Helmuts schlaue Strategie - Michael K. Jungmann - E-Book

Helmuts schlaue Strategie E-Book

Michael K. Jungmann

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Beschreibung

In unserem alltäglichen Umfeld begegnen uns Menschen, über die wir ein wenig schmunzeln dürfen. So wie über Helmut F. in diesen Geschichten. Er unterliegt dem Zwang, immer sehr schlau wirken zu müssen -sowohl als unschlagbarer Schnäppchenjäger im Internet, wie auch als jemand, der mit seinen klugen Strategien andere Menschen zu beeindrucken sucht. Das Wort Perfekt trüge er allzu gerne als seinen zweiten Vornamen. Er hält sich für das zu bewundernde Vorbild auf der großen Drehscheibe der Gesellschaft. Helmut ein sympathischer Mensch, jedoch sind seine Strategien nicht wirklich so erfolgreich, wie er es gerne hätte. Alles auf dieser Welt hinterlässt Spuren, diese nähern sich, führen dicht an uns vorbei, oder entfernen sich wieder. Jedoch die von Helmut F. bewegen sich nur im Kreise. Niemand möchten so sein wie er, aber wir werfen gerne mal einen Blick zu ihm herüber, vielleicht wird daraus ein längerer Blick?

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 145

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Widmung

Mein besonderer Dank

gilt Herrn

Jochen-Georg Miche

für seine großartige

Unterstützung.

Inhaltsverzeichnis: Erste Geschichte

-Im Internet ist alles billiger -

K 1 Im Internet ist alles billiger

K 2 Helmut übernimmt selbst das Wort

K 3 Einen Mann im Bus gesehen

K 4 Die Mission: eine Uhr kaufen

K 5 Der Hinweg, und beim Juwelier

K 6 Die Uhr zu Hause im WEB suchen

K 7 Im Internet viel billiger gefunden

K 8 Lieferung erwarten, Laden/Imbiss

K 9 Die Uhr endlich geliefert

K 10 Uhr kaputt, zum Uhrenladen

K 11 Als Retour-Sendung zur Post

K 12 Uhr umgetauscht/Angebot Juwelier

K 13 Neue Uhr vom Juwelier gekauft

K 14 Plan X umsetzen, Auftritt im Bus

K 15 Alles nur geträumt/neue Idee

ENDE

Inhaltsverzeichnis: Zweite Geschichte

- Helmut auf Geschäftsreise -

K 16 Aufforderung zum Hartz4-Kurs

K 17 Die geplante Strategie

K 18 Helmut macht sich salonfähig

K 19 Auf dem Weg zum Bus

K 20 Eine sinnvolle Stunde zu früh dort

K 21 Beginn der Hartz4-Maßnahme

K 22 Das erste Problem

K 23 Das Kantinenessen bestellen

K 24 Helmuts Schlaucherstrategie

K 25 Der richtige Trick

K 26 Der Kleinbaggerfahrer

K 27 Feierabend und Licht aus

K 28 Busfahrt nach Hause

K 29 Prüfungstag beginnt

K 30 Helmut wurde durchschaut

K 31 Die unangenehme Abrechnung

Autorenvita

Kapitel 1

Im Internet ist alles billiger

Ein lebenserfahrener Mann namens Helmut F. sucht zu Weihnachten ein sehr schönes und besonderes Geschenk für sich selber. Er befindet sich in einer Lebensphase, vielleicht nur wenige Jahre von seiner wohlverdienten Frührente entfernt.

Helmut ist zur Zeit gerade allein lebend, und mit dem Rest seiner kleinen Familie besteht ein gegenseitiges Abkommen (das hatten sie einmal vor vielen Jahrzehnten getroffen), sich grundsätzlich nicht mehr Weihnachten zu beschenken. Seitdem feiert auch jeder das Fest nur für sich allein, weil es sich genau aus diesem Grunde für niemanden mehr lohnt, den anderen der Familie zu besuchen, um all die nutzlosen Geschenke auszutauschen.

So kann sich Helmut F. das ganze eingesparte Geld für all die unzähligen, unbrauchbaren und kitschigen Geschenke einsparen, und stattdessen darf er nun großzügig in sich selber investieren.

Helmut F. ist mit seinen reifen Jahren ein altersgerechter Mensch, er achtet sehr auf sein Äußeres, und seine Kleidung, die er trägt, besteht grundsätzlich nur aus Markenprodukten.

Ihm sind selbstverständlich auch die dezenten Kleinigkeiten sehr wichtig, mit denen er sich reichlich schmückt.

Dazu gehören zum Beispiel das Tragen einer auf den ersten Blick unscheinbaren, aber sehr wohl entsprechenden Halskette aus Gold!

