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Mara Mangold

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Beschreibung

Sam liebt Louis. Louis liebt Sam. Trotzdem darf er sie nicht haben. Oder? Sam fällt die Decke auf den Kopf und sie setzt sich in den nächstbesten Flieger nach Asien. Angekommen im exotischen Dschungel Asiens, kollidieren die Welten der Deutschen und des ruhigen, attraktiven Kanadiers Louis. Was als malerische Rundreise durch Südostasien beginnt, entwickelt sich zu einer emotionalen Achterbahnfahrt, als die beiden gegen eine Anziehungskraft ankämpfen, die jeder Vernunft widerspricht – schließlich sind beide zu Hause in einer glücklichen Beziehung. Oder etwa nicht? Als Louis beschließt, um Sam zu kämpfen, lässt sie sich auf eine Verabredung in London ein. Aber nichts läuft wie geplant: Louis erscheint nicht, und Sam findet sich in einer Situation wieder, die ihr Leben für immer verändert. In "Hier alles gut" entfaltet sich eine mitreißende und gefühlvolle Geschichte vor den atemberaubenden Kulissen Asiens und Englands über die facettenreichen Gesichter der Liebe, die Herausforderungen des Lebens und die Suche nach wahrem Glück.

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Veröffentlichungsjahr: 2024

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Mara Mangold

Hier alles gut

Roman

Du findest deine große Liebe ... doch das Leben lässt sich nicht aufhalten.

Inhaltsverzeichnis

Prolog

Samantha | Laos

Louis | Kanada | Eine Woche zuvor

Sam | Laos

Louis | Laos | Drei Tage zuvor

Sam | Deutschland | Zwei Jahre später

Louis | Laos

Sam | Kambodscha

Louis | Kambodscha

Sam | Kambodscha

Louis | Kambodscha

Sam | Kambodscha

Louis | Kambodscha

Sam | Kambodscha

Louis | Vietnam

Sam | Kambodscha

Louis | Vietnam

Sam | Kambodscha

Louis | Vietnam

Sam | Deutschland

Louis | Vietnam

Sam | Deutschland

Louis | Vietnam

Sam | Deutschland

Louis | Vietnam

Sam | Deutschland

Louis | Vietnam

Sam | Deutschland

Louis | Vietnam

Sam | Deutschland

Louis | Vietnam

Sam | England

Louis | England

Sam | England

Louis | England

Sam | Deutschland

Louis | Im Flugzeug nach Kanada

Sam | Deutschland

Louis | Kanada

Sam | Deutschland

Louis | Kanada

Sam | Deutschland

Louis | Kanada | Drei Monate nach Asien

Sam | Deutschland | Sechs Monate nach Asien

Louis | Kanada | Ein Jahr nach Asien

Sam | Deutschland | Ein Jahr nach Asien

Louis | Kanada | Achtzehn Monate nach Asien

Louis | Kanada | Zwanzig Monate nach Asien

Sam | Deutschland | Zweieinhalb Jahre nach Asien

Louis | Kanada | Zweieinhalb Jahre nach Asien

Sam | Deutschland | Drei Jahre nach Asien

Louis | Kanada | Fünf Jahre nach Asien

Sam | Deutschland | Sechs Jahre nach Asien

Louis | Kanada | Sechs Jahre nach Asien

Sam | Deutschland | Sechs Jahre nach Asien

Louis | Kanada | Sechs Jahre nach Asien

Sam | Deutschland | Zehn Jahre nach Asien

Louis | Kanada | Elf Jahre nach Asien

Sam | Deutschland | Elf Jahre nach Asien

Louis | Kanada | Elf Jahre nach Asien

Sam | England | Elf Jahre nach Asien

Louis | Kanada | Vier Monate später (Zwölf Jahre nach Asien)

Sam | England | Zwölf Jahre nach Asien

Louis | Kanada | Zwölf Jahre nach Asien

Sam | England | Zwölf Jahre nach Asien

Louis | Kanada | Zwölf Jahre nach Asien

Sam | England | Zwölf Jahre nach Asien

Louis | Kanada | Zwölf Jahre nach Asien

Sam | Frankreich | Zwölf Jahre nach Asien

Louis | Frankreich | Zwölf Jahre nach Asien

Sam | Frankreich | Zwölf Jahre nach Asien

Louis | Frankreich | Zwölf Jahre nach Asien

Sam | Frankreich | Zwölf Jahre nach Asien

Louis | Frankreich | Zwölf Jahre nach Asien

Sam | Frankreich | Zwölf Jahre nach Asien

Sam | Deutschland | Neunzehn Jahre nach Asien

Louis | Kanada | Zwanzig Jahre nach Asien

Danksagung

Impressum

Prolog

Was ist eigentlich los mit mir? Ganz kribbelig ziehe ich meine Joggingschuhe an, in der Hoffnung auf einkehrende Ruhe, wenn ich nur weit genug laufe. Draußen wird es dunkel, eigentlich nicht die Zeit, zu der ich gerne allein unterwegs bin. Aber was soll’s. Drinnen werde ich noch verrückt. Die Straßen sind leer, der Park auch. Nur der ein oder andere Hundebesitzer spaziert mit seinem Schützling auf der Suche nach einem passenden Baum, der dann beschnüffelt und angepinkelt wird. Ich renne weiter, an den Schrebergärten vorbei, in die so viel Liebe und Zeit investiert wird, um sich seinen eigenen Flecken Grün zu schaffen. Mit Schnappatmung bleibe ich bei einem Rosenbusch stehen. War wohl doch etwas zu schnell für den Anfang. Nachdem mein Puls sich etwas beruhigt hat, nehme ich mir die Zeit, meine Nase in die größte Rose zu stecken und genüsslich den Duft durch meine Lungen zu ziehen. Carpe diem. Das ist es doch, was alle auf Social Media ständig posten, genieße den Moment. Denk nicht weiter nach, sei im Augenblick. Nicht in der Vergangenheit und nicht in der Zukunft. Wenn mir das nur länger als ein paar Atemzüge gelingen würde.

Ich weiß gar nicht, wie es dazu gekommen ist. Wozu eigentlich? Nun, ehrlich gesagt, zu gar nichts. Und doch zu irgendwas. Ein Irgendwas, das mich seit Jahren nicht loslässt. Ein Hauch von etwas, das nie war. Und doch geht es nicht weg. Zeit heilt alle Wunden, heißt es. Vielleicht heilt es nicht, weil es keine richtige Wunde ist. Aber trotzdem tut es weh. Manchmal gar nicht, manchmal sehr. Es gibt Nächte, da wache ich schweißüberströmt vor Schmerzen auf, während mich an anderen Tagen der Gedanke an ihn über Wasser hält. Und doch scheint er vor allem ein Hirngespinst zu sein.

Langsam nehme ich wieder Geschwindigkeit auf, renne weiter. Wie kann ich mit diesem Gefühl umgehen? Dem Gefühl des Vermissens, der Sehnsucht, und gleichzeitig der Scham. Ich blicke in den dunklen Nachthimmel, ein paar der hellsten Sterne kann ich sogar hier mitten in der Stadt erkennen. Und natürlich Jupiter. Ich werde dich nie haben. Die Schwere dieses Wissens stürzt auf mich herab und treibt mir Tränen in die Augen. Gleichzeitig erscheint mir meine Trauer so lächerlich. Ich habe doch alles, was man sich nur wünschen kann – und was ich mir immer gewünscht habe. Bin ich undankbar? Wie kann man das Unmögliche wollen, im Wissen, dass es alles, wofür man gearbeitet hat, alles, was man je wollte, in vielerlei Hinsicht zerstören würde?

Samantha | Laos

Und da stand ich, in der Empfangshalle eines wenig glamourösen Hotels in Laos, umgeben von mehreren Touristen, die wie ich auf der Suche nach Abenteuer waren. Die offenstehenden Eingangstüren gaben den Blick auf eine staubige Straße frei. Ein voll bepackter Eselskarren fuhr im Schneckentempo vorbei. Vermutlich war es Reis, der in großen Säcken kunstvoll auf die winzige Ladefläche gestapelt war. Die Kutscherin hatte ein von der Sonne zerfurchtes Gesicht, sie war in ein beigefarbenes Kleid gehüllt und hatte ein Kleinkind mit knallrotem Pullover auf dem Schoß. Meine Augen schweiften wieder in die Empfangshalle, wo ich über das Potpourri der Touristen schmunzeln musste. Es waren mehrere Nationen vertreten, und auch unterschiedliche Reiseerwartungen, wie es schien. Eine Frau mittleren Alters stand im weißen Velours-Jogginganzug mit ihrem hübschen Rollköfferchen etwas schockiert in einer Ecke und starrte auf ihre frisch manikürten Fingernägel. Sie hatte vermutlich mit etwas mehr Luxus gerechnet. Neben ihr stand ein geschniegelter Mann mit Wohlstandsbäuchlein und einer Designer-Sporttasche und wusste nicht so recht, wie ihm geschah. Die meisten anderen schienen bodenständiger zu sein, größtenteils mit Rucksäcken und in sportlicher Freizeitkleidung.

Ich atmete tief durch. Endlich war ich unterwegs, auf einer Reise in Asien, die ich schon seit Jahren machen wollte. Im Vergleich zu vielen meiner Bekannten, die zwar Dinge wollten, diese aber oft nicht durchzogen, war ich nun hier. In diesem Falle allein, weil keiner mitkonnte oder -wollte. Mir war das ganz recht, schließlich brauchte ich dringend eine Pause von daheim, von meinen üblichen sozialen Kontakten, von Deutschland.

