Hat sie sich in Lukas getäsucht? - Friederike von Buchner - E-Book

Hat sie sich in Lukas getäsucht? E-Book

Friederike von Buchner

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Beschreibung

Diese Bergroman-Serie stillt die Sehnsucht des modernen Stadtbewohners nach einer Welt voller Liebe und Gefühle, nach Heimat und natürlichem Leben in einer verzaubernden Gebirgswelt. "Toni, der Hüttenwirt" aus den Bergen verliebt sich in Anna, die Bankerin aus Hamburg. Anna zieht hoch hinauf in seine wunderschöne Hütte – und eine der zärtlichsten Romanzen nimmt ihren Anfang. Hemdsärmeligkeit, sprachliche Virtuosität, großartig geschilderter Gebirgszauber – Friederike von Buchner trifft in ihren bereits über 400 Romanen den Puls ihrer faszinierten Leser. Nr. Titel: Hat sie sich in Lukas getäuscht? Über Waldkogel, dem Tal, den Bergen und Wendys Alm wölbte sich ein Bilderbuchhimmel, tiefblau, mit einzelnen kleinen Wolken. Wendy trat aus der Käsekammer und ging zum Brunnen. Sie pumpte Wasser in einen großen Zuber und legte die Gerätschaften für die Käseherstellung hinein. Später würde sie sie dann in heißem Wasser scheuern und anschließend in die Sonne zum Trocknen legen. Doch vorher wollte sie sich eine Pause gönnen. Sie hoffte, dabei auf andere Gedanken zu kommen. So sonnig es war, so düster war es in ihrem Herzen. Der Zusammenstoß mit Veronika Boller hatte sie sehr geschmerzt. Ohne Grund war Veronika auf Wendy losgegangen, als sie Sachen für die Renovierung der Almhütte hatte einkaufen wollen. Veronika hatte Wendy nichts verkauft, sie beschimpft und sie aus dem Laden geworfen. Sie hatte sie verdächtigt, auf unredliche Weise und mit großer Hinterlist Wenzel und Hilda Oberländer um die Alm gebracht zu haben. Aber Veronikas Zorn hatte sich nicht nur gegen Wendy, sondern gegen alle Baumbergers, einschließlich Tonis Eltern und der Familie seiner Schwester gerichtet. Doktor Martin Engler, Katja und die alte Walli hatte sie mit eingeschlossen, in ihre pauschale Verurteilung. Keinem von ihnen wollte Veronika in Zukunft etwas verkaufen. Faktisch hatte Veronika ein Ladenverbot ausgesprochen. Danach hatte Wendy ihr Herz bei Martin, Katja und der alten Walli ausgeschüttet. Alle waren sehr wütend über Veronikas Verhalten, und Martin beschloss einzuschreiten. Dass Veronika sich gelegentlich in Dinge einmischte, die sie nichts angingen, war allseits bekannt.

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Seitenzahl: 129

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Toni der Hüttenwirt – 280 –Hat sie sich in Lukas getäsucht?

Franziska ist eifersüchtig

Friederike von Buchner

Über Waldkogel, dem Tal, den Bergen und Wendys Alm wölbte sich ein Bilderbuchhimmel, tiefblau, mit einzelnen kleinen Wolken.

Wendy trat aus der Käsekammer und ging zum Brunnen. Sie pumpte Wasser in einen großen Zuber und legte die Gerätschaften für die Käseherstellung hinein. Später würde sie sie dann in heißem Wasser scheuern und anschließend in die Sonne zum Trocknen legen.

