Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Exzellent – das ist er im wahrsten Sinne des Wortes: einzigartig, schlagfertig und natürlich auch unangenehm schlagfähig. Wer ihn unterschätzt, hat schon verloren. Sein Regenschirm ist nicht nur sein Markenzeichen, sondern auch die beste Waffe der Welt. Seinem Charisma, Witz und Charme kann keiner widerstehen. Der exzellente Butler Parker ist seinen Gegnern, den übelsten Ganoven, auch geistig meilenweit überlegen. In seiner auffallend unscheinbaren Tarnung löst er jeden Fall. Bravourös, brillant, effektiv – spannendere und zugleich humorvollere Krimis gibt es nicht!
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 125
Veröffentlichungsjahr: 2025
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Parkers Stimmung befand sich auf dem Nullpunkt.
Er saß in der großen Lounge des Intercontinental-Hotels auf der Kante eines bequemen Sessels und wartete auf die Rückkehr seines jungen Herrn. Der Butler übersah das bunte Treiben in der Hotelhalle und dachte mit tiefem Bedauern daran, daß sie in gut zwei Stunden bereits Beirut verlassen würden.
Dieses Bedauern hing keineswegs mit der libanesischen Hafenstadt an sich zusammen. Gewiß, diese Drehscheibe des Orients war exotisch, orientalisch und wirkte abenteuerlich, aber zu einem echten Abenteuer oder Zwischenfall war es bisher zu Parkers Leidwesen nicht gekommen.
Sein junger Herr hatte die geschäftlich-juristischen Besprechungen im Auftrag einer amerikanischen Ölfirma schnell und glatt erledigt. Jetzt sollte es zurück nach Rom gehen.
Und das war es, was seine Stimmung auf den Nullpunkt brachte.
»So, das wäre erledigt.« Parker schrak aus seinen trüben Gedanken und erhob sich. »Von mir aus können wir!«
»Wenn Sie darauf bestehen, Sir!«
»Sie möchten noch ein paar Tage in Beirut bleiben?«
»Ich bin mir nicht sicher, Sir.«
»Ich weiß schon, was mit ihnen los ist, Parker.« Rander schmunzelte zufrieden. »Ist aber nicht? Erfreulicherweise. Bei den Gaunern dieser Stadt scheint es sich herumgesprochen zu haben, daß Sie im Land sind.«
»Leider, Sir.«
»Gott sei Dank, Parker! Also, zurück ins Hotel, Koffer abholen und dann ab nach Rom. Das heißt …«
»Ja, Sir?« Parker betrachtete hoffnungsvoll seinen jungen Herrn, der seine Brieftasche hervorholte und darin suchte.
»Das heißt, bis zum Abflug haben wir noch Zeit, Miß Gilda Glover einen Besuch abzustatten. Hätte ich um ein Haar vergessen.«
»Miß Gilda Glover, Sir?« Parkers Interesse erlosch schlagartig. Sein Optimismus sank in sich zusammen.
»Die Tochter eines Klienten«, sagte Rander beiläufig. »Sie hat seit ein paar Wochen nicht mehr nach Hause geschrieben. Wir sollen dafür sorgen, daß Sie den Kugelschreiber aufschraubt.«
*
Das Taxi hielt in der Nähe der Altstadt vor einem zweistöckigen Haus, das zur Straße hin nur nackte, weiß getünchte Mauern zeigte, Rander stieg aus, während Parker im Taxi blieb. Der junge Anwalt ging auf die Holztür zu und zog an der Glocke.
Es dauerte fast eine Minute, bis die schmale Tür geöffnet wurde. Ein Libanese in Landestracht dienerte und ließ den Anwalt eintreten. Parker seufzte kaum hörbar und holte seine unförmige Zwiebeluhr aus der Westentasche. Noch anderthalb Stunden bis zum Abflug. Wenn jetzt kein Wunder geschah, dann war Rom nahe!
Nun, von einem Wunder konnte man nicht sprechen, als Mike Rander zum Taxi zurückkam. Parker stieg aus und ließ es sich nicht nehmen, den Wagenschlag zu öffnen.
