HASSPREDIGER - Alexander Pollak - E-Book

HASSPREDIGER E-Book

Alexander Pollak

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Beschreibung

Johann G. scharrt bereits in den Startlöchern. Angesichts der großen Unzufriedenheit mit den Regierenden scheint sein politischer Aufstieg vorprogrammiert. Doch das sollte er nicht sein. Denn G. gehört zu den führenden Personen in Österreich, was die Anstachelung zu Hass und Menschenfeindlichkeit anbelangt. Er ist die Speerspitze einer Politikerriege, die das Zusammenleben in Österreich in seinen Grundfesten erschüttern will. Wie sehr und mit welchen Mitteln, zeigt dieses faktenreiche Buch, das niemanden aus der Verantwortung entlässt.

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Seitenzahl: 106

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Alexander Pollak

HASS PREDIGER

Der aufhaltsame Aufstieg des Johann G.

Ein Beipacktext

Imprint

HASSPREDIGER Alexander Pollak published by: epubli GmbH, Berlinwww.epubli.de Copyright: © 2015 Alexander Pollak Lektorat: Melanie Romstorfer Satz: Erik Kinting /

„Begriffe wie Herrenrasse, Untermensch, Rassenschande und Endlösung wagt niemand mehr zu sagen und kaum wer zu denken. Da gibt es ein Tabu! Heutiger Rassismus lehnt schlicht ‚alles Fremde‘ ab, sieht das eigene Volk durch ‚Überfremdung‘ in Gefahr, wittert sogar ‚Bevorzugung der Ausländer‘ und meint – alles in allem: ‚Die wollen von uns leben, die wollen uns etwas wegnehmen!‘"

Christine Nöstlinger, Mai 2015

Die Motivation, diesen Beipacktext zu den Wiener Wahlen zu verfassen, ist einfach: Ich kann mir nicht vorstellen, dass mehr als zehn Prozent der Menschen tatsächlich wollen, dass das, was ich auf den folgenden Seiten beschreiben werde, zur beherrschenden Politik in Wien oder in Österreich wird.

Auch ein Großteil derjenigen, die mit den Regierenden extrem unzufrieden sind, will keine Politik des Hasses und der gesellschaftlichen Zerstörung. Lügen, Niedertracht, Menschenverachtung und das Ausspielen und Aufhetzen von Menschen können nicht die richtige Alternative zur gegenwärtigen Politik sein.

Ich halte Demokratie nicht für einen Selbstläufer. Demokratie kann Leute nach oben spülen, die korrupt sind, die Milliardenpleiten verursachen, die bereit sind, einen Keil zwischen Menschen zu treiben, und die ohne Skrupel diffamieren, diskriminieren oder sogar Menschen verfolgen.

Geschützt werden Demokratien durch starke, demokratische Verfassungen, funktionierende Rechtsstaatlichkeit, Minderheitenrechte, sozialen Ausgleich und unabhängige Kontrolle. Darüber hinaus braucht es aber auch ein hohes Maß an Wachsamkeit gegenüber politischen Strömungen, die zwar an Wahlen teilnehmen, aber im Kern zutiefst antidemokratisch sind.

Österreich bewegt sich auf eine Situation zu, in der eine Politikerriege an die Schalthebel der politischen Macht befördert werden könnte, die mit einer Demokratie moderner Prägung nur wenig anfangen kann.

Ich möchte im Folgenden eine Person aus dieser Riege vorstellen. Es handelt sich um die vielleicht führende Person in Österreich, was die regelmäßige, zielgerichtete und hochprofessionelle Anstachelung zu Hass und Menschenfeindlichkeit anbelangt.

Ich werde zeigen, wie diese Person arbeitet, wofür sie steht und was sie in die Tat umsetzen will, und ich werde darauf hinweisen, wessen Verantwortung und Aufgabe es ist, den politischen Aufstieg solcher Personen zu verhindern.

Zuvor möchte ich mich allerdings bei allen bedanken, die mir bei der Veröffentlichung dieses Textes geholfen haben. Mein ganz besonderer Dank geht an Melanie, Paul und Ari für die kritische Durchsicht des Buchmanuskripts. Großer Dank geht auch an meine Familie, meine Freundinnen und Freunde und meine Kolleginnen und Kollegen, die bei dem, was ich tue, eine sehr wichtige Stütze sind.

