Hochzeitsküsse - Frauke Scheunemann - E-Book

Hochzeitsküsse E-Book

Frauke Scheunemann

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Beschreibung

Hochzeitstorte und Hundekuchen.

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus - Caro und Marc wollen endlich heiraten! Eigentlich ein Grund zur Freude, wenn nicht gerade Hedwig, die Schwiegermutter in spe, unbedingt das Fest planen wollte. So wird aus der intimen Feier, die dem Brautpaar vorschwebt, langsam aber sicher eine Mammutveranstaltung mit 300 geladenen Gästen, einer Kutsche, einer fünfstöckigen Hochzeitstorte – und möglicherweise den Fischer-Chören. Doof auch, dass sich ausgerechnet die beiden Trauzeugen völlig zerstreiten und auch alle anderen Menschen wieder einmal das machen, was sie offenbar am besten können: nämlich Ärger! Kurzum: Dackel Herkules muss erneut den Troubleshooter geben, damit sein Frauchen Carolin das bekommt, was es wirklich verdient: die Traumhochzeit mit ihrem Traummann!



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Seitenzahl: 376

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Frauke Scheunemann

Hochzeitsküsse

Roman

Page& Turner

Page & Turner Bücher erscheinen imWilhelm Goldmann Verlag, München, einem Unternehmen der Verlagsgruppe Random House GmbH.

1. Auflage

Copyright © 2013 by Page & Turner/Wilhelm Goldmann Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Gesetzt aus der Janson-Antiqua

ISBN: 978-3-641-09105-7

www.pageundturner-verlag.de

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»Angeblich ist der Hund der beste Freund des Menschen. Ich würde eher sagen: Er ist seine Lebensversicherung. Ohne seinen Hund wäre der Zweibeiner völlig aufgeschmissen. Völlig !«

Carl-Leopold von Eschersbach, genannt Herkules

»Ich liebe meinen Hund. Allerdings muss ich Herkules ständig im Auge behalten – auf Ideen kommt der manchmal ! Ohne mich wäre er völlig aufgeschmissen. Völlig !«

Carolin Neumann, Frauchen von Herkules

EINS

So, Mädels, jetzt geht’s um die Wurst ! Also volle Aufmerksamkeit !«

In der Kombination mit dem Wort »Wurst« ist so eine Aufforderung an mich natürlich völlig überflüssig. Ich bin sofort ganz Ohr.

Gut, wahrscheinlich falle ich nicht unter »Mädels« im engeren Sinne, dafür bin ich als ausgewachsener Dackel aber für jede Art von Wurst zuständig. Schnell renne ich also dorthin, wo sich nun auch alle Frauen dieser obskuren Veranstaltung aufgestellt haben. Fast alle Frauen. Nur die eine, die eben die Ansage gemacht hat, geht zu einem Tisch auf der anderen Seite des Raumes. Ob sie nun die versprochene Wurst holt ? Ich mache Männchen, um das erkennen zu können. Was tut man nicht alles für eine Extraportion Fleisch. Aber falscher Alarm – die Frau nimmt nur den Blumenstrauß aus der Vase, den sie vorhin noch mit sich herumgeschleppt hat. Jetzt dreht sie sich wieder zu uns herum und schwenkt den Strauß über ihrem Kopf.

»Seid ihr bereit ?«

Hä ?

»Jaaahaaa !«, schreien die anderen Frauen. Außer mir scheint jeder zu wissen, was gleich passieren wird. Aber egal, diesen kleinen Nachteil werde ich durch mein wahnwitziges Reaktionsvermögen ausgleichen. Da können Menschen sowieso nicht mithalten. Die Frau dreht uns wieder den Rücken zu – und wirft den Strauß plötzlich in hohem Bogen über ihren Kopf, direkt auf uns zu.

