Hinterm Horizont kommt Wüste - Markus Heilig - E-Book

Hinterm Horizont kommt Wüste E-Book

Markus Heilig

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Beschreibung

Nur die allerwenigsten Leute kennen das Land Mauretanien, seine Lage, seine Geografie oder dass es überhaupt auf dem afrikanischen Kontinent liegt. Dabei ist dieses unbekannte Land nicht gerade ein kleines Fleckchen Erde. Südlich von Marokko und nördlich vom Senegal gelegen, ist es mit nur knapp vier Millionen Einwohnern drei Mal so groß wie Deutschland und fast komplett mit Sand der größten Wüste der Welt, der Sahara, bedeckt. Durch einen sehr starken nordafrikanisch-arabischen Einfluss und als islamische Republik, hat der Wüstenstaat außerdem eine Ausnahmestellung unter den westafrikanischen Ländern inne. Berufsbedingt hat es mich 2017 in dieses, mir bis dahin, vollkommen unbekannte Land verschlagen. Gerade zu Beginn dieser Zeit war ich häufig nicht auf das vorbereitet, was da auf mich zukommen sollte. Vielmehr war relativ schnell klar, dass ich vor Ort nicht immer alles Erlebte komplett nachvollziehen und verstehen konnte. Mauretanien ist halt ein Land, das viele Überraschungen bereithält, sowohl was seine Landschaft, seine Kultur, seine Traditionen als auch seine vielen Menschen unterschiedlichster Herkunft betrifft. Aber trotz aller Unterschiede waren die viele Dinge, die ich erleben konnte, immer wieder sympathisch und zauberten mir nicht selten ein Lächeln auf die Lippen. Vor allem die unerwarteten und häufig lustigen Erfahrungen waren es, die ich bewahren wollte und in diesem Buch zusammengetragen habe. Herausgekommen ist dabei eine Sammlung von Schlaglichtern, Anekdoten und Impressionen aus meinem Leben in Mauretanien und dem Alltag in der Wüste. All das, was sich dabei in diesem Buch wiederfindet, ist in dieser Art wirklich passiert. Hier und da, aus dramaturgischer Sicht, etwas angepasst, aber alles so wirklich geschehen. Die kleinen Geschichten erheben dabei nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und sind auch keine tief ergehenden sozial- oder politikwissenschaftlichen Analysen. Alle Episoden sind vielmehr persönliche und private Alltagseindrücke, aufgenommen und verarbeitet mit der Brille eines Europäers, der sich aus seiner bisherigen Komfortzone in ein komplett anderes Umfeld, mit all seinen Verwerfungen, kulturellen Unterschieden, bizarren Begebenheiten und lustigen Momenten begeben hat.

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EPUB
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Seitenzahl: 169

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Über das Buch und den Autor

Als Markus uns fragte, ob wir Lust hätten, ein paar einführende Worte für sein Buch zu schreiben, da mussten wir nicht lange überlegen. Natürlich würden wir dem Mann, der seit über 10 bzw. sogar 20 Jahren einer unserer engsten Freunde ist, diese Bitte nicht absprechen.

»You can. End of Story!« Das steht in Markus’ Profil, wenn man ihm eine Kurznachricht schicken möchte. Und um ihn zu beschreiben, muss man darüber hinaus eigentlich gar nicht mehr Worte verlieren. Denn genau das macht ihn aus. Ausreden gelten nicht: solange man will, kann man alles erreichen. Da Markus seit wir ihn kennen, in großer Regelmäßigkeit seine Komfort-Zone verlässt, waren wir daher wenig verwundert, als er uns seine Entscheidung mitteilte nach Mauretanien zu gehen. Und um ehrlich zu sein: Wir waren erst mal, wie so viele, zunächst überfragt, von welchem Land er sprach. Wo wollte er hin? Gehört hatten wir den Namen schon mal, mehr jedoch auch nicht; und Bilder von diesem Flecken Erde fehlten uns darüber hinaus vollkommen – und das obwohl wir Reiseblogger sind und schon viele Teile der Welt gesehen haben. Die geografische Näherung »südlich von Marokko und in der Sahara« machte etwas klarer, wo es für ihn hingehen sollte. Aber war es eine Überraschung, dass er in ein Land gehen würde, das keiner zu kennen schien? Wohl kaum! Um offen zu sein – wir waren schon erleichtert, dass es ihn nicht in den Irak, nach Afghanistan oder Syrien zog. Dann also lieber Mauretanien.

