Himmelskraft - Science Fiction Roman - Hans Dominik - E-Book

Himmelskraft - Science Fiction Roman E-Book

Hans Dominik

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Beschreibung

Diese Ausgabe von "Himmelskraft" wurde mit einem funktionalen Layout erstellt und sorgfältig formatiert. Hans Dominik (1872-1945) war ein deutscher Science-Fiction- und Sachbuchautor, Wissenschaftsjournalist und Ingenieur. Aus dem Buch: ""Vereinzelte Wolkenfetzen, die der Frühlingswind über das Firmament jagte, schienen seine Beobachtung für eine kurze Weile zu stören, doch sobald sie sich verzogen hatten, setzte er seine Untersuchung fort, nahm jetzt ein gutes Fernrohr und dann sogar einen Theodoliten zu Hilfe und visierte viele Minuten hindurch, während er gleichzeitig Zahlen auf einen Notizblock niederschrieb. Nur mit außergewöhnlich scharfen Augen hätte man ohne Glas die Objekte entdecken können, denen das Interesse und die Messungen des einsamen Kraftfahrers galten."

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Hans Dominik

Himmelskraft - Science Fiction Roman

Ein Kampf um Energie
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- Innovative digitale Lösungen & Optimale Formatierung [email protected]   2017 OK Publishing

Inhaltsverzeichnis

Cover
Titelblatt
Text

In flottem Tempo rollte ein Kraftwagen über die Landstraße. Ein jüngerer Mann saß am Steuer. Jetzt ließ er den Wagen langsamer laufen, steuerte nur noch mit einer Hand, während die Finger der andern auf einer Landkarte hin und her gingen.

Nun schien er gefunden zu haben, was er suchte, und brachte sein Gefährt an einer Stelle zum Stehen, an der ein breiter Feldweg von der Landstraße nach links in die Heide abzweigte. Ein ganz gewöhnlicher, ziemlich stark zerfahrener Feldweg war es, einzig auffällig nur durch ein Verkehrszeichen, das ihn für Fahrzeuge aller Art sperrte. Ein anderer hätte sich vielleicht über das Schild gewundert. Der Insasse dieses Wagens aber, Mister Henry Turner aus Pretoria in der Südafrikanischen Union, schien jedoch etwas Derartiges erwartet und gesucht zu haben. Er hielt und unterzog die Gegend zur Linken der Landstraße einer eingehenden Musterung, wobei er des öfteren den Nacken weit nach hinten bog, als ob er auch am Himmel etwas erspähen wollte. Vereinzelte Wolkenfetzen, die der Frühlingswind über das Firmament jagte, schienen seine Beobachtung für eine kurze Weile zu stören, doch sobald sie sich verzogen hatten, setzte er seine Untersuchung fort, nahm jetzt ein gutes Fernrohr und dann sogar einen Theodoliten zu Hilfe und visierte viele Minuten hindurch, während er gleichzeitig Zahlen auf einen Notizblock niederschrieb. Nur mit außergewöhnlich scharfen Augen hätte man ohne Glas die Objekte entdecken können, denen das Interesse und die Messungen des einsamen Kraftfahrers galten. Winzige silbrig schimmernde Pünktchen waren es, die sich nach Süden hin am Firmament abzeichneten.

Ein fernes Motorengeräusch durchbrach die Stille der Heide. Für Mister Turner war es die Veranlassung, seinen Wagen wieder in Gang zu setzen und langsam weiterzufahren. Aus ganz bestimmten Gründen legte er keinen Wert auf Zuschauer bei seinen Beobachtungen und Untersuchungen.

Aber immer wieder fühlte er sich veranlaßt, den Kopf nach links zu wenden und in die Höhe zu blicken, und dann war, ehe er sich’s versah, das Malheur geschehen. Der Wagen eckte mit dem rechten Vorderrad an einen Prellstein an und landete in einem tiefen Chausseegraben.

Abgesehen von einem kräftigen Stoß, den Mr. Turner dabei von dem Steuerrad in die Magengrube bekam, war nichts Ernstliches passiert. Fahrer und Wagen waren unversehrt; nur mit dem Weiterkommen sah es schlecht aus, denn die steilen Grabenböschungen ließen ein Herausarbeiten mit eigener Maschinenkraft ziemlich aussichtslos erscheinen. Vergeblich versuchte der Südafrikaner es ein paarmal; auf dem glatten, schlammigen Grabenboden drehten sich die Räder nur auf der Stelle und wühlten sich immer tiefer ein, ohne das Fahrzeug vom Fleck zu bringen. Mißmutig setzte er den Motor wieder still und schickte sich eben an, aus dem Wagen herauszuklettern, als er einen Mann auf der Chaussee daherkommen sah.

