Hexenjagd: Beyond Broken - Crativity Square - E-Book

Hexenjagd: Beyond Broken E-Book

Crativity Square

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Beschreibung

Manchmal verliert man auch dann, wenn man gewonnen hat. Christian dachte, er könnte in sein altes Leben zurückkehren, solange er nur seinen Auftrag erfüllt. Doch mit Jays Bruch zerbricht auch die Lüge, mit der er sich so angestrengt selbst getäuscht hat. Die Folgen seiner Taten sind entsetzlich. Die Erkenntnis, dass all seine Liebe nur einem Phantom galt, treibt Jay in den Abgrund. Das Chaos und die Kälte in seinem Inneren drohen ihn zu verschlucken. Da hilft es nur wenig, dass Christian sein Leben riskiert, um ihn, Jamie und Mika an einen sicheren Ort zu bringen. Jay verliert sich immer mehr in sich selbst, doch Jamie und Mika sind nicht bereit ihn aufzugeben. Sie machen sich zur Aufgabe, was noch niemand zuvor geschafft hat: Ein gebrochenes Einhorn zu fixen. Aber wie setzt man wieder zusammen, was völlig in Scherben liegt?

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Creativity Square

Erin D. Tempel & Ria Reese

Hexenjagd Band IV - Beyond Broken

1. Auflage

Deutsche Erstausgabe Oktober 2024

©Creativity Square GbR / Erin D. Tempel & Ria Reese

Umschlaggestaltung: Erin D. Tempel

Satz: Ria Reese

Lektorat & Korrektorat: Creativity Square

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten. Dies ist eine fiktive Geschichte. Jegliche Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen, Orten und sonstigen Begebenheiten sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Impressum

Creativity Square GbR

Erin D. Tempel & Ria Reese

Stuttgarter Straße 106

70736 Fellbach

Independently Published

E-Mail: [email protected]

Web: creativitysquarenovels.com

Für all die, die mit ihrem eigenen Sturm zu kämpfen haben.

Content Note

Bitte beachten!

Da sind wir wieder! Schön, dass du da bist :)

Bücher sind vordringlich zur Unterhaltung da, doch manchmal werden Aspekte behandelt, die mit Vorsicht zu genießen sind. In diesem Buch kommen einige Themen auf, die für den ein oder anderen unangenehm oder sogar triggernd sein könnten. Wenn es dir so ergehen könnte, dann ist das kein Makel. Uns ist nur wichtig, dass du auf dich aufpasst. Deswegen bieten wir gern einen Überblick über potenziell triggernde Themen, die in diesem Buch behandelt oder erwähnt werden:

Kindesmisshandlung & Waisen (Vergangenheit)Manipulative CharaktereEmotionale und physische GewaltDruck durch höhere MachtstrukturenMilde HorrorelementeBedrohung und ErpressungMentaler BreakdownDepressionMobbingSuizidgedanken & - versuch (dargestellt!)

Sollte eines dieser Themen triggernd für dich sein, dann solltest du das Buch mit Vorsicht lesen. Es ist wichtig, seine Grenzen zu kennen und auf sich aufzupassen. Gerade, wenn es um den letzten Punkt geht.

Solltest du mit diesem Thema kämpfen, dann sieh vielleicht davon ab, dieses Buch zu lesen. Bist du bereit Hilfe anzunehmen, dann kannst du diese (unter anderem) unter der Nummer 0800/ 111 0 111 erhalten. Du bist wichtig! Gib also gut auf dich Acht.

Zudem beinhaltet das Buch folgende Thematiken:

Queere Charaktere & BeziehungenNeurodiverse HauptcharaktereAnxiety Hexenkunst und Auszüge aus deren Praktiken

Sollten diese Themen bei dir auf Missfallen stoßen, dann ist das Buch leider nichts für dich.

Einen weiteren Hinweis wollen wir darauf geben, dass die Story character driven ist. Das bedeutet, dass der Plot etwas langsamer vorangeht und die Charaktere und ihre Innenwelt im Mittelpunkt stehen.

