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Ich bin introvertiert und auch noch langsam! Diese Erkenntnis ist nicht unbedingt ermutigend in einer Welt, die immer schneller wird. Aber genau das anzuschauen, was nicht angeschaut werden soll und dort hinzuhören, wo lautes Geschrei Wesentliches leicht übertönt, macht den Weg frei für klare Erkenntnisse und führt zur Quelle der eigenen Kraft. Eine Introvertierte beschreibt in diesem Buch sehr persönlich und durch viele Geschichten verdeutlicht, ihren Weg in einer extrovertierten Welt, besonders in der Welt des Networkmarketing. Nach einer Krebsdiagnose beginnt sie damit, nicht nur ihre eigenen Glaubenssätze, sondern auch das ganze Gesundheitssystem noch einmal und viel tiefer zu hinterfragen. Schließlich findet sie aus der Angst heraus. Während der Zeit des "coronisierten" Wahnsinns stellt sie richtungsweisende Fragen, deren Antworten eigentlich ganz einfach sind.
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Seitenzahl: 291
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Prolog
Mein Begleiter, der Wolf
Auf die Bühne mit dir und raus mit der Sprache!
So, es ist getan
Die Entscheidung: Es reicht! Jemand muss hier einmal
für die Introvertierten sprechen!
Meine Entdeckung: Ich bin introvertiert…und auch noch langsam!
Introvertierte & Extrovertierte
Gibt es ein entweder, oder?
Das Temperament „extrovertiert“
Das Temperament „introvertiert“
Die Temperamente erkennen
Die Sache mit der Geschwindigkeit
Der große Unterschied im Nervensystem
Schüchternheit und Kontaktfreude
Der Menschenkater
Wann startet meine Lichtmaschine?
Das Desaster mit meiner Ausbilderin Monika
Eine persönliche Heldengeschichte:
Der fliegende Holländer
Sensibilität
Sensibel oder unsensibel?
Hochsensibilität
Der Umgang mit Druck
Medialität
Die stille Verzweiflung hochsensibler Kinder
Die Geschäftsfrau
Vorbilder und Sehnsucht
Mein Weg aus dem Hamsterrad
Eine meiner besten Entscheidungen
Die Natur ist unschlagbar
Es ist einfach, aber nicht immer leicht
Vorurteile sind hartnäckig, aber nicht wahr
Das Thema Konfrontation
Konfrontations-Horror der Introvertierten
Wenn das die Extrovertierten nur beherzigten!
Meine selbst auferlegten Konfrontationen
Plädoyer für Komfortzonen
Auch die Pause gehört zur Musik (Stefan Zweig)
Krebs, meine große Zäsur
Wenn alles zusammenbricht
Menschen, die an dich glauben
Das erste Umstellen der bekannten Weichen
Die Angst fällt Stück für Stück ab
Und dann kam Corona
Das darf doch nicht wahr sein!
Und wieder mache ich mich auf die Socken
Zwei Introvertierte auf der Bühne
Raus aus den Denkblockaden
Der Punkt ohne Wiederkehr
Die alles entscheidende Frage
Medizinische Denkblockaden
Hand aufs Herz: introvertiert oder konstelliert?
Führen und Korrigieren
Diese Welt ist für Extrovertierte eingerichtet
Vom größten Erfolgskonzept lernen
Menschen in die Selbstständigkeit begleiten
Wir lernen von Menschen, die wir lieben
Wo Introvertierte führen müssen
Das „Netzhemd“
Wenn Geschäftspartner an dir vorbeiziehen
Hör dir zu!
Wie könnte ein Neubeginn gelingen?
Zweifel und Selbstvertrauen
Selbstzweifel
Selbstkonzepte und Selbstbild
Selbstrespekt und innerer Frieden
Erfolgreich trotz Selbstwert-Themen
Das Spektrum der beiden Temperamente
Die Stärken und Schwächen der Introvertierten
Als Introvertierte im Networkmarketing
Die Stärken und Schwächen der Extrovertierten
Gutgläubig, naiv oder einfach menschlich?
Die Dinge sind einfach
Anhang
Meilensteine des Erwachens im„Zirkus Corona”
Test zur Selbsteinschätzung
Zur Auswertung des Tests
Eigene Strategien entwickeln aus dem Test
Ein paar Strategie-Anregungen
Eigentlich wollte ich ein Buch schreiben über Introvertierte im Empfehlungsgeschäft. So war der Plan, und so habe ich mich an die Arbeit gemacht und erst einmal studiert, was es über Introvertierte bereits schon zu wissen gibt. Es sollte nicht unbedingt autobiographisch werden, aber doch gut gewürzt mit ein paar unterhaltsamen Geschichten aus meinem Leben als Introvertierte.
Dann kam Corona und veränderte die ganze Welt, beziehungsweise machte sichtbar, was bislang im Verborgenen lag. Einerseits dachte ich, dass die Menschen jetzt andere Sorgen hätten, als sich für die Nöte von Introvertierten zu interessieren. Andererseits war ich selbst aufgefordert, viele Themen noch einmal gründlicher und tiefer anzuschauen. So nahmen die Ereignisse ihren Lauf und meine Erkenntnisse ebenso.
Der Bogen dieses Buches ist also größer geworden als ursprünglich geplant, denn ich habe mich getraut, viel mehr Fragen zu stellen und nicht nur die Introvertierten aufzufordern, für ihre Bedürfnisse einzustehen, sondern ich fordere uns alle auf, jeden nach seinen Fähigkeiten, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen und die Schritte in Richtung Freiheit und Souveränität zu gehen, die ihm möglich sind.
