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»Was tust du da?«, fragt ein Gedanke. »Ich gehe auf eine Suche.« »Eine Suche? Wonach?« »Nach etwas, das ich verloren habe.« »Was ist es?« »Mich selbst«, antworte ich. Manchmal verrinnt die Zeit so schnell, dass unsere Seele nicht mehr hinterher kommt und wir das Gefühl haben, uns selbst irgendwo unterwegs verloren zu haben. Sicher - wir sind noch da, wir laufen, atmen, bestreiten unseren Alltag. Doch merken wir, dass irgendetwas fehlt. Wir sind unvollständig geworden. Dann brauchen wir eine Pause. Ein lautes »STOP!«, das uns bremst. Damit wir zur Ruhe kommen und unsere Seele uns einholen kann. Dieses Buch lädt zum Innehalten ein, schafft Atempausen in unserem hektischen Alltag, in dem unsere Gedanken so oft weit entfernt vom Hier und Jetzt weilen, wo wir das Morgen planen, ohne wahrzunehmen, was uns heute umgibt. Die enthaltenen Geschichten und Gedankentexte bieten Impulse zum Nachsinnen und Momente der Achtsamkeit, die uns ermöglichen, andere Perspektiven einzunehmen und unsere Seele neu zu ergründen. Sie öffnen unsere Herzen für die Wunder des Lebens, die uns umgeben, bringen Hoffnung und Heilung.
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Seitenzahl: 60
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Himmelswale - Sinngeschichten & Impulstexte
Inhaltsverzeichnis
Die Zeit der Himmelswale
Seelenflügel
Das Raunen der Verstummten
Der kleine Fai
Tìmabils Ernte
Der Ruf der Silberwölfe
Der weise Albie
Der Baum, der keinen Schatten wollte
Yonnsas Fest
Das Rad des weißen Kriegers
Traumwacht
Die Legende von Sternträne und Nachtmaul
Ich singe
Dubhala, der Dunkeldrache
Ein Raum voller Möglichkeiten
Abschluss
1. Auflage
© 2021 Melanie Völker
Herstellung & Verlag:
BOD - Books on Demand, Norderstedt
ISBN: 978-3-7557-4163-3
Alle Rechte vorbehalten.
Die Zeit der Himmelswale
Seelenflügel
Das Raunen der Verstummten
Der kleine Fai
Tìmabils Ernte
Der Ruf der Silberwölfe
Der weise Albie
Der Baum, der keinen Schatten wollte
Yonnsas Fest
Das Rad des weißen Kriegers
Traumwacht
Die Legende von Sternträne und Nachtmaul
Ich singe
Dubhala, der Dunkeldrache
Ein Raum voller Möglichkeiten
Abschluss
~ Sehnsucht ~
Wenn der blasse Dunst des Winters sich mit dem ersten Glanz des Frühlings paart, wenn Sonne und Wolken ihre Grenzen verwischen und das Licht hoch über unseren Köpfen noch zart doch unaufhaltsam dahingleitet; dies ist die Zeit der Himmelswale, die als gleißende Gebilde sanftmütig durch das dunkelnde Meer der Endlosigkeit treiben.
Gigantisch sehen sie aus, wie sie über uns hinwegschwimmen, ihre massig wirkenden und dennoch leicht schwebenden Körper, die mit der Kraft ihrer sanft anmutenden Flossen vorwärtsfließen, ehe sie erneut in der mystischen Unendlichkeit der Wolkenwogen versinken.
Und gebannt beobachte ich wie sie ihre Bahnen schwimmen, wie lichte Wellen sich ausbreiten, wo ihre Gestalten lautlos die graue Flut verdrängen, mein Gesicht von einem friedvollen Lächeln beseelt, das sie zu erwidern scheinen.
Es ist ihr stumm geschenkter Gruß und die Aufforderung:
»Folge mir hinaus!«
~ Freiheit ~
»Was tust du da?«, fragt ein Gedanke.
»Ich gehe auf eine Suche.«
»Eine Suche? Wonach?«
»Nach etwas, das ich verloren habe.«
»Was ist es?«
»Mich selbst«, antworte ich.
Manchmal verrinnt die Zeit so schnell, dass die Seele nicht mehr hinterher kommt und wir das Gefühl haben, uns selbst irgendwo unterwegs verloren zu haben. Zwar sind wir noch da, wir laufen, atmen und bestreiten unseren Alltag. Doch fühlen wir, dass irgendetwas fehlt. Wir sind unvollständig geworden.
Dann brauchen wir eine Pause. Ein lautes »STOP!«, das uns bremst. Damit wir zur Ruhe kommen und unsere Seele uns einholen kann.
Aber gar wenn wir es schaffen, lange genug in dieser Pause auszuharren – sind wir doch ständig getrieben und flüchtig wie der Wind – erreicht uns oftmals nur ein verblasstes Abbild unserer Seele, dass es fortan gilt wieder aufzufüllen.
Wir müssen unsere Seelenlandkarte neu gestalten.
Doch wie zeichnet man diese Welt, die uns so fremd geworden, es vielleicht immer schon gewesen ist? Gab es einst einen Zeitpunkt, an dem wir genau wussten, welche Pfade wir beschreiten sollten, um unser Inneres erblühen zu lassen? Oder lag der Weg schon immer vor uns verborgen?