Nachdem wir das alles hinter uns haben, fehlt nur noch, dir viel Spaß zu wünschen. Vielen Dank für’s Lesen! Lass uns gern wissen, wie es dir gefallen hat! Kontaktinfo und Social Media findest du am Ende des Buches.

Bleib gesund und ganz viel Liebe,

Erin und Ria

Jay

„Hast du schon die Bandagen wieder aufgefüllt?“

Ich nickte und schob die Schublade mit den Schmerzmitteln zu. Als Rettungssanitäter gehörte es zu meinen täglichen Pflichten, den Wagen auf Vordermann zu bringen.

„Schmerzmittel sind auch alle da und ich kann den Wagen gern noch mal eben auswischen.“

Darren grinste. „So fleißig heute wieder, Jacob.“

Zusammen mit Darren und Bernard bildete ich das Team auf dem Wagen zwölf. Die beiden waren ausgesprochen freundlich und brachten mir eine Menge bei, aber sie waren auch unglaublich extrovertiert. Sie verstanden nicht, dass es Menschen gab, denen nach drei Stunden Gequatsche die Ohren bluteten. Schon allein deswegen übernahm ich gerne die Reinigung des Wagens. Nicht, dass ich als Lehrling eine Wahl hätte.

Die Arbeit beim Rettungsdienst war Gold für mich. Mika hatte Bedenken geäußert, weil ich stressempfindlich war. Doch je weiter ich mich durch die Pubertät gekämpft hatte, desto besser hatte ich auch meine Kräfte im Griff. Mit inzwischen fast zwanzig konnte ich all den komischen Kram gut genug verdrängen und der Rettungsdienst half mir, meine Stressresistenz nur noch weiter auszubauen.

Ich war glücklich mit der Arbeit hier.

„Soll ich dir einen Kaffee oder Tee mitbringen? Gegen die Kälte?“, bot Darren an und ich wollte gerade nicken, als der Alarm in unserem Wagen losging.

„Ich glaube, das können wir vergessen.“

Darren schlängelte sich an mir vorbei und ging ans Funkgerät. Doch meine Aufmerksamkeit galt Bernard. Der rundliche Mann hastete über die Auffahrt zu unserem Wagen. Schweißperlen standen auf seiner Stirn.

„Wir müssen so schnell wie möglich von der Auffahrt runter! Wir sind nicht die Einzigen, die losfahren.“ Er ging zur Beifahrertür, also schloss ich die Hecktüren und bewegte mich dann nach vorn. Ich setzte mich auf meinen Sitz und schnallte mich an.

„Was ist los?“, wollte ich wissen. Darren gab bereits Vollgas und schaltete die Sirene ein.

„Eine Massenkarambolage. Es gab Blitzeis. Verfluchtes Wetter!“

„Von wie vielen Opfern reden wir?“

„Das ist nicht bekannt, aber es könnten mehr als zwanzig sein. Ich weiß, du bist neu, Jacob. Ich hatte gehofft, dass es noch eine Weile dauern würde, bis du das Schlimmste zu sehen bekommst, was der Job zu bieten hat. Du wirst wahrscheinlich Dinge sehen, die du nie vergisst.“

Ich konnte die Sorgen in seinem Blick sehen. Vielleicht war das nicht der Stoff, den andere im ersten Jahr mitmachten, aber in einer solchen Situation brauchte es jede Hand. In diesem Beruf konnte man sich nicht auf Welpenschutz verlassen.

„Ich schaffe das.“

Die Unfallstelle sah aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Es war frustrierend, dass selbst wir nicht so schnell ankommen konnten, wie wir es wollten. Die Straße war zu glatt. Darren fasste das Ganze gut zusammen, als er aus dem Wagen sprang, seinen Blick über die Unfallstelle schweifen ließ und meinte: „Das wird ein langer Tag.“

Wir kamen zeitgleich mit zwei weiteren Wagen an und in einem von diesen war Dr. Benett zur Unfallstelle gelangt. Ich war froh, ihn zu sehen. Er war Chef der Notaufnahme und er war einer der Ärzte, die so viele der scheinbar hoffnungslosen Fälle durchbekamen, dass seine Kollegen scherzhaft munkelten, er könne zaubern. Nicht, dass ich zaubern wollte, aber ich wollte Leben retten. Insofern war Dr. Benett ein Vorbild für mich.