Verstehe ! Hier soll apportiert werden ! Und wahrscheinlich gewinnt derjenige, der den Strauß zurückbringt, eine Wurst. Blitzschnell hechte ich in Richtung Strauß und will hochspringen, um ihn mir zu schnappen – da werde ich von den Damen hinter mir regelrecht überrannt. Wie eine völlig überhitzte Meute, die Witterung aufgenommen hat, stürzen sie über mich hinweg und taumeln der Beute entgegen. Ich muss höllisch auf meine Pfoten aufpassen und ducke mich weg. Eine Frau mit sehr tiefer Stimme scheint den Strauß erwischt zu haben, jedenfalls kreischt sie »Hab ihn gleich !«, nur um eine Sekunde später ein herzhaftes »Scheiße !« auszurufen. Wenig damenhaft ! Mein Züchter, der alte Schlossherr von Eschersbach, hätte bei so einer Bemerkung garantiert die Brauen gehoben. Bevor ich aber noch dazu komme, über gutes Benehmen beim Menschen nachzudenken, rauscht direkt neben mir der Strauß auf den Boden. Offensichtlich hat meine Konkurrentin nicht nur keine Manieren, sie kann auch nicht gut fangen. Ich zögere nicht, sondern packe gleich zu, und bevor die Meute weiß, wie ihr geschieht, schlängele ich mich zwischen den vielen Damenbeinen hindurch Richtung Tisch. Hier irgendwo muss doch die Werferin mit meinem Hauptgewinn stehen. Also, her mit der Wurst !

Stimmengewirr über mir, lautstarke Unmutsbekundungen.

»Wo ist denn der Strauß jetzt ?«

»Und ich hatte ihn schon so gut wie sicher !«

»Verstehe ich nicht – der kann doch nicht einfach verschwunden sein !«

Ich packe den Strauß noch fester. Den nimmt mir keiner mehr weg ! So unauffällig wie möglich schleiche ich noch weiter zum Tisch. Ich traue mich zwar nicht mehr, nach oben zu schauen, aber aus den Augenwinkeln kann ich schon den Saum des langen, hellen Kleides sehen, das die Werferin trägt. Nur noch ein, zwei Dackellängen, dann habe ich es geschafft.

»Da ! Der Köter hat ihn !«

Mist ! Aufgeflogen ! Jetzt wage ich doch den Blick nach oben – und stelle fest, dass ich mich ganz offensichtlich in einer äußerst misslichen Situation befinde. Mindestens zehn sehr entschlossen und vor allem sehr finster dreinblickende Frauen steuern direkt auf mich zu. Wuff, das sieht nach mächtig Ärger aus ! Auf der Suche nach einem geeigneten Fluchtweg drehe ich mich einmal um die eigene Achse – Fehlanzeige ! Die Frauen haben mich umstellt. Jetzt weiß ich, wie sich ein Fuchs fühlen muss, wenn ihn die Meute erst mal hat: Entsetzlich ! Hätte mir jemand vorher gesagt, welchen Gefahren ein kleiner Hund auf dieser Veranstaltung namens Hochzeit ausgesetzt werden würde, ich wäre freiwillig im Auto geblieben !

Natürlich könnte ich den Strauß auch einfach ablegen und mich vom Acker machen. Aber kampfloses Aufgeben kommt für mich, einen stolzen Dackel aus einem alten Jagdhundgeschlecht, selbstverständlich überhaupt nicht in Frage. Andererseits: Genau genommen bin ich nur ein Dackelmischling. Das Ergebnis der Liebe meiner Frau Mama zum falschen Mann. Also könnte ich vielleicht doch … Für weitere feige Gedanken bleibt mir keine Zeit, denn auf einmal höre ich mein Frauchen Carolin rufen.

»Herkules ! Wo steckst du denn ?«

Dem Himmel sei Dank ! Das ist meine Rettung ! Ich packe den Strauß noch ein Stück fester, dann renne ich entschlossen los in die Richtung, aus der Caros Stimme gekommen ist. Eine Frau will noch nach mir greifen, aber ich knurre einmal kurz und werfe den Turbo an. Schwupps, schon sitze ich vor Caros Füßen und gucke sie so treuherzig an, wie man es mit einem Strauß Blumen im Maul nur vermag. Caro kniet sich neben mich.

»Hast du etwa den Brautstrauß geklaut ? Du böser, böser Hund !«

Sie packt mich im Nacken und schüttelt mich. Sanft zwar, aber tadelnd. Beleidigt lasse ich das Gebinde fallen. Was heißt denn hier »geklaut« ? Das war ein harter, aber fairer Wettkampf, Mann gegen Mann. Na gut, Frau gegen Hund. Noch härter also. Ich schmolle, was mein Frauchen leider nicht sehen kann, weil es mir als Dackel schwerfällt, einen Flunsch zu ziehen.

Caro hebt den Strauß auf und winkt den anderen Frauen damit zu.

»Ich habe hier was gefunden, was ihr bestimmt schon vermisst.«

Oh, nein, dann soll sie die Blumen doch wenigstens selbst behalten und die Wurst kassieren. Das steigert die Chancen, dass ich auch etwas davon abbekomme. Die alte Besitzerin des Straußes kommt auf uns zu und lacht.

