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Melk an der Donau. Zwei Buben vergnügen sich hier in einer Bodensenke, die man merkwürdigerweise Ofenschüssel nennt, mit Schlittenfahren. Unmittelbar an besagte Bodensenke grenzt ein ehemaliges KZ. Und da kommen die zwei mit einem früheren Häftling ins Gespräch. Und der schockiert sie mit seinem Bericht von den schrecklichen Leiden, die er hier durchgemacht hat. Und von den unvorstellbaren Gräueln, die er hier miterlebt hat. Und von dem Glück, dass er diesen Horror überlebt hat. Und auch, warum. Mit einer Abbildung.
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Seitenzahl: 17
Veröffentlichungsjahr: 2026
Karl Plepelits
Homo homini lupus
Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Natürlich, Pater Adson von Melk
Schlittenfahren in der Ofenschüssel
Geschichtsunterricht in der Ofenschüssel
Homo homini lupus – Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf
Impressum
Impressum neobooks
In einem Zustand großer Erregung las ich, fasziniert, die schreckliche Geschichte des Adson von Melk, und so heftig ließ ich mich von ihr packen, dass ich gleichsam aus dem Stand eine Rohübersetzung anfertigte.
Zweifellos kennen Sie diesen Pater Adson von Melk, zumindest seine „schreckliche Geschichte“ aus dem vierzehnten Jahrhundert, die uns der große Umberto Eco in seinem Roman Der Name der Rose erzählt und Jean-Jacques Anneau in seiner bildgewaltigen Verfilmung mit Christian Slater und Sean Connery vorführt. Und vielleicht kennen Sie sogar das beschauliche, um nicht zu sagen, entzückende Städtchen Melk selbst und sein berühmtes Benediktinerkloster, einen Touristenmagneten ersten Ranges, von dem es fast wie von einem Baldachin überragt wird.
Die Geschichte, die im Folgenden ich zu erzählen habe, stammt nicht aus dem vierzehnten, sondern aus dem zwanzigsten Jahrhundert, ist aber sicherlich nicht weniger schrecklich. Jedenfalls hörte ich sie in meiner Jugend selbst aus dem Munde eines der Unglücklichen, die sie am eigenen Leib erlebt hatten, und geriet dadurch, ähnlich wie Umberto Eco, in einen „Zustand großer Erregung“. Und die gleiche Erregung übermannt mich heute noch, in meinem Alter, wenn ich nur daran denke. Um noch einmal Umberto Eco zu zitieren: „Dem Ende meines sündigen Lebens nahe, ergraut wie die Welt … hebe ich nunmehr an, diesem Pergament die denkwürdigen und entsetzlichen Ereignisse anzuvertrauen“, die ich in meiner Jugend erfahren habe.
Jänner 1954. Endlich Schnee!
Ja, endlich hatte uns Frau Holle den schon heiß ersehnten Schnee beschert, hatte eine ausreichende Menge ihres weißen Goldes über unserem Städtchen abgeladen. Unser Städtchen heißt Melk an der Donau, liegt in Niederösterreich und ist weithin bekannt durch sein berühmtes Barockstift.
