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Aufstehen. Arbeiten. Essen. Schlafen. Und dasselbe von vorn. Immer wieder. Mättu und Evee wollen mehr vom Leben. Sie beschließen, Job und Wohnung zu kündigen, in die Welt hinaus zu ziehen und Neues zu erleben. Was als einjährige Reise um den Globus geplant war, stellt sich schnell als Reise zu sich selbst, zu den eigenen Sehnsüchten und bereits abgehakten Lebensträumen heraus. Stets auf der Suche nach Antworten starten sie einen Blog, in dem sie das Erlebte verarbeiten und den Daheimgebliebenen von der Fremde berichten. Die so entstandenen Texte erzählen von berührenden Begegnungen, entlegenen paradiesischen Orten und schonungslos ehrlichen Auseinandersetzungen mit der Welt und sich selbst. Dieses Buch ist keine gewöhnliche Aneinanderreihung von Reiseberichten. Es ist ein Reisetagebuch mit vielen persönlichen, detaillierten Schilderungen über die Wahrnehmung des Fremden aus der Sicht zweier inspirationshungriger Spätzwanziger, vollgespickt mit intimen und humorvollen Einsichten über die eigenen Vorurteile und Abgründe, wie sie sich einem nur auf Reisen offenbaren. „Die Kultur, in der wir aufwachsen, bestimmt einfach alles. Sämtliche Wertungen und Definitionen von schön und hässlich, erstrebenswert und verwerflich, gut und böse, kannst du über den Haufen werfen, wenn du auf Reisen bist. Es ist, als käme man gerade erst auf die Welt. Hilflos wie ein Neugeborenes, ohne Bezugspunkt, ohne Referenz. Einzig ein dicker Reiseführer sagt dir, wie du dich fühlen und kleiden sollst. Und obwohl du schon hunderte Male darüber gelesen hast, verhält es sich mit dem Reisen in ferne Länder ähnlich, wie mit der Liebe: Erst wenn du es selbst erlebst, erkennst du, was es wirklich bedeutet.“
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Seitenzahl: 472
Veröffentlichungsjahr: 2016
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DIE AUTOREN
PROLOG
COUNTDOWN
AFRIKA
ASIEN
OZEANIEN
SÜDAMERIKA
EPILOG
MÄTTU UND EVEES WELTREISE ABC
REISEROUTE
STATISTIK
DANK
Matthias „Mättu“ Röthlisberger (*1983), aus Bern, hat sich nach seiner Banklehre bei der UBS den Traum von der Karriere als Radiomoderator erfüllt. Bei Radio BE1, Pilatus und Energy entdeckte er neben seinem Talent als Medienschaffender seine Leidenschaft für Musik und Songwriting. Sein zweites Album „Einisch um d’Wäut“ ist im Herbst 2015 erschienen und erzählt von der Weltreise, die in diesem Buch beschrieben ist. Hauptberuflich arbeitet Mättu heute für den Schweizerischen Fussballverband als Moderator und Journalist.
Eveline „Evee“ Schwegler (*1983), aus Willisau, hat nach dem Studium der Politikwissenschaft in Zürich auf die Karte Medien gesetzt und bei Radio Pilatus in Luzern eine Ausbildung als Radiojournalistin absolviert. Ihre Begeisterung für analoge Fotografie hat sie auf Weltreise aus Platzgründen zugunsten der digitalen aufgegeben. Gegenwärtig ist sie für die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig sowie als freiberufliche Autorin und Moderatorin.
Die Welt ist ein Buch.
Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.
Aurelius Augustinus
Evee. Was war es noch gleich, das ich vom Leben gewollt habe? Arbeiten, Essen, Schlafen? Und das Ganze von vorn? Jeden Tag? Mitnichten.
Ich wollte raus in die Welt, Abenteuer erleben, Sprachen lernen, Grosses tun, vielleicht sogar mal in einem Geschichtsbuch stehen. Und doch fand ich mich im Jahr 2010 wieder bei Mam eingezogen, fünf Tage die Woche zur Arbeit pendelnd, erschöpfter von Tag zu Tag, keine Erfüllung findend. Mochte ich meinen Job? Ja, eigentlich schon. Wo sonst konnte ich meinen Rededrang stillen, wenn nicht beim Radio.
Und doch zog es mich weg. In die Politik? Oder vielleicht doch hinter die Migros-Kasse? Hatte ich was übersehen? Hatte ich womöglich Talent zum… Elefanten Dressieren? Bäume Pflanzen? Restaurant Führen? Reden Schreiben? Ich war fast 30 Jahre alt und hatte – um ehrlich zu sein – noch immer keinen Plan, wohin mein Leben gehen sollte. Nur eins wusste ich. Ich wollte weg. Weg!
Es war gerade Hochsommer. Mättu und ich sassen auf dem Dach seines Wohnhauses. Der Dachausstieg ist für Unbefugte eigentlich verboten. Aber wir fühlten uns an jenem Tag gerade sehr befugt dort oben zu sein. Die Sonne über Luzern ging gerade unter. Mättus Gesicht war in warmes, orangefarbenes Licht getaucht. Wir sassen auf dem Steinplattenboden, tranken portugiesisches Bier aus Flaschen.
Mättu erzählte, dass er noch nie länger weg war. Mit Ausnahme von Amerika, mit 21, vier Wochen lang durch den Westen. Und natürlich Portugal, wo er geboren wurde. Aber daran erinnert er sich nicht mehr. Als er gut ein Jahr alt war, zogen seine Eltern wieder zurück in die Schweiz. Er erzählte mir von seinem Vater, der viel durch die Welt gereist ist. In seinen Augen leuchteten die Bewunderung und die Sehnsucht, selber mal in die Fremde zu ziehen.
Den Gedanken kannte ich nur allzu gut. Alle Stricke durchtrennen und los. Einfach weg. Einfach so. Noch nicht mal unbedingt mit einem bestimmten Ziel. Im Koffer nur ein paar Sachen für warme und kalte Tage, am Flughafen Last Second in den nächsten freien Flieger und Adieu. Auf in die Welt. Bis man eines schönen Tages auf der anderen Seite des Horizonts wieder auftaucht. Aber eben, man redet darüber und tut’s dann doch nie. Schliesslich hatten wir hier unsere Jobs, eine Wohnung, unsere Freunde.
„Und was, wenn wir’s doch tun? Wir hauen einfach ab, ein Jahr oder so, lassen uns treiben von unserer Reiselust und kommen nach Hause, wenn wir damit fertig sind.“
„Dann müssten wir ja quasi wieder von vorne anfangen, wenn wir nach Hause kommen. Job- und Wohnungssuche gleichzeitig. Was für ein Stress!“
„Na und? Ist doch gar kein so furchtbarer Gedanke, dieses «Neu Anfangen». Wer weiss, vielleicht packen wir die Dinge danach ganz anders an? Suchen uns neue Berufe, eine neue Bleibe, vielleicht sogar ein neues Land? Hast du denn nicht auch dieses leise Gefühl, dass sich was ändern muss?“
Und ob ich das hatte. Ich hatte genug von den Tagen, die einfach so vor sich hin dümpelten, an deren Ende man nicht so recht weiss, ob man nun froh sein soll, dass sie vorbei sind oder traurig über die verlorene Zeit. Womit verplempere ich meine Zeit hier eigentlich? Fragen stellen, die mich nicht interessieren. Probleme wälzen, die gar keine sind. Abend für Abend schaute ich beim Zähneputzen in den Spiegel und glaubte, mir beim Altern zusehen zu können. Ich sah mich im Zeitraffer alt werden in dem wohlbehüteten Kokon Schweiz, ohne was von der wirklichen Welt da draussen mitbekommen zu haben. In der Tat, es musste sich was ändern.
„Also los, tun wir’s! Kündigen wir unsere Jobs! Stellen unsere Sachen in eine Garage und reiten zusammen ein Jahr in den Sonnenuntergang! Aber vorher heiraten wir!“
„Und vielleicht legen wir vorher noch was auf die hohe Kante.“
„Ach so, ja. Das natürlich auch.“
Bevor wir uns versahen, waren wir zusammen in eine günstige Einzimmerwohnung gezogen, hatten uns einen Weltatlas gekauft und suchten unsere Reiseziele aus.
Nach anderthalb Jahren Sparen und Wohnen auf engstem Raum waren wir so weit: Das Round-The-World-Ticket war bezahlt, das Konto einigermassen gefüllt, die Hochzeitseinladungen verschickt, Mättus erstes Album in den Startlöchern, der Reiseblog für die Daheimgebliebenen eingerichtet und wir lebendiger denn je! Und so begann unser Abenteuer.
Evee. Der Tag der Abreise rückt näher! Langsam aber sicher sollten wir uns um die Visa kümmern. Unser (vorläufiges) Reiseprogramm sieht in etwa so aus:
20. April: Abreise nach Südafrika, wo wir zunächst einige Tage bei einem alten Freund von Mättus Vater bleiben. Anschliessend sechswöchige Tour durch Afrika: Namibia, Botswana, Sambia, Simbabwe, Malawi, Tansania bis nach Nairobi (Kenia). Dort wohnen wir eine Weile bei meiner Freundin Isa, die praktischerweise dort soeben einen neuen Job angenommen hat.