Jeder Mensch, der heute sein Leben in die eigene Hand nimmt, auf seine Rechte, seine Souveränität, sein Eigentum und seine Freiheit besteht, stemmt sich damit gegen die Absichten einer Weltsteuerung, die in dieser Zeit immer klarer zu erkennen ist. Einige Gesichter werden uns gezeigt, aber mit Sicherheit stehen da noch ganz andere Köpfe dahinter, die bislang nie öffentlich in Erscheinung getreten sind. Jedenfalls kann nicht mehr bestritten werden, dass es sehr düstere, machtgierige Bestrebungen gibt, uns Menschen mit einer künstlichen Intelligenz zu verbinden. Wenn dies gelingen sollte, ist das Zeitalter der Menschen und damit auch alle Menschlichkeit vorüber.
Ich habe oft schon feststellen dürfen, dass ich in meinem Leben ein Gespür für den richtigen Zeitpunkt hatte, um im übertragenen Sinne, ein sinkendes Schiff zu verlassen. Heute sind wir kollektiv an einem Punkt angelangt, an dem wir nicht mehr zurück können in die alte Normalität. Mit anderen Worten, das bisherige Schiff oder „System” ist zu Ende. Es gibt einige mächtige Kräfte, die uns bereits an Bord ihres Schiffes mit dem Namen „The Great Reset”1 lotsen wollen. Wir entscheiden aber selbst, ob wir dort einsteigen wollen oder ob wir uns selbst eine Welt erschaffen, in der die menschlichen Werte zählen und in der wir wieder mit und in der Natur leben.
Die Natur zeigt uns das Prinzip Überfluss, in der es mehr als genug für alle gibt. Es ist eine Frage der Intelligenz, wie wir unser Wissen und unsere Ressourcen einsetzen. Immer wieder wurde in der Vergangenheit Mangel künstlich erzeugt, um die Preise in die Höhe zu treiben oder um Menschen gefügig zu machen. Wir könnten ebenso gut unsere Kraft nutzen, um ein Leben in Frieden, Freiheit und Wohlstand für alle zu schaffen.
Mein Anliegen ist, mit diesem Buch dazu beizutragen, dass jeder Mensch, ob introvertiert oder extrovertiert, zu sich und seinen Qualitäten, Stärken und Schwächen stehen kann und wir gemeinsam an einem Miteinander bauen, das zu deutlich mehr wird als der Summe seiner Einzelteile.
Meine große Lebenskrise war die Krebserkrankung. Durch sie war ich auf vielen Ebenen herausgefordert, neue Wege zu suchen und diese auch zu finden. So beschreibe ich auch diesen sehr persönlichen Weg, der sich schon viele Jahre zuvor angekündigt hatte, aber doch einen starken Anlass gebraucht hat, damit ich bereit war, ihn wirklich zu gehen. Mit meiner Entscheidung, in diesem Buch Gesicht zu zeigen, habe ich mich auch entschieden, klare Worte zum Thema Gesundheit, Krankheit und Gesundheitssystem zu sprechen beziehungsweise zu schreiben.
Wer A sagt muss auch B sagen. Über Gesundheit zu schreiben in der Corona-Zeit bedeutet, sich auch mit dem Sinn und Unsinn dieser ganzen Geschichte zu befassen. Wir alle wurden mehr oder weniger gezwungen, uns zu entscheiden, wie wir zu den angeordneten Maßnahmen stehen. Dabei ist keine Entscheidung zu treffen auch eine Entscheidung. Sie wird eben von jemand anderem für einen getroffen.
So erwartet Sie also ein Buch, in dem es nicht nur um die Temperamente introvertiert und extrovertiert geht. Ich erzähle aus meiner sehr persönlichen Sicht, über Networkmarketing und im Besonderen über das Empfehlungsgeschäft, welches nicht nur für Extrovertierte geeignet ist. Ich teile aber auch meine Gedanken zu Spiritualität, zu Fragen nach Gemeinschaft und Lebensperspektiven, nach Erfolg, Selbstwert und Selbstzweifel. Meine Geschichten und Ausführungen sollen in erster Linie eine Brücke bauen für das gegenseitige Verstehen von introvertierten, extrovertierten und besonders sensiblen Menschen.
Eines noch vorab: Ich habe mich bewusst für das generische Maskulinum entschieden und meine damit natürlich beide Geschlechter und auch diejenigen, die mit ihrer Orientierung verunsichert sind. Wer unbedingt „gendern” möchte, darf das beim Lesen gerne selber tun.
Viel Freude beim Lesen!
1 Klaus Schwab und Thierry Malleret, „COVID-19: DER GROSSE UMBRUCH“, Forum Publishing, Genf 2020Weltwirtschaftsforum
Seit vielen Jahren begleitet mich der Wolf als spiritueller Lehrer. Er ist zu mir gekommen, als ich intensiv die indianischen Lehren studiert habe. Daraus ist dann ein zweijähriges Ausbildungsprogramm für Ärzte und Therapeuten entstanden. Die indianischen Lehren haben mich viele Jahre sehr fasziniert. Durch sie habe ich gelernt, mit meinen Fragen in die Natur zu gehen.
Ob es nun spirituelle oder eher persönliche Fragen waren, die Antworten stellten sich immer dann ein, wenn ich mich in der Natur (mit meiner Frage verbunden) ganz öffnen konnte. Die Natur, die Schöpfung, Gott oder wie auch immer man das Prinzip Leben auch nennen mag, hat auf alles eine gute Antwort. Da wir Teil der Schöpfung sind, können wir diese Antwort auch finden.