Das erste Grüppchen hatte sich geformt, wir hatten alle denselben Trip gebucht: Berge, Action, weite Landschaften und als Highlight eine riesige Tempelanlage. Ich schaute mich instinktiv nach einem Reise-Buddy um, da das Grüppchen aus Paaren und Freunden bestand. Die Zweierzimmer schienen weitestgehend festgelegt. Ein paar Meter weiter stand ein großgewachsener Typ Anfang dreißig. Er sah etwas verloren aus, trotz seiner breiten Schultern und der aufrechten Haltung. Seine Augen wanderten unruhig im Raum umher, als suche er einen Anhaltspunkt. Mir fielen seine widerspenstigen, leicht lockigen Haare auf, die er fahrig aus dem Gesicht strich, als wäre er gestresst. Da blieben seine Augen an mir hängen und ein freundlicher Glanz zeigte sich darin. Er grinste mich schräg an und ich ging zwei Schritte auf ihn zu. „Geht’s bei dir auch zum Mekong und zu den Affen?“, fragte ich. „Ja.“ Er lächelte, sagte aber nichts weiter. Die Antwort freute mich mehr, als ich erwartet hatte. „Das da drüben scheint unser Reiseführer zu sein“, deutete ich zu dem Mann, der sich vorhin bei mir vorgestellt hatte. „Danke!“, kam zurück und er setzte sich in Bewegung. Offensichtlich war er nicht sehr gesprächig. Trotzdem konnte ich nicht umhin, ihm nachzuschauen.

Eine halbe Stunde später fuhren wir los, mit einem klapprigen Pick-up, die staubigen Rucksäcke auf das Dach geschnallt, genauso wie den Rollkoffer und die Designer-Sporttasche. Die Einheimischen hatten Geflügelkäfige und Sofas dabei, und ein Ölkanister, der aufs Dach gebunden wurde, tropfte in regelmäßigen Abständen ein wenig Benzin auf den Rücken der Person mir gegenüber. Alle saßen wie Hühner auf der Stange auf einer der beiden Holzbänke, die notdürftig auf der Ladefläche befestigt waren, während uns nur eine Art rostiges Geländer davon abhielt, nach hinten auf die Straße zu purzeln. Nach zwei Stunden Fahrt machten wir endlich eine Pause. Mein Rücken schmerzte vom verkrampften Sitzen, da ich nicht genug Platz hatte, mich anzulehnen oder meine Beine zwischendurch auszustrecken. Wir konnten aussteigen und uns ein im Grill plattgedrücktes Hühnchen, mit Knochen und allem dran, bei den Straßenverkäufern erstehen. Immerhin waren keine Federn mehr zu sehen. Eine Flasche Wasser dazu, und die Mahlzeit war komplett. Auch wenn der ein oder andere Knochensplitter im Mund ein eher ungewöhnliches Esserlebnis bescherte, die Laune in der Gruppe war gut. Einer der Österreicher tat sich schon als Entertainer hervor, mit einem etwas grantig und resigniert aussehenden Kumpel an der Seite. Mit gespielt entsetztem Gesicht ließ er das Hühnchen am Spieß über sein Schicksal philosophieren, was ihm einige Lacher einbrachte. Die Norweger und Briten schienen harmonische Paare zu sein, und der Rest hatte sich zu einem freundlichen Grüppchen zusammengetan. Sogar die Italiener hatten sich nach anfänglichem Schock mit ihrem Rollkoffer und der Designertasche ihrem Schicksal gefügt.

Nach einer weiteren langen Strecke hielt der Bus endlich an. Da war er, der große Fluss, von dem alle sprachen. Der Mekong! Auf diesem durften wir zwei volle Tage dahinschippern, um in den Dschungel zu kommen. Wir hievten unsere staubigen Gepäckstücke vom Dach des Pick-ups herunter, alle halfen mit. Auf jeden Rücken einen Rucksack, außer bei denen, die lieber mit Koffer unterwegs waren. Die durften den Trolley nun durch den Dreck rollen. Immerhin war es trocken. Trotzdem vermutete ich, dass der weiße Velours-Jogginganzug der Italienerin seine Flecken nie wieder loswird. Sie tat mir fast ein bisschen leid, wie sie besorgt ihre Fingernägel nach abgesplittertem Nagellack untersuchte. Eine einfache Bleibe am Flussrand nahm uns für die Nacht auf, eine Gruppe von kurzfristigen Weggefährten auf dem Absprung ins Abenteuer. Für das erste gemeinsame Abendessen hatte unser Reiseführer einen Tisch in einem kleinen Lokal organisiert, auf den unterschiedliche exotische Speisen in dampfenden Schüsseln gestapelt wurden. Die lokalen Gerichte waren schmackhaft, wenn auch teilweise so scharf, dass sie uns Tränen in die Augen trieben.

Die Gespräche klangen freundlich, aber noch etwas vorsichtig und distanziert. Der lustige Österreicher, Heinz, erwies sich als zuverlässiger Mann für die Momente des unbehaglichen Schweigens, die sich ab und an einschlichen. Nicht verwunderlich bei einem Haufen Unbekannter. Nach ein paar Bier stachelte er die anderen Männer zu einem Schärfe-Wettessen an, und einer nach dem anderen begann sich zu schnäuzen oder bekam starken Schluckauf. Nur der ruhige Kanadier, den ich anfangs angequatscht hatte, aß stoisch die schärfsten Speisen, ohne mit der Wimper zu zucken. Auf steinzeitliche Art fand ich das beeindruckend, und Heinz schlug ihm anerkennend auf die Schulter.

Müde zogen wir schlussendlich in Richtung Hotel. Schon beim Zähneputzen fielen mir die Augen beinahe zu, und wenige Minuten später war ich eingeschlafen.

Am nächsten Tag ging es los, früh im Morgengrauen. Ich schlug die klammen Bettlaken zurück, als der Wecker auf meiner altmodischen Reiseuhr um sechs Uhr Alarm schlug. Eiskaltes Wasser ins Gesicht, alles in den Rucksack packen, Frühstück. Eine dreiviertel Stunde später saßen wir im Bus, der uns noch das letzte kurze Stück zum Boot brachte. Ein Röhren durchdrang den nebligen Schleier, der auf dem Fluss schwebte, als der Motor aus seinem Tiefschlaf geweckt wurde. Ich erwischte einen Platz nahe dem Auspuff. Der Dieselgeruch stieg mir in die Nase und bewirkte, dass ich mich schon leicht seekrank fühlte, bevor das Boot überhaupt das Ufer verlassen hatte. War es wirklich eine gute Idee gewesen, eine Reise mit langer Bootsfahrt zu wählen? Allerdings fasste ich diese schon vor Jahren ins Auge, und es sollte wohl Schicksal sein, dass ich noch den vorletzten freien Platz in der Gruppe bekam. Carpe diem.

Ich liebte die Bootsfahrt. Nie hätte ich gedacht, dass es mir so viel Spaß macht, mich zu langweilen. Acht Stunden am Tag in einem Boot sitzen, die vorbeiziehenden Felder, Ufer und Ansiedlungen betrachten, die Leute beobachten, die ihren täglichen Geschäften nachgingen, Wäsche hängten, sich im Fluss wuschen, mit kleinen Booten zum nächsten Dorf fuhren, lebten. Den anderen im Hamsterrad zusehen, während ich mich dem Hamsterrad zumindest für eine kurze Zeit entziehen durfte. Wobei ich zugeben musste, dass das Hamsterrad hier zwar körperlich anstrengender, aber deutlich entspannter zu sein schien. Kein gehetztes Gesicht, kein halbes Gerenne wie zu Hause in der Stadt, wo die Menschen zur U-Bahn eilten, um rechtzeitig zur Arbeit zu kommen. Irgendwie ursprünglicher, echter, mit mehr Bodenhaftung. Während sich bei uns viele in der Tretmühle zwischen Leistung und Konsum verloren, zwang der einfache Lebensstil hier zu einer Ruhe, einer Leichtigkeit, und trotzdem zu einem harten Leben.

Wir kamen in einem Dorf an, in dem es mehrere Hotels gab. Jeder durfte sich um die eigene Unterkunft kümmern. Das erste Hotel, das ich mir ansah, schien einigermaßen sauber zu sein und der Preis war in Ordnung. Im Vergleich zu den anderen, die sich mehrere Zimmer anschauten und lieber die Hotels am Ende des Dorfes aufsuchten, in der Hoffnung, einen besseren Deal oder ein besseres Zimmer zu bekommen, schien ich wohl etwas naiv an die Sache heranzugehen. Aber warum sollte ich meinen Abend mit Hotel suchen vergeuden? Lieber schaute ich mich nach einem netten Restaurant um und gönnte mir ein Bier – nach einem Tag neben dem Dieselauspuff hatte ich mir dies redlich verdient. Ich genoss eine ausgiebige Dusche und ging dann auf die Suche nach einem passenden Plätzchen. Das Dörfchen schien sich nicht weiter als zweihundert Meter vom Fluss weg zu erstrecken. Es lag direkt am Ufer, das sich vom Mekong aus recht steil erhob und dann in einem Plateau mündete. Es gab eine Handvoll Hotels, vermutlich die größte Einkommensquelle der Einwohner, deren Behausungen sich als kleine Häuschen und Hütten zwischen die Hotels reihten. Die Straße war nicht geteert, es war eine staubige festgestampfte Lehmpiste, bei der ich mir nicht vorstellen wollte, durch welchen Matsch man sich in der Regenzeit begeben musste. Rundum waren terrassenartige Felder, die mit Gemüse bepflanzt waren, während ein paar Kühe und ein Esel auf einem Feld standen.

