Hormongesteuert - Sandra Bettenworth - E-Book

Hormongesteuert E-Book

Sandra Bettenworth

0,0

Beschreibung

Stella hält nicht mehr viel davon nur die zweite Wahl für einen anderen zu sein und sucht deshalb jetzt über das Internet nach ihrer ganz persönlichen Nummer Eins. Hormongesteuert erlebt sie nun bei jedem Mann andere Emotionen. Von Glückseligkeit bis Melancholie ist alles dabei.   Frauen und ihre Hormone – eine kraftvolle Verbindung! Oder wie Henry Miller sagte: „Liebe ist ein Boogie-Woogie der Hormone“

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 142

Veröffentlichungsjahr: 2016

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Kapitel

Stella

Nikolas und die Traurigkeit

Manfred und die Wut

Kevin und das Entsetzen

Alex und die Enttäuschung

Tristan und die Skepsis

Frank und die Resignation

Vorwort

Wir Frauen haben es aber auch manchmal nicht leicht mit unseren Hormonen. Lassen sie uns unsere Emotionen doch noch ein bisschen extremer wahrnehmen. Traurigkeit, Wut, Entsetzen, Enttäuschung, Skepsis oder Resignation. Alles scheint uns noch ein wenig schlimmer als es eh schon ist. Aber das gilt selbstverständlich auch für die positiven Emotionen. Freude, Begeisterung, verliebt sein oder die Lust übernehmen das Ruder (oder das Steuer?). Nein, der Verstand wird nicht ausgeschaltet – wir können uns nur so schlecht gegen die unerwarteten Ausschüttungen der Hormone wehren.

Für Männer sind wir zickig, gereizt oder überemotional. Unsere Stimmungsschwankungen reichen von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt. Und an all dem sind nur Hormone wie zum Beispiel Dopamin oder aber Stresshormone wie Adrenalin Schuld. Also liebe Männer – und auch Frauen – seid nachsichtig mit uns. Manchmal können wir einfach nicht anders!

1. Stella

„Schluss, aus und vorbei. Ich mag nicht mehr. Jetzt reicht es einfach!“, denke ich mir nicht nur, nein, ich sage es auch laut. Die Raketen erhellen den Himmel in verschiedenen Farben. Die Böller machen einen Heidenlärm und ich glaube so ähnlich muss es wohl auch im Krieg gewesen sein. Dabei ist gerade mal nur Silvester. Raketen zischen bevor sie am Himmel aufgehen und ihre volle Schönheit versprühen. Aber die Knaller sieht man nicht und so erschrecke ich mich jedes Mal, wenn einer der großen Böller explodiert. Ein bisschen passt das ganze Szenario zu meiner Weltuntergangsstimmung. Ich erhebe mein Glas und proste in den Himmel hinein. “Auf ein gutes neues Jahr! Ich wünsche dir viel Gesundheit und Glück, liebe Stella!“ Bei den letzten Worten kommen mir dann auch die Tränen, die ich den ganzen Abend über schon runtergeschluckt habe. Wieder einmal musste ich einen Tag alleine verbringen, den man eigentlich glücklich feiern sollte. Und dabei könnte ich doch glücklich sein. Ich habe eine wunderschöne Eigentumswohnung mit einer riesigen Dachterrasse, auf der ich jetzt stehe und das nicht enden wollende Feuerwerk beobachte. Ich habe einen sehr gut bezahlten und verantwortungsvollen Job, der mich voll ausfüllt. Meine Gene haben mich mit einer natürlichen Schönheit ausgestattet. Ich bin die typische Rassige. Dunkle, sehr lange Haare, dunkler Teint, grüne Augen, nicht gerade schlank, aber wohl proportioniert. So ein Sophia Loren-Typ - und ich habe einen Mann an meiner Seite, um den mich so manche Arbeitskollegin und Geschäftspartnerin beneidet. Nik, so heißt er, könnte direkt einem Hochglanzkatalog entsprungen sein. Er ist groß, dunkelhaarig und hat einen gesunden südländischen Teint. Oft habe ich gehört, wir würden ein schönes Paar abgeben. Da es aber immer Geschäftspartner waren, die das sagten, wurde er nicht müde zu erwähnen, dass er bereits verheiratet sei. Seine Mutter ist Italienerin und das merkt man dann auch an seinem Temperament und seiner Lebenseinstellung. Und trotz alldem fehlt mir etwas in meinem Leben.