Ein jedes Wesen, gleichgültig ob Mensch, Tier oder Pflanze, bringt sein einzigartiges Geschenk mit, das es sich selbst, der Welt und anderen schenken kann. Naturvölker nennen dieses Geschenk „Medizin”. Seine Medizin zu leben bedeutet also, mit sich selbst in Einklang zu sein und dementsprechend zu leben. In unserer heutigen Welt ist das gar nicht so einfach, da wir ja alle paar Jahre einer anderen Mode oder einer anderen Idee hinterherjagen sollen.
Nun, der Wolf als Lehrer und Hüter aller Wege, lehrt dem eigenen Weg mit Herz zu folgen. Er lehrt Teamgeist, Disziplin, Weisheit und Führungsqualitäten. Er lehrt die Disziplin, auf schwierigen Wegen zum Ziel zu kommen und auch die Weisheit zu wissen, wann dieser zu Ende ist und ein anderer Weg gefunden werden muss.
Die Medizin des Wolfs hat mich sehr fasziniert und tut es noch heute. Um seinen Weg mit Herz zu finden, muss man manchmal die alten ausgetretenen Wege der Gewohnheit verlassen und seinem Herzen folgen. Und man muss es immer wieder tun. Denn, nicht nur diese Welt verändert sich in rasanter Geschwindigkeit, sondern wir tun es mit ihr. Was sich gestern noch richtig und stimmig angefühlt hat, kann heute einfach nicht mehr der richtige Weg sein.
Wenn ich mit meinem Herzen verbunden bin, dann spüre ich ganz genau, wo das Leben in mir pulsiert und wo ich mich eigentlich nur in einer Gewohnheit eingerichtet habe, die langsam aber sicher die Lebensfreude in mir absterben lässt. Und so darf mich der Wolf mit seiner wunderbaren Medizin weiterhin lehren und begleiten auf meinem Weg mit Herz.
Die Stunde ist um, und vor mir stehen knapp zweihundert applaudierende Menschen. In vielen Augen sehe ich Tränen. An den beiden anschließenden Tagen kommen gefühlt alle Teilnehmer meines Vortrags einzeln auf mich zu und bedanken sich persönlich für das, was ich gesagt habe. Auch Kollegen, die nicht dabei sein konnten, weil sie selbst Workshops gegeben haben oder woanders teilgenommen haben, berichten mir von den allerbesten Rückmeldungen ihrer Teampartner, die dabei waren.
Da habe ich wohl einen wichtigen Nerv getroffen und etwas an-und ausgesprochen, was vielen schon lange auf dem Herzen liegt.
Jedes Jahr verbringen viele Menschen aus meinem Empfehlungsgeschäft gemeinsam eine Woche an einem schönen Platz im Süden. Die diesjährige Aktivwoche findet in Griechenland statt, auf der Peleponnes. Hier werden von Führungskräften Vorträge und Workshops angeboten. Es werden Erfahrungen und Inspirationen ausgetauscht, und die neuen Partner sind natürlich neugierig auf die Tipps von den Erfolgreichen. Auch haben wir wieder externe Sprecher und Trainer eingeladen. Und jeder kann zu einem günstigen Preis buchen und Familie oder Freunde mitbringen.
Ein Jahr lang habe ich mich innerlich auf diesen Vortrag vorbereitet. Im letzten Jahr auf der Aktivwoche war mir klar geworden, dass einmal jemand für die Introvertierten sprechen muss. Mit diesem überwältigenden Erfolg hatte ich jedoch nicht gerechnet. Und so habe ich mich entschlossen über dieses Thema zu schreiben. Ich schreibe hier sozusagen zur Aufklärung, im Dienst der „Artenverständigung” und für eine bessere Zusammenarbeit.
Ganz besonders geht es mir aber um die vielen Introvertierten, die regelmäßig sehr viel Energie verlieren, weil sie an sich zweifeln. Sie vergleichen sich unnötigerweise mit Extrovertierten, fühlen sich womöglich von Extrovertierten bedrängt und entmutigt und schlagen sich mit Strategien herum, die einfach ungeeignet für sie sind. Das alles geschieht ohne böse Absicht seitens der Extrovertierten. Es fehlt hier einfach an Wissen und Verständnis füreinander.
Immer wieder sehe ich Introvertierte aufgeben, weil sie ihr wahres Potential nicht erkennen und niemanden haben, der es wertschätzt, sie bekräftigt und kompetent unterstützen könnte.
Ich spreche auch für die vielen Introvertierten, die sich eine Branche wie das Empfehlungsgeschäft durchaus interessiert anschauen, aber mit der inneren Entscheidung „das ist nichts für mich, das kann ich sowieso nicht” gar nicht erst beginnen. So lassen sich Menschen eine große Chance entgehen, die ihr Leben positiv verändern würde und mit der sie ihre Träume verwirklichen könnten.
Meine Entscheidung war in der Aktivwoche in Griechenland gefallen und zwar bei einem Workshop einer Kollegin. Es ging um das Thema Potentialentfaltung. Wie immer suchte ich mir sehr sorgfältig meinen Sitzplatz aus. Je nach Thema und innerer Verfassung sitze ich ganz hinten, seitlich oder ganz vorne. Diesmal hatte ich mir instinktiv einen Platz ausgesucht mit optimaler Fluchtmöglichkeit. Irgendwie musste ich es geahnt haben. Ich setzte mich in die zweite oder dritte Reihe ganz außen. Schräg gegenüber stand hinter einem Vorhang die Glastür nach draußen offen. Es war sehr warm im Saal, und es wehte eine frische Brise herein.