So oder so – wir müssen den dunstigen Nebel, der das Land unserer Seele verhüllt, lichten. Die regengrauen Wolken eintauschen gegen das satte Grün der Hoffnung, die sonnengelben Strahlen der Freude, das perlende Blau der Ruhsamkeit und das feurige Rot eines erfüllten Herzens. Nur auf diese Weise erlangt unsere Seele Freiheit, sind wir imstande, uns selbst zu empfinden.
Wir müssen dem leisen Flüstern in uns lauschen, dem dumpfen Grollen aus den tiefsten Spalten unseres Seins, das wir so oft zu ignorieren wagen.
Dann wachsen unserer Seele Flügel.
~ Entschleunigung ~
Jenseits unserer alltäglichen Schritte, flüstern einige wenige, existiert eine zweite unbekannte Welt, älter als jene, in der wir heute wandeln. Ihr Reich ist die Stille, das tiefe Einatmen und dehnende Weiten, dessen Sog Körper und Geist besänftigt.
Gelegentlich und meist die Jungen oder Alten unter uns, berichtet ein Augenzeuge von den zierlichen Wesen, die jene Welt bewohnen, die unseren haschenden Blicken verborgen bleibt. Seltener wagte einer von ihnen, die schimmernde Grenze zu überschreiten und das fremde Reich zu erkunden. Und wenngleich sie dort vieles erfuhren, das ihnen auf irgendeine Weise vertraut erschien, und sie wohlbehalten und obendrein beschenkt mit reichen Gaben zurückkehrten, traten sie alsbald in ihre gewohnten Fußspuren, bis sie sich eines Tages nicht mehr an ihren Ausflug erinnerten. Nicht zuletzt, weil jene, denen sie davon erzählten, ihnen keinen Glauben schenkten oder nicht zuhören wollten. Denn längst hatten die meisten Bewohner unserer Welt alle Türen zugeschlagen, die sie aus dem rasenden Nebeltunnel, in dem sie vorwärtstrieben, hätten herausführen können. So blieb die Stille ihnen ein fremder Ort, die plätschernden Bäche und tanzenden Wiesen, die einsamen Küsten und die schattigen Haine. Doch war dies nicht immer so.
Es gab eine Zeit, da waren die Bewohner jenes Reiches unsere Freunde, ja mehr, unsere engsten Vertrauten, die Wegweiser unserer Seelen, die sie leiteten mit ihrem lieblichen Gesang. Es waren harmonische Klänge, seidig rauschend wie Wasser, heiter wirbelnd wie der Wind, eifrig wie züngelndes Feuer und heilsam wie die Kräfte der Erde. Sie vereinten unsere Seelen mit den uralten Mächten der Natur, die Ursprung von allem sind, das jemals war, ist oder sein wird. Und wie ihre Stimmen so waren ihre Farben, bunt und lebendig, sprudelnd und mildernd, und wo sie einander begegneten, mischten sich Farben und Klänge und schöpften die Welt neu.
Einst waren es auch unsere Gesänge und Farben. Doch unsere Lieder erwuchsen zu donnerndem Trubel und die gefühlvollen Melodien zerhackten sich selbst in gebrochene, klanglose Töne. Unsere Farben verblassten mit den Jahren und das alte Wissen ging verloren, fiel in den Tiefen unserer Herzen in Vergessenheit.
Unsere Brüder und Schwestern aus vergangenen Tagen bewahrten jene Weisheit und erinnern sich bis heute an unseren einstigen Bund. In den lärmenden Städten vermögen wir ihre Stimmen nicht zu hören, die noch immer singen und nach uns rufen. Das hektische Flackern unserer Abkehr überdeckt ihre prächtigen Farben.
Das Reich, das wir, die Entfremdeten, uns selbst schufen, besitzt keine Augen. Wir haben unsere Sehkraft eingebüßt, sind blind für den Kern, der uns ausfüllt, und taub für die friedvolle Stille, die uns allen einst innewohnte.
Die Natur stattete einen jeden von uns mit der Vielfalt an Farbtönen aus. Der einzelne Tropfen winzig, einladend zu wachsen, seine Nuancen zu verfeinern und den eigenen Gehalt zu kräftigen. Gemeinsam verbanden sie sich zu einer einzigartigen Vollkommenheit, deren strahlend weißes Licht aus unserem Innersten nach außen drang und so die Welt erhellte. Jetzt ist es ein schmutziges Weiß, vielmehr ein Grau, das die Wahrheit in uns verschluckt und wie eine zähe, klebrige Schlammschicht auf den zarten Knospen lastet, die aus den Tiefen unserer Mitte keimen.
In den abgeschiedenen Winkeln unseres trüben Gemenges, in den seltenen Augenblicken, flüchtig wie der Flügelschlag eines Vogels, der im Atem der Welt, den wir einst kannten, dahingleitet, erahnen unsere Seelen das vertraute Raunen unseres urtümlichen Selbst. Doch zu schnell vergeht die Stille, niedergestoßen von den paukenden Trommeln, an deren Dröhnen wir uns gewöhnt haben, dass wir ihr Verstummen als unheimlich empfinden, es oftmals regelrecht fürchten. Zu flüchtig, um die Erinnerung wurzeln zu lassen, weshalb unsere Seelen die flüsternden Melodien nicht wahrhaft erfassen können.
