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Karl Plepelits

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Beschreibung

Wie fühlt es sich an, wenn ein Liebespaar, das sich getrennt hat, wieder zueinander findet? Warum haben sie sich überhaupt getrennt? Natürlich, wegen der Untreue des Mannes. Genauer, weil ihm der Liebesgott, oder welche Himmelsmacht auch immer, eine Traumfrau nach der anderen quasi auf dem silbernen Tablett serviert hat. Wie fühlt sich also die Versöhnung an? Antwort: Einfach himmlisch. Nur, zunächst einmal durchaus schmerzlich. Wenn auch bei Weitem nicht so schmerzlich, wie sich einst die Trennung angefühlt hat. Übrigens, wo steht denn das geschrieben, dass man alle die Bonbons, die einem nach und nach serviert werden, unbedingt vernaschen muss? Besagte Himmelsmacht schätzt es nämlich durchaus, wenn man sich mit nur einem Bonbon, sprich, mit nur einer Traumfrau begnügt. Besonders wenn’s die allererste ist. Dann lässt sie beide Partner in der Regel restlos glücklich werden.

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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Auftakt

Mit größter Vorsicht tasten sich die beiden auf der Suche nach einem einsamen Plätzchen entlang dem Ufer des Nils an den riesigen Felsblöcken vorbei, die in Assuan die Ufer des Nils säumen und in der Dunkelheit wie Elefanten wirken. So gelangen sie schließlich zu einer Stelle, wo ihnen eine senkrechte Felswand den Weg versperrt.

Hier ist also Endstation. Das Ziel der Liebenden ist erreicht. Aufseufzend fallen sie sich um den Hals und küssen sich mit glühender Leidenschaft. Seine Finger erforschen ihre verlockende, erregende Haut und bemühen sich, ihr die höchsten aller Glücksgefühle zu bereiten. Dies ist freilich leichter gesagt als getan. Denn es heißt stehen, wenn auch an die Felswand gelehnt; das Sitzen erweist sich nämlich als gar schmerzhafte Angelegenheit. Ebenso bleiben ihre Bemühungen ohne Erfolg, seinem Schwanz die längst überfällige Entladung zu verschaffen.

Schließlich überwindet er seine letzten Hemmungen. Beherzt streift er ihre Hose und ihren Slip hinab, hebt ihre Füße an und zieht ihr beide Kleidungsstücke aus, macht sich auch selber unten frei und entsendet seinen bereits laut und vernehmlich um Hilfe schreienden Mister Penis kurzerhand in den feuchten, dunklen, engen, heißen, weichen, ach so süßen Tunnel, der zu ihrem Allerheiligstem führt.

Doch leider, leider. Mister Penis kommt nicht weit. Ehe er noch sein so heiß ersehntes Ziel erreicht hat, lässt sie einen sonderbaren Laut hören und stößt ihn von sich. Im selben Moment explodiert er und spritzt sie von oben bis unten voll, und er ist unfähig, sich abzuwenden, steht gelähmt vor ihr, solange ihn der Rausch des Liebesgottes in seinem Bann hält. Aber auch sie selber scheint gelähmt.

Endlich legt sich ihre Lähmung. Und da flüstert, stammelt sie: „Du, entschuldige. Aber weißt du ...“, bricht ab, legt ihm ihren Kopf auf die Schulter und beginnt hemmungslos zu schluchzen, beruhigt sich aber rasch, hebt ihren Kopf und murmelt: „Ich hab auf einmal gedacht, es ist nicht recht. Und da hab ich die Panik gekriegt.“

Und dann glaubten die beiden plötzlich Geräusche zu hören. In der Dunkelheit erkannten sie zwei noch dunklere Gestalten. Sie standen direkt vor ihnen und waren im nächsten Augenblick verschwunden, offenbar durch den Anblick der vergeblich Liebenden in die Flucht geschlagen.

Verschwunden war jedoch auch ihr süßes Verlangen. Wortlos kleideten sie sich an, küssten sich zaghaft und schlichen schweren Herzens davon, ohne einen Laut von sich zu geben. Sie waren untröstlich. Die Reise war für sie zu Ende. Dies war der letzte Abend, den sie miteinander verbringen konnten. Am morgigen Abend würden sie ja nur am Flughafen „herumsitzen“, um auf den Direktflug nach Wien zu warten.

