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Semira kommt im Dorf Troja nahe Troja-Ausgrabungen auf die Welt. Schon im Schulalter wird sie mit Visionen konfrontiert. Sie fühlt sich zu den Ausgrabungen hingezogen und findet dort innerlichen Frieden, Zufriedenheit und Glückseligkeit, was in ihrem Umfeld sie, als verhext gilt. Später, als sie erwachsen wird, dauern diese Ritualen noch an und setzen sich die Visionen und Erscheinungen in der Realität durch und sie bereiten sie Stein für Stein (Stück für Stück) auf das reale Leben und auf die Zukunft vor. Semira durchlebt ihren Lebensweg ohne zu ahnen, dass sie die Helenas Seele in sich trägt, dass sie das gleiche Schicksal erleiden, die gleichen Tränen weinen wird.
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Seitenzahl: 136
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Semira Sayer
Helenas Tränen
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Inhaltsverzeichnis
Titel
KAPITEL 1-DAS ERWACHEN DES LANDES. BEIM AUFGANG DER SOMMERSONNE
KAPITEL 2: TROJA BESUCH-SCHULE
KAPITEL 3: LETZTER BESUCH BEI AUSGRABUNGEN ALS KIND
KAPITEL 4: DIE JUGEND UND KAAN
KAPITEL 5: KAAN UND DER BAUMWOLLACKER
KAPITEL 6: KENNENLERNEN DEREK
KAPITEL 7: DIE BRAUT-ERSCHEINUNG
KAPITEL 9: DAS TROJANISCHE DORF
KAPITEL 10: DER HAUSARREST
KAPITEL 11: DIE FLUCHT
KAPITEL 12: DIE ENTFÜHRUNG
KAPITEL 13: DIE HEIMKEHR.
KAPITEL 14: DIE HOCHZEIT
KAPITEL 15: SEMIRAS IDENTITÄT
Impressum neobooks
1-HELENAS TRÄNEN
Dieses Land mit seinen stechend, gelben Sonnenblumen. Mit reifen, roten Tomatenfrüchten, schneeweissen Baumwollfeldern, ergiebigen Weizenäckern, langen, grünen Weiden, Tälern, Feigenbäumen, Weinreben, Maulbeeren, feinen, grünblättrigen Olivenbäumen, so weit bis das
Auge reicht.
Das Land des Homeros, der grossen, alten, neuen Dichters, der alten Griechen, den Trojanern,
den Osmanen, Türken, heldenhaften Rittern, tapferen Soldaten, siegeshungrigen und
siegesreichen Helden, den Heeren, Armeen, Schlachten, Kriegen.
Die uralte Sonne, will sie alle bereichern, ihren Fleiss, ihren Schweiss von harter Arbeit,
ihre Tapferkeit; sendet ihre goldenen Strahlen über dieses Land, Leute, Bodenschätze.
Der Mond bewacht dieses Land, mit Stolz, so in Dunkelheit, wie auch im Mondschein.
Eine junge Frau umarmte ihr kleines, süsses, wunderschönes Mädchen, das mit blonden Strähnen
im goldigen Schimmer, gerade geboren war. Küsste es glücklich, -dem Himmel sei dank-
Blicke richtete sie nach oben. Betrachtete den glasklaren Himmel in ihrem Wochenbett aus.
Die Sonne und der Mond standen nebeneinander die vielen Strahlen blendeten ihre Augen.
Sie zuckte innerlich. Wie im Paradies, dachte sie. Es war ein Zeichen, ein aussergewöhnliches Zeichen; sie schien zu glauben, ihre Tochter würde etwas Besonderes werden.
Dann plötzlich umhüllten schwarze Wolken sowohl die Sonne, als auch den Mond, am Himmel
herrschte Dunkelheit. Die junge Mutter erschrak, „Und sie wird durch die Hölle gehen“,
dachte sie traurig.