Helmut kombiniert alles gerne mit seinen goldenen Manschettenknöpfen an den Stecken, die ihm immer zufällig aus dem Ärmel schauen, dazu noch die prunkvolle Krawattennadel und diverse Ringe, die sich an all seinen Fingern aneinanderreihen. Er spielt es gerne aus und genießt es im Geheimen, dass man an ihnen einen gewissen „versteckten“ Luxus erkennt.

Daher auch sein dezent-teurer parfümbedingter Geruch, der keiner geschulten Nase entgehen soll.

Es handelt sich hierbei um den Duft einer berühmten Nobelmarke, aber dieses weiß natürlich nur ein wahrer Kenner zu schätzen. Für den nicht wissenden Rest der Menschen reicht es ohnehin aus, die wohlverdiente Aufmerksamkeit auf diese Art und Weise zu erlangen.

O.k., sein Parfüm ist zwar nicht direkt von dem berühmt-berüchtigten Hersteller, aber das weiß ja niemand. Das Parfüm hatte er nämlich billig von einer Firma im Internet erstanden, die eben auf dem europäischen Markt noch nicht ganz so bekannt ist, aber hierzulande mit Sicherheit bald schon ganz groß expandieren wird. Das versicherte man ihm jedenfalls hinter vorgehaltener Hand am Telefon, und darum investierte Helmut auch gleich in ein paar Liter von diesem exquisiten Duftwasser und betrachtet diese Investition als eine Art „Kapitalanlage“.

Helmut ist schlau, er denkt voraus und weiß Bescheid, er ist ein Schnäppchen- und Internetjäger ohnegleichen. Und wenn er sich wieder salonfähig und stilgerecht für den Auftritt im öffentlichen Leben angekleidet hat, weil er sich eventuell gleich wieder auf die tägliche Schnäppchenjagd begibt, betrachtet er sich meistens noch einmal zur Endkontrolle in seinem großen Garderobenspiegel neben der Ausgangstür. Schnell wird noch einmal mit der guten Krawatte seine Designer-Sonnenbrille geputzt, damit die Initialen des bekannten Brillenherstellers deutlich sichtbar sind, zumindest für denjenigen, der ein Auge dafür hat.

Zu guter Letzt schlüpft er schnell mit Hilfe seines langen Schuhanziehers in seine italienischen Schuhe hinein. Jetzt steht ihm also nichts mehr im Wege, sich diskret und unscheinbar unter die Menschen zu mischen.

Kapitel 2

Liebe Leser,

warum reden wir eigentlich über den Helmut? Ich finde, dass er für sich selber sprechen kann, oder? Darum möchte ich gern das Wort direkt an Helmut übergeben. Er packt das schon!

Helmut:

„Dankeschön, von jetzt an werde ich hier also selber für mich sprechen.“

So, und wenn ich vor dem Spiegel stehe, dann ist es nur die letzte Kontrolle vor meinem persönlichen Auftritt in der Öffentlichkeit.

Das ist doch völlig normal, das macht doch wahrscheinlich jeder so, oder?

Aber wenn ich mir einen zweiten Blick in den Spiegel gönne, mal ganz davon abgesehen von meiner teuren und knitterfreien Bundfaltenhose, die mir sofort gerade auf beeindruckende Weise ins Auge fällt, überkommt mich ein kleiner Schauer des Unbehagens.

Denn immer wenn ich meinen linken Arm einfach mal nach unten hängen lasse und nur leicht etwas schüttle, vermisse ich was sehr Gravierendes am Handgelenk, direkt über den Goldringen an den Fingern. Nämlich etwas relativ Gewichtiges, was mir sozusagen zuvor nie so wirklich aufgefallen ist!

Kapitel 3

Erst gestern hatte ich einen sehr elegant und teuer gekleideten Mann gesehen, der stand anfangs eher unscheinbar im Bus, obwohl noch einige Sitzplätze frei waren.

Genial, er stand an der Haltestange, wahrscheinlich nur aus diesem Grunde, dass entweder seine Markenhose beim Sitzen nicht so zerknittert wird, oder aus Angst, dass sich die Effektivität seines Auftrittes im Bus um vieles reduzieren würde, wenn er sich hingesetzt hätte.

Dieser Mann hielt sich mit der rechten Hand an der Haltestange auf Augenhöhe fest, und seine Ringe an den Fingern sahen wie eine bedrohliche goldene Zahnreihe aus, die sofort zubeißt, wenn man sich ihr auch nur nähert, oder gar ebenfalls die Stange mitbenutzen will.

