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Düster, sinnlich und verboten
Schon vom ersten Tag an war die junge Ivory an ihrer Privatschule eine Außenseiterin. Ihre Mitschüler meiden sie und geben ihr jeden Tag das Gefühl, dass sie niemals dazu gehören wird. Doch ihr ist es egal, was die anderen über sie denken. Denn alles, was ihr wichtig ist, ist Klavier spielen, das letzte Schuljahr überstehen und danach an die Musikakademie nach New York gehen. Und diesem Traum steht nur einer im Weg. Ihr Musiklehrer Emeric Marceaux. Jedes Jahr wählt er die begabteste Schülerin für die Akademie aus, doch in Ivory sieht er mehr als nur Talent. Sie beherrscht seinen Willen, regt die dunkelsten Sehnsüchte in ihm. Sie zu lieben ist verboten und doch riskieren sie alles für jeden einzelnen heimlichen Moment. Bis neben Ivorys Zukunft plötzlich alles auf dem Spiel steht ...
"Dieser Roman ist voll poetischer Schönheit umhüllt von gespenstisch-dunklen Schatten!" TOTALLY BOOKED BLOG
Dieser Roman ist bei LYX.digital bereits als E-Book unter dem Titel Dark Notes - Verbotene Sinfonie erschienen.
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Seitenzahl: 643
Veröffentlichungsjahr: 2019
PAM GODWIN
His Darkest Symphony
Ins Deutsche übertragen von Kristiana Dorn-Ruhl
Schon vom ersten Tag an war die junge Ivory an ihrer Privatschule eine Außenseiterin. Ihre Mitschüler meiden sie und geben ihr jeden Tag das Gefühl, dass sie niemals dazu gehören wird. Doch ihr ist es egal, was die anderen über sie denken. Denn alles, was ihr wichtig ist, ist Klavier spielen, das letzte Schuljahr überstehen und danach an die Musikakademie nach New York gehen. Und diesem Traum steht nur einer im Weg. Ihr Musiklehrer Emeric Marceaux. Jedes Jahr wählt er die begabteste Schülerin für die Akademie aus, doch in Ivory sieht er mehr als nur ihr Talent. Sie beherrscht seinen Willen, regt die dunkelsten Sehnsüchte in ihm. Sie zu lieben ist verboten und doch riskieren sie alles für jeden einzelnen heimlichen Moment. Bis neben Ivorys Zukunft plötzlich so viel mehr auf dem Spiel steht …
Früher konnte ich die Armut leichter ertragen. Vermutlich, weil sie mir als Kind nicht so bewusst war. Weil ich glücklich war.
Doch heute besteht mein Leben nur noch aus Sorgen, Geschrei und unbezahlten Rechnungen.
Mit meinen siebzehn Jahren weiß ich nicht viel über die Welt, aber ich weiß, dass es schlimmer ist, sich ungewollt und unglücklich zu fühlen, als nichts zu essen zu haben.
Das Ziehen in meiner Magengegend wird stärker. Vielleicht muss ich mich noch übergeben, ehe ich das Haus verlasse. Es würde meine Nerven beruhigen und mir helfen, wieder klar zu denken. Nur dass ich auf die Kalorien nicht verzichten kann.
Einmal tief durchzuatmen bestätigt mir, dass die Knöpfe an meiner schönsten Bluse halten und meine üppige Oberweite züchtig verhüllt ist. Der knielange Rock passt heute Morgen besser als damals beim Kauf im Secondhandladen, nur die Ballerinas … Ach, was soll’s. Ich kann es nicht ändern, dass die Sohlen Löcher haben und die Kappen aufgeplatzt sind. Es ist mein einziges Paar Schuhe.
Ich trete aus dem Bad und tapse auf Zehenspitzen durch die Küche. Als ich mir mit zitternden Fingern durch das Haar fahre, fallen mir die triefenden Strähnen auf den Rücken, und die Bluse wird nass. Mist, schimmert jetzt mein BH durch den feuchten Stoff? Ich hätte mir die Haare hochstecken oder trocken rubbeln sollen, aber ich bin spät dran. Mein Magen zieht sich noch mehr zusammen.
Ich sollte nicht solche Angst haben. Es ist nur der erste Schultag nach den Ferien.
Mit dem einen Unterschied, dass dies mein Abschlussjahr an der Highschool sein wird. Das Jahr, das den Rest meines Lebens bestimmen wird.
Ein einziger Fehler, ein nicht ganz perfektes Zeugnis, ein Verstoß gegen die Kleiderordnung, die kleinste Übertretung werden mein Talent in den Hintergrund treten lassen, und ich bin wieder nur noch das arme Mädchen aus Treme. Bei jedem Schritt, den ich in den marmornen Fluren der Le Moyne Academy unter den lauernden Blicken der anderen tue, muss ich beweisen, dass ich mehr bin als das.
Le Moyne ist eine der landesweit besten, renommiertesten und teuersten privaten Highschools für darstellende Künste. Und obwohl ich die beste Pianistin in New Orleans bin, hat die Academy von Beginn an nach Gründen gesucht, um mich auszuschließen und meinen Platz einem Schüler zu geben, der nicht nur Talent, sondern auch Geld mitbringt.
Der Geruch von abgestandenem Rauch bringt mich in die Realität zurück. Ich drücke den Schalter an der Küchenwand, und Licht fällt auf Berge zerdrückter Bierdosen und leere Pizzakartons. Die Spüle quillt über von verkrusteten Tellern, auf dem Boden liegen Zigarettenkippen – und was ist das denn? Ich beuge mich über die Küchentheke und blicke auf einen Löffel mit Brennrückständen.
Dieser verdammte Mistkerl. Hat mein Bruder ernsthaft unser schönstes Besteck zum Koksen benutzt? Wut steigt in mir auf, als ich den für immer ruinierten Löffel in den Müll werfe.
Shane behauptet, er kann die Rechnungen nicht bezahlen, aber zum Feiern hat das arbeitslose Arschloch immer Geld. Und nicht nur das. Die Küche war makellos sauber, als ich zu Bett ging, abgesehen vom Schimmel an den Wänden und dem Kunststoffbelag, der sich von den Arbeitsplatten schält. Es ist unser Zuhause, verdammt noch mal. Es ist alles, was uns geblieben ist. Mom und er haben keinen Schimmer, was ich ertragen muss, um jeden Monat unsere Raten zu bezahlen. Ich hoffe für sie beide, dass sie es nie erfahren.
Weiches Fell streicht um meine Fesseln, und ich sehe zu Boden. Als mich große goldene Augen aus einem orange gefleckten Gesicht anblicken, entspannen sich meine verkrampften Schultern augenblicklich.
Schubert legt sein versabbertes Kinn schief und reibt seine Barthaare an meinem Bein, während sich sein Schwanz in der Luft windet. Manchmal denke ich, er ist das einzig Liebenswerte in diesem Haus.
»Ich muss los, mein Süßer«, flüstere ich und bücke mich, um ihm die Ohren zu kraulen. »Sei ein braves Kätzchen, ja?«
Ich nehme das letzte Stück Bananenbrot aus dem Versteck ganz hinten in der Vorratskammer, erleichtert, dass Shane es nicht entdeckt hat. Dann wickele ich es in ein Stück Küchenpapier und versuche mich so leise wie möglich aus der Tür zu schleichen.
Unsere klapprige Hütte ist ein Zimmer breit und fünf Zimmer lang und hat keinen Flur. Bei dieser Aufteilung würde ich, wenn ich auf der hinteren Treppe einen Schuss Richtung Vordertür abgeben würde, keine einzige Wand treffen.
Aber Shane würde ich treffen, und zwar in voller Absicht. Weil er ein nichtsnutziger Schwachkopf ist und außerdem eine verfluchte Belastung für mich. Abgesehen davon ist er neun Jahre älter und siebzig Kilo schwerer als ich und mein einziges Geschwister.
Die hundert Jahre alten Planken ächzen unter meinen Schritten, und ich lausche mit angehaltenem Atem, ob irgendwo im Haus Shanes versoffenes Grölen zu hören ist.
Gott sei Dank herrscht Stille.
Das eingewickelte Stück Kuchen an die Brust gedrückt, durchquere ich als Erstes Moms Zimmer. Vor einer halben Stunde bin ich zuletzt hier gewesen, im Halbschlaf auf dem Weg durchs Dunkel ins Bad. In dem wenigen Licht, das durch den Türspalt aus der Küche hereindringt, ist in ihrem Bett deutlich eine menschliche Gestalt zu erkennen.
Ich zucke überrascht zusammen und versuche mich zu erinnern, wann ich sie zuletzt gesehen habe. Vor zwei Wochen? Oder drei?
In meinem Brustkorb flattert es. Ist sie vielleicht gekommen, um mir für meinen ersten Schultag Glück zu wünschen?
In drei lautlosen Schritten bin ich an ihrem Bett. Die rechteckigen Zimmer sind klein und vollgestopft, doch die Decken reichen fast vier Meter in die Höhe. Daddy sagte immer, dank dem spitzen Dach und dem langen Grundriss könne seine Liebe besonders gut durch diese Räume zirkulieren.
Doch Daddy ist tot, und alles, was in diesen Räumen noch zirkuliert, ist die modrige Luft aus den Klimageräten in den Fenstern.
Ich beuge mich weit über die Matratze, um im Dunkeln Moms kurz geschnittenes Haar zu sehen. Dabei steigt mir der bittere Gestank von Bier und Gras entgegen. Was auch sonst? Na ja, immerhin ist sie allein. Ich habe keine Lust, den Stecher des Monats kennenzulernen.