Ihren Workshop begann die Kollegin mit einer Power Point Präsentation, vollgepackt mit Infos. Für meinen Geschmack war die Zeit zu kurz bemessen, beziehungsweise der Stoff viel zu umfangreich angesetzt. Gegen Schluss ihrer Präsentation hatte sie sich überlegt, die ganze Sache mit einer kleinen Übung aufzulockern. Die Anweisung war: „Bitte alle einmal aufstehen. Sucht euch drei unbekannte Menschen aus und begrüßt sie wie alte Freunde am Bahnhof, die ihr nach langer Zeit einmal wiederseht”.
Sofort war mein gesamtes System in Alarmbereitschaft versetzt. Sobald sich die ersten Menschen bewegten und zueinander stürmten (mit Sicherheit angeführt von den Extrovertierten), war ich aus der Glastür hinaus geflüchtet. Nix wie raus hier, war meine Devise. Ich befand mich bereits im Überlebensmodus. Mein Herz klopfte bis zum Hals. Adrenalin pur. Nun ja, das geht vielleicht nicht jedem Introvertierten so, aber mir schon. In einer Menschenmenge von größtenteils wildfremden Menschen angefasst, umarmt und gedrückt zu werden ist für mich der Horror schlechthin. Mein inne rer Dialog arbeitete natürlich ebenfalls auf Hochtouren. Was tun? Als Führungskraft kannst du dich doch nicht so verhalten – nagte eine innere Stimme an mir. Ich überlegte mir blitzschnell eine Strategie. Ich wollte mich einfach ganz still und wie selbstverständlich wieder auf meinen Platz setzen, sobald sich die allgemeine Aufregung wieder gelegt haben würde. Ich würde einfach so tun, als hätte ich etwas Wichtiges draußen zu tun gehabt. Gesagt, getan. Der Plan schien aufzugehen, und ich ging äußerlich ganz gelassen wieder hinein. Dann kam aber eine Frau auf mich zu. Die Arme hatte sie weit ausgebreitet, und sie hatte eindeutig mich im Visier. Sie war vielleicht noch nicht bei drei angekommen gewesen und wollte die Chance nutzen, mich schnell noch zu begrüßen. An einem der letzten Tage hatte ich am Rande einmal etwas mit ihr zu tun gehabt und bemerkt, dass sie mich wohl mochte. Ich sah ihre leuchtenden Augen, mit der sie die Gelegenheit nutzen wollte, mich einmal zu drücken.
Jetzt hatte ich auf einmal ein zweites Problem. Wie konnte ich mich verhalten ohne diese freundliche Frau zu verletzen? Meine Strategie brach in sich zusammen und mit flehendem Blick und erhobenen Armen sagte ich nur zu ihr: „Bitte nicht!” Für diese liebe nette Frau war das kein Problem gewesen. Sie hat meine Reaktion akzeptiert und ist einfach weiter gegangen. Ich hatte keine Ahnung, wie viele Menschen diese Szene beobachtet hatten. Wieder einmal war ich schlicht und ergreifend „zerlegt”. Kein einziger Satz, der in diesem Workshop gesagt worden war, ist in meinem System hängen geblieben. Alles war wie ausgelöscht, und auch was nach dieser Übung gesagt wurde, ging ungehört an mir vorbei. Es war erst früher Nachmittag, aber ich saß auf meinem Platz, wartete, bis der Workshop zu Ende war und ging dann ohne Vertun auf mein Zimmer und musste mich erst einmal übergeben und ein paar Stunden schlafen.
Danach war ich soweit ok und konnte mich wieder unter Menschen wagen. Ich war wirklich dankbar dafür, eine Rückzugsmöglichkeit zu haben. Ähnliche Ereignisse hatte es in meinem Leben schon oft gegeben. Nicht immer hatte ich eine gute Rückzugsmöglichkeit gehabt. Wenn die nicht gegeben war, war ich länger im Überlebensmodus und dementsprechend brauchte ich viel länger um mich davon zu erholen.
Dadurch, dass ich mich selbst zwischenzeitlich als Introvertierte erkannt hatte, konnte ich auch sehen, was das Schlimmste an diesen Situationen war. Am Schlimmsten waren nicht die Aktionen anderer Menschen, sondern das eigene Gefühl, nicht richtig zu sein so wie ich bin. Das Gefühl, ich sollte anders sein, ich sollte schneller reagieren können, mich besser abgrenzen können, ich sollte nicht alles so nah an mich heranlassen, flexibler sein, spontaner sein, etc., etc., etc. Diese Eigenverurteilungen waren das Allerschlimmste.
Weil mich dieses Erlebnis so stark bewegt hatte, habe ich mich noch auf dieser Aktivwoche dazu entschlossen, etwas für die Introvertierten zu tun. Ich war bestimmt nicht die einzige, die immer wieder in solche oder ähnliche Nöte geriet. Und je mehr ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir, wie wichtig das Thema ist, und dass sich in unserem Kreis einmal jemand diesem Thema annehmen sollte. Und das nicht nur für die Introvertierten. Auch die Extrovertierten tappten auf diesem Gebiet meist vollkommen im Dunkeln.