Meine sehr moderne 3-Zimmer Neubauwohnung im Dach geht über zwei Stockwerke. Überall Terrakottafliesen und heller Rauputz. Mein Wohnzimmer ist bewusst sehr spartanisch eingerichtet und wird von der offenen Küche mit einer Esstheke getrennt. Auch die ist eher funktional mit den vielen Geräten und der langen Arbeitsfläche. Im Wohnzimmer habe ich eine große weiße Sofalandschaft, die zum Kuscheln förmlich einlädt. Es gibt hier keinen Fernseher oder Schränke. Eine überdimensionale Bodenvase und zwei moderne Bilder sind die einzigen Accessoires in diesem Raum. Gerade dieses Einfache und Klare liebe ich hier besonders.

Mein Büro dagegen ist voll mit Bücherregalen und an einer Wand hängt auch ein Flatscreen. Ich schaue sehr selten fern. Wenn, dann nur Wissenssendungen oder mal `Let´s dance!´. Dann lege ich mich in diesen wahnsinnig gemütlichen Fernsehsessel, der außer dem Bürostuhl die einzige Sitzgelegenheit hier ist. Mein großer Glasschreibtisch ist immer aufgeräumt und wenn ich hier arbeite, habe ich einen freien Blick in den Wald. Manchmal sehe ich hier die Eichhörnchen von Baum zu Baum flitzen und beneide sie um ihre Schnelligkeit. Sie sind so unglaublich flink und immer aufmerksam. Blitzschnell wechseln sie ihre Richtung, wenn sie Gefahr wittern. Diesen Instinkt hätte ich auch gerne.

Auf dieser Etage gibt es noch ein einfaches Duschbad mit Toilette. Im oberen Stockwerk ist dann die Wellness-Oase mit einer großen Eckwanne mit Whirlpool-Funktion, das Schlafzimmer mit dem riesigen Wasserbett und einer umgebauten Kammer zum Ankleidezimmer. Ich besitze wenig Pflanzen in der Wohnung. Dafür blüht meine Dachterrasse den ganzen Sommer über. Es bleibt mir nicht viel Zeit mich um so was wie Pflanzen oder gar Tiere zu kümmern.

Bin ich mal länger als drei Tage weg, pflegt Ben, mein Nachbar und inzwischen bester Freund, die Blumen. Oft schon wurde ich belächelt, wenn ich erwähnte, dass meine `beste Freundin´ ein Mann ist. Aber eine bessere Freundin als meinen Ben kann ich mir gar nicht mehr vorstellen. Ich sehe es als Vorteil mit einem Mann Probleme zu diskutieren, da diese bekanntlich ja doch anders denken als Frauen. Vielleicht bilde ich es mir auch nur ein, aber ich glaube, etwas so besser einschätzen zu können. In Bezug auf Männerfragen verlasse ich mich dann auch ganz und gar auf Bens Urteil. Er ist der einzige Mann, bei dem ich mir sicher bin, dass er mich nie verletzen wird und immer ehrlich ist. Auch wenn wir uns erst seit etwas mehr als drei Jahren kennen, habe ich bei ihm grenzenloses Vertrauen. Wir beiden lernten uns zu einem Vorgespräch bei dem gemeinsamen Bauunternehmen für unsere neuen Wohnungen kennen, als wir feststellten, zukünftig die gleiche Adresse zu haben. Ben schlug deshalb damals vor, einen Kaffee auf gute Nachbarschaft trinken zu gehen. Dabei tauschten wir uns dann auch über die Wohnungen aus und blieben seit dem in täglichem Kontakt. Ich profitierte von Bens Erfahrungen aus seinem Mehrfamilienhausbau, in dem nun seine Ex-Frau Juliane mit ihrem gemeinsamen Sohn lebt. Ben hatte sich gerade von seiner Frau getrennt und da ich vergeben war, gab es hier gar keine Frage, ob der andere mehr als eine Freundschaft wollte. Er war froh über die Unterstützung bei der Abwicklung zu dem Wohnungsbau. Standen Ortstermine an, habe ich diese oft übernommen. Dafür hat Ben sich als Rechtsanwalt im Wirtschaftsrecht um die Streitpunkte gekümmert. So konnten wir schon in dieser Zeit vom anderen profitieren. Beide mögen wir klare Strukturen, keine Haustiere und vor allem Cappuccino mit Karamellgeschmack. Eine SMS mit „Cappu?“ reicht aus, damit er ein paar Minuten später vor meiner Tür steht und bereit ist, mit mir die halbe Nacht zu quatschen. Ben ist für mich so was wie ein Seelenretter. Es gibt nichts was er nicht weiß, steht mir immer zur Seite und kennt mich manchmal besser als ich mich selbst. Er ermahnt mich oft mit den Worten „Man muss bei der Suche nach sich selbst höllisch aufpassen; nachher ist da überhaupt niemand mehr!“

