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In ihren ehrlichen und warmherzigen Briefen gibt Karina Balmer Einblick in ihren tiefsten Herzenswunsch nach einer neuen besten Freundin und nimmt die Leserin mit auf die ungewöhnliche Reise zweier Frauen, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Mit grosser Offenheit erzählt sie dabei von der Verletzlichkeit ihres eigenen Herzens, so dass es der Briefempfängerin schnell gelingt, das Thema Freundschaft mit all seinen Facetten neu zu betrachten. Lebensnah berichtet die Autorin von ihren Erfahrungen und erzählt dabei auch mit erfrischenden und mutmachenden Erlebnissen von ihrem Glauben. Jeder Brief berührt mit Tiefgang und spricht ohne Scham Themen an, die besonders Frauen betreffen. Zwischendurch gibt es wertvolle Journaling-Impulse, die zum Weiterdenken anregen und helfen, eigene Freundschaften zu ergründen und sturmfest zu bauen. Ein Buch voller Poesie, wunderschöner Bilder und spannend bis zur letzten Seite! Sehr empfehlenswert für alle, die sich nach neuem Wind, echter und aufbauender Freundschaft zwischen Frauen sehnen! Achtung: das Buch enthält eine farbenfrohe Ladung an Sprengstoff gegen eingefleischte Verhaltensmuster und kann durchaus lebensverändernd sein.
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Seitenzahl: 188
Veröffentlichungsjahr: 2021
HERZENSFREUNDIN GESUCHT!
Briefe einer Reisenden
KARINA BALMER
© 2021 Karina Balmer
Autorin: Karina Balmer
Umschlaggestaltung, Layout, Grafik:
Francesca Poggi | Bright Lines Graphic Design Studio
Lektorat, Korrektorat:
Friederike Kunath | SchreibStimme. Kunath & Tóth KIG
Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg
ISBN: 978-3-347-23410-9 (Paperback)
978-3-347-23411-6 (E-Book)
Die Bibelstellen sind der Schlachterübersetzung Version 1951 entnommen.
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http:// dnb.d-nb.de abrufbar.
Siehe, du bist schön,meine Freundin,siehe, du bist schön,deine Augen sind Tauben!
Hohelied 1,15
FÜR FABIENNEMEINE GELIEBTE TOCHTER
Inhalt
Vorwort
Briefe aus Namibia: Der Traum
Brief 1 Der Traum
Brief 2 Der Wunsch
Brief 3 Freundschaftserlebnisse
Brief 4 Aufbruch
Impulse für dein Tagebuch
Briefe aus Israel: Schönheit
Brief 5 Denkmuster
Brief 6 Messlatten
Brief 7 Gefangenschaften
Brief 8 Verhaltensmuster
Brief 9 Verurteilung
Impulse für dein Tagebuch
Briefe aus Thun: Aufblühen
Brief 10 Rückblick
Brief 11 Masken
Brief 12 Ehrlichkeit
Brief 13 Scham
Impulse für dein Tagebuch
Briefe aus der Wüste: Altlasten
Brief 14 Flashback
Brief 15 Verletzte Gefühle
Brief 16 Geist, Seele & Leib
Brief 17 Vergebung
Brief 18 Neustart
Mein Song “HOFFNIG”
Impulse für dein Tagebuch
Briefe von Zuhause: Mein Herz
Brief 19 Was, wenn es wieder geschieht?
Brief 20 Entscheidungen
Brief 21 Freundschaft mit Gott
Brief 22 Mir selber eine Freundin sein
Brief 23 Der Brief an mich
Impulse für dein Tagebuch
Epilog
Die Geschichte zum Buch
Danksagung
Über die Autorin
Anmerkungen und Nachweise
VORWORT
Liebe Leserin
Kleine Mädchen haben beste Freundinnen.
Erwachsene Frauen träumen davon.1
Eine davon bin ich.
Das Thema Freundschaft interessiert mich brennend und wenn du zusammen mit mir herausfinden möchtest, was Freundschaft mit uns zu tun hat, lade ich dich ein, gemeinsam mit mir auf eine Reise zu kommen, in der wir dieses geheimnisvolle Land von Frauenfreundschaften etwas näher entdecken wollen.
