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"Hausgemachtes Ausgedachtes" von Alice Zuber. Das steht für eine Sammlung von Gedichten, die aus der reichhaltigen Lebenserfahrung einer lebensfrohen Hausfrau stammen. Sie sind stets heiter, manchmal biographisch; sie zeugen von erfrischendem Wortwitz und lassen oft eine überraschende Wendung erkennen, die den Leser schmunzeln lässt. Oft genug mag sich der Leser - oder die Leserin - selbst in ihren Gedichten wieder erkennen.
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Seitenzahl: 185
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Sich und andre lachen machen
Tue, was du denkst
Ich lebe
Ich hoffe
Auf der Bühne
Was machen?
Ouvertüre
Komponieren
Die Hausfrau
Gegendarstellung
Tagesablauf
Frühjahrsputz
Auf dem Balkon
Freizeitgestaltung
Eintopf
Wohlstand
Der Brathering
Busfahrt
Socken stricken
Pullover stricken
Zeitvertreib
Sechzig Jahre
Jahr und Tag
Rentner-Dasein
Einstmals
Tue, was du denkst
Prototyp
Gedichte
Arbeitslos
Torschlusspanik
Frühstück
Äpfel
Kuchen-Parade
Die Frau des Hauses
Bezahlung
Schlechte Zähne
Der Rock
Memoiren
Mann von Welt
Gerädert
Das Gartenhäuschen
Eigenlob
Sex-Appeal
Zu dick
Süßes
Liften
Verbohrt
Taktlos
Lobrede
Meine Tante
Ich schlafe
Sonne
Sonnenstrahlen
Sonne-Mond
Nur ein Blümchen
Heideröslein
Gänseblümchen
Kalt
Aprilwetter
Wind bläst
Herbstwind
Wintersport
Im März
Die Flocke
Schneeflocken
Winterschlaf
Es schneit
Frühlingsanfang
Der Wind
Regen
Regentropfen
Geplagte Natur
Im Wald
Schwarzwald
Zwiegespräch
Gewitter
Fata Morgana
Die Fliege
Auf Mottenjagd
Meisen
Meerschwein-Katze
Katze und Maus
Schweinerei
Hummel-Hummel
Ein Elefant
Eine Schwalbe
Ihr Vöglein
Feld-Hase
Ein Vogel
Hund an der Leine
Fido
Wau-Wau
Müder Hund
Die Maus
Star-Allüren
Kreuzfahrt
Nebelhorn
Ein Fluss
Feldherr
Ein Pantoffelheld
Gardinenpredigt
Muskelkater
Mauerblümchen
Pyramide
Franzbranntwein
Gürtelrose
Brustbild
Negerkuss
Fußball
Arthrose
Geheimratsecken
Sekret Service
Heiden-Geld
Erlkönig
Eulenspiegel
Auto-Biographie
Achilles-Ferse
Die kleinen grauen Zellen
Armbrust
Wenn wer will
Der See-Hund
Fliegen-Schiss
Morgenrock
Aphrodite
Elfenbein
Mittlere Reife
Arier
Diäten
Angina
Kontaktlinsen
Ku(h)-Damm
Mein Kampf
Fast siebzig Kilo
Gleichnisse
Gaben
‘Ne Jungfer
Ein Starlet
Fallschirmspringen
Sinn des Lebens
Berufswahl
Der Philosoph
Prüfung
Die kahle Sängerin
Ein Ritter
Leere Seite
Weihnachten
Der Christbaum
Weihnachtsmann
Das Universum
1989
Fahrradpanne
Die Glocke
Diskussion
Im Unterrock
Die Lampe
Affen
Adam und Eva
Stacheln - Dornen
Gleiwitz
Erinnerung
Oberschlesier
Heimattreffen
Heimat
Sehnsucht
Ich
Amsel-Besuch
Anakonda
Ein Kätzchen
Fliegenhochzeit
Flurschaden
Futterneid
Haustier
Meisenfütterung
Ne Art Fliege
Ein Vogel schaut
Vogelfutter
Zwerghase
Vogel-Bad
Frau oder Hund
Gassi gehen
Ein Rös-chen
Frauenzimmer
Ein schöner Tag
Ladenhüter
Lampenfieber