Er ließ dabei seinen linken Arm ganz gerade nach unten hängen, so dass seine dicke goldene Armbanduhr sichtbar bis auf sein Handgelenk herunter rutschte.

Die Ärmel des Sakkos waren nicht zu lang gehalten, damit man das Szenario unverdeckt beobachten konnte.

Mir fiel die Kinnlade auf meinen Brustkorb. Das war echt die Krönung: Eine teure Markenuhr, die völlig unerwartet, wie ein Trumpf, aus dem Ärmel rutscht und ihn als Person sehr erheblich aufwertet.

Wenn ich mich jetzt und hier so im Spiegel betrachte, dann fehlt mir eigentlich auch noch genau so eine Uhr an meinem Handgelenk. Diese würde schon ganz schön was her machen. Es wäre so etwas wie eine dezente, aber gleichzeitig optische Brücke zu den Goldringen an meinen Fingern.

Ergo:

„Ich muss unbedingt auch so eine Uhr besitzen!“

Dieser Gedanke schüttet gerade enorm viele Glückshormone in mir aus.

Ich suche also ein tolles Geschenk für mich zu Weihnachten? Und ich weiß jetzt ein Geschenk!

Und wenn ich mich gleich hinaus in den freien Handel begebe, um meine Konsumsause zu tätigen, begegnen mir hier und dort auch andere feine Leute der Gesellschaft, oder, besser ausgedrückt: aus der gehobenen Oberklasse. Man erkennt sich gegenseitig, denn wir sind die zivilisierten Jäger. Um nicht zu sagen:

„Die skrupellosen Schnäppchenjäger und die großen Macher.“

Kapitel 4

So, von nun an habe ich eine wichtige Mission zu erfüllen, und ich sollte natürlich nicht vor lauter Eifer meinen Wohnungsschlüssel vergessen. Doch ganz ehrlich gesagt, bin ich schon damals nicht dumm auf die Welt gekommen, für diesen Fall habe ich mir sehr günstig, von einer kleinen billigen Firma aus Polen, einen Ersatzschlüssel herstellen lassen, und ließ den versteckt unter meinem Namensschild an die Wohnungstür schrauben.

Das darf natürlich niemand wissen, und ich bat schlauer Weise diese Polen, das Versteck möglichst schnell wieder zu vergessen. Denn sicher ist sicher.

So, ich öffne jetzt schon mal die Tür, knipse das Licht im Korridor aus und schließe die Tür leise von außen zu. Leise aus dem Grunde, die Jagd hat für mich begonnen und ich befinde mich jetzt bereits schon auf der Pirsch.

Ich wohne im Parterre eines Mietshauses, und somit brauche nur ein paar Stufen hinunter zu gehen, um die freie Bühne des Lebens zu betreten.

Ärgerlicherweise versperrt mir so ein Zeitungsverteiler derweil sichtlich den Weg zum Ausgang, und da kenne ich gar nichts. Ich warte natürlich diskret auf Distanz auf dem Treppenpodest neben meiner Wohnungstür, bis er alles in den Briefkästen versenkt hat. Natürlich warte ich auch, bis er wieder fort ist, denn ich werde bestimmt nicht mit diesem Dienstboten zusammen aus dem Haus gehen. Vielleicht noch hinter ihm her und soll auch noch „Danke“ dafür sagen, dass er mir die Tür aufhalten durfte:

„Nicht mit mir, ich bin auf niemanden angewiesen!“

Also werde ich erst einmal in den Briefkasten schauen, was die Werbung so an brauchbaren Sonderangeboten bietet und was auch die Post Erfreuliches gebracht hat. Denn viel Post zu bekommen, macht einen Menschen nun mal relativ wichtiger, das ist ja wohl jedem bekannt, oder?

Doch dann tritt auch noch nervigerweise der Nachbar mit seinem Fahrrad von außen vor die Glastür und sucht hektisch wie immer in allen Jackentaschen nach seinem Hausschlüssel.

Ich nutze die Gelegenheit und drehe mich ganz schnell um, gehe die Treppe wieder hoch, schließe meine Tür schnell auf und gehe rein, ohne noch einmal nach hinten über die Schulter zu schauen.

Ich knipse also wieder das Licht an und sehe erst mal im Stehen meine Briefe durch. Erblicke auf Anhieb wieder zwei Absagen von Firmen, bei denen ich mich bewerben musste. Und es ist auch wieder mal eine Einladung vom Hartz IV-Amt zu einem Gespräch dabei.