Soll ich sie wecken? Mein Instinkt rät mir ab, aber es wäre schon schön, wenn sie mich in den Arm nehmen würde.
»Mom?«, flüstere ich.
Die Gestalt regt sich, und ein tiefes Grollen steigt aus dem Deckenberg hoch. Ein männliches Grollen, das mir entsetzlich vertraut ist.
Es läuft mir eiskalt über den Rücken, und ich stolpere rückwärts. Der beste Freund meines Bruders. Warum liegt er in Moms Bett?
Lorenzos dicker Arm schnellt hoch, seine Hand legt sich um meinen Nacken, und er zieht mich nach unten.
In dem Versuch, mich wegzudrücken, lasse ich den Kuchen fallen. Lorenzo ist viel stärker als ich, außerdem ein Mistkerl, und er reagiert generell nicht auf Nein.
»Nein«, sage ich trotzdem, vor Angst mit lauter Stimme, und mein Puls dröhnt in meinen Ohren. »Lass das!«
Er ringt mich auf das Bett nieder und schiebt mich mit dem Gesicht nach unten unter seinen schwitzenden Körper. Sein heißer, nach Bier stinkender Atem droht mich zu ersticken. Sein Gewicht, seine Hände … oh Gott, seine Erektion. Er rammt sie gegen meinen Hintern, schiebt meinen Rock hoch und keucht mir dabei heftig in die Ohren.
»Runter von mir!« Ich schlage wild um mich, kralle mich mit den Fingern in die Decke, doch das bringt gar nichts. »Ich will das nicht. Bitte, hör …«
Seine Hand schlägt mir über den Mund und lässt mich verstummen, während sein kräftiger Griff mich vollständig bewegungsunfähig macht.
Mein Körper erschlafft kalt und benommen wie ein totes Tier und entkoppelt sich von meinem Hirn. Ich lasse mich fallen, richte meine Konzentration auf etwas Vertrautes, das mir Sicherheit gibt, das ich liebe, und hülle meine gesamte Existenz in Dunkelheit, erfüllt von leichten Klavierklängen in atonalem Rhythmus: Skrjabins Sonate Nr. 9. Ich beobachte meine Finger, wie sie sich durch das Stück bewegen, höre die faszinierende Melodie und spüre, wie mich jeder schwingende Ton tiefer in die schwarze Messe hineinzieht. Weg aus diesem Zimmer. Raus aus meinem Körper. Weg von Lorenzo.
Eine Hand schlängelt sich unter mich, quetscht meine Brust und zerrt an meiner Bluse, doch ich bin längst verschmolzen mit den Dissonanzen, die ich sorgsam neu erschaffe und damit mein Hirn beschäftige. Er kann mir nicht wehtun. Nicht, solange ich bei meiner Musik bin.
Er bewegt sich, schiebt seine Hand unter meinen Slip, zwischen meine Pobacken, und macht sich grob an mir zu schaffen. Wie immer. Bis Blut fließt.
Die Sonate zerschellt in meinem Kopf, und ich versuche, die Akkorde wieder zusammenzusetzen. Doch seine Finger hören nicht auf, zwingen mich dazu, seine Berührung zu ertragen, während seine Hand meine Schreie erstickt. Ich schnappe nach Luft und trete wild mit den Beinen nach dem Nachttisch. Mein Fuß trifft die Lampe, die mit Getöse zu Boden fällt.
Lorenzo erstarrt und drückt seine Hand fester auf meinen Mund.
Lautes Klopfen lässt die Wand über meinem Kopf zittern. Shane hämmert mit der Faust dagegen. Mein Blut gefriert.
»Ivory!« Shanes Stimme dröhnt durch die Wand. »Hast mich verdammt noch mal aufgeweckt, du nichtsnutzige Scheißfotze!«
Lorenzo lässt von mir ab und rückt in den Lichtstrahl, der aus der Küche dringt. Indianertattoos verdunkeln seine Brust, von den schmalen Hüften hängt eine weite Jogginghose. Ein ahnungsloser Außenstehender würde ihn mit seinen Muskeln und den ausgeprägten Latinozügen vielleicht attraktiv finden. Doch das Äußere eines Menschen spiegelt seine Seele, und Lorenzos Seele ist durch und durch verdorben.
Ich rolle mich vom Bett, ziehe meinen Rock nach unten und hebe das Stück Kuchen vom Boden auf. Um zum Ausgang zu kommen, muss ich erst durch Shanes Zimmer und dann durch das Wohnzimmer. Vielleicht ist er noch nicht aus dem Bett gekrochen.
Mit hämmerndem Puls stürme ich in Shanes stockfinstere Höhle, wo ich – bum! – gegen seine nackte Brust stoße.
Ich ducke mich, um der unvermeidlichen Ohrfeige auszuweichen, doch dadurch erwischt er mich mit der anderen Hand. Der Aufprall schleudert mich zurück in Moms Zimmer. Die Augen von Alkohol und Drogen verschleiert, folgt er mir.
Unglaublich, dass er früher einmal Daddy ähnlich sah. Aber das ist lange her. Shanes blonder Haaransatz weicht zunehmend zurück, seine teigigen Wangen sind eingefallen, und sein Bauch wabbelt über lächerlichen Trainingsshorts.
Er hat nicht mehr trainiert, seit er vor vier Jahren von den Marines desertiert ist. Seitdem ist unser Leben komplett im Eimer.
»Warum zum Henker«, sagt Shane und stößt sein Gesicht gegen meins, »weckst du das ganze gottverdammte Haus auf morgens um fünf?«
Streng genommen ist es bereits kurz vor sechs, und ich habe noch rasch etwas zu erledigen, ehe ich mich auf die fünfundvierzig Minuten lange Fahrt zur Schule mache.
»Ich habe Schule, Arschloch.« Ich richte mich auf und straffe den Rücken, trotz der verzehrenden Angst in meinem Bauch. »Du solltest besser Lorenzo fragen, was er in Moms Bett verloren hat, warum er mich begrapscht und ich schreie, dass er aufhören soll.«
Ich sehe, wie Shane den Blick seinem Freund zuwendet. Die Zeichen, die sich über die Seiten von Lorenzos Gesicht bis hinauf in seine Koteletten ziehen, sind verblasst. Doch das frische Tattoo auf seinem Hals leuchtet so stark und schwarz wie seine Augen: Destroy. So wie er mich anstarrt, ist das als Drohung zu verstehen.
»Sie ist mal wieder über mich hergefallen«, behauptet er mit Blick auf mich. Aus seinen Augen blitzt die reine Bosheit. »Du weißt ja, wie sie ist.«
»Schwachsinn!« Mit bittender Stimme wende ich mich wieder an Shane. »Er lässt mich einfach nicht in Ruhe. Jedes Mal wenn du nicht hinsiehst, reißt er mir die Kleider vom Leib und …«
Shane packt mich am Nacken und stößt mich mit dem Gesicht gegen die Türklinke. Ich versuche, auszuweichen, mich seinem brutalen Zorn zu widersetzen, doch mein Mund trifft auf die scharfe Kante.
Schmerz flammt in meinen Lippen auf. Als ich Blut schmecke, recke ich das Kinn vor, um meine Kleidung nicht zu besudeln.
Er lässt mich los. Sein Blick ist dumpf und doch hasserfüllter als je zuvor. »Wenn du meinem Freund jemals wieder deine Titten zeigst, schneide ich sie dir ab. Hast du mich verstanden?«
Meine Hände fliegen an meine Brust, und Verzweiflung überkommt mich, als ich durch den weit geöffneten Ausschnitt mein nacktes Dekolleté spüre. Mindestens zwei Knöpfe fehlen. Verdammt! Die Schule wird mich wieder einmal abmahnen oder, schlimmer noch, mich hinausschmeißen. Verzweifelt suche ich Bett und Boden – ein Meer aus schmutziger Wäsche – nach kleinen Plättchen aus Plastik ab. Ich werde sie nie finden, und wenn ich jetzt nicht gehe, wird es nur noch mehr Blut und fehlende Knöpfe geben.
Ich drehe mich um und renne durch Shanes Zimmer, so schnell ich kann, sein wütendes Gebrüll im Rücken. Im Wohnzimmer schnappe ich mir meine Umhängetasche von der Couch, die mir als Bett dient, und im nächsten Moment bin ich draußen vor der Tür und atme erleichtert in den grauen Himmel. Die Sonne wird frühestens in einer Stunde aufgehen, und die verlassenen Straßen liegen still da.
Während ich aus dem Vorgarten trete, versuche ich, die letzten zehn Minuten aus meinem Kopf zu verbannen, indem ich sie im Geiste wegpacke – in einen altmodischen braunen Lederkoffer mit kleinen hellbraunen Schnallen. Der Koffer bleibt auf der Veranda zurück, stelle ich mir vor, weil er zu schwer ist, um ihn mitzuschleppen.
Es ist nicht weit bis zur Bushaltestelle. Wenn ich mich beeile, kann ich noch nach Stogie sehen, ehe der nächste 91er kommt.
Ich umkurve die Schlaglöcher in den breiten Alleen, die gesäumt sind von Häusern, die zum Teil wie unseres keinen Flur haben. Sie sind bunt gestrichen und mit den typischen Merkmalen des tiefen Südens verziert – schmiedeeiserne Geländer, Gaslampen, Schiebefenster und Giebel mit kunstvollen Schnörkeln. Eigentlich ein hübscher Anblick, wenn man sich die durchhängenden Veranden, die Graffitis und den überall verstreuten Müll wegdenkt. Vereinzelte leere Grundstücke, inzwischen längst von Pflanzen überwuchert, erinnern an den letzten Hurrikan. Als bräuchten wir eine Erinnerung daran. Trotz allem ist Treme nach wie vor lebendig, und das liegt an seinem fruchtbaren Boden, seiner Kultur und Tradition und dem Lächeln der Menschen, die diesen vernachlässigten Stadtteil ihr Zuhause nennen. Menschen wie Stogie.