Doch jetzt war es nicht an der Zeit, jemanden zu bewundern. Ich konnte mit einem Blick bestimmt zehn Autos erfassen, die ineinander gerast waren. Teils waren sie als Autos nicht mehr zu erkennen, teils hatten sie nur ein paar Dellen. Je weiter vorn sie waren, desto schlimmer wurde es. Es war so, als würde das Grauen Anlauf brauchen.

Ich riss mich aus meinen Gedanken und folgte Darren und Bernard näher an die Unfallstelle heran. „Dr. Benett! Farbsystem, richtig?!“, schrie Bernard ihm zu und dieser nickte und fing an, die anderen Ärzte und Sanitäter zu verteilen. Ich wusste nicht, ob andere Krankenhäuser das Farbsystem benutzten, aber im Grunde war es selbsterklärend. Bei einer großen Masse an Opfern benötigte man erst einmal einen Überblick, also wurden die Fälle kategorisiert. Grün, Gelb, Rot und Schwarz. Grün war im Grunde alles, was noch reden konnte, gelb benötigte mehr Zuwendung, rot war kritisch und schwarz verstorben. So wusste jeder, der dazu kam, wo er anfangen sollte. Als Neuling konnte ich nicht viel leisten, aber das hieß nicht, dass ich nur herumstehen würde.

„Dr. Benett?“ Ich trat an den Arzt heran. Als er mich sah, weiteten sich seine Augen einen Moment.

„Mr. O’Ceallaigh, wer hat Sie denn mit hierher genommen?“

„Es ist schon okay. Aber ich denke, wir sind uns einig, dass alles über Grün eine Nummer zu groß für mich ist. Wo soll ich also hin, um mich um die zu kümmern, die mit ihren Schürfwunden, Brüchen, Schnittwunden und dergleichen wohlauf genug sind, um sich von mir erstversorgen zu lassen?“

„Ich mag, wie Sie denken, O’Ceallaigh. Wo ist Ihr Wagen?“ Ich deutete auf den Krankenwagen, mit dem ich gekommen war.

„Gut, bereiten Sie sich vor. Ich schicke Ihnen alles, was nur ein paar Kratzer abbekommen hat. Das große Chaos sparen wir uns vielleicht für das dritte Lehrjahr auf, was?“

Ich nickte. Ich hatte meine Ausbildung gerade mal angefangen. Ich machte mir nichts vor. In dieser Situation war ich nur ein Ersthelfer, aber je mehr ich von den leichten Fällen schon mal versorgte, desto besser konnten sich meine Kollegen um die Schwerverletzten weiter hinten kümmern.

Es war Akkord. Natürlich war es das. Zum Glück. Je mehr Patienten bei mir eintrudelten, desto weniger hatten eine schlechtere Einschätzung bekommen.

Ich reinigte gerade eine kleine Schnittwunde am Kopf eines jungen Mädchens. Sie war vielleicht fünfzehn und Tränen liefen ihr über die Wangen, doch sie hielt tapfer still.

„Wir haben es gleich geschafft“, meinte ich und schlug den beruhigendsten Tonfall an, den ich auf Lager hatte. Sie sah mich an und ich konnte die Angst in ihren Augen sehen.

„Du bist nicht alleine hier“, stellte ich fest.

Sie schluchzte. „Ich weiß nicht, wo meine Mutter ist. Sie ist eingeklemmt. Ich muss zu ihr zurück.“

„Nein, geh nicht wieder auf die Unfallstelle. Du musst die Leute da ihren Job machen lassen, okay?“

„Aber meine Mum …“

„Welche Farbe hat sie bekommen?“

„Grün?“

„Dann geht es ihr gut. Auf jeden Fall hat sie keine schlechte Einschätzung erhalten, als du noch drüben warst.“ Ich wusste allerdings auch, dass ein Zustand sich innerhalb von Minuten verschlechtern konnte. Doch das würde ich ihr jetzt nicht auf die Nase binden. Stattdessen klebte ich ein Pflaster auf die Schnittwunde und nickte ihr zu.