Nach elf Jahren im Dorf Troja. Es war zwölf Uhr Mittag. Als Glocken der Schule läuteten, sprangen alle Kinder fröhlich davon, aus ihren Klassen. Nur drei Mädchen von elf Jahren warteten…
warteten. Ein viertes gleichaltriges Mädchen mit gold-blondem, schulterlangem Haar, tief leuchtenden blauen, klugen, intelligenten Augen tauchte an der Glastür der Schule auf. Sie war auffallend anders als alle anderen Kinder.
Vor der Schule:
„Komm schon Semira, wir alle warten auf dich!“, rief das schwarzhaariges Mädchen.
„Sie ist wieder verträumt wie immer“, klagte das Mädchen mit hennarotem Haar.
„Mach doch bitte Semira, wir wollen noch abmachen. Wenn wir schon heute Nachmittag freihaben!“, bat das brünette Mädchen.
In der Tat war Semira in ihrer eigenen Welt, zwar kam sie ihnen langsam entgegen, wobei es nur der Körper, war der sich bewegte, wo blieb ihre Seele?
Als sie sich ihnen angeschlossen hatte:
„Na endlich, wollen wir heute Nachmittag spielen“, sagte jedes Wort im gelangweiltem Ton, das schwarzhaariges Mädchen Esra.
2-HELENAS TRÄNEN
„Warum nicht Esra, wir haben eher frei“, meinte rothaariges Mädchen Sheyda.
„Was sagst du dazu Semira?“, fragte Nilan das verträumte Mädchen.
„Spielen oh! Ja, wir können spielen“, antwortete Semira.
Ihre Gedanken kreisten wieder irgendwo anders.
„Also, wir treffen uns in der Dorfmitte!“, gab Sheyda den Ton an.
„Ja, gut!“ Alle im gleichen Mund
Bei Semira daheim: Eine Villa in Osmanischem Stil. Grosses zweistöckiges Haus mit Dachstock. Hinter dem Haupttor, Vorgarten mit Blumen und Springbrunnen, hinter dem Haus lag ein, riesiger Hintergarten.
„Semira, bist du daheim?“, fragte Hanifa ihre Mutter.
„Ja“
„Zieh dich um, wasch dich. Wir essen gleich!“, rief ihre Mutter ihr nach, während sie auf der Treppe nach oben läuft.
Semira stellte in ihrem Zimmer, im zweiten Stock, den Schul-Rucksack zum Boden ab, blieb stehen.
Durchs offene Fenster fixierte Semira ihre Augen draussen auf einen Punkt, dann schloss sie sie und horchte den inneren Bildern nach.
„Semira, Vater ist da, wir essen, kommst du?“, hörte sie die Stimme ihrer Mutter.
Das Essen wurde von ihrer Mutter und Haushaltshilfe Nalan unten im Vorgarten aufgetragen. Semira kam runter, wie sie; sehr intelligentes, kluges Mädchen war, aus Respekt und Sitte von Vater aus, ass sie ruhig und beobachtete jeden Einzelnen während dem Essen, am Tisch. Als ihre Augen auf ihrem Vater trafen, sanken ihre Lieder nach unten.
Der Vater ging nach dem Essen ins Dorf-Kaffee.
„Hast du Hausaufgaben, Semira?“, fragte Hanifa.
„Ja, Mutter.“
„Dann must du sie erledigen!“
„Sofort, Mutter.“ Noch unterwegs zu ihrem Zimmer, wandte sie sich ihrer Mutter zu. „Nachdem ich sie gemacht habe, darf ich zum Spielen gehen? Meine Freundinnen erwarten mich in der Dorfmitte“
„Das darfst du schon, mein Schatz“
„Danke, Mutter.“
Semira, in ihrem Zimmer; packte die gleiche Sehnsucht, wie vorhin, Ihre Augen waren, durch das offene Fenster fixiert, in gleiche Richtung. Diesmal schloss sie ihre Lieder, die unruhig, unentwegt zappelten, als ob sie sich in einer anderen Welt befänden.
Nach einiger Zeit:
„Semira! Esra ist gekommen, dich abzuholen“, rief Hanifa nach oben.
Semira sieht nach unten. Ihre Mutter, neben ihr die schwarzhaarige Freundin Esra.