Freundschaft lässt mein Herz singen. Diese Herzensmelodie erklingt mal laut, mal sanft, manchmal ist sie nah und dann rückt sie auch wieder etwas in den Hintergrund. Es gibt Passagen, in denen die Klänge wunderschön harmonieren und wir die Himmelschöre singen hören. Dann wiederum erklingt die Melodie dumpf und erzählt von Schmerz und dem Nicht-Verstanden werden, gleich einem einsamen Saxofon in der Dunkelheit der Nacht.
Kennst du übrigens schon meinen Song zum Buch, „HOFFNIG”? Er drückt genau das aus. Du findest den Link zu dem Lied auf meiner Homepage www.sterneklar.ch
In meinem Leben habe ich Frauenfreundschaften intensiv und erfüllend erlebt, aber ich kenne auch die tiefe Wunde, die nach einem Freundschaftsabbruch zurückbleibt. Danach habe ich lange gebraucht, um wieder Mut zu fassen, mich aus der Einsamkeit heraus aufzumachen und Schritte in Richtung einer neuen Freundschaft zu unternehmen.
Als Träumerin und Abenteurerin interessiert mich gerade dasjenige am meisten, was unmöglich scheint, und ich glaube, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist, meinem Traum zu folgen.
Weisst du, vor kurzem hatte ich einen sehr spezifischen Traum, der von einer Freundschaft mit einer Frau handelte, die für mich geradezu unerreichbar scheint. Ich werde dir später mehr davon berichten.
Ich habe ein paar wirklich liebe Freunde, aber tief in meinem Innern weiss ich, dass es da einfach noch so viel mehr für uns alle gibt und ich sehne mich nach mehr Tiefe, mehr Offenheit und mehr Freiheit in den einzelnen Freundschaften. Eigentlich wünsche ich mir vor allem eins: Eine richtige Herzensfreundin.
Ob es dir genauso geht wie mir?
Vielleicht wünschst du dir ebenso wie ich eine neue beste Freundin oder du hast bereits Freundinnen, doch die Beziehung zwischen euch könnte durchaus wieder etwas mehr Leben und Frische vertragen? Vielleicht hast du happige Verletzungen erlebt, die noch unverheilt sind, oder du oder eine deiner Freundinnen gehen gerade durch eine schwierige Zeit hindurch? Dann ist dieses Buch für dich!
Beziehung leben ist ein Risiko, weil nie voraussehbar ist, welches Ende es nimmt. Es gibt Freundschaften, die anfangs heiss und inniglich gelebt werden und irgendwann einfach im Sand verlaufen. Andere wiederum entstehen langsam und harzig und gelangen erst nach viel Zeit und Reife zu einer tiefen Verbundenheit.
Freundschaften kommen und gehen, einige halten ein Leben lang und andere erlöschen wie ein Strohfeuer schon wieder nach kürzester Zeit. Das Risiko besteht also darin, sich auf etwas einzulassen, dessen Ende wir nicht voraussehen können.
Gerade wenn wir schon verletzt wurden von Menschen, denen wir vertraut haben, ist es gar nicht leicht, unser Herz wieder von Neuem zu öffnen und Freundschaft zu wagen. Doch genau das werde ich jetzt tun. Was ist mit dir? Kommst du mit?
Ich habe keine Ahnung, wie lange diese Reise dauern und wohin sie uns führen wird. In meinen Briefen werde ich dir von meinen Erlebnissen, Erfahrungen und Erkenntnissen erzählen. Gerne gebe ich dir zwischendurch Impulse, die dir bei der Selbstreflektion deiner eigenen Freundschaftsgeschichte helfen können. Am besten besorgst du dir ein schönes Notizbuch und beginnst anhand meiner Fragen, deine eigenen Gedanken und Geschichten zum Thema Freundschaft aufzuschreiben.
Natürlich würde ich mich sehr freuen, wenn du mir zwischendurch auch einmal einen Brief schreiben würdest. Ja, ganz in echt! Wer weiss, vielleicht entsteht auf diesem Weg sogar eine Brieffreundschaft zwischen uns?
Wie auch immer, mein Herzenswunsch ist es, dich durch meine Briefe zu ermutigen, herauszufordern und ein Stück von meinem Herzen und Leben mit dir zu teilen.
