Heimatsuche - Christopher Ziolkowski - E-Book

Heimatsuche E-Book

Christopher Ziolkowski

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Beschreibung

Oberschlesien 1980 - Barbara und Peter fliehen voller Zuversicht auf der Suche nach einem neuen und besseren Leben nach Westdeutschland. Doch auch in der neuen Heimat bleiben die Probleme nicht aus. Als ihr gemeinsamer Sohn Jan mit 19 zunehmend in Schwierigkeiten gerät, beschließt er, seine Familie und sein bisheriges Leben hinter sich zu lassen. Begleiten Sie mich auf eine außergewöhnliche Familienreise, die sich über 30 Jahre quer durch ganz Europa erstreckt. Und erleben sie Wendungen, die das Unmögliche doch irgendwie möglich machen.

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Seitenzahl: 133

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Christopher Ziolkowski

Heimatsuche

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Widmung

Kapitel 1: 1980

Kapitel 2: 1990

Kapitel 3: 1992

Kapitel 4: Sommer 1992

Kapitel 5: 1996

Kapitel 6: 1997

Kapitel 7: 2001

Kapitel 8: 2007

Kapitel 9: 2009

Kapitel 10: 2010

Kapitel 11: 2011

Kapitel 12: 2012

Kapitel 13: 2013

Kapitel 14: 2014

Epilog

Kontakt

Impressum

Widmung

Für meine Eltern, die mich bei allen meinen Vorhaben und Hirngespinsten stets unterstützen.

Kapitel 1: 1980

Kattowitz 1980.

Es war ein eisigkalter Winter und der Schneesturm fegte durch die Straßen. Einige Menschen, die auf der Straße lebten zündeten in einem metallenen Ölfass ein Feuer an, um sich zu wärmen.

Ein Zug fuhr im Bahnhof ein. Er hatte das Ziel Paris in Frankreich. Auf dem Bahnsteig waren viele Polizisten, die alles beobachteten.

Die Leute stiegen nach und nach in ein. Er war voll und es stiegen noch einige Männer mit langen schwarzen Mänteln zu. Sie nahmen keinen Sitzplatz ein. Sie standen nur im Gang und beobachteten die Menschen. Alle waren sichtlich nervös. Sie hatten kein Wort gesagt.

„Peter, ich habe Angst! Guck mal, wir werden von der Geheimpolizei beschattet.“

„Beruhige dich Barbara. Alles wird gut. Wirke entspannt und nicht nervös. Dann werden die uns schon nichts tun.“

Barbara und Peter waren ein junges Ehepaar, Anfang zwanzig und aus einfachen Verhältnissen. Peter war Maschinenschlosser und Barbara war Buchbinderin.

Die Türen schlossen sich und der Zug rollte langsam in Richtung Paris. Alle waren still. Drinnen war es eisig kalt, denn sämtlichen Komfort oder gar eine Heizung, gab es nicht. Peter steckte sich eine Zigarette an. Langsam und mit einem wachsamen Auge gingen die Schutzmänner von Abteil zu Abteil. Es war ein wahrer Nervenkrieg für die Passagiere.

Die Geheimpolizisten waren da, weil es ein Zug war der aus einem Ostblockstaat in den kapitalistischen Westen fuhr. Deshalb wurden die Leute ganz genau überprüft.

In Barbaras und Peters Zugabteil, saß ein etwas älterer Mann. Er war ungefähr fünfzig Jahre alt. Er war dünn, hatte bereits graue Haare und einen Glatzenansatz und man sah ihm im Gesicht an, dass er in Oberschlesien einer schweren Arbeit nachging.

„Wo wollt ihr beide denn hin?“, fragte er Barbara und Peter.

„Nach Paris wollen wir. Urlaub machen. Wir haben gerade geheiratet.“, antwortete Peter.

„Glückwunsch! Das müssen wir doch feiern.“

Der ältere Herr zog heimlich aus seinem Mantel einen kleinen Flachmann mit Wodka gefüllt hervor. Er schraubte ihn auf und reichte den Flachmann an Peter.

„Na zdrowie!“, sagte er. Das heißt so viel wie „Zum wohl.“

Peter nickte und nahm einen Schluck. Er reichte ihn weiter an Barbara und auch sie nahm einen Schluck. Sie reichte den Alkohol weiter an den älteren Herren. Er nahm einen kräftigen Schluck und steckte den Flachmann wieder in seine rechte Manteltasche.