Mitte Juni geht’s weiter nach Nepal und Indien, wo wir uns den Bauch mit indischem Essen vollschlagen und den Speck im Himalaya anschliessend wieder abtrainieren.
Im Juli besuchen wir Südostasien, also Thailand, Vietnam, Laos und Kambodscha. Dort kriechen wir bei unserer Freundin Corinne unter. Die ist Tauchlehrerin auf der thailändischen Insel Ko Tao. Je nach Wetter machen wir einen spontanen Abstecher nach Bali (Indonesien).
Ungefähr im November reisen wir weiter nach Australien, wo wir einen Monat lang im Camper von Sydney bis Adelaide fahren. Danach geht’s auf die Fiji Inseln, wo wir uns nichts als die Sonne auf den Bauch scheinen lassen.
So um Weihnachten werden wir in Neuseeland landen, wo wir einen Monat lang im Mietauto durch die Nord- und Südinsel tuckern und nach Frodo und dem Ring suchen. Anschliessend geht’s nach Tahiti, von wo aus wir die Südsee erkunden und vielleicht mit dem Frachtschiff auf die Marquesas fahren…
Danach geht’s weiter zur Osterinsel inmitten des Pazifiks. Ungefähr im Februar 2013 kommen wir dann in Santiago de Chile an, von wo aus wir das letzte Stück der Reise planen. Je nach Geld und Zeit lassen wir uns durch Südamerika treiben. Voraussichtlich Ende März dann machen wir uns auf den Rückflug von Lima (Peru) zurück nach Zürich.
Aber zuerst noch müssen wir Mättus CD-Taufe feiern, aufhören zu arbeiten, umziehen, packen und ach ja… heiraten!
Evee. Apropos heiraten… bald ist es soweit. Das Menü ist ausgewählt, das Aufgebot bestellt, das Brautkleid so gut wie fertig. Nur der Anzug des Bräutigams fehlt noch…
Evee. Nun ist es amtlich: Wir sind Mann und Frau! Am 30. März 2012 haben wir uns im Standesamt in Willisau das Ja-Wort gegeben.
Nach dem Apéro im Schlosshof ging’s weiter in den wunderschönen Rosengarten oberhalb der Stadt Bern, wo wir mit unseren Freunden und Familien fürstlich verköstigt wurden. Im Hotel Gurten haben wir den wunderschönen Tag zu zweit ausklingen lassen.
Besten Dank an alle! Wir haben den Tag unglaublich genossen! Nun also kann die Weltreise kommen. Bald geht’s los!
Evee. So, nun ist es soweit! Der Tag der Abreise ist da. In einigen wenigen Stunden sitzen wir im Flieger nach London, von da aus geht’s nachher weiter nach Kapstadt. Dort verbringen wir die ersten Tage bei Freunden von Mättus Vater, bevor es am Mittwoch auf die sechswöchige Afrika-Tour geht. Von dort aus sind wir dann wohl nicht mehr so gut erreichbar, aber auch in Afrika soll man hie und da Handy-Empfang haben.
Die Probleme mit dem Visum für Malawi werden wohl auch irgendwie noch behoben werden. Gestern (!) hat unser Reiseveranstalter nämlich noch gemerkt, dass wir vorab ein Visum für Malawi brauchen. Dumm bloss, dass die Malawische Botschaft in Brüssel ist. Und ob man das Visum sonst wo besorgen kann, steht in den Sternen. Nun gut, schlimmstenfalls überspringen wir dann halt den Malawi-Teil der Tour. Jedenfalls geht’s jetzt in die finale Packrunde: Taschentücher, Gastgeschenke und Pässe liegen griffbereit.
Liebe Leute zu Hause: Wir wünschen Euch ein wundervolles Jahr mit tollen Erlebnissen, die’s ja auch hier gibt. Wir melden uns, sobald wir Zugang zu Internet etc. haben. Wir freuen uns über alle SMS, Facebook-Nachrichten, Emails und Blog-Kommentare! Schliesslich werden wir ja auch zwischendurch etwas Heimweh verspüren. Also, spart nicht mit Nachrichten.
Herzlichen Dank nochmals an alle, die uns geholfen haben, diesen Traum zu verwirklichen! Alles Gute!
Mättu & Evee
Evee. Endlich Internet! Nach rund zehn Tagen auf Weltreise haben wir zum ersten Mal Internetzugang und ganz ehrlich: Das ist herrlich!
Die ersten Tage haben wir wie geplant in der Nähe von Kapstadt bei Freunden von Mättus Vater verbracht. Sie haben uns herzlich in Empfang genommen und uns die Umgebung rund um Kapstadt gezeigt. Kapstadt selbst haben wir auf eigene Faust erkundet und zwar ganz touristengerecht mit dem roten Hop-On/Hop-Off Bus. War gar nicht mal so schlecht, zumal die Tafelberg-Seilbahn aufgrund des starken Windes sowieso geschlossen war und mit dem Bus konnten wir zumindest bis zur Talstation fahren und die Sicht auf Kapstadt geniessen.
Zwei Tage später ging’s dann los mit der Overlander-Tour und bis jetzt können wir sagen, ist es echt super! Wir sind ziemlich froh, dass wir Afrika nicht mit dem Mietauto bereisen, denn wie wir gesehen haben, kann das ziemlich gefährlich sein. Vor allem die Strassen sind unberechenbar. Schon mehr als einmal haben wir am Strassenrand Mietautos gefunden, die sich überschlagen haben.
Im Moment sind wir rund zehn Leute im Tour-Truck, davon zwei Tourbegleiter. Die sind sehr kompetent, wissen praktisch alles rund um Afrika und kochen auch noch sehr gut. Denn meistens werden wir aus der Truck-Küche bekocht. Janis, wie wir den Truck liebevoll nennen, wurde speziell für diese Art von Tour designt und hat überall irgendwo eine Luke, wo genau ein Tisch, ein Stuhl, ein Zelt oder anderes Material verstaut werden kann.
Die Fahrten in Janis sind lang, aber relativ komfortabel. Die Nächte verbringen wir meistens im Zelt, das wir mittlerweile recht schnell auf- und abbauen können (Sturmschnüre nicht inbegriffen). Und wir haben gemerkt: In Afrika ist es nicht per se warm, in den frühen Morgenstunden wird’s ziemlich kalt und das Thermometer rutscht gerne mal unter 5°C. Das Material, die Kleider und unsere Schlafsäcke sind aber ziemlich robust, alles in allem haben wir wohl das Richtige eingepackt. Allzu viel Zeit verbringen wir jeweils aber nicht in unseren Zweier-Zelten, denn meistens räumen wir das Lager noch vor sechs Uhr früh! Das hat uns am ersten Morgen noch etwas Sorgen bereitet, doch mittlerweile steigt sogar Mättu leichtfüssig aus den Federn.
Nachdem wir die südafrikanische Hauptstadt hinter uns gelassen haben, haben wir unsere erste Nacht auf einem komfortablen Zeltplatz inmitten von Orangenhainen nördlich von Kapstadt verbracht. Den nächsten Tag haben wir dann mehrheitlich im Bus zugebracht, wir mussten schliesslich unser nächstes Lager vor Sonnenuntergang erreichen. Angekommen am Orange River an der Grenze zu Namibia hatten wir dann das erste Mal Zeit, Afrika etwas von der ruhigeren Seite zu geniessen. Der breite, leise fliessende Orange River bot wirklich einen einzigartigen Anblick.
Am Tag darauf überquerten wir die Grenze zu Namibia – ein Land das zuerst unter der Herrschaft der Deutschen und später unter der Fuchtel der Südafrikaner war. Heute ist Namibia seit mittlerweile 20 Jahren unabhängig und die Touristen bringen zumindest etwas Geld ins Land. Verständlich, denn es ist ein wunderschönes Land. Die hellgrünen Graslandschaften, die Dünen der Wüste und die endlose Weite mit kilometerweise nichts als freier Natur sind wirklich atemberaubend. Der Sonnenuntergang in der Wüste Namib war mitunter das Schönste, das ich je in meinem Leben gesehen habe!
Nun sind wir mittlerweile in Swakopmund angekommen, einer sehr touristischen, verhältnismässig reichen Stadt in Namibia. Hier haben wir zwei Nächte in einem Hostel mit richtigen Betten verbracht. Morgen geht es nun weiter Richtung Etosha Nationalpark, wo wir dann zum ersten Mal so richtig auf Safari gehen. Doch schon jetzt haben wir einige wilde Tiere ganz in der Nähe der Strassen gesehen: Springboks (afrikanische Rehe), Kudus (grosse Rehe), Strausse und Zebras. Bevor es ab morgen aber wieder in den Busch geht, duschen wir nochmals so richtig. Denn danach haben wir fast drei Tage lang keine Gelegenheit dazu. Nun gut, dann muss halt das Deo auch mal was tun.