Denn ist es nicht gerade das, was uns Frauen ausmacht, dass wir uns untereinander nicht nur über Kochrezepte, Erziehungsfragen oder Berufliches austauschen, sondern echt und transparent unsere Herzensangelegenheiten miteinander teilen und dadurch die Welt für jede einzelne von uns etwas menschlicher machen können?
In diesem Sinne freue ich mich, dich auf das Abenteuer von Frau- und Freundin-Sein mitzunehmen und erlaube es mir, dich in meinen Briefen als „Liebe Brieffreundin“ anzusprechen.
Alles Liebe und bis bald
Herzliche Grüsse aus der Schweiz
Karina
P.S. Meine nächsten Briefe wirst du per Luftpost bekommen. In wenigen Tagen reisen wir als ganze Familie nach Afrika!
BRIEFE AUSNAMIBIA
Der Traum
Der Wunsch nach dieser Herzensfreundin. Anfangs bemerkte ich ihn kaum. Auch kann ich mich nicht erinnern, wie er dahin gekommen ist und wann ich ihn zum ersten Mal wahrgenommen habe. Wie bei einem Samenkorn wurde er wohl irgendwann auf meinem Herzensboden eingepflanzt und nun wächst er von Tag zu Tag und nimmt immer mehr Raum ein in meinen Gedanken und Gefühlen.
DER TRAUM
Gottes Träume für mich sind bei weitem grösser als meine grössten Träume.
(unbekannt)
Liebe Brieffreundin
Seit Tagen fahren wir durch ein unbeschreiblich schönes Land! Nur schon der Himmel ist so viel weiter als bei uns.
Namibia.
Lange haben wir uns darauf vorbereitet, haben gespart und immer wieder breiteten wir die grosse Landkarte auf unserem Esstisch aus, um die Route zu planen. Als fünfköpfige Familie brauchte es einiges an Vorbereitung für solch ein Unterfangen. Nun sind wir mittendrin in diesem Familienabenteuer und ich kann es kaum erwarten, dir ein paar Bilder von unserer Reise zu schicken.
Heute haben wir Giraffen, Springböcke und Gnus gesehen und natürlich hoffen wir alle, in den nächsten Tagen auch noch Elefanten und Löwen zu sichten.
Oh, apropos Löwen! Unser gestriger Übernachtungsplatz war in der Nähe vom Westtor zum Ethosa Nationalpark. Bei unserer Ankunft meinte der Mann beim Einfahrtstor lapidar:
„Ach ja, schaut doch, dass ihr bei eurem Camper bleibt, der Platz hier ist nicht gesichert und es könnte sein, dass es Löwen in der Nähe hat.“
Was?! Habe ich richtig gehört? Mein Herz rutschte mir augenblicklich in die Hosen. Ich bin doch nicht mit meiner Familie nach Namibia gekommen, damit wir hier gefressen werden!
Damit hatte ich nicht gerechnet. Bei unserer Planung hatten wir geschaut, dass wir an geschützten Orten übernachten können. Wenn auch einige Plätze nicht gerade sehr komfortabel waren, schützte uns überall ein hoher Wildtierschutzzaun vor nächtlichen Eindringlingen und wir fühlten uns sicher. Einmal abgesehen von der Schlange, die sich plötzlich vor unserem Jüngsten aufgerichtet hatte. Aber das ist eine andere Geschichte.
Zurück zum ungesicherten Löwencampingplatz. Wir parkierten unseren Geländewagen möglichst nahe bei dem kleinen Steinhäuschen, in dem die Toilette und eine einfache Kochgelegenheit waren, und beeilten uns mit dem Abendessen. In Namibia wird es sehr früh dunkel. Irgendwie hatte niemand so recht Hunger. Müde waren wir noch lange nicht, als wir schon um 18 Uhr in unsere Schlafsäcke schlüpften, doch es war so unheimlich, dass keiner auch nur eine Minute freiwillig länger draussen bleiben wollte.
Während dieser Nacht lag ich lange wach und hatte viel Zeit zum Nachdenken. Den leisen Atemgeräuschen unserer Kinder entnahm ich, dass sie friedlich schliefen. Auch störten mich die Schlafgeräusche meines Ehemannes nicht, waren sie mir doch vertraut und gaben mir etwas Heimatgefühl an diesem fremden Ort.
