Herrschaft der Hyänen - Richard R. Bernhard - E-Book

Herrschaft der Hyänen E-Book

Richard R. Bernhard

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Beschreibung

Im Nordwesten Deutschlands, im Pfälzischen, werden drei barbarisch zugerichtete Leichen gefunden. Die männlichen Opfer sind schwarzhaarig und von nicht sehr großem Wuchs, ihre Augenpaare sind jeweils unterschiedlich gefärbt. Sind es Freveltaten eines Serienmörders? Oder stecken international agierende Organisationen der russischen Mafia hinter den Verbrechen? Ein Thriller mit enormer Spannung und naher bedrückender Wirklichkeit

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Seitenzahl: 237

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Richard R. Bernhard

Herrschaft der Hyänen

Thriller

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Zum Buch

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Impressum neobooks

Zum Buch

Herrschaft der Hyänen

Richard R. Bernhard

Thriller

Inhaltsverzeichnis

Am Straßenrand, auf einer Waldwiese, in einem Auto in einer Schlucht werden drei barbarisch zugerichtete Leichen gefunden. Es sind männliche Opfer, schwarzhaarig, von nicht sehr großem Wuchs, bei denen jeweils beide Augen verschieden gefärbt sind.

Drei deutsche hochdotierte Verantwortliche kehren von ihrem Jagdurlaub nicht zurück – Tod durch Feuer und Rauch.

Was verbindet diese Gewalttaten? Sind es Freveltaten eines Serienmörders? Sind es Ritualmorde fanatischer Sektenmitglieder? Sind es Schandtaten Rücksichtsloser, die keine moralischen Schranken kennen und keine Gesetze beachten? Oder stecken international agierende Organisationen mafioser Strukturen hinter den Verbrechen?

Ein Thriller mit enormer Spannung und naher bedrückender Wirklichkeit in einer Welt, in der Geld, Macht, krankhaft Abnormes und Tod herrschen.

Kapitel 1

Aus dem Duschkopf lief warmes Wasser über das Haupthaar der mittelgroßen Gestalt. Einschäumen mit Shampoo, Abspülen, Abtupfen, Auftragen des Rastikgemisches und das Haar färbte sich tiefschwarz.

Vor dem Spiegel befanden sich Dosen mit Cremes, Pinsel und diverse Materialien für eine Gesichtsgestaltung. Die Gestalt schaute mit großen dunkelblauen Augen und starrem Blick in den Spiegel, säuberte mit Wasser und Reinigungslotion das Gesicht und trocknete es ab. Dunkles Make-up wurde mit den Fingern aufgetragen und im gesamten Gesicht gleichmäßig verteilt. Während sorgfältig der Haaransatz und die Halspartie bedacht wurden, erhielten Kinnpartie und Oberlippe keine Grundierung. Ein angeklebter schwarzer Kinnbart und ein kurzer Oberlippenbart deuteten den maskulinen asiatischen Look an, initiierten das Aussehen eines Tartaren, wie er in Sibirien lebt, gaben den Schein eines Mongolenbartes.

Dezente Stirnfalten und angedeutete Krähenfüße vervollkommneten die Erscheinung. Eine kleine Narbe sollte Unerschrockenheit und Wagemut suggerieren. Die Gestalt betrachtete sich im Spiegel und konturierte ihr Gesicht leicht mit dem Schattenpinsel, um Entschlossenheit und Durchsetzungsvermögen widerzuspiegeln. Nun wurden noch die verschiedenfarbigen kosmetischen Kontaktlinsen eingesetzt, es ergaben sich zwei Augenfarben.

Das Werk schien gelungen. Im Spiegel reflektierte die Erscheinung eines trainierten, aber nicht sehr großen Afghanen. Die Gestalt sah ihr äußeres Spiegelbild – sie entdeckte Gefallsucht und Gelüste, aber auch Cleverness und Freimut. In der Antike galt der Spiegel als Abbild der Seele, die darin gefangen war. Aus Kinderzeiten wusste die sich betrachtende Gestalt aus Märchen und Sagen, dass der Spiegel übersinnliche Eingebung, Voraussagungen, Erkenntnis bringen konnte. Sie sah den Spiegel als Symbol der Verbannung des Bösen. Aber die Gestalt wähnte neben sich im Spiegel den Satan, den Geist der Finsternis. Sie fühlte quasi den rebellierenden Widersacher, der sich in den Weg stellte und Gegenkraft initiierte. Sie malte sich den Ablauf der folgenden Zeit, der Tage und Monate aus. Es würde der letzte Dienst sein. Der Gewinn sollte sehr hoch sein. Würde sie heil zurückkommen? Würde ihr Plan aufgehen?

Kapitel 2

Zwei Monate später.

