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"So langsam beginne ich zu glauben, dass sich in jeder geschlossenen Psychiatrie ein separater Raum befindet, in dem jene bedauernswerten Menschen landen, die "heute aber mal ganz bestimmt alle Katzenhaare aus dem Haus entfernen" wollten. Und ich könnte schwören, mein getigertes Haarmonster sitzt auf dem Treppenansatz und lacht sich ins Pfötchen..." Dieses Buch erzählt 23 komische, nervenzerfetzende und herzerwärmende Anekdoten über das Zusammenleben mit meinen vier Pelzfreunden. Und neben Chaos, absurden Erlebnissen, Katzenhaaren, Hundehaufen, Wollmäusen und einem Hauch von Wahnsinn enthält es vor allem eins: Ganz viel Liebe! Am besten schmökert man dieses Büchlein auf einer kuscheligen Couch mit einer Tasse heißem Kakao und mindestens einer schnurrenden Katze auf dem Bauch. Notfalls geht's aber auch ohne Kakao.
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Seitenzahl: 85
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Gestatten, mein Name ist Daniela Mohr. Jahrgang 1975 und wohnhaft im Rheinland. Eigentlich (ein ziemlich geläufiges Wort in diesem Büchlein, ihr werdet schon sehen) bin ich eher in der Welt der veganen Koch- und Backbücher zuhause (mit dem Zusatz „ohne Gedöns“, falls jemand danach suchen möchte). Aber genauso gerne wie ich koche und backe (und esse!), lebe ich auch mit meinen Tieren zusammen, und mit diesem Buch bekommen sie nun die Aufmerksamkeit, die ihnen gebührt.
Wenn es um Tiere geht, beginnen die allerbesten Geschichten ja oft mit „Eigentlich wollte ich...“ oder auch mit „...ich wollte ja nie!“. Sowas wie „Eigentlich wollte ich im Tierheim ja bloß mal diese Katze angucken“ und „Ich wollte ja NIE einen Hund“. Und weiter geht’s dann oft mit ganz viel Liebe, Spaß, Chaos, blankliegenden Nerven und Wollmäusen. Und das ist verdammt gut so.
Ohne ein „Eigentlich wollte ich ja bloß in der örtlichen Katzenhilfe ein paar einsame Katzen besuchen, ein bisschen kuscheln und vielleicht ein paar Fotos machen“ würde es dieses kleine Büchlein auch nicht geben. Denn dort ist mir dann diese ältere, dicke Katze auf den Schoß gekraxelt und hat kurzerhand beschlossen, dass sie bitteschön bei mir einziehen wird. Von Katzen hatte ich bis dato ungefähr so viel Ahnung wie von Astrophysik – aber dass man machtlos ist, wenn eine Katze sich etwas in den Kopf gesetzt hat, das habe ich dann ganz schnell gelernt.
Später dann gab es noch ein paar „Eigentlich wollte ich ja nur“-Situationen, die mir zwei weitere Katzen und einen Hund geschenkt haben. Und über die vielen kleinen lustigen, traurigen und rührenden Erlebnisse habe ich geschrieben.
Dieses Buch ist kein zusammenhängender Roman, sondern besteht aus vielen kleinen Augenblicken mit meinen Pelzfreunden.
(Alle Lesehäppchen in chronologischer Ordnung)
1. Eine haarige Angelegenheit
2. Die Schuldfrage
3. Das erste Gebot
4. „Miau!“ statt Mitgefühl
5. Aller süßen Dinge sind 3
6. Literatur am Katzenklo
7. Ene, mene, muh – raus bist du!
8. „Guten Morgen, es ist 5 Uhr...“
9. Cat on the run
10. Undank ist der Schmitzens Lohn
11. Tausche Liebe gegen Lachs
12. Weg mit der Zeck!
13. Liebesgrüße aus Verblödistan
14. Futtermöff und Pullerkiste
15. Pfoten weg von meinem Rudel!
16. Der unglaublich talentierte Mr. Tigley
17. Trautes Heim, Pipiglück allein
18. Frau Herrlich und die Böllerbande
19. Ab ins Bett
20. Mein Leben als Tatortreiniger
21. Heidi, Hermine und Halali
22. Souvenirs, Souvenirs
23. Das Kacke-Karma schlägt zurück!
Auch wenn mich meine getigerte Mitbewohnerin jeden Tag aufs Neue mit ihrer schrulligen Fröhlichkeit zum Lachen bringt und keinen Zweifel daran aufkommen lässt, dass es eine der besten Entscheidungen meines Lebens war, sie bei mir einziehen zu lassen, so gibt es doch, wie in jeder Beziehung, ein paar Aspekte unseres Zusammenlebens, auf die ich durchaus verzichten könnte.