Rahmenhandlung
Brechbohnen
Stalinorgel
Stoffwechsel
Schneebesen
Wenn ich einmal dick wär’
Mahlzeit
Vertreibung
Warmer Ofen
Wäsche waschen
Einkaufen
Erdbeeren
Heckenschützen
Fußpilz
Jägerschnitzel
Kein Benzin
Hitze
Löwenzahn
Kaltes Buffet
Arbeitswut
Alte Leute
Das Hühnerauge
Das Sportabzeichen
Novemberstürme
Das Zug-Ungeheuer
Der Kunde ist König
Der Seitensprung
Der Stuhl
Ich bin beliebt
Ich döse
Ich liebe das Leben
Innere Schönheit
Der erste Kuss
Islam
Langeweile
Ich bin alt schon
Kraut stampfen
Aufklärung
Ein kluger Kopf
Ein Schüler
Einstein
Die heutige Jugend
Eingerostet
Ein Fetischist
Es geht mir gut
Falsch gewählt
Silvester
Früher mit Fünfzig
Auf dem Fußballplatz
Bier holen
Massage
Maul aufreißen
Natur
Pervers
Ich denke
Pflaumen pflücken
Die Samenbank
Rentner (leider)
Putzfimmel
Sopran-Bass
Mief
Seniorenkreis
Spiegelbild
Zahnarztfreuden
Das Gebiss
Beim Zahnarzt
Sich gehen lassen
Zufrieden I
Zufrieden II
Zufrieden III
Das Lorbeerblatt
Aspirin
Banknoten
Der Gesichtspunkt
Stuben-Hocker
Der Schlüssel
Des einen Freud
Die Entdeckung
Drehbank
Flötentöne
Nachruf
Die Zeit
Das war ich
Gedanken
Das Denken
Die vier Jahreszeiten
So ein Wetter
Blätter fallen
Herr mit Hund
Unser Hase
Hasen-Jagd
Der Untermieter
Nochmal Hase
Was ist los?
Ich sitze hier
Herr Müller
Flohmarkt
Sperrmüll
Dauerwellen
Faschingsball
Böser Streich
Schweinehund
Fernsehlos
Kirschen
Miesepeter
Früher
Busen verbrannt
Ohne Bezug
Waldlauf
Mitternacht
Ein Arbeitstag
Nikolaus
Der Nikolaus
Eine Hausfrau
Fensterln
Geiselhöring, März 45
Putzteufel
Reisen bildet
Weltmeisterschaft
Lärm
Einsingen
Schipp, schipp, hurra!
Jogger
Landtagswahl
Alte Heimat
Windhose
Krieg
Jammerlappen
Was tun?
Kein Gedicht
Das Kapäuschen
Autogramm
Abnehmen
Faschingsfeier
Das Steckenpferd
Lisl-Lob
Karfreitag
Blutgefäße
Kuchen backen
Kuchen
Verdunklung
Wecken
Hanswurst
Ohrwurm
Dichter-Schicksal
Das Heute
So, hiermit bin ich am Ende
und dazu die Leiden meiden,
das ist Lebenselixier,
stammt von mir.
Tue, was du denkst zu tun.
Tust du nichts, kannst du auch ruh’n,
denn auch Ruh’ ist ein „Getu“.
Also tu was, oder ruh’!
Ich lebe, also bin ich!
Und weil ich bin, drum sinn’ ich,
warum ich existier’.
Man hat mich in die Welt gestellt,
ich hab’ wohl da noch reingefehlt
-- als Zier!--
Zwischen Hoffen und Bangen
bin ich gefangen.
Ich wache und schwebe,
verlange und gebe,
sinne und strebe.
Ich lebe!
Da steh’ ich nun, ich armer Wicht,
hier auf der Bühne und weiß nicht,
wie ich beginne und so weiter..
Wie stimme ich die Leute heiter?
Die woll’n was sehn, ich soll was zeigen.
Na, erst mal werd’ ich mich verneigen,
das macht sich gut, wird anerkannt.
Das mach’ ich alles aus dem Stand.
Dazu werd’ ich mein Käppi lüften,
danach die Hände in die Hüften.
Jetzt werd’ ich erst mal Atem holen,
so richtig tief, nicht nur verstohlen,
und dabei öffnen meinen Mund
nicht länglich breit, rund richtig rund.