Der Rest der Gruppe war nicht zu übersehen. Auch die anderen Reisekameraden schienen inzwischen eine Unterkunft gefunden zu haben und waren schon zum zweiten Bier übergegangen. Da sie vor dem einzigen Gasthaus des Dorfes halb auf der Straße saßen, auf etwas wackeligen Plastikstühlen, sah ich sie von weitem und gesellte mich zu ihnen. Die Norweger tauten langsam etwas auf. Sie waren schon seit fast einem Jahr unterwegs, hatten sieben Länder bereist, und würden nach dieser geführten Reise wieder individuell weiterziehen, bis sie irgendwann genug hatten oder das Geld ausging. Als die Konversation etwas schleppend wurde, zog der Kanadier, der immer noch etwas verloren aussah, seinen Laptop heraus. Wer, bitte, reiste denn mit seinem Laptop in den Dschungel? Ich war irritiert. Er fing an, Fotos von seinen Reisen zu zeigen und mit knappen Worten zu erzählen, was er so alles gemacht hatte. Einiges hatte er gesehen, das musste ich zugeben. Aber irgendwie störte mich diese Aktion. Irgendwie zu viel Prahlerei, Unsicherheit durch Pseudo-Coolness überspielt. Nicht mein Ding. Aber das konnte mir glücklicherweise egal sein, ich verbrachte nur zwei Wochen mit dieser Gruppe und dann würde ich sie alle nie wieder sehen oder hören. Und die Fotos waren durchaus beeindruckend, Prahlerei hin oder her.

Der restliche Abend verlief ruhig, bald gingen alle zurück in ihre Unterkunft, und ich genoss auf einer harten Matratze den Blick auf den Fluss, bevor ich friedlich einschlummerte.

Am nächsten Tag ging es weiter flussaufwärts. Als ich ins Boot einstieg, saß der Kanadier schon da. Louis hieß er. Langsam fing ich an, mir ein paar der Namen zu merken. Leider war das ganz und gar nicht meine Stärke. Er hatte sich ganz hinten platziert, wie die coolen Kids in der Schule. Kurz traf mich sein Blick, schüchtern, fragend. Und mir stieg unerklärlicherweise Hitze ins Gesicht. Schnell nahm ich mir den nächstbesten Sitz recht weit vorne und starrte auf den Fluss hinaus. Vor mir auf dem Wasser tanzten seine Augen. Schnell wischte ich das Bild weg und konzentrierte mich auf die Landschaft.

Stunden später kamen wir an, ein Jeep wartete schon auf uns. Noch zwei Stunden zu Fuß, dann würden wir das erste Baumhaus erreichen, auf dem wir übernachteten. Mit viel Glück könnten wir Gibbon Affen sehen, in freier Wildbahn. Ich diskutierte mit dem gesprächigen Österreicher über Gott und die Welt, als sich der Himmel plötzlich verdunkelte. Mir wurde mulmig zumute. Wenige Minuten später rann uns das Wasser die Wirbelsäule entlang. Ein Blitz nach dem anderen ging in unserer Nähe nieder. Ich hasse Gewitter. Seit ich mitten in den Bergen vor Jahren von einem Unwetter eiskalt erwischt worden war, ging mein Puls steil nach oben, sobald ich Blitz und Donner in der Nähe wahrnahm. Meine Schultern verkrampften sich. „Alles ok bei dir?“, hörte ich die Stimme von Louis hinter mir. Ich fühlte mich nicht angesprochen. „Sam, alles ok?“ sagte er etwas lauter. Verwundert drehte ich mich um. Er sah mich etwas besorgt an. Vermutlich sprach mein Gesicht Bände, wie das bei mir meistens der Fall war. Mein Mann Michael machte sich oft lustig darüber, dass man meinem Gesicht alles ablesen konnte. Und darüber, dass ich mir bei Gewittern vor Angst fast in die Hosen machte. „Alles wird gut, ich bin da, falls du was brauchst“, sagte er unvermittelt. Ich war überrascht, damit hatte ich nicht gerechnet. Abrupt blieb die Person vor mir stehen, und ich stolperte. Louis packte mich am Ellenbogen. Kräftig genug, um mich vom Fallen abzuhalten, aber trotzdem sanft. „Danke“, nuschelte ich peinlich berührt in seine Richtung, aber er schaute mich nur mit warmen, freundlichen Augen an, die keine Art von Belustigung oder Spott zeigten, wie ich das sonst von Michael erwartet hätte. „Er hat ozeanblaue Augen“, schoss mir durch den Kopf. Nach einem kurzen verwirrten Moment schaute ich wieder nach vorne, um herauszufinden, was den plötzlichen Stopp meines Vordermannes verursacht hatte. Ein kleines Rinnsal hatte sich in einen hüfthohen Bach verwandelt. Unser Reiseführer watete beherzt ins tiefe Nass. Niemand wollte ihm folgen. Schließlich sah die braune Brühe nicht sonderlich einladend aus, und wer wusste schon, welches Getier sich in diesem schlammigen Wasser befand. Heinz witzelte, dass es darin bestimmt von Blutegeln nur so wimmelte. Allerdings kamen wir vom Rumstehen auch nicht weiter. Ich fasste mir ein Herz und machte einen Schritt auf das Gewässer zu. Noch einen Schritt weiter, und ich war hüfthoch versunken. Ein kräftiger Zug vom Arm des Reiseführers, und schon war ich am anderen Ufer des Baches. Nachdem ich von keinem Krokodil gefressen und von keiner Schlange gebissen worden war, folgten auch die anderen, manche mehr, manche weniger zögerlich. An einer Art Mast, an dem ein langes Drahtseil befestigt war, blieben wir stehen. Die Begleiter legten uns einen Klettergurt an, schnallten uns an das Drahtseil und los ging es, mit der Zipline durch die Baumkronen hinweg. Ich saß in meinem Gurt, der über einen Strick und ein Gestell mit kleinen Rädern, wie bei einer Seilbahn, mit dem langen Drahtseil verknüpft war, das sich über eine Schlucht spannte. Nur dass ich in diesem Falle die Seilbahn war, die ungebremst den Metallstrang hinunterrollte. Ich war atemlos. Der Wind rauschte in den Ohren und ein unbändiges Gefühl von Freiheit und Glück überkam mich. Bis der Himmel von einem weiteren Blitz erhellt wurde. Mir entfuhr ein kleiner Schrei. Drahtseile und Blitze waren keine gute Kombination. Mit klopfendem Herzen kam ich im Baumhaus an und beobachtete bang meine Reisegefährten, die einer nach dem anderen durch das Gewitter sausten. Die „local guides“, Männer aus der Gegend, die sich bei unserem Abenteuer um alles kümmerten, schienen tiefenentspannt. Na, dann war ja alles gut. Durchnässt und mit Adrenalin im Blut machten wir es uns im luftigen Baumhaus gemütlich, so gut es ging. Die Nacht würde kalt werden. Interessanterweise gab es im Baumhaus sogar eine Freiluftdusche, mit schicker Armatur wie aus einem Vier-Sterne-Hotel. Ich konnte es nicht fassen, der Matsch, das Gewitter, eiskaltes Wasser – und eine moderne Dusche. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen. Während sich sonst niemand dazu entschließen konnte, sich bei der Kälte zu entkleiden und unter das frostige Wasser zu stellen, genoss ich die schönste Dusche mit dem besten Ausblick meines Lebens. Das Wasser floss an meinem Körper herab, durch das Gitter durch, unter dem 30 Meter erst mal nichts war, bis das Wasser dann auf den Boden traf. Zum Glück hatte ich keine Höhenangst. Unsere Begleiter hatten uns per Zipline Essen auf das Baumhaus gebracht, das von ihren Frauen im nächsten Dorf gekocht worden war. Auf die Frage, wie es mit der Sicherheit bei Gewitter stünde, meinte der Reiseführer, dass der Baum einen Blitzableiter habe. Ich entschied mich dafür, ihm das zu glauben. Schlafen würde ich so auf jeden Fall besser.