Fazit also nach den ersten zehn Tagen der Weltreise: Uns geht’s gut, Afrika ist wunderschön doch Internet ist rar. Warten wir ab, wann wir das nächste Mal Gelegenheit haben zu schreiben. Bis dahin drücken wir Euch alle ganz lieb und hoffen, Euch geht’s auch gut!
Evee. Wir sind mittlerweile in Windhoek (sprich Windhuk), der Hauptstadt von Namibia angelangt. Hier verbringen wir die Nacht erneut in einer Pension, wo wir uns von den Strapazen des Campens erholen können. Internet funktioniert, aber nur sehr langsam. Immerhin.
Die letzten zwei Tage haben wir im Etosha Nationalpark verbracht. Mit unserem Vehikel Janis sind wir kreuz und quer gefahren, stets auf der Suche nach einem Elefanten, Löwen, Geparden oder Nashorn. Und tatsächlich haben wir einige Löwen und Elefanten, Zebras, Springboks, Schakale und Kudus aus nächster Nähe gesehen.
Seit Swakopmund haben wir drei Leute mehr mit auf der Tour. Alles Deutsche. Eine ist sogar über 70. Zum Campen taugt sie leider gar nicht. Die anderen beiden können kaum Englisch und haben einen etwas nervigen Sächsischen Akzent. Nun denn…
Uns geht’s weiterhin gut, allerdings plagen uns einige Magenprobleme. Nein, kein Durchfall.
Je weiter östlich wir gelangen, umso schwieriger dürfte alles werden. Ostafrika ist offenbar eine ganz andere Welt als die, in der wir uns derzeit befinden. Südafrika, Namibia und Botswana sind noch recht westlich. Danach nimmt’s rapide ab, sagt jedenfalls unser Tourleader Norman. Mal sehen. Morgen geht’s jedenfalls über die nächste Grenze nach Botswana, ab ins Okavango-Delta.
Evee. Hellau aus Maun – Botswana! Mättu und ich sind mittlerweile eine Station weiter und weilen nun in einer Stadt namens Maun. Hier campen wir erneut ziemlich im Busch und versuchen uns von der Nacht in der Kalahari zu erholen. Es war saukalt! Ausserdem haben wir’s im Moment etwas mit dem Magen. Aber das gehört hier zum guten Ton. Wahrscheinlich eine Kombination aus ungewohntem Essen, heissem trockenen Klima und den sehr langen Busfahrten. Stinken tun wir wohl auch etwas. Mättu hatte letzthin schon Angst, sich eine „Füdlivergiftung“ zu holen von all den Käsefüssen, die jeweils auf den Bussitzen liegen. Aber alles in allem sind wir wohlauf.
Je weiter ostwärts wir fahren, umso ärmer werden die Menschen. Jedenfalls deuten die Behausungen darauf hin. Die Leute wohnen oft in einfachen Hütten aus Lehm und Stroh. In so was würden wir in der Schweiz noch nicht mal unser Holz stellen. Komischerweise gibt es in Botswana keine Zäune, aber sehr viel Vieh. Und so kommt es, dass ich hier inmitten einer Stadt am Computer sitze und neben mir steht ein Huhn. Auch zum Autofahren ist’s hier bestimmt nicht einfach.
Morgen fahren wir ins Okavango Delta. Dort gibt es noch nicht mal einen Zeltplatz. Wir werden inmitten der Wildnis campen. Deshalb müssen wir auch, bevor wir uns nachts aufs nicht vorhandene Töpfchen schleichen, mit der Taschenlampe vors Zelt leuchten. Ansonsten könnte uns da eine Überraschung erwarten. Einige Menschen, die schon im Delta waren, sagen aber, es sei der schönste Ort der Welt. Das lassen wir uns also bestimmt nicht entgehen!
Vom Malawi-Visum gibt’s auch was Neues: Damit wir da überhaupt einreisen dürfen (übrigens ist das für alle anderen Europäer kein Problem, nur für Schweizer), müssen wir nun express ein Visum in der Hauptstadt von Sambia, Lusaka, besorgen. Die Tour führt da zwar durch, hält aber nur kurz. Deshalb verlassen wir in Victoria Falls (Simbabwe) kurzzeitig die Tour und fliegen voraus um so etwas mehr Zeit in Lusaka zu haben, damit wir das Visum für Malawi dort beantragen können.
Unser Reisebüro bezahlt das übrigens alles, weil es ja deren Fehler war. Die waren sehr unkompliziert, wir konnten sogar den Flug wählen (hätte auch Busse gegeben). Im Trockenen ist aber noch nichts, da laut der Internetseite der malawischen Botschaft ein Visum zu erhalten drei Tage dauert. Nun hoffen wir, dass wir die Leute dort überzeugen können, etwas schneller zu arbeiten.
Mättu. Hallo, liebe Freunde. So, die erste Hälfte der Afrika-Tour ist vorbei. Zeit für meinen ersten Blogeintrag. Vorab: Afrika ist gar nicht so anders. Auch hier gibt es Strassen und Häuser und Geschäfte. Aber der Reihe nach.
Nach dem ersten Flug Zürich–London–Kapstadt verbrachten wir die ersten paar Tage in Kapstadt und Umgebung bei Jürg und Ingrid, einem Schulkollegen meines Vaters und seiner Frau (Danke!).
Kapstadt und vor allem die Umgebung sind wunderschön: das Kap der Guten Hoffnung, die Pinguine bei Simon’s Town, die Baboons (Affen) auf der Strasse, der Strand bei Camps Bay, die wilden Seals (Seelöwen), der Tafelberg mit dem Lions Head und dem Signal Hill. Nebst der schönen Landschaft war es für mich aber vor allem eine Reise zurück in den Geschichtsunterricht.
Seit die Buren (niederländische Bauern) und später die Engländer hier gewütet haben, ist das Land tief gespalten. Die Gräben zwischen Schwarz, Weiss und Coloureds (Mischlinge) sind riesig. Genauso wie die Schere zwischen Villenviertel und Townships. War die Apartheid früher „rechtlich“, so ist sie heute wirtschaftlich. In den Townships gibt es inzwischen Unruhen zwischen den einheimischen Südafrikanern und den Ausländern, wie zum Beispiel den Wirtschaftsflüchtlingen aus Simbabwe, die nach Südafrika kommen um zu arbeiten.
Als ich mein KFC-Menü an der Waterfront in Kapstadt nicht zu Ende gegessen hatte, kam Virginia aus Port Elizabeth zu mir und fragte, ob sie es haben könne. Sie ass mein angekautes Poulet.
Von Kapstadt ging’s dann auf die Nomad-Tour. In 42 Tagen von Kapstadt nach Nairobi. Camping anstelle Unterkunft mit richtigem Dach ist etwa um die Hälfte günstiger. Aber die Zelte sind in fünf Minuten auf- und wieder abgebaut. Man (sogar ich) gewöhnt sich dran.
Die Trucks sind extra für diese Art zu reisen gebaut (in jede Luke passt noch ein Tisch). Und die Trucks kriegen Namen von verstorbenen Sängerinnen. Unser Truck für die erste Tour-Hälfte hiess Janis (not a Mercedes-Benz but a Mitsubishi). Und vor allem waren Norman (der Tourguide) und Servius (der Fahrer) grossartig. Beide kommen aus Simbabwe. Ihr merkt es an der Vergangenheitsform: Im Moment sind wir in Simbabwe bei den Victoria Falls, und Janis sowie Norman und Servius werden ausgetauscht. Halbzeit halt.
Zuvor ging es mit Norman, Servius, Eric und Louisa (US of A), Eddy (Niederlande), Jimmy Kim (Südkorea), Maita (Deutschland) und später Gerd, Sascha und Ursula (Deutschland) durch Südafrika, Namibia und Botswana.
So fuhren wir bisher durch Südafrika (Geschichte schon erzählt), Namibia (die Deutschen haben das als Kolonialmacht irgendwie einen Tick „besser“ hingekriegt), Botswana (stabilste Demokratie Afrikas) und Simbabwe (Mugabe ist hier weit weniger umstritten als in Europa. In Windhoek gibt es sogar eine Strasse, die nach ihm benannt ist und in der Lobby unseres Hotels hängt ein Portrait von ihm).
Wenn wir in den National Parks sind, machen wir mit Janis sogenannte Game-Drives. Da sahen wir auch die Löwen aus sicherer Distanz von fünf Metern. Im Okavango-Delta fuhren wir mit Nussschalen in die freie Wildnis. Evee wird noch über unsere Erfahrungen mit den Spinnen dort berichten.