Die mit schweren Riegeln versehene Tür seines Musikladens ist unverschlossen. Auch wenn er praktisch keine Kundschaft hat, öffnet er seinen Laden, sobald er morgens aufsteht. Es ist immerhin seine Haupterwerbsquelle.
Die Glocke über der Tür läutet, als ich eintrete, und mein Blick fällt wie immer sofort auf den alten Steinway in der Ecke. Seit ich denken kann, habe ich sämtliche Sommerferien damit verbracht, diese Tasten zu bearbeiten, bis mir der Rücken wehtat und meine Finger taub waren. Irgendwann wurde aus diesen Besuchen ein Job. Ich kümmere mich um Kundschaft, Buchhaltung, Inventur, was auch immer gerade anfällt. Allerdings geht das nur in den Sommerferien, wenn ich keine Gelegenheit habe, meine andere Einkommensquelle zu nutzen.
»Ivory?« Stogies rauchiger Bariton hallt durch den kleinen Laden.
Ich lege das Bananenbrot auf die Glastheke und rufe nach hinten. »Ich bringe nur Frühstück vorbei.«
Das Schlurfen seiner Slipper kündigt an, dass er auf dem Weg nach vorn ist, dann erscheint seine gebückte Gestalt auch schon in der Tür zu seiner Wohnung. Mit seinen neunzig Jahren bewegt sich der Mann immer noch erstaunlich behände durch den Laden, als wäre sein zerbrechlicher Körper nicht von Arthritis gezeichnet.
Sein umwölkter Blick verrät, dass er schlecht sieht, doch im Näherkommen entdecken seine Augen sofort die fehlenden Knöpfe an meiner Bluse und meine aufgeplatzte, geschwollene Lippe. Die Falten unter dem Schirm seiner Baseballkappe vertiefen sich. Er hat schon öfter gesehen, was Shane anrichten kann, und ich bin ihm dankbar dafür, dass er keine Fragen stellt oder Mitleid zeigt. Ich bin vielleicht die einzige Weiße in seiner Gegend, und ich bin definitiv das einzige junge Mädchen hier, das auf eine Privatschule geht, doch damit erschöpfen sich die Unterschiede zwischen uns auch schon. Die Bürde, die ich zu tragen habe, ist in Treme ebenso häufig anzutreffen wie Karnevalstaler in der Bourbon Street an Mardi Gras.
Während er mich von Kopf bis Fuß mustert, kratzt er sich die spärlichen Barthaare, die sich blütenweiß von seiner kohlschwarzen Haut abheben. Seine Arme zittern sichtlich, und er strafft die Schultern – bestimmt um zu verbergen, dass er Schmerzen hat. Über Monate habe ich zugesehen, wie es gesundheitlich mit ihm bergab ging, aber ich kann nichts dagegen tun. Ich weiß nicht, wie ich ihm helfen oder sein Leiden lindern könnte, und das bringt mich allmählich zur Verzweiflung.
Ich weiß, wie es finanziell um ihn bestellt ist. Er kann sich keine Medikamente und keinen Arztbesuch leisten, nicht mal die einfachsten Dinge wie Essen. Und am allerwenigsten kann er sich eine Angestellte leisten, was es mir letzten Sommer wirklich schwer gemacht hat, für ihn zu arbeiten. Wenn ich im Frühjahr in Le Moyne meinen Abschluss mache, werde ich Treme verlassen, und Stogie muss sich nicht länger verpflichtet fühlen, sich um mich zu kümmern.
Aber wer wird sich dann um ihn kümmern?
Er zieht ein Taschentuch aus seiner Hemdtasche und legt es mit zitternder Hand auf meine Lippe.
»Du siehst heute Morgen ganz schön fesch aus.« Seine klugen Augen mustern mich eindringlich. »Aber auch nervös.«
Ich schließe die Augen, während er das Blut wegtupft. Er weiß bereits, dass meine stärkste Verbündete in der Schule ihre Stellung als Leiterin der Musikabteilung aufgegeben hat. Mein Verhältnis zu Mrs McCracken hatte sich über drei Jahre entwickelt. Sie war die einzige Lehrerin in Le Moyne, die voll hinter mir stand. Ihre Unterstützung zu verlieren war, als müsste ich mich ganz neu für ein Stipendium bewerben.
»Ich habe nur ein Jahr Zeit.« Ich öffne die Augen und sehe Stogie an. »Ein Jahr, um einen neuen Lehrer zu beeindrucken.«
»Alles, was du brauchst, ist ein einziger Moment. Du musst ihn nur ergreifen.«
Ich werde den 91er-Bus nehmen, die Haltestelle ist nur ein paar Straßen entfernt. Die Fahrt dauert fünfundzwanzig Minuten, danach muss ich noch zehn Minuten zu Fuß gehen. Ich sehe auf meine Armbanduhr. Noch kann ich pünktlich dort sein, zwar mit abgerissenen Knöpfen und einer aufgesprungenen Lippe, aber intakten Fingern.
»Fällt es auf?« Ich fahre mit der Zunge über die Wunde an meinem Mund und zucke zusammen, weil um die offene Stelle herum alles geschwollen ist.
»Ja.« Er sieht mich aus schmalen Augen an. »Aber weitaus weniger als dein Lächeln.«
Unwillkürlich heben sich meine Mundwinkel, und das war ganz sicher das, was er beabsichtigte. »Du bist so ein Charmeur.«
»Nur wenn die Lady es wert ist.« Er öffnet die Krimskramsschublade neben ihm und wühlt mit zitternder Hand durch Gitarrenplektren, Rohrblätter, Nägel … Was sucht er bloß?
Oh! Ich schnappe mir die Sicherheitsnadel neben seinem umhertastenden Finger und suche weiter. »Hast du noch eine?«
»Nein, nur die.«
Durch geschicktes Zupfen und Ziehen gelingt es mir, meinen Blusenausschnitt zu verkleinern und mit der Nadel zusammenzuheften. Ich lächele ihn dankbar an.
Er tätschelt mir den Kopf und macht eine scheuchende Bewegung. »Und jetzt geh. Raus mit dir.«
Was so viel heißt wie: Geh zur Schule, damit du Treme und dieses Leben hinter dir lassen kannst.
»Das ist mein Plan.« Ich schiebe ihm das Bananenbrot über die Theke zu.
»Nein, nein. Das ist für dich.«
»Ich bekomme in der Schule was zu essen.«
Er weiß, dass ich lüge, spielt aber mit.
Als ich mich zum Gehen wende, packt er mein Handgelenk mit einer Kraft, die ich ihm niemals zugetraut hätte.
»Die sollen sich glücklich schätzen, dass sie dich haben.« Seine dunklen Augen blitzen auf. »Sorg dafür, dass sie das nie vergessen.«
Er hat recht. Nur weil meine Familie keine dicken Spenden entrichten kann und keine einflussreichen Leute kennt, heißt das noch lange nicht, dass ich ein Fall für die Wohlfahrt bin. Die Schulgebühren für die gesamten vier Jahre wurden im Voraus bezahlt, als ich zehn war, und mit vierzehn habe ich alle Eingangsprüfungen und jedes Vorspielen bestanden, genau wie meine Mitschüler. Solange ich im Unterricht, bei Schulkonzerten, Vorträgen und im Verhalten besser bin als alle anderen, findet es die Schule vielleicht nicht ganz so nötig, mich hinauszuwerfen.
Nach einem Kuss auf Stogies zerknitterte Wange steuere ich die Bushaltestelle an. Das Ziehen in meinem Magen will nicht aufhören. Was, wenn mich der neue Musiklehrer hasst, wenn er mich in der Vorbereitung auf das Studium nicht fördern und unterstützen will? Daddy wäre am Boden zerstört. Gott, das ist meine größte Sorge. Schaut Daddy mir zu? Hat er gesehen, was ich getan habe, um all das möglich zu machen? Was ich schon heute Abend wieder tun muss? Vermisst er mich genauso wie ich ihn?
Manchmal tut das Loch, das er in meinem Leben hinterlassen hat, so schrecklich weh, dass ich es kaum ertragen kann. Manchmal will ich mich dem Schmerz einfach ergeben und zu ihm gehen, wo auch immer er ist.
Doch genau deshalb kommt heute die größte Herausforderung ganz oben auf meine Erledigungsliste.
Lächeln. Heute werde ich lächeln.
Nach der morgendlichen Konferenz verlassen meine neuen Kollegen und Kolleginnen in einer gleichförmigen Prozession aus steifen Anzügen und klappernden Absätzen die Bibliothek. Ich bleibe am Tisch sitzen und warte, bis sich der Pulk verlaufen hat, während ich aus dem Augenwinkel Beverly Rivard beobachte.
Sie steht immer noch genauso autoritär am Kopfende des Tisches wie zu Beginn der Sitzung, als sie mich dem Kollegium vorstellte. Noch hat sie mir kaum einen Blick zugeworfen. Doch das wird sich ändern, sobald der Raum leer ist. Zweifellos hat sie noch einen Punkt auf ihrer Liste, über den sie unter vier Augen mit mir sprechen möchte.