„Warum möchten sie denn nach Frankreich?“, fragte Peter den älteren Herrn.

„Mein Bruder lebt in Paris und er ist todkrank. Da habe ich die Ausreisebewilligung bekommen. Ich weiß gar nicht ob er noch leben wird wenn wir ankommen werden.“, antwortete der Herr.

„Oh je. Das ist aber schlimm! Ich wünsche ihnen und ihrem Bruder alles Gute. Ich hoffe, dass er wieder gesund wird.“, sagte Barbara.

Alle drei zündeten sich eine Zigarette an und sie unterhielten sich noch ein wenig über das Leben in Oberschlesien und darüber wie der Urlaub in Frankreich wohl werden wird.

Nach einiger Zeit des Redens wurde es wieder still im Abteil und Barbara war eingeschlafen.

Der Zug fuhr und es geschah nichts Außergewöhnliches, doch plötzlich heulten die Bremsen auf. Es ruckelte sehr stark. Barbara wachte auf.

„Peter. Was ist los?“, fragte sie.

„Ich glaube wir sind jetzt an der polnischen Grenze.“, antwortete Peter.

Der Zug kam zum Stehen. Draußen wurde es auf einmal sehr hell. Es waren Scheinwerfer.

Es gab im ganzen Land kaum Scheinwerfer oder Straßenlaternen und wenn doch, dann waren sie sehr oft ausgeschaltet. Dafür gab es an der Grenze umso mehr.

Der Zug stand und es tat sich erst mal gar nichts.

Barbara hatte große Angst vor den polnischen Grenzsoldaten und der ganzen Situation. Sie schloss die Augen und begann zu beten. Peter sah, dass seine Frau besorgt war. Er verhielt sich ruhig und sagte gar nichts. Er steckte sich eine Zigarette an, stand auf, öffnete das Fenster des Abteils und schaute nach draußen. Er schaute sich die Scheinwerfer an. Diese waren geradewegs auf den Bahnsteig und auf die Umgebung rund um den Bahnhof gerichtet. Er schaute sich noch ein bisschen um und warf den Zigarettenstummel aus dem Fenster.  

Die Polizisten die in zivil in Kattowitz mit eingestiegen waren, stiegen hier an der Grenze aus. Und wieder tat sich nichts. Der Zug stand fast zwei Stunden da und nichts geschah.

Plötzlich stiegen uniformierte Grenzsoldaten ein. Jeder von ihnen hatte ein AK-47 Gewehr bei sich.

Einer der Grenzsoldaten schrie plötzlich.

„Die Reisepässe! Sofort.“

Alle Fahrgäste zückten die Reisepässe und gaben sie den jeweiligen Grenzsoldaten. Anschließend schauten sich die Grenzer noch im Zug um und verließen diesen dann mit den Reisepässen. Wieder tat sich gar nichts und alle mussten warten bis die Pässe überprüft worden waren.

Nach etwa einer Stunde bestieg ein ranghöherer Grenzsoldat den Zug und gab die Reisepässe wieder aus. Jeder wurde abgestempelt.

Der Grenzer war recht freundlich. Er wünschte eine gute Weiterreise und verließ den Zug.

Nach zehn Minuten ging es weiter durch die DDR. Wieder wurde es dunkel und die Anspannung legte sich wieder.

„Die erste Hürde haben wir geschafft.“, freute sich Peter.

„Ja das haben wir wohl.“, erwiderte Barbara.

Der ältere Herr der auch im Abteil saß meldete sich plötzlich zu Wort.

„Das war noch harmlos. Die polnischen Soldaten sind auf unserer Seite. Deshalb haben sie uns auch alle durchgelassen. Man kann fast sagen, dass es unsere Freunde sind. Schlimmer wird es aber an der DDR-Grenze. Dort wird richtig scharf kontrolliert. Ich hoffe wir schaffen es alle durch die Grenze.“

Das junge Ehepaar schwieg.

Der Zug rollte für einige Stunden durch die DDR und dann wurde es plötzlich wieder hell und die Bremsen jaulten wieder los. Das war „Die Grenze.“ „Der eiserne Vorhang.“ Dahinter versprachen sich alle ein besseres Leben.