Plötzlich gellte ein Schrei durch den Wald. Alle drehten sich erschreckt zur Verursacherin des Lärms. Die Italienerin hatte ihren mittlerweile nicht mehr weißen, sondern bräunlichen Veloursanzug an den Beinen hochgekrempelt. Zwei längliche, wurmartige Tiere saßen darauf. Sie starrte entsetzt auf ihr Bein, und ein Schwall italienischer Worte flutete das Baumhaus. Sie fuchtelte wild mit ihren Armen herum und schien ihren Mann aufzufordern, ihr zu helfen. Der hingegen fand die Tiere offensichtlich genauso abstoßend wie sie, und ich konnte mir nur allzu gut vorstellen, wie auch Michael hilflos und angeekelt neben mir sitzen würde, ohne zu wissen, was zu tun war. Einen kurzen Moment waren wir alle in Schockstarre, bis sich plötzlich Louis erhob, zu seinem Rucksack ging und etwas herausholte. Sein Handy und etwas, das wie ein Erste-Hilfe-Täschchen aussah. Was wollte er denn bitte mit dem Handy? Bevor ich mir darüber Gedanken machen konnte, war er schon zur Italienerin, deren Namen ich mir nie merken konnte, gegangen, schaltete die Taschenlampe am Handy an und wies sie ruhig, aber bestimmt an, ihm damit zu leuchten. Schlagartig beruhigte sie sich und folgte seinen Anweisungen. Mit sicheren Handgriffen fuhr er seinen Fingernagel zwischen Tiere und Haut und schnippte die Blutegel weg. Ein Kick mit dem Fuß, und schon flogen sie vom Baumhaus in die Tiefen des Waldes. Das Bein blutete stark, er holte einen Desinfektionsspray hervor und verband anschließend die wunden Stellen. Die Italienerin war wie hypnotisiert, genauso wie wir alle, erstaunt und bewundernd, wie er diese missliche Situation meisterte, als wäre es das Normalste der Welt. „Grazie mille, vielen Dank, was hätte ich ohne dich nur gemacht!“ rief die Italienerin mit starkem Akzent und fiel ihm erleichtert um den Hals. Die emotionale Dankensbekundung war Louis offensichtlich unangenehm, aber da musste er durch. Der Italiener stand ebenfalls auf und schüttelte ihm mit einem ernsten Nicken die Hand. „Dann waren also doch Blutegel im Bach!“, äußerte Heinz halb erschrocken, halb amüsiert. „Wir sollten wohl alle mal unsere Beine überprüfen!“

Als es dunkel wurde und einer nach dem anderen sich in Richtung Schlafkojen aufmachte, konnte ich mich einfach nicht überwinden, mich in die nasskalten Decken zu wickeln. Ich vermisste meinen Mann, auch wenn er nicht wusste, wie man Blutegel loswurde. Was hätte ich dafür gegeben, mich an seinen warmen Körper schmiegen zu können und nicht allein in der Dunkelheit zu frieren. Mein sehnsüchtiger Blick blieb an blauen Augen hängen. Sie gehörten Louis. Mein Atem stockte kurz, als ich seinen intensiven Blick spürte. Meine Haut begann zu kribbeln. Es schien, als würde auch er sich nicht besonders auf die kaltfeuchte Nacht freuen. Wir unterhielten uns noch ein wenig über die frostigen Temperaturen, ich gratulierte ihm augenzwinkernd zur Rettung der Italienerin, was er mit einem tief grollenden Lachen quittierte, dann stand er entschlossen auf und machte sich auf den Weg in seine Koje. Ich fühlte mich allein gelassen. Resigniert stand ich auf, genoss einen letzten Blick auf die Baumkronen und stellte mich auf eine ungemütliche Nacht ein. Der Sternenhimmel tanzte über mir und ich fror und bibberte vor mich hin, während sich in meinem Herz eine unbändige Sehnsucht entfaltete, die ich nicht einordnen konnte. Nur das Kribbeln auf meiner Haut gab mir eine Vorahnung.

Irgendwann war ich dann doch eingeschlafen. Die Sonne kitzelte meine Nase, und der Regen des gestrigen Tages tanzte als Dunst in den Baumwipfeln. Es raschelte in diversen Kojen, und einer nach dem anderen kam verschlafen und mit verwuschelten Haaren zu dem einfach zusammengezimmerten Holztisch getappt, auf dem unsere Begleiter schon ein Frühstück hergerichtet hatten. Die Briten mochten fast gar nicht geschlafen haben, die dunklen Augenringe zeugten von einer unruhigen Nacht. „Habt ihr auch die Affen schreien gehört?“ fragte einer. Ein paar nickten, ein paar waren noch zu sehr in ihrer Traumwelt gefangen, um zu reagieren. Ich setzte mich verschlafen an den Tisch und stellte fest, dass ich mich direkt dem Kanadier gegenüber niedergelassen hatte. Er klammerte sich an seinen heißen Ingwertee und starrte in die Landschaft. Ich folgte seinem Blick und es war atemberaubend. Der Dschungel breitete sich vor unseren Augen aus, reiches Grün und Braun, und in der Ferne tanzten die Äste. Äste? Wow, die Gibbons! Obwohl ich natürlich gehofft hatte, tatsächlich welche in der Wildbahn zu sehen, war ich aufgeregt und von einer gewissen Ehrfurcht ergriffen, als ich die Horde in der Ferne durch die Baumkronen schwingen sah. „Du hast den Platz mit der besten Aussicht erwischt“, sagte ich zu ihm mit einem Grinsen. Seine blauen Augen wanderten zu mir, er musterte mein Gesicht. „Ja, das habe ich“, antwortete er, ohne den Blick wieder zu den Affen zu schwenken. Ich fing an, etwas nervös hin und her zu rutschen, während er mich ruhig ansah. Glücklicherweise kam einer der Begleiter mit einer weiteren Kanne Tee an unseren Tisch.

Nach dem Frühstück ging es wieder los. Mit Klettergurten und Sicherungsgeschirr sausten wir durch die Baumkronen, ein Adrenalinstoß folgte dem nächsten. Ich fühlte mich frei und glücklich. Die Gruppe fand durch den gemeinsamen Spaß mehr und mehr zusammen, die Gespräche wurden persönlicher und interessanter. Die Italiener, die sich vor Jahren in London niedergelassen hatten, erzählten von ihrem Start in Großbritannien. Als sie damals mit nur wenigen Worten Englisch im Gepäck ankamen, stellten sie schnell fest, dass London teuer war. Aufgrund der fehlenden Sprachkenntnisse bot ihnen niemand einen Job an, somit hatten sie sich auf die Suche nach den profitabelsten selbständigen Tätigkeiten gemacht – Drogen, Waffen oder Immobilien. Sie hatten sich für letzteres entschieden und kauften nun heruntergekommene Wohnungen und Häuser in guten Lagen auf, renovierten sie und verkauften sie mit ordentlichem Profit. Ich musste schmunzeln, wie die beiden ganz selbstverständlich die Themen Drogen, Waffen und Immobilien in einem Atemzug nannten.

Auch die Briten, Mary und Ray, erzählten ein wenig von sich. Glücklicherweise konnte ich mir ihre Namen leichter merken als die der Italiener. Sie waren in etwa Mitte fünfzig und hatten sich vor zehn Jahren in einem Kunstmuseum kennengelernt – sie war Künstlerin und er organisierte ihre Ausstellung. Ich spürte, wie ich ungewohnt rasch einen guten Draht zu Mary aufbaute. Sie hatte etwas Fürsorgliches, Mütterliches, und war gleichzeitig weltoffen und gab den Menschen in ihrer Umgebung das Gefühl, sie wären etwas ganz Besonderes. Ich befragte sie interessiert zu ihrer Kunst und erzählte ihr, dass ich in meiner Freizeit Skulpturen aus Ton machte, die ich dann mit quietschbunten Farben glasierte. Ich zeigte ihr ein paar Fotos auf dem Handy. „Deine Objekte sind wirklich schön, Sam. Hast du schon einmal ausgestellt?“ Ich verneinte, und dachte etwas schmerzlich an das Gespräch mit Michael zurück, der mir zwar immer versicherte, meine „Basteleien“, wie er sie nannte, hübsch zu finden, aber dass unsere Wohnung doch schon recht voll davon war und ob ich mir nicht ein anderes Hobby suchen wollte. Dass ich meine Skulpturen ausstellen oder gar verkaufen könnte, war mir nie als Option erschienen, obwohl meine beste Freundin Karen mir einmal den Flyer einer Galerie unter die Nase gehalten hatte.

Wenige Minuten später standen wir ehrfurchtsvoll vor der längsten Zipline der Tour. Zweihundert Meter über eine Schlucht führte das Seil, und man musste mit viel Schwung losfahren, um ans andere Ende zu kommen. Die einzige Alternative war, dass man sich zig Meter am Drahtseil entlanghangeln und sich zur Plattform am Ende hieven musste. Da nahm ich doch lieber Schwung. Mit der Sicherung am Seil, sprang ich übermütig vom Baum und genoss die fantastische Aussicht über den Dschungel. In weiter Ferne konnte ich Affen vermuten, und mehrere Vögel kreisten umher. Der Wind spielte in meinem Haar und ich schloss genussvoll die Augen.