»Kommt gar nicht in Frage, meine Liebe ! Die Regel besagt, dass diejenige Frau, die den Strauß als Erste fest in den Händen hält, ihn behalten muss. Du weißt, was das bedeutet – oder denkst du, dein Dackelchen heiratet als Nächstes ?«

Jetzt lachen auch die anderen Frauen. Hä ? Versteh ich nicht – wie kommt die Frau auf solch einen Unsinn ? Das machen wir Hunde doch gar nicht. Und nach dem heutigen Tag weiß ich auch, warum !

Auf einmal steht auch Caros Freund Marc neben uns.

»Aha ! Ein Zeichen ! Siehst du, Carolin – du kannst deinem Schicksal eben nicht entgehen. Jetzt hast du den Brautstrauß gefangen, obwohl du gar nicht mitgemacht hast.« Dann bückt sich Marc und streichelt mir über den Kopf. »Gut gemacht, Kumpel. Bist ein braves Hundchen.«

Komisch. Eben war ich noch der böse Hund, und nun der brave. Das verstehe, wer will. Ich nicht. Aber was auch immer es bedeutet, es führt jedenfalls dazu, dass der Frauenmob sich wieder auflöst und mir anscheinend keiner mehr ans Leben will. Also entspanne ich mich und trotte mit Caro und Marc zu dem Tisch, an dem beide eben noch gesessen haben. Als sie sich wieder setzen, lege ich mich neben Marcs Stuhl und beschließe, nicht mehr von seiner Seite zu weichen. Ist schließlich ein gefährlicher Ort hier. Marc krault mich noch einmal hinter den Ohren, dann greift er nach Caros Hand.

»Eine schöne Hochzeit, nicht ?«

Caro nickt, ich zucke zusammen. Auch wenn nicht jede Hochzeit so gefährlich sein sollte wie diese – für meinen Geschmack handelt es sich in jedem Fall wieder um eine dieser völlig überflüssigen Menschenveranstaltungen, auf denen viel Lärm ohne greifbares Ergebnis gemacht wird. Auf einer Treibjagd geht es zwar auch hoch her, aber dafür liegen nachher wenigstens fünf, sechs ordentliche Wildsauen auf der Lichtung.

Aber Marc lässt nicht locker.

»Ich finde, wir sollten langsam auch mal unsere Hochzeit planen. Das wollten wir doch eigentlich längst tun.«

Wie bitte ? Die beiden wollen ihre Hochzeit planen ? Wieso weiß ich davon nichts ? Und vor allem: Ist das denn wirklich eine gute Idee ? Der heutige Tag hat es doch eindeutig gezeigt: Hochzeit ist, wenn Frauen hysterisch werden. Ich weiß nicht, ob das das Richtige für unsere Caro ist. Ich finde, wir sollten das lassen. Aber mich fragt ja wieder keiner.

»So, Caro und Marc planen jetzt also ihre Hochzeit. Wie schön.«

Herr Beck liegt langgestreckt auf dem flauschigen Teppich in der Wohnung von Caros Freundin Nina und sieht sehr zufrieden aus. Ein schöner Gegensatz zu meiner momentanen Gemütsverfassung, was übrigens fast an ein Wunder grenzt. Normalerweise ist der dicke schwarze Kater, der gleichzeitig mein bester Freund ist, für schlechte Laune zuständig und ich für gute. Und diese übliche Rollenverteilung gefällt mir deutlich besser, ich bin nämlich nicht besonders gern schlecht gelaunt.

Heute lässt es sich aber nicht ändern, denn mein Gefühl sagt mir, dass diese Hochzeitsnummer für mächtig Unruhe in meinem Dackelleben sorgen wird. Dabei hatte ich mich schon so auf einen netten, beschaulichen Frühling mit meiner Familie gefreut. Endlich mal Ruhe nach dem ganzen Tohuwabohu der letzten Jahre. Mein Frauchen Carolin ist natürlich der tollste Mensch der Welt, aber in den drei Jahren, die wir schon zusammenleben, ist für meinen Geschmack bereits genug passiert: Erst mussten wir Caros alten Freund loswerden, dann einen neuen finden, als Nächstes mit ihm und seiner kleinen Tochter zusammenziehen und schließlich noch ein eigenes Baby bekommen. Gut, wenn ich »wir« sage, ist das nicht ganz korrekt, tatsächlich musste sich ja Carolin trennen, neu verlieben und das Baby bekommen – aber irgendwie hat es sich für mich so angefühlt, als wäre ich mindestens zur Hälfte beteiligt. Vor allem musste ich das ganze Chaos ausbügeln, das mein Frauchen und die anderen Menschen dabei verursacht haben. Ich habe mir also eindeutig eine Schonzeit verdient, aber das Kitzeln in meiner Schwanzspitze lässt ahnen, dass es nicht so kommen wird. Und meine Schwanzspitze irrt sich nie. Niemals.

