Homullus - Der Duft des Lichts - Carina Carie - E-Book

Homullus - Der Duft des Lichts E-Book

Carina Carie

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Beschreibung

Warum? Diese Frage beschäftigt die neunzehnjährige Colombe schon seit ihrer Kindheit. Warum kann sie die Menschen fühlen, ihre Energien abtasten und wissen, ob sie glücklich sind, zu Tode betrübt oder ob sie lügen? Warum kann sie Krankheiten riechen, die Energiewellen von Blumen fühlen und ab und zu sogar mit Kaffeetassen sprechen?Warum sagt ihr Pflegevater, sie habe das dritte Auge, und warum unterrichtet er sie in der geheimen Kampfsportart ImPerDi? Warum verliebt sie sich unsterblich in Tin, obwohl seine Energie ein Geheimnis hütet, dessen Schutz sie nicht durchbrechen kann? Warum gibt es gute Menschen und warum brutale Verbrecher? Warum ... warum ... warum!Bald erhält Colombe Antworten auf all ihre Fragen.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Carina Carie

HomullusDer Duft des Lichts

KaDi-Liechtiverlag

www.kadiverlag.ch

FÜR DICH

FÜR MICH

FÜR ALLE

Manchmal muss man den Dingen eine neue Ansicht geben, um die Rätsel der Zeit entschlüsseln zu können. Es geht in vorliegendem Roman nicht um die Wahrheit, nur um den Gedanken.

www.carinacarie.ch

1. Auflage 2014

© 2014 KaDi-Liechtiverlag, 3267 Seedorf

alle Rechte vorbehalten

Layout: Ulrich-Media GmbH, 3045 Meikirch

Umschlaggestaltung, Bilder: KaDi-Liechtiverlag, 3267 Seedorf

ISBN: 978-3-9524321-1-2

www.kadiverlag.ch

Prolog

Freilicht-Museumsanlage der Römerstadt Augusta Raurica, Basel, Schweiz

Otto hatte schon zu viel Zeit mit der schönen Toten verbracht. Er musste die Leiche reinigen … seine DNA-Spuren beseitigen.

Sie war das Wertvollste, was er jemals besessen hatte, und doch musste er sie hier liegen lassen. Wie Dreck, den man in eine Ecke wischt.

Dieser letzte Ausdruck in ihrem Gesicht … er hatte sich fest in ­Ottos Hirn eingebrannt. Wann immer er seine Augen schloss, sah er ihr verzerrtes Antlitz, entstellt von unsäglichem Schmerz. Und dann … trotz allem, das Lächeln während ihres letzten Atemzuges – diese Erleichterung, vom Leben befreit zu sein … das Glück der Seele in Vollkommenheit zu versinken, ohne Zwang, ohne Gewalt und ohne Trauer. ­Dieses unbeschreiblich friedliche Lächeln, es brachte ihn schier zur Verzweiflung.

Das Baby lag neben seiner toten Mutter, in flauschige Wolldecken gewickelt und begann zu wimmern. Bestimmt spürte es die Kälte, die jetzt von dem seelenlosen Körper ausging. Während der letzten Stunden hatte es wach, aber völlig lautlos an ihrer Seite gelegen, als ob es genau wüsste, was hier vor sich ging; als wüsste es Bescheid über den Tod. Und so hatte es Abschied genommen von seiner Mutter.

Still –.

***

»Hier oben«, rief ein uniformierter Polizist dem Kommissar ­Roberto Keller zu.