Der muß mir Hilfe auftreiben, irgendeinen Bauern mit einem Gespann, der mir die Karre aus dem Graben zieht. Kleidung und Aussehen des Fremden schienen der Vermutung Turners, daß es sich um einen Einwohner handelt, recht zu geben. Vielleicht ist’s ein Schäfer, der hier irgendwo seine Schnucken hütet, ging es Turner durch den Kopf, als der alte Mann bei ihm haltmachte und sich kopfschüttelnd die Sachlage besah. Turner öffnete den Mund, um etwas zu sagen, als der andere ihn schon ansprach.

»Wie haben Sie das fertiggebracht, Herr? Der Weg hier ist doch wirklich breit genug. Ich werde einen Bulldog vom Feld holen. Zehn Minuten wird’s dauern, so lange müssen Sie Geduld haben.«

Turner ließ sich am Grabenrand nieder und blickte dem Alten nach, der nach rechts hin über die Heide wanderte. Unwillkürlich beschäftigte er sich in Gedanken mit dem Mann und versuchte sich über den Eindruck, den er in knappen Sekunden von ihm gewonnen hatte, klarzuwerden. Ein alter Schäfer oder Bauer? Vielleicht, nach der Kleidung sogar wahrscheinlich … aber diese eigenartig blitzenden Augen, der ganze Schnitt des Gesichts, das wollte zu dieser Mutmaßung nicht recht passen, und Mister Turner hatte Erfahrung in solchen Dingen.

Motortacken riß Turner aus seinem Grübeln. Er trat aus dem Graben auf die Landstraße und sah einen Traktor herangerasselt kommen. Die Zugmaschine hielt dicht neben Turners Wagen an.

»Joa, doa wär’n wi nu, Herr Zacharias«, sagte der junge Mann, der am Steuer der Zugmaschine saß, während der Alte von dem Hintersitz abstieg. »Geben Sie uns Ihr Seil, Herr«, wandte er sich an Turner. Der ging an den Werkzeugkasten seines Wagens, kramte eine Weile darin und richtete sich dann achselzuckend auf.

»Dumme Sache, Sir, ich habe kein Seil bei mir.«

»Wat schall nu war’n, Herr Zacharias?« fragte der Traktorführer. Was der Alte ihm darauf in einem vollkommenen Heideplatt antwortete, blieb für Mr. Turner unverständlich, aber es bekräftigte ihn wieder in seiner Meinung, daß er doch einen echten Eingeborenen der Heide vor sich habe. Der Alte suchte geruhsam in seinen Manteltaschen und brachte schließlich ein kleines Knäuel zum Vorschein, das er sorgfältig abzuwickeln begann. Für einen einfachen Bindfaden hielt Turner es beim ersten Anblick. Erst bei schärferem Hinsehen erkannte er, daß es eine aus vielen feinen Drähten gesponnene Litze war. Aber was sollte das hier nützen?

»Nonsense, Sir!« brummte Turner vor sich hin, während der Alte das dünne Geflecht mit einer sicheren Schlinge in den klobigen Zughaken des Traktors legte.

»Mann, was wollen Sie da machen? Das ist ja zwecklos!« fuhr er laut fort, als der Alte nun in den Graben kletterte und dort das andere Litzenende am Vorderteil des Kraftwagens festmachte.

»Abwarten, lieber Herr!« meinte der Helfer, während er sich an das Steuer des Wagens setzte. »He, Hermann, treck an!« rief er dem Fahrer der anderen Maschine zu. Schon brummte der Motor auf, der Traktor ruckte an, und die dünne Schnur spannte sich. Turner sah sprachlos zu, was weiter geschah.

Sein Wagen kam, von dieser lachhaft dünnen Schnur gezogen, in Bewegung und rollte ein Stückchen auf dem Grabenboden weiter. Dann sprang auch der Wagenmotor an. Geschickt schaltete der alte Mann am Steuer auf den dritten Gang um, und dann stand der Wagen des Ausländers wieder heil auf der Landstraße. Schon hatte der Alte seinen Platz am Steuer verlassen, hatte diese merkwürdige Schnur von beiden Fahrzeugen gelöst und war dabei, sie wieder zusammenzuwickeln.

»Dank di oak schön! Fohr wedder los, Hermann!« rief er dem Traktorführer zu, während Turner immer noch nicht wußte, wie er sich dem Alten gegenüber verhalten sollte. Konnte er ihm ein Trinkgeld für seine Hilfe anbieten? Ein alter Schäfer hätte das sicherlich gern genommen; blieb nur noch die Frage, ob der Mann nicht doch etwas anderes war. Die Art und Weise, wie er den Motor und die Schaltung des Wagens bedient hatte, verriet zweifellos, daß er mit der Lenkung eines Kraftfahrzeuges gut Bescheid wußte.

Und dann die merkwürdige Schnur. Die interessierte Mister Turner ganz besonders, über die mußte er unter allen Umständen noch Genaueres in Erfahrung bringen. Aber wenn er das wollte, durfte er den Mann jetzt nicht mit einem einfachen ›Danke schön!‹ weggehen lassen.