Doch vorher wollte sie sich eine Pause gönnen. Sie hoffte, dabei auf andere Gedanken zu kommen. So sonnig es war, so düster war es in ihrem Herzen. Der Zusammenstoß mit Veronika Boller hatte sie sehr geschmerzt. Ohne Grund war Veronika auf Wendy losgegangen, als sie Sachen für die Renovierung der Almhütte hatte einkaufen wollen. Veronika hatte Wendy nichts verkauft, sie beschimpft und sie aus dem Laden geworfen. Sie hatte sie verdächtigt, auf unredliche Weise und mit großer Hinterlist Wenzel und Hilda Oberländer um die Alm gebracht zu haben. Aber Veronikas Zorn hatte sich nicht nur gegen Wendy, sondern gegen alle Baumbergers, einschließlich Tonis Eltern und der Familie seiner Schwester gerichtet. Doktor Martin Engler, Katja und die alte Walli hatte sie mit eingeschlossen, in ihre pauschale Verurteilung. Keinem von ihnen wollte Veronika in Zukunft etwas verkaufen. Faktisch hatte Veronika ein Ladenverbot ausgesprochen. Danach hatte Wendy ihr Herz bei Martin, Katja und der alten Walli ausgeschüttet. Alle waren sehr wütend über Veronikas Verhalten, und Martin beschloss einzuschreiten. Dass Veronika sich gelegentlich in Dinge einmischte, die sie nichts angingen, war allseits bekannt. Sie war so, obwohl sie auch ein herzensguter Mensch sein konnte. Doch dieses Mal war sie eindeutig zu weit gegangen. Auf Martins Rat hatte Wendy die Sache für sich behalten. Das war schwer. Gern hätte sie Toni ihr Herz ausgeschüttet. Vielleicht hätte es sie erleichtert. Aber Toni hätte es belastet und – wie sie ihn einschätzte – sehr wütend gemacht.

Wendy zog ihre Gummistiefel aus und schlüpfte in die Clogs. Sie stellte Wasser auf und gab Pulverkaffee in einen großen Becher. Die Enttäuschung nagte sehr an ihr. Nach dem herzlichen Empfang und der uneingeschränkten Aufnahme in die Dorfgemeinschaft hatte sie angenommen, alle würden sich freuen, wenn sie die Oberländer Alm weiterführen würde. Die Alm hieß zwar jetzt ›Wendys Alm‹, aber die Eigentümer waren Toni und Anna.

»Pah, mir Hausverbot zu erteilen, das ist ein Witz«, schimpfte Wendy leise vor sich hin. »Bei der dummen Kuh kaufe ich ohnehin nichts mehr ein. Sie soll sich nur nichts einbilden, diese blöde Gans!«

Als Wendy am Herd stand und wartete, bis das Wasser kochte, hörte sie ein Auto, das auf der Wiese hinter der Almhütte parkte. Gewohnheitsmäßig warf sie einen Blick aus dem Fenster.

»Das darf nicht wahr sein!«, sagte Wendy. »Ist sie jetzt ganz deppert? So geht das nicht. Das lasse ich mir nicht gefallen. Jetzt mache ich von meinem Hausrecht Gebrauch.«

Wendy eilte hinaus. Sie griff nach der großen Mistgabel, die an die Wand neben der offenen Stalltür lehnte. Damit ging sie auf das Auto zu.

»Frau Boller, das ist Privatbesitz«, brüllte Wendy. »Fahren Sie sofort ihre Karre hier weg!«

Dabei hielt Wendy die Mistgabel in Richtung eines Reifens.

»Du wirst das doch nicht tun?«

»Frau Boller, Sie wollen es darauf ankommen lassen? Bitte, das können Sie haben. Sie sind eine Einbrecherin. Und überall auf der Welt haben Besitzer das Recht, ihr Eigentum zu verteidigen. Machen Sie, dass Sie hier wegkommen! Sie sind der letzte Mensch auf Gottes heiligem Erdboden, den ich hier sehen will.«

»Wendy, lass uns bitte reden.«

»Schmarrn! Sie haben genug geredet, Frau Boller. Jetzt rede ich. Ich zähle bis drei, dann sind Sie hier fort.«

Wendy schaute Veronika Boller wütend an. Veronika wurde blass.

»Eins … zwei …!«

Veronika beeilte sich, ins Auto zu steigen. Sie startete den Motor, legte den Rückwärtsgang ein, dass das Getriebe laut protestierte, gab Gas und schoss rückwärts vom Gelände.

Wendy rammte die Mistgabel in die Erde, legte die verschränkten Arme auf den Griff und grinste voller Siegesfreude. Sie beobachtete, wie Veronika auf dem Milchpfad parkte.

»Siehst du, es geht doch«, sagte Wendy laut vor sich hin.

Nach dieser Aktion fühlte sich Wendy fiel besser.

Wendy beobachtete, wie Veronika im Auto sitzen blieb und zu ihr herschaute.

»Da kannst du die Aussicht genießen, aber einen Fuß auf unseren Grund zu setzen, das wagst du nicht, das schwöre ich dir. Ich bin nicht nur die liebe, freundliche Wendy, ich kann auch anders, wenn es sein muss.«

Wendy zog die Mistgabel heraus, drehte sich um und ging davon.