»Moment noch«, sagte der Anwalt nachdenklich, »wie finden Sie das, Parker? Miß Glover ist seit vier Tagen nicht mehr zurück in ihre Wohnung gekommen.«
»Miß Glover wird mit jungen Leuten einen Ausflug gemacht haben«, erwiderte Parker.
»Der vier Tage lang dauert? Ohne eine Adresse zu hinterlassen?«
»Sie rechnete sicher nicht mit einem Besuch, Sir.«
»Komische Geschichte«, wunderte sich Mike Rander. »Sie rief gestern den Hausverwalter an, nannte ihren Namen und legte dann plötzlich auf.«
»Tücke der Technik, Sir«, sagte Parker desinteressiert, aber sehr höflich. Was sollte in dieser Stadt, die ihn so enttäuscht hatte, schon passieren.
»Zum Henker, Parker, wo bleibt Ihr Instinkt?« wunderte sich Mike Rander sichtlich. »Warum hat es sie dann nicht noch mal versucht?«
»Sie vermuten eine Unregelmäßigkeit, Sir?« Parkers Interesse wurde leicht angefacht.
»Ich weiß es nicht.« Rander zog ein nachdenkliches Gesicht. »Immerhin trug sie nur Jeans und eine leichte Bluse, als der Hausmeister sie beim Verlassen des Hauses sah. Und eine Strohtasche, die sie immer zum Marktbesuch mitnahm.«
»Dies, Sir, läßt mich in der Tat hoffen«, räumte Parker jetzt ein. »Miß Glover dürfte doch wohl Freunde und nähere Bekannte haben.«
»Richtig. Aber ich habe vergessen, mich danach zu erkundigen. Gehen Sie doch mal zurück zum Hausverwalter und holen Sie das nach! Ich weiß nicht, Parker, diesmal habe ich das dumpfe Gefühl, daß hier etwas nicht stimmt.«
Parker deutete eine leichte Verbeugung an und ging noch mal in das Haus zurück. Rander sah ihm nach und zündete sich eine Zigarette an.
Der Butler brauchte die Türglocke nicht zu betätigen. Er blieb nur für ein paar Sekunden vor der massiven Holztür stehen, die sich plötzlich leicht aufdrücken ließ. Ein Unbeteiligter hätte nie feststellen können, daß Parker das Türschloß auf seine spezielle Weise dazu überredet hatte, sich freundlichst zu öffnen.
Parker steckte sein kleines Spezialbesteck zurück in die Westentasche, ging ruhig und gemessen durch den Torgang und erreichte einen überraschend gepflegten Innenhof, der von einem zentralen Springbrunnen geziert wurde. Es gab üppige Sträucher und Büsche, die diesen Springbrunnen einfaßten.
Von diesem Hof aus führten Außentreppen hinauf zu Galerien, von denen aus man die jeweiligen Apartments betreten konnte. Links hinter dem Torgang befand sich eine Tür, die nur angelehnt war. Durch den Spalt war eine leise Stimme zu hören, die in mühsamem Französisch telefonierte.
Parker, dieser Sprache durchaus mächtig, blieb stehen, zumal er gerade den Namen Glover gehört hatte. Er ging etwas näher an die spaltbreit geöffnete Tür heran.
»… war ein Amerikaner«, sagte die Stimme gerade, »er ist auf der Durchreise, wie er gesagt hat. Doch, kann sein, daß er noch mal zurückkehrt. Gut, dann weiß ich Bescheid, Monsieur. Ich werde sofort anrufen.«
Josuah Parker verzichtete darauf, sich dem Hausmeister vorzustellen. Er betrat den Innenhof und schritt die Türen zu den einzelnen Apartments ab. Er suchte nach der Wohnung von Miß Glover, die er dann auf der gegenüberliegenden Seite auch prompt fand.
Auch hier schien die Tür nur darauf gewartet zu haben, sich entgegenkommend öffnen zu dürfen, wogegen Parker nichts einzuwenden hatte.
Er betrat die kleine Wohnung und schaute sich gemessen, aber sehr intensiv um.
*
Es war eine schlichte Zahnbürste, die das Interesse des Butlers erregte.