Die extrovertierte Kollegin wollte mich und andere bestimmt nicht vergraulen bei ihrem Workshop oder in innere Nöte bringen. Im Gegenteil. Mit bester Absicht wollte sie eine „Auflockerung” einbauen. Und dabei ist sie natürlich von ihrem eigenen Temperament ausgegangen. Und so geht es mir ja auch. Oft kann ich selbst über haupt nicht verstehen, wie Menschen so „unsensibel” sein können. Wie kann ich da dann ausgerechnet von diesen Menschen erwarten, dass sie ein Verständnis dafür entwickeln, dass Menschen so sensibel sein können? Sie haben über die verschiedenen Temperamente genauso wenig gelernt wie ich selbst und vermutlich alle anderen. Weil sich unsere Welt mehr in Richtung Selbstdarstellung und Extrovertiertheit verändert hat, scheint es das Erstrebenswerte zu sein. Von wegen! Hier gibt es noch echten Aufklärungsbedarf!
Also, mein Entschluss war gefasst, und ich verkündete einzelnen Kolleginnen und Kollegen, dass ich im kommenden Jahr etwas über Introvertierte im Netzwerk machen wollte. Allein die Ankündigung hat schon großes Interesse geweckt, was mich natürlich gefreut und ermutigt hat.
Bei der Vorbereitung wurde mir natürlich mehr und mehr klar, dass ich diese ganze Sache in erster Linie einmal für mich selbst machte. Wie konnte ich denn in meine volle Kraft, sprich in mein volles Potential kommen, wenn ich meine Kraft immer wieder damit verschwendete, jemand anderes sein zu wollen als ich bin?
Auch die eigenen Grenzen zu setzen ist sehr wichtig, und ich werde es nur dann friedlich tun können, wenn ich mir meiner selbst sicher bin und im Frieden mit mir und meinem Wesenskern bin. Nur so kann ich wirklich authentisch sein, in meiner Kraft stehen und mein Potential entfalten.
Auch wenn die Geburt des eigenen Potentials nicht immer einfach ist und manchmal sogar sehr schmerzhaft sein kann, darf ich heute sagen: Vielen Dank für diesen Workshop, liebe Kollegin! Er war mir ein Augenöffner.
Es war ein wirklich langer und oft auch sehr schmerzhafter Weg, bis ich es mir endlich eingestehen konnte, eine Introvertierte zu sein. Es ist doch erstaunlich, wie viele Dinge wir nicht wahrnehmen, weil sie sich außerhalb unseres Denk- und Vorstellungsrahmens befinden oder wir sie als minderwertig bewerten und einfach nicht wahrhaben wollen. Und dann öffnen wir unsere Vorstellungswelt einmal oder erweitern sie, und plötzlich ist es kaum noch vorstellbar, wie wir diesen wichtigen Aspekt so lange nicht haben wahrnehmen können.
Mein ganzes bisheriges Leben war ich sicher gewesen, dass Menschen grundsätzlich gerne fröhlich sind, feiern, aufeinander zugehen und gerne gesellig sind. Wenn es die Gelegenheit dazu dann gab, habe ich diese Situationen oft ganz anders erlebt als ich sie mir anfangs vorgestellt hatte. Nur selten war ich in der Lage gewesen, zwanglos und fröhlich aus mir heraus zu gehen und eine lockere und unterhaltsame Gesprächspartnerin zu sein. Meist hat es mich wie von Geisterhand an den Rand des Geschehens gezogen. Ich habe beobachtet und gewartet, bis ich eine Gelegenheit fand, mit jemandem zu zweit ein angenehmes und nicht so sehr oberflächliches Gespräch führen zu können.
Wenn das auch nicht geklappt hatte, dann fühlte ich mich mehr und mehr fehl am Platze und sehr unwohl in meiner Haut. Und dann ging es auch schon wieder los mit den Selbstvorwürfen. Der innere Dialog zog wieder alle Register: Warum bist du eigentlich so schlecht drauf? Hast du wieder einmal eine deiner Launen? Du bist einfach noch nicht so weit und solltest noch mehr an dir arbeiten! Du solltest ein gutes Seminar besuchen zur Persönlichkeitsent wicklung! Und so habe ich eine Menge Seminare besucht. Auf diesem Wege habe ich natürlich auch sehr viel gelernt, aber mein natürliches Temperament hat sich dadurch kein bisschen verändert.
Ein Sprichwort heißt: „Wenn der Schüler reif ist, kommt auch der Lehrer”. Manchmal kommt der Lehrer allerdings auf sehr ungewöhnliche Art und Weise daher. 2014 habe ich mich dazu entschlossen, einen Hund in mein Leben einzuladen. Als Introvertierte habe ich mich natürlich erst einmal gründlich mit dem Thema beschäftigt. Meine Wahl fiel dann auf einen Rauhaardackel: klein, handlich und mit starkem Charakter!
Als ich das erste Mal bei der Züchterin war, um mir die sechs Wochen alten Welpen und ihre Mutter anzuschauen, sie zu streicheln und zu beobachten, ist mir bei „meiner” Hündin bereits aufgefallen, dass sie nicht so eine Draufgängerin war wie andere aus dem Wurf, sondern sich immer wieder von den anderen Welpen entfernte, um sich das Geschehen anzusehen. Und dann hat sie sich auch wieder ins fröhliche Treiben gestürzt und mit den anderen gespielt. Ich habe mir also intuitiv den passenden Hund ausgesucht.
Als ich dann auf die Videos von Maja Nowak2 gestoßen bin, hat mich ihr Ansatz sehr fasziniert. Ich war beeindruckt, wie feinfühlig sie die verschiedenen Temperamente und Kompetenzen der Hunde wahrnehmen und damit umgehen konnte. So meldete ich mich und die inzwischen „halbstarke” Diana bei einer von Maja ausgebildeten Trainerin in Süddeutschland zu einem Einzeltermin an. Ich wollte mir als frisch gebackene Hundehalterin ein paar Tipps holen für mich und meinen ersten Hund.