1

Schon die alten Griechen wussten: Die Liebe ist eine Himmelsmacht. Gegen sie kann sich der Mensch nicht wehren. Und wer es trotzdem tut, wer es also über sich bringt, die Liebe einer Frau zurückzuweisen, den bestraft der Liebesgott.

Nein, ich konnte es nicht. Ich brachte es nicht über mich. Oder, um die Wahrheit zu sagen, der Liebesgott hatte mich total in seiner Macht und sorgte selbst dafür, dass er mich nicht bestrafen musste.

Nun, eigentlich hatte ich ja der Sonja, meiner Eheliebsten, ewige Treue geschworen. Aber dann kam es, wie es anscheinend kommen musste: Ich verliebte mich in die Heidi. Unsterblich verliebte ich mich in sie. Und ebenso unsterblich, oder gar noch unsterblicher, falls man das so sagen kann, sie sich in mich. Wie hätte ich das verhindern können? Ich konnte es jedenfalls nicht.

Dies geschah in den Weihnachtsferien zum Jahreswechsel 1989-1990 während einer Studienreise durch Ägypten. Ja, so lang ist das jetzt schon her.

Ha, wenn ich daran denke, was für ein junger Hupfer ich damals noch war! Ich hatte kaum erst das Studium hinter mir. Trotzdem hatte Philipp, der Juniorchef im Reisebüro daheim in Innsbruck, keine Bedenken, mich als Reiseleiter einzusetzen. Und sie, die Heidi, eine junge Gymnasiallehrerin, sie war ein Mitglied meiner Reisegruppe. Aber bis zuletzt, bis zum Ende der Ägyptenreise, war diese Liebe rein platonisch gewesen – na gut, sagen wir, fast rein platonisch. Und mitnichten dank meiner Tugendhaftigkeit und ehelichen Treue.

Unterdessen war es Februar 1990 geworden, und ich musste in den Semesterferien erneut als Reiseleiter antreten.

Diese Reise ging nach Indien. Und siehe da, die Heidi war wieder mit von der Partie. Und jetzt auf einmal wurde unsere Liebe aber so was von „unplatonisch“. Dies geschah schon auf dem langen Flug nach Bombay, wie Mumbai damals noch hieß, nämlich (äußerst unbequem) im Bord-WC, und erst recht in unserem ersten Hotel in Delhi, wohin uns ein Inlandsflug gebracht hatte.

So „unplatonisch“ wurde unserer Liebe, wie ich es noch nie erlebt hatte, auch nicht mit meiner Sonja daheim. Noch dazu, wo sie in der letzten Zeit kaum mehr Interesse an meinen erotischen Darbietungen gezeigt hatte.

Und ja, vielleicht war es das. Vielleicht war das der Grund, warum es der Liebesgott jetzt auf einmal so leicht hatte, als es darum ging, der Heidi Freude zu bereiten, genauer, gar viele Freuden. Um es noch genauer zu sagen, so viele Freuden, dass ihr nach der ersten Nacht in Delhi „da unten“ alles weh tat.

Ich ahnte nicht, wie leicht es der Liebesgott von da an bei mir hatte. Wie viele Frauen er mir noch ins Bett zu legen gedachte. Dass also die Sache mit der Heidi nur so was wie die „Initialzündung“ war. Der Beginn einer ganzen Serie von erotischen Begegnungen.

2

Also, wie gesagt, nach der ersten Nacht in Delhi tat der Heidi „da unten“ alles weh. Unsere zweite Nacht in Delhi verbrachten wir daher fast wie ein altes Ehepaar. Zuerst gingen wir in der Umgebung des Hotels spazieren. Dann duschten wir gemeinsam, und im Bett schmiegten wir uns aneinander und streichelten uns gegenseitig. Unser so unersättlich scheinendes Verlangen nach Sinnenlust war fürs Erste offenbar gestillt. Außerdem klagte Heidi, wie gesagt, „da unten“ tue ihr alles weh. Ein derart exzessives Liebesleben sei sie einfach nicht gewohnt.

Diese Aussage stachelte meine Neugier an. Und trieb mich in der letzten Nacht das unersättliche Verlangen, in die Geheimnisse von Heidis Körper einzudringen, so trieb mich nun das unersättliche Verlangen, in die Geheimnisse ihres Lebens einzudringen. Also fragte ich mit gebührender Behutsamkeit, was für ein Liebesleben sie denn eigentlich gewohnt sei. Bisher wisse ich ja nur, dass sie Single sei. Und ich hätte mich schon die ganze Zeit gewundert, dass eine so attraktive und charmante Person wie sie noch kein Mannsbild in ihr Netz gelockt habe.