»Mr Marceaux.« Den Blick auf mich geheftet, schreitet sie über den Marmorboden auf mich zu, wobei ihre hochhackigen Pumps erstaunlich lautlos bleiben. Die Tür hinter dem letzten Mitarbeiter schließt sich. »Ein kurzes Wort noch, bevor Sie gehen.«
Es wird mehr sein als nur ein kurzes Wort, aber ich will sie nicht mit sprachlichen Feinheiten von dem hohen Ross stoßen, auf dem sie mir gegenüber zu sitzen glaubt. Es gibt andere, kreativere Methoden, sie in die Knie zu zwingen.
Ich falte die Hände im Schoß, lehne mich auf dem mit Leder bezogenen Stuhl zurück, einen Ellbogen auf dem Tisch, einen Fußknöchel über dem Knie, und erwidere ihren Blick. Sie ist der Typ Frau, der Forderungen stellt und seinen Einfluss geltend macht. Im Moment allerdings ist alles, was ich zu geben bereit bin, Aufmerksamkeit.
Beverly schlendert um den langen Tisch herum. Ihr dezentes Kostüm schmiegt sich um ihren schlanken Körper. Obwohl zwanzig Jahre älter als ich, hat sie sich ihre elegante Erscheinung ziemlich gut erhalten. Ihr blasses Gesicht ist geprägt von hohen Wangenknochen und schmalen aristokratischen Zügen und weist kaum Falten auf.
Es ist schwer zu sagen, ob ihr hochgestecktes Haar grau oder blond ist. Ich wette, sie trägt es nie offen. Dabei geht es ihr gar nicht darum, männliche Blicke auf sich zu lenken. Nein, sie bezieht grimmigen Stolz aus ihrer überlegenen Position. Sie liebt es, Befehle zu erteilen und zuzusehen, wie sich ihre Untergebenen überschlagen, um ihr in den Hintern zu kriechen.
Unser erstes persönliches Zusammentreffen in den Sommerferien hat mir erste Einblicke in ihr Wesen gewährt. Den Rest habe ich mir erschlossen. Sie wurde nicht Rektorin von Le Moyne, weil sie ein gutes Herz hat oder sich von Konkurrenz einschüchtern lässt.
Ich weiß aus eigener Erfahrung, was es heißt, eine Schule wie diese zu leiten.
Ich weiß auch, wie leicht man diese Position auch wieder verlieren kann.
Auf ihrem Weg zu mir lässt die Leiterin der Le Moyne Academy ihren scharfen Blick über die Nischen zwischen den Mahagoniregalen, den verlassenen Schreibtisch der Bibliothekarin und die leeren Couchen am anderen Ende des Raumes gleiten. Ja, Beverly. Wir sind allein.
Sie lässt sich auf dem Stuhl neben mir nieder, schlägt die Beine übereinander und mustert mich mit einem berechnenden Lächeln. »Schon im neuen Haus eingelebt?«
»Tun wir doch nicht so, als würde Sie das interessieren.«
»Schön.« Sie streicht mit manikürten Fingernägeln über ihren Rock. »Barb McCrackens Anwalt hat mich angerufen. Wie es aussieht, hat sie nicht vor, still und leise abzutreten.«
Nicht mein Problem. Ich zucke mit den Schultern. »Sie sagten, Sie würden sich darum kümmern.«
Vielleicht ist Beverly nicht so kompetent, wie ich dachte.
Sie summt hinter ihrem Lächeln, doch es sieht jetzt etwas verkniffener aus. »Ich habe mich darum gekümmert.«
»Haben Sie ihr noch mehr Geld in den Rachen geworfen?«
Ihr Lächeln erstirbt. »Mehr als vereinbart war, diese habgierige Schlam …« Ihr Mund schrumpft zu einem Strich, während sie sich im Stuhl zurücklehnt und in den Raum blickt. »Was soll’s. Es ist erledigt.«
Ich entspanne meinen Mund zu einem leichten Lächeln, ein demonstratives Zeichen der Belustigung. »Schon Bedenken wegen unseres Arrangements?«
Sie blickt mich wieder an. »Sie sind ein Risiko, Mr Marceaux.« Ihre Augen verengen sich zu eisigen Schlitzen, und sie dreht ihren Stuhl zu mir. »Wie viele Stellen wurden Ihnen angeboten seit dem Debakel in Shreveport? Hm?«
Ihr Sarkasmus weckt eine Flut aus Wut und Enttäuschung in mir, die meinen Puls in die Höhe jagt. Meine Kehle brennt, ich habe das Gefühl, ich müsste gleich ausrasten, doch ich hebe nur leicht eine Augenbraue.
»Ja. Nun gut.« Sie schnieft herablassend. Oder aus Unsicherheit. Wahrscheinlich beides. »Le Moyne hat einen exzellenten Ruf, den ich zu wahren gedenke. McCrackens Weggang und meine Bereitschaft, Sie an ihrer Stelle zu beschäftigen, haben Misstrauen hervorgerufen.«
Shreveport hat mich meinen Ruf als Lehrer gekostet, auch wenn der Grund für meine Kündigung nie offiziell genannt wurde. Doch die Leute reden. Die Gerüchteküche wird auch hier brodeln. Es wäre sinnvoller, gleich mit der Wahrheit herauszurücken, statt mich dem Tratsch der gesamten Lehrer- und Elternschaft der Schule auszusetzen. Dummerweise hat Beverly mein Schweigen zur Bedingung für meine Einstellung gemacht.
»Denken Sie daran, was wir vereinbart haben.« Ihre Ellbogen sind eng an ihre Seiten gepresst, und ihre Augen schimmern leicht glasig. »Halten Sie den Mund, und überlassen Sie es mir, die Schafe und ihr Geblöke im Zaum zu halten.«
Sie sagt das so, als müsste ich von ihren unmoralischen Geschäftspraktiken beeindruckt sein. Dabei verrät ihre Hand, was wirklich in ihr vorgeht. Ihre Angst ist spürbar. Sie hat eine Lehrerin, die kurz davorstand, Anspruch auf eine unbefristete Stelle zu bekommen, entlassen und sich deren Schweigen erkauft, nur um mich zu holen, rein zu ihrem persönlichen Vorteil. Wenn sie die Lage wirklich im Griff hätte, würde sie jetzt kein Vier-Augen-Gespräch mit mir führen. Sie ist kaltblütig genug, um ihren Mitmenschen das Leben zu ruinieren. Ob sie mir gewachsen ist, wird sich zeigen.
Ich fahre mir mit dem Daumen über die Unterlippe und genieße ihren Blick, der widerstrebend der Bewegung folgt.
Die Haut unter ihrem Blusenkragen färbt sich rosa. »Entscheidend für uns ist Ihre Leistung als Lehrer.« Sie hebt das Kinn. »Ich erwarte, dass Sie im Unterricht jederzeit professionell …«
»Erzählen Sie mir nicht, wie ich meine Arbeit tun soll.« Ich war ein angesehener Lehrer, ehe ich Karriere in der Verwaltung machte und die Schulleitung übernahm. Sie kann sich ihre selbstgerechte Arroganz sonst wohin stecken.
»Wie die meisten Lehrer scheinen Sie ein Problem mit dem Lernen zu haben. Passen Sie gut auf.« Sie beugt sich vor. »Ich werde nicht zulassen«, sagt sie leise und stakkatohaft, »dass Sie meine Schule mit Ihren Perversionen besudeln. Wenn Sie sich wieder so ein Fehlverhalten leisten wie in Shreveport, ist unsere Abmachung sofort hinfällig.«
Der Gedanke an das, was ich verloren habe, lässt Wut in mir aufsteigen. »Es ist jetzt schon das zweite Mal, dass Sie Shreveport erwähnen. Warum? Sind Sie so neugierig?« Ich sehe sie mit provozierendem Blick an. »Na los, Beverly. Stellen Sie die Fragen, die Ihnen auf der Seele brennen.«
Sie bricht den Blickkontakt ab, ihr Rücken versteift sich. »Man stellt nicht eine Hure an, um ihre Abenteuer zu hören.«
»So, jetzt bin ich also eine Hure? Ändern Sie gerade die Bedingungen unserer Abmachung?«
»Nein, Mr Marceaux. Sie wissen, warum ich Sie eingestellt habe.« Ihre Stimme hebt sich um eine Oktave. »Wir haben ausdrücklich vereinbart, dass absolutes Stillschweigen gewahrt bleiben soll.« Sie senkt die Stimme. »Ich will darüber kein weiteres Wort hören.«
Von dem Moment an, als sie Kontakt zu mir aufnahm, habe ich ihr die Oberhand überlassen. Jetzt möchte ich zu gern sehen, wie sie mit ein wenig Demütigung zurechtkommt.
Ich neige mich vor, fasse an die Armlehnen ihres Stuhls und ziehe sie heran. »Sie lügen, Beverly. Ich glaube, Sie wollen alle schmutzigen Details hören. Soll ich beschreiben, in welchen Positionen wir es getan haben, was für Laute sie ausgestoßen hat und wie groß mein Schwanz ist …?«
»Aufhören!« Sie atmet keuchend ein und legt ihre zitternde Hand auf ihre Brust, ehe sie sie zur Faust ballt und wieder die würdevolle Miene aufsetzt, die sie der Welt zeigt. »Sie sind widerlich.«
Mit einem Lächeln lehne ich mich im Stuhl zurück.