Auf einem Waldweg schlug ein durch den Wald streifender weiß-grauer, gelockter Terrier eines Pilzsammlers an und kläffte ununterbrochen, bis sich der Sammler dem bestimmten Ort näherte. Entsetzt, grauenerregend schaute er auf die am Boden liegende tote menschliche Gestalt. Fliegen und Maden krochen auf dem Leichnam. Das Gesicht war brutal zugerichtet. Zitternd tippte er die Notfallnummer am Handy ein und teilte seine Beobachtung mit, nachdem sich am anderen Ende der Leitung die Polizeidienststelle gemeldet hatte.

Bei Arno Rohrbach, dem stämmig-rundlichen Kriminalisten in Pension, der in einem Einfamilienhaus am Rande einer kleinen pfälzischen Gemeinde im Norden der auslaufenden Eifel wohnte, klingelte das Handy, als er gerade seinen morgendlichen Rundgang durch das Wiesengelände des Tals beenden und in der Landbäckerei bei Heidelore Kuster seinen Morgenkaffee genießen wollte, um dabei den neuesten Dorfklatsch zu erfahren.

Sein Hund machte sich früh zeitig intensiv bemerkbar, damit er ins Freie geführt wurde. Ohne Morgentoilette zog dann Rohrbach geschwind seine Jeans, ein kariertes Wollhemd und darüber seine Outdoorjacke an und setzte seine Baseballkappe auf sein Stoppelhaar. Während seiner Dienstzeit trug er häufig schwarze Kleidung, um hart zu wirken.

Rohrbachs Leistungen während seiner Dienstzeit waren außerordentlich. Er kannte die kriminellen Gruppierungen und hielt sie unter Kontrolle. Er trug bei, ein Netz türkischer Drogenhändler zu zerschlagen und war in seinem Verantwortungsbereich ein Garant für Ordnung. Einmal kam es zu einer Affäre, es verschwanden größere Mengen Drogen. Überall im Polizeibereich redete man über Rohrbach. Doch nach mehreren Monaten wurden die Untersuchungen eingestellt, es gab keinerlei Beweise.

Rohrbach griff nach seinem klingelnden Mobiltelefon. Kommissar Hebestreit vom Polizeikommissariat der Kreisstadt meldete sich:

„Hallo, Herr Rohrbach. Haben Sie Lust, mich zu einer Leiche zu begleiten? Sie soll eine kolossale Herausforderung sein.“

„Ja, sehr gern. Meine Tage sind ja so eintönig, da gefällt mir eine Abwechslung sehr gut.“

„O. k., ich hole Sie ab, bis gleich.“

Nun musste Rohrbach seinen Morgengenuss verschieben und konnte nicht mit der agilen Bäckersfrau plauschen.

Rohrbachs Größe und der massive Körperbau verschafften ihm in seiner bisherigen Tätigkeit stets Geltung. Seine kriminalistische Witterung war noch voll intakt. Über 30 Jahre war er erfolgreicher Kriminalist und sorgte für Recht und Gesetz.

Nach dem Tod seiner Frau lebte Rohrbach allein mit seinem Jagdhund Watson in seinem Haus.

Hebestreit hielt zu Rohrbach nach dessen Pensionierung noch freundschaftlichen Kontakt. In vieler Hinsicht sah er ihn als seinen Lehrer an, auch wenn Rohrbach ein eigensinniger, oft unberechenbarer und manchmal rabiater Typ war. Rohrbach hatte ihn nach der Wende nach einem längeren Einsatz in Dresden in seine Mannschaft im Pfälzischen integriert.

Hebestreit fuhr in seinem Oldtimer-Mercedes gern zügig. Seine Kollegen hänselten ihn mit seinem langsamen Gefährt, die Täter würden ihn blitzschnell abhängen. Sein Sammlerstück war zwar aus der Mode gekommen, für ihn erfüllte es ideelle Zwecke, es war ein Kulturgut mit Nostalgieeffekt. Aufgrund des Oldtimer-H-Kennzeichens, bei dem das H am Ende des Kfz-Kennzeichens für historisches Fahrzeug stand, brauchte er keine Abgasuntersuchungen. Das rief wiederum etwas Neid der Kumpel hervor.

Als Hebestreit eintraf, stand Rohrbach schon wartend vor der Haustür, neben ihm sein Jagdhund. Das Auto hielt.

Rohrbach öffnete die beiden Seitentüren und wollte den Hund auf den hinteren Sitzen platzieren.

„Herr Rohrbach, heute regnet es, der Hund versifft meine Polsterung.“

„Ja, Sie haben recht.“

Rohrbach holte aus seiner Tasche eine Decke und breitete sie aus. Der Hund sprang ins Auto. Rohrbach schloss die hintere Tür, dann quetschte er sich vorn hinein und verstellte den Sitz.

Ein ‚Hallo‘ erklang von beiden Seiten. Morgens waren beide maulfaul, sie besprachen nur das Wichtigste. Im Auto ließ der Motorenlärm keine gedämpfte Unterhaltung zu.