»Ich bin Ihnen äußerst verpflichtet, Herr … Herr …«, begann er.

»Ich heiße Zacharias«, warf der andere dazwischen.

»Mein Name ist Turner«, stellte der Südafrikaner sich vor. »Sehr erfreut, Ihre Bekanntschaft zu machen; ohne Ihren Beistand hätte ich hier noch lange im Graben stecken können. Darf ich Sie vielleicht ein Stückchen in meinem Wagen mitnehmen?«

Nach einem kurzen Blick auf den Fremden und seinen Wagen nahm der alte Zacharias die Einladung an.

»Sie können mich bis zum nächsten Dorf mitnehmen«, meinte er, während er neben ihm Platz nahm, »aber fahren Sie möglichst nicht wieder in den Graben. Sie haben vorhin wohl ein bißchen zu sehr nach links geschaut.«

Turner biß sich auf die Lippen und spürte zu seinem Ärger, daß er einen roten Kopf bekam. Hatte der Alte ihn vielleicht schon längere Zeit beobachtet und etwas von seinen nicht ganz unverdächtigen Manipulationen gesehen?

»Ihre Vermutung ist nicht ganz unbegründet, Herr Zacharias«, sagte er möglichst unbefangen. »Zur Linken der Landstraße soll hier ein atmosphärisches Elektrizitätswerk stehen. Das interessiert mich natürlich. Wir haben bei uns in Südafrika auch eine Versuchsstation in Betrieb. Sie liegt im Südteil der großen Kalahariwüste.«

»Kann Ihr Interesse begreifen, Herr Turner«, lachte der Alte, »aber Sie haben wohl nicht viel davon zu sehen bekommen? Man hat es absichtlich mitten in die einsame Heide hineingesetzt. Es gibt zu viel Neugierige.«

Turner entschloß sich geradewegs auf ein Ziel loszugehen. »Etwas davon habe ich doch gesehen«, meinte er, »wenigstens die Ballone, die das Fangnetz tragen. Schätze, daß das Netz 8.000 Meter über dem Erdboden liegt. Großartige Leistung. Bei uns sind wir noch nicht soweit.«

Die ersten Häuser des Dorfes waren inzwischen aufgetaucht, und jetzt rollte der Wagen über ein holpriges Straßenpflaster.

»Ich bin hier zu Hause. An der nächsten Ecke möchte ich raus«, sagte der Alte.

»Gewiß – wie Sie wünschen«, erwiderte Turner, aber seine Worte entsprachen nicht seiner wirklichen Meinung. Brennend gern wollte er länger mit dieser neuen Bekanntschaft zusammenbleiben, um noch mehr über die Dinge zu erfahren, die ihn so sehr interessierten.

»Es ist gerade Mittag Herr Zacharias«, warf er mit einem Blick auf die Wagenuhr hin. »Vielleicht können wir hier einen Lunch bekommen. Darf ich Sie einladen?«

»Ist mir zum Essen noch ein bißchen zu früh, Herr Turner«, erwiderte Zacharias. »Auf einen Schoppen Apfelwein will ich Ihnen gern noch Gesellschaft leisten. Wir haben hier eine recht brauchbare Wirtschaft im Dorf. Sehen Sie das Haus da vorn mit dem hohen Fachwerkgiebel? Da ist sie.«

Während der Wagen die kurze Strecke bis zum Krug zurücklegte, drehten sich alle Gedanken Turners um das kleine Knäuel, das sein Nachbar wieder lässig in die Manteltasche gesteckt hatte. Um jeden Preis wollte er das in seinen Besitz bringen …

»Da sind wir!« sagte der Alte. »Heute ist es im Garten schöner als in der Gaststube. Kommen Sie nur mit, Herr Turner, ich weiß hier Bescheid.«

Unter einer alten Linde nahmen sie an einem runden Tisch Platz.

»Gibt es keine Möglichkeit, Ihr Atmosphärisches Elektrizitäts-Werk hier zu besichtigen?« fragte der Afrikaner.

Sein Gegenüber schüttelte den Kopf. »Ich glaube nicht, Herr Turner. Die Werkleitung läßt sich nicht gern in die Karten gucken. Der Sicherheitsdienst soll sehr scharf sein.«

Turner zog ein mißmutiges Gesicht. »Schade, Herr Zacharias, ich hätte es gern besucht.« Während Turner die Worte sprach, beobachtete er aufmerksam das Gesicht seines Gegenübers. Ein rätselhafter Zug schien um dessen Augen zu liegen.

»Sie müßten sich eine Erlaubnis bei der Leitung der Zentraleuropäischen Kraftwerke besorgen, Herr Turner«, meinte er, während er nach seinem Glase griff.

»Das wird wahrscheinlich nicht ganz einfach sein«, wandte Turner ein.