„Ich komme…bin gleich da“, antwortete Semira nach unten.
In der Dorfmitte trafen sich die Vier. Nilan trug einen Ball, Sheyda ein Sprinseil, Esra brachte die fachgeklopften Bierdeckel mit. Mit Spass und Freude spielten sie miteinander.
3-HELENAS TRÄNEN
Die vorbeiziehenden Dorfbewohner freuten sich mit vier Freudinnen.
Plötzlich blieb Semira stehen, wie ein Magnet angezogen, bewegte sie sich aus dem Dorf fort.
„Oh, nein, sie geht schon wieder“, beklagte sie sich Sheyda.
„Semira komm zurück, wir wollten doch noch…!“ Nilan wollte so vieles mit ihr unternehmen, ihr Bedauern war grenzenlos.
„Bitte Semira, bleib hier, bitte!“, flehte Esra ihre Freundin.
Semira ging einfach weg.
Wenig später stand sie vor den Ausgrabungen der Stadt-Troja. Die Geologen und Arbeiter sind anscheinend an ihre Anwesenheit gewöhnt.
„Seht nur, die Kleine ist wieder da!“, sagte ein Arbeiter, machte die Anderen auf sie aufmerksam.
Alle schmunzelten.
„Ganz pünktlich, wie immer. In der gleichen Minute, fast fünf Uhr.“ Ein anderer Arbeiter, sah auf seine Armbanduhr.
„So! Es ist genug für heute!“, kündigte der Geologe darauf an.
Feierabend: Die Arbeiter legten Schaufeln und Hacke nieder. Müde aber zufrieden, drehten sie sich noch einmal immer noch schmunzelnd, dem Mädchen zu, bevor sie gingen.
Semira, ihre Augen auf die verwühlte Erde gerichtet, stieg in die Ausgrabungen herab. Ihre Gesichtszüge verraten Gefühle; Dasein, Hiersein und Nahesein. Sie schloss ihre Augen, horchte wieder inneren Bildern nach, in ihren unruhigen Liedern.
Als sie ihre Augen wieder öffnete, wollte sie fühlen, spüren. Auf ein gewölbtes Erdstück legte sie die Hand darauf. Unter ihren Fingern bewegte sich die Erde in Lichtgeschwindigkeit, wie auf einer Achterbahn. Erschrocken zog sie ihre Hand zurück.
Jedoch empfand sie, fremde, warme, sonderbare, gewonnene Gefühle dabei.
Am nächsten Morgen: Esra holt ihre beste Freundin Semira, auf dem Schulweg, von daheim ab.
„Weisst du, ich finde es nicht nett von dir, dass du uns gestern wieder mal stehengelassen hast“, teilte Esra ihre Meinung, wie sehr sie von ihrer Freundin enttäuscht war.
„Ich weiss…ich kann nichts dafür“, etwas beschämt war Semira schon.
„Du musst einfach nicht mehr dorthin gehen, verstehst du! Wir sind deine Freundinnen, das Andere…ich meine diese Ausgrabungen…“ Esra machte einen Versuch Semira zu überreden, konnte aber nicht weiter reden.
Die anderen Kinder schlossen sich unterwegs zur Schule ihnen an.
In der Klasse; die Kinder waren ruhig, folgten der Lehrerin. Es gab in der ersten Stunde Geschichte.
Die Lehrerin schrieb einige Begriffe, an die Tafel. Während sie die Geschichte erzählte ging sie zwischen den Bänken durch.
Semiras Augen waren geschlossen. Die Lehrerin beobachtete sie ungläubig.
4-HELENAS TRÄNEN
„Semira…Semira“, flüsterte Esra wollte sie aufwecken.
Aber die Lehrerin kam ihr zuvor.
„Semira…du kannst daheim schlafen, hier wird gelernt Mädchen!“, befahl sie zum kleinen Mädchen.
Keine Reaktion von ihr. Die Lehrerin schüttelnd, weckte sie auf.