„Wir fahren zur Fernverkehrsstraße“, erklärte Hebestreit. „Die Leiche soll an einem Waldweg in der Nähe zur Fernstraße im Gebüsch liegen und seltsame Verletzungen haben.“

„O. k.“

Dann schwiegen sie wieder. Hebestreit hielt das Steuer fest in der Hand, die Straße war nass. In der Nacht hatten Sturm und Gewitter Blätter von den die Straße begrenzenden Bäumen gerissen, die jetzt die Straße etwas glitschig werden ließen. Rechts und links der Straße breiteten sich Felder aus.

„Haben Sie heute schon geduscht?“, fragte Hebestreit.

Rohrbach roch an seinen Achselhöhlen und zog die Stirn kraus.

Das Auto hielt zu Beginn des aufgeweichten Waldweges, an dem die Leiche liegen sollte. Sie stiegen aus und traten in Pfützen. Sie balancierten am Rand des Weges, dessen Untergrund dort fester erschien. Etwas abseits sahen sie in einer Mulde hinter Gebüsch das Flatterband. Sie wollten ohne Umwege zum Tatort. Aber der Hang neben dem Weg war rutschig, sie glitten aus und landeten im überwachsenen Wassergraben, Hose, Schuhe, Strümpfe waren durchnässt. Schimpfend stapften sie in Richtung des Flatterbandes. Besonders laut donnerte Hebestreit los. An diesem Tag war der Mittvierziger in seinen schwarzen Halbschuhen und gebügelter Hose mehr auf Schreibtischarbeit als auf Wanderungen durch morastiges Gelände eingestellt. Sein braunes Tweed-Jackett blieb mehrmals an knorpligen Astresten hängen, die auch Spuren auf seinem Gesicht hinterließen und den Scheitel seiner dunkelbraunen Haare durcheinander brachten.

Sie stellten schnell fest, dass es kein Tatort, sondern der Leichenfundort war, das mit gestreiftem Absperrband abgegrenzt war. Die Spurensicherung war bereits umfänglich tätig. Hebestreit hob das Band und schlüpfte darunter weg. Rohrbach wollte es ebenso tun. Er wurde aber von einem Polizisten daran gehindert. Der Zutritt wurde ihm verwehrt. Hebestreit beteuerte, er sei sein Berater – er sei Kriminalhauptkommissar Rohrbach – das ‚Ex‘ verschwieg er. Daraufhin erhielt er zwar freien Zugang, aber der Hund musste zurückbleiben, er wurde an einen Baum gebunden.

Sie begrüßten den Gerichtsmediziner, der in seiner Montur neben der Leiche stand und zogen Einwegkittel und Gummihandschuhe über.

Hebestreit fragte: „Was haben Sie herausgefunden?“

Der Gerichtsmediziner sprach in sein Aufnahmegerät:

„Auffinden der sterblichen Überreste einer schwarzhaarigen, asiatisch aussehenden Person von etwa dreißig, von schmaler Gestalt, stark zugerichtet, wahrscheinlich Folteropfer.“

Der Anblick der entstellten Leiche war grauenhaft. Das Gesicht war übersät von einer Vielzahl von verkrusteten Wunden. Schnitte quer über die Stirn, die Nasenflügel waren an mehreren Stellen tief eingeritzt, es fehlten Gewebestücke. Am Kinn waren größere Gewebeteile entfernt worden, es klafften größere Wunden. An den Lippen und Wangen hing zerfetzte Haut herunter, es schien als wären die Lippen mit einer Schere aufgeschnitten worden. Hebestreit kniete sich neben den Gerichtsmediziner, um die Wunden und die Martermale aus der Nähe zu sehen. Die Nägel an den Fingern und Zehen waren herausgerissen.

„Was können Sie zum Todeszeitpunkt sagen?“, fragte Hebestreit den Gerichtsmediziner, der sich noch in Hockstellung die Wunden genauer betrachtete.

„Die Leiche liegt schon einige Zeit, die klassischen Methoden zur Todeszeitbestimmung versagen; Totenflecken, Leichenstarre, Überprüfung der Körpertemperatur, alles lässt sich nicht mehr heranziehen, die zweiundsiebzig-Stundengrenze ist vorbei.“

„Was, Sie können nichts über den Zeitpunkt des Eintrittes des Todes sagen“, echauffierte sich Hebestreit.

„Der Leichenfundort ist nicht der Tatort. Das Opfer schien an einem anderen Ort gefoltert worden zu sein, danach wurde die Leiche hier abgelegt. Aber die Insekten verraten noch etwas.“

„Nun reden Sie schon.“

Der Gerichtsmediziner hockte noch immer neben der Leiche und betrachtete mit einer Lupe die Wunden.

„An dem Leichnam ist natürlicher Insektenbefall zu sehen. Die Schmeißfliege – Calliphoridae - hat ihr Eigelege platziert.“

„Ja, ja, … was sehen Sie?“

„Jetzt ist das Larven- und Puppenstadium eingetreten, das erweichte, sich zersetzende Gewebe dient als Nahrung.“

„Also die minimale Leichenliegezeit beträgt etwa sieben Tage“, mischte sich Rohrbach ein.