In dieser Stellung dann verharren
für kurze Zeit. Das ist kein Schmarren.
Das kommt gut an, wirkt intressant.
Dann heb' ich zögernd meine Hand
und senke langsam dann mein Haupt.
Na, jetzt geht's los, so jeder glaubt.
Erst noch ein Räuspern, dann ein Blick
zum Publikum und auch zurück
Gleich legt er los, denkt man bei sich.
Die Sache ist so sicher nich’,
denn wieder macht der Blick die Runde,
erst dann beginnt man mit dem Munde
zu sprechen das Begrüßungswort
zu diesem da, zu jenem dort.
Nicht fehlen darf dazu die Mimik,
das ganze ist nicht ohne Zynik.
Der eine wird aufs Korn genommen,
ein andrer ist davongekommen. -
Das Volk es will sich amüsieren,
um nachher fest zu applaudieren.
Ob ich zur Abwechselung mal singe
vielleicht wie Charly Chaplin springe?
Ich könnte steppen, pantomimen,
ganz sicherlich gefällt es ihnen.
Denn so was geht nicht in die Binsen.
Die ersten fangen an zu grinsen,
die andern folgen frohgelaunt.
So mancher denkt sich, weil er staunt,
der auf der Bühne, der ist klasse,
ist nicht, wie meistens, einfach Masse. -
Der Höhepunkt ist überschritten,
mein Vortrag aus. Sollt’ man mich bitten,
als Zugabe ’ne nette Geste. -
Nun applaudiert mal, feste, feste...
Soll ich schlafen, soll ich schaffen,
oder etwas andres tun?
Jeden Tag die gleiche Frage,
die lässt mich fast nicht mehr ruhn.
Doch die Antwort auf die Frage
nimmt mir keiner ab,
weil nur ich allein die Sorge
mit „was tun jetzt“ hab’.
Hab ich lang genug gedacht,
was zu machen wär’,
hab die Zeit ich rumgebracht,
jetzt mach’ ich nichts mehr!
Im Theater gegen acht,
werden Türen zugemacht.
Licht verlöscht, man applaudiert
nun dem Mann, der dirigiert.
Er verneigt sich ungenannt,
Taktstock nimmt er in die Hand,
guckt sich im Orchester um
und macht dann den Buckel krumm.
Das Orchester sieht gespannt
auf den Taktstock in der Hand.
Geige wird ans Kinn gedrückt
und der Bogen wird gezückt,
dass die Geige er berühre.
So beginnt die Ouvertüre.
Hinten sieht man ein’ge Flöten,
die sind sicher auch vonnöten,
auch Oboen oder Hörner.
Und genauso sieht man ferner
ein Fagott, ein Kontrabass,
wie man sieht, für jeden was.
Und die Bläser, die trompeten,
wenn sie’s nur so laut nicht täten.
Und ganz links steht ein Klavier.
Mann spielt drauf, mal ohne Bier..
Und man fidelt, geigt und bläst,
bis sich dann die Spannung löst.
Mit ‘nem Paukenschlag da endet
Ouvertüre, nun so spendet,
weil es aus, hier im Haus,
nun Applaus!
Gerne würd’ ich komponieren,
tät' auch keine Zeit verlieren,
denn mein ganzes Interesse
das gilt der latein’schen Messe.
Nur, wie fängt es jener an,
der nicht komponieren kann?
Auch spiel ich kein Instrument,
schwer, wenn man kei’ Noten kennt.
Ich kenn’ weder fis noch g,
doch wenn ich ein Kreuzchen seh’,
weiß ich, Stimme etwas heben,
denn der Ton, der liegt daneben.
Manchmal steht auch irgendwo
kleines b, das macht man so,
wenn das ganze klingen soll
mal in Dur und mal in Moll,
denn das b heißt, Stimme senken.
Alles muss man da bedenken,
Und ein Punkt neben der Note
ist kein Fliegendreck (ich spotte),
der bedeutet, länger halten.
So muss man Musik gestalten.
Schad’, dass meine Kompetenz
nur noch reicht bis zur Kadenz,
wenn ich mich zusammenraffe
auch vielleicht noch zur Oktave.