Plötzlich hörte ich Rufe, öffnete meine Augen, spürte, wie mein Bein hart an etwas anschlug und ich herumgeschleudert wurde. Ein durchdringender Schmerz breitete sich in meinem Bein aus, nahm mir fast das Bewusstsein und ich hörte mich aus weiter Ferne schreien, während ich weiter die letzten Meter auf der Zipline sauste. Ich konnte nicht bremsen, bekam nichts mit, konnte vor Schmerz nicht klar denken. Ich sah jemanden auf mich zu rennen, er versuchte mich aufzufangen und meine Geschwindigkeit mit seinem Körper abzufedern. Benommen stellte ich fest, dass von einem Moment auf den anderen alles um mich herum stillstand. Jemand schnallte mich vom Drahtseil ab, trug mich ein paar Meter und legte mich sanft auf den Waldboden. „Wie fühlst du dich?“ Hörte ich eine leicht zitternde, von Sorgen geschwängerte Stimme sagen. Ich blickte in blaue Augen, und ertrank fast in der Tiefe einer Seele, die plötzlich vor mir aufklaffte. Ich musste wegschauen, um Luft zu bekommen. „Mein Bein“, brachte ich heraus. Zwei der Begleiter kamen herbeigerannt und starrten auf den größer werdenden Blutfleck auf meinem Schienbein. „Hat jemand einen Erste Hilfe Kasten dabei?“ hörte ich Louis rufen. Außer den Begleitern hatte niemand Gepäck dabei. Aus dem Augenwinkel sah ich, dass einer von ihnen seinen Rucksack von den Schultern nahm und ein vergammeltes Täschchen herauszog. „Na immerhin, Verbandszeug“, dachte ich matt. Louis holte ein Taschenmesser aus seiner Hose und macht sich daran, meine Wanderhose abzuschneiden, um an die Wunde zu kommen. Kurz durchzuckte mich ein Gefühl der Scham, da ich meine Beine schon bestimmt eine Woche lang nicht mehr rasiert hatte, aber dann war der Schmerz wieder so präsent, dass mir alles andere egal war. „Sam, du hast eine ziemlich fiese Wunde von diesem Ast abbekommen. Ich versuche sie zu reinigen und verbinde sie dir.“ Es war das zweite Mal, dass er mich mit meinem Namen ansprach. Ich nickte und biss die Zähne zusammen. Schon kam Mary auf der Zipline angesaust und lief erschrocken zu mir herüber. Geistesgegenwärtig holte sie Paracetamol aus ihrem Rucksack und gab es mir, während Louis sich an meinem Bein zu schaffen machte. „Hoffentlich entzündet sich das nicht“, hörte ich ihn murmeln. Nach einer gefühlten Ewigkeit ließ Louis von meinem Bein ab. „Kannst du aufstehen?“, fragte er. Vorsichtig setzte ich mich hin und merkte, wie mir etwas schwindelig wurde und mich eine große Übelkeit überkam. Fast hätte ich mich übergeben müssen. Ich atmete tief durch und nickte zögerlich. Hier im Dschungel konnte ich nicht liegen bleiben. Mary und ihr Partner Ray boten mir ihre Hand an, um mich aufzuziehen. Autsch, verdammt, tat das weh. Mit zusammengebissenen Zähnen versuchte ich ein paar Schritte zu gehen. Zum Glück schien das Paracetamol langsam ein wenig zu wirken. Mit Mary und Ray links und rechts neben mir kam die Gruppe schleppend in Bewegung. „Danke!“ sagte ich zu meinen Helfern. Wenn doch nur mein Mann hier wäre. Louis nahm meinen Rucksack und ich humpelte über das Geäst, in Richtung nächste Zipline. Glücklicherweise war das die letzte des Tages.

Mit pochendem Bein lag ich später in meiner Koje und grübelte nach, warum ich ohne Michael in den Urlaub gefahren war. Ich fand keine Antwort. Wir hatten uns vor drei Jahren kennengelernt, er ein aufstrebender Akademiker an der Universität, ich die Teamassistenz seines Chefs. Bei der Weihnachtsfeier hatte es kräftig geknistert, und nachdem wir schon öfters an der Kaffeemaschine geflirtet hatten, nahm ich ihn nach mehreren Tassen Glühwein mit nach Hause. Der Heiratsantrag kam überraschend schnell, nach sechs Monaten, aber wir waren uns beide sicher, das große Los gezogen zu haben, somit erschien es unnötig, länger zu warten. Ein Jahr nach besagter Weihnachtsfeier war der Ring an meinem Finger. Während ich im kleinen Kreis heiraten wollte, war es ihm wichtig, eine große Feier mit vielen Bekannten und Arbeitskollegen zu veranstalten, und ich fügte mich seinem Wunsch. Im Nachhinein fragte ich mich manchmal, ob er vor seinem Chef ein Bild vom braven Ehemann abgeben wollte, der sich gänzlich auf seine Forschung konzentrierte, nachdem er mir von seiner wilden Phase während des Doktorats erzählt hatte, in der er von einem One-Night-Stand zum nächsten schlitterte. Er arbeitete viel, zu viel für meinen Geschmack, und ich war mir nie ganz sicher, ob er von mir erwartete, meinen Beruf aufzugeben, sobald wir Kinder bekamen. Vermutlich hätten wir ein paar grundsätzliche Fragen klären sollen, bevor wir vor den Altar schritten, aber nun war es so. Wir hatten uns entschieden, den Rest des Lebens gemeinsam zu verbringen.

Meine Gedanken wanderten wieder zu meiner aktuellen Situation. So ein Mist, dass ich mir gerade hier solch eine heftige Verletzung zugezogen hatte. Glücklicherweise konnte ich noch gehen, ich hielt die Gruppe zwar durch mein langsames Tempo auf, war aber nicht so schwer beeinträchtigt, dass ich dringend zu einem Arzt musste oder immobil war. Morgen würde ich wohl oder übel den ganzen Tag allein hier im Baumhaus sitzen, während die anderen durch die Baumkronen flitzten, um mich hoffentlich genug zu erholen, dass der Rückweg in die Zivilisation ohne größere Komplikationen von statten gehen konnte. Das Wetter hatte seither auch mitgemacht, die Nächte waren zwar immer noch eiskalt, aber zum Glück gab es seit dem ersten Abend keine Gewitter mehr. Vielleicht hatte ich morgen ja das Vergnügen, ein paar Affen vom Baumhaus aus beobachten zu können. Ich würde mir schon die Zeit vertreiben bei der wunderschönen Aussicht.

Irgendwann war ich dann wohl trotz der Schmerzen eingeschlafen, denn plötzlich war es stockdunkel und jemand berührte mich sachte an der Schulter. Verwirrt schüttelte ich die Hand ab und verkniff mir einen Schrei. Das Ergebnis war ein krächzendes Würgegeräusch, und eine Stimme fragte mich: „Alles OK bei dir?“ „Ähm, ja, was machst du hier?“ fragte ich in die Dunkelheit zurück. „Du hast dich im Schlaf hin und her geworfen, und es klang, als ob du dich vor Schmerzen windest“. Erst da bemerkte ich, dass sich mein Bein wie Feuer anfühlte. Das Adrenalin durch das Aufgeweckt werden hatte die Schmerzen kurzfristig betäubt. Mein Kopf fühlte sich heiß an und ich hatte wahnsinnigen Durst. „Kannst du mir bitte Wasser bringen?“ „Ja, klar, ich bin gleich wieder da.“ Der Kegel seiner Taschenlampe entfernte sich und kam nach einer Minute wieder zurück. „Hier, nimm das“, sagte Louis und streckte mir eine Paracetamol-Tablette und seine Wasserflasche entgegen. Benommen setzte ich mich auf und spülte das Schmerzmittel mit der halben Flasche Wasser hinunter. „Puh, fühl ich mich mies. Danke fürs Kümmern. Warum bist du überhaupt wach?“ „Ich schlafe selten gut, und dann habe ich dich gehört und dachte mir, ich schau mal, ob du etwas brauchst. Ist wahrscheinlich eine Berufskrankheit. Ich bin Krankenpfleger in Vancouver“, antwortete er mit einem Achselzucken. „Ah, das erklärt auch, warum du mein Bein so routiniert versorgt hast. Danke nochmal.“ Eine betretene Stille kehrte ein, in der ich mich aber irgendwie trotzdem wohl fühlte. „Ich geh dann mal besser wieder zurück in meine Koje“, sagte er, machte kehrt und verschwand in der Dunkelheit.

Durch die Schmerzmittel fühlte sich mein Bein nicht mehr ganz so schlimm an, und ich starrte gedankenverloren in die Dunkelheit. Wie seltsam, dass man sich trotz Verletzung in der Mitte des Dschungels so fühlen konnte, als wäre man zu Hause angekommen.

Ich dachte wieder an mein echtes Zuhause, wo mein Mann wahrscheinlich gerade erst von der Arbeit heimkam. Wir hatten eine durchwachsene Zeit hinter uns. Jeden Monat wartete ich mit Grauen auf meine Tage, die sich leider immer und immer wieder mit einer Flut von Emotionen der Traurigkeit und Enttäuschung einstellten. Mein Job verlangte mir viel ab, ich fragte mich schon, ob der Stress nicht einen erheblichen Einfluss auf das Ausbleiben von Nachwuchs hatte. Ich fing an, an meiner Weiblichkeit zu zweifeln, an der Fähigkeit meines Körpers, an mir als Frau. Klar, wir waren noch jung, hatten noch genug Zeit, und irgendwann würde sich das Glück schon einstellen. Aber die Zweifel nagten trotzdem – Was, wenn ich keine Kinder bekommen konnte? Was, wenn sich dieser Lebenstraum für mich nie erfüllen würde? Wie würde ich dann mein Leben sinnvoll gestalten? Was verlieh meinem Leben Wert? Auch wenn ich meinen Job mochte, es fehlte mir doch eine gewisse Sinngebung. Ich hatte mich immer als Mutter gesehen, wenn ich mir meine Zukunft vorstellte. Das hatte ich nie in Frage gestellt. Ich würde hart arbeiten müssen, um mir eine andere Zukunft ausmalen zu können.

Wieder fragte ich mich, warum ich ohne Michael in den Urlaub gefahren war. Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Der Druck der letzten beiden Jahre, in denen wir vergeblich versucht hatten, schwanger zu werden, war mir über den Kopf gewachsen. Seine Blicke waren weniger liebevoll, manchmal beinahe enttäuscht oder vorwurfsvoll, als läge es an mir allein, dass es nicht klappte. Ich ertappte mich manchmal dabei, dass ich ihn dafür ohrfeigen wollte, weil er mir mit diesen Blicken wehtat. In einem dieser Momente hatte ich diese Reise gebucht. Ich brauchte Abstand von ihm.