„Warum etwa?“

„Falls die Leiche noch einige Zeit in Decken eingehüllt und im Kofferraum eines Autos gelagert und transportiert wurde, verwischt das die Aussage.“

Der Gerichtsmediziner öffnete die Augenlider des toten Körpers und stieß ein „Oh“ aus.

„Das Todesopfer hat zwei unterschiedliche Augen. Aber weitere Einzelheiten muss die Obduktion zeigen, wir lassen die Leiche jetzt abtransportieren. Herr Hebestreit, morgen kommt mein Bericht.“

Sie verließen den Leichenfundort. Die Spurensicherung suchte das umliegende Gelände ab, aber der Regen hatte weitere Spuren verwischt.

Auf der Rückfahrt war Hebestreit gesprächiger. Zwar sah man ihm an, dass er über Unannehmlichkeiten sinnierte, aber er unterbrach sein Grübeln, als ihn Rohrbach nach seinen Problemen befragte.

„Ach, Herr Rohrbach, ich lebe getrennt von meiner Frau. Und diese Woche sind meine beiden Kinder bei mir.“

„Das ist doch fein.“

„Nun das sagen Sie, es gibt schon Ungereimtheiten mit ihnen. Gestern kam ich spät nach Hause. Ich öffnete die Wohnungstür, keine Kinder zu sehen. Ich rief. Keine Antwort, alles war still. Ich suchte die Zimmer ab. Im Kinderzimmer hockten beide Kinder, der jüngere Bub der Sexta und die ältere Gymnasiastin, vor ihrem Computer und schwebten gedanklich im digitalen Kosmos. Ich versuchte mit ihnen zu kommunizieren, aber beide reagierten nicht. Zwar konnte ich deren körperliche Hüllen erblicken, doch auf meine Aufforderung: ‚Kommt ihr bitte, wir wollen gemeinsam zu Abend essen. Helft ihr mir dabei? - Keine Resonanz.“

„Ja, die heutigen ‚Digital-Natives‘ sind nicht mehr vom Computer wegzukriegen.“

„Nun ja, ich ging in mein Zimmer und verständigte mich mit ihnen über das digitale Kommunikationsmittel. Bedächtig, fast wie geistesabwesend kam einer und nach einer Pause der andere Abkömmling in die Küche. Ich fragte, ob einer die Spülmaschine ausräume und Tisch decke – aber keine Mithilfe. Als ich Jonas aufforderte, Vokabeln zu wiederholen und neue zu lernen, meinte er, die Bücher seien in der Schule unter der Bank – also auch eine Methode, die Null-Bock-Mentalität auszuleben. Schweigend saßen sie am Tisch. Die Computersüchtigen schlangen einige Brocken hinunter und verschwanden kauend, mit einer Möhre in der Hand, um schnell wieder zu ihrem Medium zu gelangen.“

„Wenn ich meine Enkel auffordere, Vokabeln auch mal aufzuschreiben, bekomme ich zur Antwort, wir würden im digitalen Zeitalter leben, da brauche man nicht mit der Hand zu schreiben.“

„Ich war innerlich erbost, dass noch Essbesteck, Teller, Brocken, Brösel auf den Plätzen lagen und die Spülmaschine nicht ausgeräumt war. Die kleinen Aufträge wurden nicht erfüllt.“

„Ist diese Haltung nun Produkt der Erziehung?“

„Ich frage mich schon, ob die Dinge des Alltags für meinen Nachwuchs nicht wichtig sind. Ständig sind sie auf Verweigerungskurs. Herr Rohrbach, wie sollen selbstständige Wesen heranwachsen, wenn sie nicht lernten, ohne fremde Hilfe praktische Fertigkeiten zu erwerben, die im Leben der Menschen gebraucht werden. Wie sollen sie zu funktionierenden Mitgliedern unserer Gesellschaft werden?“

Rohrbach schwieg, er wollte nicht belehrend wirken, für ihn war es ein Erziehungsproblem.

Obwohl er nahezu vierzig Jahre Erfahrungen und Erlebnisse in der Kriminalistik vorweisen konnte und manche schlimmen Fälle an Verbrechen gesehen hatte, ließ ihn der Anblick von Folteropfern nicht unberührt.