„Oh, danke für das Kompliment“, erwiderte sie fröhlich. „Aber das hab ich doch soeben.“

Ich musste herzlich lachen. „Ach so. Ja, klar. Aber ich hab natürlich gemeint: Vor mir.“

„Ja, liebster Gernot, wenn das so leicht ginge.“

„Das heißt also, daheim in Schwaz wartet keiner sehnsüchtig darauf, mit dir wieder einmal sündigen zu dürfen?“

„Nein, keiner. Und auch keine.“

Wieder musste ich herzlich lachen. „Da besteht also keine Gefahr, einem Eifersuchtsmord zum Opfer zu fallen?“

Nun musste auch Heidi lachen.

„Aber sag, nimmst du da ... Hast du unter diesen Umständen überhaupt … Ich meine, bist du irgendwie geschützt?“

„Aber ja, liebster Gernot. Mach dir keine Sorgen. Ich nehme die Pille.“

„Ja, aber wieso ... Ich meine, wenn daheim in Schwaz kein Bedarf daran besteht?“

„Du hast vollkommen recht. Ich habe auch erst jetzt wieder damit angefangen, in der Erwartung ... in der Hoffnung, dass sich in Indien der Bedarf einstellen wird. In Ägypten war ich also noch ungeschützt. Was übrigens mit ein Grund gewesen sein dürfte, warum ich dich in Assuan ... na, du weißt schon. Warum ich mich also in Assuan so unmöglich benommen habe. Wie hätte ich vor der Ägyptenreise auch ahnen sollen, dass ich da einen so lieben Menschen kennenlernen würde, der bereit wäre, mir seinen Wundersamen zu spenden?“

„Ja, sag, habe ich dich denn in Assuan ent ... deiner Jungfräulichkeit beraubt?“

Heidi lachte hell auf. „Ach, Liebster, du bist süß.“

Und wieder ernster werdend: „Nein, Gernot, hast du nicht. Auch wenn ich, um deine ursprüngliche Frage zu beantworten, vor dir schon lang kein Liebesleben gehabt habe, zumindest keines, für das ich die Pille hätte schlucken müssen.“

„Also war doch eine andere Frau ...“

„Aber, aber! Ich bin doch nicht lesbisch. Sondern das geht noch viel einfacher, glaub mir. Tiroler Kunsthandwerk.“

Der Groschen fiel nicht sofort. Aber dann lachte ich herzlich und entsandte eine Hand zwischen Heidis Schenkel, um zu sehen, ob ich ebenfalls kunsthandwerklich begabt bin, und hörte auch ein leises Stöhnen aus ihrer Kehle. Aber dann erschrak ich, weil mir einfiel, dass es wahrscheinlich ein schmerzliches Stöhnen war, zog meine vorwitzige Hand rasch wieder zurück und bat Heidi um Verzeihung, falls ich ihr Schmerzen zugefügt haben sollte. Sie lachte aber nur, entsandte ihrerseits eine vorwitzige Hand zwischen meine Schenkel und lachte sogleich noch herzlicher.

„Ha“, rief sie leise aus, „von Müdigkeit keine Spur. Wie macht er das nur? Ihm fehlt es wohl nicht an Übung, wie? Und weh tut ihm wahrscheinlich auch nichts. Stimmt’s?“

„Stimmt.“

„Was stimmt? Dass ihm nichts weh tut oder ...?“

„Beides.“

„Ah, und dass es ihm nicht an Übung fehlt. Jetzt weiß ich, warum du ein solcher Meister in der Liebeskunst bist.“

„Na bitte. Du bist nicht weniger meisterlich. Ich hab noch nie eine Frau erlebt, die dir an Meisterschaft gleichgekommen wäre.“

„Oh, danke für das Kompliment. Falls es eines ist.“

„Aber sicher ist es eines. Wofür hältst du mich? Aber sag, ist es sehr indiskret, wenn ich frage, wie deine Meisterschaft zustande gekommen ist?“

„O ja, das ist sehr indiskret. Aber es macht mir Freude, wenn du indiskrete Fragen stellst. Hm, soll ich sagen: Weil ich halt so talentiert bin? Nein. Weißt du, liebster Gernot, jetzt bin ich zwar schon lang allein, konkret, seit, lass mich nachdenken, seit bald drei Jahren. Aber davor wohnte ich lange Jahre mit einem Mann zusammen.“

