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Arnulf Bohm - Pseudonym In der Erzählung Himmelfahrtskommando, die wahre Geschichte eines Selbstmörders. erzählt der Autor stellvertretend für den verstorbenen Protagonisten dessen Geschichte. Der Verstorbene setzt sich kontrovers mit seiner verlorenen Liebe auseinander. Er zeigt den Zusammenhang zwischen dem Untergang der Liebe und daraus resultierenden Depressionen auf. Schonungslos wird das Thema Suizid enttabuisiert. Opfer: Die Liebe Täter: Die Gleichgültigkeit Todesursache: Die Sehnsucht Der Tod ist verschwiegen, er verrät uns nicht was uns erwartet.
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Seitenzahl: 158
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Himmelfahrtskommando
Impressum
Arnuf Bohm
„Himmelfahrtskommando“
Die wahre Geschichte eines Selbstmörders
In dieser Erzählung
setzt sich der Verstorbene kontrovers mit dem großen Thema der verlorenen Liebe auseinander.
Selbstverständlich ist die Erzählung - zum Schutz der Privatsphäre der lebenden und des verstorbenen Protagonisten - streng anonymisiert.
Der Stellvertreter Autor Arnuf Bohm führt seine Leserinnen und Leser durch seinen namenlosen Erzähler, erst sensibel und behutsam, in das Leben seines vermeintlich glücklichen Protagonisten ein. Nach und nach demaskiert der Erzähler das Innenleben des Protagonisten. Mehr und mehr erkennt der Leser, dass sich der Protagonist in seinem Leben verloren hat.
„Wenn die Liebe stirbt, bleibt die Sehnsucht.
Wenn die Sehnsucht vergeht, steht der Tod vor der Tür.
Der Tod ist verschwiegen, er verrät uns nicht was uns erwartet.“
Opfer:
Die Liebe
Täter:
Die Gleichgültigkeit
Todesursache:
Die Sehnsucht
“ Himmelfahrtskommando“
Die wahre Geschichte eines Selbstmörders
Der Seiltänzer in meinem Kopf ruft mir zu:
„Kehre um, es muss auch einen anderen Weg für uns geben”
„Gewidmet allen suchenden und verlorenen Seelen“.
Impressum
Arnulf Bohm
Ungekürzte Taschenbuchausgabe
1. Auflage November 2016
© 2016 und Umschlaggestaltung
Arnuf Bohm
Ich habe ihn nicht gerufen und dennoch spüre ich ihn unentwegt jeden Tag. Er ist ein fester Begleiter in meinem Leben geworden. Er ist durchtrainiert und verfügt über einen ausgeprägten Sportsgeist. Schon vor längerer Zeit muss er sich für den Hochseilakt entschieden haben. Er ist ehrgeizig und möchte unbedingt sein Ziel erreichen. Er ist ein Kämpfer und gibt niemals auf. Verlieren hatte er nie gelernt, er stand immer auf der Seite der Sieger. Ich spüre, wie er versucht die Balance zu finden und sich auf dem Hochseil zu halten. Die Schwingungen auf seinem Seil werden mit jedem seiner Schritte stärker und stärker. Wie in Trance setzt er einen Fuß vor den anderen. Wenn er nach vorne schaut, kann er das Ziel deutlich erkennen. Immer ist es ihm gelungen, sein Ziel zu erreichen. Der Abgrund unter dem Seil hatte ihn nie geängstigt. Doch heute spürt er den Abgrund, wie er ihn vorher nie wahrgenommen hat.
Wer ist er, der mich fest in seinen Bann gezogen hat?
Wo kommt er her, und was möchte er von mir? Plötzlich verliert er sein Gleichgewicht.
Nahezu körperlich fühle ich seine letzten Gedanken. „Gelebt, geliebt, abgestürzt“.
Heute weiß ich, wer er ist.
„Der Seiltänzer in meinem Kopf“.