Die Trainerin war eine ziemlich extrovertierte und schnelle Frau. Dennoch konnte ich sehr gut von ihr lernen. Allerdings erst, nachdem ich ihr gesagt hatte, dass sie mich bitte nicht anfassen sollte, solange ich im Lernmodus bin. Sie hatte mich immer mal wieder am Ärmel gestupst, um sich meiner Aufmerksamkeit zu versichern. Meine Bitte hat sie dermaßen selbstverständlich respektiert und umgesetzt, dass ich allein dadurch schon gemerkt habe, wie selten ich das bislang erlebt hatte. Wie oft musste ich aus ähnlichen Situationen schon flüchten, weil die Extrovertierten zwar vorgaben, meinen Hinweis zu Kenntnis nehmen zu wollen, mich aber unverdrossen und unverändert weiterhin stupsten und bedrängten. Ich konnte in solchen Situationen einfach nicht mehr zuhören, sondern war nur noch damit beschäftigt, den Übergriffen auszuweichen. Hier war nun eine schnelle und extrovertierte Frau, die offensichtlich verstand, worum es mir ging! Ihr Verhalten war eine respektvolle und aufrichtige Suche nach einer mir entsprechenden Herangehensweise. Wow!
So erfuhr ich, dass meine Diana ein eher introvertierter und halbautonomer Hund ist, der Zeit braucht, um sich eine Sache zu erschließen und eine klare Führung, die ihr Sicherheit gibt. Und so habe ich mich bei meinen weiteren Beobachtungen mit dem Thema introvertierter und extrovertierter Hund auseinandergesetzt und dabei versucht, Diana die Führung zu geben, die sie braucht, um ein ausgeglichenes Hundeleben führen zu können.
Immer mehr habe ich feststellen müssen, dass ich bei vielen Hundebegegnungen mit fremden Hunden selbst heillos überfordert war, weil die Situationen oft so schnell verliefen, dass ich sie selbst nicht rechtzeitig einschätzen konnte. Nach und nach hat sich bei mir die Erkenntnis durchgesetzt, dass ich wohl auch ein introvertiertes Wesen sein musste, wenn ich mich in Situationen überfordert fühlte, in denen es um schnelle Entscheidungen ging. Oftmals konnte ich es einfach nicht leisten und bin dann diesen Situationen lieber ausgewichen. Einem Hund kann ich nichts vormachen. Er versteht die menschliche Sprache nicht. Er versteht immer nur meine tatsächliche Energie. Wenn ich innerlich aufgeregt bin, habe ich keine Chance, meinen Hund zu beruhigen. Ich muss erst mich selbst beruhigen. Das versteht Diana dann sofort.
So richtig eingerastet ist die Erkenntnis, dass ich introvertiert bin, allerdings erst in Miami. Ich war von meiner Partnerfirma zu einem Führungskräftetreffen eingeladen und wollte mir am Tag nach dem Flug ein wenig die Beine vertreten. So verließ ich das Hotel und ging um den Block herum. Ich beobachtete am Himmel, wie große Greifvögel ihre Kreise zogen und fragte einen Passanten danach, ob es sich um einen Geier oder eine Art Bussard handelt. Er schaute mich sehr verwundert an, konnte mir keine Antwort geben. Wahrscheinlich war es das erste Mal, dass er bewusst am Himmel nach Vögeln Ausschau gehalten hatte.
Ich ging weiter und plötzlich kam mir die Erkenntnis, dass ich eigentlich am liebsten hier stehen bleiben würde, um in aller Ruhe und mit allen Sinnen die Energie dieses Ortes in mich aufzunehmen. Stattdessen war ich wie getrieben, wenigstens so zu tun, als ob ich ein bestimmtes Ziel hätte. Ich spürte zum ersten Mal in dieser Deutlichkeit den inneren Wunsch, ganz langsam zu sein und einfach nur wahrzunehmen. Gleichzeitig spürte ich, wie sich in mir Frieden ausbreitete. Diesen so kostbaren Augenblick werde ich nie vergessen.
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Ja und Nein. Es gibt nämlich extrovertierte Menschen und introvertierte Menschen und so gut wie alles dazwischen. In der Tat kenne ich Menschen, die können sich überhaupt nicht zuordnen, weil sie bei sich selbst beide Seiten ziemlich gleichmäßig verteilt wahrnehmen. Jeder Mensch hat mehr oder weniger beide Anteile in sich, nur bei den sogenannten Introvertierten dominiert eben die introvertierte Seite und bei den sogenannten Extrovertierten dominiert das Extrovertierte. Die begriffliche Unterscheidung hat der Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung geprägt. Manche benutzen auch die Bezeichnung Extravertierte, aber ich sage lieber Extrovertierte.
Etwa dreißig bis fünfzig Prozent aller Menschen sind eher introvertiert. Das heißt, die Temperamente sind ungefähr gleichermaßen verteilt, wenn wir davon ausgehen, dass ein Teil der Menschen von beidem gleich viel haben. Dass die extrovertierten Menschen scheinbar in der Mehrzahl sind, liegt an zwei ganz einfachen Tatsachen. Erstens leben wir derzeit in einer sehr extrovertierten Welt, die Selbstdarstellung in fast allen Bereichen feiert und verlangt. Das war nicht immer so und ist auch heute nicht überall so. In Japan zum Beispiel werden introvertierte und ruhige Eigenschaften sehr geschätzt. Zweitens ist es mehr als offensichtlich, dass die Extrovertierten natürlicherweise mehr auffallen müssen als die Introvertierten.