Der nächste Tag begann vor dem Morgengrauen mit einem pochenden Bein. Unser Reiseführer weckte alle, da wir vor dem Sonnenaufgang einen bestimmten Aussichtspunkt erreichen sollten. „Ich kann nicht mit, ich werde von hier aus die Aussicht genießen“, verkündete ich der Gruppe. Alle erkundigten sich nach meinem Schienbein und ich versicherte ihnen, dass alles OK sei und ich mich gut einen Tag allein im Baumhaus unterhalten könne. „Ich bleibe hier mit Sam“, sagte Louis. Verwundert schaute ich ihn an und versuchte ihn zu überzeugen, dass er mit der Gruppe den Tag im Dschungel nutzen solle. Er blieb fest entschlossen. „Ich bin Krankenpfleger, ich kann dir helfen, wenn etwas ist, du solltest hier nicht allein den ganzen Tag herumsitzen. Das war gestern schließlich ein heftiger Aufprall.“ Der Rest der Gruppe nickte erleichtert, dass sie kein schlechtes Gewissen haben mussten, mich ohne Menschenseele auf diesem Baum hocken zu lassen. Mir war etwas mulmig. Den ganzen Tag mit einem quasi Unbekannten auf einem Baum abhängen. Naja. Er machte glücklicherweise keinen gefährlichen Eindruck. Ein kleines Etwas tief unten in meinem Magen führte zu meiner Verwirrung einen Freudentanz auf. Wie auch immer, es war besser, wenn jemand da war, falls sich irgendwelche wilden Tiere hier herauf verirrten.

Louis warf mir einen langen Blick zu, der mich ins Straucheln brachte und bewirkte, dass sich das kleine Etwas in meinem Bauch in einen Schwarm Hummeln verwandelte. Dann machte er sich wieder in seiner Koje zu schaffen.

Nach dem Frühstück sauste einer nach dem anderen per Drahtseil aus dem Baumhaus, bis nur noch Louis und ich dablieben. Ich war mir unsicher, ob ich mein Buch holen sollte, um offiziell beschäftigt zu wirken, und er spielte mit seinem Handy herum. Eigentlich wollte ich tatsächlich die Aussicht genießen, und das ging mit einem Buch vor der Nase schlecht. „Noch einen Kaffee?“, fragte ich ihn also und versuchte möglichst elegant aufzustehen, was mir in keinster Weise gelang. „Ja, bleib du sitzen, ich mach schon“, kam die Antwort. Er sprang auf und hantierte an dem winzigen Gaskocher. Hoffentlich brennt er uns nicht das Baumhaus ab, dachte ich mit einem sarkastischen Grinsen, als er mit den Streichhölzern spielte. Wie schön seine Hände waren, kräftig, männlich, und doch gepflegt. Aber warum interessierten mich denn bitte seine Hände?

Ebendiese brachten mir nach wenigen Minuten eine Tasse dampfenden Kaffees. „Du auch nur Zucker?“ „Ja.“ Dankbar nahm ich das wärmende Getränk an, die Kälte der Nacht steckte mir immer noch in den Knochen, da die Sonne sich hinter einem Hügel versteckte. Schweigend saßen wir da, beobachteten, wie die Sonne die Blätter rotgold und gelb färbte, bis sie sie dann in strahlend helles Licht tauchte. Es war magisch. In der Ferne turnten Gibbons durch die Baumwipfel und nach und nach wurden die Geräusche vielfältiger, als die Tiere des Dschungels in den Tag starteten. Ich lächelte vor mich hin, von Zufriedenheit erfüllt, und fing seinen Blick auf. Er wirkte so sanft, so zärtlich, es war, als würde mich der Blick streicheln und in einen Kokon des Wohlbefindens hüllen, in Sicherheit und Geborgenheit. Mir lief ein Schauer über den Rücken und mein Herz fing an, unregelmäßig zu schlagen. Plötzlich schaute er weg, irgendwie betreten, aber die Magie blieb da. Es war, als wäre ein Damm gebrochen, und wir starteten erst etwas zögerlich, dann immer forscher ein Gespräch, das sich in meinem Hirn wie ein Tattoo einbrannte. Wir sprachen über unsere Hobbys, unsere Berufe, unsere Familien, unsere Wünsche, unsere Träume. Lachten gemeinsam, waren gemeinsam traurig, entdeckten denselben Humor und dieselbe Leidenschaft fürs Reisen. Es war, als würden sich über den Tag verteilt ganz viele haarfeine kleine Verbindungen zwischen uns knüpfen, die sich bis zum Abend in ein starkes Gravitationsfeld zusammengeschlossen hatten. Er war begeistert von meinen Tonskulpturen und ermutigte mich, sie auszustellen. Ich war fasziniert von seinem Kunstwissen, das er sich durch viele Museums- und Galeriebesuche erarbeitet hatte. Von einem Krankenpfleger hatte ich das nicht erwartet. Er nannte mir sogar mehrere Künstler, die seiner Meinung nach vergleichbare Kunst zu meiner machten und zeigte sich überzeugt, dass ich damit ein skulpturinteressiertes Publikum begeistern würde. Sein Zuspruch war Balsam für meine Seele, und ich hatte das erste Mal das Gefühl, dass mich jemand wirklich sah – die Person, die ich war, wahrhaftig erkannte.

Als die Gruppe schlussendlich per Drahtseil wieder eintrudelte, musste ich mich erst einmal schütteln, um wieder in der Realität anzukommen. Ich hatte noch nie solch eine Verbundenheit mit jemandem gespürt. Es war, als würde sich meine Seele an die seine kuscheln, während wir, mit einem Meter Abstand voneinander, gemeinsam in den Dschungel schauten.

Heinz riss, wie zu erwarten, gleich bei Ankunft einen Witz, bei dem alle schallend in Gelächter ausbrachen. Die Neuseeländerin, Becky, kam auf mich zu und erkundigte sich nach meinem Bein. Da ich es den ganzen Tag geschont und hochgelagert hatte, schritt die Heilung glücklicherweise gut voran und die tiefe Wunde hatte schon eine erste Kruste gebildet. Rund um den Aufprall mit dem Ast war alles blau und grün, aber immerhin konnte ich wieder einigermaßen problemlos aufstehen und im Baumhaus herumgehen. „Na, hattet ihr zwei einen netten Tag?“, fragte sie mich mit einem Zwinkern. Ich fühlte, wie sich meine Wangen leicht rosa färbten, und antwortete so cool es ging: „Ja, wir haben von hier aus viele Gibbons gesehen, und Louis hat seinem Beruf als Krankenpfleger alle Ehre gemacht.“ „Ach, ihr zwei wärt ja so süß zusammen“, schmunzelte sie. Ich sah, wie Louis herschaute. Er musste es wohl gehört haben, und warf mir ein schüchternes Lächeln zu. Ich schüttelte betont heftig den Kopf und sagte laut lachend: „Erzähl das mal besser nicht meinem Mann“, und tippte auf den schmalen Platinring auf meinem Ringfinger. „Ups, sorry, ich wusste gar nicht, dass du verheiratet bist“, sagte sie etwas verlegen und schnappte sich ein Stück Brot vom Tisch, das unsere Begleiter eben aus der Vorratskiste holten, um den peinlichen Moment zu überbrücken. Louis drehte mir den Rücken zu, seine Schultern wirkten angespannt.

Louis | Kanada | Eine Woche zuvor

Ich hatte die Nase voll. Von allem. Von meinem Job, meinen nörgelnden Eltern, die ständig fragten, wann ich meiner Freundin denn endlich einen Heiratsantrag machen und sie Enkel bekommen würden. Von den leisen Hinweisen meiner Partnerin in genau dieselbe Richtung und von meinem ganzen Freundeskreis, der sich fröhlich fortpflanzte. Ich wusste, dass es nur einer Frage von meiner Seite bedurfte, um alle glücklich zu machen und mich in den Kreis der übermüdeten, gestressten, aber gleichzeitig auch vor Stolz und Zufriedenheit triefenden jungen Eltern um mich herum einzureihen. Klar, eine Garantie fürs Elternsein gab es nicht, aber den ersten Schritt in Richtung Hochzeit zu machen wäre vermutlich ein Leichtes. Aber es fühlte sich nicht richtig an, irgendetwas fehlte. Ich musste weg, einfach mal einen klaren Kopf bekommen, raus aus der Wohnung, allein sein, und mir selbst Zeit zum Nachdenken geben.

Seit zwei Stunden lief ich nun schon durch das verregnete Vancouver, meine Smartwatch zeigte achtzehn Kilometer an. Ich war zufrieden mit meiner Leistung. Nicht aber mit dem Chaos in meinem Kopf. Meistens schaffte ich es, wenn ich nur lang genug unterwegs war, meine Gedanken zu ordnen, zur Ruhe zu kommen, richtig durchzuatmen. Aber an diesem Tag war mir alles zu viel. Ich hatte Überstunden ohne Ende gemacht, wir waren bei der Arbeit kontinuierlich unterbesetzt, und der private Druck, der sich zunehmend aufbaute, verdarb mir in letzter Zeit regelmäßig meine ansonsten stabile Laune. Die Nacht senkte sich langsam herab, ich rannte an hell erleuchteten Geschäften vorbei, Bekleidung, Süßwaren, Schuhe, Bücher. Plötzlich fing mein Auge etwas auf, und ich blieb abrupt stehen. Eine Person, an der ich eben vorbeigejoggt bin, starrte mich erschrocken an, ob meiner unerwarteten Bremsung. Ich sah im Schaufenster ein Bild von Palästen, Bergen, exotischem Essen und dem Dschungel. Das Poster zog mich wie ein Magnet an, als gäbe es mir die Antworten, die sich in meinem Inneren so gar nicht finden ließen. Nach zehn Minuten des Starrens wurde mir die Antwort endlich klar. Ich musste verreisen. Andere Kultur, andere Sprache, anderes Essen, andere Lebensweise. Abstand gewinnen von meinem Alltag und von den Menschen, die mich ständig mit erwartungsvollen Augen anschauten. Morgen würde ich mit meiner Kreditkarte wiederkommen und mich in den nächstmöglichen Flieger setzen.

Sam | Laos

Louis schaute mir für den Rest des Abends nicht mehr in die Augen. Er schien gedankenverloren, mit sich selbst beschäftigt zu sein. Ich kam mir verlassen vor, fast ein wenig verraten. Was lächerlich war, denn wir hatten einfach einen netten Tag im Baumhaus gehabt, uns gut unterhalten. Die besondere Verbindung hatte ich mir wohl eingebildet, war so schnell weg, wie sie gekommen war. Ich bin eine verheiratete Frau und sollte mich freuen, dass ich heute trotz Verletzung einen angenehmen Tag verbringen konnte. Es war alles andere als selbstverständlich, dass ein quasi Unbekannter sich einen Tag Ziplining im Dschungel entgehen ließ, um mich zu unterstützen, und dafür war ich dankbar. Aber das war’s dann auch wieder. Er war ein Wildfremder, wenn auch leider ein attraktiver Wildfremder, auf seine ganz eigene Art.

Nach einem fröhlichen Abendessen mit der Gruppe zogen sich alle in die Kojen zurück. Mein Schlaf war traumlos, aber ein unbändiges Gefühl des Angekommenseins, der Sicherheit, packte mich wie in Watte und ich fühlte mich einfach nur glücklich.

Louis | Laos | Drei Tage zuvor

Nach dem langen Flug fühlte sich das Gewicht auf meinen Schultern schon leichter an. Drei Wochen Ruhe. Ich hatte meiner Freundin, meinen Eltern und meinen Freunden Bescheid gegeben, dass ich im Dschungel keinen Handyempfang haben würde. Somit erwartete auch niemand irgendwelche Updates von mir. Welch eine Erleichterung. Ich nahm mir ein Motorradtaxi in das Hotel, das in meinen Reiseunterlagen aufgeführt war. Es war ein kleines, dunkles Backpacker-Hotel mit stickigen Zimmern, einem wackelnden Ventilator und sanierungsbedürftigen Duschen. Genau, wie ich es mir vorgestellt hatte. „Back to the basics“, zurück zu den Wurzeln. Zeit, um das Materielle für kurze Zeit hintenanzustellen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

In der Empfangshalle, wo sich die Reisegruppe treffen sollte, wartete ich. Eigentlich mochte ich es nicht, mich einer Gruppe Unbekannter anzuschließen und Kontakte zu knüpfen. Ich fühlte mich wohl allein, aber in diesem Falle blieb mir nichts anderes übrig als diese Reise in der Gruppe anzutreten. In der Kürze der Zeit hätte ich nicht genug Vorbereitungen treffen können, um die Highlights, die ich sehen wollte, in den veranschlagten drei Wochen unterzubringen. Und schließlich mochte ich mich nicht ständig um Logistik kümmern, sondern neben den Aktivitäten auch einfach etwas Zeit zum Entspannen, zum Nachdenken haben.

Eine junge Frau kam auf mich zu, und seltsamerweise stockte mein Atem ein wenig, als sie mich ansprach und fragte, ob ich zur selben Reise gehörte wie sie. Wenn sie lächelte, tanzten Lichter in ihren Augen, als ob sie von innen heraus strahlte. Ein Wohlgefühl machte sich in mir breit, dass wir die nächsten Wochen in derselben Gruppe unterwegs sein würden. Na, das war ja mal ein guter Start.

Einen Augenblick später besann ich mich. Ich war nicht hier, um Freundschaften zu schließen, sondern um das Land zu sehen und mir über ein paar Dinge klar zu werden.

Sam | Deutschland | Zwei Jahre später

Ich wiegte die kleine Paula in meinen Armen, während ich aus dem Fenster schaute und den Anblick des satten Grüns vor unserem Wohnblock genoss. Ihr Zwillingsbruder Linus schlummerte friedlich in seinem Bettchen. Ich war erschöpft, ständig übermüdet, aber auch glücklich. Die Babys waren der Sonnenschein in meinem Leben. Ich erinnerte mich zurück an den Tag, an dem ich von der Schwangerschaft erfuhr. Meine Tage waren schon ein paar Wochen ausgeblieben, ich hatte mir aber nicht viel dabei gedacht, da ich eben erst von meiner traumhaften Asien-Reise zurückgekehrt war und meinen Zustand mit Jetlag und Stress im Job begründete. Vielleicht verdrängte ich auch das leise Stimmchen im Hinterkopf, das sich fragte, ob ich schwanger war. Die emotionale Achterbahn der davorliegenden Wochen hatte mir zugesetzt. Meine Gefühle katapultierten mich fast im Stundentakt zwischen Höhen und Tiefen, Glück und Verzweiflung, Gewissheit und Unsicherheit hin und her. Meine Zukunft war vor nicht allzu langer Zeit klar vor mir gelegen, mein Job machte mir Freude, mein Mann und ich Seite an Seite mit unserem gemeinsamen Kinderwunsch. Wie schnell sich das Leben doch ändern konnte.

Ich dachte an meine Reise zurück, und ein Ziehen in meiner Brust verdeutlichte mir die Sehnsucht, wieder dort zu sein. Nach dem Dschungel-Abenteuer ging es weiter nach Luang Prabang, eine wunderschöne Stadt im Norden von Laos mit unzähligen Tempelanlagen und einem beeindruckenden Königspalast. Unsere Gruppe war am ersten Tag gemeinsam unterwegs, und es hatte sich eine fast schon freundschaftliche Beziehung zwischen den meisten eingestellt. Wir waren elf Leute, die zwei Norweger, das italienische Paar, die österreichischen Freunde, Mary und Ray, Becky, Louis und ich. Glücklicherweise war keine Nervensäge dabei, die die Gruppe aufhielt oder spaltete. Becky und Heinz flirteten ganz offensichtlich miteinander, und schienen ihren Spaß zu haben. Mit Mary und Ray, dem britischen Paar, verbrachte ich viel Zeit, und während der langen Busfahrt nach Luang Prabang diskutierten wir über Gott und die Welt. Besonders mit Mary verfestigte sich der gute Draht, und in Sachen Kunst hatte ich das Gefühl, endlich eine Mentorin gefunden zu haben. Die Norweger waren sehr ruhig, man bekam wenig mit von ihnen, und die Italiener machten auch meist ihr eigenes Ding. Aber das tat der guten Stimmung keinen Abbruch.

Der zweite Tag in Luang Prabang stand zur freien Verfügung. Die Briten machten eine Radtour, die Österreicher mit Becky eine Jeep-Tour in die Umgebung, und die anderen zerstreuten sich nach dem Frühstück, um ihren eigenen Plänen nachzugehen. Ich hatte vor, mir zwei der Tempelanlagen genauer anzuschauen, und wollte dann noch zum Markt. Gerade, als ich aufstehen wollte, spazierte ein verschlafener Louis in den Frühstücksraum. „Guten Morgen! Ich dachte, du wärst schon längst unterwegs“, sagte ich zu ihm. „Nein, ich habe total verschlafen. Eigentlich wollte ich den Sonnenaufgang beim Wat Visoun Tempel anschauen, aber dafür ist es wohl zu spät“, schmunzelte er und nickte mit dem Kinn in Richtung Sonne. Er nahm sich einen Kaffee und setze sich zu mir. „Was hast du heute vor?“ Ich grinste ein wenig. „Wat Visoun und Vat Chom Kong, danach Nachtmarkt.“ Er schaute mich überrascht an. Von den vielen Möglichkeiten hatten wir beide offensichtlich eine ähnliche Auswahl getroffen. „Ist es ok, wenn ich zu den Tempeln mitkomme? Wir würden uns dort wahrscheinlich so oder so treffen, da ich dasselbe vorhabe.“ Ich nickte, und nachdem er seinen Kaffee fertig getrunken hatte, machten wir uns auf den Weg.