Er war zurück in seinem Dorf. Seinen versäumten Morgenkaffee musste er umwidmen in Vier-Uhr-Kaffee. Nach dem sein Hund über die Wiesen gesaust war und die Dorfstraße entlang rannte, leinte er ihn am Fallrohr der Dachrinne der Landbäckerei Kuster an. Er hatte vorher seine Hemd gewechselt und andere Oberbekleidung angezogen. Er hatte seine wollene Trachtenjacke mit Hirschhornknöpfen übergezogen, aber nicht zugeknöpft. Es war mildes Wetter. So brauchte er keine Mütze. Seine grauen Haare trug er sehr kurz, fast als ‚Bürste‘. Er war mit schwarzen Jeans und einem hellblauen T-Shirt bekleidet. Er stieg die drei Stufen hoch und öffnete die Ladentür, die einen ‚Kling-Klong-Ton‘ von sich gab und so einen neuen Kunden ankündigte. Heidelore Kuster, die Bäckersfrau, kam in der blau umrandeten weißen Schürze, um die Ecke aus der Küche.

„Heidelore – obwohl der Tag bereits fortgeschritten ist, wünsche ich dir einen wunderschönen Resttag“, grüßte Rohrbach.

„Arno, ich grüße dich.“

„Ich nehme heute ein halbes Landbrot und zwei Knüppel-Brötchen mit. Aber zuerst trinke ich meinen täglichen Kaffee bei dir, gib noch etwas Kakao darauf und lege einen Croissant und ein süßes Streuselteilchen dazu.“

„Du siehst heute aber sehr flott aus.“

„Ja, meist kleidet mich meine Tochter ein, und sie empfiehlt mir trendige Sachen. Ich solle nicht immer die alten Sachen abtragen. Wozu ich sparen würde. Als ehemaliger Beamter könne ich mir flotte Kleidung leisten. Heute habe ich mich an meine ländlich konventionelle Tracht erinnert.“

Frau Kuster stand in ihrer weißen Schürze hinter der Verkaufstheke und bereitete den Kaffee und den süßen Imbiss vor.

Im Dorf sprachen die Einwohner einfach von 'Heidelore', wenn sie über ihren Besuch beim Bäcker berichteten, denn ihr Vorname war relativ selten und erweckte gemeinsam mit ihrer Rede- und Ausdrucksweise Assoziationen zur ehemaligen Zugehörigkeit zum niederen Landadel.

Gern pflegte sie ihre Schwatzsucht, sie beherrschte den Klatsch als eine Form der gesellschaftlichen Unterhaltung, sie gab absichtsvoll Informationen über nicht anwesende Personen weiter, ohne sie bloß zu stellen. Viele ihrer Nachrichten hatten hohen Neuigkeitswert. Von ihr konnte man schnell – quasi in Kurzform – das Neueste zum Dorfleben, zu Leiden verschiedener Einwohner, zu Ehestreitigkeiten oder Geburten, zu nächtlichen Krawallen der Russen, zu Partys am See oder zu ausgebüxten Kühen oder Pferden erfahren. Wenn in manchen Ecken des Dorfes die Wert- und Normvorstellungen verletzt wurden, konnte sie ihren Klatsch besonders würzen. Für sie war es sozialer Kitt, eine Art gemeinschaftliche Unterhaltung, wenn sie die Neuigkeiten und Enthüllungen über die Dorfgemeinschaft verbreitete.

Während die junge Frau Kuster nur selten, vielleicht vorwiegend als Vertretung im Laden gesehen wurde, ließ es sich die kleinwüchsige, etwas mollig erscheinende Seniorin Kuster nicht nehmen, täglich die frischen Waren zu verkaufen und so den Kontakt zur Dorfgemeinde zu halten. Sie färbte ihre Haare, trug sie meist halblang oder auch hochgesteckt.

Stets band sie eine weiße Schürze um, die blau eingesäumt und an den Ecken abgerundet war.

Sie schnitt das frische Steinofenbrot durch und schob mit hochgestellter, leicht gekrümmter Hand die Brotkrumen zusammen, strich sie auf die andere hohle Hand und führte sie zum Mund. Etwas abseits lagen noch Streuselbröckchen, sie vereinigte diese ebenfalls zu einem kleinen Häufchen und genoss die süße Leckerei.

Während sie Kaffee und Gebäck servierte, fragte sie Rohrbach, welche neuen Fälle er gerade bearbeite. Aber er gab darauf keine Antwort.

In den Mittagsstunden des Folgetages stand Hebestreit im Obduktionssaal des rechtsmedizinischen Institutes neben der entkleideten Leiche. Er bekam einen mündlichen Bericht über die äußere Leichenschau.

Auf dem gesamten toten Körper der männlichen stark entstellten Leiche waren grausame Foltermerkmale sichtbar. Der Gerichtsmediziner wies auf Blutergüsse, Schwellungen, Verletzungen, Verbrennungen hin. Schläge mit Schlagstöcken, Stromeinwirkung an Rücken und After schienen als Folter angewandt worden zu sein.

Er öffnete die Augenlider:

„Das Opfer hat eine Iris-Heterochromie, also verschiedene Augenfarben, Störungen in der Pigmentierung.“

„Ist das eine Krankheit?“

„Das macht nicht krank und wird nicht durch Geschehen im Körper hervorgerufen, meist angeboren, die Sehschärfe wird auch nicht beeinträchtigt.“

Hebestreit informierte telefonisch Rohrbach über die Ergebnisse der Obduktion.