Natürlich war für uns sofort klar, dass wir ihm einen Besuch abstatten würden - egal was es in diesem Land zu entdecken gäbe. Und so kam es dann auch. Wir reisten in das touristisch unerschlossenste Land, das wir je besucht hatten. Der Titel dieses Buches (und auch jedes andere Wort darin) trifft das, was wir in Mauretanien erlebt haben ziemlich auf den Kopf. Müssten wir Mauretanien mit nur einem Wort beschreiben – es wäre »Sand«. Viel Sand! Es wirkt ein wenig, als sei dieses faszinierende, unbekannte Land mit seinen endlosen Weiten und herzlichen Menschen von der Welt vergessen worden. Und vielleicht ist es gerade diese Abgeschiedenheit, die zahlreiche unvorstellbare Abenteuer inmitten der Sahara möglich macht. Der Tee, der mehr Zucker als Flüssigkeit beinhaltet und ohne den die Kultur nur sehr schwer vorstellbar wäre, die unglaubliche Natur, der wuselige Markt in Nouakchott auf dem man sich vor lauter Enge und in der Sonne vor sich hin brütendem Fisch und Gemüse kaum zu atmen traut. Der staubige Dunst wenn der Sand über die Straßen weht, weil der längste Zug der Welt an einem vorbeibrettert oder der für Westeuropäer doch extrem gewöhnungsbedürftige Straßenverkehr inklusive Dromedaren – all das macht Mauretanien zu etwas Besonderem.

Nein, es ist nicht das Land, in das man fährt, um seinen Erholungsurlaub zu verbringen. Und in absehbarer Zeit wird es das vermutlich auch nicht werden. Es ist aber sehr wohl ein Land, in dem man noch wahre Abenteuer erleben kann. Ein Land, das einen erdet, Demut lehrt und unsere vielen vermeintlichen Selbstverständlichkeiten hinterfragen lässt. Es ist das Land, in dem Markus Heilig lebt und wir sind dankbar, dass wir es kennenlernen durften. Und ja, wir würden das Land auch noch einmal besuchen, denn bislang haben wir nur einen Bruchteil entdeckt. Seien Sie also gespannt, Markus nimmt Sie mit in ein Land, das Sie so sicherlich noch nicht kennen, mit all seinen bunten (vor allem gelben und beigen), lauten, einsamen und vielfältigen Facetten. Vielleicht weckt es ja auch bei Ihnen die Abenteuerlust und lockt Sie aus der eigenen Komfortzone. Und wundern Sie sich beim Durchlesen und Durchblättern des Buches bitte nicht, wenn ab und an ein bisschen Sand aus dem Buch rieselt.

Steffi und Max von Evaexplora.com

Inhalt

Über das Buch und den Autor

Wüstenprolog

Aller Anfang ist schwer – dann wird es schwerer

Mieten, kaufen, wohnen: Der Immobilienmarkt in Mauretanien

3, 2, 1 meins – Marktbesuch in Nouakchott

In den Straßen von Nouakchott – vom Fahren und Fluchen

Sport ist Mord? Nicht in Mauretanien!

Zwischen den Welten – Reisen durch die Wüste

Von Fischern, Eismännern und Friseuren – Der Mittelstand in Mauretanien

Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird – Ramadan in Mauretanien

Auf den Spuren von Lawrence – von Oasen und Wüstenpisten

Reine Nervensache – Reparaturarbeiten in der Wüste

Fremd in der Fremde?