Sie springt auf die Beine und funkelt mich von oben herab an. »Halten Sie sich von meinem Personal fern, insbesondere von den Frauen, die für mich arbeiten.«
»Ich habe mir bei der Konferenz heute Morgen angesehen, was so im Angebot ist. Sie sollten dringend ein paar Auswechslungen vornehmen.«
Es gab ein paar Lehrerinnen mit straffen Kurven und jede Menge interessierte Blicke in meine Richtung, doch deswegen bin ich nicht hier. Es gibt Dutzende von Frauen, die sofort für mich bereitstehen, wenn ich rufe, und mein Fehler in Shreveport … Ich spüre, wie mein Kiefer verkrampft. So einen Fehler werde ich nie wieder begehen.
»Sie dagegen …« Ich lasse die Augen über ihre stocksteife Gestalt wandern. »Sie sehen aus, als könnten Sie einen guten harten Fick gebrauchen.«
»Sie vergessen sich.« Ihr warnender Tonfall verliert an Wirkung, weil sie beim Zurückweichen ganz unsicher auf ihren Absätzen wird.
Sie dreht sich um und flieht zum anderen Ende des Tisches. Je weiter sie sich von mir entfernt, umso sicherer wird ihr Gang. Nach ein paar weiteren Schritten blickt sie über die Schulter, als rechne sie damit, mich dabei zu ertappen, wie ich auf ihren flachen Hintern starre. Ich zucke zusammen. Diese arrogante Schlampe glaubt ernsthaft, ich wäre an ihr interessiert.
Ich stehe auf, schiebe eine Hand in meine Hosentasche und schlendere auf sie zu. »Erfüllt Mr Rivard im Schlafzimmer etwa nicht Ihre Bedürfnisse?«
Am Ende des Tisches angekommen, packt sie ihre Unterlagen zusammen, ohne meinen Blick zu erwidern. »Machen Sie nur so weiter, dann werde ich dafür sorgen, dass Sie nie wieder ein Klassenzimmer von innen sehen.«
Dass sie glaubt, das Heft in der Hand zu haben, macht es mir verdammt schwer, nicht mit gebleckten Zähnen auf sie loszugehen.
Ich trete nah an sie heran. »Drohen Sie mir noch einmal, und Sie werden es bereuen.«
»Treten Sie zurück.«
Ich beuge mich vor und lasse meinen Atem über ihr Ohr streichen. »Jeder Mensch hat Geheimnisse.«
»Ich habe keine …«
»Wärmt sich Mr Rivard in einem anderen Bett?«
Es ist nur eine Spekulation, doch ein leichtes Beben ihrer Hand verrät mir, dass ich auf der richtigen Spur bin.
Ihre Nasenflügel weiten sich. »Unverschämtheit.«
»Was ist mit Ihrem Mustersöhnchen? Was hat er getan, um Sie in diese prekäre Lage zu bringen?«
»Er hat gar nichts getan!«
Wenn das stimmte, wäre ich nicht hier. »Sie zittern, Beverly.«
»Dieses Gespräch ist hiermit zu Ende.« Sie tritt um mich herum, mit dem Blick zur Tür, und stolpert.
Aus dem Gleichgewicht gebracht, lässt sie die Blätter fallen, die sie in der Hand hielt, und stürzt vor mir auf die Knie. Perfekt.
Sie wirft mir von unten herauf einen verwirrten Blick zu, und als ihr bewusst wird, dass ich keinerlei Versuch unternommen habe, sie aufzufangen, nimmt ihr Gesicht einen dezenten Rotton an.
Die Augen zum Boden gerichtet, sammelt sie mit zorniger Hast ihre Blätter wieder ein. »Es war ein Fehler, Sie einzustellen.«
Ich trete auf das Blatt, nach dem sie greift, und blicke auf sie hinunter. »Entlassen Sie mich doch.«
»Ich …« Sie schaut auf die Schlangenlederprägung meiner Doc Martens. »Halten Sie sich an die Abmachung, und nutzen Sie Ihre Verbindungen.« Ihre Stimme klingt entmutigt.
Die Abmachung beinhaltet, dass ich ihren nichtsnutzigen Sohn am Leopold Conservatory unterbringen soll, der renommiertesten Musikhochschule des Landes.
Im Gegenzug gab sie mir eine Anstellung, als sonst keiner bereit dazu war. Ich werde mich an meinen Teil der Abmachung halten, aber ich werde mich nicht unterordnen und kuschen wie ihre Untergebenen. Sie hat keine Ahnung, worauf sie sich eingelassen hat, doch das wird sie schon noch erfahren.
Ich schiebe das Blatt mit dem Schuh in Richtung ihrer Finger, gebe es aber nicht frei. »Ich denke, unser Verhältnis ist geklärt.« Ich hebe meinen Fuß und lasse zu, dass sie das Papier nimmt. »Es besteht kein Zweifel, was die Bedingungen sind und wer wo steht.«
Sie erstarrt und lässt den Kopf hängen.
Gedemütigt.
Ich wende mich ab und verlasse mit schlendernden Schritten die Bibliothek.
»Ich habe gehört, sie stopft sich den BH aus.«
»So eine Schlampe.«
»Hat sie diese Schuhe nicht schon letztes Jahr getragen?«
Auf den überfüllten Fluren ist Gemurmel zu hören, es wird hinter vorgehaltenen manikürten Händen geflüstert, aber doch so, dass ich es hören kann. Fällt den Mädchen nach drei Jahren nichts anderes ein?
Während ich mir im Vorbeigehen anhöre, was es über Modedesigner, iPhone-Sondereditionen und schwarze American-Express-Karten Neues gibt, zwinge ich mich zu einem Lächeln und ermahne mich, dass ich dasselbe Recht wie sie habe, hier zu sein.
»Ich frage mich, aus wessen Bett sie heute Morgen gekrochen ist.«
»Im Ernst, ich kann sie bis hierher riechen.«
Die Bemerkungen machen mir nichts aus. Es sind nur Worte. Fantasielose, unreife, hohle Worte.
Wem mache ich da eigentlich etwas vor? Manche dieser Spitzen sind durchaus nah an der Wahrheit, und sie aus hasserfüllten Mündern zu hören verschlägt mir den Atem. Doch ich habe gelernt, dass sie sich von Tränen nur noch mehr angespornt fühlen.
»Prescott sagt, er duscht dreimal, nachdem er sie gebumst hat.«
Mitten im Flur bleibe ich stehen, und der Strom der Schüler fließt um mich herum weiter. Ich atme tief durch und gehe zu dem Grüppchen zurück.
Als sie mich kommen sehen, entfernen sich einige von ihnen schleunigst. Ann und Heather bleiben stehen und sehen mir mit der morbiden Neugier entgegen, die Touristen meinen obdachlosen Nachbarn entgegenbringen. Mit durchgedrücktem Rücken auf stabilen Tänzerinnenbeinen unter ihren knielangen Röcken sehen sie mir entgegen, ohne zu blinzeln.
»Hallo.« Ich lehne mich an die Spinde, neben denen sie stehen, und lächele, während sie untereinander Blicke tauschen. »Ich erzähle euch jetzt etwas, aber ihr müsst es für euch behalten.«
Sie verengen misstrauisch die Augen, aber neugierig sind sie trotzdem. Für Tratsch tun sie alles.
»Die Wahrheit ist …« Ich deute auf meine Brüste. »Ich hasse diese Dinger. Es ist schwer, passende Blusen zu finden« – geschweige denn, welche, die man sich leisten kann – »und dann kann immer noch das passieren.« Ich deute auf die Sicherheitsnadel. »Knöpfe platzen ab.« Ich werfe einen kurzen Blick auf ihre Flachbrüste. Ein klein wenig bin ich neidisch auf ihre Gazellenfiguren, doch das verberge ich hinter Sarkasmus. »Muss sehr praktisch sein, wenn man sich da keine Gedanken machen muss.«
Die Größere der beiden, Ann, schnaubt empört. Sie ist gertenschlank, anmutig und selbstbewusst und die beste Tänzerin der Schule. Außerdem ist sie unglaublich schön, mit ihrem taxierenden Blick und den vollen Lippen in einem dunkelhäutigen Gesicht, das sie mit kühlen Mitternachtstönen konturiert hat.
Wenn es in Le Moyne Prom-Bälle gäbe, wäre sie die Ballkönigin. Aus rätselhaften Gründen hat sie mich von Anfang an gehasst. Sie hat nicht mal versucht, etwas dagegen zu tun.
Neben ihr steht Heather, ihr allgegenwärtiger Schatten. Ich bin sicher, die Bemerkung über meine Schuhe kam aus ihrem Mund, doch sie ist zurückhaltender als Ann und viel zu schüchtern, um offen gemein zu mir zu sein.
Ich hebe einen Fuß und drehe ihn, sodass sie die Löcher im Plastik sehen können. »Die habe ich letztes Jahr getragen. Und im Jahr davor … und im Jahr davor auch. Genau genommen, sind das die einzigen Schuhe, die ihr je an mir gesehen habt.«
Heather fummelt an ihrem langen braunen Zopf und mustert meine ausgetretenen Ballerinas mit gerunzelter Stirn. »Was hast du für eine Größe? Ich könnte dir von meinen …«
»Ich will deine abgelegten Sachen nicht.«
Natürlich will ich sie, aber das könnte ich nie im Leben zugeben. Es ist schon so schwer genug, mich in diesen heiligen Hallen zu behaupten. Auf keinen Fall würde ich das in geerbten Schuhen schaffen.
Vom ersten Tag an habe ich ihre verbalen Angriffe mit ehrlicher Offenheit pariert, so wie mein Vater es getan hätte. Und trotzdem, das Jahr hat kaum angefangen, da zielen sie schon wieder mit Giftpfeilen auf mich, die mir unter die Haut gehen.