Kapitel 3

Im fernen Altai.

Am Waldrand vor einem felsigen, unbewaldeten Abgrund pausierten die Jagdfreunde. Sie aßen von ihrem Proviant und sprachen über bisher ausgebliebenes Jagdglück. Durch ihr Fernglas beobachteten sie Maralhirsche in der Ferne.

Der hünenhafte, sportlich-schlanke, dunkelhaarige Enddreißiger, Florian Dalheim - im Berufsleben Manager für Controlling und Vice President der Burg-Firma im Norden der Eifel, stets adrett, elegant modisch gekleidet - hing seinen Gedanken und Vorfreuden über bevorstehende Jagderlebnisse in der weiten Natur der fernöstlichen urwüchsigen Ungebundenheit und Eigenständigkeit nach. Er sah die waidmännische Jagd als eine Form der Freiheit und Individualität. Dalheim genoss das Glücksgefühl der Jagd, es kam aus seinem Inneren.

Schräg vor ihm hockte Michael Derling auf einem Baumstamm. Der sportliche, durchtrainierte Mittvierziger mit kurzen Haaren und rechtsseitigem Scheitel war nicht nur theoretisch in der Jagdkunde beschlagen, sondern er kannte viele Jagdgebiete in der Welt aus persönlichem Erleben. Als Publizist gab er seine Eindrücke und Erfahrungen in Fachzeitschriften über das Jagen weiter. Dalheim und sein Freund Werle, der Dritte der Jagdtouristen, sahen in ihm den Berater, wenn es darum ging, in der Wildnis des Fernost stets die Orientierung zu behalten. Sie nannten ihn – wie in der Hubertuslegende - einfach ‚Hubertus‘, den Schutzpatron der Jagd. Für sie war er der persönliche Beschützer in der freien, wilden Natur.

Konstantin Mautner, der Jagdführer, wurde befragt, wo er so gut deutsch sprechen gelernt habe. Er erzählte, dass er Russlanddeutscher sei, die Großeltern und Eltern im Wolgagebiet gewohnt haben und die Großmutter Deutsche gewesen sei und zu Hause viel deutsch gesprochen wurde.

Dalheim hatte sein Gewehr neben sich liegen. Konstantin schielte eine geraume Zeit darauf, bis er Dalheim fragte, ob er es genauer besehen dürfe. Er betrachtete es von allen Seiten, schaute durch das Zielfernrohr, musterte das erlesene Schaftholz und die feinen kunstvollen Gravuren auf den Seitenplatten, die Jagdmotive darstellten. Behutsam strich er mit der Hand über die exklusive Jagdflinte, so als würde er ein liebes Tier streicheln.

„Englisches Fabrikat – nicht wahr?“, stellte Konstantin fest.

„Ja, von James Purdey, das ist die königliche Waffenschmiede in London.“

„Ah, eine Purdey – beste Jagdwaffe der Welt.“

„Gewiss, handgefertigtes klassisches Stück mit modernster Technologie, mit Computerunterstützung, sie kostete mehr als ein guter Kleinwagen“, klärte Dalheim auf.

Dalheim schielte zu Konstantin. Sein gieriger Blick, die Bewegungen der Arme und Hände, die Gesten – diese Körpersprache ließen ihn grüblerisch und argwöhnisch werden.

Auf dem Rückweg durchstreiften sie lichten Lärchenwald, der von einer freien, erhöhten, steinigen Fläche unterbrochen wurde, die in ein kleines Tal mit felsigen Gesteinsrändern überging.

Von einer Anhöhe blickten sie in eine weiträumige, unbegrenzt erscheinende Landschaft. Dalheim empfand Ehrfurcht und Respekt vor der Natur. Gleichzeitig hatte er den Eindruck der eigenen ‚Winzigkeit‘. Gedanken über die Unendlichkeit flammten auf.

Am Abend wurden die Jagdtouristen zu einem Abendessen am Lagerfeuer im nahe liegenden Dorf eingeladen. Konstantin kam mit einem Geländewagen zur Hütte, um sie zum Treffen abzuholen. Bevor sie losfuhren, regte er an, sie mögen noch reichlich Holz im Ofen nachlegen, damit es abends schön warm in der Hütte sei, wenn sie zurück kämen. Er empfahl, die Ofenklappe nur sehr wenig zu öffnen, das Holz könne ja schwelend langsam abbrennen. Die Jagdtouristen maßen in dem Augenblick dieser Bemerkung keine Bedeutung zu. Als sie in dem kleinen Ort, der nur aus elf Häusern bestand, eintrafen, war das Lagerfeuer schon weit hin zu sehen, es bildete den Mittelpunkt. Eine beachtliche Zahl von Dorfbewohnern und andere Touristen hatten sich auf Bänken an Tischen um das Feuer platziert. Der Himmel war sehr dunkel und sternenklar, kein Streulicht hellte das scheinbare Gewölbe auf. Gegen die einströmende Kälte schlugen sie Decken um Körper und Beine.