»He, alles in Ordnung, Kumpel ? Du guckst ja so trübe.«

Alle Achtung ! Jetzt hat sogar mein sonst für Hundebelange so unsensibler Freund Beck bemerkt, dass ich schlecht gelaunt bin.

»Ja, dieses Hochzeitsdings macht mich nervös. Wir waren gerade erst auf einer, das war schrecklich. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass die beiden jetzt auch so was veranstalten wollen.«

»Hm.« Beck streckt sich noch ein bisschen mehr, dann rappelt er sich hoch, kommt zu mir geschlichen und setzt sich. »Aber hast du mir nicht irgendwann schon mal erzählt, dass die beiden heiraten wollen ?«

»Ja. Dagegen habe ich auch nichts. Aber was hat das mit unserem Thema zu tun ?«

Beck starrt mich verständnislos an.

»Hä ?«

»Na, wie kommst du jetzt aufs Heiraten ? Was hat das mit der Hochzeit zu tun ?«

»Bist du wirklich so blöd oder stellst du dich nur so, um mich zu ärgern ?«

Jetzt ist es an mir, verständnislos zu gucken.

»Nee, ich verstehe es gerade wirklich nicht. Caro und Marc wollen sich heiraten, weil sie sich lieben und für immer zusammenbleiben wollen. So von wegen ewige Treue und so. Wie Jäger und Jagdhund.« Diese Erklärung habe ich mir jedenfalls aus dem zusammengereimt, was Marc und Caro in dem Zusammenhang schon besprochen haben. Das ist für einen kleinen Hund schon eine ziemliche Leistung, finde ich ! »Was aber ewige Treue mit so einer Gruselnummer zu tun hat, bei der man wahllos Blumensträuße durch die Gegend wirft, das erschließt sich mir überhaupt nicht.«

Beck seufzt.

»Jäger und Jagdhund. Also echt jetzt. Ich erkläre es dir mal: Wenn Menschen heiraten, dann feiern sie ein großes Fest. Und dieses große Fest nennt man Hochzeit. Verstanden ?«

Ich hab’s gehört. Verstanden habe ich es nicht.

»Und wieso machen sie das ? Heiraten tun doch bei den Menschen immer nur zwei Exemplare. Wieso müssen dann so viele von ihnen zu einer Hochzeit kommen ?«

Die Beck’sche Schwanzspitze wedelt hin und her. Ein untrügliches Zeichen für schweres Nachdenken.

»Hm, keine Ahnung. Schätze mal, damit möglichst viele von ihnen merken, dass ein Paar verheiratet ist.«

»Du meinst, damit das mit der ewigen Treue auch besser klappt ? Weil die anderen dann ja wissen, dass die beiden Menschen vergeben sind ?«

Herr Beck legt den Kopf schief.

»Wäre denkbar.«

»Okay. Dann sollte man natürlich möglichst viele Menschen auf so eine Hochzeit kriegen. Eigentlich alle, die man kennt. Sicher ist sicher.« Das würde natürlich auch erklären, warum es bei der Hochzeit, auf der ich mit Marc und Caro war, so voll war. Und warum die Frauen alle so verrücktgespielt haben. Denen war auf einmal klar geworden, dass schon wieder ein Mann vom Markt verschwunden war. Da sind sie ein bisschen durchgedreht. Klare Sache. Und deswegen ist Caro so ruhig geblieben. Weil die ja weiß, dass sie Marc so gut wie sicher hat. Was das mit dem Blumenstrauß sollte, weiß ich zwar immer noch nicht, aber vielleicht konnten die Frauen den verbliebenen Männern in dieser Art Wettbewerb zeigen, dass sie eine gute Kandidatin zum Heiraten wären. Puh, ich glaube, ich qualme langsam aus den Öhrchen.

»Sag mal, sind Nina und Alex eigentlich verheiratet ?«, will ich von Beck wissen.

Der schüttelt den Kopf.