Es war, als wäre eine magnetische Kraft zwischen uns beiden. Während wir betont unbefangen nebeneinanderher schlenderten, musste ich fast schon körperliche Anstrengung aufwenden, um nicht bei ihm anzustreifen. Ein paar Mal berührten sich unsere Arme zufällig, wenn uns jemand entgegenkam und wir auf dem Gehsteig tatsächlich etwas näher aneinanderrücken mussten. Jedes Mal durchzuckte es mich wie ein Stromschlag. Er wirkte cool und lässig, als ob nichts auf der Welt seine Gelassenheit trüben könnte. Wie peinlich. Ich fühlte mich wie ein Teenager, der das erste Mal ein Date hat, und musste immer wieder tief durchatmen, damit mein Herz nicht so schnell schlug. Es war absolut lächerlich. Ich war eine erwachsene, verheiratete Frau und fühlte mich, als ob mein Hormonhaushalt gerade komplett auf den Kopf gestellt würde. Diese Phase sollte in meinem Alter wirklich vorbei sein. Ich war schließlich fest vergeben und keine sechzehn mehr! Ihm fiel mein innerer Aufruhr hoffentlich nicht auf. Jedenfalls wirkte er tiefenentspannt und fand es wohl ganz normal, mit jemandem von der Reisegruppe einen Tagesausflug zu machen. War es schließlich auch. Wenn ich mit den Österreichern unterwegs gewesen wäre, hätte ich nicht mit der Wimper gezuckt und mir überhaupt nichts dabei gedacht. Wenn das hier nur auch so einfach wäre.

Eine Gruppe Nonnen kam uns entgegen. Es wurde eng auf dem Bürgersteig und wir mussten uns kurz an eine Hauswand drücken, um sie vorbeizulassen. Ganz unerwartet blieb eine Nonne vor mir stehen, der die Sonne und die Bergluft tiefe Furchen ins Gesicht gezeichnet hatten, und musterte mich. Sie schaute mich an, dann auf meinen Bauch, und dann auf Louis. „You lucky woman“, sagte sie zu mir, du bist eine glückliche Frau. Sie nickte mir zu und ging weiter. Ich stolperte fast, als ich mich wieder in Bewegung setzte. Irgendwie hatte mich diese kurze Begegnung tief berührt, eine Saite in mir ins Schwingen gebracht, von der ich nicht wusste, dass sie existierte. Was meinte die Frau damit? Warum hatte sie auf meinen Bauch geschaut, und warum auf Louis? Wahrscheinlich hatte sie etwas falsch interpretiert. Weder war ich schwanger, noch hätte Louis etwas damit zu tun, wenn es so wäre. Eine Träne formte sich in meinen Augen, und ich wischte sie schnell weg. Zu spät, wie ich feststellen musste, denn Louis hielt an und fragte: „Alles in Ordnung mit dir?“ „Ja, klar, das war nur gerade eine schräge Situation“, versuchte ich den unangenehmen Moment wegzuwischen. „Es sieht aber so aus, als steckte da mehr dahinter“, meinte er schlicht. Ich wusste nicht recht, was ich darauf antworten sollte. „Ich möchte mal Kinder haben“, sagte er unvermittelt in die Stille hinein. „Ich auch.“ Es war, als wäre ich über eine Hürde gesprungen, und die Worte sprudelten unvermittelt aus mir heraus, als hätte ich sie viel zu lange in mir drin behalten. Ich erzählte ihm von den letzten beiden Jahren, den vielen hoffnungsvollen Momenten auf eine Schwangerschaft und den vielen bitteren Enttäuschungen. Schweigend hörte er mir zu und reichte mir ein Taschentuch, um meine Tränen abzuwischen. „Du hast noch viel Zeit, alles wird gut“, sagte er, und wechselte taktvoll das Thema, als wir endlich beim Tempel ankamen.

Es war eine wunderschöne Anlage mit einer einzigartigen, sehr friedlichen Atmosphäre. Wir gingen schweigend umher und ließen die Tempel auf uns wirken. Die Halle mit den Buddhas strömte eine solche Ruhe und Zuversicht aus, ich hätte mich am liebsten zu den Einheimischen gesellt, die am Boden knieten und vertieft wirkten. Louis setzte sich in eine Ecke und schloss die Augen. Meditierte er? Irgendwie beneidete ich seinen Mut, seinem Impuls nachzugeben, diesen besonderen Ort für einen Moment des Innehaltens zu nutzen. Nach einer Weile kam er wieder zu mir und fragte leise: „Sollen wir weiter?“ Ich nickte, und wir setzten unseren Rundgang fort.

Im Nachhinein betrachtet war dies wohl der Tag, an dem ich mein Herz endgültig an ihn verlor. Es war nicht ein Moment, und auch keine Berührung, sondern die Summe aller kleinen Einzelteile, die aus uns eine Einheit machte, die mir Geborgenheit gab, einen Zufluchtsort fern von meinem gewohnten Umfeld, das Gefühl, mit ihm überall zuhause sein zu können. Von ihm gesehen zu werden.

In dem Moment aber genoss ich einfach seine Gegenwart, und wie leicht sich die Gespräche auch um ernstere Themen drehen konnten. So, als öffneten wir unsere Seelen und ließen den anderen tief hineinblicken.

Als wir am Abend wieder die Gruppe trafen, fühlte es sich an, als ob sich Eindringlinge in unsere zweisame Welt drängten. Während alle von den Erlebnissen des Tages berichteten, waren wir beide in uns gekehrt und tauschten nur gelegentlich einen Blick aus. Seine Augen lächelten mich sanft an, als ich zu meinem Bierglas griff und einen tiefen Schluck nahm. Ein leiser Schauer lief mir über den Rücken, und ich hätte nichts lieber getan als ihn zu berühren, seine rötlich schimmernden Locken zu streicheln, ihm sanft übers Gesicht zu fahren. Ein fast unmenschlicher Drang überkam mich, mich näher zu ihm zu setzen, und ich musste all meine Kraft aufwenden, Becky nicht zu bitten, mit mir Platz zu tauschen, da sie neben ihm saß. Ich schüttelte mich leicht – was zum Geier war denn nur los mit mir! Ich hatte einen Mann, mit dem ich Kinder wollte, und jetzt musste ich mich davon abhalten, mich auf jemanden zu stürzen, den ich gerade erst kennengelernt hatte. Ein kurzes Lachen entglitt meinen Lippen, und Louis sah mich fragend an. Ich sendete ihm ein kurzes beschwichtigendes Lächeln. Ich musste mir eingestehen, dass ich mich wohl auf einen harmlosen Urlaubsflirt eingelassen hatte. Ohne körperliche Nähe, das war klar. Das wäre für mich eine klare Grenzüberschreitung meinem Partner gegenüber. Aber ein bisschen Flirten konnte ja nicht schaden. Wie naiv ich damals war.

Louis | Laos

Die Fahrt auf dem Mekong zog sich in die Länge. Meine Gedanken kreisten um meinen Job, mein Bankkonto, meine Freundin, die Erwartung meiner Eltern. Was sollte ich nur tun? Ich wusste, dass ich Kinder wollte, und Jacky hatte mir ja mehr als einmal deutlich gezeigt, dass sie für den nächsten Schritt bereit war. Meine Freunde pflanzten sich fort wie Karnickel, ich konnte mir die ganzen Babynamen schon nicht mehr merken. Eigentlich hatten alle meine engen Freunde inzwischen zumindest ein Kleinkind zu bespaßen, viele zwei, und Ruth und Jerome hatten sogar schon vier Kinder. Wie sie das schafften, war mir nicht klar. Seit Jahren hatten sie keine Nacht durchgeschlafen, und wenn drei friedlich waren, konnte man sich sicher sein, dass Nummer vier gerade die Hosen voll hatte oder lautstark Aufmerksamkeit forderte.

Ich fand mich ausgeschlossen aus diesem Kreis der glücklichen Eltern, wollte auch Teil davon sein. Und trotzdem fühlte es sich nicht richtig an. Wenn ich mir vorstellte, wie Jacky mit rundem Babybauch mit mir auf dem Sofa kuschelte, bildete sich unerklärlicherweise ein Kloß in meinem Magen. Ich verstand mich selbst nicht mehr. Das Gefühl, etwas zu verpassen, schlich sich dann ein, und das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmig war. Ich hatte Jacky gern, das war klar. Ich konnte mich gut an die ersten Monate erinnern, als wir die Finger nicht voneinander lassen konnten und allein ihr Anblick mich dazu verleitete, ihr die Kleider vom Leib zu reißen. Das war inzwischen fünf Jahre her, in denen wir zwar auch ab und zu Streit hatten, im Wesentlichen aber ein harmonisches Paar abgaben. Meine Kumpels beneideten mich manchmal, weil sie als Krankenschwester und Teilzeit-Model optisch wirklich viel zu bieten hatte, und generell ein zwar eitler, aber auch fürsorglicher und unterhaltsamer Mensch war. Ich musste schmunzeln, als ich mir vorstellte, wie Jacky hier auf diesem maroden Boot mit ihren manikürten Fingernägeln und ihren Designerkoffern sitzt. Sie würde es hassen. Für sie bedeutete Urlaub, dass wir uns in ein teures Hotel in Florida oder auf einer karibischen Insel einmieten und uns den ganzen Tag die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Mein Alptraum. Aber trotzdem ließ ich mich regelmäßig dazu überreden, weil meine Art von Urlaub für sie einfach so gar nicht in Frage kam. Anfangs fand ich es noch großartig, wir wälzten uns den Großteil des Urlaubs nackt im Bett und ließen es uns an den Hotelbars gut gehen. Je öfter wir so verreisten, umso unzufriedener wurde ich. Der Sex machte Spaß, ja, aber ich wollte auch etwas von der Welt sehen, und nicht mein - in vielen anstrengenden Nachtschichten hart verdientes - Geld für Cocktails und schicke Hotels verprassen. Da musste es doch noch mehr geben.