Heute bin ich fast 60ig Jahre alt und nutze meinen verbliebenen Rest an Energie um mich nach Jahren der Dunkelheit, auf eine Reise durch mein Leben, aufzumachen.
Wer war ich vor dem Beginn meiner Zeitreise?
Damit Sie mich besser kennenlernen können, berichte ich Ihnen gerne von meinem alten Leben, einer verlorenen Zeit, wie ich heute weiß.
Ich wurde in Kanada geboren und bin im Alter von vier Jahren als Scheidungskind nach Berlin gekommen. In den nächsten zwei Jahren war ich Bettnässer und habe erst mit dem Eintritt in die Schulwelt den Verlust meines Vaters und meinen Umzug nach Deutschland langsam, aber sicher überwunden.
Mein Vater ist in Kanada geblieben, ich habe ihn nur noch einmal, im Alter von 13 Jahren, in Berlin wiedergesehen.
Meine Mutter hat dann recht schnell ihre neue und große Liebe in Gestalt eines Musikers gefunden.
Dennoch hat sich meine Mutter letztendlich für einen weniger feinsinnigen Maurer entschieden. Sie liebten sich und sie schlugen sich, sie konnten nicht miteinander, aber auch nicht ohne einander. Wie sie sich über Jahrzehnte hinweg eingeredet hatte, wollte sie aus Sorge um ihre Kinder, ich hatte zu diesem Zeitpunkt schon eine drei Jahre ältere Schwester, anstelle eines brotlosen Künstlers ein gesichertes Einkommen in ihrem Leben wissen.
Ihre Ehe mit meinem Stiefvater hatte bis zu dessen Ableben nahezu 50 Jahre Bestand und mir noch einen elf Jahre jüngeren Halbbruder beschert. Meine Mutter hatte erst nach dem Tod ihres „gehassten“ Ehemanns gemerkt, wie sehr er ihr nun fehlte.
Bis zum Tode ihres nunmehr „geliebten“ Ehemanns war sie körperlich und geistig noch in einer guten Verfassung.
Nach dem Tod ihres Mannes setzte bei ihr ein sehr schneller Verfall ein. Heute „vegetiert“ sie in einem Pflegeheim vor sich hin und wartet auf ihren erlösenden Tod, um in Liebe und Hass mit ihrem Mann vereint zu werden.
Die Ehe war von einer permanenten Zankerei und Streiterei, auch vor uns Kindern, gekennzeichnet. In meiner gesamten Kindheit habe ich von meiner Mutter nie Liebe und Zärtlichkeit empfangen dürfen. Sie hat in mir ihren ersten und auch treulosen Ehemann gesehen.
Diese Verwerfungen haben mich in meiner Kindheit jedoch nicht belastet. Als kleiner Tausendsassa mit vielen Freunden - und ab der Pubertät auch Freundinnen - habe ich die fehlende Anerkennung und Liebe meiner Mutter an anderer Stelle, ohne Schaden zu nehmen, kompensiert.
Erst vor meinem Ende wurde mir bewusst, dass ich meine Kindheit über Jahrzehnte in einem schweren Rucksack durch mein Leben getragen habe.
Zum Beginn meiner Zeitreise bin ich 41 Jahre alt, und mit meiner damaligen Ehefrau seit 12 Jahren verheiratet.
Noch ahnte ich nicht, dass mir die Zahl 12 noch einmal schicksalhaft begegnen und ich in den Abgrund meiner Seele eintauchen würde.
Meine erste Ehe ist kinderlos geblieben. Meine damalige Frau ist in sehr jungen Jahren einem pfuschenden Frauenarzt zum Opfer gefallen. Wir beide hatten uns von Anbeginn an mit unserer Kinderlosigkeit arrangiert und mit den vermeintlichen Vorteilen einer kinderlosen Ehe getröstet. Ich hegte in dieser Zeit, glaube ich zu wissen, keine besondere Sehnsucht nach einem Stammhalter.