Über piano oder forte,
da verlier’ ich nicht viel Worte,
auch bei tremolo, Fermate,
ich schon Schwierigkeiten hatte
Dann Allegro und Andante,
nie zuvor ich diese kannte.
Geht auch ohne diese Dinge,
wenn ich nur ganz richtig singe,
Jeder falsche schräge Ton
bringt mich zur Verzweiflung schon.
Singen kann ich ebenfalls
drei Oktaven mit dem Hals.
Ob’s für’s Komponieren reicht?
Ich versuch es mal - vielleicht!
Hausfrau sein ist kein Vergnügen!
Während andere noch liegen
tief im Schlaf, der Welt entrückt,
hat sie sich schon oft gebückt.
Ja, sie ist der gute Geist
der Familie, wie es heißt.
Frühstück muss sie vorbereiten,
nicht zu spät, nein, schon beizeiten,
denn die Kinder und der Mann
halten sich beim essen ran.
Schnell wird alles hergerichtet.
Selber essen? Man verzichtet,
erst die andern, wie’s so Brauch,
dann erst isst die Hausfrau auch -
Auf dem Tisch sieht es ganz wirr aus,
nun, zuerst mal das Geschirr raus,
aufgewaschen, eingeräumt,
keinen Augenblick geträumt.
Arbeit, die gibt es in Fülle.
Tische säubern und die Stühle,
putzen, waschen, saugen, fegen,
keine Zeit sich hinzulegen.
Ist bis jetzt man rumgesprungen,
heißt es, schnell aufs Rad geschwungen,
Brot geholt, Fleisch oder Fisch,
alles für den Mittagstisch,
auch Kartoffeln und Gemüse
oder andere Genüsse.
Wieder putzen, waschen, schaben,
die Familie soll sich laben.
Das Menü ist nun serviert,
Fischfilet, sehr schön garniert.
Die Familie setzt sich nieder,
und die Hausfrau, die läuft wieder.
Erst mal Suppe vorneweg
mit viel Schnittlauch und viel Speck.
Der will Ketchup noch, der Salz,
der will helles Bier, der Malz.
Dessen Glas ist ausgekippt,
Hausfrau ist fast ausgeflippt.
Eis gibt's auch noch hinterher,
und das nennt man dann Dessert.
So, das war's. Dann abgespült,
schließlich ist man nicht gewillt,
Schmutziges stehen zu lassen,
seien’s Teller, seien’s Tassen,
also ran ans Aufwaschbecken,
das ist auch kein Zuckerschlecken,
während andere sich räkeln.
Nur die Hausfrau darf nicht mäkeln.
Ja, das ist der Hausfrau Los!
Später dann, was back’ ich bloß?
Übermorgen ist doch Sonntag,
Kuchen, den der Mann und Sohn mag?
Das Gegratsche, das Geschinde!
Ja, das sagt man so gelinde.
Hausfrau rauft sich fast die Hände:
Ist der Tag nicht bald zu Ende?
Diese Hose hat ein Loch,
her damit, das stopf ich noch!
Man hat seine liebe Not
wieder mit dem Abendbrot.
Was soll wieder man servieren?
Hausfrau kriecht auf allen Vieren.
Stress und Hektik früh bis spät,
täglich das so weitergeht.
Betten auf, man streckt sich nieder,
will für morgen fit sein wieder!
Eine Hausfrau, die hat’s schön!
Andre müssen schaffen gehn,
während sie, wenn’s niemand sieht,
weiterschläft, wenn sie noch müd’.
Mittags Büchsenöffner her,
Mittag fertig, bitte sehr!
Nachmittags, wenn man allein,
putzt man Fenster, so zum Schein.
Abends wird nicht viel gekocht,
kochen hat man nie gemocht,
trinkt beim Fernseh’n ein Glas Wein
und schläft dann gelangweilt ein.
Esther Vilar wusste das:
Hausfrau sein macht richtig Spaß!
Aufgestanden um halb acht,
gut geschlafen, froh erwacht.
Nun beginnt mein Tageslauf,
und den schreib ich jetzt mal auf..
Doch zuvor die Zähne putzen,
(Zahnpasta dazu benutzen.)