Semira riss die Augen auf, mit leeren Blicken schaute sie auf. Die Lehrerin wusste, wie intelligent ihre Schülerin war, aber ihr rätselhaftes Benehmen war schon sonderbar.
„Hoffentlich bist du wach, Semira folge bitte dem Unterricht!“, machte Lehrerin Semira aufmerksam auf die Geschichte.
Auf dem Heimweg:
„Bist du wirklich müde Semira, dass deine Augen im Unterricht geschlossen waren?“, fragte Esra neugierig.
„Nein…nur hab verlangen danach, ohne zu wollen“, gab Semira ehrlich zu.
Wie immer werden sie nach der Schule von den anderen Kindern unterbrochen.
Am nächsten Tag: Heute war es umgekehrt. Semira wartete lange auf Esra, vor Esras Haus.
Meistens holte Esra ihre Freundin für die Schule ab, aber auch sonst; heute war es eben anders.
„Guten Morgen Semira! Gleich kommt Esra runter“, begrüsste Esras Mutter Ayisa freundlich, kam lächelnd auf Semira zu.
„Guten Morgen, danke ich werde auf sie warten“, sagte sie auch freundlich und wartete.
Endlich Esra aus dem Haus rauskam; „Viel Glück, ihr beiden“, wünschte Ayise den beiden Mädchen.
„Vielen Dank!“, rief Semira zu Ayisa, für die guten Wünsche. „Wo bist du geblieben?“. Fragte sie, als Esra sich ihr angeschlossen hatte.
„Entschuldige bitte, ich habe kaum geschlafen, deshalb bin ich spät dran“, sagte Esra mit dunklen Augenringen unter den Augen, weckte immer noch müden Eindruck.
„Warum?“, fragte Semira verwundert.
„Du weisst schon, wie schlecht ich in Mathe bin, wenn ich nur daran denke, heute wir eine Prüfung haben“
„Was du nicht kannst, kannst du von mir abschreiben, später lernen wir es durch.“ Semira konnte damit ihre Freundin einwenig beruhigen.
„Das ist eine gute Idee. Ich wusste, du würdest mir helfen!“, holte Esra tief Luft erleichtert.
„Ich werde mein Blatt offen und nahe dir halten“, schlug Semira vor.
„Danke, meine Freundin. Du bist die Beste, danke“
Jeder Schüler bekam ein Blatt, mit Fragen darauf.
Esra schaute versteckt auf Semiras Blatt. Aber Semira schrieb eine Zeile eine Zweite. Es sah nicht aus, wie Mathe Lösungen. EIN VERS? EIN GEDICHT?
Immer die gleichen Handbewegungen und Wörter. Die Lehrerin, wird wieder aufmerksam auf sie.
„Semira…Semira, bitte Semira, sie kommt“, flüsterte Esra wieder, ihre Freundin, sie solle aufpassen.
Die Lehrerin kam, sah das Mädchen, seine geschlossenen Augen. Semira kritzelt weiter… ununterbrochen weiter.
5-HELENAS TRÄNEN
„SEMIRA“, rief Lehrerin energisch. „Was schreibst du da?“
„Ich…ich…“, stotterte sie, erschrocken.
Die Lehrerin entfernte das Blatt von ihr, wollte es lesen, ihre Lippen verstummten gleich.
„Nimm dir neues Blatt vom Pult, fang die Aufgaben zu lösen an!“, forderte sie auf.
Die Lehrerin nahm das Blatt mit sich, legte es auf das Pult. Als die Stunde zu Ende ging.
„Semira! Einen Moment, kannst du bitte zu mir kommen“, bat Seyhan die Lehrerin Semira.
Als Semira vor dem Pult stand.
„Gibst du bitte, diesen Brief deinen Eltern!“ Die Lehrerin streckte einen Briefumschlag Semira entgegen.
„Ja, mache ich“, nahm den Briefumschlag besorgt entgegen. Sie ahnte bereits, was drinnen geschrieben stand.
Draussen vor der Klassentür wartete Esra auf ihre Freundin, sah, wie unwohl sie sich fühlte.
