Hochzeit in Waldkogel - Friederike von Buchner - E-Book

Hochzeit in Waldkogel E-Book

Friederike von Buchner

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Beschreibung

Diese Bergroman-Serie stillt die Sehnsucht des modernen Stadtbewohners nach einer Welt voller Liebe und Gefühle, nach Heimat und natürlichem Leben in einer verzaubernden Gebirgswelt. "Toni, der Hüttenwirt" aus den Bergen verliebt sich in Anna, die Bankerin aus Hamburg. Anna zieht hoch hinauf in seine wunderschöne Hütte – und eine der zärtlichsten Romanzen nimmt ihren Anfang. Hemdsärmeligkeit, sprachliche Virtuosität, großartig geschilderter Gebirgszauber – Friederike von Buchner trifft in ihren bereits über 400 Romanen den Puls ihrer faszinierten Leser. Es war noch früh am Morgen. Tassilo und Zensi hatten ihre gemeinsame morgendliche Kaffeeplauderstunde beendet. Tassilo war in sein häusliches Büro gegangen, um Schriftkram zu erledigen. Zensi blieb allein am Tisch sitzen und trank noch eine Tasse Kaffee. Dabei überflog sie die Zeitung. Sie hörte Schritte und schaute auf. Karl Winkler kam herein. »Grüß Gott, mei, du hast dich aber fein gemacht!«, begrüßte ihn Zensi. »Was ist los? Was hast du vor? So gehst du bestimmt nicht wandern und begleitest Bernd auch nicht in die Schmiede.« Zensi zog die Lesebrille ab und sah sich Karl genauer an. Er sah verlegen aus. »Grüß Gott, Zensi! Ich bin verabredet«, antwortete er. »Ich wollte dir nur sagen, dass ich heute im Dorf frühstücke.« »So, du tust im Dorf frühstücken, interessant? Schmeckt dir das Frühstück bei uns nicht mehr?«

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Seitenzahl: 121

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Toni der Hüttenwirt – 349 –Hochzeit in Waldkogel

Doch dabei ist viel Geduld gefragt

Friederike von Buchner

Es war noch früh am Morgen. Tassilo und Zensi hatten ihre gemeinsame morgendliche Kaffeeplauderstunde beendet. Tassilo war in sein häusliches Büro gegangen, um Schriftkram zu erledigen. Zensi blieb allein am Tisch sitzen und trank noch eine Tasse Kaffee. Dabei überflog sie die Zeitung.

Sie hörte Schritte und schaute auf.

Karl Winkler kam herein.

»Grüß Gott, mei, du hast dich aber fein gemacht!«, begrüßte ihn Zensi. »Was ist los? Was hast du vor? So gehst du bestimmt nicht wandern und begleitest Bernd auch nicht in die Schmiede.«

Zensi zog die Lesebrille ab und sah sich Karl genauer an. Er sah verlegen aus.

»Grüß Gott, Zensi! Ich bin verabredet«, antwortete er. »Ich wollte dir nur sagen, dass ich heute im Dorf frühstücke.«

»So, du tust im Dorf frühstücken, interessant? Schmeckt dir das Frühstück bei uns nicht mehr?«

»Mei, Zensi, willst du mich ärgern?«

»Wie kannst du nur so etwas denken! Du bist heute Morgen besonders empfindlich. Es ist ja auch kein Wunder. Ohne Kaffee im Magen beginnt der Tag schlecht. Das kenne ich von mir. Willst du nicht doch einen Schluck Kaffee?«

Zensi wartete die Antwort nicht ab. Sie holte einen Becher und füllte ihn bis zum Rand mit dem Kaffee aus der Thermoskanne.

»Lass es dir schmecken, Karl!«

Karl seufzte.

»Na gut, nur damit du zufrieden bist.«

Er setzte sich und gab Zucker und Sahne dazu. Er rührte um und nippte daran.

Zensi beobachtete ihn. Er konnte ihrem Blick nicht standhalten und senkte den Blick. Dabei rührte weiter den Kaffee um, unnötigerweise.