Kachelmann’s Rache

Der kleine Prinz am Ende der Welt

Das Wüstenpendel – Die ehemalige französische Kolonie Mauretanien

Es gibt nichts, was es nicht gibt – Winter in der Wüste

Zwischen Dünen und Dörfern – Die Drei von der Tankstelle

Auf Sand gebaut? Heiraten in der Wüste – Teil I

Auf Sand gebaut? Heiraten in der Wüste – Teil II

Fußball ist unser Leben – auch in Mauretanien – Teil I

Fußball ist unser Leben – auch in Mauretanien – Teil II

Die lange Nacht des Museums

Der große und der kleine Bruder

Auf die 12 – Mann gegen Mann in der Wüste

Nächster Halt: Wüste! Die Fahrt mit dem längsten Zug der Welt – Teil I

Nächster Halt: Wüste! Die Fahrt mit dem längsten Zug der Welt – Teil II

Wüstenepilog

Fotoverzeichnis

Wüstenprolog

»Wo gehst du hin? Nach Mauritius? Was willst du denn auf einer Insel im indischen Ozean?«. Unzählige dieser Kommentare habe ich mir sowohl vor als auch während meiner Zeit in Mauretanien anhören dürfen. Nur die allerwenigsten Leute (mich anfangs eingeschlossen) kennen das Land, seine Lage, seine Geografie oder wissen überhaupt, dass es auf dem afrikanischen Kontinent liegt. Dabei ist Mauretanien, dieses unbekannte Land, nicht gerade ein kleines Fleckchen Erde. Südlich von Marokko und nördlich vom Senegal gelegen, ist das Land mit nur knapp vier Millionen Einwohnern trotzdem drei Mal so groß wie Deutschland und fast komplett mit Sand der größten Wüste der Welt, der Sahara, bedeckt. Durch einen sehr starken nordafrikanisch-arabischen Einfluss und als islamische Republik hat der Wüstenstaat außerdem eine Ausnahmestellung unter den westafrikanischen Ländern.

Der Job war es, der mich 2017 nun in dieses spannende Land brachte. Um es gleich vorweg zu nehmen; Häufig war ich nicht auf das vorbereitet, was da auf mich zukommen sollte (und das ist noch recht zurückhaltend ausgedrückt). Vielmehr war relativ schnell klar, dass ich, der einen anderen kulturellen und geografischen Hintergrund hat, vor Ort nicht immer alles Erlebte komplett nachvollziehen und verstehen konnte. Mauretanien ist halt ein Land, das viele Überraschungen bereithält, sowohl was seine Landschaft, seine Kultur, seine Traditionen als auch seine vielen Menschen unterschiedlichster Herkunft betrifft. Aber trotz aller Unterschiede waren die viele Dinge, die ich erleben konnte, immer wieder sympathisch und zauberten mir nicht selten ein Lächeln auf die Lippen.

Vor allem die unerwarteten und häufig lustigen Erfahrungen waren es, die ich bewahren wollte und hier zusammengetragen habe. Herausgekommen ist dabei eine Sammlung von Schlaglichtern, Anekdoten und Impressionen aus meinem Leben in Mauretanien und dem Alltag in der Wüste. All das, was sich dabei in diesem Buch wiederfindet, ist in dieser Art wirklich passiert. Hier und da, aus dramaturgischer Sicht, etwas angepasst, aber alles so wirklich geschehen. Die kleinen Geschichten erheben dabei nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und sind auch keine tief ergehenden sozial- oder politikwissenschaftlichen Analysen. Alle Episoden sind vielmehr persönliche und private Alltagseindrücke, aufgenommen und verarbeitet mit der Brille eines Europäers, der sich aus seiner Berliner Komfortzone in ein komplett anderes Umfeld, mit all seinen Verwerfungen, kulturellen Unterschieden, bizarren Begebenheiten und lustigen Momenten begeben hat.

Und da Bilder häufig mehr sagen als tausend Worte und es an atemberaubenden und unkonventionellen Motiven in Mauretanien nicht mangelt, sollen diese dabei helfen die beschriebenen Situationen und Lebenslagen des Wüstenstaates besser zu verstehen. Alle Bilder, die im Buch zu sehen sind, haben Freunde und Kollegen aufgenommen, die entweder einen Besuch nach Mauretanien gewagt oder ebenso eine Weile hier gelebt und gearbeitet haben.