Bei meiner Frau hingegen hatte ich immer das Gefühl, dass sie schwer traumatisiert war und das fehlende Mutterglück nie für sich angenommen und verarbeitet hat. Hieraus resultierte in unserer Ehe ein nur sehr wenig ausgeprägtes Sexualleben.
In dieser Zeit war ich beruflich bereits sehr erfolgreich und häufig auf Geschäftsreisen.
Sie dürfen versichert sein, dass ich jede Geschäftsreise in vollen Zügen genossen habe.
Kurzum, ich war vielleicht ein wenig brauchbarer Ehegatte, aber dafür ein umso mehr zufriedener Mann.
Mit meiner Erzählung mache ich mich auf die Suche nach meinem eigenen Ich und der ungeschminkten Wahrheit. Agiere ich aus gekränkter Eitelkeit oder Eifersucht?
Oder führe ich sogar einen persönlichen Rachefeldzug?
Nein, ich handle nur aus zwei Instinkten und einem Motiv heraus. Aus Liebe, Angst und der Wahrheit geschuldet. Weder mit Verstand und auch nicht mit Kalkül. Meinen Verstand nutze ich nur um meine Bilder in Wörter zu kleiden. Ich kämpfe schlichtweg um das, was mir von meinem Leben noch geblieben ist. Viel zu lange habe ich gezögert, nun ist es jedoch an der Zeit, die ungeschminkte Wahrheit zu sagen.
Welche Wahrheit ?
Meine Wahrheit und somit eine nicht immer objektive Sicht auf mein Leben.
Wir schreiben das Jahr „Neun“ nach der Wende, und wir stehen schon bald vor dem Beginn des neuen Jahrtausends. Erinnern Sie sich noch an die Tage direkt nach der Wende. An die glücklichen Gesichter der Menschen von hüben und drüben, an deren strahlende Augen und ihren aufrechten Gang, voller Erwartung, in eine gemeinsame und bessere Zukunft gehen zu können.
Als „gelernter“ Berliner war ich zu dieser historischen Zeit sehr nah am Puls der Ereignisse, ebenso aber auch die Einwohner meines aktuellen Wohnorts in einer „beschaulichen“ Kleinstadt in Niedersachsen.
Diese sturmfesten und erdverwachsenen Niedersachsen wohnen direkt angrenzend an einem neuen Bundesland und haben somit ebenfalls die Wendezeit mit ihren „Schwestern und Brüdern“ hautnah erlebt und gespürt.
Neun Jahre nach dem vermeintlich glücklichsten Tag in unserem neuen Deutschland sind die Wünsche und Hoffnungen längst wie ein welkes Blatt mit dem Wind entflogen.
Wo sind sie die blühenden Landschaften, die uns 1990 von Helmut Kohl versprochen wurden?
„Durch eine gemeinsame Anstrengung wird es uns gelingen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Sachsen und Thüringen schon bald wieder in blühende Landschaften zu verwandeln, in denen es sich zu leben und zu arbeiten lohnt.“
Besuchen Sie die Obstblüte in Werder, besuchen Sie unsere Weinberge an der Mosel, besuchen Sie die Heide im Frühling und unternehmen Sie bitte einen Abstecher zur Hopfenblüte nach Dresden. Überall in unserer neuen und wiedervereinten Heimat werden Sie blühende Landschaften vorfinden. Aber gab es diese blühenden Landschaften „hüben und drüben“, nicht bereits schon vor der Wende?
In seiner Euphorie, anlässlich der Wiedervereinigung unserer Schwestern und Brüder, dachte der Kanzler sicherlich nicht an die vielfältige und wunderschöne Natur in unserem Land.
Er meinte mit seinem historischen Gefühlsausbruch vielmehr die wirtschaftliche Entwicklung in unserem neuen und großen Deutschland.