Uns geht es extrem gut. Irgendwie sind wir in den Spirit of Africa eingetaucht. Hier wird getanzt und gesungen – und einfach gelebt. Es wird mit der Natur gelebt. Die Tiere können sich frei bewegen. Das Reich der Pflanzen gilt als Apotheke, Elefantenscheisse wird als Insektenschutz verbrannt, die Energie wird von der Welt geborgt und nach dem Tod wieder zurückgegeben (die lebendigen Tiere essen die Überreste der toten). Wo die Armut nicht all zu gross ist, wie zum Beispiel in Maun (Botswana), lebt die Stadt. Es braucht nicht überall Parkbussen und die Streifen darf man gut und gerne den niedlichen Zebras überlassen.
Afrika ist vor allem ein Gebiet aus verschiedenen Stämmen (tribes). Die Kolonialmächte kamen, nutzten Land und Leute aus und hinterliessen (abhängige) Nationalstaaten, was der europäische Weg sein mag, allerdings nicht viel mit Afrika zu tun hat. Hier in Simbabwe waren die Engländer aktiv. Nun sind die Shona, welche im Norden des Landes wohnen und mehr mit Tansania zu tun haben als mit Simbabwe und die Ndebele, welche im Süden des Landes wohnen und mehr mit den südafrikanischen Zulu zu tun haben, „gezwungen“ gemeinsam in einer Nation zu leben. Sie sprechen noch nicht einmal die gleiche Sprache. Eine gemeinsame Währung gibt es auch nicht mehr. Hier bei den Vic Falls kann man in US-Dollar, Südafrikanischen Rand, Botswana Pula, Britischem Pfund und Euro bezahlen. Wenn das Wechselgeld fehlt (keine Münzen), dann gibt es im Supermarkt halt noch einen Kaugummi dazu. Norman (unser Tourguide, Shona) arbeitete früher in Simbabwe. Der Lohn reichte da gerade um die Busfahrt zum Arbeitsplatz zu bezahlen. Als er Schulden machen musste um zur Arbeit zu gehen, hat er gekündigt. Fortan arbeitete er auf dem Schwarzmarkt. Ein Liter Benzin konnte innert weniger Stunden doppelt so teuer sein. Aufgrund der Inflation kann man hier nun mit allem bezahlen und es gibt keine Währung mehr. Ach ja, auf der Strasse verkaufen sie heute noch die alten Billionen-Noten – als Souvenir.
Ich glaube, wenn man Afrika helfen will, dann braucht es hier vor allem Bildung. Wenn die Shona und die Ndebele Englisch können, dann können sie zumindest zusammen sprechen. Zudem braucht es Knowhow. Nur so kann man die Schere zwischen Arm und Reich schliessen. Ubuntu (miteinander) ist eines der Wörter, welches ich gelernt habe. Ansonsten ist Afrika, wie gesagt, nicht so viel anders. Auch hier gibt es Poolhallen, in welchen man Manchester City gegen Manchester United sieht.
Um den Kreis nach dem wirren Verlauf etwas zu schliessen hier die letzten Erkenntnisse: Evee ist wirklich ein Hundeflüsterer. Südkoreanerinnen schützen sich mit allem, was ein Supermarkt zu bieten hat, vor der Sonne (das ist hier ein bisschen schwierig, deshalb lustig). Auch wenn ich an einem Abend kurz Fieber hatte, habe ich keine Malaria. Mein neuer Übername ist Vasco (da Gama). Mit Evee habe ich mein Zuhause bei mir und ich habe meinen Schalter von Senden auf Empfangen umgeschaltet. Schön, wieder etwas zu erleben, zu sehen und zu lernen. Ich grüsse Euch ganz lieb! Alles Liebe und Gute und bis bald!
Mättu
PS: Morgen fliegen wir nach Lusaka (Sambia, Home of Emanuel Mayuka), wo wir hoffentlich das Malawi-Visum kriegen. Dann geht es weiter durch Malawi und Tansania bis zu Isa, Evees Freundin, nach Nairobi, Kenia. Ich freue mich!
Evee. Sind vier Elefanten zehn Millionen Spinnen wert? Ums gleich vorweg zu nehmen: Nein. Aber beginnen wir von vorne.
In Maun, unserem letztem internetfähigen Zwischenstopp, blieben wir nur eine Nacht. Eine eher kalte Dusche vor dem Abendessen, dann Essen am Lagerfeuer, danach schnell ins „Bett“. Am nächsten Morgen hiess es nämlich wie gewohnt früh aufstehen. Auch dies Mal zerlegten wir unser Zelt bereits vor Sonnenaufgang. Danach allerdings ging’s nicht sonst wieder zurück zu Janis, unserem Truck, sondern wir verluden alle unsere Zelte und etwas an Gepäck auf ziemlich alte, ziemlich stinkende Armeefahrzeuge. Ab ins Okavango-Delta!
Eine recht holprige Stunde später kamen wir an unserem Ziel an: Dem letzten kleinen Stückchen Festland vor dem Delta. Von dort aus nahm das Übel seinen Lauf. Auf winzigen Langbooten, genannt Mokoros, fuhren wir drei Stunden (!) zu zweit eingepfercht auf dem Okavango-Fluss-Delta.
Angestossen wurden wir von einer 33-jährigen Motswana, die dazu erstaunlicherweise nichts weiter benutzt hat, als einen langen Stock. Das lange Sitzen war bei weitem nicht mein grösstes Problem. Zunächst war’s ja noch ganz idyllisch, so ruhig und schön auf dem beschaulichen Okavango-Delta zu schippern. Doch als das Schilf dichter und die Seewege unerkennbarer wurden, kam’s dicke: Spinnen, Spinnen, überall Spinnen! Und das Schlimmste: Weil das Mokoro nur etwa 30cm hoch ist, darfst du auf keinen Fall wackeln, sonst landest du und dein Schlafsack im Wasser! Hmm, einfacher gesagt als getan, wenn die Mutter aller Spinnen zwischen deinen Beinen hockt! Also haben Mättu und ich all die Spinnen fein säuberlich und ruhig aus dem Boot schmeissen müssen!
Phhhhh… ich sag’ euch, nach drei Stunden die Urangst schlechthin unterdrücken war ich komplett am Ende. Als wir endlich das rettende Festland im Delta erreichten, zitterte mein ganzer Körper, meine Nerven waren kaum noch vorhanden. Die nächsten zwei Tage lang konnte ich praktisch nichts essen, im Wissen darum, dass wir früher oder später den gleichen Weg wieder zurück nehmen würden.
Im Delta selber gab’s nicht besonders viel zu tun. Direkt am Wasser unter ein paar Bäumen richteten wir uns ein sehr einfaches Zeltlager ein. Als WC diente uns lediglich ein ausgegrabenes Loch, auf das wir jeweils etwas Sand schütteten, nachdem wir unser Geschäft verrichtet hatten. Stühle, Tische gab’s natürlich nicht, einige Kochtöpfe, Konservendosen und abgefülltes Trinkwasser waren die einzigen erlaubten Luxusgüter an Bord der Mokoros.
Ausserhalb des Camps durften wir uns nicht bewegen, schliesslich waren wir nun mitten im Busch und um die Ecke konnte jederzeit ein Elefant, ein Nilpferd oder ein Löwe auf uns lauern. Also taten wir, was wir schon länger nicht mehr getan hatten und legten uns wieder mal so richtig auf die faule Haut. Nix tun ausser lesen, jassen und viel viel schlafen.
Gegen Abend nahmen uns die Einheimischen, die uns auf den Mokoros ins Delta gebracht hatten, mit auf einen Spaziergang in den Busch. Und tatsächlich, nach bereits wenigen Minuten entdeckten wir einen nun wirklich komplett wilden Elefanten. Wie man sich gut vorstellen kann, war der eher schlecht getarnt hinter den paar einsamen Palmen.
Ein paar Schritte weiter kamen wir zum Hippo-Pool, wo sich ein paar launische Nilpferde aufhielten. Die essen das zwar keine Menschen, das hält sie aber nicht davon ab, manchmal einen zu töten, „schlicht weil sie es können“, hat man uns gesagt. Auch als wir am zweiten Abend mit den Mokoros zu einem weiteren Hippo-Pool gefahren sind, haben Mättu und ich uns für die sichere Variante entschieden und haben die Hippos von einem kleinen Eiland aus beobachtet statt in den Booten selber. Es komme nämlich vor, dass die Hippos Boote kentern und die Menschen darin mit ihren Zähnen kurzerhand zerquetschen. (Bei dieser Mokorofahrt habe ich mir übrigens nicht mehr die Mühe gemacht, die Spinnen aus dem Boot zu werfen. Dies Mal habe ich mich bewaffnet und hab sie mit der Wasserflasche platt gemacht.)
Nun gut, zwei Tage auf einer kleinen Insel im Delta hatten uns völlig gereicht. Nun also ging’s an die Rückfahrt. Der Schock vom ersten Mal sass noch immer tief, als ich mich wieder ins Mokoro setzte. Zu meinem Entsetzen war unsere Mokoro-Fahrerin entweder krank oder schwanger. Auf jeden Fall ging sie sich kurz vor der Überfahrt nochmals übergeben. (Habe ich schon erwähnt, dass das Gleichgewicht in so einem Mokoro das A und O ist?) Nun denn, den Schrecken vom ersten Mal noch immer tief im Nacken getraute ich kaum mich zu bewegen, wich jedem Grashalm so gut es ging aus um die Spinnen nicht zu wecken. Und tatsächlich, nach drei Stunden kamen wir mit lediglich vier erlegten Achtbeinern im Boot wieder am lang ersehnten Festland an!