Ich beschließe, die Taktik zu ändern und sie mit einer harmlosen Lüge zum Schweigen zu bringen. »Es sind die Schuhe meiner Großmutter, das Einzige, was sie besaß, als sie in die Staaten eingewandert ist. Sie hat sie meiner Mutter vererbt, die sie mir weitergegeben hat als Symbol für Stärke und Widerstandskraft.«
Ich habe gar keine Großmutter, doch Heathers schuldbewusste Miene verrät mir, dass ich ihre kostbare goldene Seifenblase zum Platzen gebracht habe.
Ein Gefühl des Triumphs kriecht meinen Rücken hinauf. »Bevor du das nächste Mal den Mund aufmachst, denk daran, dass du keine blasse Ahnung hast.«
Heather hält die Luft an, als hätte ich sie beleidigt.
»Und was Prescott Rivard angeht …« Ich neige mich zu ihnen und blicke mich in dem überfüllten Flur um, als wäre es mir völlig egal, wer mich hört. »Er hat ein Problem mit Sex. So wie alle Kerle. Sie wollen es, und wenn man es ihnen nicht gibt, nehmen sie es sich, versteht ihr?«
Ann und Heather glotzen mich mit ausdruckslosem Blick an. Ohne den blassesten Schimmer. Wie können sie nur so naiv sein?
Ich ziehe den Gurt meiner Umhängetasche an meiner Schulter zurecht. Es löst förmlich einen Juckreiz bei mir aus, all das, was ich unterschlage, was ich nicht erzähle. »Jemand muss dafür sorgen, dass die Jungs happy sind. Ich leiste meinen Beitrag dazu, dass es an unserer Schule keine sexuelle Gewalt gibt. Ihr solltet mir dankbar sein.«
Das klang jetzt wesentlich selbstloser, als es ist. Ich tu, was ich tun muss, um zu überleben.
Ann starrt mich über ihre gerümpfte Nase hinweg an. »Du bist so eine Schlampe.«
Dieses Etikett trage ich seit meinem ersten Jahr an dieser Schule. Ich habe nie versucht, ihre Spekulationen zu entkräften. Doch es gibt keine Beweise dafür, dass ich gegen die Schulvorschriften verstoße. Solange es nicht auf dem Schulgelände passiert und ich nicht schwanger werde, können sie mich nicht von der Schule verweisen. Natürlich sind die Gerüchte meinem ohnehin unterirdischen Ruf nicht eben zuträglich, aber sie lenken auch davon ab, warum ich mich in Wahrheit mit den Jungs von Le Moyne einlasse. Das wäre ein Grund, für den ich sofort fliegen würde.
»Eine Schlampe?« Ich senke meine Stimme zu einem verschwörerischen Flüstern. »Ich hatte schon eine ganze Weile keinen Sex mehr. Ich meine, bestimmt seit achtundvierzig Stunden.« Ich wende mich ab, warte, bis sie sich von ihrer Schnappatmung erholt haben, und drehe mich grinsend zu Ann um. »Aber dein Dad hat versprochen, dass er das heute Abend wiedergutmacht.«
»Oh mein Gott.« Ann krümmt sich, legt eine Hand auf ihren Bauch und eine auf ihren offenen Mund. »Wie eklig!«
Aha, Sex mit ihrem Vater wäre eklig? Das werde ich sicher nie erfahren, aber Sex ist immer eklig. Grauenvoll. Unerträglich.
Und immer gleich.
Ich lasse sie vor Schock stehen und bringe die erste Hälfte des Tages hinter mich, ohne mein Lächeln eingebüßt zu haben. Die Vormittage in Le Moyne sind ein Kinderspiel, weil nur die allgemeinen Fächer unterrichtet werden wie Englisch und Geschichte, Naturwissenschaften und Mathe sowie Sprachen. Um die Mittagszeit zerstreuen sich alle, um essen zu gehen und Fitnesstraining zu machen, ehe es dann ernst wird und wir zu unseren Vertiefungskursen gehen.
Tägliches Fitnesstraining und ein gesundes Mittagessen sind unerlässlich, gelten als fester Bestandteil einer ausbalancierten musischen Lebensweise. Für mich ist die Mittagspause eher eine lästige Einrichtung, da ich weder Essen noch Geld habe, um welches zu kaufen.
Ich stehe an meinem Spind im Campus-Center, als mein Magen laut anfängt zu knurren. Zum Hungergefühl hinzu kommt ein dicker Knoten aus Angst. Oder Aufregung.
Nein, definitiv Angst.
Ich blicke auf meinen Stundenplan.
Musiktheorie
Klavier-Workshop
Meisterklasse: Auftrittspraxis
Privatunterricht
Die erste Hälfte meines Tages findet in der Crescent Hall statt, Raum#0 0#A. Unterricht durch eine Lehrkraft namens »Marceaux«.
In Englischer Literatur habe ich ein paar Mädchen darüber plappern hören, wie sexy dieser Mister Marceaux sei, aber ich habe es noch nicht über mich gebracht, in die Crescent Hall zu gehen.
Meine Eingeweide ziehen sich zusammen. »Warum muss es nur ein Mann sein?«, murmele ich vor mich hin.
Die Spindtür neben mir schlägt zu, und Ellie schlängelt sich neben mich, um einen Blick auf meinen Stundenplan zu werfen. »Er sieht wirklich gut aus, Ivory.«
Ich drehe mich rasch zu ihr um. »Du hast ihn schon gesehen?«
»Nur flüchtig.« Sie wackelt mit ihrer Mäuschennase. »Was spielt es für eine Rolle, dass es ein Mann ist?«
Weil ich mich bei Frauen wohler fühle. Weil sie mich nicht mit Stärke und Größe niederringen. Weil Männer Diebe sind. Sie stehlen mir Mut, Kraft und Selbstvertrauen. Weil sie bei mir immer nur eines wollen, und zwar nicht meine Fähigkeit, die letzten Takte der Études d’exécution transcendante Nr. 2 spielen zu können.
Aber das alles kann ich Ellie nicht erzählen, meiner süßen, in einer strengen chinesischen Familie behütet aufgewachsenen Freundin. Ich denke, ich kann sie als Freundin bezeichnen. Wir haben nie offen darüber gesprochen, aber sie ist immer nett zu mir.
Ich stopfe den Stundenplan in meine Tasche. »Wahrscheinlich habe ich auf jemanden wie Mrs McCracken gehofft.«
Vielleicht ist Mr Marceaux anders. Vielleicht strahlt er Sanftmut und Sicherheit aus wie Daddy und Stogie.
Ellie, die einen Kopf kleiner ist als ich, fährt sich über den widerspenstigen Wirbel in ihrem tintenschwarzen Haaransatz und wippt auf den Fersen, wie sie es oft tut. Ich glaube, sie versucht damit, größer zu wirken, doch meistens sieht es einfach aus, als müsse sie aufs Klo. Sie ist so klein und süß, dass ich am liebsten an ihrem Pferdeschwanz zupfen würde. Und das tue ich auch.
Sie schlägt meine Hand weg und lächelt, ehe sie wieder auf ihre Fersen zurücksinkt. »Mach dir wegen Marceaux keine Sorgen. Alles wird gut. Du wirst sehen.«
Ellie hat leicht reden. Sie hat jetzt schon fürs nächste Jahr einen Studienplatz für Cello am Boston Conservatory sicher. Ihre Zukunft hängt nicht davon ab, ob Marceaux sie mag oder nicht.
»Ich gehe ins Fitnessstudio.« Sie wuchtet einen Rucksack über die Schulter, der halb so groß ist wie sie. »Kommst du mit?«
Statt klassischen Sportunterrichts gibt es in Le Moyne ein voll eingerichtetes Fitnesscenter, Personal Trainer und ein Riesenangebot an Kursen wie Yoga oder Kickboxen.
Ich würde mir lieber meine Finger Nummer fünf, vier und drei abschneiden, als unter den Augen missgünstiger Mitschülerinnen in einem verspiegelten Raum herumzuhüpfen. »Nein. Ich gehe draußen auf die Bahn, joggen.«
Ich verabschiede mich von ihr, bin jedoch so neugierig auf Marceaux, dass ich ihr nachrufe.
»Ellie? Wie gut sieht er aus?«
Sie dreht sich um und geht rückwärts weiter. »Umwerfend gut. Ich habe ihn wirklich nur flüchtig gesehen, aber ich sage dir, ich habe es sofort hier gespürt.« Sie klopft sich auf den Bauch und reißt ihre schräg stehenden Augen auf. »Vielleicht auch ein bisschen tiefer.«
Meine Brust zieht sich zusammen. Die am besten aussehen, sind meist Charakterschweine.
Aber ich bin doch auch hübsch, oder? Ich bekomme das immer wieder gesagt – von Leuten, denen ich vertraue, aber viel öfter noch von den anderen.
Vielleicht bin ich auch ein Charakterschwein.
Während Ellie sich hüpfend entfernt und mir über die Schulter ein strahlendes Lächeln zuwirft, schelte ich mich für mein Pauschalurteil. Ellie ist auch hübsch und wirklich über jeden Verdacht erhaben.
In der Umkleide ziehe ich Shorts und ein Tanktop an, dann gehe ich nach draußen auf den Joggingpfad, der den über acht Hektar großen Campus umschließt.