Alexander Pollak, Juli 2015

PS: Für konstruktives Feedback bin ich dankbar. Bitte an: [email protected]

Einleitung

Wenn das, was dieser Mann sagt, stimmt, dann ist er der wahrscheinlich größten politischen Verschwörung der Zweiten Republik auf der Spur, dann hält er den Stoff für einen Politthriller in Händen. Er ist davon überzeugt, dass die Wiener Bevölkerung ausgeschaltet und durch eine neue ersetzt werden soll. Betreiber dieses Menschenaustausches soll die Wiener Stadtregierung zusammen mit einem ganzen Netzwerk an Organisationen sein. Ziel dieses Austausches sei die Sicherung der Stimmenmehrheit für SPÖ und Grüne bei den Gemeinderats- und Landtagswahlen.

Wahr oder falsch? Absurde Verschwörungsgeschichte oder bisher verborgen gebliebener Skandal? Es ist eine eigene Welt, in die man abtaucht, wenn man sich mit den Aussagen und Erklärungen des Mannes beschäftigt, der im Zentrum dieses Buches stehen soll. Es ist eine Welt, in der dramatische Zuspitzungen, Diffamierungen, kollektive Verdammungen, das Wittern von Verschwörungen, das Anheizen von Spekulationen, die Warnung vor mächtigen Feinden und vor dem drohenden Untergang ebenso einen festen Platz haben, wie das Versprechen der Erlösung.

Der Mann, um den es im Folgenden gehen soll, gehört nicht zu den vielen tausenden von Menschen, denen in Foren und Sozialen Netzwerken in emotionalen Momenten unbedacht die eine oder andere Unmutsäußerung herausrutscht. Er ist jemand, der aus Kalkül handelt, der es sich zum Beruf gemacht hat, negative Emotionen zu schüren und zu lenken. Er ist dann auf der Gewinnerseite, wenn es ihm gelingt, Menschen zu verunsichern, ihre Wut zu entfachen und ihnen die passenden Sündenböcke schmackhaft zu machen. Er ist jemand, der mit nahezu allen Mitteln versucht, das Schlechte in uns zum Kochen zu bringen.

Es gibt zwei Arten von Hasspredigern. Die einen agieren abseits des Scheinwerferlichts der Öffentlichkeit und wollen möglichst ungestört ihre Botschaften verbreiten und Anhänger rekrutieren. Die anderen treten öffentlich auf, versuchen in der Politik Fuß zu fassen und wittern, angesichts unsicherer Zeiten und einer schwächelnden Regierung, die Chance, in Wahlen an die Hebel der Macht zu kommen.

Gemeinsam ist allen Hasspredigern, dass sie Identität als Waffe benutzen. Sie proklamieren die Höherwertigkeit „ihrer Leute“. Sie kämpfen gegen Öffnung, Vermischung und Gleichberechtigung. Zur Rechtfertigung ihrer Ideologie der Ungleichwertigkeit berufen sie sich auf Nationen, Kulturen, Religionen, Volksgemeinschaften, Geschlechterrollen, natürliche Ordnungen oder all das zusammen. Sie stacheln zu Ausgrenzung, Abschottung und Diskriminierung an. Sie gehen manchmal sogar so weit, zu Gewalt bis hin zu Vertreibung und Mord aufzurufen.

Johann G. gehört zu den Hasspredigern, die öffentlich agieren und darauf bedacht sind, nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. Er ist kein politischer Hinterbänkler, kein Kleinpolitiker, sondern stellvertretender Parteiobmann der drittstärksten im österreichischen Parlament vertretenen Partei. In Wien, wo seine Partei sogar die zweitstärkste Kraft ist, fungiert er als Klubobmann und Statthalter seines Chefs Heinz-Christian Strache. Sollte Strache in die Situation kommen, politische Ämter besetzen zu können, G. wäre einer seiner ersten Kandidaten.

Wer einen Blick auf die Biographie von Johann G. wirft, sieht keinen Schulabbrecher, niemanden, der mit Arbeitslosigkeit oder materiellen Sorgen zu kämpfen hatte. G. war in einer Eliteschule, hat ein Studium abgeschlossen und immer wieder Zeit im Ausland verbracht. Er hat einen politischen Spitzenjob, ein sehr gutes Einkommen und scheint dennoch böse auf diese Welt zu sein. Er ist höflich im persönlichen Umgang und kennt doch fast keine Hemmungen, wenn es darum geht, Angst, Neid und Hass anzufachen.