»Sicherlich nicht, Herr Turner. Die Herren sehen sich ihre Leute sehr genau an. Man hat wohl schlechte Erfahrungen gemacht.«

Turner brummte etwas Unverständliches vor sich hin. Ein Verdacht stieg in ihm auf, daß der alte Mann in dem verschlissenen Lodenmantel da vor ihm mehr um dieses mitteleuropäische Werk wissen mochte, als er sich anmerken ließ. Sollte er ihm etwas davon erzählen, wo den Leuten in der Kalahari der Schuh drückte, oder war es besser, damit vorläufig noch hinter dem Berge zu halten? Er beschloß, dem Gespräch zunächst eine andere Wendung zu geben.

»Was war das eigentlich für eine Art von Seil, Herr Zacharias«, fragte er, »mit dem Sie meinen Wagen aus dem Graben gezogen haben?«

Der Alte griff in seine Tasche und brachte das Knäuel wieder zum Vorschein. »Sie meinen das hier, Herr Turner? Eine Drahtlitze – ist wohl Aluminium oder etwas Ähnliches …«

Er reichte ihm das Knäuel über den Tisch hin, und während Turners Finger fast gierig danach griffen, glaubte er wieder das eigenartige Mienenspiel, das er schon einmal beobachtet hatte, bei Zacharias zu bemerken. Langsam begann er das Knäuel abzuwickeln und ließ die Litze durch die Finger gleiten.

»Merkwürdig, Herr Zacharias!« begann er kopfschüttelnd. »Darf man wissen, wo Sie das herhaben?«

»Ich habe es gefunden, als ich vor ein paar Tagen über die Heide ging …«

»Ah – gefunden?«

»Ja, Herr Turner. In der Nähe von Ihrer heutigen Unfallstelle. Auf dem Feldweg, der da von der Landstraße abgeht.«

Turner murmelte etwas Unverständliches vor sich hin, während er die Litze mit beiden Fäusten packte und eine Bewegung machte, als ob er sie mit Gewalt zerreißen wollte.

Der Alte lachte. »Geben Sie sich keine Mühe, Herr Turner! Was der Traktor nicht fertiggebracht hat, wird Ihnen erst recht nicht gelingen. Die Litze – ich habe mal so was sagen hören – soll eine Zerreißlänge von 100 Kilometer haben.«

Turner ließ beide Hände auf die Tischplatte fallen. Diese Worte verschlugen ihm die Sprache. Was war das für ein Mensch, der wie ein alter Schäfer aussah und hier wie ein Ingenieur von Zerreißlängen sprach? Und vor allem, was war das für ein Metall, das Leichtigkeit und höchste Festigkeit in so wundersamer Weise vereinigte? Auf jeden Fall mußte er dieses Knäuel an sich bringen.

»Wenn es Sie interessiert, Herr Turner, können Sie das Ding gern behalten. Ich lege keinen Wert darauf. Nehmen Sie es als Andenken nach Afrika mit.«

Ein wenig sträubte sich Turner noch, dann ließ er das Knäuel unter Dankesworten in seiner Brusttasche verschwinden. Darauf entdeckte er nach einem Blick auf seine Uhr sehr bald, daß es für ihn hohe Zeit sei, weiterzufahren. Er verabschiedete sich.

Während der Wagen um eine Biegung der Dorfstraße verschwand, stand Johannes Zacharias vor dem Krug und blickte ihm sinnend nach.

»Ich denke, er wird es an James Headstone weitergeben«, murmelte er vor sich hin.

»All right, Sir!« Oberingenieur Jan Fosdijk von der südafrikanischen Versuchsstation sprach die Worte in das Telephon und legte den Hörer wieder auf die Gabel. Eine Weile blieb er noch an seinem Schreibtisch sitzen, den Kopf in die Hände gestützt. Dann sprang er plötzlich auf und eilte hinaus. Sein Weg führte ihn über einen kurzen Flur. Dann betrat er den Hauptraum der Station und warf die Tür kräftig hinter sich zu.

George Cowper, der Zweite Ingenieur, stand vor einer mit allerlei elektrischen Meßgeräten besetzten Schalttafel und drehte sich bei dem plötzlichen Geräusch verwundert um.