Augenblicke später saß Wendy mit einem großen Becher Kaffee vor der Almhütte und schmunzelte vor sich hin. Wendy ließ sich Zeit. Sie überlegte, was Veronika Boller als nächstes tun würde. Egal, was sich Veronika einfallen lassen würde, dieses Mal würde Wendy sich nicht so kampflos geschlagen geben. Im Laden war sie völlig verblüfft gewesen und hatte, so erschüttert, wie sie war, einfach das Feld geräumt und war gegangen. Aber das hier, die Alm, war ihr Territorium. Ja, ja, man soll nicht Gleiches mit Gleichem vergelten, aber es gab Grenzen. Veronika hat damit angefangen. Und ich werde ihr beibringen, dass es so nicht geht. Nicht mit mir, dachte Wendy.

Als sie ihren Kaffee getrunken hatte, machte sie sich daran, das Geschirr zu spülen. Dabei stellte sie die Mistgabel gut sichtbar in Griffbereitschaft.

Aus den Augenwinkel beobachtete sie, dass Veronika Boller immer noch im Auto saß. Wendy grinste vor sich hin.

»Dort kannst du sitzen, bis dir dein Sitzfleisch schmerzt«, sagte Wendy. »Ich bin gespannt, wie lange du es aushältst.«

Als Wendy mit dem Geschirr fertig war, überlegte sie, bei welcher Arbeit sie Veronika im Auge behalten könnte.

»Ich putze und poliere meinen Traktor. Damit bin ich stundenlang beschäftigt. Mal sehen, wie lange sie es im Auto aushält?«

Wendy füllte einen Eimer mit Seifenwasser und schäumte den Traktor ein. Sie ließ sich viel Zeit und schrubbte jedes kleine Teil mit einer Bürste ab. Danach wischte sie mit viel klarem Wasser den Seifenschaum ab und trocknete mit einem Ledertuch nach. Anschließend polierte sie den Fahrersitz mit Lederfett, bis er glänzte.

Das mittägliche Angelusläuten schallte über das Tal. Wendy lächelte vor sich hin. Sie ging in die Almhütte und nahm sich ein großes Stück Käse. Sie aß es aus der Hand, während sie langsam den schönen Oldtimer Traktor umrundete und ihr Werk bewunderte. Dabei hielt sie Veronika im Auge.

Mit Vergnügen sah Wendy, dass Veronika Boller aufgab und ins Tal fuhr.

»Fein und lass dich ja nicht mehr hier blicken!«, rief Wendy ihr nach.

Vor Vergnügen fuhr Wendy mit ihrem Traktor Kreise und Schlangenlinien auf der großen Almwiese hinter dem Haus. Dabei sang sie laut ein norwegisches Lied vor sich hin. Dabei fiel ihr ein, dass sie kaum Volkslieder aus den Bergen um Waldkogel kannte. Sie nahm sich vor, ein Liederbuch zu besorgen. Außerdem wollte sie sich eine Gitarre zulegen. So könnte sie abends gemütlich den Tag ausklingen lassen.

Wendy parkte den Traktor.

Danach rief sie Tassilo an. Sie fragte ihn, ob er ihr ein Liederbuch mit Volksliedern empfehlen könne und wo sie in Kirchwalden eine gute, aber nicht zu teure Gitarre kaufen könne.

»Komm einfach vorbei, Wendy! Ich habe viele Liederbücher und ein Musikinstrument kann ich dir gern leihen. Du bist ohnehin lange nicht mehr bei uns zu Besuch gewesen. Otti hat gerade heute Morgen von dir gesprochen. Sie wird sich freuen, dich zu sehen.«

»Ich freue mich auch, sie zu sehen und dich auch, Tassilo. Nicht alle sind so freundlich wie ihr beide.«

»Hast du Ärger? Ich höre da etwas in deiner Stimme mitklingen, Wendy.«

»Tassilo, du hast ein gutes Gehör«, lachte Wendy.