Sowohl für das Anreichern mit diesen außergewöhnlichen Bildern als auch für die zahlreichen Verbesserungsvorschläge und die großartige Unterstützung zur Realisierung dieses Buches möchte ich mich an dieser Stelle herzlich bei folgenden Personen bedanken: Max Meckl, Markus Fiebiger, Katrin Kubica, Friedrich zur Heide, Christine Heilig und den beiden Weltreisebloggern von Eva Explora (Evaexplora.com).

Sollte nach der Lektüre der eine oder andere nun die Absicht haben, eine Reise in dieses bisher weitgehend unentdeckte Land zu wagen, so kann das Buch mit all seinen Anekdoten und verschiedensten Bildern hoffentlich erste Orientierungspunkte geben. Ich persönlich kann nur Jeden ermutigen einen Trip in den Sand zu wagen. Man wird garantiert nicht enttäuscht. Aber egal, ob dieses Buch nun zur Entwicklung des Tourismus in Mauretanien beiträgt oder nicht, eins lässt sich über das Land in der Sahara auf jeden Fall schon mal sagen: Hinterm Horizont kommt in Mauretanien auf jeden Fall Wüste.

Aller Anfang ist schwer – dann wird es schwerer

Nun ging es endlich los. Nach knapp eineinhalb Monaten Vorbereitungszeit für die Jahre, die vor mir liegen sollten, stand der Tag der Abreise nun endlich für Mitte Februar 2017 fest, es war ein Dienstag.

3:30 Uhr war Aufstehen und die letzten Koffer packen angesagt. 5:00 Uhr kam das Taxi zum Flughafen. Abflug: 7:00 Uhr. Die Reise ins Ungewisse ging schon gut los. Beim Einchecken schaute mich die Dame am Check-In Schalter ob des Ziel des Fluges (Nouakchott) und ob der Tatsache, dass ich nur ein One way Ticket hatte, verdutzt an und fragte mich im besten Berlinerisch: » Nouak…wat? Wo is denn ditte?«. Nachdem ich ihr kurz erklärt hatte, dass sich Nouakchott in Westafrika südlich von Marokko befindet, fragte sie mich mit einem nicht überhörbaren, sorgenvollen Unterton: »Und kommen Sie denn auch wieder?«. Nachdem ich ihr versicherte, dass ich noch nicht final entschieden hätte, den Rest meines Lebens in der Wüste zu verbringen, gab sie mir meine Tickets und ließ mich mit einem leichten Kopfschütteln und sorgenvollem Blick gehen. Meine Aufregung hatte die nette Berlinerin auf jeden Fall nicht abschwächen können.

Nach einer doch recht kurzen Verabschiedung von meinen besten Freunden, die mich mit zum Flughafen gebracht hatten, stieg ich mit sehr vielen gemischten Gefühlen in den Flieger. Erste Station war der Flughafen Istanbul, der gefühlt einem Schmelztiegel zwischen Europa, Afrika und Nahem Osten gleicht. Nach kurzem Aufenthalt ging es dann weiter nach Nouakchott, der Hauptstadt des Landes, in das ich für unbestimmte Zeit ziehen würde. Um 19 Uhr landete ich und wurde von einer leichten Brise von angenehmen 22 Grad und dem Mitarbeiter in der Visastelle empfangen, der mir im Jogginganzug mein Visum ausstellte.

Mit dem Dienstjeep brachte mich dann der Fahrer aus meinem neuen Projektteam vom Flughafen mitten in der Wüste in die Innenstadt von Nouakchott zum Haus eines meiner neuen Kollegen. Auf dem Weg dahin wechselte ich noch Geld bei einem Vertreter eines privaten Bankinstitutes, der in blauem Gewand am Straßenrand seine Dienste feilbot. Die ersten Verhandlungen zwischen meinem Fahrer und dem Bankkollegen zum offiziellen Wechselkurs gestalteten sich derart schwierig, dass die Lautstärke des Gesprächs weitere Bankvertreter anzog. Nach einigem Hin und Her wechselte ich letztlich einen kleineren Betrag zu einem dann doch akzeptablen Preis. Ich war wieder flüssig und alle zufrieden.