Mit einer besonderen Konstruktion wurden Fleischstücke und Fleischscheiben am Feuer gegrillt. Auf langen Metallstäben waren Fische aufgespießt und der heißen Luft neben den Flammen ausgesetzt.

Kaum hatten sich die Jagdtouristen gesetzt, animierte Konstantin mit einem Trinkspruch – quasi zur Begrüßung, also vor Beginn der Mahlzeit - ein Glas Wodka zu leeren. Gleichzeitig erläuterte er die Technik des Trinkens. Beim Trinken halte man die Luft an, leere das Glas mit einem Schluck und atme anschließend aus. Dalheim erinnerte sich an die Trinkkultur der Studentenverbindungen während seiner Studienzeit und erwiderte mit einem kurzen lateinischen Trinkspruch.

Konstantin setzte sich neben Dalheim und Werle. Er ermunterte, weiteren Wodka zu trinken, bestand aber nicht darauf, dass stets der Inhalt des Glases vollständig auszutrinken sei. Auf den Tischen wurde Borschtsch, die traditionelle Rote-Beete-Suppe, aufgetragen. Beim Essen holte Konstantin einen Gewürzstreuer aus seiner Jackentasche und streute eine Prise auf seine Suppe, um anschließend mit viel Schwung mehrere Portionen in die Suppe von Dalheim und Werle zu geben. Mit Mühe konnten sie die unfreiwillige Zugabe stoppen, als auch schon Hubertus eine größere Menge auf seinen Teller bekam.

Konstantin verwies darauf, dass das Gewürz das Aroma der Speise ergänze und günstige Wirkungen im Körper entfalte.

Dalheim und Werle rätselten, welche weiteren Inhaltsstoffe in dem russischen Nationalgericht noch zu identifizieren waren. Sie kamen überein, dass sich noch Zwiebeln, Kartoffeln, Weißkohl, Möhren, Tomaten darin befanden.

Frauen stellten noch mehrere Schüsseln sowohl mit Schafkäse als auch mit eingelegten Pilzen auf die Tische, dunkles Brot wurde ergänzt. Andere Frauen kredenzten aus einem Korb Gläser mit Tee und Kumis.

Werle griff aus Interesse nach dieser vergorenen Stutenmilch, die auch als ‚Milchwein‘ bezeichnet würde. Er verzog beim Trinken sein Gesicht.

„Sehr gewöhnungsbedürftig - ja, säuerlich, prickelnd - aber dazu dieser mandelartig-käsige Geschmack, nein kein weiteres Glas“, kommentierte er.

Dalheim überlegte plötzlich, weshalb Konstantin den Gewürzstreuer aus seinem Jackett gezogen und dieser nicht auf dem Tisch gestanden habe. Weshalb er nur zaghaft eine winzige Spur des angeblichen Gewürzes auf seinen Teller gestreut habe und bei ihm und den anderen beiden aber mit vollem Schwung mehrmals beachtliche Mengen ausgeteilt habe. Er fragte sich, kam überhaupt etwas aus dem Streuer, wenn man nur zögerlich das Gefäß bewegte. Konstantin hatte danach den Behälter tüchtig auf dem Tisch aufgestoßen und geschüttelt, ehe er über die anderen Suppen streute. Was war in diesem Gewürzsteuer wirklich? Ein unwohles Gefühl durchzog seinen Körper. Er bildete sich ein, dass ihm übel werde. Er stand auf, fädelte seine Beine über die Sitzbank, was nicht ganz so einfach war, er konnte schlecht das Gleichgewicht halten. Er lief vorsichtshalber einige Schritte, falls er sich übergeben müsste. Aber das Gefühl verstärkte sich nicht, vielleicht waren es nur psychosomatische Vorstellungen, sagte sich Dalheim. Er ging zum Platz zurück.

Konstantin nötigte zum weiteren Trinken des ‚Wässerchens‘ und erzählte von seiner Familie, die in den dreißiger Jahren an der Wolga wohnte. Sein Vater sei im Zweiten Weltkrieg in deutsche Gefangenschaft geraten, daraufhin sei die gesamte Familie nach Südsibirien umgesiedelt worden. Der Vater sei in Deutschland als Zwangsarbeiter im Arbeitslager an der Staumauer einer Talsperre umgekommen. Sein Sohn Sergej arbeite jetzt im westlichen Deutschland in Nähe eines Stausees.

Da blitzte ein Gedanke in Dalheim auf.

„Ach Konstantin! - Der Sergej ist dein Sohn? Welch ein Zufall. Aber ja, natürlich, ... Sergej Mautner. In der Tat, Sergej arbeitet seit einiger Zeit in unserer Firma. Er hat uns die Reise hierher empfohlen und vermittelt. Aber dass sein Vater hier Jagdführer ist, hat er nicht erwähnt.“

Der Vater Konstantin hatte schon lange vor dem Eintreffen der Jagdtouristen die Fotos und Kommentare erhalten.