Es gibt sehr stark ausgeprägte Exemplare auf beiden Seiten der Skala. Extrem Introvertierte werden einfach nie in Erscheinung treten und extrem Extrovertierte können einen ganzen Saal domi nieren – wohlgemerkt, ohne dass man sie dafür gebucht hätte! So kann es auch vorkommen, dass ein „moderat” Extrovertierter neben einem „stark” Extrovertierten wie ein Introvertierter erscheint und ein „moderat” Introvertierter neben einem „stark” Introvertierten wie ein Extrovertierter.
Mir geht es nicht um eine genaue Klassifizierung oder eine wissenschaftliche Abhandlung über das Thema. Das haben andere schon sehr gut gemacht. Es geht mir vielmehr darum, dass Introvertierte ihr Temperament und die damit verbundenen Bedürfnisse erkennen und wertschätzen lernen. Es geht mir auch darum, dass Extrovertierte etwas über die Introvertierten erfahren, um schlicht und ergreifend eine bessere Kommunikation und Interaktion miteinander haben zu können. In jeder Branche, in der es um den Umgang mit Menschen geht, ist das Wissen um die Temperamente und deren Bedürfnisse wesentlich, um Menschen besser zu verstehen und ihnen mit Achtsamkeit und Wertschätzung begegnen zu können.
Die menschliche Psyche ist sehr vielschichtig, wobei das Temperament nur ein Aspekt von ihr ist. Und doch sehe und erlebe ich immer wieder ein großes Konfliktpotential und ein riesiges Kommunikationsdefizit speziell aus diesen beiden Temperamenten heraus und natürlich auch sehr viel Hilflosigkeit auf beiden Seiten.
Das Temperament eines Menschen, also ob eher extrovertiert oder eher introvertiert ist, beschreibt einmal ganz grob, wie dieser Mensch mit Stimulationen, also äußeren Reizen umgeht. Beide Temperamente haben ihre Stärken und Schwächen und könnten sich daher wunderbar ergänzen. Das sehen wir häufig in Paarbeziehungen, bei denen sich gerne Introvertierte und Extrovertierte zusammenfinden. Sind Liebe und gegenseitiger Respekt Grundlage dieser Beziehung, dann können sich diese Paare sehr schön gegenseitig unterstützen und in ihren Stärken fördern beziehungsweise in ihren Schwächen ausgleichen.
Unter Menschen zu sein ist sein Element. Er redet gerne, lernt leicht Menschen kennen und tut sich auch leicht im Vernetzen. Mit ihm wird es nicht langweilig, weil er immer etwas zu erzählen hat. Er ist sogar der geborene Geschichtenerzähler. Das Grübeln ist nicht so seine Sache. Lieber genießt er das Leben in vollen Zügen. Alleine zu sein ist auch nicht sein Ding. Nicht dass er das nicht könnte, aber es wird ihm doch schnell langweilig, wenn er ehrlich ist.
Am liebsten sind dem Extrovertierten angeregte Gespräche mit anderen Menschen und gerne auch in kleinen Gruppen. Vielleicht gehört er sogar zu denen, die ein gutes Streitgespräch durchaus zu schätzen wissen. Das darf auch einmal ein wenig lauter werden, und wenn es jemanden nicht interessiert, der kann ja weghören. Außerdem hat er meist gar nichts dagegen, dass man ihn hört. Wieso auch? Schließlich spricht er ja, damit man ihn hört. Natürlich macht er sich auch Gedanken über andere Leute. Oft versteht er einfach nicht, warum manche Menschen einfach nicht zu bewegen sind. Es wäre doch so einfach, wenn sie nur mehr aus sich her-ausgingen. Daran könntest ein Extrovertierter manchmal regelrecht verzweifeln.
Wenn eine Party angesagt ist, müsste es schon mit dem Teufel zugehen, wenn der Extrovertierte dort nicht zu finden wäre. Na gut, es gibt auch Tage, an denen er es ein wenig ruhiger angehen lässt, aber meistens ist ihm ein wenig Aktion schon ganz recht. Im Auto hat er gerne das Radio an oder es läuft eine seiner Lieblings-CDs. Ja, natürlich schaltet er das auch ab, wenn jemand mitfährt, der das nicht mag. Schade eigentlich, denn es ist ihm doch sehr angenehm, ein wenig Musik zu hören.
Einen kleinen Smalltalk kann der Extrovertierte immer machen. Das ist doch eine wunderbare Möglichkeit mit jemandem ganz locker in Kontakt zu kommen und herauszufinden, wo Gemeinsamkeiten bestehen. Ja, manche Leute wollen einfach nicht auftauen, doch andere sind ganz lustig und mit denen kann man wirklich sehr angeregte Gespräche führen.
Da dem Extrovertierten ein Smalltalk leichtfällt, so bedeutet das nicht, dass er nur oberflächlich ist. Ein jedes Thema darf sich aber auch lebendig anfühlen. Ja, er redet gerne, und meistens fallen ihm die besten Dinge sogar beim Reden ein. Es fühlt sich dann an, als ob sich ein bunter Blumenstrauß oder verschiedene Dimensionen entfalten würden.
Wenn ein extrovertierter Mensch immer wieder vergeblich Zeit und Energie dafür aufgewendet hat, bestimmte Menschen aus seinem Team oder Arbeitsumfeld zu motivieren und zu integrieren, ohne wirklichen Erfolg, dann ist es bestimmt eine gute Idee, sich einmal mit dem Temperament der Introvertierten zu beschäftigen. Vielleicht könnten dabei ein paar Lichter aufgehen.