„Kannst du jemanden anrufen und über den Unfall informieren? Du wirst bald ins Krankenhaus gefahren. Bleib schön in der Nähe und sollte dir irgendwie komisch werden, schwindelig oder übel, sag mir sofort Bescheid, in Ordnung?“

Sie nickte und zog die knisternde Rettungsdecke, die sie bekommen hatte, fester um ihren Körper. Ich drückte ihr noch mal die Schulter, dann wandte ich mich der nächsten Person zu.

Diese war eine ältere Frau. Ich konnte erkennen, dass sie ebenfalls eine Schnittwunde hatte. Diese befand sich am Arm und war so lang, dass sie teilweise vom Ärmel verdeckt wurde. Sie hatte ein paar Mullbinden auf den Arm gepresst, aber als sie sie löste, begann die Wunde wieder zu bluten. Doch offensichtlich war diese nicht ihr größtes Problem. Sie musterte mich und ihre Augenbrauen wanderten in die Höhe.

„Sind Sie überhaupt ein richtiger Sanitäter?! Sie sehen so jung aus.“

Ich seufzte leise, sah mir ihren Arm an und griff nach meinem Desinfektionsmittel. „Nein, Ma’am. Ich bin Auszubildender im ersten Jahr.“

„Dann will ich einen richtigen Sanitäter!“

Giftige, alte Ziege.

„Bei allem Respekt, Ma’am, die richtigen Sanitäter haben gerade keine Zeit für Sie. Die sind beschäftigt mit Menschen, die weniger Glück hatten. Menschen, die gerade sterben, verstehen Sie das? Und jetzt schneide ich Ihnen den Ärmel ab, damit ich mir das besser anschauen kann.“

„Das ist ja wohl eine Frechheit.“

„Nein, Ma’am. Das ist die Realität. Sie können gerne meine Erstversorgung ablehnen, aber die Alternative ist, dass Sie warten, bis Sie ins Krankenhaus gefahren werden und sich das Ganze jemand in vier Stunden dann irgendwann mal anschaut. Denn vorher wird bei der Masse an Schwerverletzten keiner Zeit für Sie haben. Also, was darf’s sein?“

Sie presste ihre Lippen zusammen und sah mich aus ganz kleinen Augen an. „Na, dann überlasse ich es eben Ihnen.“

Das hatte ich mir gedacht. Ich nickte und schnitt die Wunde frei. Eine ernstzunehmende Verletzung, aber mit einem schönen, sterilen Verband fürs Erste gut bedient. Ich blendete die Frau aus und konzentrierte mich nur auf die Wunde. Sie mochte eine Bitch sein, aber ihr Arm konnte ja nichts dafür. Brach ich es auf den Kern herunter, dann war sie nur eins: Eine Person, die meine Hilfe brauchte. Das erleichterte, ihre Anfeindungen beiseitezuschieben. Ich reinigte die Wunde, desinfizierte sie und legte dann einen Verband an. Kaum war ich fertig, zog die Alte ohne Dank ab. Es sollte mir recht sein.

Tatsächlich war sie die Letzte von fünfzehn grünen Fällen, die mit ein wenig Standard-Erste-Hilfe schon gut versorgt waren. Ich atmete einmal tief durch.

„Was für eine blöde Kuh“, hörte ich die Kleine von eben neben mir murmeln. Ich schnaubte leise.

„Nun, sie hat eine Menge Stress, schätze ich. Solch ein Massenunfall kann verängstigend sein und in so einer Extremsituation sind viele sich selbst der Nächste. Ich glaube, im Moment will sie nur mit heiler Haut hier raus.“

Das Mädchen nickte. „Bist du schon lange dabei?“

„Zwei Monate. Ich bereue es nicht.“

Ich ließ meinen Blick über die Unfallstelle gleiten. Sollte ich nach vorne gehen, um mich um weitere Grüne zu kümmern? Gebrochene Beine könnte ich sicher auch schienen, doch abgesehen davon war es fraglich, ob ich mit meinen beschränkten Fähigkeiten nicht eher im Weg stand. Besser, ich behielt meine Patienten im Auge, falls sich bei einem von ihnen der Zustand verschlechtern sollte.