Noch auf der Rückfahrt mit dem Militärfahrzeug zurück ins Camp, wo Janis auf uns wartete, habe ich kaum gesprochen, ich war einfach nur froh, dieser Spinnenhölle entflohen zu sein. Am Camp angekommen erhielten wir dann gnädigerweise etwas Zeit um zu duschen. Nach zwei Tagen im Delta, wo das Lagerfeuer mit getrockneter Elefantenscheisse gefüttert wurde, war das auch dringend nötig. Und mit den paar kleinen Spinnen in der Dusche wurde ich nun locker fertig. Schliesslich konnte ich, anders als im Mokoro, einfach einen anderen Weg einschlagen und notfalls halt eben aus der Dusche springen.
Anschliessend ging’s gleich weiter mit Janis. Rund 350 Kilometer Fahrt zu Planet Baobab. Baobab, so nennen sie ihre 2000 Jahre alten Bäume. Nachts orange beleuchtet und vom Zelt aus beobachtet sehen diese riesigen Bäume ganz interessant aus. Nochmals so richtig unter freiem Himmel duschen, dann abendessen und schon waren wir im Bett.
Noch vor Sonnenaufgang stiegen wir erneut in Janis. Wieder eine lange Fahrt. Das wenige Licht beim Zelt Einpacken war denn auch daran schuld, dass ich mein Bikini, das ich am Vortag zum Trocknen an einen Busch gehängt hatte, habe liegen lassen. Hmm. Minus ein Bikini also. Naja, selbst schuld.
Jedenfalls hat sich die lange Fahrt in Janis erneut mehr als gelohnt. Mittlerweile waren wir nämlich am Fluss Chobe angekommen. Auf dem Weg dorthin haben wir eine Gruppe Elefanten auf der Strasse angetroffen. Die Tiere hier bewegen sich sowieso alle frei. Wer seinen Hund an der Leine Gassi führt, wird schräg angeguckt. Nicht selten muss Janis plötzlich anhalten, weil irgendein störrischer Esel auf der Fahrbahn steht und auch nach lautem Gehupe den Weg nicht frei machen will. Und dann natürlich die Hühner. Die laufen überall frei herum, auch mitten in der Stadt. Einmal sassen wir in einem Fastfood-Restaurant, als ein Huhn hereinspaziert kam und sich im Laden etwas umsah. Herausspazieren hab ich es aber nicht wieder gesehen…
Nun sind wir mittlerweile in Victoria Falls in Simbabwe angekommen. Hier tickt das Leben nun wirklich etwas anders. Die Auswahl im Supermarkt wird kleiner, die Strassen sandiger und die Hostelzimmer bescheidener. Immerhin haben wir hier wieder einmal ein Bett. Zeit zum Durchatmen und natürlich um eines der Sieben Natur-Weltwunder zu bestaunen.
Die Viktoria Fälle sind gigantisch! 400 Millionen Liter Wasser stürzen da pro Sekunde 100 Meter in die Tiefe. Das Getöse könnt ihr euch sicher vorstellen. Das Beste ist aber der Regenwald. Das viele Wasser spritzt nämlich als Sprühregen zurück. Und wie die Guides uns vorgewarnt hatten, waren wir nach unserem Spaziergang an den Klippen der Vic Falls klitschnass. Reinigungsritual nennen die Einheimischen das hier. In der Tat, so sauber waren wir wahrscheinlich vor drei Wochen das letzte Mal.
Mit unseren Ankunft in Vic Falls ist nun die erste Hälfte der Tour beendet. Ab übermorgen beginnt die zweite, die uns nach Ostafrika führen wird. Doch vorher müssen wir uns nun um das Malawi-Visum kümmern. Drückt uns die Daumen!
Evee. Mättu und ich sind gerade in der Lobby des Hotels, in dem wir die vergangene Nacht in Lusaka (Hauptstadt von Sambia) verbracht haben. Gestern haben wir nämlich die Tour kurzzeitig verlassen um mit dem Flugzeug nach Lusaka zu fliegen. So haben wir einen Tag Zeit das Malawi Visum zu kriegen.
Ihr erinnert Euch: Einen Tag vor der Abreise in der Schweiz hat unsere Reiseagentur gemerkt, dass wir für Malawi ja doch ein Visum vorab hätten haben sollen. Nun gut, offiziell dauert die Ausstellung des Visums hier in Lusaka drei Tage. Kommt’s wirklich so, können wir die Tour durch Malawi vergessen, denn sonst reisen wir die ganze Zeit dem Nomad-Truck hinterher. Also entweder jetzt, heute – oder nie.
Heute Morgen früh also sind wir zum malawischen Hochkommissariat gefahren, in der Hoffnung, die Damen und Herren von unseren ehrbaren Absichten zu überzeugen, so dass sie uns das Visum per Express heute noch ausstellen. Beim Eingang hat man uns noch wenig Hoffnung gemacht und als wir aus dem Warteraum zur zuständigen, finster dreinblickenden Mama Africa gerufen wurden, sah ich schwarz (höhö). Doch der Brief, den unsere Reiseagentur uns freundlicherweise per Email geschickt hat, indem sie beteuern, dass die ganze Geschichte deren Fehler und nicht unser ist, hat sie offenbar weich geklopft. Tatsächlich können wir unsere Pässe am Nachmittag abholen! Fragt nicht, was uns das gekostet hat… ein kleines Vermögen jedenfalls… Hoffen wir einfach, dass alles in Ordnung ist, und dass sie uns das Visum auch tatsächlich ausstellen. Keep your fingers crossed!
Nun also sind wir zurück im Hotel (war übrigens sehr nett hier, habe aber trotzdem kaum schlafen können wegen der ganzen Visumgeschichte) und müssen ein paar Stunden totschlagen. Da kommt das hotelinterne WiFi gerade gelegen, auch wenn die Geschwindigkeit mich an die graue Vorzeit erinnert, als die Modems sich noch ins Internet gesungen haben.
Die vergangenen dreieinhalb Wochen fühlen sich hier bereits viel länger an. In Afrika läuft alles viel langsamer, vor allem wenn’s eigentlich schnell gehen müsste. Ihr wollt ein Beispiel? Bitte. So in etwa hat sich unser gestriger Nachmittag vor dem Abflug von Livingstone nach Lusaka zugetragen:
Vereinbarte Abholzeit für den Transfer zum Flughafen: 13.30 Uhr, Abflug 16.30 Uhr. Kosten: ziemlich unglaubliche 62 US-Dollar. Fahrzeit bis zum Flughafen: unbekannt. Um 14.00 Uhr noch niemand mit einem Auto da. Hmm.
Evee: „Excuse me, Madame (at the Reception), when is our taxi driver coming?“
Dame an der Rezeption: „He’s here in five minutes“.
Evee: „Ok.“
Fünf Minuten später. Immer noch niemand hier. Evee langsam nervös. Schliesslich müssen wir über die sambische Grenze um zum Flughafen zu kommen, und das kann unter Umständen dauern.
Evee: „Madame? Where is our driver?“
„Ah, he’s just round the corner.“
„Ooo-kee.“
Zwei Minuten später. Dame an der Rezeption: „He’s here, but he’s just dropping off some other guy.“
Evee: „Hmm…“
Fünf Minuten später. Fahrer kommt zurück. „Sorry guys, I can’t take you to the airport, because I have no Passport!“
Evee: „WHAT?“
„Some other driver will come!“
„When?“
„Ah, just now…!“ (von wegen)
Dame an der Rezeption nun am Telefon um einen anderen Fahrer mit Pass aufzutreiben, der angeblich schon auf dem Weg ist. „Hi XY, where are you now exactly?“ Evee bekommt das mit, nun langsam am Durchdrehen. Mättu nun auch langsam nervös.
Fünf Minuten später.
Dame an der Rezeption: „He’s here in ten minutes.“
Mättu: „Sure?“
Dame: „Sure.“
Zehn Minuten später. Kein Fahrer hier. Zeit bis zum Abflug: 100 Minuten, Taxi-Fahrzeit immer noch unbekannt. Zwei Minuten später. Fahrer mit Pass kommt! Yeay! (In Simbabwe kostete bis vor kurzem ein Pass übrigens ein Vermögen. 700 US-Dollar für dieses kleine Büchlein. Für unsereins schon eine happige Stange Geld, für einen Simbabwer noch viel viel mehr.)
Fahrer: „Hello guys, jump in!“
14.50 Uhr. Endlich Abfahrt mit dem Taxi Richtung Flughafen Livingstone, Sambia.
Fünf Minuten später, Ankunft an der Grenze. Stempel Exit Simbabwe. Fahrzeugwechsel (selbstverständlich braucht man andere Papiere um mit einem simbabwischen Auto über die sambische Grenze zu fahren).