Sie befand sich in einem Wasserglas in bester Gesellschaft mit einigen Lippenstiften und einem kleinen Make-up-Set. Dies alles stand auf der Ablage über dem Waschbecken.
Parker wunderte sich diskret.
Er ging zurück in den mittelgroßen, rechteckigen Wohnraum und sah sich weiter um. Er öffnete einen kleinen Wandschrank, sah sich die wenigen Kleidungsstücke an, die Miß Glover zurückgelassen hatte, und wollte sich gerade mit einem einfachen Arbeitstisch befassen, als er laut und deutlich aufgefordert wurde, schleunigst seine Hände zu heben.
Parker kam diesem Wunsch sofort nach. Er wollte, wie das bei ihm selbstverständlich war, jedem Ärger aus dem Weg gehen. Er war ein durchaus friedlicher Mensch, dem stets an Verständigung lag.
Der Stimme nach zu urteilen, hatte er es mit dem Hausverwalter zu tun. Als Parker sich langsam umschaute, sah er sich tatsächlich dem Libanesen gegenüber, der seinem jungen Herrn vor etwa zehn Minuten die Tür geöffnet hatte.
Der Mann hielt eine Automatik in der Hand und machte erstaunlicherweise einen unsicheren und nervösen Eindruck. Parker merkte sofort, daß dieser Mann mit seiner Waffe nicht viel anzufangen wußte. Ein Profi war er ganz sicher nicht.
»Was kann ich möglicherweise für Sie tun?« erkundigte sich Parker in seiner unnachahmlich höflichen Art.
»Wie sind Sie hier reingekommen?« wollte der Libanese wissen und versuchte streng und energisch auszusehen.
»Fragen Sie dies besser meinen Herrn, Mister Rander«, antwortete der Butler und benutzte damit einen uralten Trick, der voll seine Wirkung tat. Der Libanese wandte sich halb um und wollte Ausschau nach Mister Rander halten, den der Butler avisiert zu haben schien.
Eine Sekunde später war der Hausverwalter waffenlos. Er schien darüber sogar froh zu sein, rieb sich sein leicht schmerzendes Handgelenk und schielte nach der Waffe, die neben ihm auf dem Boden lag. Parker hatte sie ihm mit der Spitze seines Universal-Regenschirms aus der Hand geschlagen.
»Mein Name ist Parker – Josuah Parker«, stellte der Butler sich jetzt formvollendet vor und lüftete seine schwarze Melone. »Möglicherweise sehen Sie in meiner bescheidenen Person einen Gegner. Ich darf Ihnen versichern, daß dem nicht so ist.«
»Wer sind Sie?« erkundigte sich der Libanese verblüfft und vergaß, sich weiterhin mit seinem Handgelenk zu befassen.
»Den Namen sagte ich bereits. Ich habe die Ehre, der Butler Mister Randers zu sein. Sie lernten ihn vor einigen Minuten kennen, als mein Herr sich nach Miß Glovers Verbleib erkundigte.«
»Sie – Sie ist weggegangen«, sagte der Mann.
»Vor vier Tagen«, bestätigte Parker mit leichtem Kopfnicken. »Sie sind wie ich der Ansicht, daß ihr etwas zugestoßen sein könnte, nicht wahr?«
»Wieso!?« Der Libanese sah den Butler vorsichtig an.
»Ich beziehe mich auf Miß Glovers Zahnbürste«, erklärte der Butler, »außerdem auf ihre Lippenstifte und auf ihr kleines Make-up-Set. Dies alles hätte Miß Glover niemals zurückgelassen, wenn sie eine reguläre Reise angetreten hätte, nicht wahr?«
»Tatsächlich«, sagte der Hausverwalter.