Im Haus des Kollegen angekommen lud ich meine Koffer aus und ließ die ersten Eindrücke, die Temperaturen und das bisher Gesehene auf mich wirken. Da es am nächsten Tag gleich direkt mit einer ersten dienstlichen Besprechung am frühen Morgen losging, haute ich mich relativ schnell auf‘s Ohr. Statt des Sandmännchens (was namens-technisch in Mauretanien sogar hervorragend passen würde), sang mich dieses Mal leise der Muezzin der Moschee um die Ecke in den Schlaf und ließ mich gleichzeitig das erste Mal gegen 5:00 Uhr, mit dem gleichen Gesang, wieder aufwachen. Herzlich willkommen in Mauretanien!

Mieten, kaufen, wohnen: Der Immobilienmarkt in Mauretanien

All denjenigen, die die gleichnamige Fernsehsendung kennen, werden die kommenden Zeilen doch recht bekannt vorkommen – bis auf den einen oder anderen landestypischen Unterschied vielleicht. Um was geht es? Richtig! Die Hausbzw. Wohnungssuche in Mauretanien bzw. Nouakchott. Und um eine Sache gleich vorwegzunehmen: die Suche nach der passenden Immobilie hier, lässt sich wenig mit der Suche in Deutschland vergleichen. Aber eins nach dem anderen.

Zu Beginn stand der Entschluss, gemeinsam mit einer ebenfalls gerade in Mauretanien angekommenen Kollegin nach einer Bleibe zu suchen. Von Kollegen wurde uns kurzfristig ein Makler empfohlen (Monsieur Camera), der uns gleich in meiner ersten Woche am späten Donnerstagnachmittag abholte. Kurz den abgeschlossenen Arbeitstag abgeschüttelt und dann ab durch den Verkehr und die sandigen Straßen von Nouakchott von einem Haus zum nächsten. Was wir beim ersten Haus sahen, ließ uns gleich mal den Mund offen stehen. Sechs große Zimmer, ein großer salle à manger (übersetzt so viel wie Speisezimmer, obwohl der Begriff Speisehalle dem Ganzen doch eher gerecht wurde), eine Speisekammer, drei Bäder und ein Zugang zum Dach. Insgesamt an die 300qm Wohnfläche. Dazu der weitere Eindruck, dass das Haus in einem halbwegs ordentlichen Zustand war, grüne bewachsene Flächen auf dem Grundstück durch Steinplatten ersetzt wurden und extra Räumlichkeiten auf dem Gelände für Gärtner und Wachleute vorgesehen waren. Außerdem noch die Erkenntnis, dass das Haus, trotz der draußen scheinenden Sonne, innen relativ dunkel und mit knapp 400.000 Ouguiya (ca. 1.000 €) für mauretanische Verhältnisse doch relativ teuer, für europäische Verhältnisse jedoch spottbillig war. Insgesamt alles Eindrücke, die sich im Laufe der weiteren Suche noch erhärten und erklären sollten. Wie auch immer. Wir verließen das Haus eher mit dem Gefühl eine Herberge für eine Fußballmannschaft statt einem Haus für zwei Personen gefunden zu haben. Aber das sollte ja auch noch nicht das letzte Wort gewesen sein, darum gleich weiter zum nächsten Haus. Und wenn das erste Haus für eine Fußballmannschaft gereicht hätte, so wäre das nächste gleich noch für die dazugehörige Ersatzbank und den Trainerstab geeignet gewesen. Dieses Mal ähnliche Verhältnisse: acht Zimmer, vier Bäder, ein Speisesaal und insgesamt ca. 400qm. Dafür ein etwas schlechterer Bauzustand und wieder relativ dunkel. Preis? Etwas mehr als 400.000 Ouguiya, also wieder etwa 1.000€. Nach der zweiten Besichtigung wurde uns relativ schnell klar, dass das Problem weniger die Kosten sein würden. Vielmehr sollte es schwierig werden ein Haus mit einer angemessenen Größe, in einer guten Lage zu einen moderaten Preis zu finden. Wenn dann auch noch ein Garten dabei wäre (wichtig für die ans Grüne gewöhnten europäischen Augen) und die Zimmer dazu noch etwas Sonnenlicht abbekämen, wäre alles perfekt. Apropos Licht. Auf die Nachfrage bei unserem Makler, warum denn die meisten Häuser so wenig Licht in den Zimmern hätten, die Scheiben meist verdunkelt und geschlossen waren, lächelte er uns mit der Gewissheit eines Bewohners der Sahelzone an und sagte (hier frei übersetzt): »Wartet mal ab, bis hier Sommer ist!«. Wohlgemerkt liegt die Außentemperatur im Februar morgens und nachts bei ca. 20 Grad, tagsüber bei ca. 28-30 Grad, was viele Bewohner in den Morgen- und Abendstunden doch dazu veranlasst, eine Jacke zu tragen. Für die kommenden Sommermonate ließ uns diese »Verheißung« aber schon einmal aufhorchen.