»Ich kann es nicht leugnen. Was ist es? Kann ich helfen?«

»Danke, aber ich muss damit allein fertig werden. Dass die Oberländer Alm jetzt Toni und Anna gehört und ›Wendys Alm‹ heißt, hat für Wirbel gesorgt. Aber ich verschaffe mir schon Respekt.«

»Und wie machst du das?«

»Oh, ich habe mich heute Morgen mit der Mistgabel bewaffnet und jemanden vertrieben.«

Tassilo lachte laut auf. »Das hätte ich gern miterlebt. Kannst du das nicht in meinem Beisein wiederholen? Wen hast du vertrieben?«

Wendy lachte. »Ich erzähle es dir ausführlich, wenn ich komme. Und ich verspreche dir, dass ich dich beim nächsten Mal anrufe, damit du Augenzeuge sein kannst.«

»Nun sage mir schon, wem du so nahe getreten bist?«

»Was bist du neugierig, Tassilo!«

»Ja, bin ich. Also wer war es?«

»Veronika Boller!«

Tassilo lachte laut am anderen Ende. »Dann weiß ich Bescheid, Wendy.«

»Oh, woher? Hat es sich schon herumgesprochen?«

»Das kannst du laut sagen. Seppl und Resl Oberländer haben es herumerzählt. Ich kann dich trösten, Wendy. Der Umsatz von Bollers Laden wird sehr gering sein, in nächster Zeit. Ich kenne keinen, der nicht zu euch halten wird. Was sagen Toni und Anna dazu und Tonis Eltern?«

»Ich habe nichts erzählt, Tassilo. Ich wollte ihnen keinen Kummer machen. Außerdem hatte Martin mich gebeten, darüber erst einmal zu Schweigen.«

»Das war sicher ein guter Rat, Wendy. Aber ich wette, deine Baumberger Großeltern haben es erfahren. Die Sache war gestern Abend das Thema am Stammtisch. Und wenn Xaver und Meta es wissen, dann weiß es Toni auch.«

»Oh, wenn das so ist, denkt er vielleicht, ich hätte kein Vertrauen zu ihm, weil ich ihm nichts erzählt habe«, sagte Wendy betreten.

»Da musst du dir keine Sorgen machen, Wendy. Toni weiß, dass du ein starkes Madl bist und dich zu wehren weißt. Veronika mit der Mistgabel in der Hand zu vertreiben, das ist schon großartig. Die Lektion hat sie verdient. Und glaube mir, über kurz oder lang, wird sie zu Kreuze kriechen.«

»Mal sehen, ich bin froh, dass ich sie los bin, Tassilo. Ich besuche euch bald.«

»Wir freuen uns, Wendy!«

Sie verabschiedeten sich und legten auf.

Tassilo rieb sich vor Vergnügen die Hände und eilte in die Küche des Waldschlösschens. Dort erzählte er der alten Zenzi und seiner Frau Otti von dem Telefonat und wie Wendy Veronika entgegen getreten war. Es sorgte für Heiterkeit.

Wendy brachte das saubere und getrocknete Käsegeschirr in die Käsekammer.

Als sie aus der Kammer kam, stand Veronika neben dem Brunnen. Sie schwenkte an einem Besenstil ein weißes Stück Stoff. Es war ein Kopfkissenbezug. Veronika sah sehr betreten aus.

Wendy unterdrückte ein Schmunzeln. Sie zückte ihr Handy und machte Aufnahmen. Den Augenblick der Annäherung in Form einer Kapitulation ließ sich Wendy nicht entgehen.

»Was soll das?«, herrschte Wendy Veronika an.

»Also, ich … es ist ... Ich weiß auch nicht … Es tut mir leid«, stotterte Veronika. Sie hatte hochrote Wangen. Während sie sprach, schwenkte sie die Fahne hin und her.

»So, tut es das? Was du nicht sagst?« Wendy stemmte die Arme in die Seite.

»Wendy, bitte glaube mir, es tut mir wirklich leid.«

»Das sind doch nur Worte. Okay, die Bedeutung der weißen Fahne kann ich nicht ignorieren. Auf der anderen Seite sagt sie nur, dass du einen Trick gefunden hast, auf das Grundstück zu gelangen. Ich soll dir glauben, dass es dir leid tut? Du denkst, du kreuzt mit diesem hellen Stofffetzen auf, wedelst damit herum, und ich vergebe und vergesse alles? Sag mal, du musst mich für blöd halten? Denkst du vielleicht, ich wäre total unterbelichtet? Mich kannst du nicht umherschubsen, wie es dir gerade in den Kram passt.«

»Es tut mir leid, Wendy, wirklich«, sagte Veronika zerknirscht.

Ihre Stimme glich einem Flüstern.

»So, so, es tut dir leid? Das soll ich glauben? Ist es nicht vielmehr so, dass dein Umsatz eingebrochen ist, nach dem, was ich so höre. Ich rate mal, dass heute Früh kaum jemand aus Waldkogel bei euch im Laden war. Es tut dir nicht leid, Veronika. So leicht nehme ich dir das nicht ab.«

Veronika schwankte und hielt sich mit einer Hand am Brunnen fest.

