Heines letzte Tour - Holger Rudolph - E-Book

Heines letzte Tour E-Book

Holger Rudolph

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Beschreibung

Mitten auf der Rheinsberger Schlossstraße explodiert ein Auto. Krankenpfleger Amadeus Heine ist sofort tot. Für Kriminalhauptkommissarin Anna Klettner und ihren Assistenten Achim Steiner gibt es viel zu tun. Musste Heine sterben, weil er den Tempelschatz des slawischen Heiligtums Rethra gefunden hat? Oder ging auf seiner Arbeitsstelle nicht alles mit rechten Dingen zu. Schließlich scheint der Fall gelöst. Doch ist das schon das Ende?

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Seitenzahl: 47

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Holger Rudolph

Heines letzte Tour

Ein Rheinsberg-Krimi

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

1. (K)ein schöner Tag

2. Die Arbeit ruft

3. Ein Spleen

4. Eine Erbschaft

5. Der Freundliche

6. Schatzsucher

7. Überraschender Besuch

8. Die ganze Wahrheit

9. Nebenverdienst

10. Bezichtigt

11. Ein Freund

12. Dichtung und Wahrheit

13. Die Unschuldige

14. Selbstgespräch

Impressum neobooks

1. (K)ein schöner Tag

Amadeus Heine lächelt. Er klappt die Sonnenblende herunter. Für Anfang September ist es noch recht warm. Pärchen haben es sich unter den Sonnenschirmen der Rheinsberger Straßencafés bequem gemacht. Heine ist Krankenpfleger. Als der 93-jährige August Bachmann ihn vorhin erkannte, sogar ein Gespräch über diesen ungewöhnlich milden Spätsommertag mit ihm begann, war Heine warm ums Herz geworden. Es kommt nur noch selten vor, dass der schwer an Alzheimer erkrankte Rentner seine Umgebung versteht und sich ihr mitteilt. Bachmanns ein paar Jahre jüngere Ehefrau Agnes strahlte förmlich, dass ihr geliebter Mann endlich wieder einmal bei vollem Verstand zu sein schien. Obwohl Heine wusste, dass es sich nur um einen jener Lichtblicke handelte, die typisch für die Krankheit sind, freute sich der Pfleger vorhin sehr und hielt dem alten Mann die Hand.

Dass der 34-jährige Krankenpfleger heute sehr guter Laune ist, hat noch einen weiteren Grund, der viel wichtiger ist, als der Sonnenschein und das Lächeln des Greises. Seine Lebensgefährtin Jenny hatte ihm gestern kurz nach dem Abendbrot mitgeteilt, dass es etwas zu feiern gebe. Er wollte schon mal den Sekt aus dem Kühlschrank holen. Doch sie lehnte ab: „Keinen Sekt, wir bekommen ein Kind. Das soll doch gesund zur Welt kommen.“

Er umarmte Jenny. Beide schluchzten vor Freude. Dann hob der gut einen Meter neunzig große Amadeus seine viel kleinere Freundin unvermittelt auf die Platte des Küchentisches. Sie jauchzte. Er sang: „Hoch soll sie leben, hoch soll sie leben, dreimal hoch.“

Schon bald würde er die schöne zierliche Jenny mit den langen naturblonden Haaren bitten, seine Frau zu werden. Aus Jenny Dorfmann würde dann Jenny Dorfmann-Heine. Oder sollte er ganz auf seinen Familiennamen verzichten? Amadeus Dorfmann? Nein, doch besser nicht.

Spötter hatten bei ihm in der Kindheit keine Chance gehabt. Schon damals war er größer und stärker als die meisten Gleichaltrigen. Wenn sich doch mal jemand über den Vornamen lustig machte, den er seinem musikliebenden Großvater zu verdanken hatte, dann ballte Amadeus die Faust. Zuzuschlagen brauchte er so gut wie nie. Und Heine, den Namen gab es öfter mal. Nur im Doppelpack mit Amadeus bot er Anlass zum Spott. Über den speziellen Titel „Kultur-Fuzzi“ konnte Amadeus Heine damals nur müde lächeln. Den Namen des großen Dichters würde er auch nach der Hochzeit behalten wollen.