So ein ärgerlicher Brief des Amtes wird natürlich gleich von mir ungeöffnet entsorgt! Wahrscheinlich ist denen meine Miete zu teuer, darum geht es in den letzten Monaten dauernd hin und her. Sie können einfach nicht einsehen, dass ich nun mal einen gewissen Lebensstil und einen gehobenen Standard zu halten habe. Ich brauche nun mal mindestens meine Dreizimmerwohnung, denn ich benötige mein Büro, das Wohnzimmer und ein Schlafzimmer. Das müsste doch eigentlich zur Grundausstattung einer jeden Wohnung gehören, ich bin doch kein Höhlenmensch, der in einem Loch dahinvegetiert, nur, weil es all die anderen tun.

Oh, wie spät ist es eigentlich? Da ich noch immer keine Armbanduhr besitze, muss ich extra mit aufwändiger Mühe mein Handy aus der Hosentasche holen, muss also noch die Briefe und den Schlüssel erst mal wieder aus den Händen legen, um die Echt-Leder Hülle zu öffnen und das Handy einzuschalten; ich kann die kleinen Zahlen sowieso nicht richtig lesen.

Also hole die Lesebrille aus der Westentasche und muss auch meine Sonnenbrille wieder absetzen und dort hinlegen, wo Platz ist. Danach muss ich mit beiden Händen meine Tastensperre bedienen. Das alles nur für einen so kurzen Augenblick, und danach den ganzen Ablauf wieder rückwärtig tätigen.

Das ist unerhört umständlich und kein zu erduldender Zustand mehr für jemanden, für den die Zeit „Viel Geld“ bedeutet!

Wieso habe ich eigentlich noch keine Armbanduhr? Das ist doch hochgradig verantwortungslos.

Ich verspüre nunmehr einen gewissen Zugzwang nach draußen, um mir endlich bei diesem großen Problem Abhilfe zu schaffen.

Ich gehe jetzt raus und knipse wieder das Licht aus, schließe die Tür ab und werde einfach gezielt irgend einen Uhrenladen ansteuern, egal, wer sich mir in den Weg stellt, ob es der Nachbar oder der Zeitungsbote ist.

Oder besser würde die ganze Aktion natürlich klingen, wenn ich in ein großes, angesehenes Juweliergeschäft einkehre?

Ja, zum „Juwelier“, das klingt viel besser und ist meinem Niveau entsprechender.

Bei diesem erhabenen Gedanken ist mir schon gleich etwas wohler zumute.

Ich starte meine große Mission mit dem zweiten Anlauf, und stehe erneut voller Entsetzen vor der Treppe meiner großen Karriere.

„Aber das gibt’s doch nicht, der direkte Weg zum Ziel ist mir immer noch verwehrt!“

Der Nachbar steht noch bei halb geöffneter Haustür davor und redet unentwegt mit irgendeinem anderen da draußen.

Ich gehe nun fest entschlossen und sehr zügig die Treppe hinunter, geradewegs auf diesen Untermenschen von Nachbarn zu, damit er mir schnell den Weg nach draußen frei macht!

Doch dieser Ignorant begreift meine Strategie einfach nicht, nimmt unverschämterweise nur wenig Notiz von mir. Also zwänge ich mich notgedrungen zwischen der Tür und den beiden durch und werde auch noch freundlich gegrüßt.`Was haben die für ein Glück, dass ich nicht nachtragend bin.'

Einer von denen fragt mich irgendetwas von der Seite, aber ich habe da so meine Tricks parat.

Ich spreche nicht und tippe mit dem linken Zeigefinger zwei Mal auf meine linke Wange.

Der Nachbar sieht das und glaubt es mit einem „Ach so“ und einem deutlichen Kopfnicken zu verstehen.

Er hebt sogar seinen Zeigefinger dabei hoch.

Jäh..! Hindernis überwunden, der Weg ist frei und ich eile in der Mitte meines Fußweges in die Richtung zur nächsten Einkaufsstraße!

Kapitel 5

Ich kann aus der Ferne schon das Ticken meiner Uhr vernehmen, und gar nichts kann mich mehr aufhalten! Außer die letzte Hürde des Weges, eine Ampel. Es stehen viele Fußgänger eng aneinander geschart davor, und sie alle stehen mir definitiv im Wege. Ich drängle mich bis nach vorne durch. Die Autos rauschen knapp an mir vorbei. Ich kann jetzt also nicht einmal bei „Rot“ über den Fahrdamm laufen, weil rot für mich nicht unbedingt auch „Rot“ bedeutet, wie für all die Anderen. Ich bin nun mal kein Rudeltier.

Beim Abwarten brodelt plötzlich in mir das unbehagliche Gefühl, als wollen all die Menschen hinter mir ebenfalls zum Uhrenladen auf der anderen Straßenseite, und es gibt vielleicht nur noch eine einzige goldene Armbanduhr, die dort zum Verkauf steht. Mir scheint es plötzlich, als gehe es hier um Leben und Tod!