»Ist es dir nicht gut?«

»Ich habe heute Nacht nicht geschlafen. Martin, Seppl und Resl waren gestern Abend zum Ladenschluss bei mir. Also …«

»So, waren sie das?«, fiel ihr Wendy ins Wort. »Das freut mich. Dann weißt du jetzt wohl aus erster Hand, dass ich Wenzel und Hilda die Alm nicht hinterlistig abgeschwatzt habe.«

Veronika Boller sah wirklich schlecht aus.

»Komm her«, sagte Wendy, »und setz dich hierher! Ich will keine erste Hilfe leisten müssen, bei dir nicht.«

Mit unsicheren Schritten ging Veronika zur Bank neben der Eingangstür der Almhütte und setzte sich.

Wendy verschwand in der Hütte. Sie kam mit einem Obstler heraus und mit einem Becher Kaffee.

»Hier trink! Und glaube nicht, dass ich dir aus Freundlichkeit etwas anbiete. Ich will nur verhindern, dass du umkippst. Also runter mit dem Obstler! Dann trinkst du den Kaffee und verschwindest.«

Veronika antwortete nicht. Sie trank den Obstler und nippte an dem Kaffee.

»Darf ich etwas sagen?«, fragte Veronika höflich.

»Kann ich das verhindern? Du redest doch immer, wenn du etwas sagen willst oder glaubst, dich einmischen zu müssen – und sei des der größte Unsinn, oder?«

»Ja«, stimmte Veronika Boller mit hochrotem Kopf zu.

Sie trank noch einen Schluck Kaffee.

»Mei, man hört und liest so viel von Pflegerinnen, die alte Leute um Haus und Hof bringen. Da dachte ich ... Ich konnte einfach nicht verstehen, dass Wenzel und Hilda die Alm nicht ihrem Buben gegeben haben. Das ging einfach nicht in meinen Kopf. Es war mein Irrtum.«

»Ja, das war ein Irrtum. Und was hat dich zur Erkenntnis gebracht, dass es ein Irrtum war? Du bist dir so sicher gewesen.«

Veronika Boller räusperte sich.

»Seppl, Resl und Martin haben mir klargemacht, dass es schon seit Jahren feststand, dass es der innigste Wunsch der Beiden war, dass die Alm weitergeführt wird. Sie hängen sehr an dem Flecken Erde. Seppl und seine Kinder hatten nie sonderliches Interesse an der Almwirtschaft. Simon hat trotzdem gedacht, dass die Alm in der Familie bleibt. Er hat sich ziemlich daneben benommen. Er war es, der das Gerücht in die Welt setzte.«

»Auf das du hereingefallen bist und das du auch noch ausgeschmückt hast«, warf Wendy ein.

»Ja, ich gebe es zu. Außerdem weiß jeder in Waldkogel, wie vernarrt Wenzel und Hilda in dich waren und wohl auch noch sind. Da habe ich – so für mich – dies und das zusammengerechnet. Und dabei ging die Fantasie mit mir durch. Außerdem tat mir der Simon leid. Ich wusste nicht, dass es Wenzels und Hildas innigster Wunsch war, dass die Alm weiter bewirtschaftet wird. Seppl erklärte mir, dass die beiden sich nichts sehnlichster wünschten, als jemanden zu finden, der ihre Alm weiter betreibt. Seppl sagte, für seine Eltern sei es ein tröstlicher Gedanken gewesen, dass sie – eines fernen Tages – vom Himmel heruntersehen könnten auf ihre Alm und sicher sein könnten, dass alles seinen Gang ginge, mit den Tieren, und dass Butter und Käse gemacht würden, so, wie sie es ihr Leben lang getan hatten.«

Veronika machte eine kleine Pause.

»Es ist mehr als schön, dass Seppl und seine Frau und auch Vroni, als Enkelin, den Wunsch von Wenzel und Hilda achteten. Der Simon würde es auch noch kapieren, sagte Seppl. Dass jemand freiwillig auf ein so großes Stück Land verzichtet und es für eine geringe Leibrente verkauft, das konnte ich mir nicht vorstellen.«

»Das ist das erste ehrliche Wort, das du sagst Veronika. Ich kann mir gut vorstellen, dass das für deine Krämerseele eine harte Kost ist.«