Nach all den Jahren könnte ich mir immer noch keinen besseren Ehemann vorstellen. Wir haben zusammen so vieles gemeistert und sind zu einem gut eingespielten Team zusammengewachsen, das so schnell nichts umhaut. Er ist mein Alleskönner, wie ich ihn gerne nenne, denn was auch kommt, er kann es lösen. Als praktisch und technisch veranlagter Mann ist er die Anlaufstelle von uns allen. Haus umbauen, Velo flicken, Computerprobleme lösen, Nähmaschine reparieren… ohne ihn wäre unser Leben undenkbar und ich hätte mich auch niemals auf dieses Campingabenteuer eingelassen, wenn er nicht dabei wäre. Ich liebe ihn und unsere Kinder aus tiefstem Herzen.
Natürlich haben wir auch immer wieder einmal Meinungsverschiedenheiten, besonders seit unsere Kinder im Teenageralter sind. Das zunehmende Loslassen fällt mir schwer und ich würde mich am liebsten wie eine brüllende Löwenmutter vor jeden stellen, der insbesondere meiner Tochter zu nahe kommt. Auf einmal brechen so viele mir unbekannte Gefühle und Ängste in meinem Mutterherzen auf. Wo die bloss alle herkommen?
Spreche ich mit meinem Ehemann darüber, hört er mir eine Zeitlang geduldig zu und bringt, ganz praktisch orientiert wie er ist, einen Lösungsvorschlag. Doch weisst du, ich möchte gar keine Lösung! Alles, was ich möchte, ist ernstgenommen und verstanden zu werden! Es ist nicht so, dass er nicht versucht, mich zu verstehen. Als Frau habe ich einfach das grössere Bedürfnis nach langen und tiefen Gesprächen. Das gibt mir das Gefühl von emotionaler Nähe, nach der ich mich so sehne. Es gibt eben nichts, was einem Gespräch unter Freundinnen gleichkommt.
Leise seufzend drehte ich mich auf die andere Seite und dachte an die Traumfreundin. Sie ist eine Frau, mit der ich gerne einmal länger reden würde.
Im letzten Jahr nahm ich an einem Workshop teil und wie diese Frau den Tag leitete, war so erfrischend! Königsblaue Stoffhose, weisse Seidenbluse, sattgrüne Jeansjacke, eine prunkvolle Kette mit farbigen Glaskristallen, grossgemusterter Seidenschal, grüne Lederballerinas. Ich musste an ein Zirkuspferd denken, so tänzelte sie zwischen uns Frauen wie in einer Manege. Sie ist eine faszinierende Persönlichkeit und ich könnte ihr stundenlang zuhören, weil sie echt und und lebensnah erzählt. Ihre ungekünstelte, manchmal auch provozierende Art regt mich sehr zum Denken an und bringt mich dazu, Verhaltensweisen, Lebensmuster und scheinbar sicheres Wissen kritisch zu hinterfragen. Während sie spricht, kommt sie der einen, dann der anderen von uns gefährlich nahe, ihr Blick direkt ins Herz gerichtet. Bloss nicht mich so ansehen, ich schaue zur Seite und hoffe, dass sie mich dann übersieht. Vieles, was sie sagt, sprengt meine Vorstellung davon, wie etwas zu sein hat. Diese radikale Ehrlichkeit, gepaart mit einer Herzenswärme, die mit der Zeit hinter dem Glamour hindurchstrahlt, die beeindruckt mich. Ich frage mich, wer sie ist und was ihr den Mut und die Stärke gibt, so geradlinig und wahr zu sein, ohne Furcht, was andere über sie denken? Ich bewundere sie dafür und möchte von dieser Stärke, die ich bei ihr sehe, noch viel mehr für mein eigenes Leben!