»Ich habe einen Anruf bekommen. Genauer gesagt, Frank hat mich aus dem Schlaf gebimmelt. Frank ist der Vorarbeiter im Betrieb. Ich habe dir von ihm erzählt. Er leitet die Firma, seit ich hier in Waldkogel bin. Frank will mich unbedingt persönlich sprechen. Wir telefonieren jeden Tag, oft sogar mehrmals. Nun will er mich ganz direkt sprechen. Darauf beharrte er mit Nachdruck. Das, was er zu bereden habe, sei wichtig, sagt er und es sei nix fürs Telefon. Mei, ich kann mir darauf keinen Reim machen. Jedenfalls ist es nicht schön, so geweckt zu werden.«

»Ich werde auch nicht gern aus dem Schlaf gerissen«, sagte Zensi. »Und Frank hat keine Andeutung gemacht?«

»Nein, das hat er nicht, obwohl ich mehrmals nachgefragt habe. Es bleibt mir also nur übrig, mich mit ihm zu treffen. Ich habe mich mit ihm im Café Jacob verabredet. Ich gebe zu, dass ich grüble und auch etwas beunruhigt bin.«

»Du wirst erfahren, was ihm auf der Seele liegt. Vielleicht vermisst er dich nur und will dich sehen?«

Karl schüttelte den Kopf.

»Da muss etwas dahinterstecken. Frank ist keiner, der sich am Morgen Zeit aus den Rippen schneidet. Zum Arbeitsbeginn, wenn die Mitarbeiter kommen, ist viel zu tun. Da wird die Arbeit eingeteilt und das Material aus dem Lager geholt. Na, nur zu einem Plauderstündchen kommt er bestimmt nicht. Das könnte er auch an einem Samstagnachmittag oder am Sonntag machen.«

Er trank einen Schluck Kaffee.

Er zuckte mit den Schultern und wiegte nachdenklich den Kopf hin und her.

»Mei, Karl«, sagte Zensi, »mach dir nicht so viele Gedanken! Warte es ab. Wenn Frank später angerufen hätte, wärst du vielleicht nicht so beunruhigt. Ich sehe es wie du. Es war ungeschickt, dich so aus dem Schlaf zu reißen.«

»Das stimmt. Aber Frank hat bestimmt nicht angenommen, dass ich noch schlafen würde. Wir beide waren morgens immer die Ersten. Wir tranken dann zusammen in der Werkstatt einen Becher Kaffee und besprachen die Arbeit, bevor die anderen kamen.«

»Siehst du, Karl, das ist der Beweis, dass es nur Gedankenlosigkeit war. So, jetzt trinkst du aus und machst dich auf den Weg. Ich trinke meinen Kaffee aus und blättere dieses Käseblatt durch. Man merkt, dass Sommer ist und damit gibt es das berühmte Sommerloch. Es steht auf den ersten Blick nichts wirklich Interessantes drin.«

Zensi vertiefte sich wieder in die Zeitung. Sie las gern die Familienanzeigen aus der engeren und weiteren Umgebung Waldkogels.

Karl trankschnell aus, verabschiedete sich und ging.

Zensi atmete erleichtert durch. Es war ihr schwergefallen, sich unwissend zu geben. Sie vermutete, dass Franks früher Anruf das Ergebnis des Treffens mit Bernd im Biergarten war. Dass er persönlich mit Karl sprechen wollte, sah sie als gutes Zeichen.

Zensi legte die Zeitung zur Seite. Sie verließ die Schlossküche durch die Tür, die in den Garten führte.

Auf dem Weg hinüber zum Gärtnerhaus begegnete sie Isabella und Bernd.

»Ich wolle euch nur kurz Bescheid geben, dass sich Karl mit Frank trifft«, sagte Zensi.

»Das wissen wir bereits. Karl hat uns angerufen«, sagte Bernd. »Er war sehr verwundert. Ich spielte den Ahnungslosen.«

»Das war auch besser so. Dieselbe Haltung habe ich auch eingenommen«, schmunzelte Zensi und blinzelte ihm zu.

Sie lachten alle und gingen zurück zum Schloss.

Bernd verabschiedete sich mit einem Kuss von Isabella und streichelte über ihren Bauch.