„Ich denke, du hast das toll gemacht. Ich wäre einfach in Schockstarre verfallen.“

„Ja, ich …“

Ich spürte ein Kribbeln in meinem Nacken. Ich hielt inne und warf einen Blick über die Schulter, doch alles, was ich zu sehen bekam, war ein Hügel. Ich schüttelte den Kopf. Was ging in mir vor? Wahrscheinlich war es der Stress. Ich fühlte mich komisch und das Kribbeln wollte nicht aufhören. Brauchte ich womöglich selbst einen Sanitäter?

Ich sah zurück zu dem Mädchen.

„Kommst du einen Moment klar? Ich muss nach etwas schauen.“ Sie nickte und ich stand auf und kletterte den Hügel hoch, um auf der anderen Seite einen Blick nach unten werfen zu können.

Dort lag eine Person.

Ich erstarrte in der Bewegung. Für einen Moment fühlte ich mich schuldig. Als hätte ich wissen müssen, dass sie keine fünf Meter Luftlinie von mir entfernt um ihr Leben kämpfte. Doch das war Unfug. Ich konnte nicht durch einen Hügel sehen.

Eine kleine, fiese Stimme widersprach mir. Schließlich hatte ich sie doch noch mitbekommen.

Ich schüttelte den Kopf und sah mich nach einem Arzt um und just Dr. Benett war mir am nächsten.

„Dr. Benett!! Ich brauche hier dringend einen Arzt!“ Ich versicherte mich, dass er mich gehört hatte, dann rutschte ich den Hügel zu der Person hinunter.

Es war eine Frau, vielleicht um die Fünfunddreißig. Ihr Haar klebte strähnig vom Blut an ihrem Gesicht und ihre Hüfte schien unnatürlich verdreht. Ich konnte auf einen Blick erfassen, dass das kritisch aussah. Und doch lebte sie noch. Ich spürte es.

Neben mir hörte ich, wie auch Dr. Benett den kleinen Abhang hinunterkam.

„Das sieht nicht gut aus. Sie muss aus ihrem Auto geschleudert worden sein. Wie haben Sie sie gefunden?“ Dr. Benett kniete sich zu der Frau und mit vorsichtigen Bewegungen tastete er sie ab.

„Ich … keine Ahnung, ich habe einfach nachgesehen.“

Ich konnte schlecht sagen, meine Intuition oder was auch immer hatte mich gerufen. „Was kann ich tun?“

Dr. Benett beugte sich über ihren Mund und wartete ab. Dann schüttelte er den Kopf. „Gar nichts, mein Junge. Sie atmet nicht mehr. Es tut mir leid.“

„Aber … “

Ich wusste es besser. Da war noch Leben in ihr. Es pulsierte und es war, als würde es nach mir rufen, weil ich alles war, was ihm blieb. „Wir können sie doch nicht einfach hier liegen lassen! Sie … was, wenn ihr Gehirn noch funktioniert? Wir müssen wenigstens versuchen, sie zurückzuholen. Ich mache eine Herzmassage und wir fahren sie ins Krankenhaus.“

Dr. Benett schüttelte den Kopf und mein Herz blieb für einen Moment stehen.

„Sehen Sie, Mr. O‘Ceallaigh. Wäre das hier eine andere Situation, dann würde ich Ihnen recht geben. Wäre sie unsere einzige Patientin, würde ich alles tun. Aber manchmal müssen wir schwere Entscheidungen treffen. Diese Frau. Sie atmet nicht mehr, ihre Hüfte und Teile ihrer Wirbelsäule sind mehrfach gebrochen. Auch die Wunde am Kopf macht mir nicht gerade Hoffnung. Selbst, wenn Sie recht haben sollten und das Gehirn noch arbeitet, wird sie die Nacht wahrscheinlich nicht überstehen. Und da hinter dem Hügel sind Patienten, die ebenfalls um ihr Leben kämpfen, die bessere Chance haben. Diese Leute brauchen mich. Und diese Leute brauchen Sie.“

