Henningstadt - Marcus Brühl - E-Book

Henningstadt E-Book

Marcus Brühl

4,5

Beschreibung

Das Leben ist manchmal ein ziemliches Miststück: Henning ist siebzehn Jahre alt und lebt in der Provinz. Als wäre das nicht schon ärgerlich genug, muss er sich seit Neuestem mit der Tatsache herumschlagen, schwul zu sein. Die beste Freundin ist beleidigt, die Eltern sind verunsichert. Zum Glück ist da Steffen, der sich auf eine Affäre mit dem deutlich jüngeren Henning einlässt - bis er nervös wird und nach Berlin abhaut. Kurz entschlossen reist Henning ihm hinterher. In der Hauptstadt begegnet er Tete, einer waschechten Tunte, die dafür sorgt, dass Henning die Dinge wieder klarer sieht. Jetzt muss nur noch Steffen zur Vernunft kommen, der in den Darkrooms und Saunas der Stadt nach Ablenkung sucht ...

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Seitenzahl: 333

Veröffentlichungsjahr: 2012

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Table of Contents

Titelei

Vorwort

Danksagung

I

II

III

IV

Über den Autor

Impressum

»Für Franz, einen der ersten Kenner. Viel Spaß bei der Lektüre der abschließenden Fassung wünscht Marcus. Berlin, im September 2001«

Zur Wiederveröffentlichung von

Marcus Brühls Henningstadt

Kennengelernt habe ich Marcus Brühl im Herbst 1998, ein Jahr nach Erscheinen seines ersten Buches Lebensansichten einer gepflegten Tunte: ein geistreicher, göttlicher komischer ›praktischer Ratgeber‹, den er unter dem Namen Penelope im Querverlag veröffentlicht hatte. Bei einer Veranstaltung zum Buch bei Prinz Eisenherz wird’s wohl gewesen sein – Marcus war wirklich wie Penelope im Buch: witzig, intelligent, schlagfertig und attraktiv!

Drei Jahre später erschien im Männerschwarm Verlag Henningstadt und ich bekam meine obige Widmung. Und jetzt hier, noch mal zehn Jahre später, versuche ich mir und dem geneigten Leser wiederzugeben, wie es zu diesem Buch kam und weshalb ich damals wie heute so begeistert von ihm bin.

Etwa ein halbes Jahr nach unserem Kennenlernen bekam ich elektronische Post von Marcus. Ich, der Buchhändler, erhielt ein Manuskript mit der Bitte um meine ehrliche Meinung und Einschätzung. Ich las die fast vierhundert ausgedruckten Seiten Papier. Und obwohl ich von dem, was ich las, durchaus angetan war, stellte sich mir ein Problem: Wie sagt man einem, den man mag, seine kritische Meinung? Dass man die Idee zwar interessant, aber so nicht druckreif findet? Ich habe ihm einen ›harten‹ und ›bösen‹ Lektor empfohlen: Joachim Bartholomae vom Männerschwarm Verlag. Marcus hat sich darauf eingelassen. Der Lektor auch. Und tatsächlich: die beiden haben lange und, vermute ich mal, hart miteinander gearbeitet. Herausgekommen ist der bis heute beste deutsche Coming-out-Roman. Leicht und direkt und voller Ironie und Wortwitz erzählt er, was andern so oft zum ewigen Drama wird. Die ersten Schritte in ein selbstbewusstes schwules Leben.

Ich freue mich sehr darüber, dass es diesen schönen Roman jetzt wieder zu lesen gibt. Und ich wünsche mir ebenso sehr, dass sein Autor, der zurzeit des Deutschen nicht mächtigen Menschen unsere Sprache beibringt, uns bald wieder mit seiner Sprache, seiner Fantasie und neuen Geschichten und Gedichten zu begeistern sucht. Ich mag ihn immer noch. Und seine Art zu schreiben sowieso.

Franz X. Brandmeier

Ich danke meinen Freunden!

Alle Personen, Begebenheiten und die Stadt

entsprechen so exakt der Realität.

I

Ich gewöhn mich ins Glück,

ich sage, es ist ganz leicht

Johannes Bobrowski

0

Tete bürstet ihre Augenbrauen und fixiert sie mit Haarspray. Neben der Mona Lisa, die auf dem Spiegel klebt, ist noch genügend Platz für das eigene Gesicht. Tete betrachtet nachdenklich ihr Spiegelbild. Ein starkes Kinn, eine sanfte Augenpartie, ein paar Falten, der Mund wie der ihrer Mutter. Sie fragt sich, wem sie da in die Augen sieht und schmiert Gel in ihre Kurzhaarfrisur, zupft ein bisschen daran herum. Dann fragt sie das Bild. Sie, die Taucherin war in der Tiefsee, die in entlegensten Fernen mit Händlern Verkehr hatte, Mona Lisa, muss schließlich wissen, ob man gut frisiert ist oder nicht: Und sie lächelt. Tete lächelt zurück. »Vielen Dank, Frau Gioconda!«

Tete wirft sich die Winterperücke auf den Kopf und geht auf die Straße. Hauptsache gut frisiert! Es ist dunkel und natürlich ist es kalt. Es ist kalt, weil Februar ist, nicht weil das Schicksal sie hasst. Rote Schaufensterbeleuchtung taucht die Straße in ein unwirkliches Licht. Schneeflocken säuseln zu Boden, bleiben aber nicht liegen. Straße und Bürgersteig glänzen nass und rot. Kein Auto ist unterwegs, kein Fußgänger zu sehen. Es ist Nacht. Wind weht ihr ins Gesicht und klappt die Herrenwinker der Perücke nach außen. Der Sturm heult sie an. Tete kämpft sich durch das Wetter.

Tete ist eine mächtige Zauberin. Wenn sie befiehlt, bewaffnen sich die Dämonen der Hölle, um ihr zu gehorchen. Davon macht sie allerdings selten Gebrauch. Eigentlich lebt sie unerkannt. Eigentlich kann sie nicht mal einen Brief zum Briefkasten bringen, ohne dass er nass wird und die Adresse verschmiert. Sie ärgert sich.

Mit einem Stoßgebet wirft sie den Brief ein: Er möge nützen! Hoffentlich bringt er was! Hoffentlich kommt er an! Zu Hause tritt sie vor den Spiegel. Nichts hat sich verändert.

Vielleicht muss sie warten, bis der Brief ankommt.

Vielleicht ändert sich die Vergangenheit nicht.

Nicht durch einen Brief.

Nicht durch einen faulen Zauber.

Tete kratzt sich am Kopf. Die Perücke verrutscht. Tete nimmt sie und wirft sie auf ihren Ständer. Dann stellt sie sich vor den Spiegel und wartet, bis der Brief ankommt. Man weiß nicht, wie lange so ein Brief braucht.

Drei Tage und drei Nächte bleibt sie vor dem Spiegel stehen. Dann hat sie einen Bart, aber sonst ist nichts passiert. Jedenfalls kann man es nicht sehen.

1

Schritte schreien im Hausflur. Henning flüchtet von der Party. Manchmal fremdelt er. Dann will er keinen sehen, kann keinen mehr riechen, und alles liegt hinter einer fetten Milchglasscheibe, die ihn vom Rest der Welt trennt. Alles scheint unwirklich. Er ist mit Isa auf Eriks Party. Alle sind da: Die gesamte Stufe tanzt und säuft, dazu die Stadtjugend. Es ist eine Campari-Orange-Party. Man trinkt roten Orangensaft und wundert sich, dass man schon torkelt.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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