»Dir auch einen schönen Tag, mein liebes Kindl!«, flüsterte er zärtlich.

Dann stieg er in sein Auto und fuhr zum Reiterhof.

Isabella ging mit Zensi in die Schlossküche. Sie besprachen anstehende Arbeiten, die die Hilfskräfte ausführen sollten. Zensi wünschte sich, dass die Bücher in der Bibliothek abgestaubt werden, die nicht hinter Glas standen.

Zensi trank noch eine weitere Tasse Kaffee und las die Zeitung zu Ende. Dann zog sie sich um und fuhr hinüber zur Villa Lohe.

*

Frank wartete vor dem Café Jacob. Karl parkte auf der Straße gegenüber und stieg aus.

Die beiden Männer begrüßten sich herzlich.

»Mei, Karl, du siehst gut aus. Dich hat wohl die Sonne geküsst, wie?«

»Oh ja, ich gehe jeden zweiten Tag in den Bergen wandern und sonne mich. Das ist eine richtige Kur. Ich fühle mich großartig«, antwortete Karl.

Sie suchten sich im Cafégarten einen Tisch im hinteren Bereich. Zwar waren um diese Zeit kaum Tische besetzt, aber Karl wollte sichergehen, dass sie ungestört blieben. Er bestellte ein großes Frühstück für zwei Personen. Es kam sehr zügig.

Sie fingen an zu essen.

»So, mein lieber Frank, jetzt machst du aber den Mund auf. Du hast mich aus dem Schlaf gerissen.«

»Entschuldige! Du bist doch Frühaufsteher wie ich. Ich hatte mir nichts dabei gedacht.«

»Früher war ich das, jetzt ist es anders. Mein Leben hat sich sehr verändert. Abends gehe ich sehr spät ins Bett. Meistens sitze ich mit Zensi zusammen. Zensi, das ist die alte Gräfin. Ich habe dir schon oft am Telefon von ihr erzählt. Wir trinken dann noch etwas zusammen und plaudern. Oft spielt sie Klavier und ich bekomme ein Privatkonzert.«

»Und wie ist es so mit deinem Sohn und seiner Frau?«, fragte Frank.

»Isabella ist ein richtiger Schatz. Bernd ist sehr glücklich mit ihr. Sie haben es sich in dem alten Gärtnerhaus gemütlich eingerichtet. Da wäre auch noch Platz für mich. Aber ich wollte dem jungen Paar seinen Freiraum lassen. Ich war Zensi sehr dankbar, als sie mir anbot, im Schloss zu wohnen. Eigentlich müsste ich residieren sagen. Ich habe ein Wohnzimmer, das man nach alter Gepflogenheit Salon nennt. Ich habe ein Schlafzimmer mit einem geschlossenen Kleiderzimmer und ein großes Badezimmer. Es ist wirklich Luxus pur. Ich esse mit allen zusammen, wenn ich im Schloss bin. Du siehst, ich kann es gut aushalten. Wenn ich bei Bernd auf dem Reiterhof bin, helfe ich ihm, alte Kutschen zu restaurieren. Unser Verhältnis ist wieder so, wie es früher war, in mancher Hinsicht vielleicht noch besser. Bernd ist ein Mann geworden voller Selbstbewusstsein. Das ist auch kein Wunder, er hat jetzt eine Frau und wird Vater.«

Karl klopfte sich ein Ei auf.

»Aber du bist sicherlich nicht gekommen, um zu plaudern. Also, was liegt dir auf dem Herzen?«

»Mir liegt nichts auf dem Herzen, Karl. Es drückt mich gewaltig nieder«, antwortete Frank.

»Mei, so kenne ich dich nicht, Frank. Du bist doch sonst durch und durch eine Frohnatur.«

»Das mag sein. Aber es gibt Sachen, die gehen auch mir unter die Haut. Die Stimmung unter den Arbeitern ist miserabel. Alle laufen mit finsteren Gesichtern herum. Sie machen zwar ihre Arbeit, aber sie brummeln vor sich hin.«

»Kaufe einen Kasten Bier und feiert am Abend zusammen!«, sagte Karl.