Die Feuchtigkeit um diese Jahreszeit hält die meisten der dreihundert Schüler davon ab, die klimatisierten Räume zu verlassen; nur ein paar sitzen auf Parkbänken und essen gut gelaunt ihr Mittagessen. Unter den imposanten Glockentürmen des Campus-Centers üben ein paar Tänzer eine synchrone Warm-up-Choreografie.
Im Schatten einer großen Eiche dehne ich meine Beine und blicke über das saftig grüne Gelände und die gummierten Laufwege. Auf diesen Wegen war ich schon mit Daddy unterwegs, da reichte ich ihm gerade einmal bis zu den Hüften. Noch heute spüre ich die Berührung seiner großen Hand, in der meine vollständig verschwand. Sein Lächeln war so voller Sonne, wenn er auf die Crescent Hall mit ihren gotisch anmutenden Steinverzierungen deutete und überlegte, wie groß wohl die Klassenzimmer darin wären.
Le Moyne war sein Traum, ein Traum, den sich seine Eltern niemals hätten leisten können. Er schien darüber nie traurig zu sein, denn er war kein Dieb wie andere Männer, nicht einmal in seinen Träumen. Stattdessen schenkte er mir seinen Traum.
Ich bücke mich und strecke meine Fingerspitzen zum Boden, um meine Oberschenkelmuskeln zu lockern, und die Erinnerung wärmt mir das Herz. Mit meinem dunklen Haar und den dunklen Augen sehe ich Mom ähnlich, doch ich habe Daddys Lächeln. Ich wünschte, er könnte mich jetzt sehen, wie ich hier auf dem Campus stehe, seinen Traum lebe und sein Lächeln im Gesicht trage.
Mein Lächeln wird breiter, denn sein Traum und sein Lächeln … beide gehören mir.
»Heilige Muttergottes, wie habe ich diesen Arsch vermisst!«
Ich richte mich blitzschnell auf und bin so erstarrt, dass ich mich gar nicht zu der Stimme umdrehen kann. Nur meine Schultern wandern hoch zu meinen Ohren. »Was willst du, Prescott?«
»Dich. Nackt. Um meinen Schwanz herum.«
Mein Magen zieht sich zusammen, und an meiner Schläfe rinnt Schweiß herab. Ich straffe meinen Rücken. »Ich habe eine bessere Idee. Wie wär’s, wenn du deinen Schwanz einklemmst für ein Tänzchen – du weißt schon, wie der Psychopath aus Das Schweigen der Lämmer – und dich selber fickst?«
»Du bist so mies«, sagt Prescott mit lächelnder Stimme und schiebt sich in mein Blickfeld.
In angemessener Entfernung und doch zu nah bleibt er stehen. Ich weiche zurück.
Sein Haar reicht ihm bis zum Kinn. Die blonden Strähnen sind von der karibischen Sonne gebleicht – oder wo auch immer er seine Sommerferien verbracht hat. Wenn er in Hemd und Krawatte bei dieser Hitze schwitzt, lässt er es sich nicht anmerken. Er unterzieht mich in aller Ruhe einer genauen Prüfung mit den Augen.
Ich verstehe nicht, warum sich die Mädchen in Le Moyne um ihn balgen. Seine Nase ist zu lang, ein Schneidezahn steht schief, und seine Zunge windet sich wie ein Wurm, wenn er sie mir in den Mund schiebt.
»Himmel, Ivory.« Sein Blick konzentriert sich auf meine Oberweite und verbrennt die Haut unter meinem Top. »Deine Titten sind über den Sommer noch eine Nummer größer geworden.«
Ich zwinge meine Schultern in eine entspannte Haltung. »Wenn du dieses Jahr wieder meine Hilfe willst, solltest du an dieser Stelle das Gespräch noch mal von vorn anfangen.«
Seine Augen bleiben an meiner Brust hängen, während sich seine Finger um die Tüte mit seinem Mittagessen krallen. »Ich will dich.«
»Du willst, dass ich dir deine Hausaufgaben mache.«
»Das auch.«
Seine raue Stimme jagt mir kalte Schauer über den Rücken. Ich schlinge meine Arme um meine Brust. Schrecklich, wie auffällig mein Busen ist, schrecklich, wie schamlos er darauf glotzt, schrecklich, dass ich von ihm abhängig bin.
Endlich hebt er den Blick und bleibt an meinem Mund hängen. »Was ist mit deiner Lippe? Hast du dich in einem Schwanzpiercing verfangen?«
Ich zucke mit den Schultern. »Es war ein richtig großer … Ring.«
Seine Miene verdunkelt sich vor Eifersucht. Auch das finde ich schrecklich.
»Du solltest dir auch eins machen lassen.« Ich neige meinen Kopf, während er ein verkrampftes Lachen hören lässt. »Warum nicht? Es erhöht die Lust.« Ich habe keine Ahnung von Piercings, aber die Stichelei lasse ich mir nicht entgehen. »Wenn du eins hättest, würde vielleicht doch mal ein Mädchen bei dir kommen.«
Sein angestrengtes Lachen artet in Husten aus. »Moment mal, was?« Sein Blick verhärtet sich. »Du kommst doch bei mir.«
Sex mit ihm ist im Grunde genommen, wie wenn man einen Tampon ersetzt. Schnelles Rein und Raus, gefolgt von einer widerlichen Sauerei, die ich aus meinem Kopf verbanne, bis ich es wieder tun muss. Aber ich gebe mir nicht die Mühe, ihm das zu sagen. Er kann es ohnehin aus meinem Blick ablesen.
»Schwachsinn.« Er tritt vor und steht jetzt so nah vor mir, dass es für einen Unbeteiligten nicht mehr nach beiläufiger Konversation aussieht.
Als er meinen Arm nimmt, blicke ich hoch zum Campus-Center. Am Fenster der Schulleiterin ist nichts zu sehen. »Deine Mom sieht zu.«
»Du lügst, Schlampe.« Er sieht zwar nicht hoch, lässt aber seine Hand sinken.
»Wenn du meine Hilfe willst, brauche ich eine Anzahlung.«
Er stößt ein angewidertes Lachen aus. »Vergiss es.«
»Wie du willst.« Ich setze zu einem Sprint an, wobei ich auf dem Rasen neben dem Weg bleibe, weil der Gummibelag für meine nackten Sohlen viel zu heiß ist.
Prescott mit seinen langen Beinen braucht nur wenige Sekunden, um mich einzuholen. »Warte, Ivory.« Schweißperlen bilden sich auf seinem Gesicht, während er mit geschlossenem Hemdkragen neben mir herjoggt. »Warte doch mal eine Minute!«
Ich verlangsame meine Schritte, stemme meine Fäuste in die Hüften und warte, bis er zu Atem gekommen ist.
»Hör zu, ich habe kein Bargeld dabei.« Er wühlt in seinen Hosentaschen. »Aber ich bezahle dich heute Abend.«
Heute Abend. Mein Magen bäumt sich auf, doch ich lächle stoisch und nehme ihm dabei die Tüte mit seinem Mittagessen aus der Hand. »Das wird bis dahin genügen.«
Etwas zu essen war sowieso alles, was ich wollte. Er hat unbegrenzten Kredit in der Cafeteria, das heißt, er muss nicht hungern.
Er blickt auf meine nackten Füße, auf die Papiertüte in meiner Hand und bleibt an meiner aufgeplatzten Lippe hängen. Auch wenn er schlecht in Mathe ist, dumm ist er nicht. Eher desinteressiert. An meinen Problemen ebenso wie am Unterricht.
Wir sind alle nicht hier, um quadratische Gleichungen zu lösen oder Zellbiologie zu studieren. Wir sind wegen des musischen Programms hier, um zu tanzen, zu singen, unser Instrument zu spielen und anschließend die Aufnahmeprüfung für ein Konservatorium unserer Wahl zu bestehen. Prescott würde seine Zeit auch lieber damit verbringen, ausschließlich zu ficken und klassische Gitarre zu spielen, als einen Geschichtsaufsatz auf Französisch zu schreiben. Sein Glück ist, dass er sich um Hausaufgaben keine Sorgen machen muss. Nicht solange er mich dafür bezahlt, dass ich sie für ihn erledige.
Er ist nicht das einzige Schwein in Le Moyne, doch ich beschränke meine Dienste auf die mit den dicksten Brieftaschen, die am meisten zu verlieren haben. Wir alle kennen das Risiko. Wenn einer von uns auffliegt, sind wir alle dran.
Leider besteht mein kleiner Geheimbund überwiegend aus Prescott und seinen Freunden.
Und manchmal nehmen die sich mehr als das, wofür sie bezahlt haben.
Ich spähe in die Tüte, und beim Anblick von Roastbeef auf knusprigem Brot, Trauben und Chocolate-Chip-Cookies läuft mir das Wasser im Mund zusammen. »Wo heute Abend?«
»Wie immer.«
Er wird mich also zehn Blocks von der Schule entfernt abholen, und wir werden zu einem leeren Grundstück fahren, wo wir mehr machen werden als nur Hausaufgaben. Doch ich bin diejenige, die die Regeln vorgibt. Auf dem Schulgelände oder an öffentlichen Orten werden keine Hausaufgaben übergeben. Es ist zu gefährlich, zumal die Schulleiterin ihren Sohn mit Argusaugen verfolgt.
»Wir sehen uns im Unterricht.« Er schlendert davon, den Blick auf das Fenster der Schulleiterin und die Silhouette dahinter gerichtet.
Er schwört, dass sie keinen Verdacht hat, aber sie hat es auf mich abgesehen, seit der zehnten Klasse, dem Jahr, in dem sie den Posten als gestrenge Mutter Oberin übernommen hat. Vielleicht liegt es an meinem miserablen Ruf, vielleicht an meiner miserablen finanziellen Lage. Vielleicht liegt es aber auch an der Hochschule, die ich mir ausgesucht habe.