„Und der hat dich zu einer solchen Meisterin gemacht?“

„Er war selber ein solcher Meister. Und wahrscheinlich hab ich einiges von ihm gelernt. Aber er war nicht nur ein Meister in der Liebeskunst, sondern zugleich ein Musterbeispiel an Zärtlichkeit, Einfühlungsvermögen, Liebenswürdigkeit, Treue.“

„Oho, alles das auf einmal? Und da gibst du dich noch mit mir ab?“

„Aber Gernot, das bist du doch auch. Ich hätte nie gedacht, dass es unter den Tiroler Burschen so einen gibt.“

„Wieso? War das kein Tiroler Bursch?“

„Nein. Ein persischer.“

„Ah, da schau her. Und die Perser sind so gut im Bett?“

„Ich weiß nicht, ob alle persischen Männer so gut im Bett sind. Ich hab ja nur den einen ausprobiert. Aber der war so gut, o ja.“

„Und ... Entschuldige, wenn ich frage, aber ... Hast du ihn sehr geliebt?“

„Sehr. Er war mein erster Mann ...“

„Ah, dann war er der Böse, der dir die Jungfräulichkeit geraubt hat?“

„Genau. Auf der Uni haben wir uns kennengelernt. Er hat Medizin studiert, acht Semester über mir. Ursprünglich wollte er ja nach dem Studium in den Iran zurück. Aber dann ist er wegen der schrecklichen Zustände dort in Österreich geblieben. Sonst wäre unsere Beziehung schon bald zu Ende gewesen.“

„Oder du wärst ihm in den Iran gefolgt.“

„Ach so, ja. Wäre leicht möglich gewesen.“

„Und jetzt ist es trotzdem schon so lang zu Ende? Obwohl er doch so ein Musterexemplar an Treue war?“

„Mhm. Das war er.“

„Und wieso ...“

„Ich war’s leider nicht.“

„Jetzt hör auf. Heißt’s nicht immer, die Männer können nicht treu sein?“

„Ach was. Den Frauen fällt’s genauso schwer. Hinzu kommt, dass der Begriff Treue bei Gott nicht eindeutig ist.“

„So? Wie meinst du das?“

„Na ja, was würdest du sagen, wenn eine Frau hundertprozentig an ihrem Mann hängt, aber irgendwann schwach wird und ein einziges Mal den Verführungskünsten eines anderen erliegt? Ist sie dann untreu?“

„Nach landläufiger Definition schon. Nur ...“

„Nur?“

„Ihre Gefühle für ihren Mann haben sich ja nach diesem einen Mal nicht unbedingt verändert. Im Geist ist sie ihm vielleicht trotzdem treu.“

„Siehst du? Du bist ein kluges Kind. Sehr gut, setzen. Genau so war’s bei mir. Ich war Unterrichtspraktikantin in einer Innsbrucker Schule, und am Ende des Jahres gab’s einen schönen Ausflug des Lehrerkollegiums mit abschließendem Besuch in einem Tanzlokal. Na ja, und da erlag ich halt in meiner grenzenlosen Naivität, beschwipst, wie ich war, den Verführungskünsten eines älteren Kollegen und ließ mich in seine Wohnung abschleppen, nur um festzustellen, dass mein Dariusch um Klassen besser ist. Der Erfolg dieses verbotenen Schäferstündchens war jedenfalls, dass ich ihn doppelt so heiß liebte. Natürlich merkte er sofort, was passiert war. Oder dass irgendwas passiert war. Und weil ich so naiv war, versuchte ich meinen Fehltritt gar nicht erst zu leugnen. Ich gestand ihm sogar, dass ich jetzt erst so richtig erkannt hätte, was für ein toller Mann er ist, und hoffte, dass er daraufhin gleich wieder versöhnt ist. War er aber nicht. Und er war auch durch sonst nichts zu versöhnen. Für ihn war damit unsere Beziehung definitiv beendet, und er schmiss mich auch sofort hinaus. Nein, das nicht. Sondern er bat mich mit höflichen Worten, unsere gemeinsame Wohnung, genauer, seine Wohnung, in der wir bis dahin glücklich und zufrieden zusammengelebt hatten, umgehend zu räumen. Ja, und seit damals hab ich halt auf dich gewartet.“