»Hallo, Fosdijk, was ist los? Sie machen ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter.«

»Habe Grund dazu, Cowper«, knurrte Fosdijk unwillig. »James Headstone und Direktor Brooker werden uns besuchen!«

Cowper pfiff durch die Zähne. »Nette Überraschung! Wann wollen die Herren uns denn die Freude machen?«

»Bald, Cowper! Sind schon im Auto unterwegs. Headstone hat eben von einer Tankstelle aus angeklingelt, wird schon in einer Viertelstunde hier sein. Was sagen Sie dazu?«

Cowper zuckte die Achseln. »Da ist nicht viel zu sagen. Für uns ist die Hauptsache, daß wir unsere Station in Ordnung haben.« Während der Ingenieur weitersprach, wandte er sich wieder der Schalttafel zu und deutete auf die Meßinstrumente. »Da sehen Sie die Stationsleistung, Fosdijk: 600.000 Volt und zehn Ampere, und wenn sich Mister Headstone zehnmal auf den Kopf stellt, mehr läßt sich eben mit dem Fangnetz und unseren Strahlkollektoren nicht herausholen.«

Oberingenieur Fosdijk machte eine unsichere Bewegung. »Ich fürchte, Cowper«, begann er zögernd, »Headstone wird wieder allerlei auszusetzen haben. Bei dem Gespräch mit ihm hatte ich den Eindruck, als ob er wieder neue Nachrichten über die mitteleuropäische Station bekommen hätte.«

Cowper nickte. »Kann sehr leicht möglich sein. Diese Anlage hält er uns ja bei jeder Gelegenheit vor. Warum, zum Teufel, verschafft er sich denn durch seine Agenten nicht die Pläne von den dortigen Strahlkollektoren? Wir wissen doch, daß die besser sein müssen als unsere.«

Eine Autohupe klang in seine letzten Worte. Der unerwünschte Besuch war schon vor der Tür. Fosdijk eilte hinaus, um ihn am Portal zu empfangen. Zwei Herren saßen in dem großen Kraftwagen, der vor der Treppe hielt. Der eine von ihnen, Direktor Brooker, winkte Oberingenieur Fosdijk näher heran. »Hallo, Mister Fosdijk, steigen Sie ein! Wir wollen erst über das Feld fahren.«

Der andere, James Headstone, begrüßte Fosdijk nur mit einem kurzen Kopfnicken. Er war es, der die Idee eines atmosphärischen Kraftwerkes der United Electric Company zuerst mundgerecht gemacht und die Errichtung einer Versuchsstation durchgesetzt hatte. Fosdijk hatte kaum in dem Wagen Platz genommen, als Headstone ohne weitere Vorrede die Besprechung eröffnete.

»Wie groß ist die Leistung der Station?« Fosdijk nannte ohne Zögern die Werte. »600.000 Volt, 10 Ampere, Mister Headstone.«

»Haben Sie’s gehört, Brooker«, wandte sich Headstone an den Direktor, »nur 600.000 Volt! Wenn wir das Fangnetz in acht Kilometer Höhe hätten, könnten wir 1,6 Millionen aus der Atmosphäre herausholen.«

»Das ist vollkommen ausgeschlossen, Mister Headstone. Drei Kilometer sind das höchste, was wir unseren Halteseilen für die Ballone zumuten dürfen«, erklärte Fosdijk.

Der Wagen war inzwischen ein gutes Stück weiter über das Feld gefahren und hielt nunmehr neben einer Verankerungsstelle. Von einem mächtigen in den Boden versenkten Betonblock stieg ein starkes Stahldrahtseil fast senkrecht empor. Die Insassen des Wagens mußten die Köpfe weit zurückbiegen, um hoch im blauen Äther einen winzigen silbrigen Ball von der scheinbaren Größe eines Apfels zu entdecken. Daß es tatsächlich ein mächtiger Ballon war, der von der Drahttrosse festgehalten wurde und zusammen mit sechs anderen gleichgroßen Fesselballonen in 3000 Meter Höhe das große metallene Fangnetz für die Luftelektrizität tragen half, war von hier unten nicht zu erkennen.

»Nicht drei, sondern acht Kilometer, Mister Fosdijk, die müssen geschafft werden!« Headstone stieß die Worte so kurz und hart heraus, daß sie wie ein Befehl klangen.

»Unsere Seile haben nur acht Kilometer Zerreißlänge. Bei acht Kilometer Höhe würden sie schon unter ihrem eigenen Gewicht zu Bruch gehen.«

Während Fosdijk sprach, hatte Headstone die Rechte in seine Manteltasche gesteckt; jetzt zog er sie wieder heraus und hielt ein kleines Knäuel zwischen den Fingern.

»Wie erklären Sie es sich, Fosdijk«, fragte er, als der Oberingenieur mit seinem Einwand fertig war, »daß die in Europa ihr Netz in acht Kilometer Höhe verankert haben?«

»Dann müssen die Ingenieure dort ganz andere Seile von einer viel größeren Zerreißlänge verwenden, Mister Headstone.«

»Da, hier!« Headstone warf ihm das Knäuel zu, das vierzehn Tage früher in einem deutschen Heidekrug in die Hände des Agenten Turner gekommen war. »100.000 Meter Zerreißlänge! Damit arbeiten sie bei den Zentraleuropäischen Kraftwerken! Was sagen Sie dazu, Fosdijk?«

Der Oberingenieur hatte das Knäuel aufgefangen und wog es in den Händen. Er wickelte ein wenig von der Litze ab und zerrte und riß an den einzelnen Drähten. Sie hielten seinen Anstrengungen stand. »Geben Sie uns solche Seile, Mister Headstone, und wir werden Ihre Wünsche erfüllen«, sagte er.