„Was wollte sie von dir?“, konnte Esra ihrer Neugier nicht verbergen.
„Sie gab mir einen Brief“, antwortete Semira leise.
„Einen Brief?“
„Ja, für meine Eltern.“ Semira in grosser Besorgnis.
„Komm!“ Esra zog Semira zu einer ruhigen Ecke mit sich.
„Kommt ihr zwei nicht?“, fragte Sheyda durch die offene Glastür, am Treppentabler.
„Ja, doch, geht nur voran, wir kommen gleich!“, rief Esra zurück.
Sheyda verschwand, Nilcan wartete draussen im Schulgarten,sie schloss sich ihr an.
„Semira, was geht hier vor?“, fragte sie interessiert, an der Ecke gleich nach der Glastür der Schule.
„Was meinst du damit?“ Semira sprachlos stand sie da.
„Wieso schliesst du immer deine Augen?“
„Ich…ich…“, schweres Zögern trat bei Semira auf.
„Semira!...Ich bin es, deine beste Freundin, mir kannst du vertrauen!“
„Ich…“, stockte Semira immer noch zögernd.
„Bitte Semira, vielleicht kann ich dir sogar helfen“ Esra war entschlossen ihre Freundin wirklich zu helfen.
„Kannst du nicht…“, Semira dachte nur keiner kann ihr dabei helfen.
„Woher willst du es wissen?“, Esra blieb stur.
„Kannst du schwören, dass du es niemandem erzählen wirst, wenn ich es dir sage? Schwören auf das aller heiligste!“
„Ja, ich schwöre bei Gott dem Allmächtigen, ich werde dich nicht verraten.“
„Ich…ich sehe Bilder in mir…innere Bilder“, es fiel Semira schwer, ihr Geheimnis zu offenbaren.
„Bilder? Was für Bilder siehst du denn“, fragte Esra erstaunt.
„Bilder, die ich nicht einmal selbst kenne“ Semira nachdenklich.
„Sind es Menschen, Tiere…was…was…siehst du da?“, forderte Esra sie auf, weiter zu erzählen.
„Keine Ahnung. Helle Blitze bilden sich, wie eine Gruppe in meinem Kopf, vor meinen Augen, bewegen sich blitzschnell, ich kann ihnen nicht folgen, hell und leuchtend, schlagen sie zu“, verriet Semira.
6-HELENAS TRÄNEN
„Und das Blatt, auf dem du vorhin geschrieben hast?“ Esra konnte es nicht sein lassen, bohrte weiter.
„Ich…ich weiss es nicht. Ich schwöre. Ich weiss selber nicht, was darauf steht. Es ist nur so aus mir heraus gekommen“, sagte Semira verzweifelt.
„Träumst du vielleicht?“
„Nein, es ist kein Traum, es ist Wirklichkeit, es passiert alles in meinen inneren Augen. Aber es kommt und geht“
„Semira! Du gehst auch zu diesen Ausgrabungen…einmal sind Sheyda und ich dir nachgelaufen…warum…warum…tust du das?“, Esra beschrieb, wie sie Semira nachgefolgt waren, und sie lange in den Ausgrabungen beobachteten.
„Ich…ich fühle mich wohl. Dort zu sein, innehalten, horchen“, gab sie ehrlich zu.
„Du fühlst dich wohl im Dreck?“, warf Esra Semira vor.
„Es ist kein Dreck.“
„Gut, es ist nur Erde, sonst nichts. Ah! Was horchst du dort?“, wollte Esra wissen.
„Ich…“, dann wieder das lange Zögern bei Semira.
Die Tür wurde von aussen wieder heftig aufgerissen.
„Also kommt ihr nun oder nicht!“, fragte Nilan ungeduldig.
„Ja, ja wir kommen“, rief Esra eifrig.
„Du hast mir versprochen, dass du…mich nicht verraten wirst, nicht wahr?“, sah Semira Esra flehend an, während sie sich den Anderen anschlossen.
„Keine Angst, von mir erfährt keiner etwas!“, versicherte Esra ihre Freundin.
„Danke“, sagte Semira erleichtert.