Die Suche nach einer passenden Bleibe in den folgenden Tagen lässt sich dann relativ schnell wie folgt zusammenfassen: Häuser mit riesigen Gärten, Häuser mit mehr als zehn Zimmern, Häuser in schlechtem Zustand und Häuser mit Pool. Höhepunkt war ein möbliertes Haus, das gerade erst, fast fluchtartig verlassen worden war und in dem noch Zahnbürsten, bezogene Betten und angebrochene Wasserflaschen zu finden waren, und das eher an ein Gruselhaus als an ein Wohnhaus erinnerte. Insgesamt also durchaus spannende, aber wenig zielführende Eindrücke für die Suche nach einer passenden Immobilie.

Letztlich bekamen wir dann, nach weiteren erfolglosen Besichtigungen, über einen Kollegen einen Hinweis zu einem Haus, das von einem Franzosen gerade abgegeben wurde. Eckdaten: ca. 150 qm Wohnfläche, drei Schlafzimmer, ein Wohnzimmer plus Atrium (als Esszimmer genutzt), zwei Bäder, zwei große Küchenräume, Abstellkammer, große Terrasse, Pool, Garten und kleines Nebengebäude als Abstellkammer. Dazu noch ein guter und gepflegter Zustand und zentral in der Innenstadt gelegen. Also alles, was das verwöhnte Mieterherz begehrt. Preis? Ca. 25.000 Ouguiya (ca. 750 €) zzgl. Kosten für kürzlich getätigte Bauinvestitionen und alle weiteren Nebenkosten. Summa summarum ca. 500€ pro Kopf und Monat. Um es auf Berlinerisch zu sagen: könnte schlimmer sein.

3, 2, 1 meins – Marktbesuch in Nouakchott

Nachdem ich mich in der ersten Woche meist in der überschaubaren und schon vertrauten Innenstadt bewegt hatte, war es nun an der Zeit auch langsam das Leben außerhalb der Sphäre zu erkunden, die sich doch relativ angenehm und behütet anfühlt. Also raus aus der Komfortzone und ab auf einen der vielen großen Märkte in einem weniger wohlhabenden Viertel von Nouakchott. Auf dem Weg zum Markt gerieten wir zunächst in einen Stau – relativ ungewöhnlich für einen Samstagvormittag. Den Auslöser hatten wir bald ausgemacht: Einen Reifenwechsel mitten auf der Straße. Was auf den ersten Blick ein leichtes Kopfschütteln auslöst, schlug relativ schnell in Verständnis um, als ich den Zustand des kaputten Autos sah. Ohne viele Worte über das sich dargebotene Bild zu verlieren, nur so viel: Der TÜV hätte sicherlich den einen oder anderen Verbesserungsvorschlag gehabt, bevor dieses Fahrzeug wieder auf die Straße gelassen worden wäre (oder eben auch nicht).