„Frohes neues Jahr, Sternchen!“ Ich habe Ben gar nicht kommen hören, so sehr war ich in meinen Gedanken versunken. „Hast du mich nicht klingeln hören?“ Beide hatten wir schon ganz früh dem anderen einen Schlüssel zu unserer Wohnung gegeben. Am Anfang wegen der Bauüberwachung. Nachher wollte aber keiner dem anderen den Schlüssel wegnehmen. Wir fanden es beruhigend zu wissen, dass man im Notfall nicht ganz alleine ist.

Ich drehe mich mit meinem Glas zu Ben.

„Frohes Neues.“ Ich versuche zu lächeln, aber meine Tränen verraten mich.

„OK Sternchen. Ich hole mir ein Glas und du eine Wolldecke. Dann setzen wir uns in den Strandkorb und du erzählst mir was passiert ist.“ Der Strandkorb auf meiner Dachterrasse ist ein Highlight. Er gibt mir ein Gefühl von Urlaub und Geborgenheit. Auch jetzt habe ich das Gefühl mich in seiner Höhle verkriechen zu wollen.

„Aber es ist ja gar nichts passiert und warum bist du überhaupt hier? Du wolltest doch mit Pierre-Simon feiern.“

Ben stellt die Flasche mit zwei neuen Gläsern auf den kleinen runden Beistelltisch und setzt sich zu mir unter die Decke, die bereits dalag. Immer noch geht hier und da eine Rakete hoch oder ist ein Böller zu hören.

„Mein Sohn ist kurz vor Mitternacht eingeschlafen und war nicht mehr wach zu bekommen. Ich habe kurz mit Juliane angestoßen und sie mit ihrem Freund alleine gelassen. So, und nun erzähl mal was nicht passiert ist.“

„Nik…“

„Na klar wer sonst!“

„Ja willst du es nun wissen? Also Nik ist nicht gekommen.“

„Und das überrascht dich jetzt?“

Ich breche wieder in Tränen aus. „Diesmal habe ich so fest geglaubt, er würde es ihr sagen und sich von seiner Frau trennen.“ Ben rollt zwar die Augen, legt aber trotzdem einen Arm um meine Schultern. „Warum sollte er es jetzt tun, wenn er es die letzten zehnmal schon nicht getan hat?“

„Das stimmt ja gar nicht. Er hat erst…“, ich überlege kurz und bin dann entsetzt, „… vier Mal versprochen mit ihr zu reden.“

Ben bricht in schallendes Gelächter aus. „Sternchen, es war öfter.“ Er seufzt. „Wie kann man nur so hormongesteuert sein?“

Ich suche offensichtlich die Antwort in meinem Sektglas, denn da starre ich nun hinein - und da ich stumm bleibe, redet Ben weiter.

„Warum sollte er sich heute von seiner Frau trennen, wenn er es schon vor einem halben Jahr tun wollte, als er seine Frau beim Fremdgehen erwischt hat? Er hat seine Kat…“ - dabei zieht er das `a´ unnatürlich lang und macht die schnickende Handbewegung einer Diva - „… mit dem Tennislehrer in der Umkleidekabine gesehen. Eine Trennung wäre ein leichtes gewesen - und er hätte ihr sogar noch die Schuld geben können. Stattdessen schleicht er sich raus und heult sich bei dir aus.“

„Das hat er doch nur wegen seiner beiden Töchter gemacht. Lily und Amber waren zu klein um das zu verstehen. Die beiden sind erst drei und fünf Jahre alt.“

Ben atmet hörbar tief ein und spricht dann extrem langsam. „Du arbeitest seit sechs Jahren in dieser Firma und seit vier Jahren habt ihr das Verhältnis. Lily sollte dann vermutlich der Abschiedsfick von seiner Frau sein?“

„Du bist ekelhaft. Es ist nun mal nicht so einfach sich zu trennen.“

„Sternchen, wenn du ernsthaft glaubst was du sagst, sollten wir unbedingt deine Doparminausschüttung prüfen lassen. Mach die Augen auf.“