»Schmarren! Entschuldige, dass ich so deutlich bin. Karl, was die auf der Zunge haben, lässt sich nicht mit Bier hinunterspülen«, zischte Frank.

Der ärgerliche Unterton war nicht zu überhören.

Karl sah ihn erstaunt an.

»Ja, was ist denn los?«

»Sie wollen kündigen, gerade heraus gesagt.«

Karl riss die Augen auf und starrte ihn an.

»Wie bitte? Sind die alle närrisch? So viel ich zahle, bekommen sie nirgends.«

Frank hatte sich die Sätze gut überlegt. Er blieb ruhig.

»Das stimmt. Und auf der anderen Seite sagt man, dass jeder zu ersetzen ist. Das habe ich ihnen deutlich gesagt. Aber das hat sie nicht beeindruckt.«

Karl schüttelte den Kopf.

»Ich verstehe es nicht. Haben sie wirklich gesagt, dass sie kündigen wollen?«, fragte er nach. »Wie kommen sie auf so eine hirnrissige Idee?«

»Sie haben es nicht deutlich gesagt, aber es scheint ihnen sehr ernst zu sein. Sie reden drumherum. Sie glauben mir nicht, dass du und Thilda in Urlaub seid. Ich verbreite das Märchen, ihr würdet eine Kreuzfahrt machen, eine Weltreise«, antwortete Frank. »So eine Reise dauert lange. Ich habe gelogen, dass sich die Balken bogen. Ich ging sogar ins Reisebüro und habe mir Prospekte über Kreuzfahrten geholt, um meine Lügen besser untermauern zu können. Aber das alles hat nichts genützt.«

»Ich verstehe es einfach nicht«, murmelte Karl vor sich hin.

»Gut, dann will ich dir etwas sagen. Sie bekommen mit, dass du für das Büro nicht vorgesorgt hast. Im Flur stehen vor der abgeschlossenen Tür Bananenkisten voller Post. Ich kenne mich mit Buchhaltung nicht aus, das wissen sie. Außerdem habe ich keinen Schlüssel für das Büro. Es liegt alles brach.«

»Stimmt! Daran habe ich nicht gedacht«, sagte Karl leise.

»So ist es. Es ist niemand da, der Angebote schreibt und all den Papierkram erledigt. Ich versuche mithilfe meiner Kinder, Angebote zu schreiben. Doch ich habe nicht einmal Papier mit dem Briefkopf und allen Angaben der Firma. Aber erstens ist es kein Dauerzustand, zweitens hast du immer kalkuliert oder Thilda und drittens ist da noch das Finanzamt. Es kamen Schreiben vom Finanzamt. Karl, ich sage dir, so kann das nicht weitergehen. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter. Ich denke, einige Konkurrenten lauern nur darauf, dass der Betrieb Pleite geht oder geschlossen wird. Ich bin mir sicher, dass Mitbewerber unsere Mitarbeiter angesprochen haben.«

»Wirklich?«, platzte Karl erschrocken heraus.

»Ja, ich bin fast sicher. Doch jeder leugnet, wenn ich nachfrage«, sagte Frank.

Karl schüttelte den Kopf, als könne er nicht glauben, was er gehört hatte.

»Du täuschst dich nicht, Frank?«

»Nein, es wird ernst werden, wie ich das sehe. Karl, die Männer sind nicht auf den Kopf gefallen. Sie sehen doch, dass die Firma vor sich hin dümpelt. Es sind jetzt schon über zwei Monate, dass sich niemand um die Verwaltung kümmert.«

»Ich werde jemanden einstellen müssen«, murmelte Karl.

Frank runzelte die Stirn und schüttelte den Kopf. Er seufzte hörbar.

»Warum schaust du so?«, fragte Karl.

»Weil du wieder einer Illusion unterliegst.«

»Mei, jetzt rede Klartext! Wenn man mich so früh aus dem Tiefschlaf holt, bin ich vielleicht ein bisserl schwer von Begriff. Ich verstehe nur Bahnhof.«

Karl Winkler bestrich sich ein Brot mit Butter und aß das Ei dazu.

Frank atmete tief durch. Er schwieg einen Augenblick und aß ebenfalls weiter.

