Heiter bis peinlich - Sabine Nölke - E-Book

Heiter bis peinlich E-Book

Sabine Nölke

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Beschreibung

Sind blonde Landfrauen glücklicher als grauhaarige? Warum geht meine Hose nicht mehr zu? Sind meine Verjüngungsversuche zwecklos? Wieso sind immer nur meine Hunde peinlich? Wird mir der Balanceakt auf den High Heels gelingen? Warum werden meine idyllischen Landlust-Fantasien ständig vom Alltag zerdeppert? Antworten auf solche zentralen Lebensfragen erhalten Sie in diesem Buch mit Geschichten zum Schadenfreuen und Fremdschämen.

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Seitenzahl: 98

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhalt

Landleben eben

Bewegte Zeiten

Gute Mädchen kommen in den Himmel – evangelische müssen sich eben anstrengen

Gerührt, geschüttelt und gefährlich – der Cocktail und seine Party

Die Cocktailparty und jede Menge Schotter

Smartes Phone und schwache Blase

Liebe Deinen Nächsten, auch wenn er fünf Gänge hat

Blond durch die Wechseljahre

Fast-en-Urlaub

Moderne Jungbrunnen

Slim-Fit-Training

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Der vegetarische Mäusekiller

Ein eingefleischter Vegetarier unter Jägern

Die Rache des Rehbocks

Alles eine Frage der Energie

Querulantenhund – Was die Rassebeschreibung uns verschweigt

Arg gebeutelt

Schnitzel-Jagd nach Wolfhound-Art

Von Kärchern, Schnarchern und Ausbrechern

Von Tofubraten und Entenkissen

Landleben eben

Es muss doch herrlich sein, auf dem Land zu leben, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Das klingt idyllisch. Statt Straßenlärm hört man krähende Hähne, muhende Kühe und ratternde Landmaschinen. Statt Anonymität herrscht Anteilnahme. Wir mögen es, darum haben wir schon zum zweiten Mal unser Haus ganz weit draußen gebaut. Doch das Landleben hat nicht nur Vorteile. Wachsame Nachbarn wissen genau, wer dich wann besucht – einen Liebhaber kannst du vergessen. Und alle sind irgendwie bekannt und verwandt und du durchschaust es nicht. Jede Bemerkung wird sofort durch eine Art Stille-Post-System weitergetragen. Nicht immer kommt sie jedoch, genau wie bei dem beliebten Kinderspiel, auch so wieder an, wie sie losgeschickt worden ist. Als wir noch in der Stadt lebten, kannten wir kaum die Menschen, die im Nachbarhaus wohnten. Man war sich gleichgültig. Die Parkplatzsuche gestaltete sich zum abendfüllenden Programm, wenn man es dann endlich durch den dichten Verkehr nach Hause geschafft hatte. Laut, hell, schrill und schräg auch die vielen Menschen. Grußlos und mit ausgefahrenen Ellenbogen rennen sie aneinander vorbei und verwirklichen sich.

Landleben bedeutet Entschleunigung. Das ist zuerst gewöhnungsbedürftig. Und nicht immer ist alles sofort verfügbar. Auf der Suche nach Spezialitäten fährt man schon mal ein paar Kilometer. Wenn man am Abend plötzlich Hunger auf Lakritz bekommt, dann bleibt man mit ihm auf dem Sofa sitzen. Es gibt keinen Kiosk und die Tanke ist zu weit entfernt. Dafür kann man auch mitten in der Nacht, wenn auf der Feier das Bierfass leer ist, bei jemandem klingeln, der Vorräte in der Garage hat und diese gern abgibt. Früher habe ich nicht verstanden, warum meine Großeltern aufs Land zogen. Da war doch nichts los und als ich sie zum ersten Mal besuchte, hingen alle in den Fenstern und guckten, was da für eine Fremde angereist war. Ich gebe zu, ich habe meine Meinung geändert. Mehr noch, auch ich bin mittlerweile einer der Fenstergucker, der genau prüft, was dieser Fremde im Sinn hat, der da am Haus vorbeigeht. Das Landleben scheint uralte Gene zu wecken. Der Neandertaler schnappte sich die Keule, wenn ein Unbekannter in die Höhle trat. So weit gehe ich natürlich nicht, aber die Hunde lasse ich schon mal raus, als kleinen Vorgeschmack, was den Eindringling im Fall des Falles erwarten würde. In der Stadt herrscht Reizüberflutung, da kann man einfach nicht jeden wahrnehmen. Als wir in unser Haus auf dem Land zogen, wurden wir im Rahmen einer Feier als Neubürger allen vorgestellt, auf einer Bühne. Unglaublich! Nun waren wir nicht mehr fremd, auch wenn wir längst nicht alle anderen kannten.

Wir leben gern hier „ganz weit draußen“. Auch wenn wir nicht mal eben in ein Sternerestaurant gehen, ein Kunstmuseum oder ein klassisches Konzert besuchen können … nun, das haben wir auch nicht so oft gemacht, als wir noch in der Stadt wohnten. Hier gibt es Kultur genug und wenn wir mal Lust auf ein Kontrastprogramm haben, setzen wir uns ins Auto und fahren in die nächste Stadt. Wieder daheim, von Gourmethäppchen, moderner Kunst, Ballettaufführungen oder Opernarien vollkommen satt, lassen wir uns in die Sessel fallen und sind froh, dass wir auf dem Land leben.