Ich schaue ihn erschrocken an. „Ja du hast ja Recht. Er ist ein Schwein.“

„… und dein Chef! Vielleicht solltest du mal weg von ihm. Flieg in die Türkei und mach zwei oder drei Wochen Urlaub in der Wohnung deines Ex.“

Ich schaue Ben lange an und sage dann „Ich kann nicht. Ich habe zu viel Arbeit.“

Das Neujahrs-Kater-Frühstück ist bei Ben und mir schon eine feste Institution. Beide waren wir Silvester eingezogen und hatten im Umzugsstress vergessen für Neujahr einzukaufen. Also hatten wir unsere Kühlschrankinhalte zusammengefügt und ein Notessen daraus gemacht. Weil wir beide so viel Spaß dabei hatten, beschlossen wir, dies nun jedes Neujahr abwechselnd beim anderen zu machen. Dieses Jahr ist das Essen wieder bei mir. Inzwischen habe ich ein bisschen geschlafen und mich zurecht gemacht. Die Esstheke ist voll mit lauter Köstlichkeiten. Bacon mit Rührei, gekochte Eier, Orangensaft, zwei Gläser Sekt, aufgebackene Brötchen und Croissants, Marmelade, Honig, Käse und eine große Kanne Kaffee. Ich weiß, dass das Essen für uns beide zu viel ist, aber ich liebe es eine gute Gastgeberin zu sein und die Gäste zu verwöhnen. Ich genieße die anerkennenden Blicke und die Komplimente. Das lässt mich nur noch einfallsreicher werden. Auch die Geschäftskunden freuen sich jedes Mal über meine außergewöhnlichen Ideen der Bewirtung, Dekoration oder Geschenke. Kreativ war ich schon immer. Ich besitze ein kleines Vokabelheft, in dem ich seit meiner Jugend, alle Ideen, wie man eine Ehe auffrischen könnte, aufschreibe. Ich bin mir sicher, das irgendwann mal gut brauchen zu können. Männer lieben ja angeblich die Abwechslung - und auf keinen Fall will ich dann das Risiko eingehen, meinen Ehemann an eine andere abtreten zu müssen. Egal, ob heimlich oder offiziell. Zu lang habe ich mich selbst mit der Nummer zwei abgegeben.

Da stehen einfache Vorschläge wie neue Dessous, bis hin zu außergewöhnlichen Events, wie einer Beachparty im Winter. Selbstverständlich in den eigenen Räumen mit angeliefertem Sand. Immer mal wieder habe ich solche Einfälle oder schnappe irgendwo etwas auf. Ich bin sicher, wenn es drauf ankommt, würde mir nichts mehr einfallen. Also schreibe ich es auf.

Es klingelte an der Tür und ich mache Ben auf.

„Du hast doch einen Schlüssel!“

„Jaaa - und Anstand!“

Er stellt grinsend ein Glas mit Rollmöpsen auf die Theke. Auch die gehören schon zur Tradition. Ben setzt sich und schenkt uns beiden einen Kaffee ein.

„Geht es dir heute Morgen besser?“

„So viel haben wir gestern doch gar nicht getrunken.“

„Das meine ich auch nicht. Ich rede von deinem seelischen Zustand.“

Ich lächele. „Jepp! Ich habe beschlossen, es wie ein Mann zu nehmen. Gestern habe ich gesoffen und heute dreht sich die Welt weiter. Ich werde mir einfach einen neuen Mann suchen.“

„Das hört sich doch vernünftig an. Und wo finden wir diesen Mann?“

Ich gucke verblüfft meinen Nachbarn von der Seite an. „Wieso wir?“

„Na, weil ich da ja auch wieder mit durch muss. Ich werde gemeinsam mit dir hoffen, mich freuen, glücklich sein und möglicherweise wieder leiden. Also will ich auch ein Mitspracherecht!“

Nachdenklich nehme ich einen großen Schluck Kaffee. Manchmal ist Ben wirklich so männeruntypisch. Seit wann wollen Männer eigentlich reden? Und seit wann wollen sie Mitspracherechte? Bisher hatten Männer doch das Monopol über die Entscheidungsgewalt. Er hat die Verantwortung und sie muss nur dafür sorgen, dass sie gut aussieht und der Tisch gedeckt ist. Was waren das doch für Zeiten als Frau Frau sein durfte. Ich schüttle den Kopf über mich selbst. Bin ich selbst doch im Geschäft weisungsbefugt über eine Abteilung mit acht Mitarbeitern. In diesem Sinne bin ich also auch eher noch frauenuntypisch.