Wurden wir von dem ersten, gesamtdeutschen Kanzler Helmut Kohl mit Vorsatz angelogen?
Wie sieht unsere blühende Wirtschaft heute aus?
Hier werden Sie vermutlich unterschiedlicher Meinung sein und die Historiker werden sich auch noch in fünfzig Jahren in ihrer Bewertung streiten. Die Fakten und im Besonderen die Realitäten lassen mich selbst nicht mehr an „blühende“ Landschaften, in Anlehnung an das Versprechen oder die Lüge unseres Altkanzlers, glauben. Der Mittelstand ist nahezu verschwunden und die Schere zwischen Arm und Reich geht kontinuierlich auseinander.
Millionen Landsleute von uns arbeiten täglich und fleißig als Vollbeschäftigte und müssen dennoch, um ihre Familien ernähren zu können, mit Hartz IV „aufstocken“. Der Hass, der Neid und die Niedertracht haben uns nach der Anfangseuphorie sehr schnell eingeholt und den einen oder anderen von uns desillusioniert.
Selbst eine einfache Begegnung, geschweige denn ein gegenseitiges Verstehen und behutsames Kennenlernen zwischen uns Schwestern und Brüdern unserer ehemals geteilten Heimat sind längst durch den schweren Mantel der Hoffnungslosigkeit erstickt worden.
Wächst tatsächlich zusammen, was zusammen gehört?
Oder unterliege ich schon hier meinem ersten Irrtum?
Ja, die Liebe setzt sich über jeden Zweifel hinweg.
Aber lassen Sie mich hier nicht vorgreifen, und trauen Sie sich auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle.
Viele von uns haben längst resigniert, und es hat sich eine grenzenlose Gleichgültigkeit um uns herum ausgebreitet.
Gehen Sie gemeinsam mit mir auf eine 18 Jahre andauernde Zeitreise und lernen Sie die große Liebe in allen ihren Facetten kennen. Werden wir der wahren Liebe begegnen? Erleben Sie mit mir die Hoffnungen und Träume, aber auch die Ängste und den Verrat an der Liebe. Vor genau 18 Jahren habe ich begonnen diese Erzählung zu schreiben.
Der damalige Titel war selbstverständlich noch ein anderer und von der Anfangseuphorie meines vermeintlichen und neuen Glücks geprägt. Diesen ehemaligen Titel habe ich zwischenzeitlich aus meinem Gedächtnis verdrängt.
In den letzten 18 Jahren hatte ich keine Zeit, diese Erzählung zum Abschluss zu bringen. Ich wusste bereits zum damaligen Zeitpunkt, dass ich meine Geschichte eines Tages mit Leben füllen und bis zum Ende erzählen werde.
Glauben Sie mir bitte, ich hätte gerne noch 20 Jahre mit der Vollendung gewartet.
Oder noch besser:
Hatte ich damals doch nicht bereits eine Vorahnung gehabt und vielleicht auch deshalb meine Geschichte derart lange auf Eis gelegt? Ich erzähle Ihnen diese Geschichte aus meiner Sicht. Trotz oder gerade wegen meiner verletzten Seele versuche ich mich an den Fakten und der Wahrheit orientieren.
Sollten Sie sich, wenn dies auch nur sehr wenige von Ihnen sein werden, in dieser Geschichte selbst sehen, dann gehören Sie zu jenen, die einmal der großen und unsterblichen Liebe begegnen durften.
Da von uns nur sehr wenige einen gültigen Reisepass für eine erfüllte Reise durch ihr Leben haben, sind viele von uns ständig auf der Flucht. Auf der Flucht vor sich selbst und der Angst, von den ganz großen Gefühlen ihres Lebens enttäuscht zu werden.
