im Nu!Sag an, Knappe, belüg mich nicht,Warst du etwa der Bösewicht,Der nachts, verkleidet als Doktor,Der Jungfrau hier die Matte schor?“

„Oh ja, Herr, ich gesteh es wohl.Die Jungfer, die ist innen hohl,Und so wollte ich sie im StillenMit etwas warmem Fleische füllen.“

„Das Füllen werd ich dir besorgen,Und zwar jetzt gleich und nicht erst morgen.Man nehme ihm das linke Ei!Das rechte fülle man mit Blei!“

„Habt Gnade, Herr, oh habet Gnade!Füllt lieber es mit Marmelade.“

„Halts Maul, du elendiger Schurke;Man entferne ihm die Gurke!“

„Nein, bitte, lasset sie mir dran,Ich brauch sie doch noch dann und wann…“

„Wozu wirst du sie brauchen müssen?Du kannst ganz gut auch ohne pissen!“

„Oh Herr, so lasset Gnade walten,Sonst kann ich nicht die Richtung halten.“

„Pisst du denn etwa nur im Stehen?Das wär ein ziemliches Vergehen!“

Da warf der Kerkermeister ein:„Durchlaucht, Ihr werdet mir verzeih’n –Der Hugo schließlich jener ist,Welcher die Richtungspfeile pisst,Wenn man vor Schnee den Weg nicht kenntUnd an der Burg vorbei sonst rennt.“

Der Ritter stutzte. „Was, das isser?Der ist der herrschaftliche Pisser?Vom König eigens auserwählt,Dass niemand seinen Weg verfehlt?“

Man nickte und bejahte dies.Der Ritter fühlte sich ganz mies.Dann fasste er sich, hob die Hand:„Verkündet nun im ganzen LandDen immerwährenden Beschluss:Damit er pissen kann und muss,Soll man ihm täglich Bier in MassenZum Einverleiben überlassen.“

„Oh Herr, Ihr seid wahrhaft zu gütig…“

„Geh, Knappe, mache mich nicht wütig!Morgen gibt’s Schnee; du musst viel laufen,Drum fang schon einmal an, zu saufen!“So ging’s dem Schelm nicht an den Kragen.Er schlürfte Bier nun mit Behagen.Was aus ihm wurde, soll ich sagen?Das dürft ihr mich weiß Gott nicht fragen.

Ritter Gisbert lässt es krachen

- Sina Blackwood -

Ritter Gisbert, der kühne Recke von unvergesslicher Gestalt, war bekannt dafür, die Nächte ausschließlich mit seinen vier Knappen zu verbringen.

Allerdings traute sich niemand, Einspruch dagegen zu erheben, denn Gisbert pflegte seine Gegner mitsamt Plattenpanzer auf ein handliches Maß zusammenzufalten.

Nun hatte König Gero zum Turnier geladen und alle warteten darauf, Gisbert mit seinem Tross antraben zu sehen. Den Weg säumten fast ausschließlich Mädchen und junge Frauen, denn schon der bloße Anblick des schwarzen Riesen war ein ernsthafter Grund, tagelang zu träumen.

Auf den letzten hundert Metern zum Areal der Königsburg standen adelige Damen mit ihren Söhnen, in der Hoffnung, Gisbert werde einen von ihnen als Knappen in sein Gefolge aufnehmen. Wobei sich dieses Sinnen und Trachten ausschließlich auf das Waffenhandwerk richtete.

Gegen Mittag kündigten lange Staubfahnen auf der Straße die Ankunft eines größeren Reitertrupps an. Der Turmwächter erspähte als Erster den schwarz gewandeten Ritter mit dem imposanten Straußenfederbusch auf dem Helm, der auch ohne diese Zier sein Gefolge um mindestens zwei Köpfe überragte.

„Er kommt! Er kommt!“

„Hätte mich auch gewundert, wenn es anderes gewesen wäre“, murmelte ein Diener des Königs. Er beeilte sich, auf dessen Befehl, das Weinfässchen und die Becher für die Fünf bereitzustellen, um sie später in deren Zelt zu bringen.

Vor dem Tor fielen die Damen reihenweise in Ohnmacht, wenn ihnen Gisbert im Vorbeireiten ein Lächeln schenkte.

Die Visiere seiner Knappen blieben stets geschlossen und noch keiner hatte sie jemals ohne Rüstung gesehen. Auffällig an der ganzen Sache war, dass sie nicht, wie andere Knappen, als Waffenträger ihres Herrn fungierten. Für die groben Arbeiten standen zwei spezielle Knechte in seinen Diensten, die auch Lanzen, Schilde und sonstigen Waffenkram schleppten.