Fünf Minuten später. Nächster Stopp. Passstempel Entry Sambia. „50 USDollar Please.“ Wieder einsteigen. Warten auf Fahrer, der auch noch einen Passstempel und die Fahrzeuggebühr bezahlen muss. Fahrer kommt, fährt los, hält nach zwei Minuten wieder an, kehrt um. Erste-Hilfe-Kasten im anderen Auto vergessen (kostet offenbar viel, wenn du so erwischt wirst). T Minus Abflug: 75 Minuten. Fahrzeit unbekannt, Check-in Dauer unbekannt. Evees Knie am Wippen.
Weitere fünf Minuten später. Fahrer kommt mit Erste-Hilfe-Kasten zurück. Fährt los. 20 Minuten Fahrt.
15.35 Uhr. Ankunft Flughafen Livingstone. Endlich geschafft! Check-in Dauer: lächerliche fünf Minuten! Weg von Check-in-Schalter bis zum Gate: Zehn Meter! Zeit für einen Jass: 45 Minuten.
Ihr seht: Ich bin noch immer viel zu nervös und muss mich noch an die Gemütlichkeit in Afrika gewöhnen.
Evee. Inzwischen sind wir im Herzen Afrikas, in Malawi, angekommen. Wir haben es tatsächlich geschafft! Huhey! Schweizer sind übrigens die einzigen, die ein Visum kaufen müssen. (Fast) alle anderen Nationalitäten kommen hier gratis rein. Ich glaube, grundsätzlich kann man sagen: Je ärmer das Land, umso teurer das Visum. Aber nun gut, wir sind hier.
Mättu und mir geht es zwar gut, aber heute habe ich gerade einen Durchhänger. Irgendwie sind die Duschen immer nur bei mir kalt und die Mücken stechen mich – obwohl es hier Winter ist und eigentlich gar nicht Saison – wirklich überall hin (ich hab sogar einen Stich zwischen meinen Pobacken. Keine Ahnung, wie der dort hingekommen ist). Das Essen ist auch schlechter geworden seit die Nomad-Crew in Vic Falls ausgetauscht wurde. Ausserdem war es heute wirklich eine furchtbare Strecke, die wir fahren mussten. Schon zum zweiten Mal sind wir nämlich die Strecke Chipata – South Luangwa gefahren (immer noch Sambia). 100km Baustelle (an der übrigens nicht gearbeitet wird). Im Schritt-Tempo sind wir über eine Million Schlaglöcher gefahren, vier Stunden hat das gedauert. Immerhin konnte ich mir so die Landschaft etwas genauer ansehen.
Die Menschen in Sambia haben wirklich gar nichts. Die kleinen Dörfer bestehen meist aus etwa 20 kleinen Hütten, deren Wände schlichte Bambus-Matten sind. Hühner, Schweine, Hunde laufen alle quer herum. Kinder und Frauen sitzen meistens auf dem nackten Boden. Einige verdienen etwas Geld, indem sie Bananen oder Tomaten am Strassenrand verkaufen. Als Verkaufsstände dienen einfachste Hütten, die noch nicht mal richtige Wände oder Bretter für die Auslage haben, sondern nur mit Ästen irgendwie zusammengeschustert sind. Keine Ahnung, wie die Menschen hier überleben.
Vorgestern Abend haben wir eine Führung in so einem kleinen Dorf erhalten. Viele der drei bis neun Jahre alten Kinder sind HIV-Waisen. Mutter und Vater sind längst an AIDS gestorben. Auch in dem Dorf, in dem wir waren, ist HIV ein grosses Problem, obwohl die Menschen hier katholisch erzogen wurden und dementsprechend eigentlich eine konservative Sexualmoral gepredigt bekommen haben.
Immerhin einige wenige Jahre in die Schule können die Kinder. Viel an Schulmaterial haben sie wohl aber nicht. Die Dorfküche ist eine kleine Hütte mit zwei Becken Wasser und einer einfachen Feuerstelle drin, kaum gross genug um drin zu stehen. Die Dusche hat noch nicht mal vier Wände und selbstverständlich kein fliessend Wasser. Ein Eimer muss reichen. Ein Dorfbrunnen versorgt die rund 20 Haushalte mit Wasser. Strom gibt es keinen, der nächste Arzt ist 20 Kilometer entfernt. Ein Auto hat aber hier niemand. Wer ein Velo besitzt, darf sich glücklich schätzen.
Es mutet schon komisch an, wenn wir westliche Touristen danach auf unseren Zeltplatz fahren und dort fliessend Wasser und Strom vorfinden. Bei Weitem nicht den Standard, den wir uns in der Schweiz gewöhnt sind (meist ist es schmutzig und Spinnen oder Frösche teilen sich die Dusche mit uns), aber verglichen mit nichts ist wenig eben schon sehr viel…
Auch die Tiere leiden. Hier nun in Malawi sind wir auf einem recht schicken Zeltplatz, doch der Besitzer bringt es offenbar nicht fertig, seine Hunde anständig zu füttern. Solch dünne Vierbeiner habe ich selten gesehen. Umso unerträglicher das Gewinsel dieser hungernden Kreaturen, wenn wir auf unseren Campingstühlen unser Essen geniessen sollen. Habe keinen Bissen heruntergebracht. Im Moment freue ich mich sehr auf unser Rückzugsgebiet bei Isa in Nairobi.
Evee. Wow. Wo soll ich anfangen? Die letzten zehn Tage waren ziemlich ereignisreich. Leider allerdings nicht im positiven Sinne. Beginnen wir dort, wo ich das letzte Mal aufgehört habe, in Malawi.
Ein Land ohne Krieg, aber ansonsten steht da kaum ein Stein auf dem anderen. Die Leute sind noch ärmer als in Sambia und entsprechend verhalten sie sich – sprich, sie sind ziemlich aufdringlich, wollen dir alles mögliche verkaufen und sind ehrlich gesagt, dabei auch noch ziemlich unfreundlich.
Als wir zum Beispiel mit der Tour Halt an einem Binnensee gemacht haben (Lake Malawi), gab’s eine Tour durch das benachbarte „Dorf“ (für diejenigen unter euch, die noch nie in Afrika gewesen sind: Vergesst jegliche Definition im herkömmlichen Sinne. In Afrika bedeutet das schlicht ein paar Hütten aus Stroh, Lehm und wenn’s hoch kommt selbst gebrannten Ziegelsteinen). Aber als wir auf der anderen Seite des Campingplatz-Tores von unserem Dorfguide in Empfang genommen wurden, wartete bereits eine Horde halbwüchsiger Einheimische auf uns.
Jeweils zwei nahmen sich einen von unserer Gruppe vor und dann ging’s los: Drei Stunden lang haben sie uns ausgefragt und bequatscht. Woher kommst du? Wie heisst du? Wie viele Geschwister hast Du? Was sind Deine Hobbys? Welche Musik hörst Du? Wie heisst Dein Haustier? Bla bla bla… die ganze Zeit über sind sie nicht von unserer Seite gewichen, haben uns regelrecht bedrängt und sind uns auf die Pelle gerückt. Ein „Nein danke, ich möchte lieber alleine laufen“ hielt keinen von ihnen davon ab, uns auf die Nerven zu gehen. Dabei wäre die Villagetour wirklich interessant gewesen.
Nebst der Besichtigung einer behelfsmässig eingerichteten Klinik (mehr oder weniger eine Baracke mit einem mit Papierstapel überfüllten Behandlungszimmer) besuchten wir die lokale Primarschule. Ausser den Kindern auf dem Vorplatz erinnert an diesem Gebäude allerdings nicht viel an eine Schule. Die Schulzimmer sind absolut leer: Keine Stühle, keine Bänke, keine Lampen, keine Fenster, nur einige ausgelassene Backsteine in der Gebäudemauer sorgen für etwas Tageslicht. Der einzige, der einen Stuhl hat, ist der Lehrer.
Die Kinder, an diesem Tag 97 an der Zahl, sitzen auf dem nackten Boden, die meisten davon in einer einfachen blauen Schuluniform. Wer keine hat, darf eigentlich gar nicht zur Schule. Schule ist zwar in den ersten sechs Jahren in Malawi gratis, aber nicht obligatorisch. Einige Kinder sehen also trotzdem noch nicht mal diese Schule von innen… Als wir ins Schulzimmer reinkommen, beginnen die Kinder wie auf Kommando aus Leibeskräften zu singen. 97 Siebenjährige! Ihr könnt Euch das bestimmt vorstellen…
Danach ging’s zum Rektor, der sein „Büro“ in der „Bibliothek“ hat. Er hat uns erklärt, dass die Kinder hier in Mathe, Englisch, expressive arts und der lokalen Sprache unterrichtet werden. Ein Lehrer verdient je nach Alter zwischen 150 und 300 US-Dollar im Monat. Das Geld, welches die Regierung bereitstellt, reicht natürlich hinten und vorne nicht. In einem Logbuch stehen die Namen einiger Touristen und Sponsoren und was sie der Schule vermacht haben: Geld, Bücher, Stifte, ein Poster von David Beckham, irgendwas, das hilft oder zumindest aufheitert.