Oft suchen wir eher Zuflucht, anstatt die großen Gefühle zu leben und mit allen unseren Sinnen zu erfahren. Einige von uns bleiben ihr Leben lang nur Wanderer auf dem Weg nach nirgendwo. Hungrig und durstig nach dem großen Glück passiert es, dass wir eines Tages erwachen und feststellen müssen, in eine Einbahnstraße unseres Lebens gelaufen zu sein.
Darf unser Leben eine Einbahnstraße sein? Die wahre Liebe, die wir schenken, ist das schönste und ehrlichste Geschenk, das wir anderen geben können.
Oder erwarten Sie immer, wenn Sie etwas verschenken, dass Sie ein Geschenk im gleichen Wert zurückerhalten?
Sie haben aus aufrechter Liebe geschenkt und sich somit auch selbst beschenkt.
Lernen wir zu lieben und erwarten wir bitte niemals geliebt zu werden. Es reicht völlig aus zu lieben um ein erfülltes Leben gelebt zu haben.
Vieles wäre einfacher, wenn wir unsere Erinnerungen einfrieren könnten.
Hoffnung und Traurigkeit vernünftig portioniert, tiefgekühlt und nur bei Bedarf aufgetaut.
Meinen damaligen Job als Portfoliomanager hatte ich bereits fünf Jahre durchgehalten. Sie müssen wissen, dass mich berufliche Herausforderungen nach gut fünf Jahren anfangen zu langweilen, denn nach dieser Zeit wird auch der beste Job zur Routine.
Wie Sie ja schon von mir wissen, reizen mich im Besonderen Jobs mit häufigen Reisetätigkeiten.
Kurz entschlossen machte ich mich auf die Suche und fand sehr schnell ein neues Engagement, wenn auch zum ersten Mal in den neuen Bundesländern.
Ich sollte meinen Job in Sachsen Anhalt zum 2. Januar antreten.
Aus Neugier, aber auch um meine Chancen auf weibliche Beute zu erhöhen, bin ich bereits am 10.12. in Sachsen Anhalt eingetroffen. In meiner neuen Firma konnte ich keinen erreichen, da die Belegschaft in den Betriebsferien war.
Für eine Baufirma ergibt das auch Sinn, da im Winter Bauaktivitäten nur marginal stattfinden. Also musste mein neuer Job als Vermietungs-Manager noch warten.
Durch Zufall bin ich an meinem ersten Abend in der für mich neuen Stadt in der angesagtesten Kneipe gestrandet und musste somit meine erste Nacht im Hotel nicht allein verleben.
Nach dieser tollen Nacht in den Armen und dem Schoß dieser mit besonderen weiblichen Reizen ausgestatteten Frau lohnte sich meine vorgezogene Anreise doppelt, da am Abend des 13.12. die Weihnachtsfeier meines neuen Arbeitgebers stattfand.
Mit großen Erwartungen und einer gewissen Skepsis, immerhin musste ich davon ausgehen, dass ich der einzige Wessi unter Ossis sein würde, habe ich mich in das Haifischbecken begeben und mich meiner eigenen Fleischbeschauung gestellt.
Schon bei meinem Eintritt in die Lokalität habe ich die neugierigen, neutralen, gespannten, offenen, aber auch abschätzenden Blicke meiner neuen Kollegen körperlich gespürt.
In meiner selbstbewussten Art habe ich mich nicht irritieren lassen und vielmehr meinen Fokus auf die weiblichen Kolleginnen ausgerichtet. Auf den ersten Blick sind mir drei attraktive Damen um die Dreißig ins Auge gefallen.
Vielleicht wäre es besser gewesen, ich hätte meine Augen von den Damen abgewandt und mich mehr auf meine männlichen Kollegen konzentriert.
Nein, es kam wie es kommen sollte und wovon wir ein Leben lang träumen. Auch im Nachhinein betrachtet, ist der 13. Dezember zum hoffnungsvollsten Tag in meinem Leben geworden.
Als Getriebener war ich 41 Jahre auf der Suche gewesen und jetzt wusste ich, dass ich das Gefundene für immer festhalten wollte.