»Zudem dürften Sie mit diesem Verschwinden nichts zu tun haben«, führte der Butler weiter aus. »Als Mitwisser hätten Sie die gerade von mir erwähnten Gegenstände mit Sicherheit vorzeitig weggeräumt.«
»Bestimmt!« sagte der Libanese verblüfft. »Sie sind von der Polizei?«
»Eine bescheidene Gegenfrage: Haben Sie die Polizei inzwischen verständigt?«
»Natürlich. Schon zwölf Stunden nach ihrem Verschwinden.«
»Und was haben die zuständigen Behörden bisher veranlaßt?«
»Das weiß ich nicht«, sagte der Hausverwalter, »aber die Polizei meint, Miß Glover könnte sich bei irgendeinem Freund aufhalten.«
»Hat Miß Glover dies in der Vergangenheit schon mal getan?«
»Noch nie«, sagte der Libanese und schüttelte energisch den Kopf. »Miß Gilda hat das niemals getan.« Er sah Josuah Parker irritiert an und erkundigte sich dann, was Parker denn vermutete.
Parker antwortete nicht, sondern blickte an dem Hausverwalter vorbei und hinüber zur Zimmertür, in der ein Besucher aufgetaucht war, der einen kurzläufigen Revolver in der Hand hielt.
Dieser Mann, etwa 25 Jahre alt, hatte langes Haar, sah ein wenig abenteuerlich aus und schien im Gegensatz zu dem Hausverwalter durchaus mit einer Schußwaffe umgehen zu können.
*
Mike Rander wurde die Zeit zu lang.
Er stand neben dem Taxi, warf die gerade angerauchte Zigarette weg und schritt zum Haustor. Er wollte nachsehen, wo sein Butler blieb. Er ahnte bereits im vornhinein, daß es Parker wieder mal gelungen war, gewisse Verwicklungen zu erreichen.
Mike Rander brauchte die Haustür nicht zu überreden. Sie war noch unverschlossen. Er drückte sie vorsichtig auf und stahl sich in den Innenhof. Der Anwalt schaute sich suchend um und entdeckte dann den jungen Mann, der in der Tür zu einer der Erdgeschoßwohnungen stand und irgendeinen Gegenstand in der angewinkelten rechten Hand hielt.
Rander wußte sofort Bescheid.
Er pirschte sich an diesen jungen Mann heran und … schlug dessen Arm wuchtig nach oben.
Worauf sich ein Schuß löste, der hinauf zur Zimmerdecke sirrte und dort den Putz lädierte.
Der junge Mann war völlig überrascht, handelte aber sehr reaktionsschnell. Er fuhr wie der Blitz herum und verabreichte dem Anwalt einen Magenhaken, den Rander voll einstecken mußte. Worauf er einige Luftschwierigkeiten hatte und leicht in die Knie ging.
Als der junge Mann sich nach der Waffe bücken wollte, die Rander ihm aus der Hand geschlagen hatte, spürte er einen äußerst harten Gegenstand, der sich auf seine Stirn legte. Er sah daraufhin ein gutes Dutzend Sterne, wurde von einer wohligen Müdigkeit erfaßt und legte sich dann zu einem kleinen Nickerchen auf den Boden.
Der Libanese starrte den Butler an, der seinen Regenschirm als Wurfspeer verwendet hatte, und zwar mit bleigefüttertem Griff voran. So etwas hatte der Hausverwalter vorher noch nicht gesehen. Er war äußerst beeindruckt.
»Kennen Sie diesen jungen Mann?« fragte Parker den Hausverwalter.
»Das ist – das ist Norman Glance«, stotterte der Libanese.
»Könnten Sie zu diesem Namen noch einige Erläuterungen geben?«
»Er ist mit Miß Glover befreundet.«
»Wann telefonierten Sie mit ihm«, wollte Parker wissen, dem ein gewisser Gedanke gekommen war.
»Vorhin! Bevor ich Sie hier entdeckte«, sagte der Libanese flüssig und ohne jedes Stocken. »Ich hatte ihm gesagt, daß ein Amerikaner sich nach Miß Glover erkundigt hatte.«
»Und wo bitte, wohnt Mister Glance?«
»Drüben, im Nebenhaus«, lautete die Antwort, die ebenfalls ehrlich zu sein schien.
»Der Junge hat einen verdammt guten Punch«, stellte Rander fest, der sich inzwischen wieder etwas erholt hatte. Er rieb sich vorsichtig die Magenpartie und schluckte. »Warum ist er derart aggressiv?«
»Vielleicht hat er Sie für Miß Glovers Entführer gehalten«, meinte der Libanese.