Das Leopold Conservatory in New York ist die anspruchsvollste Hochschule des Landes. Aus Le Moyne wird pro Jahr nur ein einziger Schüler aufgenommen, wenn überhaupt. Dutzende aus meiner Jahrgangsstufe haben sich beworben, einschließlich Prescott, doch Mrs McCracken meinte, ich sei die Beste. Ich sei diejenige, die sie empfehlen würde. Was mich zu Prescotts größter Konkurrentin macht. Zumindest bis jetzt. Ohne ihre Empfehlung kann ich wahrscheinlich bei null anfangen.
Unter einem Baum liegend verschlinge ich Precotts Lunch und rede mir ein, dass ich mir seinetwegen keine Gedanken zu machen brauche. Marceaux wird mich mögen. Er wird verstehen, dass ich den Studienplatz brauche. Und heute Abend … da werde ich nicht zu Prescott ins Auto steigen. Wir können auf dem Gehsteig seine Aufgaben durchgehen, und wenn er ein Problem damit hat, gehe ich. Soll er doch in der Schule versagen und das Rennen verlieren. Ich werde einen anderen Loser finden, der meine Einbußen wettmacht.
Beim Laufen auf dem fünf Kilometer langen Joggingpfad, der sich um das baumbestandene Gelände windet, beruhigt mich der Gedanke an diesen bombensicheren Plan.
Als zum ersten Mal die Schulglocke läutet, bahne ich mir geduscht und umgezogen einen Weg durch die überfüllten Flure der Crescent Hall, während mein Magen Karussell fährt.
Alles, was du brauchst, ist ein einziger Moment.
Stogies Vertrauen in mich motiviert mich, doch es ist die Erinnerung an meinen Vater, die meine Mundwinkel hochzieht. Wenn er hier wäre und mit mir durch die Flure laufen würde, von denen er immer geträumt hat, würde er vor Dankbarkeit und grenzenlosem Enthusiasmus förmlich vibrieren. Ich kann seine ansteckende Dynamik spüren, sie bringt mein Blut in Wallung und beflügelt mich auf dem Weg zum Raum#0 0#A, wo ich schon letztes Jahr Unterricht hatte.
1 A enthält eine eindrucksvolle Sammlung von Blas-, Streich- und Perkussionsinstrumenten, die an der hinteren Wand aufgereiht sind. Im Zentrum des L-förmigen Raumes haben sich ein halbes Dutzend Mitschüler an den Tischen zusammengefunden. Wenn ich um die Ecke gehen würde, könnte ich den Bösendorfer-Flügel in seiner Nische stehen sehen. Doch meine Konzentration gilt dem Mann, der vor der Klasse steht.
An die Schreibtischkante gelehnt, die Arme vor der Brust verschränkt, betrachtet er mit nachdenklich gereizter Miene das Grüppchen Schüler vor ihm. Zum Glück hat er mich noch nicht entdeckt, denn ich bin nicht in der Lage, meine Füße vom Boden oder meinen Blick von ihm zu lösen.
Er ist erstaunlich jung, nicht so jung wie die Schüler, aber vielleicht im Alter meines Bruders. Sein Profil ist kantig, sein Kinn sauber rasiert und doch dunkel, als könnte selbst die schärfste Klinge den Schatten nicht entfernen.
Je länger ich hinsehe, umso mehr erkenne ich, dass es nicht sein Gesicht ist, das ihn so jung wirken lässt. Es ist sein Stil, der ihn von den anderen Lehrern in ihrer dezent-konservativen Kleidung abhebt.
Es ist sein schwarzes Haar, das an den Seiten kurz, aber oben lang und verwuschelt ist, als würde ein Strich seiner Finger genügen, um es perfekt zerzaust in die Stirn fallen zu lassen. Seine langen Beine scheinen in dunklen Jeans zu stecken, doch ein genauerer Blick sagt mir, dass seine Hose nur wie eine Jeans geschnitten ist. Die Ärmel seines karierten Hemdes hat er bis zu den Ellbogen hochgekrempelt, die Krawatte ist ein bisschen anders kariert, was zwar nicht zusammenpasst, aber trotzdem absolut gut aussieht. Dazu trägt er eine braune anliegende Weste, die eigentlich unter ein Jackett gehört. Nur dass er kein Jackett anhat.
Sein Look ist lässig-urban, businesslike, aber dennoch individuell, und legt die Kleiderordnung großzügig aus, ohne sie zu verletzen.
»Setzen Sie sich.« Seine Stimme donnert durch den Raum und erschüttert mich im Innersten, obwohl er mich gar nicht gemeint hat.
Ich kann gerade noch erleichtert durchatmen, ehe er sich mir zuwendet, zuerst mit seinen blauen Augen, dann mit dem ganzen Körper. Seine Hände umklammern die Schreibtischkante, als er mir sein Gesicht zudreht. Oh mein Gott, umwerfend gut aussehend ist eine grandiose Untertreibung. Ja, bereits auf den ersten Blick wirft es einen um, aber es ist nicht nur sein gutes Aussehen. Seine Präsenz und die beherrschte Selbstsicherheit, die er ausstrahlt, machen mich schwindelig, rauben mir den Atem und lösen tief in mir drin ein ganz merkwürdiges Gefühl aus.
Für eine endlos scheinende Sekunde blickt er mich an, mit undurchdringlicher Miene, die dunklen Brauen zu einem V zusammengeschoben.
»Sind Sie …?« Er blickt an mir vorbei in den Flur und dann wieder in mein Gesicht. »Sie waren heute Morgen nicht bei der Lehrerkonferenz.«
»Lehrerkonferenz?« Jetzt verstehe ich. Er hält mich für eine Lehrerin und schaut mich an wie ein Mann eine Frau. Mir wird ganz mulmig im Bauch, wie er seinen Blick über meinen Körper wandern lässt. Wieder einmal werde ich daran erinnert, wie sehr ich mich von meinen gleichaltrigen Mitschülerinnen unterscheide und wie sehr ich das hasse.
Ich ziehe meine Tasche vor die Brust, um meinen auffälligsten Körperteil zu verbergen. »Nein, ich …« Ich räuspere mich und zwinge meine Füße, mich zum nächsten Tisch zu tragen. »Ich bin Schülerin. Klavier.«
»Verstehe.« Er steht auf und schiebt die Hände in seine Hosentaschen. »Setzen Sie sich«, sagt er ruppig.
Sein eiskalter Blick folgt mir, doch ich werde mich nicht von ihm einschüchtern lassen. Ich bemühe mich, ebenso selbstbewusst weiterzugehen, wie ich hereingekommen bin, doch meine Beine sind plötzlich weich wie Gummi.
Als ich meine Tasche neben einem leeren Tisch abstelle, verleiht er seiner Ungeduld laut und scharf Ausdruck. »Nun beeilen Sie sich!«
Ich lasse mich auf den Stuhl sinken. Meine Hände zittern, und mein Herz schlägt mir bis zum Hals. Wenn ich stärker und selbstbewusster wäre, wäre mir egal, dass sich sein Blick in meinen bohrt und meinen Puls in die Höhe jagt.
Wenn ich stärker wäre, könnte ich den Blick von ihm abwenden.
Es hat mich eiskalt erwischt. Nur so lässt sich erklären, warum ich wie ein alter Schulmeister durch die Klasse gebrüllt habe und mir meine Gesichtszüge, die ich sonst voll unter Kontrolle habe, fast entgleist wären. Ich war nicht darauf vorbereitet, dass eine hochgewachsene, bildschöne und über alle Maßen erotische Frau in mein Klassenzimmer tritt. Mein erster Gedanke? Beverly Rivard hat die heißeste Musiklehrerin der Nation aufgetrieben, um für mich zu arbeiten und mich auf die Probe zu stellen.
Doch sie ist gar keine Lehrerin.
Meine Finger an der Schreibtischkante lockern sich. Mit einer Lehrerin, das wäre unangenehm geworden.
Aber so ist es noch schlimmer.
Misstrauen spricht aus den Augen des Mädchens, während sie mich von der ersten Reihe aus mustert. Steif sitzt sie auf ihrem Stuhl, zupft ihren Rock über die Knie und hält die Beine dicht beisammen. Das ist nicht die Reaktion, die ich sonst von Frauen kenne, Highschoolschülerinnen eingeschlossen.
Ich halte mich für einen strengen, Respekt einflößenden Lehrer, ich weiß, wie Schülerinnen mich anschauen, und ich bin immun gegen die schwärmerische Hingabe in ihrem unschuldigen Blick. Doch in den mahagonifarbenen Augen, die mich hier ansehen, liegt alles andere als naive Bewunderung. In den sechs Jahren, die ich unterrichte, ist mir noch nie eine Schülerin begegnet, die mit einem einzigen Blick meine Absichten zu durchschauen und gleichzeitig zu missbilligen scheint.
Vielleicht hat sie davon gehört, was ich mit Joanne gemacht habe, von dem Skandal, der zu meiner Entlassung geführt hat. Scheiß auf den Job. Nur meine Eltern wissen, was ich wirklich in Shreveport verloren habe und was meine wahren Absichten sind.
Was auch immer dieses Mädchen weiß oder zu wissen glaubt, ich werde mich nicht davon abhalten lassen, sie mit geeigneten Maßnahmen zu disziplinieren und dafür zu sorgen, dass sie sich im Unterricht konzentriert.