Zuerst hat mich ihr Erscheinungsbild mehr befremdet als angezogen. Die sieht aus wie ein Paradiesvogel, trägt die Haare auf der einen Seite kurz geschnitten und auf der anderen Seite kinnlang! Während der Vorträge überlege ich, welche Gesichtshälfte mir nun besser gefällt und wieso sie mit solch einer asymmetrischen Frisur herumläuft? Ist das noch „anständig“? Damit nicht genug, hat sie jedes Mal eine andere Brille an und es ist mir ein Rätsel, wie ein einziger Mensch so viele verschiedene Brillen besitzen kann. Ich bin ja auch eine Brillenträgerin, doch nie im Leben wäre mir bis jetzt in den Sinn gekommen, mehrere Brillen, sozusagen passend zu jedem Kleidungsstück, zu kaufen. Brillen sind für mich Zwecksache. Diese Frau fasziniert und irritiert mich zugleich! Wie ich mittlerweile herausgefunden habe, ist sie eine international gefragte Konferenzsprecherin.
Anfangs traute ich mich nicht, mit ihr zu sprechen. Es ist nicht meine Art auf Leute zuzugehen, die ich nicht kenne. Da halte ich mich lieber im Hintergrund auf. Ich wüsste gar nicht, was ich sagen soll. Zudem hätte ich Angst, dass mir nicht die richtigen Worte in den Sinn kommen und daher eine peinliche Stille entstehen könnte, ich nicht weiss, wo ich hinsehen soll und einfach nur blöd dastehe. Andere haben es da einfacher als ich. Ständig versammelte sich eine Menschentraube um diese Frau und ich beobachtete sie und das Geschehen aus einer gewissen Distanz. Ich frage mich, wieso gewisse Frauen so einen Tanz um sie herum aufführen, nur weil sie die Leiterin ist?
Das mit der Distanz zu ihr ging solange gut, bis ich anfing, von ihr zu träumen. Im Traum waren wir in einem Reisebüro für Israelreisen und der Verkäufer fragte uns, ob wir ein günstiges oder ein teures Salböl kaufen möchten. Ich sagte, dass ich das teure möchte, weil das günstige zu schnell den Geruch verlieren würde. Danach gingen wir eine lange Wegstrecke Arm in Arm.
Was sollte dieser Traum bedeuten? Klar: Ich wünsche mir schon lange eine Reise nach Israel. Doch was hat das mit der Konferenzsprecherin zu tun und wieso laufe ich mit ihr Arm in Arm?
Innerhalb der nächsten Wochen folgten weitere Träume, in denen ich mit ihr tanzte. Es war nicht irgendein Tanz, nein, es war ein Paartanz, bei dem wir mit der Zeit die Schwerkraft verloren und zusammen hohe Sprünge machten! Ich, zusammen mit ihr in der Mitte, angeschaut von den anderen Frauen – mein Traum zeigte genau das, was ich doch um jeden Preis verhindern wollte!
Dass ich träume, ist nichts Neues für mich. Schon so oft kündigten sich wichtige Ereignisse auf diesem geheimnisvollen Weg an. Weshalb ich ausgerechnet von dieser Frau zu träumen begann, verwunderte mich aber schon. Nur gut, dass ich mit der Traumsprache schon etwas vertraut bin. Miteinander Tanzen könnte in diesem Fall bedeuten, dass wir zusammen arbeiten werden. Ihre Schritte beeinflussen meine und umgekehrt. Zusammen diese lange Wegstrecke Arm in Arm zu gehen, spricht für mich vom gemeinsamen Unterwegssein.
Ich mag sie sehr gerne. Auch wenn sie komplett anders und ein paar Jahre älter ist als ich. Sie hat eine gewinnende Ausstrahlung und ich kann schon gut verstehen, dass viele Frauen sie liebend gern als ihre Freundin hätten. Könnte es wirklich sein, dass die Träume auf unsere Zukunft hindeuten? Werden sie und ich einen viel näheren Umgang miteinander haben? Doch wie in aller Welt soll das zustande kommen?!
Nachdem die Träumerei aufgehört hatte, tat ich das, was ich oft tue, wenn ich nicht weiterweiss. Ich schloss mich in mein Dachzimmer ein und begann mit Gott über diese Sache zu sprechen. Ich wurde den Verdacht nicht los, dass er mir diese Träume geschickt hatte.
„Ich habe keine Ahnung, wie das gehen soll! Ich glaube, du irrst dich! Siehst du denn nicht, dass sie schon viele Freunde hat? Wieso soll sie sich für mich interessieren? Sie ist eine bekannte und vielbeschäftigte Persönlichkeit und ich bin eine normale Mutter und Hausfrau!“ Ein Argument nach dem anderen zählte ich auf, ich wurde immer ideenreicher, warum das unmöglich wahr sein kann! Anscheinend konnte ich ihn nicht überzeugen.