Wir werden gemeinsam erleben, ob es mir gelungen ist.
Mein neuer Arbeitsort ist keine schöne Stadt, sie wird mir jedoch für immer positiv in Erinnerung bleiben. Ich werde noch im Dezember die Stadt, wo für mich meine „sterbliche“ Liebe ihren Anfang nahm, besuchen, um meine Eindrücke wiederzubeleben.
Ohne, dass ich es bemerkt hatte, befand ich mich schon auf hoher See und segelte den Törn meines Lebens. Dieser Segeltörn sollte mich an die schönsten Inseln einer großen Liebe führen. Selbstverständlich habe ich auf meiner Fahrt auch mit Flauten und Stürmen gerechnet. Meine Liebe sollte kein Land anlaufen, ich wollte für immer auf der hohen See der Liebe bleiben. Mein Herz war ausreichend mit Liebesproviant gefüllt.
Im Vertrauen auf meine große Liebe, hatte ich keinen Rettungsanker mit an Bord genommen. Dieser Leichtsinn sollte sich später noch als grobe Fahrlässigkeit herausstellen.
Sie saß mit mehreren Kolleginnen und Kollegen an einem Tisch und fiel mir sofort auf. Sie konnte so herrlich unbekümmert und ehrlich lachen. Ihre schlanke Taille und auch ihre sonstige Erscheinung trieben mich zwanghaft in ihre Nähe.
Heute ist sie 50 Jahre alt und ihre Schönheit und Jugend ist für andere noch immer eine Augenweide. Gerne würde ich Ihnen diese sehr schöne Frau näher beschreiben. Leider habe ich in den letzten Monaten Bilder von ihr im Kopf, die ich lieber nicht hätte sehen wollen und die mir den Blick auf ihre Schönheit verschleiert haben.
Heute sehe ich etwas in ihren Augen, was mir Angst bereitet und was ich nicht aushalten kann. Heute sind es andere Tage und somit auch andere Augen geworden.
Schnell habe ich versucht, mich an der Smalltalk-Runde der neuen Kollegen zu beteiligen.
Zu meiner großen Freude, hatte sich die Kollegin mit dem unbekümmerten Lachen als äußerst freundlich und charmant geoutet. Schon nach sehr kurzer Zeit, führten wir unser Gespräch allein am Tresen fort. Hier hatte ich zum ersten Mal die Chance, ihr in die Augen zu schauen.
Sie hatte die schönsten Augen und den offensten Blick, den ich bei einer Frau je wahrgenommen hatte. Die Augen verrieten eine gewisse Skepsis, aber auch einen Hauch von Neugier und Verletzbarkeit.
Hätte ich ihr doch später noch öfter tief in die Augen geschaut. Heute denke ich, dass sie auf dem Weg ist sich zu verlieren. Sehr schnell konnte ich in Erfahrung bringen, dass sie gerade erst frisch von ihrem Mann getrennt war und eine neue Wohnung bezogen hatte. Ich habe sie mit Komplimenten und mit all meinem mir zur Verfügung stehenden Charme umgarnt. Gleichzeitig war ich mir aber auch sicher, dass sie meine „Angriffslust“ irritierte.
Ich hatte permanent das Gefühl, dass sie unter Zeitdruck stand und richtig: wie sich herausstellte, wollte sie schnell nach Hause, um den Geburtstag ihrer 12-jährigen Tochter für den kommenden Morgen vorzubereiten.
Ein anderer 12. Geburtstag hätte beinahe zu dem abrupten Ende meiner Erzählung geführt.
Also musste ich meine Hoffnung auf einen Hotelzimmerbesuch von ihr noch am ersten Abend aufgeben. Sie blieb nach unzähligen Kaffees bis fast zwei Uhr in der Nacht eine charmante Unterhalterin.