Keller blickte hoch zum Hügel, woher die Stimme kam und winkte seinem Kollegen zu. »Bin schon unterwegs!«, rief er zurück und sagte dann mehr zu sich selbst: »Nur die Ruhe, sie ist ja schon tot, oder nicht!«

Der Kommissar unterhielt sich gerade mit einem alten Mann, der die Leiche vor einer guten Stunde entdeckt hatte. Der stürmische Wind peitschte den beiden Männern Regen ins Gesicht. Keller hatte seinen Schirm im Auto liegen lassen und bereute es jetzt, denn der Regen wurde stärker. Andererseits war er froh über seine Nachlässigkeit, denn so hatte er einen guten Grund, nach der Tatortbesichtigung nach Hause zu fahren und sich unter die warme Dusche zu stellen. Das war sein persönliches Ritual: Er musste sich die Last des Anblicks einer Leiche wegwaschen. Das war bei ihm schon immer so gewesen.

»Sie sieht friedlich aus«, sagte der Alte beiläufig und deutete mit dem Kopf den Hügel hinauf zum Tatort. Er schien, äußerlich betrachtet, gefasst zu sein, umklammerte aber seinen Schirm mit zitternden Händen. Die Sehnen traten weiß an den Knöcheln hervor. Kommissar Keller überlegte, ob er einfach zustimmen sollte, obwohl er die ­Leiche noch nicht gesehen hatte, bemerkte aber mit einem schnellen Seitenblick, dass der dürre Greis gar keine Antwort erwartete.

Mit einem knappen Kopfnicken verabschiedete sich der Kommissar von dem Alten. Seine von Rheuma befallenen Glieder schmerzten heute besonders und so humpelte er mit den üblichen ­Anlaufschmerzen los. Es galt zuerst, die steinerne Treppe zu überwinden. Danach war es nur noch ein etwa fünfzig Meter langer beinahe flacher Aufstieg bis zum Tatort.

In der Mitte war er gezwungen, eine Pause einzulegen. Schwer ­atmend schaute er zurück. Die neunzehn Treppenstufen hatte er nur dank ein paar Pumpstößen aus seiner Asthmadose geschafft. Doch der Anblick der ehrwürdigen Mutter, wie er die renovierten Ruinen des Szenen-Theaters von Augusta Raurica liebevoll nannte, entschädigte ihn für die Anstrengungen. Als ob er vor applaudierendem Publikum auf der Bühne stände, schaute er in den Halbkreis der leeren Theatertribüne, der Cavea. Die kleinen Terrassen boten Platz für 10’000 ­Personen und wurden seinerzeit wohl auch vermehrt bei religiösen Feiern als Tribüne benutzt. Zivilisationsabgase und Wettereinflüsse der letzten 2000 Jahre hatten den sandigen Stein zu einem grau-schwarz-braun gesprenkelten Gemäuer verfärbt. Wie hunderte kleine Haarnadeln mit smaragdgrünen Verzierungen wuchs saftiges Gras aus den Ritzen und bescherte der ehrwürdigen Mutter einen Hauch von selbstverliebtem Stolz. Bäume und Büsche schmückten die oberen Plattformen der noch gut erhaltenen Ruine und rekelten sich in die Höhe, als befänden sie sich im Wettstreit um den besten Platz um des Himmels Gunst.

Keller hasste seinen Beruf. Die starren Augen von Leichen raubten ihm regelmäßig den Schlaf. Oder er vermöbelte in seinen Träumen brutale Verbrecher, um ihnen den Willen des Guten aufzuzwingen. Was für ein Widerspruch, Gewalttaten mit Brutalität ins Gute verwandeln zu wollen!

In neunzehn Jahren würde er pensioniert werden. Heute fühlte er sich so, als sei das noch sein einziges Ziel im Leben.

Der Kommissar stand jetzt auf dem Tempelberg Schönbühl, direkt gegenüber dem Theater. Einst thronte hier ein imposanter Podiums­tempel der von 26 Säulen umstanden wurde. Sechs mächtige Frontsäulen begrenzten den Eingang der heiligen Hallen und mussten einst in den Besuchern des Szenen-Theaters Ehrfurcht hervorgerufen haben. Doch heute zeugten nur noch ein aus Mörtel und Kalkstein gemauerter drei Meter hoher Sockel und der darauf liegende massiv gebaute Quaderbrocken von dem eindrucksvollen Bauwerk. Trotzdem sah es immer noch aus wie ein gigantischer Altar, auf dem sogar ein Pottwal hätte geopfert werden können.