Am Wochenende, Esra besuchte ihre Freundin. Semira fühlte sich nicht wohl, wegen dem Brief.
„Hast du schon den Brief deinen Eltern gegeben, Semira“, fragte Esra, kaum in Semiras Zimmer angekommen war, an der Bettkante sitzend.
Semira zögerlich, ängstlich sagte: „Nein“
„Du musst es aber tun, das weisst du doch!“, erinnerte Esra sie nochmal daran.
Semiras Mutter kam in diesem Moment herein.
„Wie fühlst du dich, mein Schatz“, näherte sich, fühlte ihre Stirn an. „Gott, du glühst ja, Kind. Ich werde mit Vater reden; sofort fahren wir in die Stadt, suchen einen Arzt für dich auf.“ Hanifa machte sich Sorgen um ihre Tochter.
„Es wird mir bald besser gehen Mutter, mach dir keine Sorgen. Wir sollten besser nicht in die Stadt fahren“, versuchte Semira ihre Mutter zu beruhigen.
„Aber Kind…“, protestierte Hanifa. Es tat ihr leid Semira in diesem Zustand zu sehen.
„Es geht mir jetzt schon besser“, machte Semira schwer ein schwaches Lächeln auf ihren Mund zu malen.
Ein mütterliches Lächeln breitete sich auf Hanifas Lippen.
„Mein tapferes Mädchen. Ich werde dir sofort kräftige Fleischbouillonsuppe kochen, dann sehen wir weiter“
„Ja, Mutter danke, danach geht es mir bestimmt viel besser.“
7-HELENAS TRÄNEN
Lächelnd lief Hanifa zur Tür um rauszugehen, blieb aber stehen.
„Ah! Deine Lehrerin hat angerufen.“ Die Mädchen sahen sich an. Semiras Kopf pochte zum platzen nahe. „Sie sagte; sie möchte uns gerne Mitte der nächsten Woche in der Schule sehen. Und sie habe dir einen Brief mitgegeben…hast du ihn…?“
„Ja, ich habe diesen Brief in meinem Schulsack…es tut mir leid, habe ihn vergessen abzugeben.“
Semira hielt für sich, dass sie ihn absichtlich vergessen wollte, traute sich nicht Esra anzusehen.
Hanifa ging zum Schulsack, auf dem Boden, vor dem Schreibtisch.
„In dem Vorderfach Mutter“, wies Semira ihre Mutter ein.
Hanifa sah nach, fand den weissen Briefumschlag.
„Na, ja, es wird wohl nichts schlimmes sein. Deine Lehrerin lobt dich ja bei jeder Gelegenheit, wie intelligent du bist.“
Die zwei Freundinnen wurden unruhig, als die Mutter den Brief in der Hand hielt.
„Mutter!“, rief Semira nervös.
„Ja, mein Schatz.“
„Bitte, den Brief, Vater einen Tag vorher zeigen, bevor ihr in die Schule kommt…bitte!“, bat Semira sie verzweifelt.
„Kind! Hast du etwa Angst“, Hanifa kam wieder ans Bett, nahm Semiras zittrige Hand in ihre.
Zuerst sah Semira ihre Freundin Esra an, die sich die ganze Zeit ruhig verhalten hat und nichts verriet, dann; „Ein bisschen schon“, gab sie zu.
„Was auch immer es ist. Wir werden es gut überstehen, denn ich kenne meine Tochter.“, tätschelte liebevoll auf die kleine Hand von Semira. „Mach dir keine grosse Gedanken darüber. Ich bin deine Mutter und ich werde immer zu dir stehen, mein Kind“, dann umarmte Semira in Mutterliebe.
Die Gutmütigkeit und Gutgläubigkeit ihrer Mutter bereitete dem Mädchen viele Bedenken. Doch nach ihrer Mutters Zusage ging es ihr bald wieder besser.
In der Schule versuchte Semira, dem Verlangen nach ihren inneren Bildern zu widerstehen; wenigstens bis Mitte Woche, sagte sie sich. Als sie doch schwach wurde:
