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Es schien als würde die Welt still stehen. Ich hatte das Gefühl innerlich zu zerreißen, zu zerbrechen, nicht zu wissen wohin mit meinem Schmerz und Leid, meiner Angst und Sorge. Krebs haben doch eigentlich immer nur die Anderen?! In ihrem Buch "Hilfe meine Mama hat Krebs" erzählt die Autorin Stephanie Walter auf eine unendlich liebevolle Art und Weise von der Krebserkrankung ihrer Mutter und dem Weg, den die beiden Seite an Seite gegangen sind. Sie geht offen und ehrlich mit ihren Sorgen und Ängsten um, spendet zugleich mit ihren Worten Trost und Hoffnung. Im Rahmen ihrer eigenen Geschichte gibt sie anderen Betroffenen hilfreiche Tipps und wichtige Informationen sowie Anregungen zum Umgang mit einem an Krebs erkrankten Menschen. Dabei verfolgt sie vor allem einen Gedanken: "Wie können wir dem Krebs die Stirn bieten und das Leben mit Krebs lebenswert machen?"
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Seitenzahl: 81
Veröffentlichungsjahr: 2020
Die Ideensammlung für Angehörige und Freunde im Umgang mit einem an Krebs erkrankten Menschen.
Für DICH
meine über alles
geliebte Mama
Vorwort – unbedingt Lesen
Ein kurzes Porträt – Das sind wir
Diagnose Krebs... und dann?
Von der Diagnose ins Krankenhaus
Umgang mit Ärzten – Ärzte sind auch nur Menschen
Das Warten beginnt
Der Tag der Operation
Erst- & Zweitmeinung – Sicherheit schaffen
Die Prognose
Informationsflut – Hilfe das ist alles viel zu viel
Alles geht – nichts muss
Mit Perücke & Co gut vorbereitet in die Chemotherapie
Die Chemotherapie beginnt
Schmerzen muss man nicht aushalten
Die Zeiten zwischen den Chemotherapie-Sitzungen.
Hilfe Annehmen und was es so schwer macht
Rückschläge gemeinsam meistern
Wenn das Essen zur Last wird
Kinder im Umgang mit Krankheit
Dem Tag Leben geben und nicht dem Leben Tage
Tabu Themen – oder Dinge, über die man nicht sprechen möchte
Es ist die Hoffnung, die uns am Leben hält
Liebe Leserinnen und Leser - hallo du - ich freue mich sehr, dass du heute mein Buch in den Händen hältst, auch wenn der Anlass sicherlich nicht positiv ist. Gerade weil deine momentane Situation von Leid geprägt ist, bin ich glücklich darüber, dich mit meinen Worten auf dem kommenden Weg begleiten zu dürfen. Dieses Buch ist keine Ratgeber, der dich belehrt wie du mit der Krebserkrankung einer dir nahestehenden Person umgehen sollst. Es ist kein Leitfaden und besitzt kein Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit. Falsch und Richtig gibt es meiner Meinung nach in diesem Zusammenhang sowieso nicht, denn jeder muss seinen eigenen Weg finden mit der Erkrankung eines geliebten Menschen umzugehen.
Meine Zeilen richten sich an alle Angehörige, Freunde und Bekannte von Krebspatienten, die Ideen sammeln möchten wie sie die schweren Zeiten gemeinsam erleben und durchleben können. Denn wir Angehörige und Freunde sowie das gesamte soziale Umfeld sind ein elementarer Bestandteil des Krankheits- und Genesungsprozesses.
Ich möchte dir zeigen wie wir – meine Mama und ich – es geschafft haben, die Hilflosigkeit und die Verzweiflung umzukehren in etwas Positives, etwas Lebensbejahendes. Mein Buch erzählt dabei meine ganz eigene Geschichte. Es berichtet von dem Weg, den meine Mama und ich gemeinsam gegangen sind, von den Ideen die wir hatten, dem Krebs die Stirn zu bieten und das Leben mit Krebs lebenswert zu machen. Meine Gedanken sind dabei auf jeden anderen geliebten Menschen übertragbar. Ob der Erkrankte deine Mama oder dein Papa ist, deine beste Freundin oder ein anderer Verwandter, letztendlich geht es um den Umgang mit Krebs.
Du findest in diesem Buch immer wieder Absätze, die mit „Wichtig“ gekennzeichnet sind. Darin erhältst du praktische Tipps, die euch den Alltag und den Umgang mit der Krebserkrankung etwas erleichtern sollen, z.B. passende Ansprechpartner, wichtige Dokumente und ein paar gesammelte Weisheiten.
Es gibt zum Thema Krebs viele dicke Wälzer und Autobiografie, die auf jeden Fall ihre Daseinsberechtigung haben. Mich allerdings hat der Seitenumfang immer davon abgehalten diese zu lesen. Als meine Mama an Krebs erkrankte, war die Krankheit so präsent, dass ich das Gefühl hatte, nicht noch stundenlang darüber lesen zu können. Deshalb habe ich versucht, mich kurz zu fassen und die Kapitel so zu gliedern, dass sie in sich abgeschlossen sind. Du musst das Buch also nicht an einem Stück oder in einer bestimmten Reihenfolge lesen, sondern kannst dir die Zeit nehmen, die du aufbringen möchtest und für dich nicht passende Kapitel einfach überspringen.
Es könnte passieren, dass ich mich an der ein oder anderen Stelle wiederhole. Dies ist gewollt und passiert dennoch unterbewusst. Denn in vielen verschiedenen Situationen erfassten mich ähnliche Emotionen, plagten mich die gleichen Gedanken und Sorgen. Diese sollten ihren Raum bekommen und nicht gestrichen werden, um das Buch stringenter zu machen.
Bevor es jetzt endlich losgeht möchte ich dir noch erklären, warum ich dich liebe(r) Leser/in in diesem Buch duze. Der Grund ist nahezu banal und doch schwerwiegend: Uns verbindet ein gemeinsames Schicksal, die Sorge um einen geliebten Menschen. Das „Du“ bildet für mich die Basis, dir mit meinen Worten ein Stück näher zu kommen, es baut Distanz ab und schafft eine Vertrauensebene. Denn die folgenden Worte sollen dir persönlich helfen mit der schwierigen Situation umzugehen. Vielleicht schaffe ich es sogar, dein Herz zu berühren und dich mit dem ein oder anderen Gedanken dazu zu motivieren, selbst aktiv zu werden und ganz neue, eigene Ideen zu entwickeln.
Ich möchte dich an dieser Stelle mit keinem Lebenslauf langweilen, sondern dir einen Einblick in unsere Mutter-Tochter-Beziehung gewähren. Es ist mir ein Anliegen, dass wir (du und ich) uns ein bisschen besser kennenlernen, bevor wir uns gemeinsam der schweren Thematik dieses Buches widmen.
Meine Mama und ich, wir hatten schon immer ein ganz besonderes, inniges Verhältnis, was unter anderem darauf zurückzuführen ist, dass ich ohne Vater aufgewachsen bin. Vielleicht wären wir auch eine Symbiose geworden, wenn es einen Vater in meinem Leben gegeben hätte, das lässt sich natürlich nicht überprüfen.
So oder so, eines ist sicher, meine Mama hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin, denn sie hat mich elementare Dinge gelehrt, die mich nachhaltig geprägt haben und die mir keiner mehr nehmen kann:
Unabhängigkeit und Selbstständigkeit: Das Leben selbst zu bestreiten, Verantwortung zu übernehmen, mich nicht in Abhängigkeiten zu begeben, für die Erreichung meiner Ziele und Träume zu kämpfen, selbstbestimmt und nicht fremdbestimmt zu leben.
Freiheit und Offenheit: Mich frei zu machen von allen Vorurteilen, auch mal gegen den Strom zu schwimmen und die Dinge so zu tun, wie ich sie selbst für richtig halte. Offen zu sein gegenüber Andersartigem, gegenüber neuen Erfahrungen und Welten, mich einzulassen auf das Abenteuer Leben.
Lesen: Verstehen, dass Bücher mehr sind als beschriebene Seiten, dass man mit Büchern fremde Welten bereisen, dem Alltag entfliehen, sich wegträumen kann, an einen anderen Ort, in eine andere Zeit.
Und nicht zu Vergessen die Magie des Vorlesen: Wenn ich heute mit meinen Kindern im Bett liege, um ihnen eine Geschichte vorzulesen, dann denke ich häufig daran zurück wie schön es war, wenn meine Mama mir vorgelesen hat.
Schwach zu sein: Manchmal habe ich es schon bedauert, dass ich so nahe am Wasser gebaut bin. Es ist auch wirklich doof, wenn man selbst bei Kinderfilmen weinen muss. Auch wenn ich zornig bin und mir vor Wut die Tränen kommen, ärgere ich mich über meine Schwäche.
Aber auf der anderen Seite ist es ein absolutes Privileg Schwäche zeigen zu können. Denn mit Tränen zeigen wir den anderen Menschen wie lieb wir sie haben. Mit Tränen drücken wir aus, wie glücklich wir sind. Sie sind ein Zeichen von Mitgefühl und Empathie. Tränen machen uns alle zu etwas Größerem.
Mich macht es glücklich, schwach zu sein. Und wenn das nächste Mal die Wimperntusche verläuft und ich mir geräuschvoll die Nase putzen muss, dann werde ich daran denken, wie viel meine Tränen über mich zu erzählen haben.
Stark zu sein: Was bedeutet es eigentlich stark zu sein? „Die innere Stärke gilt als Fähigkeit sich von der Achterbahn des Lebens nicht umwerfen zu lassen.1 Diese Metapher gefällt mir sehr gut, denn stark müssen wir immer dann sein, wenn wir eigentlich schwach sind und ins Wanken geraten oder wenn die Welt ganz einfach Kopf steht.
In welchen Situationen lernt man denn stark zu sein? Meist sind es die Momente im Leben, auf die wir gut verzichten könnten, aber es sind auch genau die Erlebnisse, die uns zu dem machen was wir sind. Stark zu sein bedeutet letztendlich auch Leid ertragen zu können und daran nicht zu zerbrechen, sondern zu wachsen. So ist es nicht verwunderlich, dass es die Liebe und der Zusammenhalt in der Familie sind, die uns für das Leben stark machen – so stark, dass wir gemeinsam alles schaffen können – auch den Krebs besiegen. Ich habe gelernt stark zu sein, weil meine Mutter mich bestärkt hat, in allem was ich bin, in jeder Entscheidung, die ich getroffen habe. Sie hat mich immer unterstützt mich gefördert und gefordert. Sie hat mich gelehrt eine selbstständige, starke Frau zu sein.
Und zu guter Letzt dürfen wir nie vergessen, dass es die größte Stärke ist schwach zu sein.
Ich glaube, jetzt konntest du einen guten Einblick gewinnen, in das was wir sind und das was unsere Beziehung ausmacht. Sicherlich hast auch du eine tiefe Verbindung zu dem Menschen, der erkrankt ist, sonst würdest du jetzt dieses Buch nicht in den Händen halten. Bevor du jetzt weiterliest, nimm dir doch einfach ein paar Minuten Zeit und denke darüber nach, was eure Beziehung besonders und einzigartig macht.
1 Quelle: https://www.gesundheitstrends.com
Krebs, ein Wort, das in aller Munde ist. Lebensmittel, die krebserregend sind, Zigaretten, deren Rauch Krebs verursachen, Feinstaubbelastung und Co. Die Liste ist lang und die Statistik der Erkrankungen spricht für sich. Der Krebs ist heimtückisch, man sieht es den Menschen nicht an, er ist schleichend und nährt sich im Verborgenen. Die Diagnose Krebs erwischt uns immer kalt, keiner ist darauf vorbereitet und sie verändert das Leben von einer Sekunde auf die andere.
Was ist, wenn plötzlich ein geliebter Mensch an Krebs erkrankt? Was macht das mit uns – mit unserem Leben, unserer Seele?
In erster Linie – und zwar völlig unabhängig von der Art der Erkrankung – macht die Diagnose Angst; Angst um das Leben des geliebten Menschen. In zweiter Linie sorgt sie für Ungewissheit über das, was in Zukunft passieren wird. Was kommt da genau auf uns zu? Wie sollen wir damit umgehen? Begleitet wird die Angst meist durch Tränen und schlaflose Nächte. Tränen sind in diesem Fall wichtig, denn sie reinigen die Seele.