Wieder geschah dasselbe. DDR-Grenzer stiegen in den Zug, sammelten die Reisepässe ein und verließen den Zug wieder. Anschließend kamen andere Grenzer mit Wachhunden und Eisenstangen in den Zug. Die Hunde schnüffelten alles durch und die Grenzposten klopften mit den Eisenstangen auf den grauen Boden des Zuges. Solang sich die Klopfgeräusche hohl anhörten war alles in Ordnung. Hörte es sich dumpf an dann hat sich ein illegaler Passagier unter den Zug gehangen. Im Zug nach Paris war alles okay. Jedes Klopfgeräusch war hohl und auch die Wachhunde hatten nichts Auffälliges finden können. Die Grenzer wollten jedoch noch etwas Spannung aufbauen und kontrollierten nochmal alles ganz genau.

Barbara fühlte sich wieder etwas unwohl und griff nach Peters Hand.

„Alles wird gut. Bleib ruhig.“

Ein Grenzsoldat sah, dass Barbara Angst hatte. Er ging mit einem Wachhund in das Abteil und stellte sich demonstrativ vor den älteren Herren und das Ehepaar. Er wollte Druck aufbauen und schikanieren. Er grinste und ging weiter. Barbara atmete tief aus.

Der Zug stand noch etwa eine halbe Stunde. Dann kam ein Grenzsoldat und gab die abgestempelten Reisepässe wieder an die jeweiligen Besitzer aus.

Er gab dem Lokführer auch ein kurzes Zeichen, sodass er weiterfahren konnte. Anschließend wurden alle Türen verschlossen und der Zug nahm langsam wieder Fahrt auf.

Nach fünf Minuten rief jemand:

„Wir haben es geschafft. Wir sind im Westen!“

Alle atmeten auf. Gelächter ging los und die ganze Anspannung löste sich plötzlich. Einige Leute stimmten oberschlesische Volkslieder an die sich wie ein Lauffeuer verbreiten. Alle sangen fröhlich und ausgelassen.

„Ciao Polska.“, murmelte Barbara leise vor sich hin. Das Ehepaar schaute sich an. Sie fingen an zu grinsen und küssten sich.

„Der erste Kuss auf deutschem Boden.“, sagte Peter zu Barbara. Sie lachte nur. Alle konnten nur lachen. An die schlechte und angespannte Stimmung dachte niemand mehr.

„Na ihr beiden. Wollt ihr immer noch nach Frankreich?“, fragte der ältere Herr das junge Ehepaar mit einem ungläubigen Grinsen im Gesicht.

„Nein, das war nur ein Vorwand um auszureisen. Wir bleiben hier in Deutschland. Erst einmal fahren wir ins Übergangslager Friedland.“

„Und sie? Haben sie einen kranken Bruder in Frankreich oder bleiben sie auch hier in Deutschland?“, fragte Barbara vorsichtig.

„Ich bleibe hier. Mein kranker Bruder lebt hier in Deutschland. In Essen um genau zu sein. Aber da man Deutschland nicht erwähnen durfte habe ich eben Frankreich gesagt. Ich bin froh, dass die das in Polen nicht weiter überprüft haben“, antwortete der ältere Herr.

„Alles Gute für sie und ihren Bruder. Ich hoffe, dass er wieder gesund wird.“, wünschte  Barbara dem älteren Herrn.

„Danke!“, bedankte sich der Herr.

Die Fahrt ging weiter. Es war jedoch nun eine schöne und lustige Zugfahrt. Die Stimmung war wirklich ausgelassen. Mittlerweile hatten sich alle ein wenig unterhalten und es kam zu Tage, dass keiner nach Frankreich wollte. Alle blieben in Westdeutschland.

Der Zug rollte in Friedland ein.

„Oh mein Gott. Diese Baracken und diese Schornsteine! Was wird wohl hier mit uns geschehen.“, dachte sich Peter.

„Und, ist es so wie du es dir vorgestellt hast Peter?“, fragte der ältere Herr.

„Wissen sie, ich unternahm als Junge mit der Schule eine Exkursion nach Auschwitz. Da sah es genauso aus. Ich weiß nicht was ich gerade denken soll.“, antwortete Peter.

