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In sieben Erzählungen führt Eugenie Kain zu scheinbar vertrauten Landschaften Europas und erschließt dabei neue, verwirrende Einblicke auf Untiefen und Riffe, die der Alltag für ihre Menschen bereit hält. Wie an einer fließenden Grenze entlang bewegen sich die Schauplätze, reichen von Südböhmen über Venedig an den Atlantik, zu den Küsten von Irland und der Bretagne. Es ist das unberechenbare Element des Wassers, dass die Erzählungen von Eugenie Kain miteinander verbindet.
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Seitenzahl: 157
Veröffentlichungsjahr: 2012
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Eugenie KainHohe Wasser
Eugenie Kain
Hohe Wasser
Erzählungen
OTTO MÜLLER VERLAG
ISBN 3-7013-1080-7eISBN 978-3-7013-6080-2
© 2004 OTTO MÜLLER VERLAG, SALZBURG-WIEN
Alle Rechte vorbehalten
Satz: Media Design: Rizner.at
Umschlaggestaltung: Leo Fellinger, Salzburg
Druck und Bindung: Druckerei Theiss GmbH, A-9431 St. Stefan
nu l’è l’aegua ch’à fá baggiá
imbaggiâ imbaggiâ
Es ist nicht das Wasser, das uns zum Gähnen bringt,
es lässt uns alles verrammeln, alles verrammeln.
nu l’è l’aegua de ’na rammâ
’n calabà ’n calabà
Es ist nicht das Wasser aus einem Regenguss,
es ist ein Wirrwarr, es ist ein Wirrwarr.
Fabrizio De André
Der Vermittler
Durch den Sucher hatte ich die Leute von der Genossenschaft beobachtet. Es waren Frauen darunter. Der Unterschied war kaum zu erkennen. Die Leute von der Genossenschaft trugen Overalls, Stiefel, Hüte und Mäntel. Alles aus Gummi. Alles schwarz und oliv, nur die Handschuhe waren rot. Himbeerrot. Auf die Hände stellte ich scharf. Ich hörte Kommandos, hellere Stimmen und tiefe, in dieser Sprache klang alles heiter und zuversichtlich. Die Hände kamen aufeinander zu, bis sie einen Kreis bildeten. Die Hände stemmten ein Seil, und an dem Seil hing das Netz. Im Kreis der roten Hände glitzerte und glänzte es. Silbern, braun, weiß. Flossen und Fischbäuche. Der Teich kochte. Die Leute von der Genossenschaft standen bis zu den Knien im Wasser und bändigten das Netz. Ich stellte scharf und drückte ab und stellte scharf. Ich war auf der Suche nach Frauengesichtern. Da eine blonde Haarsträhne unter der nassen Krempe, dort eine rote Krause, aber nichts Eindeutiges. Ein schönes Arbeiten. Rhythmisch und zielgerichtet. Zu dieser Arbeit müsste man eine Unsrige zuweisen. Die Arbeitszeit zumutbar. Die Art der Tätigkeit auch. Abwechslungsreich, in guter Luft. Es gibt Sozialleistungen. Weihnachtskarpfen. Aber eine Unsrige würde sich nicht ins Wasser stellen. Niemals. Eine Unsrige stellt sich nirgends hin. Weil das nicht passt und das auch nicht. Eine Unsrige muss geschoben werden und hingestellt. Sonst kommt sie nicht zu ihrem Glück. Obwohl ich die Stimmen hörte, fand ich keine Frauengesichter über den roten Händen. Sanfte, raue Stimmen, noch mit der warmen Ruhe des Schlafes im Ton, aber bereits hellwach und auf der Hut. Der Morgennebel hob sich und gab das gegenüberliegende Ufer frei. Ein paar Tage noch und im Wasser des Teiches würden sich die abfärbigen Schatten der knotigen Bäume spiegeln, ich würde scharf stellen auf den Damm mit den Eichen und auf eine Radfahrerin warten oder eine Mutter mit Kinderwagen. Aber noch loderte das Laub in allen Flammenfarben und wehrte den Blick ab auf das Hinterland. Es gab nur den Teich mit dem leuchtenden Saum und den Himmel darüber, der sich anschickte, hoch und strahlend zu werden.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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