Es war, als drückte mir mein himmlischer Papa eine Landkarte in die Hände mit einem gekennzeichneten Land. Ich schaute mir die Karte an, doch das markierte Gebiet war mir vollkommen fremd. Ja, die vielen Flüsse und Seen sahen verlockend aus. Doch die hohen Berge und die tiefen Täler erschreckten mich. Ausserdem gab es einen streng bewachten Grenzzaun.
Da stand ich nun, mit der Karte in meinen Händen, und überlegte, ob ich mich wirklich auf diese Reise begeben soll. Sie schien gefährlich. Ich zögerte. Dann betete ich erstmal für die Traumfreundin.
All es Liebe aus NamibiaDeine Karina
DER WUNSCH
Ein Traum ist immer ein Anfang.
(unbekannt)
Liebe Brieffreundin
Vor wenigen Minuten ist eine Gottesanbeterin auf meinem Arm gelandet! Ich bin so erschrocken, da ich im ersten Moment keine Ahnung hatte, was für ein riesiges Insekt mich da anspringt. Kennst du dieses Tier? Überhaupt bin ich viel schreckhafter, seit wir in Namibia angekommen sind. Es gibt hier so viele Tiere, von denen ich nicht weiss, ob sie Freund oder Feind sind. Zum Glück sind wir tagsüber grösstenteils mit dem Camper unterwegs und diese Blechhülle schützt uns.
Auch wenn ich dem Frieden heute morgen plötzlich nicht mehr ganz traute, als aus dem Nichts ein Elefant neben uns aus dem Gebüsch auftauchte. Ein uralter und imposanter Bulle schritt majestätisch neben unserem langsam fahrenden Auto einher. Auf unserer Reise ist mir schon die eine oder andere Geschichte zu Ohren gekommen, wie wütende Elefanten sich einfach auf die Autos der Touristen setzen oder sie umstossen würden. Ob das wohl wirklich stimmt?
In den letzten zwei Tagen haben wir beinahe 300 km quer durch den Etosha Nationalpark mit unserem 4x4 zurückgelegt. Weil es in diesem Jahr viel geregnet hat, ist die Umgebung grüner als gewöhnlich. Eine regelrechte Schatzsuche, die Tiere im dichten Gestrüpp zu finden! Sicherlich ist es bei Trockenheit viel einfacher Tiere zu sichten, da man sein Fahrzeug an einem Wasserloch positionieren und früher oder später die trinkenden Tiere beobachten kann. Die Geduld von unseren Kindern wurde ziemlich auf die Probe gestellt!
Um so grösser war die Freude, als wir gestern am Strassenrand unseren ersten Löwen entdeckten, der neben seiner Beute im Schatten eines Baumes schlief. Gekonnt manövrierte mein Ehegatte den Camper so nahe wie möglich an das Tier heran, so dass wir alle eine gute Sicht hatten. Obwohl es eigentlich nicht gestattet ist, drückte mein Mann nach einer Weile auf die Hupe, um etwas Bewegung in die Sache zu bringen. Typisch mein Ehemann!
Beim ersten Mal geschah nichts, doch beim zweiten Versuch spannte sich augenblicklich jede Faser seines Körpers zum Angriff und der Löwe schnellte blitzartig in die Höhe. Wutentbrannt schaute er mir geradewegs in die Augen. Mein Herz setzte ein paar Takte aus - ich hatte gerade erst die Fensterscheibe auf meiner Seite ein Stück heruntergelassen, um den Löwen besser fotografieren zu können! Entsetzt schrie ich auf.
Meine Familie amüsierte sich im Nachhinein ziemlich über mich, doch ich kann dir sagen, in das Angesicht eines wütenden Löwen zu sehen, ist sehr furchteinflössend! Ich bin froh, dass wir heute wieder auf einer gesicherten Campsite übernachten können. Eine Nacht auf dem Löwencamping reicht mir vollkommen! Meine Kinder behaupten, dass ich beim Anblick des Löwen so laut geschrien hätte, dass es weit und breit zu hören gewesen sei, und die Diskussion hält bis jetzt an, wie weit mein Fenster nun wirklich offen war. Ich lasse ihnen den Spass.