Sein Ziel formuliert G. immer wieder sehr klar: Er will an die politische Macht, um jene Menschengruppen loszuwerden, die ihm, so seine feste Überzeugung, eigentlich niemals in dem Land, in dem er geboren wurde, über den Weg laufen dürften. Um sein Ziel zu erreichen, nimmt G. in Kauf, für eine Stadt zu kandidieren, über die er fast kein gutes Wort verliert. Im Gegenteil, er sieht in Wien einen Hort des Chaos und des Verbrechens. Es gibt für ihn Orte in der Stadt, die man nicht betreten sollte, weil dort, so seine Ansicht, jederzeit Gefahr für Leib und Leben drohe. Er erklärt die öffentlichen Verkehrsmitteln in Wien zur No-Go-Zone. Er warnt vor der Regierung der Stadt, die er für ein despotisches Regime hält, das gestürzt werden müsse. Er reist sogar in andere Städte, um vor Wien zu warnen. Die apokalyptischen Bilder, die G. von der österreichischen Hauptstadt malt, sind dazu angetan, jeden, der den Alltag in Wien nicht kennt, erschaudern zu lassen.

Wir werden noch einiges über Wien erfahren, doch soviel sei vorweg gesagt, Wien ist eine Stadt, die sich im Lauf ihrer Geschichte immer wieder markant verändert hat. Es ist eine Metropole, die sich zurzeit in einer starken Wachstumsphase befindet, mit all den dazugehörenden Herausforderungen und Problemen. Wien rangiert seit vielen Jahren bei Umfragen unter Managern hinsichtlich der Lebensqualität auf Platz eins der Welt. Die Stadt hat sich aber auch zum Magneten für Studierende entwickelt und zieht Jahr für Jahr mehr Touristen an. Die Zahl der touristischen Nächtigungen hat sich in Wien seit 1974 mehr als verdreifacht. Kein anderes österreichisches Bundesland kann auch nur annähernd solche Steigerungsraten vorweisen. Wien hat seinen Wohnbestand in den vergangenen 40 Jahren radikal verbessert. Lag der Anteil der Substandardwohnungen ohne Fließwasser im Jahr 1974 noch bei 42 Prozent, so liegt dieser Anteil heute bei unter 3 Prozent. Wien kennt heute mehr Wohlstand als je zuvor, es erlebt aber auch die Auswirkungen der europäischen Finanz- und Wirtschaftskrise. Wien zieht viele Arbeitssuchende an und verbucht sowohl steigende Beschäftigungszahlen als auch Arbeitslosenzahlen, die deutlich stärker steigen als in anderen österreichischen Bundesländern. Wien erlebt auch eine Zunahme von sichtbarer Armut, vielfach durch Menschen, die aus ärmeren Ländern und Regionen in die Stadt kommen, um hier ihr Glück zu versuchen. Wien bietet Anknüpfungspunkte für beides, für hohe Lebensqualität, Lebensfreude und Optimismus, aber auch für Grant, Verunsicherung und das Gefühl, in einer wachsenden und sich verändernden Großstadt alleine gelassen und zu wenig beachtet zu werden.

Grant, Verunsicherung und der Eindruck, im Stich gelassen zu werden, sind die Grundmasse, mit der Johann G. arbeitet und die er zum Gären bringen will. Sein wichtigster politischer Antrieb ist sein völkisches Weltbild. Er unterscheidet ganz klar zwischen jenen, die er zu „seiner Menschengruppe“ zählt, und jenen, zu denen er ausreichend Distanz wahren will. Herkunft, Hautfarbe und Religionszugehörigkeit spielen für ihn eine entscheidende Rolle. Unter ihm als Vorsitzenden des Rings Freiheitlicher Jugend wurde eine Broschüre herausgegeben, in der Europa als „Wiege der Weißen“ bezeichnet und ein Bekenntnis zu einem „weißen“ Europa eingefordert wurde. [1]

Die Vorstellung von einem „weißen“ Europa, einem „weißen“ Österreich, einem „weißen“ Wien zu verwirklichen, würde bedeuten, eine Politik des radikalen Auseinanderdividierens der Bevölkerung bis hin zur Auslese und Vertreibung von Menschen in Gang zu setzen. Der erste Schritt in diese Richtung besteht darin, einen Keil zwischen Menschen entlang ethnischer und religiöser Kategorien zu treiben. Daran arbeitet G. mit Hochdruck.