„Also?“

„Ja ist gut. Wir suchen zusammen. Aber die letztendliche Entscheidung treffe ich allein.“ Irgendwie ist mir nicht ganz klar, warum ich ihm so viel Raum in meinem Leben gebe. Eine beste Freundin, wie sie jede normale Frau so hat, hatte ich nie. Ich konnte dieses Rumgezicke und Gelästere nicht ausstehen. Aus diesem Grund habe ich zwar Bekannte und auch mal gute Bekannte, aber wenn es mir zu viel wird, verabschiede ich mich und muss mich dafür nicht mal rechtfertigen, wie andere beste Freundinnen.

„Ok, dann nehme ich eine beratende Funktion ein. Und wo suchen wir nun? Die größten Chancen soll man ja am Arbeitsplatz haben.“ Ben kann nicht anders als loszuprusten.

„Danke, das habe ich ja nun schon hinter mir. Ganz sicher suche ich dort nicht noch mal.“

„Dann beim Sport. In welchem Fitnessstudio sollen wir dich anmelden?“

„Ich schaffe es nicht mal regelmäßig zu meinem Pole-Dance.“

Ben lässt sein Croissant fallen und guckt verwirrt. „Seit wann machst du denn das?“

„Ich war erst zweimal da. Gina, eine Kundin von uns, hat mir den Kurs bei ihr geschenkt. Ich habe ihr ein paar Mal mit Tipps geholfen. Dafür war sie so dankbar, dass sie mir den Kurs anbot - und ich wollte natürlich Nik damit beeindrucken.“

„Wolltest du dir eine Stange in dein Schlafzimmer bauen lassen?“ Ben kann sich ein süffisantes Lächeln nicht verkneifen.

„Grrr. Du Arschtörtchen!“ Ich stehe auf und mache mir und Ben einen Espresso. Die Frage ob er überhaupt einen will, kann ich mir sparen. Wenn auch nur ansatzweise Kaffee drin ist, nimmt Ben alles.

„Ok, also fällt der Bereich Sport auch aus. Dann bleibt nur noch Freizeitgestaltung oder das Internet.“

„Freizeit? Was ist das? Außerdem mag ich nicht alleine in eine Bar oder ins Theater gehen. Und Internet? Das ist doch so unpersönlich und ich weiß gar nicht was ich über mich schreiben soll.“

„Superfrau sucht Supermann oder Mutter sucht Schraube.“ Dabei grinst er.

„Ich brauche eine Zigarette.“ Ich bin genervt und räume den Tisch ab.

„Du rauchst doch gar nicht!“

„Ich fange sofort damit an, bei so viel Schwachsinn.“

„Weißt du überhaupt was du willst?“ Ben guckt mich ein bisschen ratlos an.

„Klar“ sage ich und versuche ganz schnell Worte für meinen Traummann zu finden. „Er sollte groß sein, mindestens 1,80m, aber auf keinen Fall über 1,95m. Er sollte lieb sein, aber auch wissen wie er mich im richtigen Moment führt. Er sollte eben einfach männlich stark sein, an dessen Schulter man sich ausheulen kann.“

„Sonst noch was?“ Ben meint diese Frage eigentlich sarkastisch, aber ich antworte prompt. „Er sollte klare Augen haben in denen man sich verlieren kann. Dunkle volle Haare. Ich mag behaarte Männer. Er sollte Nichtraucher sein und gerne grillen. Ganz wichtig ist das er finanziell abgesichert ist, aber auf gar keinen Fall geizig. Er trinkt lieber Kaffee als Tee und liest die `Auto, Motor und Sport´. Viel Schlaf braucht er auch nicht und ist kein Langweiler. Außerdem mäht er den Rasen und hasst Essen aus der Mikrowelle. Er findet Sean Connery war der beste Bond und liebt die Rolling Stones. Wenn er mal trinkt, dann ist es ein guter Whisky.…“

„Ok, Ok!“, unterbricht Ben mich. „Ich glaube, so genau hat noch keine ihren Traummann definiert. Bei so vielen Voraussetzungen könnte es allerdings ein bisschen schwierig werden Mr. Right zu finden.“ Das Wort bisschen zieht Ben so in die Länge und runzelt dabei die Stirn, dass ich bockig die Arme vor der Brust verschränke.