»Ich werde Ihnen diese Seile so schnell wie möglich verschaffen, Fosdijk«, fuhr Headstone in umgänglicherem Tone fort. »Die Aluminium Corporation hat vor acht Tagen ein Stück von diesem hier als Probe bekommen. Ich hoffe, daß unsere Techniker das Geheimnis schnell ergründen werden.«

Während Headstone sprach, hatte Direktor Brooker sich einige Notizen gemacht. »Sie meinen, Headstone, unsere Station würde 16.000 Kilowatt liefern, wenn wir das Netz in 8000 Meter Höhe verankern können?« fragte er jetzt.

»Das ist mit Sicherheit anzunehmen, Brooker. Jeder Meter höher gibt 200 Volt mehr«, beantwortete Headstone die Frage.

»Hm, hm!« Brooker rechnete in seinem Notizbuch weiter, wobei er den Kopf immer häufiger und immer lebhafter schüttelte.

»Sind Sie mit dem Ergebnis nicht zufrieden, Brooker?« fragte ihn Headstone ungeduldig. Der Direktor ließ das Notizbuch sinken. »Die Kosten unserer Anlage sind im Verhältnis zur Leistung zu hoch. Wir müßten die dreifache Stromstärke aus unserem Fangnetz gewinnen, wenn wir billiger als ein Kohlenkraftwerk arbeiten wollen. Haben Sie nichts Genaueres über die Leistung der europäischen AE-Station in Erfahrung bringen können, Headstone?«

Headstone zog ein schiefes Gesicht. »Leider nein, Mister Brooker. Meine Leute haben es vergeblich versucht. Die anderen schließen sich hermetisch ab. Um ein Haar wäre mein bester Mann ihrem Sicherheitsdienst in die Hände gefallen … Wollten Sie etwas fragen, Fosdijk?« wandte er sich zu dem Oberingenieur.

»Die europäischen Strahlkollektoren!« platzte der Gefragte heraus. »Ich fand darüber eine kurze Notiz im ›Electric Engineer‹. Wenn die Zahl, die dort steht, richtig ist, müßten sie ungefähr dreimal so ergiebig sein wie unsere …«

»Im ›Electric Engineer‹? Haben Sie das Heft hier, Fosdijk?«

»In meinem Büro, Mister Headstone.« Headstone gab dem Chauffeur Auftrag, zur Station zurückzukehren.

Als der Wagen wieder vor der Treppe des Stationsgebäudes hielt, war Headstone sich über die nächsten Schritte klar. Das weitaus bessere Tragseil hatte er von Turner, seinem besten Mann, glücklich beschafft, und noch nachträglich sollte dieser ein hohes Sonderhonorar dafür erhalten. Aber auch hinter das Geheimnis des besseren Strahlkollektors mußte er kommen. Was dem Redakteur des ›Electric Engineer‹ geglückt war, das mußte einem Mann wie Turner noch viel besser gelingen.

Wenn die Zahlenangaben zutrafen, mußte diese Anlage in der Tat beträchtlich leistungsfähiger sein als die südafrikanische. Aber trafen sie auch wirklich zu? Bei diesem Punkt kam Headstone wieder ins Grübeln. Wo hatte der Mitarbeiter des ›Electric Engineer‹ diese Mitteilung her? Daß er in das europäische AE-Werk gekommen und sich dort die Informationen geholt hätte, schien Headstone nach seinen eigenen Erfahrungen mehr als unwahrscheinlich.

Wie kam der Berichterstatter dann aber dazu, hier genaue Angaben über die Wirkung der europäischen Strahlkollektoren zu machen? Das mußte geklärt werden. Headstone schnitt den Beitrag aus dem Heft heraus. Mit J. Z. war die Notiz unterzeichnet. Bei der Redaktion des ›Electric Engineer‹ würde er wohl erfahren können, wer sich hinter diesen beiden Buchstaben verbarg.

Eben stand er im Begriff sich von seinem Platz zu erheben, als ein dröhnendes Geräusch, das von außen her kam, ihn aufmerken ließ.

»Was ist das, Mister Fosdijk?« fragte er den Oberingenieur.

»Die Schutzfunkenstrecke draußen arbeitet, Mister Headstone. Es ist Überspannung in der Atmosphäre. Die überschüssige elektrische Energie schlägt draußen direkt in die Erde.«

Headstone warf einen Blick durch das Fenster. Der Himmel zeigte eine eigenartig gelbliche Färbung; einzelne Wolkenfetzen jagten mit großer Geschwindigkeit dahin und ballten sich hier und dort zu größeren Gebilden zusammen. Durch das Fenster konnte Headstone eines der nächsten Ankerseile sehen. Es schwankte stark hin und her, ein Zeichen dafür, daß der Wind in den höheren Schichten der Atmosphäre beträchtlich an Stärke zugenommen hatte. Im stillen nahm er bei diesem Anblick viel von dem zurück, was er in früheren Wochen denIngenieuren wegen ihrer übergroßen Ängstlichkeit gesagt hatte. Jetzt war es ihm doch lieb, daß sie bei allen ihren Maßnahmen stets einen hohen Sicherheitsgrad vorgesehen hatten.