Bewegte Zeiten

Ich bin ein Geher. Das ist zwar weder aufregend noch innovativ, aber es ist so. Ich liebe es, durch Feld, Wald und Flur zu schreiten und dabei die Natur zu betrachten. Zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter bin ich unterwegs und es ist mir egal, ob der Himmel grau oder der Wind kalt ist. Ich liebe es, ganz allein draußen zu sein, nur mit meinen beiden Hunden. Die Schönwetterspaziergänger sind dann daheim, kreuzen sie nicht unseren Weg. Sobald die Sonne vom blauen Himmel lacht, bricht die Urgewalt der Bewegten in die Natur ein. Jogger, Nordic Walker und Reiter sind bereits ein gewohnter Anblick. Mit modernster Technik und Bekleidung ausgestattet, mit Stöcken, Gewichten und Wasservorräten (als wollten sie die Wüste Gobi durchqueren) laufen, traben und rollen sie querwaldein. Die Stöcke der Nordic Walker klackern auf den Asphalt, Jogger atmen schwer und Pferdehufe klappern dazu. Das ist nicht schlimm. Doch ich höre lieber bei Regen die Vöglein zwitschern und so manchen Specht die Baumrinde bearbeiten, bei schönem Wetter ist das eben schwierig.

Dachte ich bisher, dass es kaum etwas actionreicheres als die rasenden Mountainbiker geben könne, die querwaldein über abenteuerliche Pisten jagen und denen ich manchmal nur mit einem gewagten Sprung zur Seite entkommen konnte, so war ich wohl nicht auf dem neuesten Stand. Es gibt immer wieder neue Wesenheiten, die die Natur bevölkern. Während die zuvor Genannten sich aktiv selbst bewegen, gibt es auch noch die, die sich bewegen lassen. Ja, die Quads sind nun auch endlich auf den Feld- und Waldwegen unterwegs, die sind nicht nur schnell, nein sie stinken und knattern auch noch zusätzlich. In der Illustrierten für unsere Region im „Bergischen Land“ erfuhr ich, dass das Abenteuer vor der Haustür warte und erhielt „Actiontipps für die Ferien“. Mir schien schon immer genug Aktion im Wald zu sein, aber ich bin ja auch scheinbar viel zu anspruchslos und augenscheinlich eine Art Relikt. Nun rasen auch noch Menschen auf E-Bikes und Segways auf den Wanderwegen entlang. Zum Glück scheinen die bis zu uns noch nicht vorgedrungen zu sein. Bestimmt reicht der Strom nicht so lang? Nun, ich bin gespannt, was die Technik uns noch für Fortbewegungsmittel bescheren wird. Der Luftraum über den Spaziergängern wäre noch frei, vielleicht bewegt sich ja dort bald etwas. Ich bleibe mit den Beinen auf der Erde, angetrieben nur von einer Menschenstärke und bewegt von der Natur. Wäre das nicht ein passender Spruch für die Region: „Moved by Nature.“ Englisch muss schon sein, mindestens! Aber das ist wieder ein neues Thema …

Gute Mädchen kommen in den Himmel – evangelische müssen sich eben anstrengen

Eigentum verpflichtet. Klar, aber auch wenn es mir nicht richtig gehört? Meine Schulter schmerzt und meine Finger krampfen, während ich dies schreibe. Danke, ich brauche kein Mitleid, aber doch ein bisschen Schulterklopfen. Aber nicht zu fest, wegen der Schmerzen. Doch ich beginne besser am Anfang. Am Anfang war das Grundstück im Bergischen Land. Hier wollten wir leben, ein Haus bauen … Am Anfang war das Wort: Ja. Das Haus war schnell gebaut – eins, zwei, drei … Fertig-Haus.