Genau das ist so ein Moment, in dem ich mir eine Freundin wünschen würde! Dass da jemand da ist für mich und mir hilft, wenn es richtig taff wird. Es muss ja nicht immer gleich ein wütender Löwe sein, der mir einen Schrecken einjagt. Im Leben gibt es genügend andere Herausforderungen und da wäre es schön, wieder eine Freundin an meiner Seite zu wissen. Es müsste eine Frau sein, der ich mein Herz anvertrauen kann, die mich annimmt und mich versteht.
Ich klinge wie ein Teenager! Ich war vielleicht 13 Jahre alt, als ich eine dreiseitige Liste schrieb, wie mein zukünftiger Ehemann einmal aussehen und sein soll. Ich war dabei ungemein präzise!
Und weisst du was? Bis auf ein paar Kleinigkeiten erfüllten sich alle von mir genannten Punkte haargenau. An unserer Hochzeit trug meine Mutter zur Belustigung der Gäste Teile aus dieser Liste in Reimform auf.
Müsste ich jetzt so eine Liste von meiner Herzensfreundin machen, würde ich folgende Punkte aufschreiben:
Meine Freundin sollte…
FREUNDSCHAFTSERLEBNISSE
Reich sind die, die wahre Freunde haben.
(Thomas Fuller)
Liebe Brieffreundin
In den letzten 25 Jahren scheint sich hier, genauso wie in meinem eigenen Leben, vieles verändert zu haben. Ich stehe im Empfangsgebäude der einstmaligen Missionsstation von Ghaub und studiere die Bilder, die die Geschichte dieses Ortes aufzeigen.
Nach fünf intensiven Tagen haben wir den Etosha Nationalpark verlassen und sind weiter Richtung Windhoek gefahren. Unser heutiger Übernachtungsort befindet sich unterhalb der geschichtsträchtigen Gästefarm von Ghaub. Umgeben von hohen Palmen liegt dieses Stückchen Idylle wie eine Oase inmitten der Otavi-Berge. Zu meinem Leidwesen beziehen wir aber nicht eines der herrlichen Gästecottages, sondern unterlegen unser Riesenmobil mit Steinen, damit wir nicht in Schieflage schlafen müssen. Oh, wie gerne möchte ich wieder einmal ein richtiges Bett!
Warum reisen Menschen eigentlich in fremde Länder? Ein Grund ist wohl der, dass wir alles zurücklassen und aus dem Alltag und dem Gewohnten ausbrechen wollen und sei es nur für eine begrenzte Zeit. Doch weisst du was? Es funktioniert nicht, weil wir uns dabei selber mitnehmen. Auch wir haben unser eingespieltes Familiensystem mit in dieses fremde Land gebracht. Jeder von uns hat seine Rolle und die ändert sich auch nicht auf einem anderen Kontinent. Kennst du das? Wir werden in ein komplexes System hineingeboren. Die Ankunft eines Kindes stellt zwar erstmal alles auf den Kopf, doch bald schon bekommt es seinen festen Platz im Beziehungsnetz. Familie, Schule, Ausbildungsplatz, Arbeitswelt, Hobby, Kirche… In all diesen Systemen funktionieren wir miteinander. Mein Verhalten wirkt sich auf das Verhalten meiner Mitmenschen aus und umgekehrt. So weit, so gut. Doch was ist, wenn ich etwas an einem dieser eingepferchten Systeme verändern möchte?
Zuerst einmal will ich dann die anderen oder die Umstände verändern. Wir alle kennen diese Denkweise: „Wenn nur der andere ‚das und das‘ nicht tun würde, dann…“ Meine Erfahrung ist, dass ich den anderen nicht verändern kann, so gern ich es auch möchte. Veränderungen müssen also anderweitig vonstatten gehen.
Irgendwie hatte ich mir diese Namibiareise sehr romantisch vorgestellt und mir erhofft, dass wir als Familie noch einmal mehr zusammenwachsen würden. Doch es ist intensiv, kräfteraubend und das nahe Zusammenleben bringt mich öfters einmal an meine Grenzen.