Gefolgt von Fosdijk verließ Headstone das Arbeitszimmer und ging hinüber in den Stationsraum. Dort traf er Direktor Brooker und Cowper, die vor der Schalttafel standen und mit bedenklichen Mienen den Stand der Spannungsmesser betrachteten. Weit über die normalen 600.000 Volt waren die Zeiger hinaufgeklettert und zitterten jetzt schon um die Million herum. Nur kurze Zeit blieb Headstone neben den beiden anderen stehen, dann trat er an eines der hohen Fenster und schaute hinaus.

Mit Unbehagen mußte er feststellen, daß die Gewalt des Sturmes inzwischen weiter gewachsen war. Wild schwankten die Ankerseile hin und her. Und dann sah Headstone etwas, das ihm das Blut in den Adern erstarren ließ. Das nächste Halteseil, das eben noch fast senkrecht gestanden hatte, verlor plötzlich seine Straffung; von der Gewalt des Tornados in großer Höhe abgerissen, kam es in jähem Sturz nach unten. Schwer schlug es auf das Dach der Station auf.

Im gleichen Augenblick verstummte auch das Knattern und Dröhnen der Funkenstrecke. Nur noch das Brausen und Pfeifen des tosenden Sturmes war zu vernehmen.

Sieben Ballone trugen das Fangnetz der südafrikanischen Station. Sechs davon bildeten die Ecken eines regelmäßigen Sechsecks. Der siebente stand in der Mitte zwischen ihnen. Strahlenförmig ging das Fangnetz von ihm zu den übrigen sechs aus, und das stählerne Halteseil dieses mittleren größten Ballons diente gleichzeitig dazu, die von dem Netz aus der Atmosphäre eingefangene elektrische Energie nach unten zur Station hinzuleiten. Jetzt war dieses Seil gerissen, und die Station lag stromlos.

In der Höhe ging das Unheil weiter. Ein Halteseil nach dem anderen wurde von dem Sturmtrichter gepackt und zerrissen. Jetzt das sechste schon – jetzt auch das siebente, das letzte.

Bleich, die Kiefer fest zusammengepreßt, stand James Headstone am Fenster und verfolgte die Vorgänge. Für einen kurzen Augenblick sah er durch eine Wolkenlücke hindurch in schwindelnder Höhe etwas Glitzerndes, Glänzendes mit Sturmeseile nach Westen ziehen. Es war das Fangnetz.

Von der Last der Halteseile befreit, von den Ballonen getragen und auf noch größere Höhe gehoben, trieb es nach Westen ab auf das felsige Karas-Gebirge in Groß Namaland zu.

Die wilden Sturmstöße wurden schwächer. Fast ebenso schnell, wie die Elemente in Aufruhr geraten waren, kamen sie auch wieder zur Ruhe. Schon brach die Sonne wieder durch und ließ ihre Strahlen über das weite Feld spielen. Ein Bild der Verwüstung beleuchteten sie: geknickte Bäume, zerbrochene Leitungsmasten und die Überreste der zerrissenen Halteseile, die in wildem Wirrwarr den Boden bedeckten.

James Headstone löste sich langsam aus seiner Erstarrung und erblickte Brooker, der schon lange neben ihm stand.

»Was soll jetzt geschehen, Brooker?« Rauh kamen die Worte heraus.

»Wir müssen mit der Station aus dem Tornadogebiet heraus, Headstone. Darüber werden wir noch sprechen, wenn wir die neuen Seile haben.«

»Es wird Millionen kosten, Brooker!«

»Die Millionen werden da sein, Headstone! Sorgen Sie nur für die Seile und bessere Kollektoren!«

»Ich werde deswegen nach Deutschland fahren, wenn es nicht anders geht, Brooker.«

Direktor Brooker nickte. »Tun Sie es, Headstone! Jetzt wollen wir zurückfahren. Hier ist nichts mehr zu tun.«

»Sehen Sie, Professor, das ist unser alter Zacharias, wie er leibt und lebt.«

»In der Tat, Herr Generaldirektor, und wie er mit seinen Blumen hantiert! Fast könnte man ihn darum beneiden!«

Die Worte wurden zwischen zwei Leuten gewechselt, die hinter einem dichten Holunderbusch am Zaun eines ländlichen Gartens standen.