»Nicht dass ich wüsste. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass sie es nicht sind. Nina sagt nämlich immer, dass sie nicht an die Ehe glaubt. Dann guckt Alex jedes Mal ein bisschen unglücklich, aber was will er machen ? Ich glaube, man kann einen anderen nicht zum Heiraten zwingen. Selbst wenn man es ganz doll möchte. Nur ihn wieder loswerden, das geht auch, wenn der andere gar nicht will. So funktioniert das bei den Menschen.«

Aha. Nina, die alte Ziege. Da möchte ihr Freund ihr ewige Treue schwören, und sie will nicht. Wundern tut es mich allerdings nicht. Nina ist Caros beste Freundin, aber trotzdem ganz anders als Caro. Schon rein äußerlich: Nina ist groß und dunkelhaarig, Caro zierlich und blond. Und während Caro immer etwas Warmes, Liebes hat, kann Nina ganz schön ätzend zu ihren Mitmenschen sein. Sie weiß meist genau, was sie will, und auch, was sie nicht will, und lässt das die anderen sofort spüren. Dass Alex sich gleich in sie verliebt hat, kaum dass sie in die Wohnung über Caros Geigenbauwerkstatt gezogen war, ist mir bis heute schleierhaft. Wieso verbringt der gerne Zeit mit jemandem, der oft so kratzbürstig ist ? Andererseits: Ich verbringe ja auch viel Zeit mit Herrn Beck. Und das ist auch nicht immer die reine Freude.

Ein Schlüssel wird im Schloss gedreht. Caro und Nina haben ihren kleinen Einkauf, für den ich hier geparkt wurde, offenbar beendet. Schon höre ich ihre Stimmen – sie scheinen bestens gelaunt, jedenfalls kichern beide, als sie in den Flur kommen. Jede hat mehrere große Tüten in der Hand, ein sicheres Indiz, dass es sich bei dem Einkauf um eine sogenannte Shoppingtour gehandelt hat. Da kann ich wirklich froh sein, dass ich nicht mitmusste. Nichts ist langweiliger, als stundenlang in irgendwelchen Geschäften rumzulungern, in denen kein einziger Zipfel Fleischwurst verkauft wird.

Die Frauen stellen die Tüten ab und gehen ins Wohnzimmer, ich hinterher. Hier ist ein Haustier, das gestreichelt werden will !

Leider sind die beiden Damen so in ihr Gespräch vertieft, dass mich Caro völlig ignoriert. Sie setzt sich neben Nina auf die Couch und begrüßt mich nicht einmal richtig, als ich mich direkt auf ihre Füße lege. Na, das muss ja ein rasend interessantes Thema sein, das die beiden da am Wickel haben !

»Ja, also Stefanie sah in diesem langen, weißen Ungetüm aus wie ein riesiges Baiser. Vielleicht hätten es zwei Lagen Tüll weniger auch getan«, berichtet Caro.

»Schade, dass ich nicht dabei war. Das hätte ich gern gesehen: Stefanie als Baiser. Ich meine, eine Elfe ist sie ja nicht gerade – wenn dann noch ihr schlechter Geschmack hinzukommt …«

»Ts, ts, ts, Nina ! Und das ist auch der Grund, warum du so selten auf Hochzeiten eingeladen wirst: Du bist einfach zu boshaft !«

»Ooch, und ich wäre sooo gerne dabei gewesen !«

Wieder lachen beide. Ich verstehe nicht ganz, worüber. Dass Nina bisweilen sehr boshaft ist, würde ich sofort unterschreiben. Ich meine, wenn ich schreiben könnte. Ansonsten finde ich nicht, dass Nina etwas verpasst hat. Denn seit der Name Stefanie in der Kombination mit Hochzeit gefallen ist, ist mir klar, dass es hier um die Veranstaltung mit der total verrückten Frauenmeute vor ein paar Tagen gehen muss.

»Aber mal im Ernst: Es gab tatsächlich einen rasend komischen Auftritt von Herkules. Er hat sich nämlich den Brautstrauß geschnappt und ihn mir gebracht. Das hättest du mal sehen sollen: Stefanie wirft, und alle stürzen sich wie die Geier auf das Teil. Und wer hat ihn am Ende ? Mein kleiner Herkules ! Und dann ab durch die Mitte damit zu Frauchen. Zum Wegschmeißen !«

Nina schüttelt den Kopf.

»Und jetzt heiratest du als Nächstes, oder wie ?«

Jetzt kichert Caro wieder, und soweit ich das von hier unten beurteilen kann, nickt sie.