»Na gut«, sagte Frank endlich, »aber spring mir jetzt nicht ins Gesicht! Ich will mich da nicht einmischen. Es ist deine Angelegenheit. Ich will dich nur sanft auf etwas hinweisen, das du übersehen hast. Ich bitte dich, mir in Ruhe zu zuhören, verstanden?«

»Ja, ich verspreche, dass ich dich ausreden lasse. Schieß los! Mach schon!«

Frank trank einen Schluck Orangensaft.

»Also, wir haben uns schon während der Ausbildung kennengelernt. Danach haben wir gemeinsam die Meisterschule besucht. Du hast dich danach entschieden, dich selbstständig zu machen. Dafür habe ich dich bewundert. Wie es dazu kam, lassen wir jetzt weg. Jedenfalls hast du mich als deine rechte Hand eingestellt.«

»Ja, ja, Frank, komm endlich zur Sache!«, knurrte Karl ungeduldig.

»Ich habe dich gebeten, mir ruhig zuzuhören. Du hast es versprochen. Iss weiter und hör mir zu! Es ist notwendig, dass ich ein bisserl aushole. Ich habe mir alles genau überlegt. Deshalb kam ich auch zu dem Ergebnis, dass es besser ist, wenn ich persönlich mit dir spreche.«

Frank trank noch einen Schluck Orangensaft.

»Also, weiter. Wo war ich stehen geblieben? Oh ja, jetzt habe ich den Faden wiedergefunden. Ich erinnere mich, dass wir beide oft von früh am Morgen bis Mitternacht gearbeitet haben. Aber wir waren nicht allein. Jetzt rege dich nicht auf! Es war so, dass Thilda dir mit der Büroarbeit den Rücken freigehalten hat. Ich erinnere mich, dass sie noch eine halbe Stunde bevor sie zur Entbindung ins Krankenhaus fuhr im Büro saß. Und als sie mit ihm nach Hause kam, führte ihr erste Weg ins Büro, mit Bernd im Kinderwagen. Sie hat immer alles gemacht. Damals war es noch viel Handarbeit mit der Buchhaltung, so ohne Computer. Alle Angebote, Rechnungen und Briefe tippte sie auf der alten Schreibmaschine. Erinnerst du dich?«

Karl brachte kein Wort heraus. Er sah Frank nicht an, als er nickte.

»Okay, du erinnerst dich. Das ist schon mal gut, Karl. Dann ging es weiter, der Computer hielt Einzug. Weder du noch ich haben uns um die Technik gekümmert. Dafür war Thilda zuständig und das blieb auch die ganzen Jahre so. Die Technik veränderte sich ständig. Thilda war immer auf dem Laufenden. Das bedeutet, sie hat alle Daten abgesichert. Du kannst niemanden einstellen, der ohne Thildas Hilfe auf die Daten zugreifen kann. Hast du daran gedacht?«

Karl sah ihn mit großen Augen an.

»Heiliger Bimbam, das stimmt«, hauchte Karl.

»Genau! Darüber solltest du dir klar werden. Die Firma wird mit Garantie früher oder später ins Trudeln kommen, wenn nichts passiert. Das haben die Mitarbeiter klar erkannt. Und deshalb machen sie ich Gedanken. Sie sind echt besorgt. Und die Geier, ich meine die Konkurrenz, wartet nur auf die Gelegenheit, dich plattzumachen. Da genügt ein kleiner Hinweis bei der Finanzbehörde, auch wenn er anonym ist. Die Behörde wird dem nachgehen. Du hast selbst genug Fantasie, dir auszumalen, wie das geht. Es genügt ein kleiner Hinweis auf Schwarzgeld ... Dann müssen die Behörden einschreiten.«

Karl erschrak. Er rieb sich verlegen das Kinn.

»Habe ich unrecht?«, fragte Frank. »Denkst du, ich trage zu dick auf?«

Karl trank seinen Orangensaft aus.

»Jetzt kann ich verstehen, warum du nicht am Telefon darüber sprechen wolltest, Frank. Danke, dass du dir die Mühe gemacht hast herzukommen.«