„Keine Angst, so schlimm wird es nicht werden. Und falls doch, dann bist du zumindest in Deutschland ums Leben gekommen.“, scherzte der ältere Herr.

Peter sagte nichts dazu. Er schaute etwas ängstlich und besorgt aus dem Fenster.

Der Zug kam zum Stehen. Draußen war es mittlerweile hell geworden. Doch es war verregnet und die Wolken waren dunkelgrau und hingen sehr tief.

Alle stiegen nach und nach aus. Barbara sah das Lager nun vom Zug aus. Sie war besorgt als sie das gesehen hatte. Die verhangenen Wolken, die Baracken. Alles sah aus wie ein altes Konzentrationslager. Der Zug war leer und sogar der Lokführer wollte nicht zurück. Er blieb auch in Deutschland.

Ein Mitarbeiter vom roten Kreuz begann durch ein Megafon zu sprechen:

„Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich weiß, dass sie eine 24-stündige Zugreise hinter sich hatten. Dennoch möchte ich sie ganz herzlich in der Bundesrepublik Deutschland willkommen heißen. Meine Kollegen geben ihnen gleich eine frische Tasse Kaffee sowie frische Brötchen. Ich wünsche ihnen allen alles Gute.“

Einige Leute klatschten.  

Nun wurden Kaffee und Brötchen verteilt. Die ersten gingen bereits in ein Büro wo einige Aufenthaltsanträge und verschiedene Papiere ausgefüllt werden mussten.

„Naja, wohl fühle ich mich bei der ganzen Sache nicht. Was meinst du Peter. Sollen wir nicht zurückfahren?“, fragte Barbara.

„Nein. Wir warten erst mal ab. So schlimm wird es nicht werden.“, antwortete Peter mit einer beruhigenden Stimme.

Kapitel 2: 1990

Mittlerweile lebte das junge Ehepaar zehn Jahre in Deutschland. Die Tochter kam auch nach Deutschland und auch Barbaras Eltern. Peters Eltern haben das Spiel gegen die Zeit verloren. Sie starben in Oberschlesien. Peter konnte noch nicht mal zur Beerdigung fahren. Es war zu gefährlich, denn Peter würde in Polen nun als Flüchtling gelten. Er könnte dort verhaftet werden und er müsste für viele Jahre ins Gefängnis gehen.

Doch nun schrieben wir das Jahr 1990. Der eiserne Vorhang war weg und man hatte keinen Grund mehr Angst zu haben. Also fuhren Barbara und Peter nach zehn Jahren endlich mit dem Auto in ihre Heimat.

„Peter, ich freue mich so sehr, dass wir endlich mal nach Kattowitz fahren. Ich vermisse unsere Heimat so sehr.“

„Ja, ich freue mich auch sehr.“, sagte Peter und gab etwas Gas, da die Autobahn relativ leer war.

„So, hier sind wir fast in Eisenach. Komm wir machen hier mal eben eine kurze Verschnaufpause. Ist dir das Recht?“, fragte Peter.

„Ja, das ist ok!“, erwiderte Barbara.

Also fuhr Peter die Ausfahrt ab auf den belebten Rasthof. Viele Leute legten dort gerade eine Pause ein. Dennoch fand er einen Parkplatz, parkte dort und stellte denn Motor aus.

„Pack doch bitte schon mal die Brote und den Kaffee aus. Ich muss mal dringend pinkeln.“, sagte Peter sehr nervös und rannte bereits in Richtung Toilette.

„Ja mach geh du nur!“, rief sie ihm nach.

Barbara öffnete den Kofferraum und packte die Brote und den Kaffee aus. Sie biss in eine Krakauer und in ihr Brötchen. Da kam auch Peter schon wieder zurück. Er setzte sich zu Barbara und sie aßen beide ein wenig.

Plötzlich kamen zwei junge Burschen zu Peter und Barbara.

„Fahrt ihr Polska?“, fragte einer von ihnen mit deutlichem Akzent.

„Warum?“, gab es als Gegenantwort von Peter der nun aufstand.

„Mein Freund und ich… wir wollen Danzig fahren!“

„Nein. Wir fahren nach Kattowitz.“, sagte Peter.