Dann tu ich den Körper waschen,
Kleid anziehn, das mit den Taschen,
einen Brief noch schnell gelocht,
Kaffee, der ist auch gekocht,
und auch Omi möcht’ was essen.
Einen Apfel nicht vergessen,
der, gekauft im Supermarkt,
schützen soll vor Herzinfarkt.
Nach dem Frühstück nicht geträumt,
sondern Zimmer aufgeräumt.
Dazu g’hört das Bettenmachen
und dann noch so andre Sachen.
Etwas Kaffee wird genippt,
und dann wird ein Brief getippt.
Jetzt geh’ ich zuerst zum Bäcker,
seine Kuchen schmecken lecker.
Und zuhaus muss ich beizeiten
Mittagessen zubereiten.
Heute gibt es Schinkennudeln.
Schon sieht man die Nudeln sprudeln.
Nun mit Wasser abgeschreckt,
kalt versteht sich, abgeschmeckt
mit den übrigen Zutaten.
(Und den Rest, den werd’ ich braten)
Als Dessert gibt es ein Eis,
was man sehr zu schätzen weiß. -
Das Geschirr ist abgespült
darum geht es jetzt gezielt
weiter nun im Text.
Was mach’ ich zunäxt?
Wasch die Wäsche ich von Spanien
oder zupf ich die Geranien?
Erst mal dieses, dann kommt das,
Wäsche trocknen, die jetzt nass,
schnell zum Briefkasten gewetzt,
dann mal kurz sich hingesetzt,
um ein wenig auszuruhn,
‘S gibt ja immer was zu tun.
Ins Programm mal reingeschaut,
wieder nix, Abend versaut.
Drum nehm’ ich den Schrank auf’s Korn,
so von hinten bis nach vorn.
Alle Blusen und auch Kleider
müssen, weil es Herbst wird leider
raus. Platz muss man machen
für die vielen Wintersachen.
Doch der Platz ist so beengt,
Pullis liegen dicht gedrängt
neben Handschuh’n, Hemden, Hosen.
Schrank zu klein, man bräucht ‘nen großen.
Endlich fertig mit den Dingen.
Anziehn schnell, und ab zum Singen.
Wieder da, Bett aufgemacht.
Gute Nacht!
Der Frühling ist fast über Nacht
mit seiner ganzen Pracht erwacht.
Er brachte Farben, Blumen, Triebe,
alles was an ihm ich liebe.
Dazu Wärme, linder Lüfte,
angenehme süße Düfte.
Der Mensch mag nun nicht länger ruhn,
jetzt endlich möcht’ er etwas tun.
Der Herr des Hauses nimmt aufs Korn
sein Auto hinten und auch vorn.
Desgleichen tut die Frau im Haus,
der Dreck vom Winter muss doch raus!
Ein Kopftuch setzt sie auf zum Schutz,
und dann beginnt der Frühjahrsputz.
Erst die Federbetten raus,
am Balkon lüften sie aus.
Ebenso muss man Matratzen
etwas bürsten und bekratzen.
Dann die Bretter und die leisten,
denn dort sammelt sich am meisten
von dem dünnen Staube an.
Fertig damit, und was dann?
Ob vielleicht man Fenster putzt
oder ob man Blumen stutzt?
Erst den Teppich auf die Stange,
den beklopft man ziemlich lange,
damit jedermann es lernt,
wie man großen Schmutz entfernt.
So, das wäre dann geschafft
und man selber ohne Kraft..
Wieder oben, Gott sei Dank!
Und nun kommt der Kleiderschrank!
Wintersachen eingemottet,
weil das Zeug ja sonst verrottet.
Sommersachen in die Fächer.
Dann die anderen Gemächer.
In der Küche und im Bad
wienert man die Kacheln glatt.
Auch die Lampen sind verschmutzt,
runter damit und geputzt.
In den Schubladen und Kästen
sieht es auch nicht aus zum besten,
woraufhin die Frau vom Haus
wirft den halben Krempel raus.
Unterm Spülstein dieser Platz,
(eine Art Buffet-Ersatz),
stehen Eimer, liegen Lappen,
Abstellraum, den müsst man haben!
Ist auch diese Ecke fein
schaut man in den Kühlschrank rein.
Erst mal wird er abgetaut,
essen raus, dass nichts versaut.