Draussen warten die Kinder. Die Schule ist für heute zu Ende. Sie wollen, dass die Touristen sie an der Hand nehmen und sie nach Hause begleiten. Schulranzen hat hier keiner. Die meisten packen ihr einziges Schulheft und den Stift in einen schmutzigen Plastikbeutel.
Zurück am Tor des Campingplatzes wurde es nun für die Jungs, die während der ganzen Zeit an uns geklebt hatten wie die Fliegen am Kackhaufen, ernst. Jetzt ging’s ums Business. All die Fragen, die wir beantworten mussten, hatten einzig zum Ziel, uns irgendeinen Mist zu verkaufen. Bei Eddy, unserem toureigenen Holländer, wurden sie sogar handgreiflich, als er nichts kaufen wollte. Mättu seinerseits hatte auch ein ganz eigenes Erlebnis mit seiner „Fliege“. Aber davon werdet ihr bestimmt noch lesen…1
Lake Malawi haben wir nach drei Tagen hinter uns gelassen und sind dann an die Grenze Richtung Tansania gefahren. Die Begrüssung dort war nicht besonders freundlich. Neben dem Eintrittsgeld von 50 US-Dollar wollte der Beamte meine Gelbfieber-Impfkarte sehen. Selbstverständlich habe ich ihm die gereicht, doch zurückgeben wollte der Typ sie mir nicht mehr! Er wolle mich hier und jetzt auf der Stelle impfen, sagte er mit grobem Ton. Bitte was!?! Ich bin doch schon geimpft! Ich muss doch nicht nochmal geimpft werden! Und schon gar nicht hier!
Der Beamte fand das wohl besonders witzig. Ich hingegen gar nicht. Nach mehrmaligem Bitten und Nachfragen, ob ich denn nun meine Karte wieder haben könne, hat er sie mir wieder ausgehändigt. Welcome to Tansania…
Die Campingplätze in Ostafrika machen übrigens nicht mehr viel her. Wenn man Licht hat zum Duschen, ist das Luxus, genauso wie Warmwasser. Auf den Toiletten sollte man besser die Augen geschlossen lassen. Aber die Menschen hier haben ja auch nicht mehr. Im Gegenteil. In Malawi konnten wir noch nicht mal unseren Truck auftanken, da es im ganzen Land kein Diesel gibt.
Und auch die Preise sind schockierend. Für einen Sack Wäsche Waschen haben wir rund 25 US-Dollar bezahlt. „T.I.A… This is Africa!“, pflegen die Leute hier zu sagen. Soll so viel heissen wie: „Das ist Afrika, was hast du erwartet?“ Und ja, was haben wir erwartet? Tatsächlich nicht viel. Aber als verwöhnter Westler damit klarzukommen ist nicht ganz so einfach, wie es sich in der Theorie anhört.
Die Tour führte uns danach weiter nach Dar Es Salaam, der ehemaligen Hauptstadt Tansanias. Ich war zwar vor drei Jahren schon mal kurz hier. Damals hatte ich mich aber in meinem Hotelzimmer eingesperrt und war erst kurz vor meinem Heimflug nach draussen gegangen. Viel verpasst hatte ich nicht, wie sich herausstellen sollte.
Dar Es Salaam ist eine hässliche, afrikanische Grossstadt: Der Verkehr ist langsam, die Strassen nur halbwegs befestigt und der Gestank meist fast unerträglich. Am schlimmsten sind die Vororte. Dort steht eine Verkaufsbaracke an der anderen, ein Gewusel aus Käufern und Verkäufern. Und dann dieser Dreck! Überall, wirklich überall liegt Müll. Die Strassengräben, die eigentlich wohl als Wasserabfluss gedacht waren, sind überfüllt mit alten Plastikflaschen und Verpackungen aller Art.
Unser nächster Campingplatz befand sich zum Glück auf der anderen Seite der Stadt auf einer kleinen Halbinsel, die wir per Fähre und Tuktuk erreichten. Leider hat dann aber der Regen eingesetzt (die Regenzeit dauert hier noch etwa bis Anfang Juni.) Und weil unsere lieben Tourguides das Material vor der Abfahrt nicht richtig überprüft haben, hatten wir keine funktionstüchtigen Regenkappen für unsere Zelte dabei!
Also haben Mättu und ich uns für den Joker entschieden und uns upgraden lassen in ein nettes Chalet mit Himmelbett aus Moskitonetz. Viel geschlafen haben wir allerdings nicht, da der Campingplatz die ganze Nacht hindurch von der Disco nebenan lautstark beschallt wurde. Nun gut, wir hatten ja Sansibar, auf das wir uns freuen konnten: Eine kleine Insel vor der Küste Dar Es Salaams, die paradiesisch schöne Strände und gutes Essen zu bieten hat. Und endlich würden dann auch unsere Zelte dort eine Pause machen dürfen. Drei Nächte sollten wir in Hotelzimmern schlafen, juhu! Mit einer weiteren Fähre ging’s am Folgetag dann also nach Sansibar.
Als wir im Land der Träume ankamen, musste ich ernüchtert feststellen, dass unser Hotel eine ziemliche Absteige war: Das Zimmer war dreckig, die Dusche rostig, den Wasserhahn am Waschbecken konnte man vor lauter Kalk fast nicht aufdrehen und von den Spinnen will ich gar nicht erst wieder anfangen. Nun denn, machen wir’s uns halt am Strand gemütlich, dachte ich. Doch von wegen. Ausgerechnet dann, wenn wir für drei Tage nach Sansibar reisen, wimmelt das Meer nur so von Quallen. Baden ohne Verätzungen unmöglich. Das war mein Tiefpunkt: Kein Ort, keine Rückzugsmöglichkeit, an der ich mich auch nur ein bisschen wohl gefühlt hätte. Und dafür hatten wir auch noch extra bezahlt. Was für eine Enttäuschung. Das ganze Gerede von T.I.A. konnte ich langsam nicht mehr hören. Ich wollte diesen Kontinent so schnell wie möglich verlassen.
Einen Tag und wenigstens ein hervorragendes Sansibar-Gemüse-Curry später raffte ich mich wieder auf und ging mit Mättu am Strand spazieren. Es hatte gerade aufgehört wie aus Kübeln zu schütten und der Indische Ozean, der uns hin und wieder um die Füsse spülte, war verlockend „födli-lääih“. Doch die Quallen waren noch nicht verschwunden, wir mussten uns grösste Mühe geben, den Biestern auszuweichen. Und so nahm das Unglück seinen Lauf.
Als Mättu gerade über ein Stück altes Korallenriff laufen wollte, kam eine Welle. Um von keiner Qualle erwischt zu werden, sprang er in die Höhe. Leider nicht hoch genug… Ich sah, dass er sich wohl irgendwie verletzt hatte, dachte aber, es sei ein harmloser Vertreter gewesen. Doch als er sich zu mir umdrehte, wurde mir fast schwarz vor Augen. Ein knochentiefes Loch klaffte neben seiner linken Kniescheibe!
Ein scharfer Korallenstein hatte die Haut dort fünf Zentimeter lang und etwa genauso tief aufgeschlitzt, Blut lief an seinem Bein herunter. Nach einigen Schritten wurde Mättu schwindlig, er musste sich dringend hinlegen, mitten am Strand im Nirgendwo, nirgends eine Seele zu sehen.
Ich lief, so schnell ich konnte, zum nächsten Hotel um Hilfe zu holen. Sogleich kamen sechs einheimische Männer aus dem benachbarten Fünf-Stern-Hotel angerannt und haben Mättu auf eine Strandliege in ihrem Hotel getragen. Der Doktor sei bereits unterwegs.
Zwei junge Norwegerinnen, die die Szene beobachtet hatten, kamen näher und eröffneten uns, dass sie soeben ihr Medizinstudium abgeschlossen hätten und nun hier im Urlaub seien. Was für ein Glück, zwei westliche Medizinerinnen in diesem Moment an unserer Seite zu haben! Viel unternehmen konnten sie zwar nicht (der hoteleigene Erste-Hilfe-Kasten gab nicht viel her), aber immerhin konnten sie uns sagen, was in ungefähr auf Mättu zukommt und worauf wir achten müssen, wenn da gleich der Dorfarzt kommt und ihn zunäht.
Eine Stunde später kam dann der Dorfarzt. Ein hagerer Afrikaner im weissen Kittel, schätzungsweise 40 Jahre alt, zusammen mit seinem Gehilfen und einer schwarzen Mappe mit Utensilien. Wie erwartet musste Mättus Knie an Ort und Stelle genäht werden.