So ist zum Beispiel ein Katzenklo in Sachen Geruch und Handling nicht gerade ein steter Quell grenzenloser Freude, und auch die tägliche Raubtierfütterung mit totem Tier in Gelee ist für mich als Pflanzenfresser nur bedingt erquicklich. Was mich aber wirklich beinahe in den Wahnsinn treibt, ist diese unerschöpfliche Flut an Katzenhaaren, die seit dem Einzug von Frau Schmitz unseren Haushalt garniert. Dass die hartnäckigen Flusen konsequent sowohl an meiner Kleidung als auch an der meiner Besucher kleben, ist ja dank Kleberolle noch halbwegs erträglich, und von Schränken und Tischplatten lassen sich die Schmitzfussel noch relativ leicht entfernen.
Aber mittlerweile macht sich der Katzenhaarteppich unaufhaltsam auf Büropausenstullen, dem Inneren meines Autos und sogar auf dem Boden frischgespülter Kaffeetassen (!) breit. Ganz egal wo man hingreift oder -guckt, man wird schon von Schmitzhaaren begrüßt. „Hämisch begrüßt“, wie ich finde.
Aber nun ja.
Ich bin Marathonläuferin.
Ich mag Herausforderungen.
Und heute habe ich der Katzenhaar-Invasion den Kampf angesagt. Ich werde den Feudel nicht eher beiseitelegen, bis nicht auch der allerletzte schmitz’sche Zottel aus seinem Versteck gelockt und in Putzwasser ertränkt ist. Dafür stehe ich mit meinem Namen. Jawohl!
In den kommenden Stunden wische, wedele und schrubbe ich jeden Winkel meines Heims, krieche bäuchlings in jede kleinste Ecke und lasse Mr. Dyson beinahe durchglühen. Ich jage Wollmäuse im Greisenalter aus ihren Bauten und wienere gnadenlos alles in Schutt und Asche, was nicht niet- und nagelfest ist. No rest for the wicked ones!
Nach einer gefühlten Ewigkeit bin ich schweißgebadet, putzwasserverschrumpelt und abgrundtief erschöpft – aber das Haus ist katzenhaarfrei. Heureka. Zutiefst befriedigt stehe ich am Fuße der Treppe und bewundere mich und mein Putzwerk, als sich Frau Schmitz mit leisem Tapsen nähert, guckt, gähnt und mit zartem Maunzen behände die Stufen hochsaust. Nachdem sie auf dem Treppenabsatz verschwunden ist, sehe ich im Gegenlicht ein zartes Büschelchen feinster Premiumkatzenunterwolle, das meinem entsetzten Auge unschuldig im Kippfenster-Windhauch entgegenschwebt
Nein.
Ich. Werde. Wahnsinnig!
So langsam beginne ich zu glauben, dass sich in jeder geschlossenen Psychiatrie ein separater Raum befindet, in dem jene bedauernswerten Menschen landen, die „heute aber mal ganz bestimmt alle Katzenhaare aus dem Haus entfernen“ wollten.
Und ich könnte schwören, mein getigertes Haarmonster sitzt auf dem Treppenansatz und lacht sich ins Pfötchen.
Samstagmorgen, 8 Uhr.
Es regnet nicht nur Bindfäden, sondern, um bei der Metapher zu bleiben, unterarmdicke Hanfkordeln. Dennoch bekundet Frau Schmitz durch kläglichstes Maunzen und eindringliches Starren auf die Haustür, dass sie jetzt nun aber bitteschön sofort einen Reviercheck in den lokalen Vorgärten machen möchte. Pronto! „Aber es schüttet wie aus Eimern. Du wirst in ein paar Sekunden pitschnass!“ versuche ich einen Appell an die Miezen-Vernunft. Keine Chance.
„Miau!“
„Na gut, dann raus mit dir. Aber sag nicht, ich hätte dich nicht gewarnt.“ Der getigerte Fellrücken verschwindet im Regen und ich verschwinde zurück ins warme trockene Wohnzimmer, um am Bollerofen meinen Morgenkaffee zu genießen. Keine 2 Minuten später höre ich ein hektisches Tappen im Flur, eine pudelnasse Miezekatze entert die gute Stube und hinterlässt zahlreiche Pfötchenpfützen auf den Dielen.
„Miau!“
Den schmitz’schen Gesichtsausdruck kann man nur als extrem angepisst bezeichnen und der zickig anklagende Tonfall des lautstarken Maunzens gibt mir deutlich zu verstehen: „Jetzt guck mich doch mal an! Ich bin KLATSCHNASS und DU bist schuld!“ Na klar. Wer auch sonst. Ist ja nicht so, dass ich es nicht vorher… aber egal. Ich bin schuld.
In der nächsten Stunde straft mich Frau Schmitz mit Missachtung und beleidigter Arroganz. Erst als das Fell bis ins letzte Härchen getrocknet ist, ich das empörte Gemüt mit diversen Leckerchen beruhigt und anhand einer Schautafel über die Entstehung von Regenwolken anschaulich erläutert habe, dass ich nun aber wirklich komplett unschuldig an der unangenehmen Wetterlage bin, lässt sich die Tigerdame huldvoll herab, sich kurz von mir unter dem Kinn kraulen zu lassen.
Ein Katzenherz kann eben auch die schlimmsten Verfehlungen verzeihen.
„Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“
Frau Schmitz ist im Allgemeinen von eher selbstständigem Naturell und keine dieser dauerschnurrenden Bilderbuch-Miezekatzen, die einem permanent am Wickel kleben und nach Streicheleinheiten verlangen. Sie lässt sich zwar mit maximalgroßem Vergnügen unter ihrem weichen Kinn kraulen und leckt mir als Dankeschön dafür mit Inbrunst die Hände ab, aber ansonsten treibt sie lieber Kontaktlinsen-Dosen in halsbrecherischer Hetzjagd durchs Haus, steckt ihre plüschige Neugiernase in Kochvorbereitungen und überwacht lieber meine Schreibarbeiten am PC im Arbeitszimmer, statt sich anschmiegsam und kuschelwillig unter irgendwelche Extremitäten zu quetschen.
Als ich jedoch von einem ehrenamtlichen Kuscheltermin aus der örtlichen Katzenhilfe zurückkehre, bei dem ich geschlagene zwei Stunden unzählige Samtpfoten gestreichelt, gekrault und abgelichtet habe, schießt mir Frau Schmitz umgehend wie ein Katapult auf den Schoß, kugelt sich auf dem Rücken auf meinen Beinen hin und her, reibt ihr Köpfchen an jedem erreichbaren Zipfel meiner Bekleidung und verschluckt sich beinahe am eigenen Schnurren.
Zwar würde sich mein liebendes Herz nur allzu gerne der Vorstellung hingeben, diese akute Schmitzschmuseritis sei ein Ausdruck von unendlicher Zuneigung und überschäumender Wiedersehensfreude, aber realistisch betrachtet bedeutet es wohl eher sowas wie „Unerhört! Mein blondes Dosenaufmachdings riecht nach anderen Katzen! Sofort abrubbeln. Und mit ’nem ordentlichen Schuss „Eau de Schmitz“ überpinseln. Das blonde Dings ist mir, mir, mir!“
Sobald ich bis in die hintersten Kniekehlen und Bauchfalten wieder als „Meins!“ gekennzeichnet bin, springt Frau Schmitz mit einem befriedigten Gurren von meinem Schoß und stolziert in die Küche, um dort umgehend mit Nachdruck Abendbrot zu verlangen.
Aber ja doch, sofort.
Ich eile.
Man liest ja immer wieder, dass Tiere ganz besonders feinfühlige Antennen für die Gefühle ihrer Menschen haben und sich oft zum Trösten ankuscheln, wenn sie spüren, dass der Zweibeiner ihres Herzens traurig ist. Wenn dem tatsächlich so sein sollte, scheinen diese Antennen bei meinem plüschigen Dickerchen wohl nicht mitgeliefert worden zu sein.
Als ich am heutigen Abend nach einem fürwahr dramatischen Tag mit rotgeweinten Augen und schwerem Herzen durch die Haustüre schlurfe, springt mir mein liebes Miezekätzchen nämlich mitnichten fürsorglich an der Pforte entgegen, um mir die Augen mit einem Spitzentaschentuch trocken zu tupfen und mir einen heißen Kakao mit Sahne zu kredenzen.
Vielmehr plärrt mir ein empörtes „Miau!" entgegen und ohne meine kummervolle Miene zu beachten, stapft Frau Schmitz umgehend in die Küche und setzt sich mit vorwurfsvollem Blick vor die leeren Näpfe. „Wo warst du denn so lange, verflixt nochmal? Ich hab' Hunger, aber dalli jetzt!"
Mit einem maximalen Stoßseufzer schaufele ich glibberige Fleischbrocken in die Futterschüssel und während sich der Schmitzster laut schmatzend über die dargebotene Köstlichkeit hermacht, drücke ich heimlich meine nassen Augen ins weiche Plüschfell der mampfenden Mieze. Sobald der letzte Happen im Kugelbäuchlein verschwunden ist, kuschelt mein Gesicht allerdings ins Leere. Denn die ach-so-fürsorgliche Miezekatze pfeift auf mein trübsinniges Gemüt, marschiert umgehend zur Tür, scharrt mit den Pfötchen und verlangt nach Outdoor-Auslauf. Na, schönen Dank aber auch.
Um zumindest den Schein einer noch nicht ganz perfekt abgerichteten Katzen-Angestellten zu wahren, lasse ich Madame der Form halber ein wenig an der Türe zappeln und schmunzele über ihren Versuch, die Haustüre durch einen Röntgenblick einfach aufzustarren. Als dieses Unterfangen scheitert, dreht sie das Köpfchen und setzt ihre Starrerei in meine Richtung fort. „Jetzt guck' nicht so und mach' endlich die Haustür auf, was biste denn heute so begriffsstutzig, Mensch?" Ich muss lachen und beuge mich dem vierbeinigen Druck. Der Schmitzster verschwindet unter leisem „Miau" mit aufgestelltem Antennen-Schwänzchen in der Dunkelheit.
„Und Tschüss. Schöne Trostkatze bist du!"