Doch endlich, die Ampel zeigt mir „Grün“, und ich eile unverzüglich los! Das war ein guter Start, und ich schlage forschen Schrittes mit den Armen bei jedem Schritt nach hinten, so dass mich niemand ungeschlagen einholen kann.

Aber drüben auf der anderen Straßenseite befinden sich zwei kleine Uhrenläden, und beide befinden sind nicht weit voneinander entfernt. Nehme ich nun den linken oder den rechten Laden? Ich muss mich jetzt schnell entscheiden! Der siegessichere Weg leitet mich instinktiv zum rechten Laden.

Jedoch ist das hier, ganz ehrlich gesagt, irgendwie nicht das richtige Milieu für meine Investitionen, denn es sieht hier alles etwas schäbig und überlaufen aus. Glasscherben auf dem Boden, und ich wittere bereits einen gewissen Geruch von Urin. Und wer dort ins Geschäft hinein geht, erweckt eher den Anschein, als würde er Omas Hinterlassenschaften verhökern wollen, obwohl sie noch lebt und zurzeit gerade nur im Urlaub ist. Doch dann fällt mir zum Glück noch unmittelbar vor der Ladentür ein:

Schnell zwei Mal um die Ecke gehen, da gibt es ein ganz großes und anspruchsvolles Juweliergeschäft!

Richtig, da wollte ich ja auch ursprünglich hin.

Also mache ich wieder einen eleganten Schlenker von der Ladentür weg, so dass trotzdem niemand eine Chance bekommt, mich einzuholen, und folge schon längst zielstrebig dem rechten Weg zur ersehnten Juwelieroase. An liebsten würde ich losrennen. Schon nach kurzer Zeit kann ich von weitem das Geschäft mit den zwei großen Schaufenstern erkennen.

Hell beleuchtet, Glanz und Gloria erwarten mich, und die Werbeschilder bekannter Nobelfabrikate stehen gut beleuchtet von der Wand ab, als hielten sie schon Ausschau nach mir. Ein paar Menschen stehen wie hochbezahlte Statisten am Schaufenster unter der gelben Markise. Ihre Gesichter werden angestrahlt vom Licht, und sie träumen alle wie erstarrt ins Fenster hinein und bestaunen die Uhren, Ringe, Ohrringe und den glitzernden, hinter der Panzerglasscheibe zur Schau gestellten Schmuck.

Ich glaube, das wird jetzt wieder mein ganz persönlicher Auftritt werden, und es gibt mir wieder so ein bestätigendes und wohlverdientes Gefühl, wieder über allem zu stehen. Ich sage kurz und laut, mit meinem vorgestreckten Arm:

„Vorsichtig bitte.- Achtung!“

Ich ersuche zwischen den Menschen den Eingang.

Sie schauen mich in diesem wichtigen Moment alle groß an, und nur ich öffne bei lautem Schellen die Tür des Tempels, und ich betrete das Reich der Träume.

Es scheint mir so, als wenn die ganze Menschheit den Atem anhält, sie guckt nur, aber ich bin derjenige, der wirklich handelt, diesen wichtigen Schritt tätigt.

Ein richtiger Macher! Wie als jener, von der Menschenmasse erkoren, flaniere ich durch das Geschäft. Fühle mich wie ein Promi auf einer Gala, welcher über den roten Teppich entlang stolziert.

Ich werde angemessen höflich von einem sehr couragierten Verkäufer, und dazu auch noch sehr würdevoll empfangen.

Das hat dieser Mensch gut gemacht, und sollte ich mal in der entsprechenden Position sein, werde ich diesen Herren bestimmt auch gerne weiter empfehlen.

Ich drehe noch einmal kurz meinen Kopf über die linke Schulter und sehe die vielen Augen der Zaungäste durch das Schaufenster, als mich im gleichen Moment mein Verkäufer vorsichtig anspricht. Ach so, ich war gemeint, selbstverständlich gibt es hier ja keine Wartezeiten für mich und nehme jetzt wieder Blickkontakt zu meinem bereitstehenden Verkäufer auf. Ich denke dabei:

,Warum schaut er mich so fragend an?

Habe ich etwas nicht mitbekommen?'

Also hole ich erst mal, ohne lange zu zögern, mein Handy aus der Tasche; er soll ruhig sehen, dass es sich um das neueste Modell auf dem Markt handelt, und erkläre ihm mein Problem mit dem Handy und den kleinen Zahlen der Zeitanzeige.