„Das heißt, seit damals bist du keinen Verführungskünsten eines Mannes mehr erlegen?“

„Genau das heißt es, ja.“

„Und wieso nicht, wenn man fragen darf?“

„Weil ich halt seither nicht mehr so naiv bin. Und weil nie der Richtige darunter war. Außer kürzlich in Ägypten.“

Und sie schenkte mir zwei überaus süße Küsse, einen auf den Mund und einen auf meinen sowieso schon längst erwartungsvollen Schwanz, diesen Gauner, der nicht zu wissen scheint, wann er eine Dame schonen muss. So süß waren beide Küsse, und so lange dauerte ihr zweiter, und so zärtlich halfen ihre Finger nach, dass mich unverhofft und wider alles Erwarten zuletzt der Rausch des Liebesgottes überwältigte.

Nachher erklärte sie quasi entschuldigend und mit süßem Lächeln, ihr sei eingefallen, dass ihr weder die Lippen noch die Zunge weh tun und auch die Finger nicht, und sie hoffe, sie habe mich nicht überfordert.

„Aber“, sagte sie wie schon in der Nacht vorher, „ich kann nur wiederholen, was ich im Flugzeug schon gesagt habe: Süß schmeckst du.“

3

Am nächsten Morgen verließen wir Delhi in Richtung Agra. Unterwegs hielten wir am Rande eines Dorfes, und wer wollte, konnte auf eigene Faust darin herumspazieren und unverfälschtes indisches Landleben studieren. Dieser Spaziergang war in der Tat ein hochinteressantes Erlebnis. Aber das Interessanteste erlebte ich, als es wieder einsteigen hieß.

Ich stand vor dem Bus und plauderte mit Vipender, unserem einheimischen Fremdenführer (der, muss ich gestehen, meinen stillen Neid erregte; denn er sah aus wie ein junger Gott). Da kamen in auffallender Eile und sichtlich aufgeregt drei Damen auf uns zu, unter ihnen meine Sitznachbarin in der Maschine der Indian Airlines, die mir ihre scharfen Röllchen spendiert hatte ...

Das war damals nämlich so. Auf dem Inlandsflug von Bombay nach Delhi saß neben mir nicht Heidi, sondern eine meiner anderen Damen, deutlich älter als ich, aber ausgesprochen attraktiv. Und als uns das verlockend duftende Festmahl serviert wurde, bot sie mir zu meiner Verblüffung ihre Portion an. Genaugenommen war es nur ein kärglicher Imbiss, bestehend aus zwei vegetarischen Röllchen. Sicher war ihr aufgefallen, dass alle anderen von unserer Gruppe, soweit sie ihren Imbiss schon erhalten hatten, sogleich wie Sterbende zu röcheln begannen. Anscheinend brannten ihre Kehlen lichterloh. Ausgehungert, wie wir alle waren, hatten sie, ohne lang zu überlegen, angefangen, diese Röllchen zu verschlingen. Mir ging es ja genauso, und ich würgte den Rest nur deshalb hinunter, weil die Alternative geheißen hätte: Vor Hunger sterben.

Nun, meine freundliche Sitznachbarin litt anscheinend nicht so heftig an Hunger. Offensichtlich abgeschreckt durch das unüberhörbare Röcheln ringsum, bot sie mir ihre Portion an. Ich nahm dankend an. Der Hunger war noch immer ärger als das lodernde Feuer in meiner Kehle. Doch siehe da, jetzt auf einmal brannte die Kehle nicht mehr, und ich erkannte, wie köstlich diese Röllchen schmeckten. Ich dankte der edlen Spenderin erneut und diesmal so überschwänglich, dass sie wahrscheinlich bereute, mir diese Köstlichkeiten abgetreten zu haben.

Wir kamen jetzt ins Plaudern (zuvor hatte ich – endlich – geschlafen), und sie verriet mir, dass sie – wie ich selbst – in Innsbruck wohnt. Und dass sie mich schon von irgendwoher kennt. Vielleicht von einer früheren Reise. Oder ich habe ihr vielleicht irgendwann, etwa auf einem Faschingsball, den Hof gemacht, und sie hat mir die kalte Schulter gezeigt. Und dazu lachte sie so fröhlich, dass mir sofort klar war, dass dies nur ein Scherz sein sollte.

---ENDE DER LESEPROBE---