Vor unserem Haus steht ein Kniefall, ein Denkmal aus Sandstein. Im Bergischen Land gibt es zahlreiche Kreuzwege, an deren zentralen Punkten diese Denkmäler stehen, die Stationen aus dem Leben Jesu Christi zeigen. Man ist hier katholisch. Gute Katholiken pilgern an hohen Feiertagen – wie Fronleichnam - entlang der Stationswege und beten. Der Kniefall vor unserem Haus ist das Denkmal 37. Ich weiß das so genau, weil wir die üppige Linde, die neben dem Kreuz steht, einem Pflegeschnitt unterziehen wollten. Es war nicht so leicht, eine Genehmigung beim Landesverband Rheinland dafür zu bewirken. Nun, das Grundstück, auf dem Linde und Kreuz stehen, gehört uns. Doch – wie heißt es immer im Werbeblatt „ohne die abgebildeten Zutaten“, will sagen, Baum und Denkmal sind Gemeindeeigentum. Es dauerte nur gefühlte 5 Sekunden nach dem Baumschnitt, der Baumpfleger war gerade herabgeklettert, bis es alle Einwohner in unserem Dorf wussten. „Wie schön, endlich mal wieder Ordnung.“ Die ist hier ungeheuer wichtig. Unordnung gibt es hier nämlich nicht und wenn, dann wird sie beseitigt. Unsere (weit über 80 Jahre alte) Nachbarin, mit zwei künstlichen Hüftgelenken, rupft immer noch auf allen Vieren die zarten Pflänzchen aus, die sich zwischen ihr Kopfsteinpflaster wagen. Hinfort mit allem, was wild ist oder es noch werden könnte. Die Linde sieht für meinen Geschmack tatsächlich etwas zu ordentlich aus. Aber wir wollten verhindern, dass sie irgendwann krank wird und umfällt. Das war das einzige Anliegen. „Wäre das nicht schön, wenn wir bei der Prozession wieder unter eurer Linde den Gottesdienst abhalten könnten?“, fragte einen Tag danach ein katholischer Eingeborener mit glänzenden Augen. Was antwortet man da, wenn man ein Herz hat, auch wenn es evangelisch ist … „Ja, das wäre es.“ Vor mehr als dreißig Jahren war dieses Ereignis zum letzten Mal dort zelebriert worden, da war von unserem Haus noch keine Rede. Vielleicht hätten die lieben Mitbürger das Anliegen bis zur nächsten Prozession wieder vergessen, dachte ich und zog von dannen, um mich wichtigeren Dingen zu widmen.

Zwei weitere Tage danach, sprach mich derselbe Mensch wieder an. „Wir wollen vor der Prozession das alles ein bisschen saubermachen.“ Er deutete auf den Kniefall, den er mit einem Kärcher hochdruckreinigen wolle. Das wunderte mich nicht. Der Kärcher und die Kreissäge sind des Bergischen Mannes beste Freunde. Spätestens um acht Uhr am Samstagmorgen wird geknattert, was die Maschinen hergeben. Die Dame vom Denkmalschutz hatte mir in Aussicht gestellt, dass mit ein bisschen Glück und einem Antrag vielleicht die Kosten für die Restaurierung des Kniefalles übernommen würden. Der Landschaftsverband Rheinland stelle hierfür in diesem Jahr Mittel zur Verfügung. Da würde es wohl keinen besonders guten Eindruck machen, wenn ich im Antrag erwähnte, dass „wir schon mal gekärchert“ hätten. Restaurieren geht anders. Doch wie erklärte man das nun einem Ein-Mann-ein-Kärcher-Typen? Am besten so: „Tolle Idee, aber danke, wir werden das machen, ist doch viel zu umständlich für euch.“ So kam es, dass ich eines samstags drei Stunden lang mit Putzeimer, grüner Seife, Leiter und Wurzelbürste das Denkmal schon mal vor-restauriert habe. Ein wenig Algenentferner kam auch zum Einsatz, aber alles in Handarbeit. Das Gewand Jesu blitzte wieder wie neu. Auf der Vorderseite ist Jesus am Kreuz und auf der Rückseite bei der Grablegung dargestellt. An einigen Stellen waren noch alte Farbreste und an anderen Abplatzungen. Sandstein ist eben ein besonderes Material. Er ist leicht zu behauen, aber saugt die Flüssigkeit wie ein Schwamm auf und verwittert dann, mit Moos und Flechten bewachsen. Tja, Flüssigkeit gibt es im Bergischen Land oft mehr, als wir brauchen. Mir gefällt der etwas morbide Charme alter bewachsener Bauten. Die Moose und Flechten verleihen ihnen etwas Geheimnisvolles, erzählen von vergangenen Zeiten, von Erlebtem. Aber, wir sind ja hier im Bergischen Land und so muss eben alles ordentlich sein. „Unser“ Gärtner kam auch noch zum Einsatz. Er rupfte rings um die Linde und das Denkmal alles heraus, was wild war oder es werden könnte. Auf einen Teil der Fläche kam dann Rindenmulch und ich spendierte noch einen Buchsbaum im exakten Kugelformschnitt in einem sauberen Topf, der neben dem Kniefall zu stehen kam und einen guten Eindruck machte. Und ich sah, dass alles gut war und war zufrieden. „Du bist doch am Mittwochabend dabei?“ Die Frau des Kärchermannes erklärte mir die gesamte Prozessionsroute und vergewisserte sich meiner Unterstützung bei der Vorbereitung und Überwachung des Gottesdienstes unter unserer Linde. Ein Tisch mit weißer Decke, Kerzen, Blumen und was weiß ich … Spätestens hier bekannte ich mich zur falschen Konfession, versprach aber trotzdem bei den Vorbereitungen zu helfen.

„Und? Komme ich jetzt in den Himmel?“, fragte ich eine Nachbarin, indem ich auf meine Frondienste verwies. Ihre Antwort kam schnell und war knapp: „Da musst du schon mehr tun.“ Meine Schulter schmerzt und meine Finger krampfen … wie gut, dass ich evangelisch bin.

Gerührt, geschüttelt und gefährlich – der Cocktail und seine Party