»Klar, so will es der Brauch. Wer den Strauß fängt, heiratet als Nächstes !«

WUFF ! Ach deswegen waren die alle so hinter den Blumen her ! Da wird mir ja so einiges klar. Ein Brauch. Also etwas eigentlich völlig Sinnfreies, was die Menschen aber schon seit grauer Vorzeit machen und es deswegen für immens wichtig halten, ja, ihm sogar eine gewisse Zauberkraft zusprechen. Ich habe in meiner Zeit als Haustier schon die seltsamsten menschlichen Bräuche kennengelernt, aber dieser hier zählt definitiv zu den blödesten. Blumen werfen, um mit dem Heiraten dran zu sein. Lächerlich. Wieso eigentlich halten sich die Menschen für vernunftbegabt ?

»Wenn das so ist, dann muss ja eigentlich Herkules als Nächstes heiraten.« Ninas spöttischer Unterton verrät mir, dass sie eine ähnliche Einschätzung hinsichtlich dieser Art von Brauchtum hat.

»Hach, nun sei doch nicht so. Ich finde, es ist ein netter Brauch. Und außerdem wollte ich auch gar nicht mitmachen«, erklärt Caro und klingt dabei entschuldigend.

»Gut. Also keine Hochzeit. Dann bin ich beruhigt.«

»Äh, na ja, heiraten wollen wir ja schon länger, und tatsächlich findet Marc jetzt, dass wir mal langsam mit der Planung anfangen sollten.«

»Also doch«, seufzt Nina, »ich hab’s ja geahnt.«

»Mensch, Nina, mach’s mir doch nicht so schwer.«

»Bitte ? Was mach ich dir denn schwer ?«

»Na, die Frage zu stellen, die ich trotz deiner Hochzeitsallergie die ganze Zeit an dich loswerden will. Deswegen rede ich auch schon den halben Nachmittag über das Thema.«

»Welche Frage denn ?« Nina klingt erstaunt.

»Ob du meine Trauzeugin werden möchtest. Ich meine«, Caro schluckt, »ich weiß ja, du und Marc, das ist nicht immer einfach … Aber es würde mir sehr viel bedeuten. Wirklich !«

Jetzt sagt Nina erst mal gar nichts, dann schluckt auch sie und umarmt Caro. Was auch immer das Wort Trauzeugin genau bedeutet, es muss etwas enorm Wichtiges sein.

»Aber natürlich. Du bist doch meine beste Freundin.«

Jetzt kichern wieder beide – oder ist das eher ein Schluchzen ? Ich lausche genauer hin. Tatsächlich, sie scheinen vom Lachen zum Weinen übergegangen zu sein. Sehr seltsam. Eine Weile sagt keine von beiden etwas, dann räuspert sich Caro und sagt mit belegter Stimme:

»Danke, ich freue mich sehr darüber. Und ich gelobe hiermit hoch und heilig: Es wird ein kleines, intimes Fest. Keine Riesenhochzeit. Kein Brautstraußgewerfe. Und garantiert kein Baiser. Indianerehrenwort !«

Wuff ! Da bin ich jetzt aber wirklich froh ! Könnte mir jetzt noch mal schnell jemand erklären, was eine Trauzeugin ist ?

ZWEI

Ja, wo ist denn der kleine Henri ? Da ist der kleine Henri ! Ja, wo ist denn der kleine Henri ? Daaaa ist der kleine Henri ! Ja, wo ist denn der kleine Henri ? Daaaaaaa …«

Eine gefühlte Ewigkeit geht das schon so. Oma Hedwig legt Baby Henri ein Stofftuch über das Gesicht, dann zieht sie es schnell weg. Baby Henri gluckst vor Freude, und auch Oma strahlt über das ganze Gesicht. Dass man Menschenkinder mit einem dermaßen stupiden Spiel bei Laune halten kann – unglaublich ! Jeder Hundetrainer, der sich so an einem Welpen versuchen würde, wäre gleich die Lizenz los. Aber Henri ist begeistert und jedes Mal wieder überrascht, seine Oma hinter dem Tuch zu entdecken.

Eines steht schon mal fest: Henri ist nicht die hellste Kerze auf der Torte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er bei seinen begrenzten intellektuellen Fähigkeiten jemals so einen komplizierten Menschenkram wie Lesen und Schreiben lernt. Aber auch für einfache Kommandos wie Sitz ! Platz ! oder sehe ich schwarz, ich glaube, Henri hätte bei einer Gebrauchshundeprüfung keine Chance.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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