Schon der Weg zum Markt war die Fahrt wert. Es ging auf sandigen und dreckigen Pisten vorbei an vielen kleinen Garagen und Werkstätten, in denen drinnen wie draußen geschreinert und geschweißt wurde. Ebenso gab es kleinere Autoreparaturwerkstätten, die Operationen am offenen Herzen, d. h. Motorreparaturen auf offener Straße durchführen. Auch hier hätte, angesichts des direkt in den sandigen Untergrund abfließenden Motorenöls, zuhause sicherlich das eine oder andere Umweltamt Bedenken geäußert.

Nachdem wir das Auto abgestellt hatten, ging es über enge, mit Autos und Eselskarren verstopfte Straßen zum Markt. Hatten wir unseren kleinen Fußweg noch zu viert begonnen, so waren wir relativ schnell zu sechst. Schneller als ich mich umschauen konnte, war ich für kleine Kinder häufig ein beliebtes Ziel für, vornehm ausgedrückt, kleinere Spendenanfragen. Das Problem dabei ist, dass den Anfragen doch sehr viel Nachdruck verliehen wird. So wird man sofort am Handgelenk oder am T-Shirt gepackt und längere Zeit begleitet und man muss schon sehr nachdrücklich darauf hinweisen, dass man den Weg doch gern alleine weiter fortsetzen möchte. Natürlich mag das zunächst hart klingen. Auf den zweiten Blick ist es aber vielleicht verständlicher. Als ich ein paar Tage zuvor einem kleinen Mädchen nach einem Supermarkteinkauf etwas Geld in die Hand gedrückt hatte und in mein Auto steigen wollte, stürmten unmittelbar fünf andere Kinder auf mich zu und versuchten mich einzukreisen, woraufhin ich mich, wortwörtlich, gerade noch in mein Auto retten konnte. Anschließend begann draußen der Streit unter den Kindern, wozu ich einen nicht unerheblichen Beitrag geleistet hatte. Des Weiteren gibt es immer wieder Anzeichen dafür, dass Kinder bewusst auf die Straße geschickt werden, um Geld zu erbetteln. Von diesem Geld sehen die Kleinen dann relativ wenig, von Schulbildung und sauberen Sachen ganz zu schweigen. Unterstützt man dies auch noch durch eine Spende, befeuert man wohl eher einen Teufelskreis. Um das zu vermeiden ist die beste Strategie, besonders wenn man zu Fuß unterwegs ist, sich nicht darauf einzulassen und freundlich aber bestimmt abzulehnen, auch wenn der fade Beigeschmack am Ende bleibt, den Kleinen nicht geholfen zu haben.

Schließlich tauchten wir doch noch in den Markt ein. Und eintauchen ist hier der richtige Ausdruck. Der Markt ist eine Welt für sich, zum Teil sehr beengt, mit Planen überdacht, viele Stände dicht aneinander gereiht, kaum Fluchtwege nach draußen. Für jeden Brandschutzbeauftragten ein Albtraum sondergleichen.

Lässt man sich davon nicht stören, fällt auf, dass der Markt in verschiedene »Abteilungen« unterteilt ist. Es gibt Stoff- und Kleiderabteilungen, Möbel- und Haushaltswarenabteilungen sowie Obst-, Gemüse-, Fleisch-, und Fischabteilungen. Und war die Stoff- und Kleiderabteilung schon sehr interessant und abwechslungsreich, ob der dort angebotenen landestypischen Kleidung und Stoffe und natürlich tausender Waren aus China, so wurde es in der Möbelabteilung noch interessanter, da die Art der Herstellung der Möbel improvisiert, aber sehr innovativ wirkte. Richtig spannend wurde es allerdings, besonders für die Nase, in der »Lebensmittelabteilung«. Da Kühlsysteme doch eher rar sind, Sonne und Wärme hingegen reichlich vorhanden, wird die gemeine Nase zur Mittagszeit mit diversen Düften und Gerüchen konfrontiert, die sie so nicht gewohnt ist und die zu Fluchtreflexen (sowohl für das Mageninnere, wie für den Mensch selbst) führen kann.