Hat man ihn dann vorgerückt
(Vorsicht, dass kein Kabel knickt),
sieht man hinten nach dem rechten,
weil man saubermachen möcht’.
Da, die Seiten sind bekleckert,
und dass nachher keiner meckert
wird auch dort Hand angelegt
und gewischt oder gefegt.
Die Gardinen, lang und breit
müssen in der Osterzeit,
wegen Rein’gung in die Wanne,
denn nur so gibt’s keine Panne.
Feucht hat man sie aufgehängt,
sich das Rückgrat noch verrenkt.
Kleines Ritschel auf den Hocker,
aufgepasst, da ist was locker,!
Leicht kann dann etwas passieren,
rumms, liegt man auf allen Vieren.
Klar, dass auch die großen Scheiben
nicht so schmutzig können bleiben.
Und die Möbel säubert nur
eine Möbelpolitur.
Alle die gestickten Kissen
abziehn, wird man waschen müssen.
Blumen, die zum Teil entlaubt,
werden kurz mal abgestaubt. -
Der Balkon wird noch behandelt,
dass er nicht das Bild verschandelt.
Mit dem Staublappen und Mopp
staubt man alles ab, tipptopp.
Und der Fußboden zum Schluss
auch gesäubert werden muss. -
Dieses alles, und noch mehr
zehret an der Hausfrau sehr.
Doch dank dieses Frühjahrsputz’
gibt es Platz für neuen Schmutz
auf dass, wenn die Zeit verrinnt,
alles dann von vorn beginnt.
Himmel, ist das ein Getöse
hinterm Haus. Ich bin schon böse.
Wollt’ die Ruhe hier genießen,
ausgestreckt bis zu den Füßen
und stattdessen, unvermutet,
wird gelärmt, geplärrt, getutet.
Ich betracht’ die Sache näher.
Was seh’ ich? Drei Rasenmäher!
Nebenan die Autos flitzen,
und da soll man ruhig sitzen!
Eisenbahnen hört man fahren,
Kinder, die ums Haus rumkarren..
Wieder Ratter und Geknatter.
Rechts daneben bei dem Gatter
wird die Straße aufgerissen.
Auch nicht grade zu begrüßen.
Noch mehr Lärm, nicht auszuhalten!
Wann verschwinden die Gestalten?
Endlich dann nach Stunden
ist der Krach verschwunden.
Arbeiter nachhause trabend.
Ruhe, Stille, Feierabend!
Hat der Mensch mal nichts zu tun,
sagt er sich, ich kann ja ruh’n
oder weich im Sessel sitzen,
denn das müsste etwas nützen.
Puzzeln strengt den Geist an,
darum möchte meist man
auch für’n Körper etwas tun,
wie gesagt, man möchte ruh’n.
Dieses hab ich praktiziert,
hingesetzt, nicht mehr gerührt,
alle Viere grad gelassen.
Damit wollt’ ich es belassen.
So hab ich mir das gedacht.
(Rechnung ohne Wirt gemacht!)
Denn kaum, dass ich mich entspannt,
kam mein Sohn schon angerannt,
setzte sich auf meinen Schoß,
(und das war ein Sessel bloß!)
Jetzt war’s aus mit meiner Ruhe,
abgestreift wurden die Schuhe,
Hände, Füße bis zur Fessel
mussten rein in diesen Sessel.
Ein Gefühl, wie in der Mangel,
doch jetzt kam erst das Gerangel.
Zwei Paar Hände und vier Füße,
als ob dieses so sein müsse,
mussten rein bis zu den Knien.
Und es machte Spaß, wie’s schien.
Ist das dein Arm? Ist’s der meine?
Aber nein, das sind die Beine!
Kinder, das war eine Schau!
Zwischendurch hörte man „AU“.
Rumms, hatt’ ich ’nen Nasenstüber,
das kam von dem Hin und Rüber.
Ein Gewutzel, ein Gedränge,
eben wegen dieser Enge.
Hier ein Fuß an meinem Haupt!
Ist denn sowas noch erlaubt?
Und der zweite tritt mich auch
mitten rein in meinen Bauch.
Noch ein Bein, wo kam das her?
Und dann hing ich wieder quer
in der Luft mit meinem Kopp,
und ich zeterte darob.