Johann G. ist jedoch nicht nur ein von seinem Weltbild Getriebener, er ist auch ein Vollblutpolitiker. Ich möchte mich daher auch mit den Tricks und Kniffen beschäftigen, die er für seine Überzeugungs- und Anstachelungsarbeit verwendet. Die wichtigsten Aussagen von G. werde ich einer eingehenden Fakten-Überprüfung unterziehen. Mir ist es wichtig, dass sich jede Leserin und jeder Leser eine eigene Meinung bilden kann.

Warum Sie sich mit Johann G. eingehender beschäftigen sollten? Weil er keine isolierte Erscheinung ist, sondern die Speerspitze einer Clique, die versucht, die derzeit stärkste Oppositionspartei in Österreich als Steigbügel zu benutzen, um in politische Machtpositionen zu gelangen. Es handelt sich hier um eine Politikerclique, die in einer Gedanken- und Parallelwelt lebt, deren Radikalität das Potenzial in sich trägt, das Zusammenleben in Österreich in seinen Grundfesten zu erschüttern – wie sehr, davon will Ihnen dieses Buch einen Eindruck vermitteln.

Das ist Johann G.

Johann G. heißt mit vollem Namen Johann Baptist Björn Gudenus. Er kam 1976 in Wien zur Welt. Bereits in seiner Schulzeit wurde er Mitglied der schlagenden Burschenschaft „Vandalia“, wo er an Mensuren teilnahm und sich den Burschennamen Wotan – nach einem germanischen Gott – zulegte. Der Leitspruch seiner Burschenschaft lautet: „Deutsch, einig, treu – ohne Scheu“. „Ich habe mir den Namen gar nicht so sehr wegen Gott Wotan gewählt, sondern wegen dem exponierten Wotansfelsen, der auf unserem Grundstück im Waldviertel liegt“, erklärte Gudenus in einem Interview. [2] Dass Burschenschaften für ihn eine wichtige Rolle spielen, zeigt auch seine Mitgliedschaft im Ehrenkomitee des Balls des Wiener Korporationsrings. Als der Ball 2011 aus der Wiener Hofburg verbannt wurde, übernahm die Wiener FPÖ unter seiner Klubobmannschaft die Austragung der umstrittenen Burschenschafterveranstaltung in den Prunksälen der Republik.

Seine politische Karriere startete Gudenus beim Ring Freiheitlicher Jugend Niederösterreich, wo er als stellvertretender Obmann und Generalsekretär fungierte. Es ist wohl kein Zufall, dass die politischen Anfänge von Gudenus in Niederösterreich und nicht in Wien stattfanden. Zu Wien hegt er ein angespanntes Verhältnis. Davon zeugen nicht nur zahlreiche Wortmeldungen, in denen er ein düsteres Bild von der österreichischen Hauptstadt zeichnet, sondern auch eine Reise nach Linz, wo er an einer Wahlkampf-Veranstaltung unter dem Motto „Linz darf nicht Wien werden“ teilnahm.

Erst nach seiner Matura am Wiener Elitegymnasium „Theresanium“ verlegte Gudenus seine politischen Aktivitäten von Niederösterreich nach Wien. Er wurde freiheitlicher Bezirksrat im Wiener Bezirk Alsergrund. Ein Jahr darauf stieg er in die Wiener Landesparteileitung auf und wiederum ein Jahr später wurde er Obmann des Rings Freiheitlicher Jugend, zuerst in Wien, dann auch auf Bundesebene. Nach dem Abschluss seines Studiums der Rechtswissenschaften, wurde Gudenus FPÖ-Bezirksparteiobmann im Bezirk Wieden. Kurz darauf wurde er erstmals in den Wiener Landtag gewählt.

Neben seinem politischen Aufstieg absolvierte Gudenus Studiengänge an den diplomatischen Akademien in Wien und Moskau. Im Jahr 2010 war es dann so weit, er übernahm die Spitzenfunktion des Klubobmanns der Wiener FPÖ. Bald darauf wurde Gudenus zum Stellvertreter von FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache gewählt. Mehrmals ließ sich FPÖ-Chef Strache mit seinem engen Vertrauten plakatieren. Strache bezeichnet Gudenus als „meine rechte Hand in Wien“.