Er stand auf. Für einen Moment beugte er sich in meine Richtung und drückte mir die Schulter. „Nehmen Sie sich einen Augenblick. Und dann kommen Sie zurück und helfen Sie uns, in Ordnung?“

Ich nickte schlaff. Er nickte ebenfalls und kletterte den kleinen Hang wieder hinauf. Mein Blick fiel auf die Frau und ich fühlte mich hilflos. Ich konnte sie nicht einfach hier liegen lassen. Da war etwas in ihr, was darum kämpfte, dieser Welt nicht entrissen zu werden und es wurde schwächer. Ich musste etwas tun. Irgendwas. Sie wollte nicht gehen, also konnte ich sie nicht gehen lassen.

Ich atmete tief durch und schloss die Augen. Langsam traten die Geräusche jenseits des Hügels in den Hintergrund. Ich konzentrierte mich auf das Gefühl. Ein Teil von mir versuchte, den von ihr zu erreichen, der sich an dieses Leben klammerte. Ich sah es vor meinem inneren Auge. Ich runzelte die Stirn und machte weiter. Mental wirkte es wie ein Licht, das ich immer und immer weiter voranschob. Als ich sie endlich erfasste, war es, als ob mich der Schlag treffen würde. Eine Flut an Informationen schlug über mir zusammen und ich versuchte, aus dem Chaos hauptsächlich eins zu erspüren:

Was brachte sie um?

Es waren Verletzungen aller Art, aber am schlimmsten war das Trauma im Beckenbereich und die Kopfverletzung. Außerdem hatte eine der Rippen die Lunge perforiert.

Konnte ich das beheben? Mir wurde heiß und ich hatte das Gefühl, mein Gehirn würde unter der mentalen Last erdrückt werden, doch ich gab mich meiner Intuition hin.

Ich stellte mir vor, wie ich alles fixte. Wie die Rippen wieder an ihren Platz wanderten und sich die Lunge schloss. Wie der Riss in der Schädeldecke sich zusammenzog, doch dass es wirklich passierte, verstand ich erst, als ihre Hüfte wieder in ihre normale Form und Ausrichtung zurückschnappte. Es war wie in einem Horrorfilm – nur rückwärts. Das Geräusch war alles andere als angenehm und es riss mich aus meiner Trance.

Zu ihrem Glück schien das aber zu reichen, denn sie schnappte nach Luft. Keuchend sah sie sich um, bis ihr Blick an mir hängen blieb.

„Was hast du getan?“, presste sie hervor.

Mein Mund war trocken und die Welt drehte sich. Ich konnte mich kaum auf ihre Frage konzentrieren.

„N-Nichts. Sie waren bewusstlos, Ma’am. Wissen Sie Ihren vollen Namen?“

Sie blinzelte verwirrt.

„Marry Avans … da war ein Licht …“

„Sicherlich einer der vielen Scheinwerfer hier. Einer der Helikopter möglicherweise. Kommen Sie, Sie müssen über den Hügel da. Schaffen Sie das? Ihr Fuß ist verstaucht …“

Ja, das teilte mir diese seltsame Verbindung nach wie vor mit, doch ich verbot mir, noch mehr Verletzungen zu beheben. Sie war wieder bei Bewusstsein.

Wie könnte ich es erklären?

Mit diesem Widerstand brach die Verbindung ab. Ich fühlte mich, als wäre ich einen Marathon gelaufen. Fast bezweifelte ich, dass ich es diesen gottverdammten Hügel hoch schaffte.

„Bist du ein Engel oder so was?“

Ms. Evans zog meine Aufmerksamkeit wieder auf sich und ich runzelte die Stirn. Das Letzte, was ich gebrauchen konnte, war, dass sie herumerzählte, ich wäre ein Engel.

„Nein, Ms. Evans. Sie hatten einfach nur eine Menge Glück.“ Das glaubte sie mir nie.