In den Hals bohrt sich ein Bein,
muss das sein?
Plötzlich ging das Telefon. -
Schluss für mich und meinen Sohn.
Wir ha’m drüber sehr gegrollt.
Schade, Schluss, genug getollt!
Mittagessen ist vorbei,
Eintopf, so ein Allerlei.
Paar Kartoffeln, gelbe Rüben,
die von gestern übrig blieben,
junge Erbsen, grüne Bohnen,
(die Finanzen will man schonen!),
ein Kohlrabi noch vielleicht
kommt hinein dazu, das reicht.
Jetzt das ganze auf den Herd,
so hat man es mich gelehrt.
Einbrenne und andre Sachen
dann hinein zum sämig machen.
Klare Suppe, etwas Dill,
Petersilie, wenn man will.
und mit Butter abgerundet.
Na, mal sehn, ob das nicht mundet!
Was ist das für eine Welt!
Jeder hastet, denkt ans Geld.
Wo ist die Gemütlichkeit?
Längst dahin, ein Fremdwort heut.
Die kann man sich nicht mehr leisten.
Ja, so ist es bei den meisten
Menschen, schaut man sich nur um,
Wohlstand rings um uns herum.
Waschmaschine, Farbfernseher,
Wäscheschleuder, Rasenmäher,
Spülmaschine für’s Geschirr,
Staubsauger, den haben wir,
Mixer, Quirl, und beim Rasieren
braucht man kaum die Hand zu führen,
und selbst Zähne, die verschmutzt,
werden maschinell geputzt.
Toaster, Tonband, Telefon,
Kühlschrank hat ein jeder schon.
Plattenspieler, Bügeleisen,
darauf möcht’ ich noch verweisen,
Heizsonne, Elektroherd,
dieses auch zum Image g’hört.Bohrmaschine
für den Herrn,
Filterkaffee trinkt man gern,
und man geht nicht mehr per pedes,
nein, es muss schon ein Mercedes
oder etwas ähnlich’s sein.
Nur vielleicht nicht gar so klein.
Der steht dann vor’m eignen Haus.
Ja, so sieht der Wohlstand aus.
Für alles gibt es schon Maschinen.
Nur Geld muss man noch selbst verdienen!
Früher bin ich oft gelaufen
zum Kaufmann für’n Abend ein’Brathering kaufen.
Es gab nicht sehr oft solch’ Delikatessen,
drum ha’m wir zusammen nur einen gegessen.
Die Haut schmeckt am besten, so dachte ich mir,
und darum entfernt’ ich die Haut von dem Tier.
Das Fleisch, das war für den Papa gedacht,
er hat sich auch gleich drüber hergemacht.
Der Kopf und der Schwanz und auch das Gerippe
verschwanden diskret hinter Mutti’s Lippe.
Zermalmt wurde alles mit Zähnen und Mund.
Auf den Abfall lauerte lechzend der Hund! –
Jeder fährt mal, wenn er muss,
hin und wieder mit dem Bus,
schön gemütlich, ohne Hetzen,
find' man Platz, kann man sich setzen.
Man genießt und wird gefahren,
muss nicht auf die Straße starren.
So geseh’n ist’s ein Vergnügen.
Neulich ist wer eingestiegen,
der hätt’s lieber nicht getan.
Als er drin, der böse Mann,
ging schon das Gezeter los.
„Wohin setze ich mich bloß?
Ach, die Jugend hierzulande,
alles Bankerts, diese Bande!“
Böse Leute gibt’s en masse.
Den stört dieses, den stört das...
Weiter vorne jemand schreit:
Machen Sie sich nicht so breit
mit der großen Einkaufstasche.
Nebenan Bier aus der Flasche
wird getrunken von ’ner Frau,
schätze siebzig, Mantel grau.
Wollt’ mit mir Gespräch anfangen.
Ist noch einmal gut gegangen.
Zähnefletschend stieg sie aus.
Gott sei Dank, jetzt ist sie raus.
Meinen Blick lass ich nun schweifen
zu den andern, die nicht keifen.
Dort ein Jüngling in Ekstase,
pickt sich ständig in die Nase,
weil der Rhythmus und der Takt
ihn aus seinem Walkman packt.