»Entführer?«
»Wir glauben, Mister Glance und ich, daß Miß Glover entführt worden ist«, sagte der Libanese.
»Von wem, wenn man höflichst fragen darf?« Parker beugte sich knapp vor.
»Von Scheich Amal«, kam prompt die Antwort, »genau das ist ihm nämlich zuzutrauen.«
*
»Unsere Maschine geht in einer Stunde«, mahnte Mike Rander nervös. Er saß mit seinem Butler im Taxi und tippte zusätzlich auf seine Armbanduhr.
»Man könnte diese Maschine Vielleicht überspringen«, schlug der Butler gemessen vor, »zumal es um das Schicksal einer jungen Dame geht, die die Tochter eines Ihrer Klienten ist.«
»Glauben Sie an eine Entführung?« fragte Rander skeptisch.
»Sie liegt zumindest im Bereich der Möglichkeit«, erwiderte der Butler. »Sollte man Scheich Amal nicht einen Höflichkeitsbesuch abstatten, Sir? Ich erlaube mir natürlich an einen Auftritt zu denken, der nicht vorangemeldet ist.«
»Ich ahne Verwicklungen, Parker.« Rander seufzte.
»Sie sind das Salz dieses Lebens«, meinte Parker.
»Dann lebe ich lieber mit Diät«, gab Rander lächelnd zurück, »also gut, machen wir den Abstecher! Sie wissen natürlich längst, wo wir diesen Scheich finden?«
»Mister Norman Glance war so frei, mir die Adresse zu nennen, Sir.«
»Was hat der junge Mann Ihnen sonst noch erzählt?«
»Nach seinen Worten muß Scheich Amal ein besonders hartnäckiger Bewerber um die Gunst Miß Glovers sein. Hartnäckigkeit bis zum Lästigsein, wie Mister Glance sich ausdrückte.«
»Bei Miß Glover scheint es sich um eine besondere Attraktion zu handeln, wie?«
»In der Tat, Sir! Sie ist finanziell unabhängig, dank der Konten ihres Vaters. Sie betreibt, wie Mister Glance es auszudrücken beliebt, Kunststudien hier in Beirut und nennt sich Malerin.«
»Gut, sehen wir nach, ob sie bei diesem Scheich ein Gemälde hinterlassen hat«, sagte Rander, »aber das merken Sie sich gleich, Parker, nur noch diesen Abstecher, dann geht es nach Rom! Ich kann diese Verabredung nicht aufschieben. Man wartet dort auf mich!
*
Rander betrachtete respektvoll die beiden Wüstensöhne, die gut und gern 1,80 Meter groß waren. In schneeweiße Burnusse gehüllt, wirkten sie wie Standbilder. Sie rührten keine Muskeln und schielten weder nach ihm noch nach Parker. Sie bewachten eine kunstvoll ausgelegte Tür und öffneten sie würdevoll, fast in Zeitlupe, als der Sekretär des Scheichs in die Hände klatschte.
Dieser Sekretär war etwa dreißig Jahre alt, trug europäische Kleidung und wirkte aalglatt. Er hatte sich die Bitte um eine Unterhaltung vortragen lassen und war sichtlich hellhörig geworden, als der Name Gilde Glover fiel. Daraufhin hatte er sich telefonisch mit Scheich Amal in Verbindung gesetzt und sich während der kurzen Unterhaltung wenigstens ein dutzendmal verbeugt.
»Bitte zu warten«, sagte er, als er seine beiden Gäste in den großen Raum geführt hatte. Dann verschwand er durch eine Seitentür und ließ Rander und Parker allein zurück.
Parker sah sich interessiert um.
Der riesige Teppich auf dem Boden war allein ein Vermögen wert. Entlang den Wänden gab es bestickte Sitzpolster. In der Mitte des Raumes plätscherte ein kleiner Springbrunnen und schuf Kühle. Parkers Nase registrierte exotische Düfte. Der Raum war trotz seiner kargen Einrichtung imponierend, was wiederum mit den Teppichen Zusammenhängen mußte, die an den Wänden hingen. Licht fiel durch ein Lichtband dicht unterhalb der Decke.
