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Heitere Lichter funkeln fast überall. Man muss nur hinsehen
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Seitenzahl: 27
Veröffentlichungsjahr: 2018
Haiku, europäisch
Haiku, tropisch
Haiku, heimatlich
Senryu
Essay
Südwind weht bunte
Segel leicht daher, verschenkt
stille Heiterkeit
in memoriam Heinrich Spaemann
Für Dich
Haiku stammen aus Japan. Sie zeugen von der naturverbundenen Lebenseinstellung vieler Japaner. In nur drei Zeilen mit je 5-7-5 Silben Umfang widmen sich die kleinen Gedichte einem einzigen Naturphänomen, das zur Betrachtung einlädt. Dabei ist das Mitwirken des Lesers gefragt, der sein eigenes Erleben einbringt. Sich in ein Haiku zu vertiefen bedeutet also nicht Konsum, sondern aktive Teilnahme.
Der Verfasser vermittelt seine persönliche Note im Umgang mit der Natur als Abendländer. So wird man Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede im Vergleich zur asiatischen Vorgehensweise finden.
Wenn es dem Autor gelingt, im Senryu seine eigene Meinung ansprechend vorzustellen und damit den Leser zum Nachdenken zu bringen, ist sein Ziel erreicht. Selbstverständlich wird hierbei bereitwillig akzeptiert, dass auch konträre Schlüsse aus den Mitteilungen jener Kurzgedichte gezogen werden können.
Statt eines Nachworts sei ergänzend die Lebensphilosophie der Javaner an konkreten Beispielen in einem Essay beschrieben.
Meine Haiku mögen in einer Welt voller Unheil ein wenig Schönheit und Liebe vermitteln und damit Kraft spenden, die Schwierigkeiten des Alltags zu meistern. Sie mögen ferner auch einen kleinen Beitrag dazu leisten, die Natur als wertvollen Schatz zu betrachten und ihre Sprache zu verstehen.
Otto Abt,
Siegen, im März 2018
Die Osternacht birst
flutet die Welt mit Helle:
Der Tod ist besiegt
Die Sonne lächelt
Huflattiche leuchten schon
mit frohen Weisen
Früh morgens im Dorf:
Der Tag sinkt im Frühdunst auf
die roten Dächer
Licht strömt in Klängen
zu Tal, taucht die Berge in
Vogelgezwitscher
Der Frühling schäumt mit
tausend Vogelstimmen. Er
sprudelt durch den Wald
»Zilp, zilp!« Der Zilp-Zalp
zirpt seine Rufe im Meer
schillernder Triller
Die Amsel hat mir
ihr Lied ans Herz gelegt, dort
blüht es weiter fort
Harfengefunkel
purzelt vergnügt vom Himmel
streichelt die Blüten
Wanderweg im Wald
Buschwerk quillt auf die Fahrspur
die Sonne streut Gold
Junger Birkenzweig
krault das blaue Firmament
bringt es zum Schmunzeln
Schmetterlingsschwingen
gaukeln herab, erfüllen
den Tag mit Wonne
Der Pfingstgeist lässt die
Grenzen schwinden, Gottes Ruf
beschwingt die Herzen
Die Nähe spüren
von Freunden, Toten, Natur
Eins sein in Allem
Zweig im Luftzug wie
Umbul-Umbul,1 Arjunas
Geist weht überall
Äste tanzen im
Wind, wiegen sich gelassen
winken so schelmisch
Das Herz der Menschen
glänzt vor Glück, wie die Perle:
schmuck im Mittagsschein
Gedankenklicker
kullern kunterbunt durch das
Gemüt: Lust am Spiel
Der Horizont zeigt:
an den Felsspitzen seine
scharfe Grazie
Bei der Ebene
seine majestätische
Weite und Ruhe
Bombenkrater schreckt
unbekümmert blickt übern
Rand der Fingerhut
Wabernde Wolken
lasten als düstere Fracht
auf prangender Flur
Regennasse Jeans
kleben auf der Haut, lassen
mich kalt erschaudern
Brücke verliert sich
im Nebel, wohin führst du?
Ins Dunkel hinein?
Autobahnkirche
Wegzeichen, Ort der Hoffnung
für den Ratlosen
In Sankt Michael
zu Berg: Reigen in Stein bei
Musik in Kristall2
Heiterkeit drängt von
der Kuppel auf mich herab
durchpulst mich mit Mut
Bachs Toccata: Wohlklang, Lobpreis, Umarmung
offener Himmel
Die gebändigte
Leidenschaft führt ins Reich der
Sonne: Beethoven
John Cage: Klingende
Wegzeichen zu sorglosem
Schritt in die Stille
Sommersymphonie
schmückt das freudige Herz mit
Blumenakkorden
Der Wind streicht über
Blätter, Blüten, schenkt sich als
Atem der Natur