Aber der Kommissar war nicht da, um Ruinen aus alten Zeiten zu bewundern. Mühsam schleppte er sich den schmalen Kiesweg bis zum Sockel des Tempels hoch. Die Stufen dort waren klein, unregelmäßig und, da es wie aus Kübeln regnete, auch glitschig. Ein böiger Wind durchfuhr Keller bis auf die Knochen. Er krempelte den Kragen ­seines sommerlich dünnen Anoraks hoch, bevor er sich noch einmal ­Medizin in seine verklebten Lungen pumpte. Verdammt! Es ist Juni, Mittsommer, der längste Tag im Jahr und das Wetter spielt Kapriolen, als ob der Winter schon bald den Herbst ablösen möchte. Endlich hatte er auch die letzten paar Stufen erklommen und blickte auf den kahlen, abgerundeten und abgewetzten Stein.

So schön dieser Ort – besonders bei sonnigem Wetter – auf den Kommissar wirkte, so mystisch übermannte ihn dessen Energie in der trüben Stimmung eines Regentages. Und als er die Leiche der jungen Frau sah, wie sie da lag, mitten auf dem Quader, liebevoll hingebettet, war für ihn klar, dass dieser Tempel seinerzeit zu Ehren einer Schutzgöttin gebaut worden war. Es kam ihm vor, als ob er das Weinen der um Schutz flehenden Menschen hörte und das Salz der Tränen auf seinen Lippen schmeckte. Aber vielleicht war es auch einfach nur der saure Regen, der sich einen Weg über sein knorriges Gesicht bahnte.

Wie passend dieser Ort für einen toten Menschen war! Aufgebahrt auf kaltem, grauem Kalkstein. Ein Stein, der mit weißen blutbahnähnlichen Strichen durchzogen war und sich scheinbar mit dem ­sterbenden Körper verbunden hatte, damit er ihm auch noch den letzten Hauch von Leben aus seinen Adern saugte. Keller beschlich das eigenartige Gefühl, das Monument sei nur für diese junge Tote errichtet worden. Ein tonnenschwerer Sarkophag, der Wind, Wetter und Menschheit über Jahrhunderte trotzte und dem toten Leib einer Göttin würdig war.

Die Tote sah tatsächlich friedlich aus, genauso, wie der dürre Greis es kurz zuvor erwähnt hatte. Sie lag auf dem Rücken, die Hände auf die Brust gelegt. Ihre bronzenen und tannennadellangen Haare wirkten wie eine goldene Krone auf ihrem Haupt. Die Kleidung war ­ordentlich, nicht zerrissen, und der Rucksack der Frau lagerte unter ihren Knien. Als ob sie es im Tod noch nötig gehabt hätte, ihr Kreuz zu entlasten. Der Kommissar vermutete, es sei dem Täter wichtig gewesen, seinem Opfer die Stellung im Tod so angenehm wie möglich zu machen und sie hübsch zurückzulassen. Wäre schön, wenn die Leute das im Allgemeinen noch zu Lebzeiten für ihre Mitmenschen machen würden, dachte er und wusste dabei genau, dass er selbst zu den Menschen gehörte, die andere ständig kritisierten und ihnen das Leben schwer machten, wo sie nur konnten. Es ist einfacher, über Handlungen anderer zu lästern, als sich mit seinen eigenen auseinanderzusetzen.

»Der Täter scheint seine Tat zu bereuen«, knurrte Keller vor sich hin. Der Rechtsmediziner, der mit einer Pinzette die Haare der Leiche untersuchte, bemerkte den Kommissar und begrüßte ihn, ohne aufzusehen, mit einem saloppen »Roobi«.