Unverständnis und Reibungspunkte zwischen extrovertierten und introvertierten Menschen finden sich in allen Branchen, in allen Familien und in allen menschlichen Gemeinschaften. Es lohnt sich immer, über die unterschiedlichen Temperamente mehr verstehen zu lernen.
Am liebsten ist der Introvertierte in einem ruhigeren Umfeld und ist auch als ruhiger Mensch bekannt. Er genießt tiefe Gespräche und kann sich gut auf einzelne Menschen einstellen. Wenn ihn diese interessieren, kann es sogar richtig intensiv werden.
Der Introvertierte ist aber auch gerne für sich allein und liest oder beschäftigt sich mit Themen, die ihn interessieren. Wenn er kreativ sein will, dann braucht er seine Ruhe, das ist doch klar.
Bei gesellschaftlichen Anlässen kann es leicht passieren, dass er nach kurzer Zeit bereits genug hat und lieber wieder nach Hause gehen würde. Das kann durchaus auch dann der Fall sein, wenn er sich schon viele Wochen auf dieses Ereignis gefreut haben sollte.
Lautstarke und heftige Diskussionen sind dem introvertierten Menschen verhasst. Wo immer er kann, meidet er sie. Erstens kommt er dabei kaum zu Wort, und wenn er dann etwas sagt, dann hat er oft das Gefühl, dass ihm nicht wirklich zugehört wird. Oftmals geht alles in Diskussionen so schnell, dass er gar nicht mehr hinterher kommt. Eine solche Situation kann ihm dann noch ewig nachhängen. Lange Zeit ist er innerlich damit beschäftigt, was er hätte sagen sollen, können oder müssen. Und wieder einmal war alles schon vorbei, bevor er überhaupt etwas Wichtiges hatte sagen können. Und dabei hätte er noch einiges zu sagen gehabt!
Am liebsten bereitet sich der Introvertierte gründlich auf ein Thema vor. Er schaut es sich von allen Seiten genau an und hat dann auch fundiert etwas dazu zu sagen. Diese „Drauflos-Schwätzer” gehen ihm oft genug gehörig auf die Nerven. Gerne nehmen sie den ganzen Raum ein, machen sich mächtig wichtig und haben oft genug inhaltlich gar nicht so viel zu sagen!
Der Introvertierte schätzt es sehr, wenn ihn jemand nach seiner Ansicht fragt, will aber dann auch den Raum dafür bekommen und nicht ständig unterbrochen werden. Das empfindet er als respektlos. Schließlich hört er anderen ja auch zu! Oft genug schon ist er über die einleitenden Worte gar nicht hinausgekommen. Was er eigentlich zu sagen gehabt hätte, blieb ungesagt, weil das Gegenüber die erste Atempause ausnutzte, um sofort weiter zu sprechen oder einfach das Thema zu wechseln.
Wie oft hört der Introvertierte intensiv zu und wartet dann auf eine Gelegenheit, selbst zu Wort zu kommen, aber findet keinen Einstieg. Und ganz besonders unangenehm wird es ihm, wenn ihn die Leute anfassen, am Ärmel zupfen oder antippen, um seine Aufmerksamkeit zu bekommen, während er alle Register zu ziehen versucht, ihnen subtil und höflich zu verstehen zu geben, dass jetzt genug sei.
Manchmal reißt einem Introvertierten dann der Geduldsfaden, und er wird richtig heftig. Hinterher tut ihm das dann wieder riesig leid. Manche Leute sind aber auch wirklich unsensibel!
In einer Gruppe von Menschen sind stark extrovertierte und stark introvertierte „Exemplare” natürlich sehr leicht zu identifizieren. Die Extrovertierten sprechen meist lauter als die Introvertierten und vor allem sprechen sie viel häufiger und oft auch sehr ausdrucksstark. Es ist ihr Element, sich unter Menschen zu zeigen und auszudrücken. Small Talk ist eine ganz natürliche, einfache und selbstverständliche Art für sie herauszufinden, was man mit einem anderen Menschen auf die Beine stellen kann. Wenn sich hier zwei entsprechend gestrickte Extrovertierte finden, dann ist das Unterhaltungsprogramm für den Abend oder das Meeting gesichert. Ob es den Geschmack aller trifft, ist dabei eine ganz andere Sache.
Die introvertierten Menschen in einer Gruppe kann man leicht daran erkennen, dass sie meist leiser sprechen als die Extrovertierten und auch häufiger und länger zuhören. Sie sind ja mehr nach innen gerichtet und haben die Tendenz, alles Gesagte erst einmal zu überdenken, bevor sie selbst etwas dazu zum Besten geben. Man findet die Introvertierten auch gerne in intensiven Zweiergesprächen und weniger in größeren Grüppchen.
In der heutigen Zeit, in der es sehr viel um Selbstdarstellung geht, sind viele introvertierte Menschen mehr oder weniger dazu gezwungen, aus sich heraus zu gehen. Viele haben extrovertiertes Verhalten so gut gelernt, dass sie auf Anhieb sehr schwer als Introvertierte zu identifizieren sind. Sie können mit den extrovertierten Menschen sehr gut mithalten und setzen ihre extrovertierten Auftritte während eines Meetings oder eines gesellschaftlichen Anlasses so gut platziert ein, dass man sie schon sehr genau beobachten muss, um festzustellen, dass sie sich immer wieder kleine Auszeiten einrichten, um das Ganze energetisch auch durchzustehen.