In meinem Übermut habe ich ihr zur Verabschiedung einen Bierdeckel mit einem Heiratsversprechen „untergeschoben“.
Und schon verschwand sie in der Nacht und ließ mich mit dem Verlust einer möglichen gemeinsamen Nacht zurück.
Als ich kurze Zeit später, es gab ja keinen Grund mehr für mich, noch länger auf der Weihnachtsfeier zu bleiben, in meinem Hotelzimmer verschwand, ahnte ich bereits, was mit mir geschehen war. Ich bin der großen und einmaligen Liebe meines Lebens begegnet.
41 Jahre habe ich schon gelebt und jetzt spüre ich das erste Mal, mit jeder Faser meines Körpers, die große Sehnsucht nach dieser Frau. Mein erster Arbeitstag in der neuen Firma und damit die Chance, die Liebe meines Lebens wiederzusehen, war erst in drei Wochen. Ich bin am nächsten Morgen trunken vor Glück, in mein noch aktuelles Leben zurückgefahren.
Drei lange Wochen lagen nun vor mir, bis ich meine neu gefundene Liebe wiedersehen konnte. Drei Wochen habe ich Tag und Nacht nur von der Frau meines Lebens träumen können.
Es waren die ungeduldigsten und längsten Wochen meines Lebens.
Ich wusste, ich werde sie in drei Wochen sehen, aber würde sie sich noch an mich erinnern?
Ich hatte keinerlei Plan und konnte mich nur noch in Ungeduld üben. Sehnsüchtig erwartete ich meinen ersten Arbeitstag in der neuen Firma.
Was war nur in mich gefahren und was hatte mich getrieben, einer völlig Unbekannten gegenüber ein Eheversprechen abzugeben? Egal, sie würde es längst vergessen haben oder als plumpen „Anmache“-Versuch eines arroganten Wessis werten.
Je mehr ich darüber nachdachte und in jeder Nacht, in der ich von ihr träumte, war ich mir sicherer, dass ich nichts anderes wollte, als sie tatsächlich zu heiraten und sie für immer festzuhalten.
Ich bin verheiratet und führe ein getriebenes und unstetes Leben.
Bin ich am Scheideweg? höre ich mein inneres Ego fragen. Bist Du dir sicher, und möchtest Du dein unbekümmertes Leben gegen die Zwänge einer unbekannten Liebe eintauschen?
Ja und uneingeschränkt ja!
Keine Sekunde zögerte ich, um zu wissen, dass ich den Weg zum Glück unbedingt gehen wollte.
Vielleicht war mein ständiger Weg auf der Überholspur nur eine Flucht und die Angst vor meinen eigenen Gefühlen. Ich war bereit, meine Reise ins Licht anzutreten, ich hatte meine Sonne gefunden.
Schon jetzt spürte ich in mir die aufflammende Wärme, die von der Unbekannten ausgeht, und die schon jetzt mein Herz in Gefangenschaft genommen hat.
Wird die von mir gewählte Gefangenschaft „lebenslänglich“ sein? Habe ich überhaupt den Wunsch, „begnadigt“ zu werden?
Ich wurde zu einem Gefangenen meiner Gefühle, wie mir die Zukunft noch zeigen sollte.
Meine „Begnadigung“ fand dann nach einem sehr kurzen Prozess durch meine neue Liebe und spätere Ehefrau als Richterin statt. Sie fällte ihr einseitiges und subjektives Urteil, ohne mir als ihrem Angeklagten die faire Chance auf eine Verteidigung einzuräumen, schnell und ohne Gnade.
Von einer Begnadigung kann somit keine Rede sein und „strafverschärfend“ kam hinzu, dass ich jegliche Perspektive für meine Zukunft verloren hatte.
Sie fällte ein klassisches Fehlurteil und hat mich, anstatt zu begnadigen, zum Tode verurteilt.
Jetzt fehlte er mir, der von mir leichtsinniger- weise vergessene Rettungsanker.