Hochzeit, nur nicht mit der Tür ins Haus fallen. Heute Abend würde er Jenny erst einmal einen riesigen Strauß Herbstblumen als Zeichen seiner übergroßen Liebe schenken. Ein Stück weiter hinten ist ein Blumenladen. Er kennt die beiden Verkäuferinnen. Sie werden sich bestimmt große Mühe beim Zusammenstellen geben.

Amadeus Heine lenkt den kleinen Dienstwagen langsam durch die Innenstadt. Die Menschen lächeln ihn an. Er lächelt gern zurück. Schon heute Abend wird er Jenny sagen, dass er einen Großteil seiner Ersparnisse äußerst gewinnbringend angelegt hat. Er fährt nach rechts, um den Wagen in einer Parklücke abzustellen, ganz in der Nähe des Blumengeschäftes.

Irrsinnig lautes Krachen. Dämonisches Dröhnen. Zerstörerische Hitze. Gleißende Helligkeit. Unendlicher Schmerz. Amadeus Heine will schreien, doch ihm bleibt keine Zeit mehr für eine Gefühlsäußerung. Sein letzter Gedanke gilt Jenny. Vorbei. Binnen weniger Sekunden hat sich alles geändert.

Der Kleinwagen wurde in Hunderttausende von Teilchen zerrissen. Verletzte Menschen schreien. Helfer eilen herbei.

2. Die Arbeit ruft

Kriminalhauptkommissarin Anna Klettner schaut schon wieder auf die Uhr. Auf keinen Fall darf sie heute Abend zu spät kommen. Dominic Herbst hat sie nach Berlin eingeladen. In einer Viertelstunde würde das Taxi hier sein, das ihr neuer Freund extra für sie bestellt hat. Seine Zeilen im Chat klangen vielversprechend. Einer mit Bildung. Kein Draufgänger. Und vor allem sieht er ungeheuer gut aus. Südländischer Typ, schwarze Haare, dunkelbraune Augen, muskulöser Körper.

Die hübsche rotblonde Enddreißigerin gerät ins Träumen angesichts dieser wunderbaren Aussichten. In Berlin würden sie sich „Das Phantom der Oper“ ansehen. Danach dürfe sie sich auf kulinarische Leckerbissen freuen, hatte er ihr geschrieben. Wie er das wohl gemeint hat?

Ihr Handy klingelt. Der junge Kriminalkommissar Achim Steiner hat schon eine Ahnung davon, was ihn gleich erwarten würde. Auch wenn er erst vor ein paar Wochen sein Studium abgeschlossen hat und seitdem mit der Klettner zusammenarbeitet, hat er sich doch schon ein recht genaues Bild von der Chefin gemacht. Sie kann unheimlich nett sein, aber auch fürchterlich aus der Haut fahren, wenn ihr etwas nicht passt. Was er ihr gleich sagen wird, dürfte ihr ganz und gar nicht in den Kram passen. Doch er kann nichts dafür und spricht sehr leise und ruhig: „Guten Abend Chefin, tut mir leid, aber wir müssen zu einem Tatort nach Rheinsberg fahren. Ohne die Mordkommission kommen sie dort nicht aus. Ein Auto ist in die Luft geflogen. Der Fahrer lebt nicht mehr. Alles sieht nach einem Anschlag aus.“

Anna ringt nach Luft, fasst sich aber sehr schnell wieder. Sie ist viel zu lange im Geschäft, als dass sie die Situation nicht meistern würde. Sie wird gebraucht. Ganz klar, dass das Privatleben in einer so äußergewöhnlichen Lage zurückstehen muss. Ganz egal, wie schön es auch in Berlin geworden wäre.