„Hast du Geld?“, fragte der andere Bursche

„Nein, kein Danzig und kein Geld. Es ist besser wenn ihr jetzt schnell verschwindet. Es soll doch hier kein Unglück passieren.“, drohte Peter sachte an.

„Wir nichts Probleme! Wir weg.“

Plötzlich waren die beiden wieder genauso schnell weg wie sie auch gekommen waren.

„Geht es dir gut?“, fragte Peter Barbara besorgt.

„Ja, alles gut hier. Wollen wir weiterfahren?“

„Ja komm, wir fahren.“

Peter nahm sein letztes Stück Krakauer und sein letztes Stück Brot und den Mund, spülte mit ein wenig Kaffee nach und die Fahrt ging weiter.

Barbara schlief ein wenig auf dem Beifahrersitz

Peter schaute sich auf der Autobahn um. Es fuhren nur ganz wenig Autos in Richtung Polen, dafür fuhren aber umso mehr Autos in der Gegenrichtung. Die Autobahnen der ehemaligen DDR waren in einem katastrophalen Zustand. Schlaglöcher waren überall, sodass Peter nicht schneller als neunzig Kilometer in der Stunde fuhr. Teilweise wurde die Geschwindigkeit sogar auf zwanzig Kilometer in der Stunde reduziert.

„Schatz, wach auf. Wir sind an der Grenze.“, verkündete Peter.

„Gut ich ziehe eben unsere Reisepässe aus dem Handschuhfach“ antwortete Barbara halb gähnend und mit der Hand durch die Augen reibend.

„Guck dir mal an wie viele Autos hier an der Grenze sind. Wo kommen die denn plötzlich alle her?“, wunderte sich Peter.

„Na toll! Das wird wohl eine lange Wartezeit. Fast wie damals im Zug. Erinnerst du dich noch, Peterlein?“

Peter nickte und grinste. Barbara mochte es wenn Peter so grinste. Das fand sie einfach süß.

„Ich stelle eben den Motor aus. Das wird wirklich länger dauern.“

Beide steckten sich eine Zigarette an und schauten auf die Autos.

Nach einer Wartezeit von einer Stunde kam Peters Auto unter die Lupe.

„Die Reisepässe!“, schrie der deutsche Grenzposten.

Er glich die Fotos in den Reisepässen an und schaute fast zeitgleich auf Barbara und Peter.

„Alles klar! Fahren sie weiter.“, schrie er schon wieder.

Peter gab ein klein wenig Gas, musste aber wieder abbremsen da nun die polnische Grenzposten kontrollierten

„Guten Tag. Darf ich bitte ihren Reisepass sehen?“, fragte der Grenzer höflich.

Peter reichte ihm beide Pässe durch das offene Autofenster.

„Wie lange bleiben sie in der Republik Polen?“, fragte er. Er war ganz jung und wahrscheinlich aufgeregter als Peter und Barbara.

„Zehn Tage!“, antwortete Peter.

Der junge Grenzpolizist drehte eine Runde ums Auto und schaute ob alles in Ordnung war. Er schaute auch unter das Auto. Er hatte aber nichts Bedeutungsvolles  entdecken können.

„Alles klar. Einen schönen Aufenthalt in Polen und gute Fahrt.“, wünschte der Grenzer den beiden und übergab die Reisepässe an Peter.

Peter nahm die Reisepässe an sich und nickte. Er gab etwas Gas und nun waren sie Polen.

„Wir haben es geschafft, Peter. Zehn Jahre waren wir nicht mehr hier gewesen.“, freute sich Barbara.

„Ja, wir haben es geschafft. Ich bin gespannt wie es hier sein wird.“, antwortete Peter.

Die Fahrt ging nun auf einigen Schnellstraßen weiter bis Barbara und Peter in Kattowitz ankamen.

„Die nächste musst du nach rechts abbiegen.“, erinnerte Barbara.

„Ja tatsächlich. Das ist ja schon hier. Das ging jetzt aber schnell.“

„Genau und jetzt musst du weiter geradeaus und nach ungefähr zwei Kilometern musst du nochmal nach rechts abbiegen.“, erklärte Barbara.

„Ja ist gut, jetzt kenne ich den Weg schon.“, antwortete Peter.

Nun waren die beiden bei der Pension angekommen. Es war kein nobles Hotel aber auch keine Bruchbude. Zum Übernachten reichte es völlig aus.