Geraume Zeit beobachteten die beiden, wie der Alte mit liebevoller Sorgfalt ein Edelauge nach dem anderen unter die Rinde der Wildlinge schob und mit Faden und Baumwachs hantierte.

»Unerklärlich bleibt’s mir doch«, brach endlich der Professor das Schweigen, »Zacharias ist kaum älter als Sie, Herr Dr. Bergmann. Er könnte noch heute der Generaldirektor unseres Konzerns sein. Das alles so plötzlich hinzuwerfen und sich hier in die ländliche Einsamkeit zurückzuziehen – eine rechte Erklärung dafür kann ich nicht finden.«

»Aber ich bitte Sie, Herr Professor Livonius«, widersprach ihm der andere, »die Erklärung hat Zacharias vor seinem Austritt klipp und klar gegeben. Er sagte uns doch damals, daß er seinen Lebensabend nach seinem Geschmack verbringen wolle.«

»Mag’s meinetwegen so sein«, meinte Professor Livonius kopfschüttelnd. »Mein Geschmack wäre es nicht, auf meine alten Tage hier zwischen Heidebauern zu sitzen.«

Dr. Bergmann lachte. »Mein lieber Professor, Sie dürfen ja nicht glauben, daß unser alter Zacharias hier Gefahr läuft, zu verbauern. Sein Interesse an den wissenschaftlichen Fragen unseres Konzerns ist so lebhaft wie je. Nur mit dem kaufmännischen Kram will er nichts mehr zu tun haben.«

»Ach so – wissenschaftliches Interesse! Das hängt wohl mit diesem ein wenig mysteriösen Doktor zusammen?«

Generaldirektor Bergmann nickte. »Ganz recht, Herr Professor. Doktor Frank ist eine persönliche Entdeckung von ihm. Er ist stolz darauf, und ich glaube, er hat auch einigen Grund dazu. Denken Sie nur an die Halteseile, die wir dem Doktor und indirekt unserem Freunde Zacharias verdanken.«

Der Alte im Garten, dem dieses Gespräch galt, war inzwischen mit seiner Arbeit zu Ende gekommen und schickte sich an, in das Haus zu gehen. Bergmann trat an eine offene Stelle und rief über den Zaun: »Hallo, Johannes, da sind wir!«

»Tag, Franz! Guten Tag, Professor!« erwiderte der Angerufene. »Bitte nach rechts, Herrschaften! Da hat der Zimmermann eine Tür in den Zaun gemacht.«

Lachend kamen Dr. Franz Bergmann und Professor Livonius in den Garten. Noch einmal eine herzliche Begrüßung mit kräftigem Händedruck, dann gingen sie mit dem alten Zacharias in eine Buchenlaube und machten es sich auf einer Rundbank bequem.

»Ich bekam gestern nachmittag deinen Brief und bin darauf heute morgen gleich mit Livonius losgefahren«, eröffnete Bergmann das Gespräch.

»Und ich bekam früh dein Telegramm. Der Doktor ist benachrichtigt. Wir brauchen uns hier nicht lange aufzuhalten; wenn’s dir recht ist, können wir gleich zu ihm rübergehen.«

»Hat er’s geschafft?« wollte Bergmann wissen. Zacharias nickte. »Die kalte Kathode ist da!«

»Werden wir sehen dürfen, wie er’s gemacht hat, Herr Zacharias?« fragte Professor Livonius.

»Wir haben keine Geheimnisse vor ihnen«, erklärte der Alte. »Nur will ich Sie an Ihre Verpflichtung zu unbedingter Verschwiegenheit erinnern.«

Professor Livonius streckte ihm die Rechtehin. »Meine Hand darauf: Über meine Lippen soll kein Wort kommen!«

Zacharias schlug ein, Bergmann legte als dritter seine Hand darauf. »Du hast recht, Johannes. Absolute Verschwiegenheit ist hier Pflicht. Außer uns beiden wird niemand aus dem Konzern etwas davon erfahren. Livonius wird die Patentschriften selber nach den Angaben deines Doktors fertigmachen.«

»Das ist gut, mein lieber Franz«, stimmte ihm Zacharias bei. »Dann wollen wir jetzt hinübergehen.«

Ein kurzes Stück Wegs, und sie traten in ein Gebäude, das, nur von einem Drahtzaun umgeben, mitten in der freien Heide stand. Als die Besucher in eine geräumige blitzblanke Diele kamen, erwartete sie bereits Dr. Frank.

Der Generaldirektor begrüßte den Doktor als einen Bekannten. Professor Livonius, der ihn zum ersten Male sah, war von seinem Anblick gefesselt. Ein paar Augen, die man nie vergißt, dachte er bei sich, als er den Händedruck des Doktors erwiderte. Dann staunte er, als sie in den Arbeitsraum kamen. Das war kein Laboratorium, sondern ein gewaltiger Saal, dessen elektrische Einrichtung allein ein nicht ganz kleines Vermögen gekostet haben mochte.