Vier lokale Betäubungsspritzen waren nötig. Ich kann nur erahnen, wie schmerzhaft es war. Aber sogar mir schossen die Tränen in die Augen… Dass Mättu während der anschliessenden Prozedur nicht nach unten, sondern in mein Gesicht geschaut hat, war weise. Ich selber riskierte einige Blicke und war schon ein bisschen schockiert. Da zurrt und rupft einer mit Nadel und Faden am zerfetzten Knie meines Mannes herum und hat grösste Mühe die Nadel durch die Hautlappen zu stechen! Brrrr!
Mättu war aber sehr tapfer und hatte selbst in diesem Moment noch ein Lächeln für all die vielen Helfer um uns herum übrig. Das war sehr bewegend, wie die Leute uns so selbstverständlich geholfen und mit uns mitgelitten haben. Eine Muslimin im Schleier kam sogar kurz zu Mättu rüber und fragte ihn, ob er Christ sei. Als Mättu der Einfachheit halber bejahte, sagte sie mit mitfühlender Stimme: „Jesus will help you!“ – Jesus wird dir helfen. Ein wirklich berührender Moment. Auch das ist Afrika…
Menschen sind letztlich einfach Menschen, egal welche Hautfarbe, Religion oder Sprache sie haben. Danke für diese Lektion in Demut.
Mättu. Ich sah mein Knie von innen und wurde am Strand von Sansibar von einem Dorfdoktor mit sechs Stichen am Knie zusammengenäht. Aber alles der Reihe nach…
Hallo, liebe Freunde. Meine Geschichte, die zweite Hälfte, beginnt dort, wo die erste Hälfte geendet hat. Was wir zu Beginn nicht wussten: Unsere Afrika-Tour mit Nomad ist eigentlich in zwei Hälften aufgeteilt. Die eine führte uns von Cape Town (Südafrika) bis zu den Victoria Falls (so heisst dort auch gleich die Stadt), die andere von den Victoria Falls (Simbabwe) bis nach Nairobi (Kenia). In Victoria Falls mussten wir leider auch den Truck (Janis), die Guides (Norman und Servius) sowie die Gruppe wechseln. Einzig Eddy (the Dutch Hippo) blieb uns erhalten, auch er hat die volle 42-Tage-Tour Cape Town to Nairobi gebucht.
Bevor wir zur neuen Gruppe stiessen, hatten wir aber noch zwei Dinge zu erledigen. Erstens, uns von der alten Gruppe verabschieden. Diejenigen unter euch, die mich etwas besser kennen, wissen, dass Abschiednehmen nicht so mein Ding ist. Es ging, aber vor allem Norman und Servius sind uns schon sehr ans Herz gewachsen. Die beiden Guides haben den Job ihres Lebens gefunden. Sie symbolisieren für mich auch heute noch den Spirit of Africa. Im Truck wurde Musik gehört und kaum hatten wir mal ‘ne Pause wurde auf der Strasse gerannt und getanzt, am Schluss sogar Fussball gespielt.
Das ist übrigens auch der Grund, weshalb afrikanische Fussballteams bei Weltmeisterschaften nie so erfolgreich abschneiden. Sie haben einfach viel zu sehr Freude am Spiel, als dass sie sich 90 Minuten lang an irgendeine defensive Taktik halten würden. Aber zurück zu Norman und Servius.
Die beiden (Norman der Guide und Koch, Servius der Fahrer) boten uns in diesen ersten drei Wochen alles, was Mensch braucht. Eine Familie (The Nomad Happy Family), die eine oder andere Konstante im Leben (Essen im Restaurant Janis) und ein Ziel (The Promised Land). Das Promised Land war jeweils der nächste Ort an dem eine Lodge anstelle eines Zeltplatzes auf uns wartete. Das alles und vor allem die Offenheit und Herzlichkeit der beiden sollten uns später etwas fehlen.
Wir verabschiedeten Norman und Servius mit einer richtig grossen und herzlichen Umarmung. Wir standen sogar extra früh morgens auf um uns zu verabschieden. Die beiden wussten (nach drei Wochen mit mir) wie hoch sie mir das anrechnen mussten. Adieu Norman, Servius und Janis (Nomad-Truck). Adieu auch Eric und Louisa, Jimmy, Maita, Gerd, Sascha und Ursula.
Zur zweiten Pendenz, bevor wir unsere neue Crew treffen sollten. Wir mussten an unser Malawi-Visum kommen. EU-Bürger brauchen keins. Wir Schweizer schon. Kosten: 150 US-Dollar. Pro Person versteht sich. Leider hat uns Globetrotter nicht gesagt, dass wir ein Malawi-Visum brauchen, ihr kennt die Geschichte schon. Auf jeden Fall haben sie super reagiert und uns einen Flug von Livingstone (auf der sambischen Seite der Victoria Falls) nach Lusaka (Hauptstadt von Sambia) gebucht.
Wir verliessen die Victoria Falls einen Tag früher um am nächsten Tag in Lusaka das Malawi-Visum zu besorgen und uns dann am Abend mit der neuen Gruppe zu treffen. Wenn… alles gut geht.
T.I.A. – This Is Africa
Abflug ab Livingstone (Sambia): 16.30 Uhr. Pick-up Time Lodge (Simbabwe): 13.30 Uhr. Wer jemals mit Evee in der Schweiz auf einen Zug musste, weiss, mit ihr muss man etwas früher da sein. Ist besser für ihre und im Endeffekt auch für die eigenen Nerven.
Nun gut. Mit etwa 45 Minuten Verspätung kam dann der erste Fahrer, allerdings ohne Pass und wir mussten ja über die Grenze. Evee war in der Zwischenzeit schon Best Friends mit der Dame an der Rezeption.
„Der Fahrer mit Pass ist unterwegs“. „Er ist schon fast da“. Immerhin: um 14.45 Uhr wurden wir dann abgeholt. Der Fahrer nahm noch kurz das Erste-Hilfe-Set mit, das für ihn an der Rezeption bereitgestellt wurde (ansonsten kommt man nämlich mit dem Auto nicht über die Grenze). Das erste Auto hatte auch keine gültigen Papiere, also wurde das Auto noch auf der Simbabwe-Exit-Seite der Grenze getauscht.
Wir fuhren über die Brücke, Sambia schon in Griffweite, nur das First Aid Kit war im ersten Auto geblieben. Rechts umkehrt auf der Brücke, zurück in Richtung Simbabwe, Telefonanruf zum Fahrer, der das erste Auto übernommen hatte, kurze Wartezeit, und dann sprintete unser Fahrer wieder zurück zum neuen Auto. Erste-Hilfe-Set da, los geht’s nach Sambia.
Evee? Einigermassen bei den Leuten. Auch mir war es nicht mehr so wohl, immerhin hat uns die Reiseagentur ja den Flug bezahlt. Auf diese Weise sollten wir doch noch ans Malawi-Visum kommen. Aber der Fahrer beeilte sich, so dass die Formalitäten an der sambischen Grenze schnell über die Bühne gingen und wir schlussendlich doch noch fast eine Stunde vor unserem Flug am Flughafen waren.
Der Flughafen Livingstone ist übrigens mit dem von Bern-Belp zu vergleichen. Los ging’s in einem 20-Sitzplatz-Flugzeug (da muss man noch schauen, dass gleich viel Leute auf der linken wie auf der rechten sitzen) nach Lusaka. Danke Proflight Sambia, das war ein Erlebnis.
In Lusaka waren wir dann zum ersten Mal in Afrika auf uns selbst gestellt. Beim Preis Verhandeln mit den Taxifahrern zum Beispiel, da waren wir gar nicht mal so schlecht. In Sambia hast du als Berner sowieso einen gewichtigen Vorteil: Emmanuel Mayuka. Einmal über den sambischen YB-Spieler gesprochen, bist du schon Best Friends mit jedermann. Unser Taxifahrer in Lusaka: Skombe.
Auch er hat auf den Strassen getanzt als Sambia kürzlich völlig überraschend Afrika-Cup-Sieger (Fussball) wurde. Vor allem kamen in dieser Nacht aber ein paar Leute ums Leben. Einfach vor lauter Freude vor die Autos getanzt. Wir wunderten uns ein wenig über diese Geschichte von Skombe. Schöner ist die Geschichte der Skombe-Familie. Jüngste Tochter: Frieda (wie die Frau Mama von Evee).
Nun gut. Einen Tag Skombe: 40 US-Dollar. Fahrt: Hotel – Malawi High Commission, frühst möglich. Die alte Dame im malawischen Hochkommissariat sah uns zunächst griesgrämig an. Ein Visum? Heute noch? (Dauert üblicherweise drei Tage.) Zum Glück hatten wir einen Brief von Globetrotter dabei. Und dann diese süsse Geschichte von wegen Honeymoon. Die zog sogar bei der griesgrämigen alten Dame. Und so durften wir am Nachmittag noch einmal vorbeischauen und unsere Pässe inklusive Visum wieder abholen. Unglaubliches Glück, dass das alles so geklappt hat.