Das Gespräch stockte. Dalheim fühlte sich auf einmal sehr schläfrig, manche Gegenstände sah er nicht mehr scharf. Die Sache mit dem Gewürz schien nicht geheuer. Er wollte noch einmal aufstehen und versuchen, sich abseits zu übergeben. Er konnte sich nicht erheben. Er war ohne Hilfe nicht imstande, seine Beine über die Holzbank zu schwingen. Neben ihm bemühte sich Werle aufzustehen, mit Verrenkungen im Sitzen, schaffte er es, die Beine nach der anderen Seite zu schwingen. Beim Gehen schwankte er stark. In Dalheims Kopf kreisten Gedanken. - 'Der Schadstoff muss raus! Aber wie? Mit welchem Mittel soll ich gerade ins Jenseits befördert werden? Was passiert jetzt in meinem Körper?' - Dalheim wurde es übel. Er kämpfte mit Würgereizen. Aber es gelang ihm nicht, den Mageninhalt wieder von sich zu geben.

Hubertus empfahl, die Unterkunft aufzusuchen. Als sie zum Wagen gingen, wurden sie von Konstantin und Dimitri - Dimitri Surkow, einem anderen Jagdhelfer, gestützt. Konstantin fuhr die Jagdtouristen zur Jagdhütte. Sie fühlten sich sehr müde und matt, sie legten sich sofort auf ihre Schlafpritschen, nachdem sie schwerfällig die Jagdkleidung abgelegt hatten.

Konstantin begleitete sie in die Hütte. Er schaute in den Ofen und legte Holz nach, hantierte an der Ofenklappe. Sie war nun verschlossen. Er ging hinaus, kramte in seinem Auto, wartete längere Zeit, kehrte in die Hütte zurück, schaute sich um. Es schien, als schliefen die Jagdreisenden bereits. Er verweilte kurze Zeit in der Gästeunterkunft, verließ sie mit einem dickgefüllten Sack auf dem Rücken, den er zu seinem Gefährt transportierte und ablegte. Er wiederholte die Prozedur. Wieder hatte er beim Verlassen des Holzhauses einen Sack auf dem Rücken und zusätzlich Tragefutterale – wahrscheinlich mit Flinten - unter den Armen. Alles wurde im Wagen verstaut. Er bückte sich und suchte unter dem Sitz nach einem Gegenstand. Konstantin erinnerte sich in diesem Augenblick an die Worte eines Popen, der zur Gemeinde von der Kanzel der Kirche, in der er als Zwölfjähriger auf der Bank bedächtig lauschte, die Macht und Gewalt des Satans schilderte, wenn sich Frauenspersonen im Winter mit untergestellten Kohlentöpfen erwärmen wollten. Der ‚Kohlendampf‘ raube gar leicht den Menschen das Leben.

Auch in der Holzhütte wirkte er bereits.

Konstantin holte aus dem Auto den Reservekanister und verteilte den Inhalt innen und außen an der Hütte. Er schleuderte ein brennendes Streichholz in Richtung der Touristenunterkunft, eilte zum Auto und fuhr mit seinen Schätzen zügig davon. In den Weiten des Altai gab es keine Feuermelder, keine einsatzbereite Feuerwehr, das Feuer konnte ungebremst am Holzhaus wüten.

Wenige Tage, nachdem im mittelasiatischen Hochgebirge Konstantin Mautner die Jagdtouristen nach der Zusammenkunft am Lagerfeuer in die Jagdhütte begleitet hatte, meldeten Zeitungen und Journale:

- Drei deutsche Jäger verbrannten in Sibirien –

Auf tragische Weise kamen auf einer Jagdreise im russischen gebirgigen Grenzgebiet zur Mongolei zwei hoch dotierte Manager und ein Journalist in den Flammen ums Leben. Sie jagten auf Sibirische Wildarten. Nach einer gemeinsamen rustikalen Mahlzeit abends im Freien saßen die Jagdtouristen noch beisammen und suchten nach Mitternacht die Jagdhütte auf. Einige Stunden später entdeckte der Jagdführer, der weitab in seinem Auto kampierte, Rauch zwischen Bäumen, der aus der Hütte drang. Als er die Tür der Hütte öffnete, entstand durch den Luftzutritt heftiges Feuer. Die Jagdhütte mit den Waidmännern brannte ab.

Der Feuertod war im römischen Altertum eine verbreitete Variante der Todesstrafe. Die Inquisition verurteilte im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit Ketzer und Hexen auf dem Scheiterhaufen zum Tode. Kaiser Friedrich II. und der Papst Gregor IX. ordneten im Mittelalter für hartnäckige Abtrünnige und angebliche Hexen den Feuertod an.